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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 28.1903"

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St. Petersburger 


MEBICIBISCEE WOCHENSCHRIFT 


uiter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Or. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Or. Rudolf Wanach. 


St. Petersburg. 


XXVIII JAHRGANG 

(NEUE FOLGE XX. JAHRGANG). 



i 


ST. PETERSBURG. 

Huchilruckerei von A. Wie necke Katharineuhofer Prosp., M 15. 

1903 . 


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INH ALTS-VERZEICHNISS. 


Die mit * bezeicbneten Zahlen beziehen sich auf Original-Arbeiten, die eingeklaramerten aaf die rassische Literatur-Beilage. 


.A. 


Abastuman, Kurort f. Frauenkrankh. j 
( 20 ). ! 
Abdomen, Schnittverletz, d. —s (18). ■ 
Abhärtung, üb. d. — d. Kinder 
315. 

Abortus, F. v. «missed abortion» 1 
(38), (76). I 

—, Therapie d. — 379*. 

Abscess, tuberk. —e i. Gehirn ohne j 
Affekt, d psych. Sphäre (53). 
Acetjnurie, — b. Erkrank d. weibl. 
Genit. (9). 

Acetopyrin, d. — u. d. Salicyl. 29*. ! 
Adenoide Vegetationen, Einfl. d. — i 
a. d. Allgemeinzustand 275*, 283*. 1 
—, Einfl. d. — a. d. Organismus 
( 60 ). 

Adrenalin, üb. — 95. 

— t — b. d. Nasenbeh. (14). ! 

—, Wirk. d. —s a. d. Organismus. 

(47). | 

—, üb. Katalysat. i. Organism. u. 

üb. — etc. 56, 83*. 

Aerzte, Normalstatut f. Kirchspiels— j 
108. 

—, Lexikon d. Krankenpfl. f. prakt. j 
— 345. I 

— Stell, d. — a. d. öff. Irrenanst. 3. 1 
Aerztliche Fortbildungs-Vorlesungen ■ 
277. 

Akoin-Kokain, üb. — z. Lokalanä- j 
sthesie. 506. 

Akromegalie, F. v. — 277. 
Aktinomykosis, F. v. — i. Thränen- 
kanal (21). I 


Sach-Register. 

Albuminurie, üb. - 225. 

—, üb. — nach kalt. Bädern. 314. 
Albumosurie, — als klin. Sympt. 

(15). 

Alkalien, üb. d. Einfl e. — a. In- 
fectionskrankh. (44). 

Alkaloid, öl. Lösung d. —e bei Au- 
genkrankh. (21). 

Alkohol, Gift d. — s. 3. 

Alkoholismns, IX internat. Kongress 
geg. d. — 238. 

—, Veränd. i. oentr. Nervensyst. b. 

— 47. 

—, ärztl. Ges. z. Erforsch, d. —163. 
Altershypertrophie üb. — d. Pro¬ 
stata. (55). 

Amenorrhoe, F. v. — (17). 

Amnion, üb. Anomal, d. —s (62). 
Amyloform, — i. d. Therapie (69). 
Amyloid, Beobacht, üb. d. — d. Nie¬ 
ren (65). 

Anaerrie, pernic. — währ. d. Schwan- 
gersch. (62). 

—, F. v. perniciös. — (18). 

—, — splenica. (37), (14), (68). 
Anaesthesie. loc. — b. d. Paracent. d. 

Trommelfells (19). 

Analgesie, üb. spinale — (55). 
Analyse. Handb. d. phys. n. path. 
ehern — 258. 

—, ehern. — d. Mineralwässer. 362. 
Anatomie, Atlas d. topogr. — 345. 
—, Grundriss d. path. — 495. 

—, Atlas d. descript. — d. Mensch. 
56. 

—, Lehrb. d. spec. Path. u. path. 

— 182. 

137509 


Anatomie, üb. Unterricht i. d. topogr 

- (56). 

Anencephalie, Veränder. d. Auges b. 

- ( 21 ). 

Aneurysma, üb. Aorten— 58. 

—, Bedeut, d. Oliver’schen Sympt. 

b. — d. Aorta (65). 

—, Gelatininject. b. — (7). 

—, Behandl. d. — d. Aorta abdomi¬ 
nalis. (47). 

—, F. v. —spur. d. Car. commun. 
(57). 

—, Aetiologie d. — (GO). 

Angina, F. v. — Viacenti (17), (32). 
Angiofibrom, — d. Augenhöhle (47). 
Angioma, F. v. —kavernosnm 39 2. 
—, F. v. — d. Gesichts (59). 
Ankylose, F. v. vollständ. — (78). 
Anopheles, Demonstr. v. —clav. s. 
maculipen. 88. 

—, Abhäng. d. Malaria v. — (23). 
—, Infection d. Menschen m. Malaria 
durch —bisse (26), (33). 
Anophthalmus congenitus, — cum 
Cysta palpebrae inferiofis. (47). 
Anoslomosenbild. b. Resec. d. Ne- 
benhod. (72). 

Anthrasol, üb. — 249. 

Anthrax, Serumbehandl. d. — (24). 
—, Karbolbebandl. d. — (63). 

-, F. v. — (15). 

—, 3 F. v. — 482. 

—, Inject, m. Karbolsäurelös. b. — 
(5). 

—, Impfung d. — (6). 
i —, z. Aetiol. d. — (78), 
j (sibir. Wunde), 


k 


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IV 


Antistreptokokkenlserum, üb. — 506. 
—, — b. Erysipel (64). 

—, z. Behänd], d. Streptukokcieen 
m. — 43,*, 443*. 

—, — b. Erysipel. (Gl). 

Anuria calcolosa, z. Therapie d. — 
545*. 

Anus, F. v. —praeternaturalis. 237, 
248. 

—, 2 F. v. Atresie d. — (53). 
Aorta, Aneurysma d. — 58. 

—, Embolie d. — (46). 

—, Aneurysma d. —abdominalis 
(47). 

Apoplexie, traumatische Spät— 337. 
Apparat, — z. Einwirk. e. konstant. 

elektr. Sjromes (46). 

—, Waldenburgs— 343*. 

Apendicitis, s. Perityphlitis. 

Appendix, F.' v. sehr langem — (55). 
Arbeit, Einfl. d. llstünd. —stages a. 

d. Stoffwechsel (14). 

—, Sanit. Verhält, i. d. —scentren 
(27). 

Arbeitsfähigkeit b. Augen verletz. 
(37). 

Arrestant, üb — enlähmung (52). 
Arteria carotis, Veränder. d. Ten¬ 
sion d. Bulb. b. C’ompr. d. — (20). 
—, Unterbind, d. — weg. Schuss¬ 
wunde (45). 

Arteria, F. v. Unterbind, d. — u. Vena 
femoralis (56). 

—, F. v. gleichzeit. Ligat. d. — ex¬ 
terna, —femoralis u. Vena femo¬ 
ralis (56h 

—, — hyaloidea persistens (36). 

—, F. v. Embol. d. — pulm. (72). 
Arterienveränderung, üb. — b. Kin¬ 
dern (54). 

Arteriosklerose, Wesen u. Entwick. 
d. — 418. 

Arthritis, Pneumokokken — (5). 

—, b. Kind. (16). 

Arzneimittel, Darstel. d. i. Laufe d. 

letz. 5 Jahre bek. gew. — 326. 
Ascites, — bei Lebercirrliose (28). 

—, z. Pathcg. d. pseudochylös. — 
(43). 

Aseptik, üb. — (ö). 

Askaris, F. v. — i. d. Vagina (23). 
—, — i. d. Bauchhöhle n. Darm¬ 
ruptur (68). 

Aspirin, Wirkung d. — (3i). 

Asthma, 3 F. v. — b. Kind. (37). 
Astigmatismus, — als Hinderniss b. 
Lernen (66). 

Athetose, Chorea u. — (27). 

Athmung, Bezieh, psych. Zustände z. 

Kreislauf u. — 11 *. 

Atlas, mikrosk. — 519. 

—, — f. d. Bau v. Irrenanstalt 24. 

—, — d. topograph. Anatomie 345. 

—, — d. pathol. Histologie 427. 
Atresie, F. v. — d. Anus (53). 

—, z. Cas. d. -- d. Vagina (60). 
Atrophie, F. v. progr. spin. Muskel 
— 237. 

—> — d. retrobulb. Fettgewebes 
(69). 


Atropin, Einfl. v. — u. Physostig¬ 
min a. d. Blntversorg. d. Kopfes 
(11). 

- , —inject, b. Darmocclus*. (20), 
(33), (44), (59). 

Augapfel, Durchbohrung d. Wan¬ 
dungen d. —s durch Eisensplittcr ! 
(24). 

Auge, Thromb. d. Centralvene d.—s 
482. 

—, Veränder. d. —s b. Anencephalie 
(21). 

—, F. v. Frühjahrskatarrh d. —s 
(21), (22). 

—, perfor. Verletzung d. —s (22). 

—, Veränd. d. —n bei Secalevergift. 
(38). 

—, üb. lokale Immunität d. —s(48). 
—, Verletz, d. —s 373. 

—, metastat. Erkr. d. —s b. allgem. 
Infect. (2'2). 

—. Erkrank, d. —s d. Fliegenlarven 
(*»• 

—, Vermind. d. Arbeitsfäh. b. —nver- 
letz. (37). 

—, üb. —nverletzungen (41). 

—, —nverletzungen durch Granat¬ 
splitter 374. 

—, profess. —nverletzungen d. Naph- 
taindustrie (69). 

—, F. v. dopp. —nverletzung (70). 

—, F. v. —nverletzung durch Huf- 
schlag 482; 

—, F. v. schwer. — nverletz. 237. 

—, d. -n d. Zflgl. d. Arcbangel. Gyra- 
nas. (36). 

—, z. Cas. d. —nverletz. (20). 

—, Entfern, v. Eisensplitt a. d. — 
(21). 

Erkr. d. —s durch d Larven d. 
Woblfahrts Fliege (16). 

—. endogene Infect. d. —n (47). 

—, F. v. Cysticerkus i. 1. — (47). 

—, Veränd. d. —ndruckes b. Com- 
press. d. Art. carot. (20). 

—, Ergrauen d. —nbraueu u. Ci- 
lien (20). 

Augenärzte, flieg. Kolonne v. —n 
im Gouv. Wilna (22), (48). 

—, Statistik d. — (22). 

—, Ber. d. — a. d. Stadt Kal war 
(6,1). 

—, Bericht d. — i. Kalugnschen 
Gouv. (47). 

—, Bericht d. — i. Wilnaschen Gouv. 
(48). 

Augenärztl. Beobacht. (36). 
Augenheilanstalt, Ber. e. — in Menv 
(21). 

—, Ber. e. — in Dagestan (21). 

—, Ber. d. Ufaschen — (36). 

—, Ber. d. Wjatkaschen — (41) 
Augenheilkunde, Lehrb. d. — 257. 

—, üb. Brucin i. d. — (36) 

Augenhöhle, F. v. Tumor d. — (42). 

—, Angiofibrom d. — (47). 
Augenkrankheiten, d. — im Gouv. 
Woronesh (22). 

—, Cuprum citrikum b. — (67), 
(70). 

—, Ber. d. — in Nikolajew (18). 

—, Ichthargan b. — (36). 


Augenkrankheiten, öl. Lösungd. Al¬ 
kaloide b. — ( 21 ), (22). 
Augenlid, Sarkom d. —es (21). 
Autoinfection, üb. — (7). 
Autoserotherapie, — b. Behamll. 

pleur. Exsud. (68). 

Automatismus, ambulat. — (5), (29), 
(31). 


B. 

Bacillen, üb. Syphilis— (1). 

Badeort, ärztl. Studienreise n. —eu 
23*, 33*. 

Badepraxis, Blutdruckmessungen i. d. 
— 369*. 

Baeder, — u. Badewesen in Ver¬ 
gangenheit u. Gegenw. 258. 

—. phys. Wirk. d. Sitz— (19). 

—, Albuminurie nach kalt. —n 314. 
Baedertag, 30 schles. — 172. 
Bakterien, d. — d. Limanschlam. 
(7). 

—, Zersetz, stickstofffreier organ. 

Subst. d. — 35. 

—, üb. anärobe — 48. 

—, Kachexie*d. —toxine 48. 

—, Anleit. z. Durchfuhr, v.—unters. 
182. 

Baldrian, Vaiyl, e. neues —prae- 
parat 353. 

Basis cerebri, Schmerz, d. Jochbog. 

b. Erkr. d. — (35). 

—, Traum. Bluterguss a. d. — (35). 
Bauch, Sehussverl. d. —es (57-. 

—, Askariden i. d. —höhle n. Daim- 
ruptur (68). 

—, Beleucht, d. —höhle z. oper. 
Zwecken (76). 

Bauchgeschwülste, z. Cas. d. — (55). 
Bauchmassage, üb. — (65). 
Bauchwassersucht, s. a. Ascites. 
Becken, Behandl. b. eng. — (39). 
Beckenendlage, Extract. u. Perforat. 
b. —n 73*, 173. 

Bequorelstrahlen, — b. Ulc. rod. (73). 
Befruchtung, üb. künstl. — d. Säu- 
gethiere (66). 

Beleuchtuiigsmethode n. Olt (76). 
Beruhigungsmittel, — b. Geistes¬ 
krank!!. 353. 

Bindehauterkrank., Massage b. —en 
(70). 

Biographie, Helmholz— 76, 258. 
Blase, Fremdkörp. d — (40). 

—, F. v. Verdoppel. v. — u. Ure¬ 
ter (74). 

Blasenbrüche, üb. crur. — (72). 
Blasenmole, F. v. —nachschwan- 
gersch. 23 4*. 

—, Demonstrat. e. — 237. 

Blindheit, geheilt. F. fast absol. — 
(09). 

Blitzschlag, F. v. Massen— 482. 

Blut, Alkalescenz d. —es (27). 

—, —unters, b. Syphilitikern (20). 
—, Wirk. d. Diphtherie u. Tetanus- 
Toxine a. d. — (9). 

—, tödtl. Wirk. d. Thier—inject. 
(9). 


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IX 


Kali hyperraang., — bei Erysipel 

(37) . 

—, — als Gegengift b. Morpbiura¬ 
vergift. (45). 

—, — i. d. Therapie (68). 

Kalorael, — b. Ulcus cruris (öl). 
Kamarin, neu. Nährm. — 206. 
Karbolsäure, Beh. d. —vergift. 129. 
—, —behandl. b. Anthrax (68). 

—, Inject, v. —lösung b. Anthrax 
(&)- 

—Inject, v. —lös. b. Trachom (6). 
Karbolsäure Vergiftung, F. v. — (29). 
Karcinora, s. a. Krebsforschung. 

—, tib. Erblichk. d. —s (66). 

—, üb. Oesophagus— (52). 

—, üb. Anlegung v. Darmfisteln b. 

— d. Magens (57). 

—, Beh. d. Uterus —s b. Gravid. 
(11). 

—, Operat. d. Pyloros —s (11). 

—, F. v. Mamma— b. e. Manne 
(78). 

—, Exstirp. d. Larynx weg. — (18). 
—, F. v. — d. Uterus etc. 172. 

—, üb. Spätrecidive bei — (26). 
Kastration, Wirkung d. — 372. 
Katalysatore, üb. — i. Organisra. u. 
üb. Adrenalin, Spermin etc. 66, 
83*. 

Katarakt, Beh. d. secund. — (20). 

—, 1100 —Operationen (25). 

—, Operat. v. — b. Tetanie (22). 

—, ac. Glaukom u. —operat. (22), 

(38) . 

—, Operat. d. senil. — 196. 

Katgut, Sterilisat. d. — (8). 
Kaukasus, Heilquel. i. — anwendb. 
b. Malaria (37). 

—, Nervenkrankb. a. d. — (49). 

—, Malaria i. — (52). 

Kehlkopf, s. a. Larynx. 

—, Behandl. d. —tuberkulöse m. 
Phenosalyl. (33). 

—, F. v. —exstirpation wegen Krebs 
(56). 

Kehlkopf, üb. sept. —erkrankungen 
(61). 

Keloid, spont. u. Narben —e (3). 
Kephir, Demonstrat. v. — 116. 
Keratin, — bei interstitiell. Erkrank. 
(30). 

Keratitis, 2. F. v. —superficialis (54). 
—, F. v. —vesiculosa (47). 
Kieferhöhle, z. Aetiol. d. — nempyeras 
116*, 207. 

Kieferklemme, Heilung d. buccal. — 
durch Autoplastik (56). 

Kinder, Asthma b. —n (37). 

—, Abhärtung d. — 316. 

—, Pasteurisirung d. —milch 392. 
Kinderkrankheiten, Beh. d. — 56. 

—, Lehrb. d. — 181. 

—, Vorles. üb. — 337. 

Kindesalter, üb. Schönh. u. Gesundh. i 
i. - (66). , 

Kleinhirn, z. Path. d. —s (78). 

Klima, d. — v. Libau 237. 

Klinik. Berliner Chirurg. —en (31). ; 
—, d. orthop. — d. Prof. Wolff 
(31). 


Klinisches Institut, Ber. d. —s d. 

Grossfürstin Helena Pa wlowna (33). 
Kloster, — u. Gemeindekranken¬ 
häuser i. Russland (60). 

Klystiere, —b. Dysenterie (6). 

Knie, *eitr. Entzünd, d. —gelenks 
(7i). 

Knochen, Bild. v. — i. d. Mandeln 
(15). 

—, üb. —Wachstum b. Kind. 140. 
Kobalt, — etc. b. Zahnkrankh. (5). 
Kochsalz, üb. —infusionen (68). 

—, —infusionen b. Psychosen 417. 
Kolon, F. v. angeb. Dilatation d. — 
(43). 

Kolpitiden, Kalciumsuperoxyd bei 
puerp. — (61). 

Koluranisation, üb. — d. Vagina (39). 
Kommissurensystem, Phylogen u. 
Othogen. d. — i. Telencephalon 
(60). 

Komplikationen, üb. — d. Abdominal¬ 
typhus (46). 

Kompressen, üb. Spiritus — (34). 

—, Allgem. electr. — (25). 
Konception, F. v. doppelter — 266. 
Kongress, Gynaekologen — in Rom 
(12), (39). 

—, VII. — d. Dermat. Gesellschaft 
i. Sarajewo 448. 

—, X internat. Ophthalmologen — 
i. Luzern 438. 

—, oord. Naturforscher u. Aerzte 
—z. llelsingfors (47). 

— I-d. deutsch. Ges. z. Bekämpf. 

d. Geschlechtskrankh. 216. 

—, IX. internat. — geg.cL Alkohol. 
238. 

—, 75— 'deutsch. Naturforscher n. 
Aerzte 240. 

Konjunktiva, Hetolinject. unt. d. — 
(22). 

—, d. Pneumokokkus i. d. klin. , 
Path. d. — (10). 

—, F. v. Degenerat. d. — (21) 

—, Tuberkulose d. — (22). 
Konjunktivitis üb. — follikul. u. 
Trachom. (59). 

Konservirung, Flüssigk. z. —anatom. 
Praepar. (67). 

Kopf, Einfl. d. Lage d. —es auf d. 

Rhythmus d. Pulses 336*. 

—, Geschlecht u. — grösse 373. 
Kopfschmerz, Massagebehandl. b. — 
286. 

Kornea, Trülung d. — (21). 

—, Heilung d. Schnittwunden d. — 
(22). 

—, Scott’sche Oper. b. Pannus d. — 
(25). 

—, Eserin b. Entzünd, d. — (21). 

—, F. v. Megalo — (21). 

—, F. v. Perf. d. — (5). 

—, üb. Transplant. d. — (9). 
Korrektur, z. — d. Kurzsichtigk. 
(4b). 

Korset, Reform d. —s 141, 182. 
Kothfisteln, (32), (46). 

Kranioklasie, üb. — 346. 
Krankenpflege, d. — i. d. Praxis 3. 
Krebs, üb. —behandlung 304. 


Krebs, F. v. — d. Brustdrüse b. e. 
Manne (78). 

—, d. pflanzenparasitäre Ursache d. 
—es 315. 

—, F. v. prim. — d. Pankreaskopfes 
(60). 

Krebsforschung, Veröffentl. d. Komi- 
tes f. — 140. 

Krebsgeschwülste, d. Gewebe u. d. 

Ursachen d. — 326. 

Krebsgewebe, Bestandth. d. —s (39). 
Kreolin, —behandl. d. weich. Schan¬ 
kers (68). 

Kriegschir. Beobacht. (72). 
Kriminalistik, .Zurechnungsfähigkeit 
od. Zweckmässigkeit 286. 

Kuprol, üb. — bei Trachom (31). 
Kurort, — Gagry (29). 

— Abastuman (29). 

— Staraja Russa (38). 
Kurzsichtigkeit, Korrektur d. — (69), 

(77). 


Ta. 


Laparocoeliotomia, z. Technik d. — 
(44). 

Laparo-Kolpo-Hysterektomie (44). 
Laparotomie, Ber. üb. ein. —n (12). 
—, d. Bauchschnitt b. — (12). 

—, zweifache — b. e. Krank. (44). 

— in Folge v. Neopl. hep. (72). 
Laryngoskopie, Lehrb. d. — 195. 
Larynx, Exstirp. d. — weg. Karcinom 
(1*). 

—, prim. Erys. d. — (61). 

'—, Anleit. z. Diagn. u. Ther. d. — 
krankh. (46). 

—, d. Krankh. d. — 140. 
Lateralsklerose, Progressive Bulbär- 
paralyse comb. m. amyotroph. — 
(44). 

Lazareth, Strand—z. Nagasaki i.Chin. 
Kriege (54). 

—, Chir. Ber. d. Margelanschen —s 
1895 (68). 

Lähmung, 2 F. v. Associations— (22). 
—, üb. cerebr. Kinder— 67. 

— , F. v. spinal. Kinder— 481. 
Leber, 2 F. v. —abscess (6). 

—, Echinococcus d. — etc. (12), (53). 
—, Resection d. — bei Thieren u. 

ihr Einfl. a. d. Gaswechsei (24). 

—, —dislocation (31). 

—, üb. eitrig, —entzünd. (53). 

—, oper. Behandl. d. Cysto-adenoms 
d. — (58). 

—, —abscess b. trop. Dysenterie (44), 
(68). 

—, z. C. d. träum. —rupturen (68). 
Leisten, Bau d. — gegend (58). 

—, Oper. d. —brüche (77). 

Lepra, F. v. — (20). 

—, F. v. — b. Neugeboren. (50). 

—, z. Bekämpf, d. — (54). 

—, F. v. -— raakuIo-anaestbetika482. 
—, lnfectiosität d. — (66), (67). 

—, Demonstr. v. - Moulagen 116 
—, 01. Gynocard. b. — 463*, 478* 


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X 


Lepra, staatl. Controlle d. —kranken 
21* 184. 

—, Verbreit, u. Bekämpf, d. — in 
Estland 53*, 184. 

—, üb. d. Beh. u. Isolir. d. —krank, 
in Russl. 157*. 

—, z. Differentialdiagn. d. — 169*, 
184. 

—, Ber. d. Ges. z. Bekämpf, d. — 
183. 

—, Stod. d. — (3). 

—, d. — i. Transbaikal. (6). 
Leprabacillen, — i. Organ, d. Thiere 
(34). 

Leprosorium, — b. Riga 249. 

—, Beschäftig, d. Lepr. i. — 359*. 
Lepröse, Interniren v. —n in Russ¬ 
land (24). 

Leukämie, üb. lymphat. — 87. 

—, F. y. Anaem. spien, m. Ueber- 
gang i. — (44>. 

—, F. v. — b. e. Kinde (63). 

—, F. v. Pseudo— (14). 

—, F. v. ac. — n. Typh. abd. (lö). 
—, path. Anat. d. N. Systems b. ac. 
- ( 1 ). 

—, Anat. d. —sehen Retinitis (32). 
Leukocythen, Eigenthüml. d. — (7). 
—, Evolution d. — (25). 

Lexikon, — d. phys. Therapie 345. 
Libau, d. —sehe Aerztekonflikt 482, 
496, 519. 

Lichen planus, F. v. — u. Xanth. 
plan. (3). 

Lioht, Einfluss d. kiinstl. —es auf d. 

Wohlbefinden (23). 

Lichtbäder, Einfl. d. — a. d. Orga¬ 
nismus (66). 

Lichtbehandlung, electr. — d. Tabes 
(1). 

—, — b. Lup. vulg. (40). 

—, elektr. — b. entzündl. Erkr. d. 
Uterus (45). 

Lichtheilverfahren, üb. komb. — 607. 
Lidhalter, — f. Kaninchen ('0). 
Lirabus korneae, Melanom a.—(36). 
Linse, Entfern, v. Eisensplitt, a. d. 
- (21). 

—, Extract. e. luxirt. u. getrübt. — 

(21). 

—, Stahlsplit, i. d. — (70). 

—, Pistonsplit, i. d. — (36). 

—, Fremdkörp. i. d. — (41), (70). 
—, Kupfersplitter i. d. — (69). 
Lipoma, üb.— arborescens(53), (71). 
—, üb. mult. syrametr. — (71). 
Lippe, Krankh. d. —n b. Kind. (16). 
—, Cheiloplastik b. Defect d. Unter- 

— 48. 

—, F. v. Beissen d. Finger u. — 
248. 

Lithium, — b. Epilepsie 238. 
Lithotomien, Statis. d. — i. Woro* 
nesh (74). 

Lunge, F. v. —nechinococ. 94*. 

—, z. Cas. d. Echinococcus d. —u 

(5). 

—, F. v. Sarkom d. — (65). 
Lungenaktinomykose (Bl). 
Lungenkranke, Fürsorge f. unbemitt. 

— 65*, 120. 


Lungentuberkulose, Hygien. diät. 

Beh. d. — (5). 

—, üb. d. — (6). 

—, meth. Körperbeweg, b. — 49. 
Lupus, üb. — 258. 

—, F. v. — vulg. 481. 

—, — vulg. b. Lichtbehandl. n 
Finsen (40). 

—, Heil d. — d. Roentgenstrahl. 
58. 

—, F. v. — erythemat. 130. 
Luxation, oper. Behandl. d. habit. 
— (55). 

—, — d. Ellenbogengelenks (67). 
Lymphangiectasie, — d. Bindehaut 
(47). 

Lymphangiom, F. v. —a cyst. (4). 
—, üb. —a d. Nieren (44). 

Lyssa, üb. d. Vertheil. d. —giftes 
i. d. Organen d. Thiere (26). 


ns*. 


Macrosomia partialis, in Folge chron. 
Syrapathicusreizung (72). 

Magen, Secretion d. —s b. Hunde- 
pest (16). 

—, Stich- u. Schnittwunden d. —s 
(60). 

—, Ursach. d. — Darmkrankh. (38). 

—, Phlegraon. d. —s (40). 

—, Wirkung d. Fettes a. d. Funk¬ 
tion d. — s (64). 

—, Beitrag z. Kenntniss d. —saftes 

391. 

—, üb. atonische —erweitlrung (69). 

—, — Verdauung u. —sekret b. Gei- 
steskrkn. (8). 

—, —Verdauung b. chron. Enteritis 
(43). 

—, —Verdauung b. Ikterus (45). 

—, Bestimm, d. —grenzen durch 
Aufblasen (45). 

—, Massenerkrankungen am —darm- 
katarrh. (64). 

—, üb. prim. Sarkom d. — s (71). 

Magenchirurgie, z. Cas. d. — (73). 

Magendarmtractos, Einfl. d. Volks¬ 
nahe a. d. Erkr. d. — (77). 

Magengeschwür, s. a. Ulcus ventri- 
culi. 

Magensaft, — verhältn. b. chron. Ob- 
stip. 489*. 

Magnetoperatioo, (70). 

Makroaesthesie, üb. — (2). 

Makrotom, e. — (2). 

—, s. a. Anopheles. 

Malaria, Ursach. d. — i. Termes 
(5), (29), (69). 

—, Chinininject. b. — (6). 

—, Verbreit, d. — durch Mücken, 
s. a. Anopheles (33). 

—, z. Behandl. d. — m. subcut. 
Chinininject. (44). 

—, Ulcus pharyngis a. Grund v. — 
(25). 

—, Injection d. Mensch, mit — 
durch Anophelesbisse (26). 


—, F. v. Nephritis b. — (13). 

—, — im Ssamarkandschen Militär« 
hosp. (29). 

—, z. Verhütung d. — 427. 

—, F. v. — 481. 

—, Heilquel. i. Kaukasus geg. — 
(37). 

—, üb. — i. Kaukasus (52). 

—, — u. Epilepsie (54). 

—, Evakuation d. —ker (29). 

—, Arbeit, a. d. Geb. d. — (29). 
Malleus, spec. Toxin d. — (9). 

—, F. v. — m. günst. Ausg. (54). 
—, üb. — diagn. 235. 

Mandelpröpfe (<»8). 

Marine, üb. —hygiene (64). 
Marmorek’sches Serum, üb. d. the- 
rap. Werth d. — (53). 

Marsch, üb. d. Physiol. d. —es (64). 
Masern, üb. —krup. (52). 

Massage, üb. — b. Frauenkrkhtn. 
226, 266. 

—, üb. — b. chron. Kopfschmerz. 
286. 

—, — d. Schlüsselbeinbrüche (77). 
—, Technik d. — 337. 

—, — b. Bindehauterkrankungea 

(70). . 

Massenerkrankung, üb. — en am Ma¬ 
gendarmkatarrh. (54). 
Massenreduktion, Oper. b. — d. 
Brüche (57). 

Mediastinaltumor, F. v. — (69). 
Mediastinum, d. Chir. d. hint. —s 
(73). 

Medicin, a. d. Gesch. d. russ. — 
(16). 

—, Beitr. z. inner. — 195. 

—, Handb. d. Geschichte d. — 258. 
Medikament, Wirk d. —e 108. 

—, Dosirung d. —e (68). 

Melanom, F. v. — am iimbus com. 
(36). 

Melanosarkome, — d. Bindehaut 
(36). 

—, — irrth. f. Iridoc. limb. gehal¬ 
ten (41). 

Menibresche Krankheit, F. v. — 
(40). 

—, üb. d. M—sehen Symptomen- 
komplex 293. 

Meningitis, — spin. ac. träum. (49). 
—, — pestika (58). 

Meningorayelitis, Moorbehandl. b. — 
(49). 

Mensch, Abstam. d. —en 3. 

Mentol, Appar. z. —inhalation (60). 
Mesenterium, üb. Schrumpf, d. —s 
etc. 150. 

Mesotan, Erfahrung, m. — 507. 
Metritis, F. v. — dissekans (20), 
266, (62), 453*. 

Mikroben, Wirk. d. Electricität a. 
- (14). 

—, üb. — fermente (14). 
Mikrocephalie, üb. — (2). 
Mikrophthalraos, üb. — m. Cysten¬ 
bild. (70). 

Mikroskopische Milchuntersuch. 304. 
Mikroskopie, Encyklop. d. — Tech- 
56. 


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Milch, biolog. Eigent. d. — (17). 

—, üb. negativ. Momente d. —Ste¬ 
rilisation (47). 

—, z. Bestimm, d. Fettgehalts d. 

- (52). 

—, Werth d. mikrosk. —unter- 
snchung 304. 

—, d. Umikow’sche Reaction b. d. 

— 482. 

Militär, Syphilisbehandl. i. — (29). 
Milz, Tuberkulose d. — (25). 

—, Chirurgie d. Wander— (43). 

—, F. v. —entfernung (43). 
Milzbrand, s. a. Anthrax. 
Mineralquellen, d. — auf S. Michel 
(1). 

Mineralwasser, — i. geol. u. biol. 
Hinsicht (40). 

—, chem. Analyse d. —s 362. 

—, üb. künstl. — 468. 
.Mischgeschwülste d. Gaumens (73). 
Missbildung, — ektopisch entwick. 
Früchte 181. 

—, F. v. — b. Neugebor. (52). 
Missgeburt, F. v. — (4), (5), (17). 
Mittelohrerkrankung, 2 seit. F. v. 

- (40): 

Mola haematomatosa (76). 

Molluscum kontagiosum, F. v. — 
(35). 

—, üb. — d. Lider (42). 

Moorbad, —ebehandl. luet. Meningo- 
rayelitiden (49). 

Moral insanity, üb. — 3. 

Morbidität, —sbestimmung i. Procen- 
ten (69). 

Morbilli, gleichzeit. —, Rubeola u. 
Skarlatina (38). 

Morbus Addisoni, Tumoren d. Ne- 
bennier. u. ihre Bez. z. — (27). 
Morbus Banti, Anaem. spien, u. — 
(68). 

Morbus Thomsenin, F. v. — bei 
Pseudohypertrophie d. Musk. (32) 
-, 2 F. v. — (68). 

Morbus Littlei, F. v. — (17). 

Morbus Werlhofi, Ther. d. — (6). 

-, Fall v. - (23), (77). 

-, Fall v. - (24), (63). 

Morbus Weili, 2 F. v. — (30). 
Mortalität, —sbestimmung i. Procen- 
ten (69). 

Mouches volantes, üb. — 225*. 
Mumps, prim. — d. Hodens (6). 
Mundhöhle, Prophyl. d. — (6). 
Murphyknopf, d. — u. s. Modific. 
(73). 

Muskel, —reflexe b. progr. Paralyse 
(50). 

Myelitis, F. v. — transv. tuberk. 
(16). 

Myelom, F. v. prim, multipl. — d. 

Knochenmarks (57). 

Mykosis fungoides, F. v. — (74). 
Myokarditis, Stenose d. I. Ostiums 
in. lnsufl. d. Mitralklap. b. chron. 

— 399*, 41i*. 

—, Verenger, d. 1. ven. Ostium bei 
chron. — (30). 

Myoklonie, Stud. üb. famil. — 2. 
Myom, s. Uterus. 

—, — v. Cervix ausgehend. 304. 


Myom, üb. subseröse —e (61). 
Myomotomie, F. v. cons. — (44). 
Myopie, Behandl. d. — (28). 

—, Vibrationsmassage bei — (36). 
Myositis ossificans, F. v. — multi¬ 
plex 383. 

Myotika, — b. phlyktaenul. Entzünd. 
(47). 

Myotonie, üb. angeb. — (68). 
Myxoedem, 2 F. v. — (63). 


ist. 


Nabelschnur, Abbind. d. — (->3). 

—, Behandl. d. —restes b. Neugeb. 
(40). 

Nahrung, Einfl. d. Volks— a d. 
Krankheit, d. Magendarmtract. (77). 

Nahrungsmittel, Gewinn, u. Darstell, 
v. —n 95. 

—, Chem. Zusammensetzung d. — 
d. Menschen 326. 

Naphtalin, — b. Endometr. puerp. 
(60). 

Narkolepsie, F. v. — (58). 

Narkose, üb. Genese u. Natur d. — 
(36). 

Nase, üb. bösart. —ntumor. 248. 

—, Zusammenhang d. Erkrank, d. 
weibl. Sexualorg. u. d. — (26). 

—, üb. —nsteine (62). 

—, Fremdkörper i. d. — etc. (13). 

—, Adrenalin b. d. —nbeh. (14). 

—, Bild. d. — a. e. Finger (10). 

—, Korrektur v. Sattel—n m. Pa- 
rafflninject. (10). 

—, d. Genitalstellen d. — 237. 

—, gefahrv. Shock b. inner. —n 
beh. 238. 

Nase und Nasenrachen, d. Krankh. 
d. — 326. 

Nasenkrankheiten, Anleit. z. Diagn. 
u. Ther. d. — etc. 46. 

Nasenrachenpolyp. F. v. — 456. 

Nasenrachenraum, Heil. v. Enuresis 
d. Operat. d. —Vegetation. (18). 

—, Bezieh, d. Erkr. d. Ohres z. 
den. d. —s 125*, 135*. 

Nebenhoden, Anostom. bild. b. Resec. 
d. -s (72). 

Nebenniere, üb. Tumoren d. — (27). 

Nekrospermie, F. v. — b. Atrophie 
d. Prostata (13). 

Neoplasma hepatis (72). 

Nephritis, F. v. — b. Malaria (13). 

Nephropexie, üb. — (57). 

Nerven, d. —knoten d. Plexus pro- 
stat. (14). 

Nervenkranke, Hoehenkuren f. — 
353. 

Nervenkrankheiten, Sexualleben u. 
— 108. 

—, Atlas u. Grundr. d. — 181. 

—, Geistes- u. —en a. d. Kaukasus 
(49). 

Nervenstämme, Resect. v. —n b. 
Halsoperat. (46). 

Nervensystem, syphii. Affect. d. cent¬ 
ral. —s (1). 


XI 

—, path. Anat. d. — s b. ac. Leu¬ 
kämie (l). 

—, Einfluss interkurrent. Erkr. a. 

diejen. d. —s (58). 

—, Veränd. i. centr. — b. chron. 
Alkoholismus 47. 

—, träum. Läsion, i. centr. — 48. 
Nervus opticus, Spermin b. Atrophie 
d. — (22). 

—, F. v. Kolobom d. — (22). 

—, Schussverletz, d. — u. abduc. 
(2). 

Nervus sympathicus, Entfern, d. 

Gangl. d. — b. Glaukom (21). 

—, Reizungen d. — bei Ulcus ven- 
triculi 345. 

Netz, Res. d. —es weg. Torsion (72). 
Netzhaut, Eisensplitt, i. d. — (36). 
—, F. v. —ablösung (42). 
Neubildungen, üb. d. Chorkmepithe- 
lioma (25). 

—, — i. Folge v. träum. Verletz. 
(52). 

—, Unters, üb. — v. Bindegew. 538. 
Neugeborene, Lepra b. —n (50). 

—, Wiederbei. scheintodter —r (25). 
—, Behandl. d. Nabels b. —n (40). 
—, Haemothorax b. —n (40). 
Neurasthenie, — nach Brechnuss¬ 
vergift. (6). 

Neuritis, multiple — b. Kind. 16. 

—, F. v. retrobulb. — 482. 

Neurora, üb. —e d. N. supraorbita- 
lis (70). 

Neuronenlehre, d. — u. i. Anhänger. 
286. 

Neuroretinitis, — nach Influenza 
(42). 

Neurose, function. —n 108. 

—, F. v. träum. — (18). 

Niere, Ernährung —nkrank. (18). 

—, Syphilis u. —nchirurgie (37). 

—, üb. Lymphangioma d. —n (44). 
—, inkarcer. — i. e. Hernie (54). 
—, d. Erkrankungen d. —n 427. 

—, hufeisenförm. — (6). 

—, F. v. Fehlen einer — bei eitr. 
Hepatitis (39). 

—, 2 F. v. Anom. d. — (73). 
Nierenbecken, üb. katarrh. Form d. 

—entzündungen (64). 
Nierenkrankheiten, Hypertroph, d. 
Herz. b. — (32). 

Nissl’sche Ganglienzellfaerbung (50). 


o 


Oberkiefer, F. v. Krebs d. —s (58). 

Obliteration, F. v. — beid. Gehör¬ 
gänge (78). 

Oesophagus, z. Pathol. d. —karci- 
noms 423*. 

—, üb. Fremdkörper i. — (56). 

—, Chirurg, d. —karcinoms (62). 

—, F. v. —tumor 382. 

—, üb. transpleural. Resec. d. — (73). 

Oesophagoplastik (73). 

Oesophagoskopie, d. — u. ihr dia- 
gnost. Werth. 263*. 


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XII 


Oesophagotomie, d. äusser. — b. 
Freradkörp. (44). 

Oesophagusverengernngen, z. Be- 
handl. narb. — ra. Elektrolyse 
(45). 

Ohr, Jodoform b. — eiter. (5). 

—, Bezieh, d. Erkr. d. —es z. den 
d. Nase etc. 125*, 135*. 

—, Fremdkörper i. — etc. (13), 
(68). 

Ohrenheilkunde, Leist, i. d. — 46. 
Ohrenkrankheiten, Anleit. z. Diagn. 
• u. Ther. d. — etc. 46. 

—, Therap. d. — 518. 

—, z. Behandl. d. — m. Resorein 
n. Opium (68). 

Olivei’sche Symptome, Bedeut, d. 

— b. Aneurysmen d. Aorta thor. 
(65). 

Ol. Gynokardiae, — b. Lepra 463*, 
478*. 

Ol. terebinthin, — bei Ischias 304. 
Onanie, äuss. Kennzeich. d. — (2). 
Operationslehre, Rhino-pharyng. — 
468. 

Ophthalmie, F. v. sympath. — (21). 
Ophthalmologenkongress, X. intern. 

— z. Luzern 438. 

Ophthalmologie, Beobacht, a. d. — 
(6). 

—, Verwend. v. Sonnenstrahlen i. d. 

— (36). 

—, Beobacht, a. d. — (65). 
Ophthalm. Gesellschaft, — z. Heidel¬ 
berg 393. 

Ophthalmoskop, d. Thorner’sche — 
(22). 

Opium, Commissionsber. üb. Einf. v. 

— i. d. Kwautungebiet. (30). 
Orbita, Verletz, d. — (22). 

—, Geschwulst d. — (36). 

—, Tumor d. — (36). 

—, Schrotkorn i. d. — (41). 

—, F. v. Fract. d. — (74). 
Organismus, Energie d. leb. — 2. 
—, Wirk. d. Adrenalins a. d. — 
(47). 

Orthopädie, (19), (58). 

Ostium, Verenger, d. 1. — bei chron. 
Myocarditis (30). 

Osteomalacie, F. v. Kaiserschn. b. — 
schera Beoken (39). 

Otitis, d. — media 196. 

—, Beh. perf. — media (1). 

—, Beh. d. — ext. circ. (6). 
Ovarium, Echinokokkuscyste d. — 
(44). 

Ovarialcyste, z. Cas. d. gross. —n 
(56). 

—, F. v. — b. Gravidität m. Ileus- 
erschein. (58). 

Ovarialkrebs, — b. 14-jähr. Mäd¬ 
chen (39). 

Ovarialtumoren, üb. d. Stieltorsion 
d. — (52). 




Pankreas, Zweckraäss. d. — u. d. 
Magendrüsen (11). 


Pankreas, — Pathologie 3. 

—, Wirk. v. HCL auf d. secret. 

Thfttigk. d. — (2 ö). 

—, F. v. Krebs d. —kopfes (60). 

—, F. v. —cyste (32). 

—, Grundeigensch. d. —saftes (67). 
—, üb. Gallensteinsymp. b. — krankh. 
(57). 

Pankreatitis, chron. — (17). 
Papillom, F. v. selten. — (20). 
Paraffin, —inject, b. Sattelnasen 
(10), 316. 

Paralyse, Behandl. d. progr. — ra. 
Salz. 417. 

—, progr. — u. Gravidität (39). 

—, Muskel- u. Sehnenrefl. d. Ges. 
b. progr. — (50). 

Paraplegie, Behandl. d. angeb. spast. 

- (30). 

Parasiten, Bedeut, d. Darm— b. d. 

Perityphlitis (15), (19). 

—, neue — i. Magensarkom. (66). 
—, üb. Trypanosomen 294. 

—, üb. Trichomonas intestinalis 294. 
Parenchymzellenembolie, üb. Ver- 
änd. d. Blutcirkul. b. Fett- u. — 
(44). 

Pasteur, z. — isirung d. Kindermilch 
392. 

Pathogenese, Studien z. — ac. Psy¬ 
chosen 417. 

Pathologie, Lehrb. d. spec. — u. 
path. Anat. 182. 

—, üb. d. Aufgab. d. vergl. — (25). 
—, — u. Therap. d. Sterilität. 518. 
—, z. — d. Oesophaguskarcinoms 
423*. 

—, d. — b. Nietzsche 8. 

—, — d. genuinen Epilepsie (28). 
Pavor nokturnu3, üb. d. Progn. b. 

- (64). 

Pemphigus, F. v. — vegetans (15). 
—, z. —frage 503*. 
Pendje-Geschwür, Aetiol. d. —s (10). 
Penis, Verhärt. d. — (5). 

—, Gangrän d. — (6). 

—, Gangrän gland. — (52). 

Pepton, Wirkung d. Fermente auf 
d. —e (28). 

Perforation, — d. nachfolg. Kopfes 
73*, 173. 

Perforationsperitonitis, oper. • Be¬ 
handl. d. — b. Abdominaltyphus 
(56). 

Perineo raphia, — sec. i. Wochen¬ 
bett. (39). 

Peritonitis, Pneumokokken — (16). 
—, tuberkul. — u. malign. Tumor. 

d. Bauchfells (19). 

—, Laparot. b. eitr. — (5). 

—, chron. ser. — (13). 

—, üb. -*-adhäsiva 315. 

—, F. v. eitr. — 346. 

—, üb. oper. Behandl. d. tuberk. 

- (56). 

Perityphlitis, üb. — (11). 

—, Bedeut, d. Darmparasiten b. d. 

- (15), (19). 

—, operat. Beh. d. — 5. 

—, — u. Schwangersch. 49. 

—, z. Frühoperat. d. — 118. 
Peroxin, — b. Glaukom (41). 


Pest, Secretion d. Magens b. Hunde 
- (16). 

—, Sanitätszüge b. --verd. Krank. 
(40). 

—, —erkrank, i. d. Stadt lnkou 
(Mandshurei) (54). 

—, Praeventivimpfung gegen d. — 
(26). 

—, üb. d. Polymorphismus d. — 
bacillns (26). 

—, —verdacht. F. (1). 

—, d. — i. Batum (7). 

Phaenoraene, Psych. u. Pat. d occult. 
— 3. 

Pbenosalyl, — bei Kehlkopftuberku¬ 
lose (33). 

Phimose, z. Behandl. d. angeb. — 
(44). 

Phlebitis, syphilit. — 48. 
Phlegmasia, — alba puerp. d. Schul¬ 
tern (14). 

Phlegmone, — ligneux du con. (26), 
(59). 

—, — d. Magens (40). 

—, — glosso-epiglottica (33). 

—, retrobulbäre — i. Folge v. In¬ 
fluenza (48). 

Phlyktaenen, Myotika b. phlyktae- 
nulär. Entzünd. (47). 

Phobieen, —profess. Inhaltes (35). 
Photometer, — in d. Schulhygiene 
(24). 

Physiologie, — d. tiefen Reflexe 
(35). 

Pilocarpin, Einfl. d. —s a. d. Ma¬ 
gendrüsen (15). 

Pincette, — z. Unterbind, d. Nabel- 
fung. 36. 

Pityriasis rubra Hebra (75). 
Placenta, üb. Expression d. — (51). 
—, F. *v. Prol. — praev. (76). 

—, üb. vorzeit. Lös. d. — (61). 

—, F. v. — praevia b. Primipara 
(13). 

Plasmazellen, d. Entstehung d. —(74). 
Plastein, — e. Eiweisssubstanz (45). 
Plattenepithel, üb. —Wucherungen i. 
Uterus 353. 

Pleura, doppelseit. Verwund, d. — 
(16). 

Pleuritis, Mediastino — neonat. 
(13). 

—, F. v. interlobärer — (28). 

—, Vereinf. Behandl. d. exsud.— 
(29). 

—, 5 F. v. polymorph. — (53). 
Pneumntocele thoracis, F. v. — (54). 
Pneumotasis cyst. intest, homin. (72). 
Pneumokokken, — arthritis (5). 

—, d. — i. d. klin. Path. d. Con- 
junctiva (10). 

—, —peritonitis (16). 

Pneumonie, Bezieh, zw. Syphilis u. 
croup. — (20). 

—, — n. Hydrotherapie 314. 

—, z. Casuistik d. sept. — 315. 

—, üb. postoper. —(57). 

Pocken, üb. Xylol b. — (46). 

—, Behandl. v. — mit verstärkt. 
Vaccination (24). 

—, Thiolum liquidum bei — (33). 
Poliomyelitis. Kenntn. d.ant. ac. 48. 


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Pollutionen, — b. weibl. Geschl. 
278. 

Polymorphismus, — d. Pestbacillus 
(26). 

Postpuerp. Erkr., Therap. d. — 
(61). 

Praeventivimpfung, — geg. d. Pest 
(25). 

Praeparate, Konserv. aoat. — (67). 
Prissnitz’sche Umschläge, — b. Ek- 
lamp. infantum. (68). 

Progressive Paralyse, Muskel- u. 

Sehnenrefl. d. Gesichts b. -*• (50). 
Prolapsus tot. placent. (76). 

Prostata, Nekrospermie weg. Atro¬ 
phie d. — (13). 

—, d. Innervation d. — (16). 

—, üb. Altershypertrophie d. — 
(55). 

—, üb. Entzünd, d. —(59). 
Prostatectomie, Handb. d. — perin. 
216. 

Prothesen, üb. subkut. (55). 
Protokolle, d. deutsch, ärztl. Vereins 
z. St. Ptsbg 15, 95, 130, 277, 
294, 316, 383. 

—, d. Vereins St. Ptsbger Aerzte 
14, 35, 56, 129, 140, 196, 235, 
258, 265, 315, 345, 373, 382, 
392, 507, 

—, d. Gesellsch. prakt. Aerzte z. 
Riga 57, 87, 116, 141, 182, 226, 
266, 455. 

—, — d. Jahresgeneralversamml. d. 
livl. Filiale d. St. Petersburger 
ärztl. Vereins zu gegenseitiger 
Hülfe z. Pernau 548. 

—, d. medicin. Gesellsch. z. Dorpat 
5, 47, 67, 363. 

—, d. XV. Aerztetages d. Gesellsch. 

livl. Aerzte z. Pernau 228, 548. 
—, d. XIV. Aerztetages d. Gesellsch. 
livl. Aerzte z. Fellin 97, 108, 
. 117, 150, 162, 172, 183, 206. 

—, d. St. Pet. Ophthalinol. Gesellsch. 

(22), (36), (47), (69). 

—, d. Gesellsch. pr. Aerzte z. Libau 
.236, 248, 481. 

—, d. Mosk. Ophthalm. Gesellsch. 
(21), (42), (70). 

—, d. Ostkurländischen Aerztever- 
eins 303, 468, 482. 

Pseudogliom, F. v. — (42). 
Pseudohypertrophia, F. v. — rausc. 
(17). 

—, F. v. — musc. in Verbind, m. 

d. Thomsen’schen Krankheit (32). 
Pseudoleukaemie, üb. —cutis. (44). 
Psoriasis, F. v. — vulgaris (63), (75). 
Psychiatrie, neue Rieht, d. — (2). 
Psychologische Bedingungen, d. — 
d. Zustandekommens d. Hypnose 
(46). 

Psychose, z. Infusionstherap. d. —n 
417. 

—, Studien z. Pathogenese ac. —n 
417. 

—, s. a. Geisteskranke Irresein. 

—, üb. d. circulare — (31). 

—, — nach Verbrennung (31). 

—, hallucinat. —• b. Gehörsstörungen 
(49). 


XIII 


Ptosis, K v. — congen. (22). 
Puerperium, Entwickl. d. ' Lehr. v. 

- (39). 

Pulmonalis, Iusufficienz d. — 57. 
Puls, üb. d. Einfl. d. Lage d. Kop¬ 
fes a. Grösse n. Rhythmus d. —es 
336*. 

Purin, Synthesen i. d.—u. Zucker¬ 
gruppe 382. 

Purgatin, üb. d. Wirkung d. —s 
(46). 

Pustula maligna, F. v. seit. Lokalis. 
d. — (56). 

Pyelitis, üb. katarrh. Form d. — 
(64). 

Pylorus, Operat. d. — krebses (11). 
—, chir. Behaudl d. — Stenose 
(56). 

Pyaemie, üb. Zwischenform zwischen 

— u. Rheumatismus (65). 

—, Zwei F. v. otog. — (28). 

—, z. C. d otog. — (57). 
Pyometra, —(12). 


Gi 

Quecksilber, — u. Jod b. Syphilis 
417. 

—, Ausscheid, d. —s i. Menstrualbl. 
(78) 

—, Augeusalbe aus — präcipitat 
(34). 

—, d. Modus agendi d. —s b. Infec- 
fonskrankh. (63). 

Querlage, Enucleat. d. vorgef. Arms 
b. verschl. — (20). 

—, üb. — d. Frucht ra. Vorf. d. 
Hand (77). 


R. 

Rachitis, üb. d. Häufigk. d. — i. Ssa- 
maraschen Gouv. (6i). 

—, üb. — 468. 

Radicaloperat. b. Leistenbrüchen (77). 

Radioscopie, Frühdiagn. d. Schwinds. 
vermittelst - (67). 

Ratten, üb. Erkrank, d. — durch d. 
säurefesten Bacillus (27). 

Reflex, üb. d. Metacarpo-Phalangeal 

- (2). 

—, Physiol. d. tief. —e. (35). 

—, Infraspinatos— u. Brust — t (36). 

—, z. Path. d. —anurie 545*. 

Rektum, F. v. Fremdkörp. i. — (35). 

Rektus internus, F. v. stark. Ent- 
wickel. d. Sehne d. — (47). 

Resection, — d. Leber b. Thieren 
(24). 

— d. Netzes weg. Torsion (72). 

—, — d. Vas. deferens (72). 

— , üb. transpleura). — d. Oesoph. 
(73). 

Resorcin, — u. Opium b. Ohren- 
krankh. (68). 

Respiration, Einfl. d. Psyche a. Cir- 
kulation u. — 11*. 

Retina, Anomalie d. — (21), (22). 


Retina, F. v. Ablatio —e (21). 
Retinitis z. path. Aoat. d. leukämi¬ 
schen — (32). 

—, F. v. Glaukom bei — pigmentosa 
(36). 

—, — punct. albescens (41). i 
—, F. v. —pigmentosa u. Gläukom 
(20). 

—, F. v. —proliferans (21), (42), (70). 
Rheumatismus, Beh. d. — n. Bourget 
(16). 

—, Natr. jod. b. —■ (19). 

—, z. Frage d. Zwischenform zwi¬ 
schen — u. Pyaemie (65). 
Rbino-pharyngol. Operationslehre 468. 

Rhinophyma, üb. — (58). 
Rhinoplastik, üb. Anweud. abgetr. 

Knochenpl. z. — (57). 
Roentgentherapie, Heil. d. Lupus d. 
— 68. 

—, d. — 75. 

Roentgen, Schrotkorn i. d. Orbita 
durch —photogr. nachgew. (41). 
—, F. v. Schädelsarkombehandl. m 
—strahlen 417. 

Rose, s. a. Erysipel. 

J. J. Rousseau 337. 

Rubeola, F. v. —skarlatin (18). 

—, gleichzeit. —, Morbilli u. Skar- 
latini (38). 

—, z. epidem. — (44) 

Rückenmark d. Erkr. d. —s u. d. 

Med. obl. 140. 

—, üb. — sverletzungen 293. 

—, F. v. —geschwulst 345. 
Russland, Ub. Frühjahrskat. i. — (58). 
—, Irrenfürsorge i. Süd—(49). 

—, Verbreit, d. Irresein’s i. alt. — 

(49) . 

—, Gemeindekrankenhäusern i. — 

(50) . 


s. 

Saeugethiere üb. künstl. Befrucht, v. 

—n (66). 

Saeuglingsernähruug, üb. künstl. — 
293*, 392. 

Sakralkanal, epidur. Inject, d. Punk¬ 
tion d. —s 326. 

Salerno, d. Schule v. — 181. 
Salzlösungeingiessung, rectale — bei 
Abdominaltyphus (32). 

Sanatorium, IV. Ber. d. —s z. Pit- 
käjärvi 527*. 

Sanirung, d. Landes in Deutschland 
418. 

Sanitäre Verhältnisse i. d. Arbeits- 
centren (27). 

—, — d. Arbeit, d. Rieselwiesen bei 
Odessa (52). 

Sanitätszüge b. pestverdächt. Krank. 
(40). 

Sanitätsdienst, d. — b. d. Engl. i. 

Burenkriege 182. 

Sarkom, F. v. —a cutis (20). 

—, F. v. —a cutis idiopath. pigm. 
Kaposi (75). 

—, F. v. — d. Uebergangsfalte d. 
Lides (21). 


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XIV 


Sarkom, F. v. Melaoo —a conj. bulb. 
(70). 

—, F. v. — d. Lunge (55). 

—, neue Parasit, i. Magen— (66). 
Sauerstoff, z. —bell. 1G1. 

—, Ub. prim. — d. Magens (71). 
Sarkoide Neubild. d. Haut (75). 
Schaedel, —messung Geisteskranker 
(36). 

Schaedelsarkom, F. v. — behändI. m. 

Roentgenstrahlen 417. 

Schanker, Behandl. d. weich. —s (33). 
—, Gefässveränd. b. — (361. 

—, syphil. — d. Urethra (35). 

—, z. Behandl. d. w. — s m. Kreolin 
(68). 

Scharlach, s. a. Skarlatina. 

—, üb. Chirurg. — (67). 

Sohielen, op. Behandl. d. concomitti- 
renden —8 (41). 

—, op. Behandl. d. —s (69). 
Schilddrüse, Bez. d. — z. Eklampsie 
(62). 

Schirm, — f. Kerosinlampen (47). 
Schläfen, Tumor d. —grübe u. d. ! 
Orbita (36). 

Schlund, üb. malign. Geschwülste d. 
—es (68). 

Sohlüsselbein, z. Beh. d. —brüche 
(77). 

Schnittstichwunden, — d. Bauches, d. 

Magens u. d. Milz (33). 

Schulter, Phlegmasia alba puerp. d. 
—n (14). 

—, Verband b. —fractur (20). 

—, Operat. d. paralyt. Schlotterge¬ 
lenks d. — 129. 

Schussverletzung, — d. Auges 374. 
—, d. Bauches (67). 

—, d. Herzens 468. 

—, üb. — d. Gehirns (72). 
Schusswunde, penetr. —n d. Schädels 
(69). 

Schwangerschaft, s. a. Extrau te- 
rinschw. 

—, F. v. Blasenmolen— 234*. 

—, Appendicitis u. — 49. 

—, Indic. z. Unterbr. d. — (27). 

—— b. Herzkrank. (15), (19). 

—, 2 F. v. Zwillings— (15). 

—, z. Diagn. d. Zwillings— (76). 

—, — bei Cervixhypertrophie (32). 
—,Komplikat. d. —durch Fibrorayome 
d. Ut. (51). 

—, Einfl. d. Syphilis a. d. — (6?). 

—, z. Diagn. d. Drillings— (78). 
Schweiss, Rindencentra d. —secret. 
(2). 

—, Ther. d. Fuss—e (6). 
Schwindsucht, Ub. d. Einfl. d Früh- 
diagn. b. — (52). 

Scopolamin, üb. —inject. (72). 
Scott’sche Operation, — bei Pannus 
d. Kornea (26). 

Seereisen, medic. Bedeut, v. — (1). 
Sehstoerung, —en bei Hirnsyph. (60). 
—, F. v. hyst. — (69). 

Seife, grüne — i. d. Derroat. (5). 
Sectio cesarea, —F. v. — (34), (77). 
—, —cum amput. ut. supra-vaginali 
(39) 


Sectio cesarea, z. Technik d. wieder¬ 
holten — (47). 

Sekale, chron. —vergift. (38). 
Selbstmord, d. — i. d. Armee (5). 
Sensibilitätsänder, d. Haut b. Peral. 
agit. (78). 

Septikaemie, z. Behandl. —scher Er¬ 
krankung (24). ^ 

—, F. y. — d. J>ac. col. com. (71). 
Septikopyämie, prim. — (14). 
Serolherapie, — d. Chorea rainor. (11). 
—, z. — d. Typhus abd. (31). 

—, Ub. künstl. — (68). 

—, — d. Streptococcus infect. 48, 
(69). 

Serum, üb. Marraorek’sches — b. 

Wochenbetterkr. (53). 
Sexualorgane, üb. d. Zusaramenh. d. 
Erkrank, weibl. — u.d. Erkrank, 
d. Nase (26). 

—, üb. d. Bez. d. Hysterie z. d. weibl. 
—n 293. . 

Silber, flüss. - b. sept. Process. (46). 
Simulation, - skrankh. d. Harnorgane 
• (69). 

Sinus Morgagni, Eversion d. — (56). 
Sinusthrombose, Operat. b. — 14 1 . 
Sirenenbildung, F. v. — (40). 

Sitns inversus, F. v. — 58, (7), (14). 
Skarlatina, gleichzeit. —, Rubeola u. 

Morbilli (38). 

—, Di phther. b. — (59). 

Skioptikon, Demonstr. e. — 88, 117. 
Skieroma, — respiratorium (30). 

—, F. v. — b. e. Kinde (63). 
Sklerose, Symptom.d. multipl. — (32). 
Skrophulose, Beh. d. — 161. 

Soda, Anwend. v. — i. d. kl. Chirurg. 
(29). 

Soldaten, Einfl. d. erst. Dienstjahr. a. 

- (68). 

Sonnen-Luftbäder, — i. Staraja Russa 
(38). 

Sonnenstrahlen, ehern, wirk. - i. d. 
Ophthalinol. (36). 

Soxhlet, d. —sehe Nährzucker 172. 
Spasmus, laryngoskop. — d. Stimm¬ 
ritze (51). 

Spätapoplexie, d. träum. — 337. 
Speichel Verluste, — als Krankheits¬ 
ursacht 2^5. 

Speiseröhre, s. a. Oesophagus. 
Spermatorrhoe, profess. Pollution u. 
- ( 10 ). 

Spermin, — b. Sehoervatrophie (22). 
Spina bifida, 2 F. v. — (14). 
Spiritus, üb. —kompressen (34), (40). 
Sport, — in höher. Lehranstalten (24). 
Spuckschalen, — m. Desinfectionsvor- 
richt. (69). 

Staar, s. a. Katarakt. 

Staphylom, Operat. d. total. —e (22). 
Staphylokokkomyosis, F. v. — d. 
Haut (67). 

Stenose. — d. 1. Ostiums bei chron. 

Myokarditis 389* 411*. 
Sterilisation, — d. Hände i. d. Ge¬ 
burtshilfe (51). 

—, z. Technik d. mechan. Hände— 
(59). 

Sterilisator, — f. strömenden Dampf. 
(56). 


Sterilität, z. Frage üb. d. — d. Ehen 
(33). 

—, d. Weibes 518. 

Stichverletzung, F. v. — i. d. Bauch 
456. 

Stich-Schnittwunde, seit. F. v. — 
(66). 

—, d. Magens (60). 

Stieltorsion, üb. d. — d. Ovarialtumo¬ 
ren (52). 

Stimmritze, laryngosk. Spasmus d. — 
(51). 

Stipendium, E. v. Bergmann — 163. 
Stoffwechsel, Einfl. d. 11-stünd. Ar¬ 
beit a. d. — (14). 

Strabismus, F. v.—convergens (48). 
Streptokokcieen, z. Behandl. d. — m. 

Autistreptokokkenserum 433*, 443*. 
Streptokokkus, Serumtherapie d. — 
infect. 48, (69). 

—, Wirk. d. — pyagen. a. d. Schleim¬ 
haut d. Uterus u. d. Vagina 48. 
Stricturen, Urethrotomie b. — (72). 
Struma, z. Casnist. d. acut. — (29). 
Strumitis, F. v. acuter eitr. — (57). 
Studienreise, ärztl. — n. sächs. u. 

böhm. Badeort. 23*, 33*. 

Sublimat, Bed. d. subconjunct. —in¬ 
ject. (6). 

—, üb. —gehalt i. d. Verbandstoffen 
(67). 

Sympathikusreizung, Macrosom. part. 

infolge v. — (72). 

Syphilis, — d. Centralnervensyst. (1). 
—, F. v. Hirn— (3), (12). 

—, Ueberg. v. infect. — in nichtin- 
lect. (75). 

—, 2 F. v. extragenit. Infect. m — 
(75). 

— f z. Cas. d. kryptogen. — (75). 
—’ — gravis. seu malign i (78). 

—’ üb. — i. d. Chirurgie (72). 

—, Massregeln geg. — (66). 

—, Einfl. d. — a. d. Schwangersch. 
(62). 

—, Vererbte Unempfängl. d. — (23). 
—, —behandl. i. Militär. (27). 

—, Behandl. d. — 345. 

—, Bezieh, zw. — u. kroup. Pneu¬ 
monie (20). 

—, Blutunters. b. —krank. (20). 

—, üb. syphil. Hausepidemien (37). . 
—, z. syph. skleros. Giossitis (37). 

—, — binaria (16). 

—, F. v. farail. — (18). 

—, extragenit. — (9). 

—, — u. Epilepsie (13). 

—, — u. Nierenchirurgie (37). 

Operat. b. —visceral. (4). 

—, üb. —bacillen (4). 

—, Ueberimpf. v. — a. Ferkel (74). 
—, F. v. — d. Herz. (8). 

—, Kampf m. d. — (8). 

üb. — Phlebitiden 48. 

—, üb. Quecksilb. u. Jod. b.— 417. 
Syphilitiker, Resistenz d. roth. Blut- 
körp. b. —n. (75). 

Syringomyelie, Anal. u. Path. d. — 
(7). 

-, F. v. - (75). 


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XV 


T. 


Tabes dorsalis, Beb. d. —ra. electr. 

Licht (1). 

_ f. v. - (3). 

—, GeJenkerkrank. b. —(11). 

—, seit. F. v. — (11). 

Tabes u. Psychose 495. 

Talgdrüsen, üb. Krank, d. fr. — (74). 
Taschenelectroskop, Demonstr. e. —8 
(G9). 

Taimoform, — b. Intertrigo kl. Kin¬ 
der (45). 

Tarnier’sche Zange, üb. d. — (61). 
Taubheit, Path. u. Ther: d. progr. — 
(»)• 

Taubstummheit, d. — u. ohrenärztl. 
Beobacht. 75. 

Technik, — d. Therapie 287. 

—, d. Massage 337. 

Tetanie, Demonstr. d. Wirbels, etc. 

an — gest. Kind 97. 

—, F. v. latenter — 316. 

Tenonitis, F. v. eitrig. — i. Folg. v. 
Influenza (48). 

Tenotoraie, 56 F. v. — i. d. Mos¬ 
kauer Angenklin. (42). 

Tetanus, Beh. d. — m. Inject, v. 

Gehirnemulsion (11). 

—, Zur Casuistik d. — (27). 
Tetanie, 71 F. v. — (24). 

—, F. v. latent. — 316. 

Therapie, Technik d. spec. — 287. 
Ther. Leistungen, — d. Jahres 1901. 
Thermotaxis, üb. — d. weiss. Blut¬ 
körperchen (46). 

Thiol, — i. d. Gynaekol. (19). 
Thiolum liquidum, — bei Pocken 
0*3). 

Thorakopagus (62). 

Thorakoplastik, — b. chron. Empyem 
(19), (68). 

Tbränen, F. v. blut. — (22), (28). 
Thränendrüsen, F. v. verlagert. — 

(2i). 

Thränenkanälchen, F. v. Aktinomy- 
kose d. — (21), (70). 

Thränensack, Blenorrhoe d. —es b. 

Neugebor. (10). 

—, Abscesse d. —s (17). 

Thrombose, F. v. — d. Centr. vene 
d. Auges 482. 

Tibia, Demonstr. resecirt. — 58. 

Tics impulsifs. Maladie d. — (49). 
Tic. convulsif, üb. — i. Kindesalt. (77). 
Todtenstarre, d. —intrauterin ver¬ 
stört. Kind (8). 

Todtgeborene Kinder (39). 
Toxikologie, Compend. d. — 538. 
Tonsillen, Knorpel u. Knochen in d. 
Gaumen— ( 6). 

Trachea, Entfern, e. Sonnenblumen- 
samens a. d. — (57). 

—, F. v. lang. Verw. e. —Ikanüle 
i. Bronchialsystem (76). 
Tracheotomie, — i. F. v. Masernkrup. 
(52). 

Trachom, Carbolinject. b. — (6). 

—, Behandl. d. —s (29). 

—, chir. Behandl. d. —s (54). 

—, Registr. d. —krank. (21). 


Trachom, Cuprol bei — (31). 

—, Ichthyolbeh. d. —s (5). 

—, Einfl. d. —s a. d. Schiessen (6). 
—, — u. Konjunctiv. follik. (59). 

—, z. Behandl d — a. d. Batnrin- 
schen Augenstation (68). 
Trachomofobie, 4 F. v. — (42). 

—, F. v. — (47). 

Transplantation, — mit Chloräthyl- 
anüsthesie (29). 

—, üb. — nach Thiersch (56). 
Trauma, träum. Bluterguss a. d. Ba¬ 
sis cerebri (35). 

Trepanation, F. v. Schädel— b. 

träum, subdnr. Bluterguss (66). 

—, — b. träum. Epil. (73). 
Trichomonas intestinalis, Demonstr. 
v. — 294. 

Trimethylamin, d. — i. d. Vagina (4). 
Tripper, Diagn. u. Therap. d. —s 427, 
—, schmerzloser — (34). 

—, Diagn. d. —s b. Weibe (38). 

—, Erkr. d. Sameubl. a. Cömplio. 
d. -s. (75). 

Trommelfell, loc. Anaesth. b. d. Pa- 
racentese d. —s (19). 

Trional, F. v. —Vergiftung (30). 
Trypanosomen, Demonstr. v. — 294. 
Tuben, Tumor, d. — (10). 

—, F. v. prim. —tuberkulöse (51) 
Tubengravidität, s. Extrauterinschw. 
Tubargravidität, üb. d. interstit. — 
(51). 

Tuberkulose, s. a. Lungen—. 

—, Experimente üb. Gelenk— u. 
Trauma (10). 

—, Schwangerschaft b. — (19). 

—, Anstaltsbeh. d. — 46. 

—, locale u. allgem. — 76. 

—, üb. d Gesellsch. z. Bekämpf, d. 
— 120. 

—, — d. weibl. Geschl. org. (27). 

—, — d. Konjunktiva (22). 

—, — i. Gehirn u. Leber (53). 

—, primäre — d. Milz (25). 

—, üb. d. Mittel i. Kampf m. d. 
chir. — (45). 

- , F. v. ascend. — d. Harnorgane 
(55). 

Tumor, F. v. mult. —en 237. 

—, üb. bösart. — d. Nebennieren 
(27). 

—, — d. Schläfengrube u. d. Orbita 
(36). 

—, F. v. — d. Augenhöhle (42). 

—, Resect. gross. Nervenstämme b. 

Entf. v. — d. Halses (46). 

—, — i. d. Lumbalgegend (Sarkom) 
304. 

Typhus abdominalis, — üb. Kompli- 
kat. d. — (46). 

—, 4 F. v. Perforatiousperitonitis b. 
— 166. 

—, üb. — u. Influenza (78). 

—, Behandl. d. — (53). 

—, z. bakter. Diagn. d. — (65). 

—, F. v. ac. Leukämie u. — (16). 
—, F. v. ulcer. Cholecystitis b. — 
(16). 

—, -- m. perf. Cholecystitis (30). 

—, Salzlösungeingiessung bei — (32). 
—, warme Wannen b. — 39. 


Typhus recurrens, 2 F. v. *- compl. 
m. Erysipel (77). 


ü. 


Uebermüdung, geist. — Lernender 
(40). 

Ulcus duodeni, üb. — u. Duodenal¬ 
verschluss 294. 

Ulcera cruris, Behandl. d. — m. 

Kalomelinjectionen (31), (51). 

Ulcus pharyngis, F. v. — bei Ma¬ 
laria (26). 

Ulcus ventriculi, latent verlauf. — 
(53). 

Ulcus rodens, Vers. m. Bequerel- 
strahlen b. — (73). 
Unfruchtbarkeit, s. a. Sterilität. 
Ungnentum kolloidale Credö, üb. d. 

Wirk. d. flüss. Silbers, (46). 
Unterschenkel, Beh. d. — geschwüre 
(6). 

—, Beh. d. — geschw. m. Kalo¬ 
melinjectionen (31). 
Unterstützungskasse, — f. Witwen 

u. Waisen 341*. 

Uraemie, z. Lehre v. d. — 246*. * 
Uresin, — als Lösungsmittel (27). 
Ureter, F. v. Verdopp. v. Blase u. 
— (74). 

Ureteren, topograph. Lage d. 

(56). 

—, üb. Verletz, d. — während d. 
Operat. (60). 

Ureterenkatheterisation, klin. Bedeut, 
d. - (33). 

Urethra, Beh. d. Strict. d. — (13). 

—, sypbil. Schauk. d. — (35). 
Urethraldefect geheilt mittelst Schleim¬ 
hau ttranspl. (71). 

Urethrastrikturen, 3 F. v. undurch 
gäng. — (32). 

Urethroplastik, F. v. — (9). 
Uretbrotomie, — b. Stricturen (72). 
Urin, üb. d. Fehl. v. Cylind. i. • — 

v. Nephritikern 506. 

Urologie, Lehrb. d. — 373. 

Urtikaria perstans, F. v. —m. Pig- 

mentat. u. Alopecia areata (35). 
Uterus, s. a. Cervix. 

Uterus, F. spont. — ruptur. währ. 

d. Schwangersch. 15. 

—, Wirk. d. Streptococ. pyog. a. d. 

Schleimhaut d. — 48. 

—, — bikorn. dupl. et vag. sept. 
(61), (76). 

.—, üb. Retroflex. d. — (66). 

—, üb. kttnstl.—eröffn. (66) 

—, üb. 2 F. v. — myom 468. 

—, Leukomyoma malign. d. — (12). 
—, System. Jnject. i. d. — (13). 

—, Isolation d. leb. — (38). 

—, Lichtbehandl. b. entz. — (45). 

—, z. Path. d. breit. — bänder (12). 
—, üb. — defekte (60). 

—, F. v. — ruptur intra partum 
(60). 

—, ist d. Ventrifixur d. — e. berecht. 
Operat. 203*, 213*. 


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XVI 


Uteros, Einf. d. Hirnrinde a. d. — 
contract. b. Kaninchen (2). 

—, Aetiol. d. spont. —rnptnr (4). 

—, oberfl. Platten-Epithelwacher, a. 
d. Schleimb. d. — u. d. Vagina 
172. 

—, Prolaps d. — (4). 

—, Beh. d. gravid, carciu. — (11). 
— 24 F. v. — exstirp. weg. 
Myom. (12). 


*V. 

Vaccination, — u. Revaccin. (68). 
Vaccinium Myrtillus, — extrakt bei 
Diarrhoe (34). 

Vagina, d. Trimethylamin i. d. — 4. 
—, Kolumnisation d. — b. gyn. 
Krankb. (39). 

—, Ut. bikorn. dupl. et — septa(61). 
—, F. v. Atresia — lis congen. 237, 
248. 

Vaginaefixation, z. Cas. d. Geb. n.— 
(62). 

Vaginalportion 2. F. v. cirknl. Ablös. 
d. - (61). 

Vaginitis, 11b. Volvo — b. Kindern. 
(67). 

Valyl, e. neues Baldrianpraep. 353. 
Vas. deferens, Einfl. d. Res. d. — 
a. d. Tonns d. Blasensphinct. (72). 
Vegetarismus, d. Diät. d. — 181. 

—, üb. — 303. 

Vegetationen, Einfl. d. adenoid. — 
a. d. Allgemeinzust. 276*. 

Vena, Naht d. —jugul. interna (57). 
—, Unterbind, d. —jug. int. b. otog. 
Pyaeraie (68). 

Verbandstoff, 11b. Sublimat I. d. — 
en (67). 

Verbrecher, psychol. Unters, d. — 
(3). 

Verbrechen, Geisteskranke u. — b. 
Soldaten (54). 

Verbrennung, — d. electr. Strom 
(16). 

—, Psychose nach — (31). 


Verdauung, Wirk, künstl. Farbstoffe 
a. d. — (38). 

Vergewaltigung, üb. — (78). 
Vergiftung, Beh. d. Karbol— 129. 

—, Ub. e. seltene — 180*. 

—, Neurasthenie n. Brechnuss — (6). 
—, Kali hyperm. b. — m. Morphium. 

o. d. Opiaten (46). 

Verletzung, F. v. schwer. Augen — 
237. 

—, üb. — d. Auges 373. 

—, Schuss — d. N. opt. u. abd. (2). 
—, träum. — a. Ursache d. Neu¬ 
bild. (62). 

—. F. v. dopp. — d. Auges (70). 
—, perfor. — d. Bulbus (22). 

—, — d. Kindskopfes m. d. Zange 
(76). 

—, — d. Orbita (22). 

—, Schnitt—en d. Bauches u. 
Magens (18). 

—, z. Cas. d. Augen — en (20). 
Vitiligo, 2 F. v. — (60). 

Volvulus, F. v. — d. Flex. sigmoid. 
226- 

—, F. v. 3 mal. — (77). 
Vorderhirn, vergl. Anat. d. —s (36). 




Waerme, — austausch zw. Körper 
u. Wasserbad (1). 

Waldenburgscher Apparat, — i. d. 
Praxis 343*. 

Wannen, warme — b. Typh. ab. (39). 
Wasserstoff, üb. — Superoxyd. (70). 
Weltall u. Menschheit 265. 
Wechselfieber, s. a. Malaria 
Wiederbelebung, — scheintodter Neu¬ 
geborener (25). 

Wirbelsäule, Traum. Verletz, d. — 
(27). 

—, Steifigk. u. Krümm, d. — (78). 
Wjatka, Ber. d.—sehen Augenhosp. 
(41). 


Wochenbett, üb. —lieber (Vorlesung) 
(39). 

—, Geb. u. — comp!, m. Erysip. 
(78). 

— üb. d. Diagnose d. — erkrankun - 
gen (53). 

Wohlfährt’s Fliege, Augenerkrank. 
durch die Larv. d. — (46). 

Wolga, Veränd. d. Wassers d. — 
(38). 

Wurmfortsatz, s. a. Appendix. 

IX- 

Xylol, innerl. Gebr. v. — b. Pocken 
(46). 




Yohimbin, Wirk. d. — (4). 


Z- 


Zahnkrankheiten, Kobalt u. Wasser¬ 
stoffsuperoxyd b. — (5). 

Zange, üb. d, geburtshülfl. — (38). 
—, üb. d. Tarnier’sche — (61). 

—, Verl. d. Kopfes n. —napplikat. 
(76). 

—, Applikat. d. — (62). 
Zeitsinnstoerung, üb. — b. Geistes¬ 
kranken (49). 

Zotten, Uebertr. d. — (Deportation) 
(76). 

Zucker, Synthesen i. d. Purin u. 
— gruppe 382. 

Zuuge, d. Erkrank, d. — 140. 
Zurechnungsfähigkeit, — od. Zweck¬ 
mässigkeit? 286. 

ZwangsbewegUDg, üb. d. Pathol. d. — 
en bei Hirnerkrauk. (58). 
Zwangsvorstellungen, — u. impuls. 
Mandl. (67). 

Zwilling, z. Diagn. d. —sschwang. 
(76). 


Namen-Register. 


Abramow, S. (55). 
Abramow u. Besanow 
(40). 

Abrashanow, A. (67). 
Abrikossow, A. (57). 
Achscbarumow (61). 
Achwledjani (29). 
Adolf, F. f 250. 
Ahlfeld 481. 

Albanus 315. 

Albrecht, E. 427. 
Albrecht, P. f ®10- 
Albu 181. 

Aldor 93*. 


Alexandrow(4), (6),(66) 
Algin (6). 

Alksnee (30). 

Alm6n, A. f 497. 
Alsberg 3. 

Alter 417. 

Altuchow, N. (55), (56). 
Altuchow, N. t 551. 
Alwer, A. f 37. 
Andrejewitsch, L. 1305. 
Andronow, P. (68). 
Aniskewitsch (31). 
Anissimow, A. f 17. 
Anufrijew (4), (24). 
Apochalow, P. f 295. 


Arapow (71). 
Archangelskaja (25). 
Archangelski, N. t 50. 
Archipow, A. (54). 
Aronstamm (29). 
Astafjew, A- t 89 - 
Asterblum, S. f 419. 
Astrazaturow (17). 
Atlassow (6). 

Aue (10). 

Awerbach, D. (44). 
Awerbach, J.(21), (70). 
Awerbach, M. (38). 
Awerbach, 0. (22). 


Awerbach, D. f 458. 
Awramow, P. (68). 


Bader, W. f 60. 
Baginski, A. (40). 
Bahrs, A. t 287. 
Baikow (18), (34), (72). 
Bajerkewitsch, W. f 
142. 

Bakrilow (70). 

Balfour, G. t 355. 
Balin (33). 
Barabaschew (50). 
Barankin, N. (53). 


Baranow, N. (60). 
Barannikow (3). 
Baratz-Wainzwaig (20). 
Barkin (33). 

Baron, M. (62). 

Barron, A. f 152. 
Bartelink, F. f 295. 
Bartenew, L. (64). 
Barsis f 468. 
Bashenow (43). 

Bassow (15). 

Bauer, B. (56). 
Bechterew, W. 2, (2), 
(3), (36), (49), (50). 


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XVII 


Bechterewu.ShukowskiBrichta 286. Dobrowolski, M. + 259. Fraenkel (33), (60). Grinewitsch (52). 

(2). Brock (76). Dobushinski, E. f 347 Franzow. P. (63). Griwzow (78 1 . 

Behla 315. Brodowski, VV. f 439. Dodin (52). Fratkin, B. + 364. Gromyko, M. (68). 

Behr 151, 321*, 33 1 *. Brodski (14). Doelger 196. Fratkin, N, f 539. Groschewoi, W. (60). 

Beketow (25), (55). ^ Bronstein, 0. (59). Dokutscbajewa (30). Friedberg 237. Gruening, H. f 99- 

Bellarminow (22), (4b). Bronstein u. Grünblatt Doigopolow (35), (75). Frobeen 94*. Gruening, R. (61). 

Belogolowy, A. (30), (7). Domaschnew (46). Frolow (3), (75). Grusdew, W (9), (44). 

(65). Bruck, S. f 470. 'üombrowski, N. (60). Frolow, W. (68). Grusdew (1), (82). 

Beloussow, A. (64). Buch 49, 225*. 'Dombrowski, R. (12). Fuerstenberg (72). Grusdjew, B. (52). 

Beiski (36). Budberg (51). Donath (417). Fuhrmann 36. Gundobia (39). 

Benissowitseh (18). Buettner, K. f 363. Dranizyn, N. (68). , Gilbert, I. (54). 

Bentowin (18). Buettner, 0. 427. Drosdowski, P. (65). jGabbe (29). Günsburg (19). 

Berestnew (7). Bukojemski (39). Dsershgowski (lü), (30). Gabrilowitsch, D. (52). Guleke, H. + 219. 

Berg, E. + 49. Bukofzew 140. ’Daffey, G. + 449. Galenowski, A. (69). Gumnicki, F. + 270. 

Berger (1), (31), 417. Bukowski, J. .+ 374. iDukelski, W. (67). Galina, M. (68). Gumprecht 237. 

Bergmann (46). Bum 345. !Dunbar (286). Gallozi, D. + 78. Gurewitsch (47). 

Berkenheira, G. (64). iBumm, A. f 164. Durdufl, G. + 374. Gannuschkin, B + 25. Gussakow (8). 

Bertels 88. Bunge, R. v. + 305. Dürck, H. 427. Gannschkin,P. u.Sucha-Gassenhauer, C. f 259. 

Bertenson (37). Burak (14). Dworetzki (46). now (31). Gussew (9). 

Besold 46. Burdsinski, T. (62). Dwornzanczyk,S. f 539. Gausner, N. f 551. Gutmann (13), 286. 

Besredko (26). Burlakow (15). Dykelski (77). Gawrilko (71). Gutschow, H. + 19-- 

Betz, F. f 428. Buxbaura 337. i Gawrilow, A. + 164. 

Bezold 75. Bührig f 347. Ehrlich (74). Gebhard, C. f 551. Hagen-Torn, 0. (11). 

Bibikow, M. + 198. Burzew, J. 470. Ehrlich, Kranke, Mosse, Gegenbaur, K. + 270. Hahn (49). 

Bickel 245*. t Rosin u. Weigert 56, Georg-Bekjantz (41). Hahn, W. 172. 

Biedert 181. iCarus, J. f 111. j 287. Georgiewski (14). Haller (25). 

Biel 291*, 392. iCasper (33), 373. {Einhorn (47). ^Gerassimowitsch, W. Hammerschlag 518. 

Bjelilowski (27). Cassirer, R. 495. Emmerling 35. j (67). Hampeln 1*, 87, 183, 

Bjelawenz (47). jCathdin 326. iEmmert 314. iGerbsmann (40). 423* 

Bjeniecki, J. f 99. 'Charitooow ,L. (5), (29), Engel, K. f 434. ; Germann (33), (85),(48), Hampeln u. Krannhals 

Bjelizki (2), (3). (68). Enko (26). i (49), ( 77 ). 58. 

Blagoweschtschenski Cheifez (77). Epinatjew (47). Gerschun (44). Harbitz 47. 

(42). jChmelewski (49). lErdberg 255*. ,Gerschuny (74). Hartge 47. 

Blau 46. 'Chorzew (22). Eriksohn (28), (49). Geschelin, J. (57). Hebstein (23). 

Blessig (22), (48), 373. Christiani, A. 379*. Ernroth (22). Gessner, + 37. Hecker 315, 382. 

Bluket (6). jChundadse (78). GiakomoRem-Picci 314. Hedroiz (9). 

Blum, S. (53). IChworotanski, M. (56). Fadejew, P. f 419. Ginsburg, M. (63). Heermann 293. 

Blumennu u. Tichomi-iClau 67. Falkner (15). Glasson, W. (56). Heidemann 481. 

row (3)..- Cloetta 226. :Favre (23), (26). iGlasson, W. f 208. Heidenreich, L. (67). ' . 

Blumenthal 181. Colasanti f 50. IFawitzki, A. (65). Gliszczinski, A. f 449. Heinaz (Geinaz) (26). 

Blumenthal, L. (20). [Colzi f 142. |Fawitzki,Orlowski(G4). Glubokowski, M. + 551 (52), (65), (72), (77). 

Bobrow (45). iCramer, F. + 89. Fedorow, I. (41). Glückraann, T. (68). Heinricius 48. 

Boehin u. Dawydoif Cruse, W. + 50. Fedorow, F. (21), (70). Gohs, W. (58). Heitzmann - Zucker- 

182. - Fedorow, S. (46), (49),|Goldberg 248, 481, kandl 56. 

Bogajewski, A. (57). ;Dagilaiski 257. ! (55), (73). 482, (73). Hellat 233*, 235, 265, 

Bogdanow - Beresowski|Dagilaiski, W. (58). Fedorow, W. (8), (41),|Goldberg. M. (13). (78). 

(9). IDalinger (32), (44). (62). Goljachowski (85). Henko, A. v. + 142. 

Bogoljubow (31), (54), Danilewski (29). Fedorowski (13). Goll, F. + 484. Hermann (2). 

(72). Danilow (47), IFedortschenko (27). Golowin, S. (20), (21), Hermann, G. 389*. 

Bogoras (10). Daozig (14). Feigin, F. (68). (22), (36), (42), (70). Hermann, F. + 259. 

Bogoslawski (13). Dechterew, W. + 186. Feinberg, B. (17), (4u).!Golubinin (19). Hermann v. Helmholtz 

Bohnstedt (39). ,Dehio 5, 47, 68, 103* Feinberg, I. (13). Golynez (5). 346. 

Boije 49. | 157*, 183, 186, (24). Feinberg, L. 326. jGontscharow (74). Herrenheiser, S. + 6. 

Boisseau + 406. jDelow (28). IFick, 14, 315. 'Gorbunow, W. f 60. Herz 3. 

Bondarew (12), (39). Demidowitsch (6). 'Filatow (21), (36), (42). Gorochow, (12), (l4), Herz, L. 182. 

Borgono, M. + 164. jDempel (33). iFilippow, A. (59). \ (56). Herzen, P. (57). 

Bornhaupt 118, 156. Derjushinski, S. (67). ! Filow (29). Gorodzew (29). Heuking 14. 129, (30). 

Borst 519. Deugler 172. Finkeistein, B. (60),jGorschkow (6). Heusch 337. 

Borkow (77). ;Deutsch 181, j (66). 'Gortynski, Olga + 337. Himmel (3), (35). 

Bosse 57, 87. Dibailow, S. (18), (53), Finkeistein, J. (54). iGosewer, (58). Hippius (17). 

Both, H. + 260. (60). Finkeistein, L. (77). Grabowski, S. 338. Hirsch, A. 433*, 443*. 

Bottini, E. + 121. Didiot + 89. Finkeistein, S. (34),|Grammatikati (13). Hirschberg, M. 116169* 

Braslowski (24). Diedrichsohn (3). (45). ;Graubner 172, 353. 184. 

Brassac + 449. Disler (21), Finogenow, N. (63). iGraudan 248. Hirschberg, N. ll*. 

Brat&nowitsch, S. + ;Djatschenko (78). Fischer 382. iGrave, W. + 428. Hoche 353. 

384. Djakonow, P. (56), (67). Fiweiski, W. + 78. iGrekow, A. (6), (61), Hoerschelraann 16. 

Braunstein (21), (37). Djewitzki, W. (44), (58). Flerow, L. (56). (74). Hoerschelmann (Rap- 

Brehm 150, 226. Dobbert 203*, 213* Flinder, N. + 219. Grekow, J. (46). pin) 73*, 173. 

Breitmann (27), 326, Dobromyslow (71). Forestier 237, 248. Greife (39). Hofmann, M. (76). 

(71). Dobromysslow (73). Foss 161. [Greiner (77). Hoffmann, A. (40). 

Bresgen, 277. Dobrowolski (54). Foster E. + 99. ;Gribojedow (2). Hoffmann, Ch. f 317. 

Bresler 3. iDobrowolski, C. + 239. Frank 237. iGrimes, J. + 521. Hohlbeck 374, (72). 


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XVIII 


Hoümann 147*. 20S. jlvalinin (11), 
Holowko 304, 468,'Kalistratow fö). 
482. 

Hom6n 47. 

Hoppe 3. 

Hornborg 391. 

Hornstein, S. (61). 
yuizinga f 229. 

Hundegger (16). 


tvornilow (22). Laag:, <4 (63). 

Koatkewitsch-Gladki, Lange, M. 538. 


'Maisel (18). 
Makarow, N. (5). 


M. •;* ;:94. 


Idelsohn 41*, 207. 

Iljin, P. (56). 

Inseback (21). 

Ischreit (36). 

Issakow, P. f 78. 
Italinski (75). 

Iwanow (2), (34), (50). 
Iwanow, A. (19), (32). 
Iwanow, E. (16). 
Iwanow, J. (66). 
Iwanow, N. (6). 
Iwanow, S. (69). 

Jagdbold 2a7. 
Jalirraärker 195. 
Jakobi, E. 467. 
Jakobson, L. (58). 
Jakowlew (75). 

Jakub (27). 
Jakuschewitsch (75). 
Jankeisohn 237, 482. 
Jankowski, (68). 
Janowitsch-Tschainski, 
S. t 152. 

Janowski (28). 
Jaroschewski (35). 
Jarcho, J. (64). 
Jastrebow, G. (56). 
Jazut (74). 

Jegalkin (43). 

Jelzina (8). 

Jenik, D. f 17. 
Jepinatjew (21). 
Jerusalimski (36). 
Jerwen (29). 

Jewreiuow (71). 
Jewenchow, S. t 229. 
Jewsejew (5). 

Joffe u. Kaplan (18). 
Johans 468. 

Jordan (37). 

Jores, L. 418. 


(14). 

Koslowski, B. (57). 
Koslowski, J. (28). 
Kossmann 25. 
KossmiD, K. f 405. 


Kalita (36). 

Kallistratow, P. (54). 

Kallmeyer 35, 299 

382. 

Kainstow, J. i 229. 

Kamen 182. 

Kaminski, W. f 317. 

Kanewski (47). 

Kansky (71). 

Kantorowitsch(18),(59). Kossowski (39). 
Kanzel, E. (56). 

Kaplan, J. (68). 

Kaplan, S. (62). 

Kardo-Snssojew (29). 

Kark (29). 

Karnitzky, A. (23), (61).>Kraemer 266. 
Karnitzki, (41), (77). Kraft 129. 
Karpowitsch, H. t 384. Krainsky 238. 
Karvonen 48. Kraiski (20). 

Kasarinow, G. (53). Kramer 180*. 


Koslenko (4), (19), (45). ; Lanz, 248. 
Koslenko, M. f 364. Lapin (16). 
Koslowski n. Slonim Lapiner (16). 


Langerlians 337, 495. Makarow (1), (31). 


'Lapinski (11). 

Laquer 353. 

■Lärm, N. f 180. 
jLasarew (41). 
ILasarewitsch f (12). 
Lass (35). 
;Kosteljanetz 125*, 135*. Lau 343*. 
Kotljarewski, A. f 6. Lauder Bruuton 108. 


Kotljarow, N. t 198. 
Kowarski (19). 
Kowrein, J. t 384. 


Lawdowski, M. f 6. 
Lawrentjew (21). 
'Lawrow (39). 

Lednew (5). 

Leshnew, N. (67). 
Levinson (10). 
,Lewaschow (23). 
Lewinski, M. f 364. 


Kasas (21), (36). Ivrannhals u. Hampeln Lewinowitscb (76). 

Kaschkadaraow (16). 58 . Lewkowski (2). 

Kaschperowski.J.y o21. Krascheninnikow (5). 'Lewtschenko, (70). 

Käst, A. t 17. 'Krasnopewzew (6). Leyden 195. . . _ 

Kastajan (50). ! Krassnobajew, T. (63). Leyden u. Goldscheider JJ art ? D, > 427 

Kastanajan (35). IKranss, W. 506. j uo Martius 108. 

Katz (14), (28), (33),Kreidl 314. 


Maksakow (36), (42). 
Maksntow (9). 

Maliew, I. f 162. 
Malis, M. t 131. 
Malzew (49), (50). 
Manasseln, M. f 131. 
Mandelberg (14), (73). 
Manewski, A. (53). 
Mangnbi, S. f 174. 
Mankowski (8), (63), 
(64). 

Mansurow (18). 
Manuilow, A. (60). 
Manuilow, S. t 317. 
jMarchand, G. t 327. 
Marcuse 258. 
;Margolies (37), (38). 
Mariantscbik, N. (53). 

I Marie, N. (25). 

IMarkowski, A. (61). 
iMartenson 392. 

■ Martin (27). 

Martini, C. f 428. 


(44), (66). 

Kayser 46, 407. 
Keilmann, P. t 174. 
Keilmann 266. 
Kerekesch (77). 

Kernig 383. 

Kersnowski, A. (52). 
Kersnowski, M. (14). 
Kessler (12), 363. 
Kieseritzky 47. 
Kijanitzyn, J. (67). 
Kinderfreund, J. t 327. 
Kiparski (76). 

Kirejew, D. f 484. 


Kissel (17), (64). 

Kudrjaschew (26). 


Leyden, Kirchner, Wutz - 
Kreps, M. 545*. dorff, v. Hansemann 

Kretzmer 303, 304,4 82.j u . Meyer 140. 
Krewer (25). iLezenius (22). 

Kriwitzki, W. + 374.; Libow (26), (77). 
Kriwoschein (9). Liebig, A. *{* 99. 

Kriwski, L. (61), (62).jLiebig, F. (16). 
Krjukow (21), (72). iLiersch 181. 

jKrogius, A. 417. Liefschitz, J. (GO). 

|Krohn (2). iLingen (16), (62). 

Krotow, A. (67), (10 ).jungen 508. 

[Krushilin (6) iLintwarew (78). 

Krylow, N. t 317. SLipski (78). 

Kubli (21), (36), (42),i| jiss it z jn (36). 

; (47), (69). ! Lissjanski (32). 

Kucharscbewski (9). Xjanz (33). 


Klimenko (39). 

Klaus 304. 
Knochenstiern 115* 
207. 

Knüpffer, W. t 418. 
Robert 195, 538. 
Koblanck 277. 


Martynow, A. (57). 
Marzinowski (37). 
Masajew (29). 
Masanowski, J. f 287. 
Maschkileisson (5). 
Maschkowzewa (47). 
Masing 177, 191*, 383. 
Maslennikow, A. (36), 
(41), (69), (70). 
Massalitinow (12). 
Massen (39). 
Masslowski (76), 
Matussowski (18), (31). 
Matschinski (30). 
Mauring 237. 
jMaxiraow 538. 

IMaydl, K. f 338. 
Medwedski, E. f 327. 


iKuettner 57, 345. 


Ljass (2). 

Lj ubomudrow ( 68 ,M^üner“29* 

s Lobanow (48), (u). Mp iuirh (\i\ 
Knlescha, G. (27) (66).| Loe sch, F. f 60. Me nikow A (53) 
Kuljabko (24). Loevegren 48 !SÄ, M. t 69. 

Loewenbach G t 510.| Mend A + 60 
Loewenberg 234*. ; Mendelsohn (46) . 


Jnergeljunas (24), (36).iKoblukow (44). 


Juergens, R. f 250. 
Juergenson 482. 
Juergensen 326. 
Juergensohn 468. 
Jukelsohn, M. (56). 
Jung 3. 

Juschtschenko (8). 
Jutt 304, 468. 
Juzewitsch, 0. (57). 


Kulski, L. t 497. 

Kumming 507. 

Kunicki, W. f 510. 

Kunizki, I. t 270. 

Koenigsberger 76, 258,l^ u P^. er nin - - 

345 Kupnanow, K. f 2l9. Lo h ns tein (13). 

Koerber 76 jKurdinowski (38). Lorand 223*. 

Kofmann, S. (19), ( 55 ).tj) usc j; ew ’ (58), (59)., LoS evitz, W. t 484. 


Koch, E. 489*. 


Loewenfeld 108. 
Loewenstern, A. + 295. 
Logaschkin (5). 


(Kolb 24. iKuschnir (18). 

Kolbassenko (20), (33)jKusmin, P. (38), (44), 
j (34). j (58). 

Koljago, K. (68). IKusnelzki, D. (39), (56). 


Mendisow (30). 
Mensenkampf, P. f 374. 
Mentschinski, W. (58). 
Menzer 506. 
Merkuljew, P. (61). 
Meschtscherski (51). 


Loshetschnikow (21). ;Meschtscherski G. (31) 
Lotin (20), (22), (46), Messarosch (32). 


Kablukow (43). 

Kadjan (72). 

Kafeinann, R. 468. 

Kahl. J. f 131. 

Kahn, D. t 384. 

Kahlden, C. v. f 131. Koppe 179*. 

Kahn (51). !Koppel 359 x . 

Kalatschnikow(8), (48).iKoptew, D. (66). 
Kaleri, G. t 305. jKopylow, N. (57). 


Kolossow (74). 

Kolpatschenko, D. f 152. 

Koltschewski, K. (69). 
iKomarowitsch (20). 
iKonaschinski, J. f 25. 
Konstantinowitsch (40).'Lachtin (16). 

Laitinen 48. 


Kutschenski, F. t 29ö.|Lund, W. f 439. 
Kutscherski, R. 336*. Lundborg 2. 


(48). 
Luetkens (49). 


(61). 

Laborde, I. f 152. 


jLaman, VV. (51). 
iLampsakow (16). 


Lunin 9 5. 

Lurje 20, (75). 
Lustwerk (17). 
Luxenburger 293. 


Meyen 139. 

Meyer, J. 120. 
Michailow, N. (53). 
Michalkin, P. (57). 
Michelson (237), (248). 
Michin (4). 

Michnow, (61). 

Migai (5). 


Lwow, J (10). (12),!Miklaschewski (45). 

(58), (76). [Miles, Fr. f 384. 

Lwow, S. (40). IMink 238. 


Landschewski (1), (34.)|Lyssenkow, N. (56). Minkewitsch (25). 


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XIX 


Mixt 48. 

Miropolski (75). 

Mjöen 49. 

Moebius (3), (108), 

(337). (372). 

Moor (29). 

Moritz, 0. 615*. 
Morkotan (1). 
Morosow, M. + 539. 
Moshajew, Ä. (68). 
Moskwin, H. f 99. 
Mostkow, A. (52). 
Motschutkowski, J. f 
228. 

Moose, A. (54). 
Msareulow (4). 
Mrongowius, W. (68). 
Muehlen 266. 

Mueller, E. (33). 
Mueller, J. f 186. 
Moeller, W. (76). 
Munk, I. f 317. 
Moratow, A. (9). 
Muratow, W. (7), (44), 

m. 

Murawjew (12). 
Murawjew, W. f 327. 
Murawski (15). 

Mursin, M. (68). 

Nadjashin (29). 

Naecke 3. 

Nagel 24. 

Napalkow. N.(56), (57). 
Nasso, 0. t 439. 
Natanson, A. (21), (22), 
(24), (36), (42), (70). 
Nath, H. t 521. . 
Nauman (78). 

Nebogin, N. f 131. 
Neese, E. (65). 
Nekrassow (19). 
Nenadowitsch, M. (62). 
Nensberg, J. f 279. 
Neuburger n. Pagel 
258. 

Neuraann 56. 

Neustab (77). 
Newjadomski (44). 
Nikiforow (44). 

Nikitin, W. (195), (33), 
275*, 283*, (60). 
Nikolajew, A. f 121. 
Nikolajewski, A. f 510 
Nikolski (47), (62), 

(63), (78). 

Nikonow (4), (12). 

Nissl 286. 

Nocard, E. f 355. 
Noorden u. Dapper 
181. 

Norström 286. 

Nowak, J. f 78. 
Nowicki, F. f 37. 
Nowizki (29). 
Nowkuuski (22). 

Odinzow, A. f 89. 
Okintschiz, L. f 198. 
Onufrowitsch, J. (60). 
Oppel (5). 

Oppenheim 140. 


Oppenheimer 216. jPoujatowski fl) 

Orlow, A. (45). | Ponomarew < I6). 

Orlow, W. (47), (68),|Poorten 226 
(72). Popelski, L. (10), (2o), 

Orlow, K. (32). i (67). 


Orlow, K. Ch. (38). 
Orlowski, A. (57). 
Orlowski, S. (27), (46), 
(65). 

Orlowski, W. (64), (66). 
Oserozkowski, A. (64). 
Ossipow (2). 

Ostrowski (45). 


Poper, P. (28), (69). 
Popow, L. 399* 411*. 
Popow, A. f 439. 
Popow, L. W. (30). 
Popow n. Zypkin (30). 
Portugalow (36). 
Pospelow, P. (29), (68), 
(74). 


Romanin, J, (56). 
Roiranow (25). 
Romaschew, A. +152 
Rommel 172. 
Roschkowski, K. + 337 
Rose (11). 

Rosen 3. 

Rosen, A. (66). 
Rosenbach, 0. 417. 
Rosenberg, A. f 539. 
Rosenberg, B. f 60. 
Rosenblum, A. f 37. 
Rosenblum, E. (32). 
Rosenthal 140. 


Otschanowski(22),(28). Postojew (24). 

Ott (76). Postolowski, D. (63). iRoshanski (44). 

Owen, G. f 208. Potapow (6). |Rostowzew (7), (lß). 

Owtschinnikowa, A. f Potiralowski (6). !Roth, E. 418. 

539. Pott, R. t 394. Rothe, A. f 60. 

Predtetschenski (32). jRoussel, + 419. 
Preobrashenski, P. (7),|Robaschkin. W. f 25 
I (11), (76). 'Rubel, M. (65). 

Preobrasheuski, W. |Rubez (5). 


Padlewski, L. (54). 

Paldrock 346, 363. 

Panas, P. t 25. 

Pantschenko (5) I (12), (39). 
Parussinow, W. f 121 .iPrissmano, 503*. 
Pascha, J. f 347. iPrissraann 237, 249, 

482. 

,Prjanischnikow, W. 57. 
Prokunin, A. (58). 
Proskauer 392. 
Protassow (29). 

Proust 216. 

Proust, A. f 497. 
jPrüssian 468. 
iPusenkin, W. f 279. 


Passower (5), (6). 

Pauli, D. f 449. 

Pawlow (75). 

Pawlowski, A. t 99. 

Pawlowski (1). 

Pernizki (50). 

Perwow (38). 

Peskow (1). 

Peters 97 (24), 316. 

Petersen 76, 130, 258.^08860 (16), (49). 
Petrow, A. f 69. Possep (27) ; (35), (72). 
Petrow, N. (10), (15). [pychlau, A. f 287. 
Petrow, Th. f 521. 

Petrow, W. (15), 23. Rabinowitsch (10). 
Petrowski, J. t 60 - Rabow, Wilczek 


Rnbinstein (26)- 
Rücker, A. f 449. 
Rudnitzki (77). 
Rnmjanzew (16). 
Runge 538. 

Russezki, A. f 219. 
Russezki, I. r 317. 
Russlow (11). 
Rutkowski (25). 


Petruschewski (24). 
Pewnitzki (5), (29). 
Pezold 527*. 

Pfeiffer 392. 

Pfister 353. 

Pfitzner, W. f 6. 
Pflüger, E. f 406. 
Pharmakowski (39). 
Pick 216. 

Pilnow (40). 

Pilzer 68. 

Pissmennij (44). 
Pjaskowski, N. (67). 
Pjecbow, S. f 111. 
Platonow. W. (55). 
Playfair, W. f 365. 
Pljungin, D. f 142. 
Plochinski (2). 

Plönies 345. 

Pobedinski (39). 

Poehl 56, 83* 
Pogosbew, P. f 521. 
Pokrowskaja, M. (66). 
Polepow (4). 

Poljakow, S. (52). 
Poljakow W. (43). 
Poljanski, N. (60). 
Poljanski, F. (19). 
Polkanow (26). 
Pollatschek 391. 
Polonski (78). 
Poltawzew (4). 


Reiss 181. 
Radzich (37). 


Sabludowski (26), (29). 
Saborowski, M. f 470. 
Saburow, J. t 337. 
Sachanski (5). 
Sacharjewski, A. (62). 
jSacharow, N. (69). 
Sacher, A. (52). 
u.iSachs, M. t 239. 
Sachsendahl, J. f 88. 
Sack u. Vieth 249. 


Rajewski, K. (29), (68).!Sack, B. + 270. 
[Rar, E. (63). 'Sacks, G. (32). 

Raschkess, A, (51),(78>. Sadikow 21*, 184. 


Rasumowski (72). 
Ratschinski (38). 
Rawitsch. N. (19), (61). 
Rebrowski, A. f 27.'». 
Rechberg (78). 


Sadowski (39). 
Saenger, M. f 17 - 
Sogoranski-Kissel (1), 
31. 

Samoilow, A. (53). 


Rechtsamer 345, 382. Sandelin 48. 

Reed, W. f 25. ,Sarzin, T. (40), (59), 


Reformatski, P. f 279. 
Reissner (58). 
Rem-Picci 314. 


(78). 

Sass, F. f 163. 
Sassaparel (5), (28). 


Reschetillo, (50), (67). Saul 206. 

Reyher, G. f 458. ! Saussailow (16), (40). 


Ribakow (46). 

Ribbert 182. 

Riedel (6). 

Rilow (38). 

Rimowitsch, F. (10), 
(69). 

Rimscha 455. 

Rinne u. Kanzel (14). 
Rippe 468, 482, (69). 
Rocblin ( 16 ). 
Roepenack, A. f 250. 
Roehr, T. + 551. 
Roger, J. t 347. 
Rollet, A. f 405. 
Roloff 362. 


Sawadski, A. f 484. 
Sawjalow (45). 
Sawtschenko (7). 
Saxer, F. f 239. 
Schaad (26). 
Schabliowski (6), 
Schaefer 249. 
Schaikewitsch (3). 
Schaikewitsch, L. + 259. 
Schalter, H. + 208. 
Schattenstein (78). 
Schebajew, N. (68). 
Schede, M. f 6. 
Schelepow, W. (56). 
Schenk 518. 


'Sclieoüewski (5). 
Scherniann, J. f 394 
Schatalow «29). 

Schiele 258. 
Schimanowski(36),(47). 
Schingarew (34). 
Schipinski-Schenski, F. 
t 174. 

ISchirokogorow (15). 
LSchkarin (77). 
Schmackpfeffor, F. 
f 347. 

Schmaehmann 236. 
Schmitz 140. 
iSchroeder 196, (48). 
Schroeder, Th. v. + 476. 
Schtscheglow (19), (54). 
ISchtschepinski (16). 
Schtschepotjew (6). 
Schuermayer 76. 
Schüler f 208. 
Schulgin, K. (10), (29), 
(5J), (69). 

Schultz, W. (62). 
Schultz 373. 

Schultz, V. f 419. 
Schultze 345. 

Schur, J. f 405. 
Schuster 345. 
Schwanert 76. 
Schwartz, H. 58. 
iSchwartz 162. 

Schwarz, Ed. 457. 
Schwarz 351*. 

Secondi f 419. 

Seel 95. 

Segal, A. (69). 
jSeiffer 181. 

Seldowitsch (45). 
Selenew (33), (74), (75). 
Selenkowski (22), (41), 
(45). 

Semtschenko (13). 
Senator, H. 427. 
Senator (32) 

Sender, W. (64), (74). 
Sengbusch 57,117, 266. 
Sengbusch u. Brutzer 
88 . 

Sentimon, G. f 69. 
Shbankow (27). 
Shdan-Puschkin (34) 
jSheltenoshski (52). 
;Shmailowitsch (14). 
|Shukowski, W. (13), 
(40), (43), (55), (76). 
Sibirski (50). 

Sibirzew (77). 

Siebert, V. t 239. 
Sievert (24), (45). 
Sigall (4 7). 

Silberling (7). 
Silbermünz (13). 

Simin, A. (57). 
Sirnnitzki (45). 

Siziuski (51). 
Skopjuchow (36). 
Skripkin, J. f 229. 
Skulski (40). 

Skworkin, L. f 17. 
Skworzow (40). 

Slanski, K. t 338. 


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XX 


Slowzow, B. (54). IStefanski (27). Tjapotschkin, P.t 394. Voss, G. 893. Winternitz 314. 

Sraeth, .1. de 1 250. jStendel, W. f 305. Tischkow (1). Voss, F. 141. Wiolin (29). 

Smirnow, A. (36), (42). Stern (40). Tonkow (73). Vossius 257. Wirsaladse (15). 

Smirnow, I. (41). Stershemenski, G. (68). Toporkow (2), (31). Wischnewski (46). 

Smirnow, K. (72). Stieda (3). Trachtenberg (40). Witczak 161. 

Smith 130 Stilmann, M t 121. Treu 65*, 120. Waeber 248. Witkowski, S. t 355. 

Snegirew, K. (21), Stillmark 369*. iTreutlein, A. 506. Wagner, A. f 449. Witlin (3ö). 

(22), (70). Stolpinski, W. (51). Treyraann 108. Wagner u. Kwjatowski Witzinski, P. (70). 

Sokalski (77). Stolkind(17), (37). (78) Trinkler (4), (72). (8). Wjenski, D. + 89. 

Solotarew (1). Strachow. W. (22),(36), Troizki, J. (66). Wainstein, A. (69). Wladimiroff, A. 235. 

Soroastrow (6). (42), (70). Troizki, P. ( 30 ), Walitzki, L. (63). 294. 

Sowinski (74). Strassburger, M. f 497. Troschin (2). Waljaschko (44). Wladimirow, W. (/), 

Spasski (27). Stratiewski, S. (60). Trshezeski (38). Wallgren 48. (61). 

Spassokukotzki, S. (56), Strawinski, A. (54). Truhart 3. Wanach 392. Wladislawow, W. (54). 

(71). Streng 48. Trzebicki, R. i 327. Warneck (32). Woinow, B. (59). 

Speranski. W. f ii79. IStroganow (8). Tschanssow, M. i 374. Warschawski, J. (69). Woinitsch - Ssjanoshen- 

Spisharny, J (31), (59), Strökmberg, 341*. Tscharnowski (58). Warschawski, E. (14), ski (73). 

(73). iStuckey (71), (73). Tschekan, W. (52), (55). (54). Woizechowitsch (22). 

Srjelow, f 384. |Studenski, A. f 394. Tschemechowski (11) Warschawski (78). Woizechowski, A. f 

Ssacharow (28), (43). :Studsinski, J. (28), (67). Tschemolosow (36),(70). Wassiljew, S. f 111. | 287. 

Ssadikow (27). [Stukowenkow, N. f 11 1 . Tscherbak (35). Wassiljew (5), (6), (28)., Wojatschek, W. (29), 

Ssawaitow (37). (Suchow, A. (70). Tschermak, N. t 458. (72). i (68). 

Ssaweljew (19), (31),|Suchow, K. (70). Tscherepnin (32). Wassiljew, VV. (64). Wolfram, W. f 551. 

(39), (40). Surowzew (1). Tscherno-Schwarz, B. (69). Wolfsohn (3). 

Ssawinski (4), (20). (Svenson, H. f 186. (69). Wassiljew, W. J. f|Wolinski, R. f 121. 

Ssawitsch (22). (Swencizki, A f 405. Tscherewkow (26). 428. IWolkowitscb (10). 

Sserapin (73). (Swinjatski (4). Tschernzow, VV. f 163. Wasten (15). iWoloshin (54). 

Ssergejew (36). Switschew, A. f 6. Tschemolosow (48). Wainstein (48). Woltschinski, M. t 

Ssergiew, L. (70). Swjaginzew (12). Tscheremuchin, M. (56). Weber (38), (73). | 198. 

Sergiewski, L. (70). Swojechotow (15). jTschirjew, S. (69). Wedenski (35). Worobjew, W. (57). 

Ssirotinin (54). ISworykin, G. (67). Tschish, S. (65), (57). Weinstein (22), (18). Wosdwishenski, S. t 

Ssissin (20). « ^Tschish, W. (49). Weismann 56. j 470. 

Ssitschew (41). Tallqvist 49. Tschisk, W. f 327. Weljaminow (72). iWosnessenski, M. t 

Ssobestjanski (39). iTalwik, S. 463*, 479*. Tschistowitsch (16). Weljainowitsch,W.(ll),| 142. 

Ssobelew, L. + 287. Tarassewitsch und Tschlenow, B. (19). (15), (34), (35), ^63).;Würth, F. t 

Ssobolew (3). Schtschastny (9). Tschlenow, M. (3), (9), (59). ;Wygodski (36), (4 1). 

Ssobolewski (29) Tarenezki, Danilewski, (23), (37), (66). Wellberg 25*, 33*. jWyrubow (35). 

Ssokolow (16). ! Krawkow (30). Tumilowitsch (5). Wendel 116. i • x 

Saokolow, S. f 497. Taruffi 181. Turner (24). Wenglowski, R. (56),| 

Ssokolowskaja, A. f521. Tatarinow, D. (56). Turner, G. (58). (57), (58). IZabludowski 337. 

Ssolomka, N. j- 69. Tetradse (59). ;Tutyschkin (32), (44). Wenzel, C. f 37. jZajonszkowski, P. t 

Ssolowjew (4). ITereschenkow (73), Twerdowski, A. f 208. Werekundow, S t 470.1 229. 

Ssonin (6). ! (74). Tychnenko (29). jWerjushski. D. (67), Zaleski, S. f 449. 

Ssorokin (20). [Ter-Karapetow, W. fTyrmos (71). I (68). Zander, A. 141, 182. 

Ssuchanow, S. (39),| 428. |Wermel (12). Zander, A. f 121. 

(67). Thierfelder 25s- iWemiz (24). jZazkin, A. (54). 

Ssuchodolski (20). iThoraas, T. f 131. Ucke 294, 3C , 346. Werjuschki (24). jZarniko 326. 

Ssurow (5), (9), (21). (Thomson, ü. (39). Udalzow, D. *h 111. Werschinin (7). Zeissl, M. 427. 

Ssuschkin (21). (Thomson, L. t 174. Ulanowski, J. t 439. Werzinski (15). Zeitlin, M. f 239. 

Ssusslow (26). (Ticbow (71). Ulesko - Stroganowa Westenryk (64). Zeitlin, W. (13), (69). 

Ssutulow, 0. f 111. iTiele u. Hagen-Torn( ( 12 )- Westphalen 294. jZitowitsch (15). 

Stange, W. (65). (6). jüspenski (11). Wetschtomow (20). jZmigrodski, G. t 250. 

Stanislawski, (35). Tikanadse (11). |Ustinow (74). Weyert, F. f 68. iZoege 5. 

Starck 263*. Tiling 316. Wickel 417. (Zur-Mühlen, F. (62), 

Staroshenko, W. (66). Timofejew, P. (64). Wiedemann 15, 346. 453*. 

Stawski (44). jTiraolejew, S. (3), (7). Veit, G. v. f 174. Wiegandt, E. f 510. Zypkin (37). 

Stefanowski, G. (6). Timofejewski, D. 1287.jVierhuff 304, 468. Winogradow (38),(75). Zypkin u. Schepele- 
Stefanowski, Th. (69). Titow (19). jVilas 538. Winckel 181. witsch (44). 


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V 


Blnt, Alkaleseenz d. —es b. Leuko- 
cytose (66). 

—, quant. Alexinbestim. i. —serum 

(»). 

—, Einfl. v. Atropin etc. a. d. — 
versorg d. Kopf. (11). 
Blutcirkalation, Wirk. d. Cerebrin 
Poehl a. d. — (49). 

—, — i. Gehirn währ. d. Coitus 
(35). 

—, Veränd. d. — b. Parenchymzellen- 
embolie (44). 

Blutdruck, modific. Verf. d. —be- 
stira. 1*, 183. 

—, —Steiger, b. körperl. Arbeit. 5. 
Blutdruckmessungen, — i. d. Bade¬ 
praxis 369*. 

Bluterguss, traumat. — a. e. Basis 
cerebri (35). 

Bluthusten, — hervorg. d. e. Blut¬ 
egel (68). 

Blutkörperchen, üb. Thermotaxis d. 
weissen — (46). 

Blutung, —en b. Botriocepbal. lat. 
(19). 

—, — Perityphlitis simulirend (60). 
Blutuntersuchungen, Ergebnisse v. 

— 515*. 

Bossi’sche Instrumente, Dilat. d. Mut¬ 
termundes m. —n —n. (61). 
Botriocephalus, Blutung, b. —latus 
(19). 

Brief, — a. Wiesbaden 468. 
Brillengläser, Ub. — (30). 
Bronchialbäume, Diagn. Bedeut, d. 

- m. 

Bronchiektaste, F. v. — (17). 

—, F. V. angeb. — (24). 

—, üb. — i. Kindesalter 382. 

—, F. v. —n. eitr. Pleuritis (64) 
Brucin, — i. d. Augenheilk. (36). 
Bubonen, — d Kavalleristen (69). 
Bubonenpest, — i. Odessa i. XIX 
Jahrh. (27). 

Bulbärparalyse, üb. apoplekt. — (44). 
—, F. v. progressiv. — (44). 


c. 


Calkaneus, üb. —frakturen (56). 
Capitulum fibulae, üb. Frakt. d. — 
(64). 

Carotis, üb. Anom. d. — common. 
(71). 

Cephalom üb. occipit. —e (56). 
Cerebrin, —beh. d. Epilepsie (5). 

—, Wirk. d. —um Poehl a. d. Blut- 
cirkul. (49). 

Cervix, z. Dilatat. d. — n. Bossi 
255*. 

—, Myom d. — 304. 

Cervixcarcinom, vag. Kaiserschn. b. 
- (38). 

Cervixhypertrophie, z. Diagn. d. 

Schwangerschaft b. — (32). 
Chemie, Hilfsb. f. Arbeit, i. d. — 76. 
Chinin, —inject, b. bös. Malaria (ö). 
—, — b. Febris puerperal. (15). 

—, —injectionen b. Malaria (44). 


Chirurg. Behandlung, — d. angeb. 

spast. Paraplegie (30). 

Cbir. Beobacht. (72), (78). 

Chirurgie, d. prävent. —(248). 

—, Soda i. d. kl. — (29). 

—, z. — d. Wandermilz (43). 

—, üb. Dampf, i. d. — (46). 

—, z. — d. Oesophaguskarcinoms 
(52). 

Chloroform—u. Aethernarkose 277. 
Cholecystektomie. F. v. — (57). 
Cholecystitis, F. v. ulc. — b. Typh. 
abd. (16). 

Cholelithiasis, z. Cas. d. — (12). 

—, Aetiol. u. Path. d. — (19). 

—, z. Lehre v. d. — (57). 

—, üb. Bebandl. d. — 482. 

Cholera, —asiatica (29). 

Chorea, Beh. d. —minor ra. Antl- 
streptokokkenserum (11). 

—, Chorea n. Athetosis (26). 

—, F. v. recidiv. — 1. d Schwan¬ 
gerschaft (32). 

—, F. v. - rbytmica (35). 
Chorionepitheliom. Deciduoma malig- 
num (25). 

Circulation, Einfi. d. Psyche a. — 
n. Respirat. ll*. 

Coeliotomle z. Technik d. — (39) 
Cuprum citricum, üb. —b. Augenkr. 
(67), (70). 

Cylinder, Fehlen v. —n i. Urin v. 

Nephritikern 506. 

Cylindrurie, F. v. — (64). 
Cysticerkus, — i. d. Geg. d. gelb. 
Fleckens (70). 

—, —unt. d. Netzhaut (41). 

—, F. v. — i. 1. Auge (47). 

—, F. v. — i. d. Hand 468. 
Cystitis, F. arteficiell. — (3). 
Cysto-Teratoma, F. v. —sacral. (5). 
Cytodiagnostik. üb. —d Exsudate (58). 
—, prakt. Bedeut, d. — (59). 
Cytotoxine, üb. — (8). 


TD. 


Dammnaht, Perineoraphia sec. i. 
Wochenb. (39). 

Dampf, üb. — i. d. Gynäkol u. Chi¬ 
rurg. (45). 

Dampfdesinfection, EinÜ. d. — a. 

Bekloiduogsstoffe (30). 
Dampfheizung, üb. — i. d. Kron- 
städter Kasernen (31). 

Darm, F. v. chron. —invaginat. 
147*, 208. 

—, Fremd körper wander, i. d. — 14. 
—, Fremdkörp. i. Mast— 67. 

—, Atropin b. —okklus. (59). 

—, Askariden i. d Bauchhöhle n. 
—ruptur (68). 

-, F. v. —okklus. d. Nierenstein 
77. 

—, F. v. —okklus (19). 

—, Beh. d. —okklus. ra. Atropin- 
inject. (20), (33). 

—, Beh. d. Schleimkolik d. —s 181. 
—, F. v. —invaginat. 237, 


Darm, üb. —desinfect. (249). 

—, 2 F. v. —blutung b. Dysenterie 
(54). 

—, üb. Anleg. v. —fisteln b. Ma¬ 
genkrebs (57). 

—, Heilung e. —Perforation unter 
Klemmpincetten (56). 

—, üb. angeb. —Verengerung (55). 
—, üb. d. Chlumskyschen —knöpf 
a. Magneg. (71). 

Darmchirurgie, (32). 

Darmgangrän, einf. op. Verf. b. — 
(71). 

Deciduoma malignum, üb. d. Chorion¬ 
epitheliom (25). 

Dekubitus, F. v. raultipl. — (54). 
Demonstration, — e. Lampenschir¬ 
mes (47). 

Dementia praecox, z. Fr. d. — 195. 
Dermatitis. —psoriasiformis nodul. 
(3). 

—, F. v — bullosa (mechanica) (13). 
—, F. v. acut. — (75). 

Dermatol, — als Antidiarrhoic. (15). 
Dermatologie, d. grüne Seife i. d. — 

(5). 

Dermatologische Gesellschaft, VIII 
Kongress d. — in Sarajevo 448. 
Dermoide, üb. d. vagin. Entfern, v. 

—n d. Ovariuras (24). 

—, üb. — n d. Ovarinra8 (608). 
Dermoidcyste, F. V. — d. Brusthöhle 

(32) . 

Descendenz, Vortr. üb. —theorie 56. 
Desinfection, Apparate z. Formalin 
- 06 ): 

Diabetes, 2 F. v. schwer. - 223*. 
—, üb. —mellitus b. Kindern (64). 
—, E ! nfl. d. Ernährung a. —insipid. 
49. 

—, — insipid. b. Kind. (16). 
Diagnose, Herztöne am Rücken zur 

— verwendbar 383. 

Diarrhoe, Dermatol b. — (15). 

—, Bebandl. d. Kinder mit Schwarz- 
beerenextrakt (33). 

Dickdarm, F. v. —prolaps (60). 
Differential-Diagnose, z. — d. intra- 
u. extrapontin. Erkr. 351*. 
Dilatatio aortae, Ub. — temporaria 

(33) . 

Dilatation, — d. Muttermund, m. 

Bossi’schen Instr. (61). 

—, Angeb. — d. Kolon m. Wand¬ 
hypertrophie d. Darmes (43). 
Diphtherie, Entsteh, d. — Antitoxins 
(16). 

—, Erblichkeit d. künstl. Immunität 
geg. — (30). 

—, — b. Scharlach (69). 
Diphtheriebacillen, Färbmethode d. 

- ( 6 ). 

—, Diagn. d. — u. Pseudo— (7). 
Diplokokkus, prim. Affect. d. Gelenke 
d. d. — (77). 

Doktorat, d. Kirchspiels— 179*. 
Dormiol, Anwend. d. —s (18). 
Dorpat, Statist, u. Hyg. d. Stadt — 
76. 

Drillingsschwaugerschaft, z. Cas. d. 
- (78). 

Droguen, d. officiell. — 181. 


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VI 


Ductas Botalli, 2 F. v. offenem — 
(30). 

Dünndarm, F. v. träum. —Stenose 
(43). 

—, F. v. Gangraen d. —es (52). 

—, Chir. ßeh. d. —strict. (72). 
Dnodenalverschluss, F. v. — 294. 
Duodenum, Physiol. d. —s (16). 
Dysenterie, — Klystiere b. — (6). 
—, z. Behandl. d. — (29). 

—, Leberabscess b. trop. — (44). 

—, Darmblut. b. — (54). 

—, Behänd), d. — (68). 
Dysmenorrhoe, Operat. d. — (4). 

—, Aetiol. u. Pathog. d. — 373. 

—, Aetiol. d. — (62). 


E. 

Echinokokkus, F. v. — d. Lunge 

94*. 

—, prim. —cyste d. Ovar. (44). 

—, F. v. — d. Leber (53). 

—, z. Cas. d. — d. Lungen (5). 

—, — d. Leber, d. Mesent. etc. (12). 
Ei, menschl. — a. d. 2 Monate 363. 
Eierstockgeschwülste, s. a. Ovarial¬ 
tumoren. 

Eileiter, s. a. Tuben. F. v. primär. 

—tuberkulöse (51). 

Ein klemm ungen, üb. innere — (55). 
Eisen, Entfern, v. —splitt. a. d. 
Auge (21). 

—, Durchbohr, d. Augapfels mittelst 
—Splitter (24). 

Eklampsie, Path. u. Ther. d — (8). 
—, Entsteh, d. — (16). 

—, Bezieh, d. Schilddrüse z. — (62) 
—, Prissnitz’sche Umschi. b. —in¬ 
fantum (63). 

Ektopia lentis, F. v. — congenita 
(36). 

Ekzem, Kalomei b. chron. — (64). 
Elektricität, Wirk. d. — a. Mikro¬ 
ben (14). 

—, Verbrennung d. — (16). 

Elektr. Strom, Apparat zur Einwirk, 
e. konst. — (46). 

Elektrolyse, üb. — b. Oesophagus- 
vereng. (45). 

Elektroskop, Empfehl. d. — Aschers 
(42). 

Elektrotherapie, — d. Fibromyome 

(4). 

—, bes. Meth. d. — (5). 
Elephantiasis, üb. op. Beh. d. — (74). 
—, — cruriset ped. sin. syphil. (74). 
Eltern, Einfl. d. psych. Zustand d. 

— a. d. Geschl. d. Kind. (50). 
Embolie, F. v. — d. Art. pulm. n. 

Fract. d. unt. Extrem. (72). 
Embryoma, üb. terat. Geschw. d. 
Hod. (73). 

Empyem, Thorakoplastik b. chron. 

- (19), (68). 

Encephalocele, angebor. — (12). 
Encyklopädie, — d. mikr. Technik 
287. 

—, — d. Hygiene 392. 

Enchondrom, F. v. —a thoracis 248. 


Endokarditis, infect. — n. Endarte- 
rit. 47. 

—, F. v. ulcerös. — (63). 

—, F. v. sept. — (69). 
Endometritis, — dolor. (4), (11). 

—, Naphthalin b. — puerp. (60). 
Endotheliom, — d. serös. Häute (15). 
Enteralgie, üb. — 49. 

Enteritis, d. Magenverdauung b. 
chron. — (43). 

Enterolith, F. v. e. —en (77). 
Fnterotomie, F. v. — b. Darmsteinen 

(67) . 

Entwickelung, Einfluss d. Jahresz. 
a. d. — d. Zögling, i. Instituten 
(26). 

Epidermolysis bullosa, F. v. — he¬ 
reditär. vel. congenita (35). 
Epizootologie, Vortrag üb. — (37). 
Enuresis, Heil. d. — d. Operat. ade¬ 
noid. Vegetat. (18). 

Epididymitis F. v. tubercul. — 482. 
Epilepsie, Cerebrin b. — (5). 

—, luet. — (13). 

—, Lithium b — 238. 

—, Heissluftbftder b. — (35). 

—, Unters, d. genuinen — (28). 

—, Malaria u. — (54). 

—, Trnpan. b. träum. — (73). 
Epileptiker, Ber. üb. d. Asyl Marien¬ 
hof f. — 162. 

—, psych. Zustand b. —n nach ge- 
walts. Erwecken (49). 

Epithel, über träum. —cysten (58). 
Epitrochlea hum. 2 F. v. — (74). 
Erblindung, F. v. — n. Influenza (70). 
Erbrechen, üb. period. — 93*. 

—, unstillb. — u. Hyst. (40). 
Erkältung, - sexantheme (54). 
Erkrankung, Intra- u. extrapontine 

— 351*.' 

Ermüdung, Dictatschreiben a. Mass¬ 
stab d. — (2). 

Ernaehrung, künst. — v. Säugl. 
(16), (40). 

—, — Nierenkrank. (18). 

—, Einfl. d. -- a. Diabet. insipid. 
49. 

—, —krank. Säugl. m. Soxhlet. Nähr¬ 
zucker 172. 

—, Milchsterilisation b. d. — v. 
Säuglingen (47). 

—, üb. Physiol. u. Hygiene d. — 
(07). 

Erosion chancreuse lab. inf. oris. (75). 
Erysipel, F. v. period. — (19). 

—, Behandl. d. — m. übermangans. 
Kali (37). 

—, Antistreptokokkenserum b. — 
(61), (64). 

—, Wochenbett compi. m. — (78). 
—, Üb. —behandl. (60). 

—, — d. Larynx. (61). 

Eserin, — b. Endzünd. d. Kornea 
(21). 

Exanthem, F. v. — 248. 

—, gleichzeit. Verl, acut-fieberhaft. 

- (38). 

Exophthalmos, F. v. puls. — (22). 
Exsudat, Cytodiagnostik d. —e (58). 
—, Autoserotherap. b. pleur. —en 

(68) . 


Extraktion, 2 F. v. — v. Piston¬ 
splitt. a, d. Glaskörper (4’)- 
Extrauterinschwangerschaft, Häufigk. 

u. Aetiol. d. — 172. 

—, z. Cas. d. zweimal. — (76). 

—, diagn. Fehler b. — (4). 

—, — i. d. spät. Period. (39). 

—, z. Casuist. d. — (41). 

—, üb. d. interstit. — (51). 

—, üb. gleichzeit. intra- u. — (58). 
—, a. vag. Wege oper. Fälle v. — 
(76). 


F. 


Favus capillitii, Methode d. — z. 
hellen (35). 

Farbstoffe, Wirk, künstl. — a. d. 
Verdauung (38). 

Faerbelehre, Encyklop. d. mikr. Tech¬ 
nik 287. 

Färbung, — v. Fetten etc. (10). 
Fernwirkung, üb. antiphlogist. — d. 
Kälte 314. 

Fetischismus, bes. Form v. — (49). 
Fett, Färbung v. — etc. (10). 

—, Bestimmung d. —gehalts d. 

Milch (52). 

—, Wirk, versch. —e auf d. Funk¬ 
tion d. Magens (54). 

—, Atrophie d. retrobulb —gewebes 

( 60 ). 

Fibrolipomatosis, F. v. — (51). 
Fibrom, F. v. elephantiast. — 468. 
—, seit. F. v. — d. Ut. (77). 
Fibromyome, Elektrother. d. — (4). 
—, Komplik. d. Schwangerschaft 
du ich — d. Uterus (51). 

Fieber, üb. künstl. erzeugt — 15. 
—, üb. hysterisches — 299*. 382. 
Finger, Bild. d. Nase a. e. — (10). 
Finsen, Lup. vulg. b. Lichtbehandl. 
(40). 

Fistuloraphie, — n. Colpocleisis (13). 
Flecken, üb. perifollikuläre — a. 
d. Haut (50). 

—, z. Bau d. gelb. — b. Menschen 
(70). 

—, Cysticerkus i d. Gegend d. gelb. 

- (70). 

Fleischconserven, Sterilität d. — (6). 
Fliegenlarven, Erkrank, d. Auges d. 

- (22), (46). 

Flotte, Erkr. a.'d. — (1). 

Formalin, Apparate z. — Desinfect. 

06 ). 

Fossae subcut. atroph, syphil. (75). 
Fraktur, Verband b. Schulter—en 
( 20 ). 

—, F. v. — d. Orbita (74). 

—, üb. —en d unter. Extrem. (74). 
Frauenkleidung, Reform d. — 141, 
182. 

Frauenkrankheiten, Massage b. — 
226. 

Fremdkörper, — i. Ohr, Nase, Mund, 
Kehlkopf u. Rachen (13). 

—, — d. Harnblase[(29), (38), (4o). 
—, — i. d. Iris (70). 


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Fremdkörper, — i.d. Liose (41), (70). 
—, Oesophagot. b —n (44). 

—, F. v. — i. Rektum (53). 

—, 2 F. v. —n i. äuss. GehörgaDg 
(68). 

—, —wander. i. d. Darm 14. 

—, — i. Mastdarm 57. 
Frühjahrskatarrh, F. v. — (36). 

— 2 F. v. — (47). 

—, z. Cas. d. —s i. Russland (58). 
Frühdiagnose, üb. — b. Schwind¬ 
sucht (52). 

—, — b. Schwinds. d. Radioskopie (67). 
Fuss. Beh. d. Distorsion, d. —es 14. 
—, F. v. Sarkom d. —es (20). 

—, üb. Resection d. kl. —knochen 
(57). 


Gh 


Gagry, Kurort — (29). 

Gallensteine, s. Cholelithiasis etc. 
Ganglien, üb. Nissl’sche —zellfär- 
bung (50). 

Ganglion, Bez. d. —supremum u. 

symp. z. Auge. (36). 

Gangraena, — gland. penis inkar. 
(62). 

—, spontanen s. senilis (26). 

—, F. v. recidiv. flaut— (34) (73). 
—, — d. Dünndarmes (52). 
Gastroenterostomie, 6 F. v. — (34). 
Gastroptosis, F. v. — (63). 

Gaumen, üb. Mischgeschw.d. —s (78). 
Geburtshülfe, SteriJis. d. Hände n. 

Gummihandschuhe i. d. — (51). 

—, operat. — 24. 

—, Lehrb. d. — 481. 

—, Vadem. d. — 538. 

Gegengift, Kali hyperm. als — b. 

Vergilt, m. Morphium. (46). 
Gehirn, Physiol. d. Nucleus lent. u. 
caud d. —s (3). 

—, z. Casuist. d. —brüche (28). 

—, F. v. —tumor (3). 

—, d. —rindencentra d. Accomodat. 

(3). 

—» F- — syphil. (3), (12). 

—, Gliome i. Gross— (7). 

—, —emulsioninject. b. Tetanus (11). 
—, d. Geschwülste d. —s 140. 

—, Operat. b. Klein—abscess etc. 
141. 

—, üb. Schussverl. d. — s (72). 
Gehörgang, Fremdk. d. äuss. —es 
(6). 

—, F. v. Verwachs, d. äuss. — s(l). 
—, Verschl. u. Verenger, d. —s (69). 
—, F. v. Obliterät. beid. -e d. 

Osteome 233*, 235. 

—, Akkomodat. d. —es (29). 

—, Fremdkörp. i. — (6ö). 

—, Oblit. d. —es d. Knochenwucher. 
(78). 

Gehörnerv, Ermüdbark. d. —en 54. 
Gehörorgan, Wirkung d. Feldkano- 
nenleners a. d. — (28). 

Gehörstörungen, halluc. Psychose b. 
- (49). 


nt 


Geisteskranke, Fürsorge V. — lbl. 
—, Isolir. d. —n b. Bettbehandl. (2). 
—, warme Luftbad, b. Beh. d. — n 
(2). 

—, Magenverd. u. —secret. b. — (8). 
—, Schädelmess. — (36). 

—, Zeitsinnstörung b. —n (49). 

—, üb. Fesselung —r (52). 
Geisteskrankheit, Nerven- u. —en a. 

d. Kaukasus (49). 

—, — bei Soldaten (64). 

—, Beruhigungsmit. b. —en 353. 
Gelatine, —inject, b. Aneurysmen (7). 
Gelenk, —tuberkulöse u. Trauma 
(10). 

—, prim. Affect. d. — e d. d. Diplo¬ 
kokkus (77). 

—, —erkrank, b. Tabes (11). 
Gemeinde, —krankenhäuser i. Russ¬ 
land (50). 

Genius epidemicus, d. — einst u. 
heute 309*. 

Geschlecht, — u. Krankheit 108. 

—, —sieben u. Nervenleiden 108. 

—. — u. Kopfgrösse 373. 

—, Einfl. d psych. Zustand d. El¬ 
tern a. d. — d. Kinder (50). 

—, üb. Entstehung d. —er (54). 
Geschlechtskrankheiten, 1 Kongress 
d. deutsch. Ges. z. Bek. d. — 216. 
Geschlechtsorgane, Phiol. b. Erkrank. 

d. weibl. — (19). 

—, Tuberkulose d. weibl. — (27). 
Geschlechtsonterschied, z. Lehre v. 

d. —en 372. 

Geschmacksfasern, Verlauf d. — (2). 
Geschwulst, Sectio cesarea i. Folge v. 

e. — i. Becken (77). 

Geschwülste, üb. malign. — d. 

Schlundes (58). 

—, Lehre v. d. —n öl9. 

Geschwür, Aetiol. d. Peudje —s (10). 
—, Aetiol. u. Path. d. einf. —e (7). 
—, F. v. — d. Gesichts 236. 
Gesundheit, Grenzen d. geist. — 363. 
Gewebe, — u. Ursache d. Krebs¬ 
geschwülste 326. 

Gewichtzunahme, — b. Kind. (77). 
Glandula submaxillaris, Tumor d. — 
468. 

Glaskörper, Extrakt, v. Pistonsplitt. 

a. d. — (47). 

Glaukom, ac. — u. Kataraktoperat. 
(22). 

—, lridectomie b. — (36), (41). 

—, F. v. jugendl. — (70). 

—, F. v. — compl. d. Netzhau tablös. 
(70). 

—, — nach Kataraktoper. (38). 

—, Peroxin b. — (41). 

—, üb. d. Klassifikation d. primär. 
- (48), (70), 

—, F. v. Retinit. pigm. u. — (20). 
—, Entfern, d. Gangl. snpr. u. symp. 

b. - (21). 

Gliom, üb. —e i. Grosshirn (7). 
Glykogen-Metrmorphose (75). 
Glossitis, F. sklerosis. — (37). 
Gonokokken, F. v. allgem. —infec- 
tion (40). 

Gonokokkus Neisseri, üb. — 346, 
868. 


Gonorrhoe, Beh. d. 139. 

—, z. Diagn. d. — (29). 

—, z. Cas. d. Hodenproc. b. — (4). 
—, z. Diagn. d. künstl. — (6). 

—, intern. Behandl. d. — (58). 
Gonorrhoische Allgeraeininfection (31). 
Granatsplitter, Augenverl. d. — 374. 
Gravidität, Progres. Paral. u. — (39). 
—, üb. gleichzeit. extra- u. intraute¬ 
rine — (58). 

—, üb. Ilenserscheinungen b. — (58). 
Guaiacum, d. Heilkraft d. — u. d. 

Franzosenseuche 216. 

Gumma sklerae, F. v. — (36), (42). 
Gummigegenstände, Aufbew. v. —n 
(29). 

Gummihandschuhe, i. d. Geburtshilfe 
(51). 

Gummiluftkissen, — bei Harnfisteln 
304. 

Gymnastik, Lehrb. d. Heil— 3. 
Gynäkologie, allgem. — 25. 

—, konserv. Behandlungsmethode i. 
d. - (77). 

—, — a. Helvetica 427. 

—, üb. Anwend. v. Dampf in. d. — 
(45). 

—, — u. Geburtshilfe (61). 

—, Lehrbuch d. — 538. 




Haematemesis, F. v. — postop. (40). 

Haemorrhoidalknoten, üb. circul. Ex- 
cision d. — (66). 

Haeraothorax, F. v. — bei Nengeb. 
(40). 

Hallucination, —en während d. Er¬ 
wachens 321*, 331*. 

Harn, Pathol. d. —s 181. 

—, Wirkl. Gehalt d. —Stoffes im 
menschl. — (29). 

Harnblase, Fremdkörp. d. — (29). 

Harnfistel, F. v. angeb. — d. Na¬ 
bels (71). 

Harnleiter, s. a. Urethra. 

Harnorgane, F. v. asceud. Toberk. 
d. — (65). 

Harnkanal, üb. gonorrh. Erkr. d. —s 
b. Minderjähr. (77). 

—, Simalationskrankh. d. — 169. 

Harnsäure, quant. Best. d. — (8). 

Hanl, üb. Entwiokelungsstör. d. — 
130. 

—, strichförm. —affection (37). 

—, üb. Hyperalgesie d. — (23). 

—, Transplantation v. — unt. Clorä- 
thylanästhesie (29). 

—, üb. perifollikuläre Flecken a. d. 

- (öO). 

—, Sensibilitätsänder, d. — b. Pa¬ 
ral. agit. (78). 

Hautgangrän, F. v. recidiv. (34). 

Hautgefässe, Angeb. Erweit. d. — 
(29). 

—»Verhalt, d. — a. therra. Reize 314. 

Hautkrankheiten, Therap. f. vener. 
u. — 181. 

—, Atlas d. — 467. 



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r m 


Hautkrankheiten, Bekämpf, d. — i. 
Rjasan (20). 

Heissluftbäder — b. Geisteskranke 
(35). 

Heisswasserbehandl. — L d. Chirur¬ 
gie (68). 

Hemeralopie, Aetiol. d. — (5). 

Hemiatrophia, üb. — fac. progr. (2). 

Hemiplegie, Beobacht, üb. — 140. 

—, — comb. m. Aphasie (69). 

Hepatitis, fehl. Niere b. eitr. — 
(89). 

Hepatoptosis, (31). 

Hermaphroditismus, F. v. — psychi- 
cus 35. 

—, — u. Zeugungsunfähigkeit 181. 

Hernie, — F. v. Zwerchfells — 
103*. 

—, z. Caö. seit. —-n (73). 

—, F. v. — d. Epigastr. 68. 

—, F. v. —Processus vaginalis te- 
sticuli encystica (26). 

—, z. Cas. d. atyp. Leisten—n (6). 

—, Operat. d. Schenkel—n (9). 

—. Operat. e. incarc. Leisten—(14). 

—, Repos. eingekl. —n (39). 

—, Oper. b. Massenreduction d. —n 
(57). 

—, inkarcer. Niere i. e. — (64). 

—, — m. Fremdkörperinhalt (57). 

Herniotomie, 120 —n (57). 

—, üb. Schwierigk. b. d. —al. Brü¬ 
che (72), 

Herpes tonsurans 266. 

Herz, üb. — Stützapparate 47. 

—, F. v. Myomalacie d. —ens 47. 

—, F. v. Syphilis d. —ens (8). 

—, Wiederbelebung d. menschl. —ens 
(24). 

—, —töne u. —geränsche am Rücken 
191*, 383. 

—, d. —muskel u. s. Bedeutung f. 
Physiol., Pathol. u. Klinik d. 
—ens 427. 

—, Hypertrophie d. —ens b. Nie- 
renkrankh. (3/). 

—, penetrirende —wunden (63). 

rferzerkrankungen — als Indic. z. 
künst). Unterbr. d. Schwangerschaft 
(27). 

Herzkrankheiten, funct. Diagn. d. — 
130. 

—, Schwangerschaft b. — (16), (19). 

Hetol, Inject, v. — unt. d. Binde¬ 
haut (z2). 

Heufieber, z. Ursache d. — s 286. 

Hilfeleistung, erste — b. Unglücksf. 
i. Deutsch!. (16). 

—, erst. med. — b. Andishan (68). 

Hinken, üh. intermitt. — 41*, 207. 

Hirn, 6 F. v —erkrankung (49). 

—, Zwangsbewegung b. —erkran- 
kuugen (68). 

Hirnabscess, F. v. — (63», (64). 

Hirnsyphilis, Sehstörung b. — (60). 

Histologie, Lehrbuch d.—d. Mensch. 
182. 

—, Atlas d. pathol. — 427. 

Hoden, Behundl. d. Krankh. d. —s 
(29). 

—, üb. descensus d. —s (67). 

—, z. Cas. d. — proc. b. Tripper (4). 


Hoden, prim. Mumps d. — s (6). 

—, Behandl. d. Krankh. d. —s (26). 

—, teratoid. Geschw. d. — s (73). 

Hoehenkuren, — f. Nervenkranke 
363. 

Hornhaut, üb. wicht. Erkr. d. — 
286. 

—, Jodof. b. eitr. —wunden (41). 

—, üb. Heilung v. Schnittwund. d. — 
(48). 

Hydramnion, zur Aetiol d. — (14). 

Hydrargyrum praec. fl., Augensalbe 
aus — (34). 

Hydrocele, künstl. Iiervorger. — (54). 

Hydrocephalus, üb. — intern. (2). 

Hydronephrosis, F. v. vorgetäuschter 
— b. Abdominaltyphu8 (30). 

Hydrotherapie, prakt. — 216. 

—, Pneumonie n. — 314. 

—, Lehrbuch d. — 337. 

Hydrotherap. Rückblicke 389*. 

Hygiene, Unterricht i. d. — (47). 

—, üb. Marine — (64). 

—, Encyklopädie d. — 392. 

—, z. — d. Strassen (65). 

Hygroma praepatellare, üb. — 304. 

Hyperaciditas (3u). 

Hypertrophie, über Alters— d. Pro¬ 
stata (66). 

Hypnose, psychol. Bedingungen d. 
Zustandekomm. d. — (46). 

Hypopion, Beh. d. - (5). 

Hysterie, F. schwer. — (Mutismus 
etc. (2). 

—, — i. Folge v. Autosuggestion. (28). 

—, unstillb. Erbrech. u. — (40;. 

—, Bez. d. — z d. weibl. Sexual¬ 
organen 293. 


X. 

Ichthargan, — b. Augenkrankh. (36). 
Ichthyol, —beh. d. Trachoms (6). 
Icterus, üb. Magenverdauung b. — 

(45). 

—, üb. d. postoper. — (74). 

Ileus, üb — b. Komplik. d. Ovarial- 
cyst. m. Gravidität (68). 

—, F. v. —hystericus 457. 
Immunität, Erbi. d. künstl. — geg. 
Diphtherie (30). 

—, üb. lokale — d. Anges (48). 
Impetigo syphil. F. v. — 481. 
Infection, — d. Menschen m. Ma¬ 
laria durch Anophelesbi6se (26). 

—, — d. Leber d. d. Darm (7b). 

endogene — d. Augen (47). 
Infectionskrankheiten. Verhüt, v. — 
47. 

—, — i. St. Petersb. 19ü2 (78). 

—, — d. Thiere (Epizootol.) (37). 

—, Einfl. ein. Alkalien a. — (44). 
Influenza, F. v. nerv, cerebr. — (11). 
—, Nenroretinitis nach — (42). 

—, RetrobuJb. Phlegmone in Folge 
v. — (4b). 

—, üb. — n. Typh. abd. (78). 

—, beiJers. iridochorioid. u. — (21). 
—, eiterig. Tenonitis i. Folge v. — 
(48). 


Influenza, Erblindung n. — (70). 

Infusion, z. —stherapie d. Psychosen 
417. 

Injection, Epidurale — durch Punk¬ 
tion d. Sakralkanals 326. 

—, üb. intraut. —en m. Jod. (62). 

Instrument, üb. Anwend. d. Rossi- 
schen —e (61). 

Insuffieienz, Stenose d. 1. Ostiuras 
m. — d. Mitralkappen 399*, 411*. 

Interkurrente Erkrankungen, d. Ein¬ 
fluss — a. d. Krankh. d. Nerven- 
syst. (56). 

Intoxication, Lehrb. d. — en 195. 

Invagination, F. v. zweif. — d. Dick¬ 
darmes (60). 

Iridektoraie, Dauererfolg d. — b. 
Glaukom (36), (41). 

—, F. v. — (70). 

Iridocele limbalis Melanosark. vor¬ 
täuschend (41), (42). 

Iridochorioiditis, beiders. — n. In¬ 
fluenza (21). 

Iris, angeb. Kolobom d. — (22). 

—, Fremdkörp. i. d. — (70). 

Irrenanstalt, Atlas f. d. Bau v. —en 
24. 

—, 8. a. Geisteskranke. 

—, Stellung d. Aerzte a. d. öffentl. 
—en 3. 

Irrenfürsorge i. Südrnssland (49). 

Irrenpflege, Familiäre — (35). 

Irresein, Verbreit, d. —s i. alt. Russ¬ 
land (49). 

Ischias, Behandl. d. — m. 01. tereb. 
304. 

Isolation, — d. leb. Uterus (88). 


X 


Jeguritol, üb. Behandl. m. — (42). 
Jochbogen, üb. Schmerzhaft, d. —s 

(35). 

Jod, —natr. b. Rheumatismus (19). 
—, — Stärke-Reaktion d. Magen¬ 
inhaltes bei Hyperaciditas (30). 

—, Quecksilb. u.—bei Syphilis 417. 
—, üb. intraut. Jodinjectionen (62). 
Jodoform, — b. Ohreiterong (5). 

—, Schwefel anstatt — (5). 

—, — b. eitr. Hornhautw. (41). 
Jodüformiujection, üb. subkonjunktiv. 
- (41), (70). 

Jurjew, üb. d. cbir. Unterricht a. d. 
Univers. — (67). 


k:. 


Kachexie, — d. Bakterientoxine 48. 
Kaiserschnitt, vaginal. — b. Cervix- 
karcin. (38). 

F. v. — b. osteomal. Becken (39). 
Kalciumsuperoxyd, — b. puerp. Kol- 
pitiden (61). 

Kali hypermang., z. Wirkung d. — 
(29). 


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XXVIII. immo ST; PETB R S II] Kfi 1K Neue Folge XX. Jabrg. 


G£.;s. . 

UNJ V . v. 

APR ? 



oiiter der' Redaction von 


Pref. Dr. Kar! Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). Riffa. 

Dr. Rudolf Wanach. 

8t. Petersburg:. 


Oie «St. Petersburger Mediciniaclie Woclieuschrift» erscheint jeden 
Sj n n abe n d. — Der Abonne msB tipraia ist in Ruislanl 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr iuel. Postanstellnng; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halhjShrlieh. Der Inaertlonepreia 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 ICop. oder 35 Pfenu.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabzügeihrerOriginalartikel zngesandt.— 
Referate werden nach dem Satze vou 16 Rbl. pro Bogen honqriVt. 


If* Abonnamsnt«-Aufträge lowis alle Inserate "W 
bittet mau anssciiiiesslich au die BuchhatidliiAg von K. L. Woker in 
St.Petersburg,Newsky-ProspectM 14, zn richten.—Ka nus oripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilangen bittet man an 
den geschttftsffilrrendeu Redactenr Dr. Rudolf Wanach in St. Pe¬ 
tersburg, Petersburger Seite,Peter-Panlhospital zn richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag von 2—3 Uhr. 


US 1 


St. Petersburg, 4. (16.) Januar 


1903 


*' Inhalt? P. Hampeln: Ueber ein modificirtes Verfahren der Blntdrnckbestimmung. — Referate: Lundborg: Klini¬ 
sche Studien nnd Erfahrungen betreffs der familiären Myoklonie nnd damit verwandten Ktankheiten. — Grenzfragen des 
Nerven- nnd- Seelenlebens heransgeg von Löwenfeld nna Kurelia. — Bücheranzeigen nnd Besprechungen: Als¬ 
berg: Die Abstammnng des Menschen nnd die Bedingungen seiner Entwicklung. — Jung: Znr Psychologie und Pathologie 
sog. occulter Phänomene. — Hoppe: Die Stellung der Aerzte an den öffentlichen Irrenanstalten. — Herz: Lehrbuch der 
Heilgymnastik. — Bresler: Alkohol auch in geringen Mengen Gift. — Dr. Richard Rosen: Die Krankenpflege in der 
ftrztliehen Praxis. — Dr. med. H. Trnhart: Pankreas-Pathologie. — Auszug ans de« Protokollen der mediclnischen 
Gesellschaft zu Dorpat. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs.— Anzeigen. 


Ueber ein modificirtes Verfahren der Blutdruck- 
bestimmung. 

Von 

P. H a m p e 1 n , Riga. 

Vortrag, gehalten auf dem XIV. iivl. Aerztetage zu Fellin 
am 4. (17.) September 1902. 


.. Die Blutdrockbestimmungen am Menschen scheinen 
zukünftig von grösster Bedeutung für die Entscheidung 
nichtiger physiologischer nnd pathologischer Fragen wer¬ 
den zn sollen. . . 

• ; Dies gilt freilich weniger von den bisher geübten 
momentanen Druckmessungen, obschon auch diese nicht 
ohne ; Worth sind, als von den Bestimmungen der 
Schwankungen des Blutdruckes während 
einer längeren Beobachtungsdauer. 

"■ So viel mir bekannt, liegen bisher solche Blutdruck" 
Kurven, aufgenommen unter dem Einfluss verschieden 
temperirter Bäder, von Otfried Müller vor. 

Abgesehen aber von dieser das Verhalten des Circu- 
lationsapparateö erst sicher entscheidenden, aber auch 
schwierigeren. und umständlicheren Untersuchung mit 
,dem RiVa-Rocci’schen Apparat entbehrt, wie gesagt, 
.Auch die momentane, bisher ausschliesslich geübte Blut- 
ikuckbestimmüng nicht der Bedeutung und sollte, schon 
wegen der principiell 1 wichtigen Vollständigkeit feiner 
jpdep Untersuchung in keinem Falle-, vornehmlich wo 
.Affeciionen am Circulationsäpparat in Betracht kommen, 
Unterlässen Werden. Ein Apparat für diese Unter¬ 
suchungen; einfachster Zusammensetzung, leicht transpor¬ 
tabel* - jedoch gut functionirend* würde aueh i\iv Zelt 
poch dem Bedürfnis des praktischen Arztes Rechnung 
.\ragfen. . - •- , t .r"* .... • 

' Seit. Jahren mit Blutdruckmessungen beschäftigt-, habe 
Mich ich die Erfährungen Anderer in Bezug auf die 
■tynzhlahglifchkeiten der. zwei gebräuchlichsten Messinstru- 
fUente/g ein acht. Den Grund dafür erblicke ich, was 
taBäjßhst* den Biasfeh’schen Apparat; betrifft, in beson¬ 
deren 1 Hincterüieee» der Applicätionsstfelle. 1 Die 1 Trom¬ 


mel und der palpirende Finger finden nur selten neben¬ 
einander hinreichend Platz auf der kleinen, der Unter- 
snchung zugänglichen Strecke der Radialis. Daher 
wurde denn auch, trotz allen Rühmens des Apparates, 
diese erst bevorzugte Stelle zu Gunsten einer anderen, 
der Schläfegegend, von Basch selber äufgegebeü. 

Richtig ist, das« hier mehr Raum zur Verfügung 
steht, doch stösst man trotzdem auf Hindernisse, nur 
anderer Art, die aus der oft ausserordentlichen Kleinheit 
der Teraporalis und ihren von Grote ermittelten Ver- 
laufsan'omalien entspringen. Im Hinblick hierauf be¬ 
deutete das G ä r t n e r’sche Tonometer wegen der un¬ 
übertrefflichen Sicherheit und Einfachheit seiner Appli¬ 
cation einen grossen Fortschritt. Das Aussuchen des 
richtigen Ringes, von denen 2, höchstens 3 zur Aus¬ 
wahl völlig genügen, ist Sache eines Augenblicks. Dass 
eine zu grosse Weite des Ringes Ungenauigkeit ver¬ 
schuldet, wie Hirsch zu begründen sucht, leuchtet nur 
für den Fall eines den Blutdruck übersteigenden 
Anfaogsdrnckes im Apparate ein, lässt sich zudem 
leicht vermeiden. Das Erröthen des vorher anämisirlen 
Fingers bildet eine höchst sinnenfällige Erscheinung. An 
der mit nachlassendem Druck wieder eintretenden Ca- 
pillarfüllung lesen wir den zur Unterbrechung des Stro¬ 
mes erforderlichen Drück ab, aber nicht der von KTies 
auf ca. 35 Mm. Hg angegebene Capillardruck wird mit 
dem Tonometer, wie anfänglich Von Einzelnen ange- 
tiöramen wurde, gemesseü, sönderri allein der Druck in 
der Art. digitalis, wir erkennen ihn nur in diesem 
Falle statt am Pulse an der mit nachlässeüder Cpiri- 
pressiört wieder 4 eintretenden Capillarfüllung. ' Dfetin'öfeH 
bietet dieser so sinnreich erdachte Apparat trotz aller 
genannten Vorzüge keine Gewähr zuverlässiger Unter r, 
suchungsergebnisse. Das liegt wie mir söhelrft an deP 
doppelsinnigen Natur der Cäpillarfüllung, die ; nicht Allein 
vom Blutdruck in den zufiihrendeh Gefässeo/ 1 soüdern 
noch dazu vom augenblicklichen ContractioÜszuStäiifle 
der kleinsten Gefässe und- selbst der Capillaren abhärtgt; 
d. h. die Oapillarfüllung kann Natürlich nie dai’ M'äSs 



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- T, 

* i*l lOia 

1 WC3 







2 


des arteriellen Druckes überschreiten, wohl aber niedri¬ 
ger ausfallen als diesem Drncke entspräche uud darum 
zn einem falscheu Ergebniss führen. Die kleinsten Ar¬ 
terien verfügen ja hei geringem Kaliber über eine re¬ 
lativ starlce Muskulatur und stehen in hohem Grade 
unter dem sich bei ihrer Kleinheit besonders beraerkbar- 
machenden Einfluss des Nervensystems. Die hieraus ent¬ 
springenden vasodilatatorischen und vasoconsirictorischen. 
Erscheinungen beeinträchtigen nun, wie es scheint, stark das 
Ergebniss der Untersuchung. Dass aber solche Innerva- 
lionsstörungen, und zwar schon in Folge der Unter¬ 
suchung auftreten, ergiebt sich aus der allemal nach 
jeder Untersuchung zurückbleibenden auffallend stärke¬ 
ren Röthung der untersuchten Fingerspitze. 

Es ist also eine Hyperdilatation der Gefässe einge¬ 
treten, die die Vermuthung eines vorausgegangenen 
Gefässspasmus nahe legt. Dazu kommt endlich, dass 
auch die Bestimmung des Momentes der wieder einge¬ 
tretenen Capillarfüllung doch nicht so einfach ist. Wäh¬ 
rend Gaertner das nach einigen, 4—5 Sekunden 
plötzliche und volle Erröthen der Fingerbeere als Merk¬ 
mal befürwortet, scheint mir die erste Spur der Röthung 
am Nagelbett, wenn nur längere Zeit, bis 30 Sekunden, 
auf gleicher Druckhöhe verharrt wird, grössere Sicher 
heit zu bieten. Jedenfalls zeigt sie die bereits frei ge¬ 
wordene Passage in den Digitalarterien an und scheint 
weniger abhängig von jeweiligen Innervationsstörungen, 
leidet aber dafür an geringerer Auffälligkeit. 

Wie es sich aber auch damit verhalten mag, Tbat- 
sache ist. dass man, wie die Untersuchungen mehrerer 
Beobachter, auch vor mir ergaben, bei derselben Per¬ 
son an verschiedenen Händen nicht nur, sondern auch 
an verschiedenen Fingern derselben Hand, ja wie 
ich binzufügen kann, sogar an demselben Finger bei 
zwei auf einander folgenden Untersuchungen zu abwei¬ 
chenden Resultaten gelangt, die ich mir eben aus dem 
wechselnden, unberechenbaren Contractionsspiel der 
kleinsten Arterien und der oft schweren Bestimmung 
des Momentes der Capillarfüllung erkläre. 

In diesen Unzulänglichkeiten der genannten Apparate 
lag non die Aufforderung nach einer anderen, sicherer 
zum Ziele führenden Art der Untersuchung zu suchen. 
Bei der Gewohnheit möglichst alle Gefässe, jedes für 
sich und verschiedene unter einander vergleichend, zu 
betasten, fiel mir schon lange auf, mit welcher Sicher¬ 
heit an der Radialis bei gleichzeitiger Compression der 
Brachialis der Moment des schwindenden Pulses be¬ 
stimmt werden konnte und wie leicht die Compression 
der Brachialis mit dem Daumen gelang. Bei Eiuschal¬ 
tung einer geeigneten Pelotte zwischen Daumen und Ar¬ 
terie mussten, so schien es, auf diese einfache Art völ¬ 
lig befriedigende Resultate erzielt werden können. Es 
lag nahe sich zn dem Zwecke des Gärtnerischen 
Ballons zn bedienen, mit dem ich denn auch die ersten 
Versuche anstellte, indem natürlich zugleich das zum 
Fingerringe abzweigende Rohr verschlossen wurde. 

Umfasst man nun mit der einen Hand den Arm ober¬ 
halb des Ellenbogengelenkes, so gelingt es leicht die 
Brachialis, nachdem man sich zuvor von ihrer Anwesen¬ 
heit und Lage überzeugt hat, mit dem Billon rasch zu 
comprirairen, während mit der anderen Hand in ge¬ 
wöhnlicher Weise der Radialpuls gefühlt wird. Am 
Manometer lässt sich weiter, anscheinend mit grösster 
Sicherheit der Moment des aufhörenden oder wieder¬ 
kehrenden Pulses und damit der Druck in der Brachia¬ 
lis bestimmen. 

Die Versuche fielen befriedigend aus, doch schien 
mir ein kleinerer der Form und Grösse des Daumens 
angepasster und tragbarer Ballon einige Vorzüge vor 
dem grossen G.’schen zu besitzen. Aus ihm und dem 
einfach damit verbundenen Feder- oder Hgmanometer 


besteht dann der ganze in seinen wesentlichen Bestand- 
theilen dem Basch'sehen App. und Gaer tn e r'scheu 
Tonometer entlehnte Apparat. 

An mageren, rauskelschwachen Armen erscheint das 
Ergebniss der Untersuchung ganz sicher und eindeutig, 
während ein gespannter, voller Biceps oder grosser Fett¬ 
reichthum allerdings die Untersuchung erschweren. Bei 
einiger Uebung gelingt es aber auch in solchen Fällen 
zum Ziele zu kommen. Bei den im Ganzen seltenen 
Verlaufsanoraalien der Brachialis, ihrer hohen Theilung, 
muss natürlich von der Verwendung dieses Apparates 
abgesehen werden. 

Im Ganzen leistet er mir jedoch bisher solche Dienste, 
dass ich ihn selber gern verwende und mich für berech¬ 
tigt halte, ihn der Nachprüfung zu empfehlen. 


Referate. 

Lund borg. Klinische Studien und Erfahrungen be¬ 
treffs der familiären Myoklonie und damit ver¬ 
wandten Krankheiten. (Svenska Läkaresäll. Nya 
Haudl. Serien III Delen 3). 

Der Verfasser berichtet über eine grössere Zahl (17) von 
Fällender sog. Unverricht’schen Myoklonie, die er grössten* 
tlieils selbst beobachtet hat. Mit Recht macht L. auf die in¬ 
betreff dieser Krankheit nnd des Paramyoklonus multiplex 
bestehende Verwirrung anfmerksam; letztere Krankheit wird 
von M o e b i n s and A- der Hysterie zngerechnet. Schulze 
fühlt sie auf den Tic convulsif (wohl Maiadie des Tics? Ref.) 
zurück. Im völligen EinverstäudniHs mit Unverricht 
findet L ein Hauptmerkmal der Myoklonie in ihrem familiären 
Auftreten, fast alle beschriebenen Falle gehören 3 schwer 
drgeuerirten Familien an, in denen aasser der erwähnten 
Krankheit noch Paralysis agitans, Epilepsie nnd Geistes- 
krankheilen heimisch sind. Die Myoklonie beginnt im Alter 
von 7—19 Jahren mit Anfällen, die wohl täuschend an Te¬ 
tanie erinnern, allmälig in epileptiforme übergehen, wobei 
sich schliesslich die typischen myoklonischen Zuckungen ein¬ 
stellen. Die Nerven- and Muskelerregbarkeit scheint nicht 
gesteigert zu sein. Von Seiten der Psyche wird eine stetig 
foitschreitende Demenz bemerkt, die theilweise katatonische 
Züge anfweist. Als weitere Symptome werden Tachycardie, 
Hyperidrosis, Erhöhung der Reflexe, Dermatographie ange¬ 
führt. Auf Grund des Nebeneinandervorkommens der oben¬ 
genannten Krankheiten ln den Familiengeschichten stipulirt 
der Verfasser einen genetischen Zusammenhang derselben 
untereinander einerseits und auf Grund der Symptome mit 
dem M. Bas edo wi i, dem Myxoedera nnd der Katatonie 
andererseits. Alle diese Erkrankungen werden anf Autoin- 
tox icat i o n zu rückgeführt und als Entstehnngsoit der¬ 
selben erscheint die Gl. Thyreoidea. Ob diese Schlussfolge¬ 
rung richtig ist, erscheint zunächst noch zweifelhaft, dafür 
sind die pathologischen Erscheinungen von Seiten der Drüse 
bei den geschilderten Patienten zu wenig zahlreich nnd ge¬ 
ringfügig. Es ist ja richtig, dass Fälle von Basedow ohne 
Struma beobachtet werden, sie sind aber sehr vereinzelt und 
Werden theilweise vielleicht durch die Annahme abnormer 
Lage der Drüse oder sehr geringer Veränderungen, die der 
Palpation entgehen, erklärt Immerhin ist das Zds>mmen- 
vorkommen so vieler motorischer Neurosen von grösstem 
Interesse, die genetische Verwandtschaft der Tetanie und 
Epilepsie wird aufs Nene bestätigt. Die Wissenschatt ist 
dem Verfasser für seine gründlichen Beobachtungen zu Danke 
verpflichtet. Zum Schluss kann sich Ref. die Bemerkung 
nicht versagen, dass leider die Uebersicbtiichkeit der Schil- 
deruug einiges zu wünschen übrig lässt. 

Voss. 

Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens heransgeg. 
voa Löwenfeld und K u r e 11 a. (Wiesbaden 1902 
Bergmann). 

JÄ XVI. Die Energie des lebenden Organis¬ 
mus ii nd ihre psychobiologische Bedeutung 
von W. v. Beeilte rew. 

Nach einer ausführlichen Wiedergabe der Entwicklung der 
Lehren von Körper and Geist in ihrem Verhältnis zu ein¬ 
ander kommt der Verf. zu den modernen Auffassungen dieser 
schwierigen Frage. In der Euergielehr« Oswalds und der 
Lehre W u n d t s ist auch keine Lösung gegeben, v. B. er¬ 
klärt die Annahme einer latenten Energie für nothweudig, 
deren Wesen in electrischen Vorgängen zu suchen sei. Es 
ist hier nicht der Ort genauer auf die interessanten and 
practisch wichtigen Darlegungen des Verfassers einzugeuea, 


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3 


die obigen Andeutungen sollen nur einen Begriff von dem 
umfassenden Inhalt der für Psychologen, Naturforscher, 
Aerzte nnd Laien wichtigen und anregenden Schrift geben. 

X XVII. Ueber das Pathologische bei Nietz¬ 
sche von P. J. Moebius. 

Es wird wohl heutzutage nur wenige denkende Menschen 
geben, die nicht Nietzsche’s Persönlichkeit gestreift hätten. 
Der enorme Einfluss dieses Philosophen auf die jüngere Ge¬ 
neration muss das Interesse auch der Aelteren erwecken. 
Der Gegensatz, in den sich N. zum Chris<enthum gestellt, 
der erbitterte Hass, mit dem er dasselbe bekämpft, sie lenken 
die Blicke Vieler auf ihn. Moebins schildert in kurzen 
nnd klaren Zügen den Entwicklungsgang der von vornherein 
pathologischen Persönlichkeit nnd weist mit Schärfe auf den 
Beginn der den genialen Denker zerstörenden Geisteskrank¬ 
heit hin. Die Paralyse nimmt bei N. eine besondere indivi¬ 
duelle Entwicklung, nicht in Intelligenzdefecten zeigt sie sich 
anfangs, sondern in Störungen des moralisch-ästhetischen Ge¬ 
fühls. Wir brauchen M o e b i u s ’ Buch nicht zu empfehlen, 
sein Gegenstand und die Behandlung, die derselbe erfahren, 
werden dem Leser viel Anregung nnd geistigen Genuss ver¬ 
schaffen. 

XXVIII. Ueber die sogenannte «Moral in sa- 
n 11 y» von P. N ä c k e. 

Der Verfasser stellt die Berechtigung einer besonderen 
Krankheilsform «Moralisches Irresein» in Abrede, betont die 
Schwierigkeit der lntellectprüfung und hält die Bezeichnung 
«Moralischer Schwachsinn» für richtiger. Die Arbeit ist 
wohl hauptsächlich für den Psychiater geschrieben, dem sie 
zweifellos von Werth sein wird bei der Beurtheilung hierher 
gehöriger Fälle. 

Voss. 


BQcheranzelgen und Besprechungen. 

Alsberg. Die Abstammung des Menschen und die 
Bedingungen seiner Entwicklung. (Th. G. Fischer, 
1902, Cassel). 

Die vorliegende Schrift ist für Naturforscher, Aerzte und 
gebildete Laien bestimmt; sie enthält interessante antropo¬ 
logische Forschungsergebnisse der allerletzten Jahre, be¬ 
leuchtet die Bedeutung der Darwinschen Lehre und giebt 
einen guten Ueberblick über die Entwicklung des Menschen¬ 
geschlechts im allgemeinen. Als wahrscheinliche Heimath 
des Urmenschen wird Australien angenommen ln den letzten 
Capiteln bespricht der Verf. die Theorien der Geschlechts- 
Unterschiede und der Vererbung. 

Voss. 

Jung. Zur Psychologie und Pathologie sog. occulter 
Phänomene. (Leipzig, 1902, Mutze) 

Enthält die ausführliche Schilderuug eines jungen schwer 
belasteten Mädchens mit hysterischen Symptomen, welches 
sich allmählich za einem vollkommenen spiritistischen Medium 
ausbildet. «Sehr einleuchtend ist die Entwicklung der «double 
conscience» und der somnambulen Zustände nnd ihre Verwen¬ 
dung zn spiritistischen Zwecken geschildert. Das Ueberna- 
türliche fällt selbstverständlich ans dem Rahmen der Schil¬ 
derung und wir haben es mit rein degenerativ-nervösen Er¬ 
scheinungen zu thun. Warum Verf. die somnambulen 
Zustäude (hallncinatori8che Formen)zu den «epileptoiden» An¬ 
fällen rechnen will and eine Uebergangsform zwischen Hy¬ 
sterie und Epilepsie statuiren will bei Gelegenheit der ein¬ 
leitenden Schilderung eines anderen Falles bleibt unerfindlich 
Die Krankengeschichte des spiritistischen Mediums ist inter¬ 
essant; die Literatur der hierhergehörigen Phänomene hat weit¬ 
gehende Berücksichtigung gefunden. 

Vo 88. 

Hoppe. Die Stellung der Aerzte an den öffentlichen 
Irrenanstalten. (Markold Halle a/3 1902). 

Die Wichtigkeit des Gegenstandes, den Hoppe in säch¬ 
licher und klarer Form bespricht, muss unbedingt anerkannt 
werden. Nicht nur deutsche Verhältnisse haben Berücksichti¬ 
gung gefunden and es geht hervor, dass nur in England, 
weniger in Nordamerika und Schweden die Irrenärzte eine 
Ihrer schwierigen Aufgaben würdige Stellung einnehmen. 
Leider sind die Daten aus Russland sehr unvollständig, doch 
sprechen die wenigen mitgetheilten Ziffern eine beredte Sprache. 
Die schwere aufreibende Thätigkeit nnd die Unmöglichkeit 
freier Praxis (in den meisten Fällen!) sind die Veranlassung, 
dass immer weniger Aeizte sich dazu entschliessen, an Irren¬ 
anstalen Arbeit zu suchen. Wir könnendem Hoppe’scben 
Buch nur aufrichtig Erfolg und Verbreituog in den Kreisen 
derjenigen Persönlichkeiten aller Länder wünschen, welche 
in diesen Fragen eine massgebende Rolle spielen. 

Vo 8 8. 


Herz. Lehrbuch der Heilgymnastik. (Berlin und Wien 
1902, Urbau und Schwarzenberg). 

Im ersten Tlieil des Buches giebt der Verf. ausser allge¬ 
meinen einleitenden Erörterungen eine genaue durch viele 
Abbildungen veranschaulichte Schilderung der gymnastischen 
Technik mit allen dazu gehörigeu Apparaten. Der zweite 
Tlieil enthält einen Abschnitt über die Wirkungen der heil- 
gymnastischen Bewegungen und dann den uns am meisten 
interessirenden Abschnitt über die speciellen Indicatiouen und 
Verwendung8wei8en. besonders ausführlich ist die Behand¬ 
lung der Erkrankungen des Herzens nnd der Gefässe, ferner 
diejenige des Nervensysteme geschildert. Es ist ja wohl ver¬ 
ständlich, dass der Specialist hier in Vielem Veranlassung zur 
Kritik fiuden wird, wenn die Auseinandersetzungen zu weit 
io fremde Gebiete hinübergreifen, wie das hier leider mehr¬ 
fach der Fall ist. Um <len meebanotherapeutischen Eingriff 
zn motiviren, müssen die verschiedenartigsten, theils veral¬ 
teten, theils unbekannten und unbegründeten Theorien her¬ 
hallen ; ich ei wähne nur die Erklärung d -1 Hemicranie als 
einer «Kolik der Hnngefäsae», ein geradezu geschmackloser 
Vergleich! Ebenso scul nun ist die Bezei«hnnng gewisser 
neurasthenischer Zustände als «funciioneller Schwachsinn», 
was ungefähr dasselbe wäre wie eine Scliwachsinnsform d<-ren 
organische Grundlage wir nicht kennen. Um die Nützlichkeit 
der Gymnastik bei Psychosen zu beweisen, braucht man auch 
nicht auf Bluidrucksteigerung bei geistiger und körperlicher 
Arbeit etc. zu recurriren. 

Voss. 

B r e s 1 e r. Alkohol auch in geringen Mengen Gift. 

(Mar hold- Halle 1902). 

Es ist gewiss eine verdienstliche Handlnng des bekannten 
Psychiaters in kurzen schlagen len Worten von Neuem der 
lesenden Mitwelt die Illusionen vom «stärkenden, begeisternden, 
veredelnden Weingenuss» ins iechte Licht zu setzen. Er 
macht weite Kreise mit den Tliatsachen experimentell-psycho¬ 
logischer Forschungen bekannt, die den schädigenden Einfluss 
auch geringfügigster Alkoholgaben auf die Menschen in gei¬ 
stiger und körperlicher Beziehung aufs klarste beweisen. 
Principiell sind wir mit dem i'erf. auch völlig einverstanden 
in dem, was er von der absolateu Abstinenz sagt; auch 
dürfen wir nicht vergessen, dass nur die Predigt absolarer 
Enthaltsamkeit von Erfolg srin kann, da Mässigkeit indivi¬ 
duell durchaus verschieden aufgefasst werden kann nnd auch 
der als «mä89ig» gilt, der 10 Fl. Bier trinkt, wenn er sie nur 
verträgt. Voss. 

Dr. Richard Rosen: Die Krankenpflege in der 
ärztlichen Praxis. Mit 75 Abbildungen. Berlin. Fi- 
scher’s Medicin. Buchhandlung. H. Kornfeld. 1902. Preis 
M 3.50. 

Von ungeheuerem Einfluss auf die ganze Krankenbehand¬ 
lung ist eine umfassende Kenntniss der Krankenpflege im 
engeren Sinne und der Arzt, welcher das Haupt und die Seele 
des ganzen Kraukenziinmers zu sein hat, mus9 natürlich auch 
mit den Principien und Anforderungen einer rationellen Pflege 
vertraut sein. Selbstredend ist der Beruf und die Aasübung 
der Krankenpflege nicht Sache des Arztes, letzterer muss aber 
in allen Fragen in Betreff derselben orientirt sein und zuwei¬ 
len für die detaillirtesten Dinge eine Directive angeben. 

Das vorliegende Büchlein kinn nnn dem Praktiker über so 
manches in obengenannter Richtung Aufschluss geben and 
wenn dort auch viel Bekanntes gefunden wird, so wird doch 
jeder es nur mit Nutzen ditrchlesen können. Die einzeluen 
Oapitel bringen uns Orientierungen über das Lager des Kran¬ 
ken, die Krankenstube und die Umgebung des Kranken, über 
die Krankenkost, Einwirkungen der Krankenpflege auf die 
Körperobei fläche, Stuhl- und Harnentleerung, Entleerung des 
Auswurfs; und das letzte Capitel handelt von dem Verhüten 
der Verschleppung von Krankheiten vom Krankenbette aus. 

In zahlreichen Abbildungen sind die gebräuchlichsten Uten¬ 
silien und Apparate wiedergegeben, dabei lehrt nns Verf., wie 
inan bisweilen mit den primitivsten, im Hause Vorgefundenen 
Mitteln manches complicirte und theuere Utensil sich erset¬ 
zen kann. 

Hecker. 

Dr. med. H. Truhart. Pankreas-Pathologie. 
I. Tlieil Multiple abdominale Fettgewebsnekrose. 
(Wiesbaden. 1902. Verl. v. J. F. Bergmann). 

Es gereicht mir zur herzlichen Freude, über ein gross an¬ 
gelegtes und vortrefflich geschriebenes Werk berichten zu 
können, das der Feder eines der bekanntesten Aerzte Livlands 
entstammt. Den Lesern unserer Wochenschrift ist Truhart 
als der geistige Urheber und langjährige Leiter der Inländi¬ 
schen Aerztetage sowie des Livländischen Vereins zu gegen¬ 
seitiger Hülfe eine wohlbekannte Persönlichkeit. Was er 
durch die Schaffung dieser Organisationen zur geistigen, so¬ 
cialen und materiellen Hebung des livländischen Aerztestan- 
des geleistet hat, erkennen wir dankbar an und wird ihm 
auch in alle Zukunft unvergessen bleiben. Dass Truhart 


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ei allen den mit dieser Tbätigkeit verbundenen Forderungen 
es praktischen Lebens die Geistesfrische sinh bewahrt und 
die Zeit gefunden bat, um wn Werk zu verfassen, dessen er¬ 
ster Tbeil allein etwa 500 Druckseiten enthält, verdient un¬ 
sere aufrichtige Anerkennung, dje beim genauen Lesen des 
Buches nur gesteigert wird.Denn es enthüllt sich in demsel¬ 
ben eine Belesenheit und eine Beherrschung des literärischen 
Quellenmaterials, die nur durch einen ganz ausserordentli¬ 
chen Fleiss und Sammeleifer erworben werden konnten- Das 
Buch ist der «Alma mater Dorpatensis zur Säculärfeier in pi¬ 
etätvoller Erinnerung und Dankbarkeit» gewidmet und gewiss 
eine der schönsten Gaben, die dem Andenken unserer alten 
Universität gestiftet werden konnten. 

Ein ausführliches Beferat des ganzen Buches wird Niemand 
hier erwarten. Es sei mir nur gestattet, in Kürze dem Ge¬ 
dankengang desselben zu folgen und die hauptsächlichsten 
Resultate, zu denen Verfasser gelangt, wiederzugeben. 

ln einem historischen Rückblick über die bisherigen For¬ 
schungen auf dem Gebiete der Pankreaspathologie, dieses 
dunkeln, bisher trotz des grossen in der Literatur zerstreu¬ 
ten klinischen und experimentellen Materials noch nicht ein¬ 
heitlich bearbeiteten KapitelB der inneren Krankheiten, wer¬ 
den die verschiedenen, einander schroff entgegenstehenden 
Ansichten über das Wesen und die Aetiologie der abdomina¬ 
len Fettnekrose klar präcisirt, und der Leser über die zu 
entscheidenden Cardinalfragen orientirt. 

Das zweite Kapitel bietet eine erschöpfende Uebersicht über 
die bisher veröffentlichten klinischen Beobachtungen und ana¬ 
tomischen Befunde. Im dritten Abschnitt giebt der Verfasser 
eine ausführliche, referirende Darstellung der experimentel¬ 
len Untersuchungen, sowie der verschiedenen Ansichten und 
Theorien, welche die Entstehung der multiplen abdominalen 
Fettgewebsnekrose erklären sollen. Hier zeigt sich der Scharf¬ 
blick. mit dem Tr u hart richtig erkannt hat, dass es zur 
Entscheidung der Frage, wie die Fettnekrose entsteht und 
durch welche Ursachen sie zu Wege gebracht wird, nicht so¬ 
wohl weiterer Experimente und Beobachtungen, als vielmehr 
einer kritischen Sichtung und Würdigung des schon vorlie¬ 
genden thatsächlichen Materials bedarf. Tr u hart ist der 
Erste, der diese umfassende Kritik angewandt hat, und wenn, 
wie ich nicht bezweifle, die Resultate, zu denen er auf dem 
Wege der Kritik gelangt, richtig sind, so wird ihm das Ver¬ 
dienst nicht bestritten werden können, als Erster eine klare 
Erkenntniss auf diesem strittigen Gebiet gewonnen und eine 
wohlbegründete Lehre von der multiplen abdominalen Fett- 
uekrose ausgearbeitet zu haben. 

Tr u hart kommt zu dem Schluss, dass das Wesen der 
von Baiser zuerst im Jahre 1882 als Krankheit sui gene- 
ris beschriebenen abdominalen Fettgewebsnekrose iu einer 
Fettspaltung besteht, bei der das Neutralfett in seine Einzel 
bestandtheile, Glycerin und Fettsäuren, zerlegt wird, welche 
letztere als solche oder als fettsaurer Kalk an Stelle der zu 
Grunde gegangenen Fettzellen liegen bleiben. Bewirkt wird 
dieser im letzten Grunde chemische Process durch die uuniit 
telbare Einwirkung des im Pankreassaft enthaltenen fettspal¬ 
tenden Feiments, des Steapsins. Die Annahme, dass die Fett- 

f ewebsnekrose durch Bacterieu hervorgerufeu werde, und 
aBS der ganze Krankheitsprozess somit mikroparasitäreu, iu- 
fectiösen Ursprungs sei, wird von Tr u hart mit guten 
Gründen zurückgewiesen. Vielmehr ist die Kiaukheit stets 
auf einem unmittelbaren Contact von Pan¬ 
kreassaft mit dem Fettgewebe znriiekzu- 
führe i», und da ein solcher Contact bei einer gesunden Pan¬ 
kreasdrüse nicht möglich ist, so kann die abdominale Fettge¬ 
websnekrose nur eine Folge- und Theilerscheinung einer pri¬ 
mären Erkrankung des Pankreas sein, durch welche dem Se¬ 
kret desselben abnorme Wege geöffnet weiden, die es aus der 
Pankreasdrüse zunächst in’s intra-peri- und parapankreatische 
Fett und weiter zum gesummten BauchhÖhlenfeit hiuüber- 
leiten. 

Es fragt sich nun, welcher Art uud Natur diese Erkran¬ 
kungen des Pankreas sind, und auf welchen Wegen der Con¬ 
tact zwischen Pankreassaft und abdominalem Fettgewebe her¬ 
gestellt wird. Die Antwort auf diese Fragen finden wir iin 
sechsten Abschnitt, welcher die Pathogenese der multiplen 
abdominalen Fettgewebsnekrose behandelt. 

Nur ausnahmsweise köunen Verletzungen und Continuitäts- 
trennungeu des Pankreas den directen Austritt des pankrea - 
tischen Saftes in die umliegenden Gewebe und gar in die 
Bauchhöhle ermöglichen, — in der Regel ist der Vorgang ein 
auderer. Alle diejenigen Momente, welche die normale Ernäh¬ 
rung und Blutzufnhr zum Pankreas oder zu deu einzelnen 
Abschnitten und Drüsenläppcheu derselben beeinträchtigen 
oder unterbrechen, und allgemeine oder locale Ischämie her- 
vorrufen, führen zu einer Beeinträchtigung der vitalen Eigen¬ 
schaften des Drüseuparenchyms, perversen Thätigkeit der 
secernireudeo Drüsenzellen und anatomisch je uach der Intensität 
der Störuug zur parenchymatösen Degeneration, zum Kern¬ 
tod uud zur totalen Nekrose der Zellen, deren Zerfallsprodukte 


schliesslich resorbirt werden und eine bindegewebige Degene¬ 
ration des Organs oder bindegewebige Schwielen hinter lassen: 
Die Ursache hierfür ist, analog wie in andern Organen, in* 
der Endarteritis and Sclerose der feinem Gefässe zu suchen, 
die ihrerseits, wie überall so auch hier, vorwiegend durch." 
Alkoholmissbrauch und Adipositas hervorgerufen wird oder 
als Altersveränderung auftritt. Die Lipomatose hat in Bezug 
auf das Pankreas noch eine besondere Bedeatang, da diese: 
Drüse schon normal relativ reichlich von Fettgewebe durch-- 
setzt ist, welches bei einer stärkeren Hypertrophie zur Com-* 
pression und Zerrung der feinem Gefässe und somit zu Er¬ 
nährungsstörungen führt. So erklärt sich die relative Häufig-: 
keit der geschilderten Pankreas-Erkrankuug bei Fettlei¬ 
bigkeit. 

Die Beeinträchtigung der Fanction der Drüsenzelleu änssert 
sich nun darin, dass das in ihnen producirte Secret, der Pan¬ 
kreassaft, nicht in die Ausfüh' ungsgänge ergossen wird, son¬ 
dern durch daserkrankte Zellparenchym hindurch nach aussen; 
in das interstitielle und interacinöse Biude- uud Fettgewebe 
diffundirt und hier seine zerstörende Einwirkung ausübt. Das 
int Secret enthaltene eiweissverdauende Trypsin arrodirt uud 
zerstört die Zellmembranen der Fettzellen und ermöglicht 
so die unmittelbare Einwirkung des Steapsins auf das Fett, 
welches nun der nekrobiotisehen Zersetzuug unterliegt. Es 
kommt zur Bildung des fettnekrotischen Herdes. 

Die nachsickernden Sekretntengen fressen sich immer wei¬ 
ter iu das peripankreatische und retroperitoneale Fett hinein, 
und nachdem auch das Peritotiäum durch die verdauende 
Wirksamkeit des Trypsins zerstört und durchlöchert ist, kann 
das Sekret auch frei in die Bauchhöhle gelaugen und sich 
hier verbreiten. Uuterstüzt wird der Process noch durch ein 
weiteres sehr wichtiges Moment: der Pankreassaft arrodirt 
auch die durch die Arteriosclerose in ihrer Lebensenergie und 
Widerstandskraft beeinträchtigten Gefässe, dieselben werden 
arrodirt und es kommt zu den bekannten, so überaus hänfig 
mit der abdominalen Fettuekrose verbundenen paukroatischen 
Blutungen. Das bei der Pankreas-Apoplexie vergossene Blnt 
mischt sich mit dem Dtüsensekret und trägt dasselbe unter 
verstärktem Druck in die entlegensten Gewebsspalten, so zur 
Verbieitung der Fettuekrose beitrageud. Wenn sich, was 
häufig der Fall ist, in den Blutherden und nekrotischen Ge- 
webspartien Bacterien, meist sind es Colibacillen, finden, so 
erklärt sich das daraus, dass die Mikroorganismen durch die 
Darmwan-i nachträglich in die dem Darm benachbarten 
Krankheitsherde einwandern. Oft mag diese mikroparasitäre 
Einwanderung auch erst post mortem vor sich gegangen 
sein und so zn falschen Deutungen des Processes Veranlas¬ 
sung gegeben haben. 

Dieses ist in grossen Zügen das Bild, das uns Tr u hart 
von der Aetiologie und Genese der multiplen abdominalen 
Fettgewebsnekrose entwirft. Man sieht, dass derselben eine 
primäre Erkrankung, oder sagen wir lieber Ernährungsstö¬ 
rung, der Bauchspeicheldrüse zn Grunde liegt. Ich sage Er¬ 
nährungsstörung, um damit auzudeuten, dass hier nach 
Truharts Ansicht von einer Entzündung, einer infecti- 
ösett oder bacteriellen Erkrankung des Pankreas und vollends 
von der Möglichkeit, dass die Nekrose des Abdominal fettes 
durch Mikroorganismen bewirkt sei, keine Rede sein kann. 
Sind Mikroben vorhanden, so sind sie eben erst seettndär 
eingewandert. 

Tr u hart ist sich wohl bewusst, dass er mit dieser Au- 
8cbauuug zur Mehrzahl der heutigeu Forscher in stricten 
Widerspruch tritt. Darum hat er auf die Widerlegung der 
parasitären Theorie der abdominalen Fettnekrose einen beson¬ 
deren Nachdruck gelegt. Er zeigt, dass die nekrobiotischen 
Veränderungen der Bauchspeicheldrüse keine Aehnlichkeit 
haben mit bacteriellen, etwa septicopyämischen Processen; er 
bespricht ferner die Annahme der Autoren, dass die Aus¬ 
gangsöffnung des Ductus pankreaticus das Haupteingaugs- 
thor für die das Pankreas inficireudeu Dannbacterien sei, und 
zeigt, dass diese Auuaüme schon aus dem Grunde hinfällig 
ist, weil trotz vieler Untersuchungen gerade im Ductus pan¬ 
kreaticus fast niemals parasitäre Krankheitserreger gefunden 
worden sind, lind er weist endlich darauf hin, dass diese auf¬ 
fallende Thatsache wohl verständlich erscheint, wenn man 
bedenkt, dass der Pankreassaft, wie neuerdings erwiesen, 
bectericide uud antitoxische Eigenschaften besitzt. 

Zorn Schluss bespricht Verfasser die Symptomatologie und 
Diagnose, sowie deu Verlauf und die Therapie der abdomina¬ 
len Fettgewebsnekrose. Wie unsicher die Diagnose ist, erhellt 
daraus, dass unter 310 bis jetzt veröffentlichten Fällen die 
klinische Diagnose dieser Krankheit nur 25 mal richtig ge¬ 
stellt worden ist. — Die Therapie kaun in allen deu Fällen, 
dia nicht etwa einer Spontanheilung fähig sind, nur eine chi¬ 
rurgische sein, und in der Entleerung der mit nekrotischen 
Fettmassen und blutiger oder jauchiger Flüssigkeit erfüllten 
Bäume bestehen. In der That ist es bis jetzt scliou in 17 
Fällen gelungen, die Kranken auf diesem Wege dem sicheren 
Tode zu entreissen. 


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.Wir sehen mit Spannung dem II. TUeil des Trnhart’- 
schen Werkes entgegen, welches die Pathologie und Therapie 
der localen Erkrankungen des Pankreas behandelt und in 
Kürze erscheinen wird- 

D-o. 


Auszug aus den Protokollen 

der medicinischeD Gesellschaft zu Dorpat. 

Sitzung am 30. Januar 1902. 

Vorsitzender: H ar t g e, Sekretär: U n g or n. 

’ Dehio: «Ueber Blutdrucksteigerung bef körperlicher Ar¬ 
beit». 

: Schon von Gräbner ist festgestellt worden, dass der 
Blutdruck bei körperlicher Arbeit steigt, Masing hat un¬ 
ter .1) e h i o’s Leitung diese Verhältnisse näher untersucht. 
Die Versuchspersonen lagen auf einem ungepolsterten Bette; 
das Gewicht ist an einer, Schnur befestigt, welche über eine 
Bolle läuft; die Schnur ist darauf am Fasse angebracht. 
Jetzt wird das Gewicht unter Coutrolle eines Metronoms Vs Me¬ 
ter gehoben und gesenkt und der Blutdruck dabei stndirt. 

— Es ergiebt sich dabei, dass das Resultat bei alten und 
jungen Individuen ein verschiedenes ist — bei alten Leuten 
ist der Blutdruck in Folge der Arteriosclerose schon norma¬ 
ler Weise etwas höher. Dehio illnstrirt später diese Ver¬ 
hältnisse durch viele Curven genau und fasst vorher die Re¬ 
sultate etwa folgendermassen zusammen: 

Bei jungen gesunden Menschen: Blutdruck unter normalen 
Verhältnissen in der Brachialis etwa 120—130 Mm : nach 2 
bis 3 Minuten Arbeit hebt sich derselbe um etwa 40 Mm. und 
bleibt bei Vstfindiger Arbeit auf dieser Höbe; sistirt die Ar¬ 
beit, so sinkt der Blutdruck sehr bald auf die frühere Höhe. 

— Bei alten Menschen: Der Blutdruck ist aus dem oben ge¬ 
nannten Grunde schon normaler Weise höher: 140—160 Mm. 
Bei der Arbeit steigt der Blutdruck langsamer, erreicht, erst 
in 5—10 Minuten die grösste Höhe, der Untersuchte klagt 
bald über Athemnoth nnd Herzklopfen uud der Blutdruck 
fängt trotz der Arbeit an zu sinken. Nach dem Sistireu der 
Arbeit geht der Blutdruck viel langsamer wieder zur Norm 
herunter wie beim jungen Menschen. — Beim jungen Men¬ 
schen steigt der Pnls sehr schnell in die Höhe lind hält sich 
in der Höhe, um nach dem Aufhören der Arbeit sich bald zu 
beruhigen. Beim alten Menschen steigt der Puls allmählich 
an, doch rascher wie der Blutdruck. Nach Aufhören der Ar¬ 
beit sinkt der Pnls etwas langsamer wie bei jungen Men¬ 
schen. — Zum Schluss demonstrirt Vortragender die Beob¬ 
achtungen an Curven. Hieraus ersieht man, dass das Herz 
alter Leute hohe Arbeit leisten kann, doch es ist insufficient. 
Trainiren hat eine grosse Bedeutung. — Dass die abwech¬ 
selnde Arbeit beider Füsse nicht so hohes Steigen des Blut¬ 
drucks hervorrutt, möchte D. zum grossen Theii von der 
Willen8thätigkeit abhängig machen, so sei auch der Erfolg 
der Trainierung der, dass geringere Willensanstrengung 
nöthig sei, weil die Arbeit eingeübt. 

Discussion- 

Jaosen: Meint, dass die Erholung des jedesmaligen ru¬ 
henden Beines bei der abwechselnden Arbeit den geringeren 
Blutdruck bewirke. 

Dehio: Die Quantität der Ermüdungsstoffe sei wohl die 
gleiche, ob abwechselnd oder beständig mit einem Beine ge¬ 
arbeitet wird. 

Jansen: Die psychomotorischen Centren in der Gross- 
hirminde werden in verschiedener Art in Anspruch genom¬ 
men, je nacli Art der Arbeit. 

Dehio: Dass psycb. Arbeit den Blutdruck steigere, sehe 
man z B. beim Lösen eines Rechenexempels. 

Pfaff: Weil das Gehen einem geläufig sei, deswegen auch 
die alternierende Arbeit der Beine. 

Sitzung vom 13. Februar 1902- 

Vorsiszender: Otto. Secretär: Ungern. 

v. Zoe ge: «Ueber operative Behandlung der Perityphlitis 
und deren Statistik». 

Zoe ge warnt an der Hand einer umfangreichen Statistik 
vor zu häutigen operativen Eingiiffen bei der Perityphlitis, 
da die interne exspectative Behandlung in den meisten Fällen 
eine weit bessere Prognose gebe; unter den deutschen Chirur¬ 
gen sei Czerny mit der einzige, der diese Ansicht tbeile. — 
Für die Operation geeignet, hält Zoege nur diejenigen Fälle, 
wo mit Sicherheit ein Abscess diagnosticirt werden könne 
uud vor allem diejenigen, die mit einer jauchigen schweren 
Peritonitis veibunden sind — hier liegt in der Operation die 
einzige Rettung nnd es kommt vor Allem auf eine genaue 
sorgfältige Diognose an, lieber solle man ein Paar schwere 
Fälle unoperirt lassen, als leichte operiren. 


. Zoege fordert zum Schluss die Coli egen auf, ihm behilflich 
zn sein im Sammeln eines Materials für eine Statistik, die 
der expectativen Behandlung eine Stütze gehen snlL 

Debio: Meint, dass die interne Diagnose noch schwerlich 
mehr ansgebildet werden könne und macht darauf aufmerk¬ 
sam, dass eine Appendicitis anfangs den Eindruck einer 
leichten Form haben, könne, nm später doch den Tod des Pa¬ 
tienten herbeizutühren. 

Oettingen: Meint dass in alter Zeit lange nicht soviel 
Menschen an der Peritpyblitis erkrankten, wie lässt sieb 
diese Zunahme der Krankheit erklären? 

Hart ge: Sieht die Erklärung in der bacillären Natur 
dieser Erkrankung und weist auf die Influenza Pandemien 
hin. 


Vermischtes. 


— Der Nestor der deutschen Chirurgen, der berühmte 
Kieler Professor Dr. Friedrich v. Esmarch beging am 
27. Dpcember 1902 (9. Januar 1903) seinen 80 Geburtstag. 
Die Lehrthätigkeit hat der Jubilar ausschliesslich an seiner 
heimischen Universität Kiel ausgefibt, an welcher er sich 
1849 als Privatdocent habilitiite und 1854 nach Prof. Stro- 
hi e y e r's Abgang zum Professor und Director d*r chirurgi¬ 
schen Klinik ernannt wurde, so dass er auf eine 53 jährige 
Thätigkeif als academiscber Lehrer zmückhlicken kann. Aber 
nicht allein als Professor, auch als Kriegschiiurg, Organisa¬ 
tor der deut»chen Samaritervereine und als chirurgischer 
Schriftsteller hat er segensreich gewirkt - Aeussere Ehren 
sind dem Jubilar wie schon früher, so auch bei dem gegen¬ 
wärtigen Anlass in reichem Masse zu Theii geworden : der 
deutsche K a i s e r verlieh ihm den Kronen-Orden 
I. C lasse; eine grosse Anzahl Vertreter von wissenschaft¬ 
lichen Coi porationen, Behörden, sowie humanitären nnd wis¬ 
senschaftlichen V ei einen brachte Glückwünsche, Aus¬ 
zeichnungen nnd G e 8 c. h e n k e dar. Vom deutschen 
Samariterbunde wurde ihm eine goldene Esmarch* 
Medaille überreicht und der Bürgermeister seiner Geburts- 
stadt Tönning eröffnete ihm, dass der Fonds zur Errich¬ 
tung eines Esmarch-Denkmah in Tönning bereits 
vorhanden sei. Die bekannten Chirurgen Prof. v. Berg¬ 
mann und Prof. Küster (Marburg) waren persönlich zur 
Beglückwünschung ei schienen. 

— Der bekannte Kliniker, Prof. Dr. Hermann Noth¬ 
nagel, Director der ersten medicinischen Klinik ander 
Wiener Univeisität, ist zum lebenslänglichen Mit¬ 
glied des österreichischen Herrenhauses e r - 
n a u n t worden. 

— Vor Kurzem feierte der Senior der Jenenser medicinischen 
Facultät, Piof. der Gebnrtshülfe und Gynäkologie Dr. B. 
Schulze, seinen 75. Geburtstag. 

— Der ausserord. Prof, einer, der pathologischen Anatomie 
an der Warschauer Universität, Dr. Przewoski, ist zum 
ordentlichen Prof, einer, auf diesem Lehr¬ 
stuhl ernannt worden. 

— Der bi8heiige ausserordentliche Professor der Kasan- 
scheu Universität, Staatsrath Dr. Ssergejew ist als or¬ 
dentlicher Professor auf dem Lehrstuhl der 
Pharmar ie und Pharmakogn osie bestätigt worden. 

— Prof. Dr. R obert Koch begiebt sich im Aufträge der 
British < haitered Company von Rhodesia nach Südafrika, 
um die dort zur Zeit herrschende Binders« uebe zu studiren 
und wenn möglich zu bekämpfen. Er wird vom Stabsarzt 
Dr. Klein e und Dr. N e n f e 1 d begleitet. 

0 rdensverleihungen: Der St. Stanislaus- 
Orden I. CI asse — dem Director deä St. Petersb. klini¬ 
schen Hebamnienin8titut8, Leibaccoucheur, wirk). Staatsrath 
Prof. Dr. D. Olt. Der St. Wladimir-Orden IV. 
Classe — d*Mn älteren Arzt des Kinderhospitals des Prinzen 
Peter von Oldenburg. Staatsrath Dr. Xaver Dombrow- 
ski nnd dem Director der Gewerbeschule des Patriotischen 
Fratienvereius, Colleg.-Rath Dr. Herrn. Westphalen. 
Der S t. A n n e n • 0 r d e n 11. Classe — dem älteren Arzt 
der St. Petersb. Augenheilanstalt, Staatsrath Dr. Ernst 
Blessig nnd dem jüngeren Arzt des St. Petersburger Fin¬ 
delhauses, Staatsrath Nikolai Ettlinger. 

— Der Corpsarzt des 21. Armeecoips, wirkt- Staatsraih Dr. 
St raschke witsch ist aufseine Bitte verab¬ 
schiedet. woiden. Zu seinem Nachfolger ist der bis¬ 
herige Oberaizt des Kiewseben Militärhospitals, Elnen-Leib- 
cliirurg des Allerhöchsten Hofes, wirkt. Staatsrath Dr. Sso- 
1 o m k a ernannt worden. An Stelle Dr. Ssolorakasist 
wieder der bisherige Oberarzt des Charkowschen Militärhospi¬ 
tals, Staatsiath Dr. Milowidow, Oberarzt des Kiewschen 
Militärhospitals geworden. 


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6 


— Zorn Chef der sanitäts-statistischen Ab- 
thei 1 n n g der Ober-Militär-Medicinalverwal- 
t a n g ist der Beamte für besondere Aufträge bei der ge¬ 
nannten Verwaltung, Staatsrath Dr. Z y b u 1 s k i, ernannt 
wordeu. 

— Der ausserordentliche Professor der Kiewer Universität 
Dr. Tomaize wgki istz o m ordentlicheu Profes¬ 
sor auf dem Lehrstuhl der Syphilidologie und Dermatologie 
ernannt worden. 

— In der physiko-medicinischen G ese lisch af t 
welche seit 1801 bei der Moskauer Universität besteht, wurde 
zum Präsidenten Prof. Sernow wiedergewählt. Neuge¬ 
wählt wurden: Privatdocent Dr. Hagmaun — znm Vice- 
präsidenten; Privatdocent Dr. G. N. Dnrdnfi und Dr. P. 
ßewidzow — zu Secretären und Dr. N. J. Niko 1 ski — 
zum Bibliothekar. 

— Der Geschäftsführer der Cancellei des Medicinalraths 
Staatsrath Dr. B u 1 a t o w ist zuui Abtheilungschef 
des Medicinalde parte in ents ernannt worden. 

— Der Prof. ord. der Tomsker Universität, Staatsrath Dr. 
K u r 1 o w ist zum Oberarzt der örtlichen Gesell¬ 
schaft barmherziger Schwestern des «Rothen 
Kreuzes» ernannt wordeu. 

— Dem verabschiedeten wirkL Staatsrath Dr. Maximi¬ 
lian Strauch in Moskau ist der St. Anuen-Orden 
II. C1 a s s e verliehen worden. 

— Zum Professorder Kinder Heilkunde an der 
Moskauer Universität ist von der med. Facultät der 
Kiewer Universität Dr. J. W. Troizki gewählt woiden. 

— Als Decan der med. Facultät inTomskist 
der Professor der gerichtlichen Medicin Dr. M. Popow für 
das nächste Qnadriennium bestätigt worden. 

— Ais Candidaten für den Lehrstuhl der ope¬ 
rativen Chirurgie an der mil.-med. Academie welchen 
Prof. Krugle wski bisher bekleidete, haben sich Prof. S. 
D e 1 i z y n (Charkow) und die Privatdocenten der Academie 
Dr. A. R. Woinitsch-Ssjanoshenski uud Dr. S. J. 
Kalantarianz gemeldet. (Russ. Invalid). 

— Als Privatdocenten haben sich an der Mos¬ 
kauer Universität habilitirt: Dr. N. Baske¬ 
no w — für Nerven- uud Geisteskrankheiten; Dr. A. Star« 
kow — für Chirurgie und Dr. K. Flerow, älterer Arzt 
am Ssokeluiki-Hospiial in Moskau, — für innere Medicin. 

— Der verabschiedete Professor der Geburtshülfe und Gy¬ 
näkologie Dr. A- N. Ssolowjew, welcher mehr als 20 
Jahre iu Moskau prakticirt hat und zuletzt kurze Zeit Pro¬ 
fessor an der Universität Jnrjew (Dorpat) war, ist nach 
Odessa übergesiedelt, wo er, wie verlautet, eine weib¬ 
liche chirurgische Heilanstalt zu eröffnen 
beabsichtigt 

— Die Leitung der medico- statistischen 
Abtheilnng der Smolen skisehen Gouverne- 
ments-Landsch aft, welche bis vor 5 Monaten Dr. 
Shbankow inne hatte, ist jetzt dem früheren Sauitäts- 
arzt der Jelissawetgradsehen Landschaft Dr. T. VV. Schwe¬ 
rin übertragen worden. (R. Wr.). 

Verstorben: 1) Am 21. Deceraber a. pr. der Professor 
der Histologie und Embryologie an der miiitär-mediciuischen 
Acaüt-mie, Staatsrath Dr. Michael Lawdowskiim 
Alter \ou 56 Jahren. Der Hingeschiedene habilitirie sich 
i. J. 1878 als Privatdocent an der Academie, an welcher er 
1895 zum ausserordentlichen und 1898 zum ordeutlichen Pro¬ 
fessor ernannt wurde. Er ist auf Beinern Specialgebiete mehr- 
facn auch literarisch hei vorgetieten. 2) Am 18. December 
der Lanti8chatLsarzt aus Zarizyn A. D. Switschew, 
welcher auf der Fahrt zu einem Kranken in der Steppe sich 
veriri t im.te und dort erfroren ist. Er hat stiue Familie 
mittellos zurückgelassen. 3) ln Moskan die Aetztin Anna 
Koiljarewski, welche Beit 1887 im Wladimirscheu uud 
Woroneslischen Gouvernement praktisch tbälig gewesen ist. 
4) Am 17./30. December der Prof. ord. der Chirurgie an der 
Universität Bonn, Geb. Mediciualrath Dr. Max öchede im 
Alter von nahezu 59 Janreu. Als Assisteut Volkmanns 
habiluiite er sich 1872 als Privatdocent für Chirurgie in 
Halte und war hierauf ca. 20 Jahre Director der chirurgi¬ 
sch» n Abtheilung aufangs des Berliner Krankenhauses Frie- 
drii l.shain, dann des allg. Krankenhauses iu Hamborg, bis 
er 1895 als Prof. ord. der Chirurgie nach Bonn berufen wurde. 
Scheue ist Mitbegründer des «Ceutralblattes für Chirurgie» 
(i. J 1874 mit v. Lesser u. Tillmanns) und hat mehrete Ca- 
pitei für das «Lehrbuch der Therapie» von Penzoldt und 
S ti n tzi n g und das «Handbuch der prakt. Chirurgie» (he¬ 
raus^ > geben von den Pt off. v- Bergmann, v. Bruns 
und v. Mi kulicz) bearbeitet. 5) Am 1. Januar n. St. in 
Stia.>sbuig der Professor exiraord. der Anatomie Dr. W i 1 h. 
Pfii zner im 50. Lebensjahre. Der Verstorbene hatte dort 
seine Leht thätigkeit im J. 1885 begonnen. 6) Am 23. De- 
cemiirr n. St. in Prag der Docent für Augenheilkunde Dr. 


Isidor Herrenheiser in Folge von Myodegenerätio 
cordis plötzlich in noen nicht vollendetem 41. Lebensjahre. 
Der Hingeschiedene hat sieh grosse Verdienste namentlich 
durch seine langjährige Leitung der Redaction der «Prager 
med. Wochenschrift» erworben. Um diesem seinen Verdienste 
ein unvergängliches äusseres Zeichen zu bewahren, kt die 
ganze zweite Nummer des m-nen Jahrganges 1903 dieses 
Blattes seinem Andenken geweiht. nsserdem haben die 
Vereine deutscher Aerzte in Böhuen, sowie eine grosse Zahl 
von Collegen und Freunden namhafte Beiträge znr Stiftung 
eines «Dr. J. Herreuheiser-Fönds znr Unter¬ 
stützung armer Collegen nnd deren Angehö¬ 
rigen gezeichnet 

— Der Piofessor der Anatomie an der Kieler Uuiversität 
Dr. W. F lern ming tritt demnächst in den Ruhestand. Zn 
seinem N »chfolger als ordentlicher Professor ist der bisherige 
Piof. exiraord. D»\ Ferdinand Graf v. Spee ernannt 
worden, der sich als Embryologe durch zahlreiche Arbeiten 
einen Namen erworben hat. 

— Für die dntcli Prof. J arisch ’s Tod erledigte Pro¬ 
fessur der Deimatologi»* in Graz ist von der dor¬ 
tigen med. Fakultät Prof. Jadassolin in Bern primo et 
ezimio loco in Vorschlag gebracht worden. 

— Der bisbeiige Privatdocent der Berliner Universität 
Piof. Dr. Carl Posner ist zmn ausserorde ntlichen 
Professor befördert worden. Posner, welcher 

f egenwai tig im 42. Lebensjahre steht, ist bekannt als Re- 
acteur der Berliner klinischen Wochenschrift» tseit 1889) 
und vou «Vlrchow’s Jahresberichten» (seit 1894). Er bat 
auch /.wri kürzere Lehrbücher über Harakrankneiten ge¬ 
schlichen. 

— Am 18. December a. pr. fand in der militär-medicintscben 
Academie der feierliche Jahresactns statt, welche 
Prof. Krawkow mit einer Rede über die zeitge¬ 
nössischen Probleme auf dem Gebiet der 
Pharmakologie und des Materialismus» er- 
ÖÜnete. Nach dem von Prof. Dian in verlesenen Jahres* 
berichte für die Zeit vom 1. Sept. 1901 bis 1. Sept. 1902 be¬ 
trug die Zahl der Ehrenmitglieder 76 (darunter 53 
Ausländer), die Zahl der correspondirenden Mit¬ 
glieder 49 Zum Lehrkörper gehören 21 ordent¬ 
liche Professoren (5 ordentliche Professoren sind va- 
cant), 9 ausserordentliche Professoren, 10 Pro- 
secioren, 3 Laboranten und 86 Privatdocenten. Die G e - 
sammtzahl der Studirenden belief sich aut 875, 
die der feeien Zuhörer auf 41. An gelehrten Graden 
nnd Würdeu wurden von der Academie im Berichtsjahr 
386 verliehen, and zwar die Würde eiues Dr. med — 96 Per¬ 
sonen, eiues Map pharm. — 9, eines Zahnarztes — 37, eines 
Piovisors — 3, eiues Apotbekergehülfen — 78, eines Dentisten 
— 50 und einer Hebamme 113 Personen. Ausserdem erhielten 
von den 122 Studirenden, welche im Berichtsjahre ihren Uur« 
sns absolvirten, 120 deu Arztgrad. Nach Schloss des Actns 
theilte der Kriegsminister den Absolventen der Academie mit, 
dass Se- Majestät der Kaiser befohlen habe, zur Ausarbei¬ 
tung der Frage zu schreiten, betreffend die Unterordnung 
nicht allein des medicinischen Theils, sondern anch des Mili¬ 
tär-Hospital- und Sanitätswesens unter die Aerzte. Zu diesem 
Behuf sollen die künftigen Militärdienste schon während 
ihres academischen Lehrcursns mit dein a lministrativen Theil 
des Hospitalweseus bekannt gemacht werden 
— vVie ans Moskau berichtet wird, organisiren dortige 
Pharmacenten einen Verein, der die Gründung eines 
speciellen p h a r m a c e n ti s c h e n Instituts in 
M o s k a u bezweckt. Der Besitzer einer der grössten Mos¬ 
kauer Apotheken soll für diesen Zweck 200,000 Rbl. ver¬ 
sprochen haben. 

— Dem Arzt M. Landsberg ist die Concession 
zur Eröffnung einer Anstalt für Mineral- 
und Schwefelbäder in Moskan ertheilt worden. 

— Die allgemeine Versammlung der russischen Gesell¬ 
schaft zur Wahrung der Volksgesundheit hat neuerdings den 
Beschluss gefasst, den "5. Allrussischen Congress 
für Balneologie, Klimatologie and Hydrologie 
nicht, wie es geplant war, in Odessa, sondern in «Pjati- 
gorsk», nnd zwar in der Zeit vom 1.—7. September 
1903, abzuhalten. 

— Die Redaction der im Verlage von C. B e 11 m a n n er¬ 
scheinenden «Prager med. Wochenschrift» hat nach 
dem Tode Dr. Herrenheiser’s bis zur definitiven Nomi- 
niruug eines Redacteurs der Docent der Chirurgie Dr. 
Eduard Pietrzikowski in Prag provisorisch über¬ 
nommen. Bf. 

— Die Gesammtzahl derKranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 14. Dec. 
d. J. 8841 1133 mehr als in d. Vorw.), darunter 349 Typhös — 
(9 mehr), 863 Syphilis —(22 mehr), 205 Scharlach — (4 wen.), 
112 Diphtherie — (10 mehr), 89 Masern — (11 mehr) and 75 
Pockenkranke — (7 mehr als in der Vorw.). 


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Am 21. Dec. d. J. betrug die Zahl der Kranken 0774(67 wen. 
als in Her Vorwoche.). darunter 372 Typlins —(2 h mehr), 810 
Syphilis - (53 wen.). 195 Scharlach - (10 wen.), 131 Diph¬ 
therie - (19mehr),90 Masern — il wen.) nnd 82 Pockenkranke 
(7 mehr als in der Vorw.) 


Mortalität-Bulletin St. Petersbürg 8. 

Für die Woche vom bis zum 14. D?cember 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 


Im Ganzen: 


W. Sa. 


1) nach Geschlecht nnd Alter: 

ciflilhkhtlbkbkhh 
© cJ3J3-a — — ä Js -a .a — ja 

-a*as:xecxea«seacS<» 


360 329 689 130 66 114 13 11 22 5 » 56 68 56 50 36 12 0 
2) nach den To.l**»*iir8Hclieii: 

— Typh. exanth. 0. Typh.abd. 11 Fehria recurrens0, Ty plins 
ohne Best!ininnn^der Form 1. Pocken 2 Masern 16. Scharlach 16, 
Diphtherie 14, f-roup 3. Kenchlmsten 2 Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 30. Rrysipelas 2 Grippe 6 Cholera asiarica 0, 
Ruhr 2. F.pideniische Meningitis 0 Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und Hepticamnie 8 
Tnbercnlose der Lungen l04.Tnbercnli.se anderer Organe 18. 
AlkuboliNma» nnd Delirium tremens 5. Lebensschwäche nnd 
Atrophia infantum 47, Marasmns senilis 34, Krankheiten des 
Yerdannngscanals 63, Todtgeborene 40. 


Für die Woche vorn 45. bis zum 21. December 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 

lm Ganzen: 

t v; ? 7 m m 111 

O S CO H CD H ^ H pH H H H Ö 


322 305 627 137 72 86 15 6 24 53 55 49 48 38 34 9 1 
2) nach den Todesursachen. 

Typh. exanth. 0 Pyph. ahd. 14. Febris recarrens 0, Typhas 
ohne Bestimmung der Form 0. Pocken 5. Rasern 13. Scharlach 9, 
Diphtherie 11, Cronp 1, Keuchhusten 7. Cronpöse Langes- 
entzöndahg 31. Brysipelas 1, Grippe 11, Cholera asiatica 
0. Rnbr 1. Epidemische Meningitis 0, Acnter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0. Rotzkrankheit 0, Anthrax 6, 
Hydrophobie 0. Pnerperalfieher 2. Pyämie nnd Septicaemie 6, 
Tnbercnlose der Langen 88. Tnbercnlose anderer Organe 32. 
Alkoholismns nnd Delirinm tremens 3 Lebensschwäche nnd 
Ytropbia infantum 46 Marasmns senilis 32. Krankheiten der 
Verdannngsorgane 77 Todtgeborene 39. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 21. Januar 1908. 

Tagesordnnng: Wladimiroff: Ueber Rotzdiagnose. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlicheil 
Vereins: Montag den 13. Jan. 1903. 


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St Petersburg,Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-nnd ausländ. Annoncen-Comptoirenangenommen. 


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PILLEN KLIXIR 

0,10 der wirk- 0,01 in einem 
Kamen Substanz. Esslöffel. 


CASCAR1NE ist ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc. (Comptes rendus 
de l'Acad/mie des .Sciences, 1. August 1892 
nnd 3. Juli 1899). >eine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich fest gestellt 
(M. Laffont, Bulletin de l’Acad/mie de Me- 
decine , 14 Juni 1892) und klinisch ei- 
nrobr (Societe de Tlieiapeutiqne: Constan- 
tin Paul; Dujardiu-Beanmetz, Me'dications 
nouvelles, 2. serie; liibliotheqne Charcot- 
Debove, Purgatifs , p. 104: Prof. Lemoiue, 
Lille, Therapcutique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congres pour l’avan- Ä 
cement des Sciences, Bordeaux, 1895, 
Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege, 
Cours d'uccouchements etc., etc.) 


Gewöhnliche Verstopfung. 

IiEPRTNCE 



Seine Wirkung ist coustant, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwendnngsweise ist Gewöhnung an 
das Mittel an vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller StnUlverstopfung, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft and während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wuchernng bei Rheninatismns (Dr. Roax) etc. indicirt ist. 

/ PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn, 
wewonniicne uosts ^ EL1XIB: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter («* verringern od. eu »teigem je nach d. Wirkung) 

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P ACPAPIPHNTQ Unter diesem Namen fabriciren wir kleine SUPPOSITORIEN, welche die Wirkung des 
UnOuMIllvUliCO „Casearlne“ auf eine bestimmte Stande za beschränken gestatten etc. 

VflCHTlflE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeld#e, die ueler IhnUchee Name« verkauft werde«, bitte« wir dl« Herr«« 
Aerzte „Casearlne Lepnnce“ zu verschreibe«. 

HAUPTLAGER: 62, Rn« de la Tonr, Paris (16) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Depots: in allen grösseren Apotheken und Drogoenhandlungeu Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 habeu der Medicinalrath and der Minister des Innern das «Cascarine Leprince» 
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Dosi r u n g : Täglich 6 Pulver ä 0,5 bis 1 G. am besten in Oblaten. Auch in 

Tabletten zu 0,5 und l G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900)- 

2. Dr. Frieser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6n6ral Thörapeutique» vom 30. März 1901). 

4 . Dr. Laumonier, Paris («Presse Mödical» vom April 1901). 

6. Dr. Goldmann, Wien («Allgera. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fuchs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spoiler ans der medic. Abtheilung von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

i Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 1 

9 . Dissertationsarbeit Dr. de Moraes Miranda aa der medicin. Facultät in Paris. 

Alle Apotheken führen oder besorgen unser Acetopyrin, auf das sich alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

Engros durch alle grossen Drogen-Häuser Russlands. 


Literatur zur Verfügung. 


(15) 17-8. 


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rHrieHHqecKOÄ, ÖajbHeojorHqecKott h aHa^HTHuecKofl xhmIh, BonpocaMH 
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77 odnucKa upHHHMaeTcB bi C.-ileTepöyprt: bx pfiAaKiijH acyp- 
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Rara3HH , h K: PrtKKep’a (HescK. np., ß. Jß 14) h bt. KOHropf, ofoaB* 
•aeniä MeTiUb, Bojibuiaa MopcKaa a. tl. 

Bi. MocKB-h—Bt KOHTopt oTbHB.ieHiä Mer«jib (MHCHH«saH a CutOBa) 


„ HMIIEPATOPCIvOE KaBKa3CKoe Mea««HBCKoe OoutecTBo «3AaeTt bb. 

/reqeme roaa flpoTOKo/Mbt cbohx'b 3achaaBift (otb aeyxt ao Tpext HOMepoBt 
|^t Mto«t) h 2—3 KH»rM MflÄMH*uic«ara CöopHMKa. If’feHa o5ohmt» HaaaHiHMt 
(‘BM'hcrh 5 p. ct nepechi.TKoft. OrafeAbHO «hHa ; flpOTOKOMOBt 3 py 6jin, 

r : aaqoft khmth CÖopHMKa r pyö. 50 Bon. *“••• 1 Mw: ' ‘ 

öoan.HCKa Ha 1903 roßt npHHimaeTC« Bt Th^jihccIj y cespeTaj)« OömesjBa. 




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Januar 1903 beginnt der 41. Jahrgang des 

Centralblatt 

für die 

medicinischen Wissenschaften. 

Unter Mitwirkung von 
Prof. Dr. Senator. Prof. Dr. J. Mnuk, 
Prof. Ür. E. Salkowski, 
redigirt von Prof. Dr. M. Bernhardt. 
Wöchentlich 1—2 Bogen, gr. 8. 

Preis des Jahrganges 28. M. 

Abonnements bei allen Bucljljandlungen u. Postanslalten. 

Verlag von Augnst. Hirschwald in Berlin. 


1903 erscheint der XIII. Jahrgang. 

Hygienische Rundschau. 

Herausgegeben von ! - 

Dr. C Fraenkel. Dr. M. Rnbner, 

Prof. d. Hygiene i. Halle. Prof. <1. Hygiene i, Berlin 

Dr. C. Günther, * 

Professor in Berlin. 

Monatlich zwei Nummern. 
Abonnemenlsprei 1 halbjährlich 14 Mark. 

Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertbeilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für di* 
private Kränkenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). • ' - * T 

Adressen von Krankenpflegerinnen^ 

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Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervoirag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof* Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertussin“ war eine überraschende; wenngelich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksamt a. L). (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athiuete ich die freie herrliche Luft auf einem Alpen-Giptel. Diese Leicht¬ 
at hiuigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkntarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussin ein Mittel ist, das in ktir- 
zester Zeit den mit Hecht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
ptid rast unmerkbaren Bronchialkatarrh überzuftihren vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein tuideres Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich R. von Matzner (Birkfcld, Steierm.): 

Die drei mit Pertussin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
sAüiien zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie duicb folgende Engros-Depöts: 

H. Blerstümpfel, Apotheker, Warschau, Marszalkowska 136. Ad. Marcin-' 
c«Ik, Apotheker, Kiew. Paul Scebode, Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 

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Schwester Const. Sohmidt, He-repC. er 
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CTsa pyccRHXi. Bpaqeö bi. namaTb H. H. Hh- 
poroBa Ha 1903 rofli. 

I. UaeHCKifl b8Hoct> aaa dnucmeumejbHuxt qaeHOBT. OömecTBa na 1903 roxi. 
oupoAlueH'i. hi uflTb py6aeft; BHecmie eAHHOBpeiieHHo cto pyöaefl, coraacHo ycTaßy, 
HaBcerjja ocBofiostAaioTca otb qaeHCKHXi. b3Hocobt> h HMeuyioTCfl hocvioshhiumu qae- 
HilMH OßmeCTBa. 

II. ÄJeaBUHHCKifl OßmecTBa h oÖmecTBe hho-mcahiahh ok ia KoaaeriaabHHa yqpe- 
ataeHifl, Ataaiornia BenpepuBnue qaeHCKie bshoch, hjib BHtiinia ejiBHonpcMeHHo 100 
pyPaeii, noayqaioTT. npaBO uocbiaaTb Ha ciisAM caoero AearraTa bt. KaqccTBl 'iaeaa 
OömecTBa pyccKBXT. Bpaqefi bt. naxaTb H. M. DaporoBa. 

UI. M.ieHU OßnAecTBa lionyqarb öeanaaTHo HHAaBaeMHÄ IIpaBAeBiewi «2K y v • 
uan OöiuecTBa» — co bc£mh kt. HeMy npnaojKeHiaMH. 

2KypHa.ai BUXOAHTi. 6 pasi bi roAi. üporpa&iMa ero caiAyiomaH. 

1) ilpoTOKOJiJibi saciAaHifi ITpaBJieHiH OßiuecTBa pyccKaxi Bpaqefi bi naMHTb 
H. H. riBporoBa b sactAaHifi OpraHHsaiAioBHaro KoMHTeTa no ycrpoflcTuy cttsAOBT.. 

2) Coo6meBia o MiponpiaTiaxi b npeAnoao*eHiaxi, DpaBaeuia h ÖpraHBaani- 
OBHblXl KoMBieTOBT», KacaiOlUiflOH A^HTeJIbHOCTH OßmeCTBa H ero ClfcSAOBT». 

3) OroeTbi o AtaTeabHOCTH cocToamaxi npa IIpHBAeHiH kommbcciÖ. 

4) KoppecnoHAOBuiH a o6cy»AeHie BonpocoBi, KacaiomHxea AiaTeabHocTH 06- 
meCTBK H ClisAOBT.. 

5) CiaTba no weamiHHCKHMT. BODpocam. kskt. hbcto HayqBbiMi, TaKi» b o6in,e- 
CTBeHOO -CaBBTapBUMT. B Bpaqe6BO-6bJTOBUMl, KOTOpbie TpCÖyiOVb DOArOTOBHTeAbHar0 
oßcyatAeBia b KO.iaehTBBHofi paapaÖOTKH Aaa lipeACToamaxT. aokasaobi hu ciiRAaxT.. 

0) /l,OKJIilÄFJ H TeBHCbl no AOKJiaAaUl.. HMtlOUl,HMl 6bl Tb npeACTaBACHBUMB Ha 
ebisAaxi OömecTBa pjcckhxt. Bpaqefi bi naMHTb H. H. IJaporoBa. 

7) XpoHnKa, Kacaiomaaca, raaBBbiMT. oCpaBiin-, A^aTeJibHocTH MeABUUBCKBXT> 
yqiB wxt. OfiuccTii-, a xab*e «|raBHianiH u AiaTeabnoiTii paajiHqBbixb Bpaqef bhxt, 

h Apyraxi nay nBuxi. eii8A0Bi>. 

8) Cdhckb qaeHOBi Oöiucctbü pyccKBxi Bpaqefi bi naMaTb H. jH. IlBporoBa. 

9) OSiHBaeHia. 

b’b qwai npBAOJKeBifi kt. ♦HCypnaay» aa npe*Bie toau Pbuia ashu, Me*A>’ 
Dpoqmrb. t-Ji'tÄyic-mia HSAaflia: ( boat. nocTaHoßaeHifi h pafon» 1—VI DHporoBCKBXT. 
ciisAon Bpaqefi no GTAlaaMi. oömccTBeHBofl MtAnn,nnbj: .Uckabah IlpaßaeBia Vl-ny, 
VlI-My h \'lI I-My ciisAaMT.; TpyAU coßimaHin 1900 r. no caHHTHpHo-cTaTHCTHqecKHMT. 
h caHHTapHUMT. BonpocaMi; Oö8opbi ocTpo*8apaaHbixi BaöoAtBaßifl bt, ryfiepHiaxi. sa 
1899 n 1900 rr.; nonyjiapBbia uaAaHia kommhccih no paonpocTpaHeHiio rnrieBRqecKHXi 
HHäHiü B’b HapoAt; nopTpeTbi npo$- C. C. KopcanoBa h H. 11. llHporoBi.; »bin. 1-fi 
ayTope^epaTOBT. AOKjiaAOBi VHI-ro üiporoBCKaro citsAa b npon. 

Bt, 1903 roAy b-b «HCypHaat» 6yAyTb noarfemaTbca Bei cßtAliHifl, Kacaromiflcfi 
noAroTOBKH h opraBBBai^iH IX-ro IlMporoBCKaro citsAa. HMiiomaro ÖHTb bi 190-1 roAV. 
Bi qacjit npBJioJKeHifl opeAnojiaraeTca, Meacxy npoqBin., BbinyciHTb «Cboat. nocia- 
HOBJieHifi n paöoTi I—Vlll-ro IlHporoBCKBXT. cxisAOBi do cncn,iajibHbiMi oTAiaaMT. 
BayqHoft MeAHBHHbi» «C6 ophhki no ropoACKofl MeAnn,nHt», «068opi. ocTpo 8apa8HbixT. 
aaÖoA’feBaHift bt. seMCKaxi. ryöepHiaxT. 8a 1901 roAi>» *)• 

ÖHOBb HMtion^lH BbiÖTB BonyMpHHH H8AäHis kommhccIh no pacnpocTpaHeHiio 
1'BrieBBqecKHXT. 8HaHiö bt. HapoA* Taxxe öyAyn. BbicaaHbi qaeaaMT. OÖmecTBa bt. 
BBAt npHAOHceHia Kt «äCypHaay»- 

IV. ^J6Hu OömecTBa Ha 1903 toat» HMtion, BpaBO npioöpecTH na jibroTHuxi 
ycjoBiaxT. HHaecAliÄyiomia BSAaHia: 

1) «PyccKyio 3eMCKyio MeAHitnny» (saKAioqHTeAbBbifi BbinycKi 3eM- 
CKO-MeAdil- ÖöopBBKa), cocTaBaeHByio E. A. OcunoetiMf. H. B. UonoeuM » u II. H. 
KypKtiHUMb (X-f-309, ei KapTuiiH, naaHaMB b AiarpaMMaMBj 3a A»a pyö.m BMtcTo 
Tpexi pyöxeö (er. nepecbiAKofi). 

2}<3eMCK.0-MeAHUHHCKilt CßopHBKl» (BMteTi CT. «PyCCKOfi 
3 e m c k o fi MeABQHBO ft»), cocToamefi bst. 9 BbjnycKOBT. (bi nepenjierfe 6 KHBrx), 
oÖieMOMi okoao 275 neq&THbiXT. aictobt., aa ceMb p.vfi.ieii bm^cto acchtb pjöaefi, 
a bi nepen.ie’rt BoceMbpyöaefl oaTbxecaTb koh. iHe cqaTaa nepecbiAKB, KOTopaa Haao- 
aceBBbiMT. naaTeffiOMT. no pa8CToaHiio. 

3)KoMnaeKTi B6 bhhkob t.» H«TpyA0Bv II—VUI-ro citsAOBi,**) 
COCTOamifl B8T. 10 HBABBift (BT> 17 TOMaXT. B BHflyCKaXl) 8a OAHHUaAIl&Tb pyö.ieft 
BMtcTo ABaÄH»TB Tpexi pjtixcft (ae cqHTaa nepecbiAKH). Ti ate H8Aaeia uo oTAiJib- 
octh npoAaioTCH qaeHaMi 06mecTBa ci ycTynKO» 60 h (Kpowi TpyAOBi VUI-ro 
cT>i8Aa). 

1) Tpyau XII-ro Meacil napoAsa ro Ciliaa Bütcri. cT.«Pyc- 
cKofl SeMCKofi MeAHiAHHofi»Ba $paBiAy8CK0iii. asuKi (Bcero 9 kbbh o6ie- 
momi 400 neTaTHbixT. ahctobi) bh TpH pyßja BMicTo meem pydxeft, Be cqBTaa ne- 
pecbi.iKH. KOTcpaa hü joKe hehmi naaTexoMT. (sa 25 c[>.) no pascTOBHiio. 

5 ) OTAiJibBo «PyccKaa 3 e m c k ;i a UeAHiAHHa»Ba $paHny8CKOMi> asbiKi 
aa 1 pj6. 25 kob. ci uepccbi.iKOft. 


MaeHCRie bshocu npBBHMaiOTca bt. KOBTopi IIpaBaeBia: MocKBa, JliBHqbc 
noae, TpyÖenKort *nep., A-- .^6 10. Kofliopa OTKpuTa eaceAHPBHO, 8a HCKaioqeHieMT. 
BocKpecHbixT, h iipa8JTH* , iHwxT> AHefl, Ott. 11 AO 3 qac. AHa. 


*) ßoabe oßieMBCTbia bst. bthxt. BBASHifi ÖyAyn. BwcuaaTbca HaaoaceeBUMT. 
niaTearoMT. na nepecwaRy. 

**) ^qpBHHKB» I ro H II-JTO CT.i8A0BT. Bei pü80niaHCb H BT. npoAajKt He 

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nea4. Cn6., 10 UfiBapa 1903r. Herausgeber Dr.fiüdolf Wanacb. Bncbdruckerei v. A. W ienfcie.KatbarifienbuferPr. 


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XXVlli. JAHRGANG. ST. PETERSBURGER Neue Folge XX. Jahrg. 


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iimiisou voonnoiiin 


unter der Red&ction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jnrjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

ßiK«. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medieinische Wochenschrift» erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnemsntspreii ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr iucl. Postsnstellnng; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Znaertloneprela 
fdrdie3mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 25SeparatabzügeihrerOriginalartikel sogesandt.— 
Referate werden nach dem .Satse von 16 Rbl. pro Bogen houorirt. 


SV Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate tSS 

bittet man ausschliesslich au die auehhendlnug von g. L. Bioksr in 
St.Petersbarg,Newsky-ProspectM 14, su richten.—Xa nus oripte 
sowie alle anf die Redaetion bezüglichenMittheilnngenbittetmanan 
den geschäftsföhrenden Redactenr Dr.Budolf Wanach m St.Pe- 
tersbnrg, Petersborger Seite,Peter-Panlhosbital zn richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch nnd Freitag von 3—3 Dhr. 


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St. Petersburg, 11. (24.) Januar 


1903 


Inhalt: Dr. med. Nikolai B irschberg: Ueber die Beziehungen psychischer Zustände zum Kreislauf und zur Ath- 
mnng. — Protokolle des Vereins St. Peterborger Aerzte. — Protokolle des deutschen ärztl. Vereins zu 
St. Petersburg. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber die Beziehungen psychischer Zustände zum 
Kreislauf und zur Athmung. 

Plethysmographische Untersuchungen au Geisteskranken. 

Von 

Dr. med. Ni*kolai Hirschberg. 
Assistenzarzt der psychiatrischen Klinik zn Jurjew-Dorpat. 

Schon lange erkannt war die Thatsacbe, dass zwischen 
deu geistigen nnd körperlichen Vorgängen unverbrüch¬ 
liche Beziehungen bestehen, sichereren Boden gewann sie 
indess, nachdem erst das Experiment sich ihrer bemäch¬ 
tigt und namentlich Mos so darch seine plethysmogra¬ 
phischen Untersuchungen das Interesse für dieselbe ge¬ 
weckt batte. Die Untersuchungen mehrten sich, mit 
ihnen aber auch die Zweifel, Bestätigungen und Wider¬ 
sprüche folgten auf einander, und heute noch harrt 
manche wichtige Frage der endgiltigen Lösung. Wohl 
sind alle darüber einig, dass Gefühle und Affecte mit 
dentlichen Veränderungen des Kreislaufes und der Ath- 
mung einhergehen, ob diese letzteren aber anch die rein 
intellectuelle Thätigkeit begleiten, die von gemüthlicher 
Erregung völlig freie Geistesarbeit, ist noch keineswegs 
entschieden. Ziehen 1 ), Kiesow 2 ) gelangen zur Ue- 
berzeuguug, dass nur von Erregungsaffecton begleiteten 
intellectuellen Vorgängen Veränderungen des Pulses ent 
sprechen, dass nur Gefühle and Affecte sich in Veränderun¬ 
gen des Blutdruckes zu äussern vermögen, Thanhoffer 3 ), 
Gley 4 jund insbesondere Binet and C o u r ti e r 5 ) sprechen 

') Ziehen. SphygmographiBche Untersuchungen an Gei¬ 
steskranken. Jena 1887. 

*) Fr. Kiesow. Versuche mit Mosso’s Sphygmomano¬ 
meter über die durch psychische Erregung hervorgerufenen 
Veränderungen des Blutdruckes beim Menschen- Philosophi¬ 
sche Stadien 1895. 

*) Thanhoffer. Der Einfluss der Gehirnthätigkeit anf 
den Pnls. Pflügers Archiv 1879. 

4 } Gley. Essia sur les conditions de la pensee. Etat dn 
ponls carotidien pendant le travail intellectnel. Arch. de Phy- 
sioJ. norm, et patbol. 1881, p. 742. 

*) Binet et C o u r t i e r. lnfluence de la vie Emotionelle 
snr le coenr, la respiration et la circulation capillaire. L’an- 
nEe psychol. 1896. 


dagegen diese Fähigkeit auch der gefühlsfreien Geistes¬ 
arbeit zu. Ja, Mentz 6 ) und Lehm an n 1 ) weisen sogar 
auf Veränderungen hin, von denen die einen für die 
willkürliche, die anderen dagegen für die unwillkürliche 
Aufmerksamkeit charakteristisch seien. Ebenso ist über 
die Frage, ob den verschiedenen Gefühlen verschiedene 
körperliche Veränderungen entsprechen, noch keine Eini¬ 
gung erzielt. Binet und C ou r ti e r 8 ) sind der Ueber- 
zeugung, dass Last und Unlust sich in gleichen Puls- 
und Atbmungsveränderungen äussern, während F6rE # ), 
Men tz 10 ), Hirsch u ) und namentlich Lehmann 12 ) 
bei Lustgefühlen Veränderungen nachweisen, die den bei 
der Unlust beobachteten entgegengesetzt sind. Noch wei¬ 
ter gehen Wundt 1 *) und neuerdings Brahn 14 ), wenn 
sie, für eine neue Eintheiluog der Gefühle in Last-Un¬ 
lust, Erregung-Beruhigung nnd Spannung-Lösung eintre¬ 
tend, bestimmte, für jedes einzelne von diesen Gefühlen 
charakteristische Pulsverändernngen unterscheiden. Auch 
die von I s ta m o no f f ,B ), Shields 16 ) u. a. erlangten 
Versnchsergebnisse stehen in lebhaftem Widerspruch zu 
den genannten Anschauungen. Endlich sind die Ansichten 
anch darüber getheilt, ob, wie Br ahn 11 ) behauptet, 


fl ) M e n tz. Ueber die Wirkung acustischer Sinnesreize anf 
Puls und Athmung. Philosophische Studien 1895, 

7 ) A. Lehmann. Die körperlichen Aeussernngen psychi¬ 
scher Zustände. Erster Theil. Plethysmographische Untersu¬ 
chungen. Uebersetzt von F. Bendizen. Leipzig 1899. 

8 ) B i n e t et C o u r t i e r. 1. c. 

*) F Ere. Seusation et mouvement 1887. 

10 ) M e n t z. 1. c. 

") r. r h p ui x. 06x H8M$HeHiflxi> nyjn>c& h fluxaeia npa 

H^KOTopuxx ncHxaqecR. cocToaHiaxx. JOpbeBi 1899. 

,2 ) A. Lehman n. 1. c. 

,3 ) Wundt. Bemerkungen zur Theorie der Gefühle, Philo¬ 
sophische Studien 1900. 

14 ) B r a h ii. Experimentelle Beiträge zur Gefühlslehre. Phi¬ 
losophische Studien 1901. 

15 ) ÜcTaMäHOBi 0 BJiiflHia pasApascesia qyBCTBHTeji*>HMxi> 

HepBOBX Ha cocyxHCTyio CHCTeMy y qeaoBbita. JIhcc. C.-II.B. 

1885. 

‘"J Cit. nach d. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie 
der Sinnesorgane XIII. 1897. 

1T ) B r a h u. 1. c. 


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12 


schon unter-merkliche Reize Pulsveri;i<lerungen zu er¬ 
zeugen vermögen, oder der Reiz erst zum Bewusstsein 
durchdringen muss, um organische Reactionen zu ver¬ 
ursachen; zu dieser Anschauung haben sich Mentz 18 ) 
und ganz besonders Lehmann 19 ) bekannt. 

In meiner vor Kurzem als Dissertation erschienenen 
Arbeit, deren Inhalt ich auf Wunsch meines hochverehr¬ 
ten Lehrers, des Herrn Prof. Dehio, an dieser Stelle 
in aller Kürze wiederzugeben mir erlaube, machte ich 
mir die Beantwortung folgender Fragen zur Aufgabe. 

1) Muss ein äusserer Reiz bis zum Be¬ 
wusstsein durchdringen, um Kreislauf und 
Athmung beeinflussen zu können? 

2) Werden die verschiedenen Bewusst¬ 
seinszustände von bestimmten, für jeden 
einzelnen von ihnen charakteristischen 
Veränderungen des Kreislaufes und der 
Athmung begleitet? 

Diesen Fragen versuchte ich, auf einem noch nicht 
betretenen Wege mich zu nähern und zwar mittels Un¬ 
tersuchungen an Geisteskranken. Stand doch zu erwar¬ 
ten, dass die psychischen Zästände, welche von deu ge¬ 
nannten Forschern durch entsprechende Reize bei Nor¬ 
malen hervorgerufen worden waren, bei verschiedenen 
Geisteskranken, je nach dem Grade ihrer Empfindlich¬ 
keit für ebendieselben Reize entweder vollständig aus- 
bleibeu oder um so deutlicher hervortreten würden. Ein 
und derselbe Reiz, z. B. eine leise Berührung, würde, 
wie vorauszusetzen war, vom Stuporösen völlig unbe¬ 
achtet bleiben, die Aufmerksamkeit der leicht ablenk¬ 
baren Maniakalischen dagegen um so sicherer fesseln 
und bei der empfindlichen Hysterischen vielleicht gar 
ein Unlustgefühl oder Schmerz bewirken. Wenn nun 
den einzelnen Bewusstseinszuständen thatsächlich charak¬ 
teristische Veränderungen des Kreislaufes und der Ath¬ 
mung entsprächen, dann liess sich doch, um bei unserem 
Beispiele zu bleiben, beim Stuporösen, dessen Geistes¬ 
zustand durch die Berührung nicht beeinflusst wurde, 
ein völliges Ausbleiben jeglicher Puls- und Athmungs- 
veränderuugen erwarten; die Maniakalische, deren Auf¬ 
merksamkeit aber so leicht abgelenkt wird, müsste die 
charakteristischen Veränderungen der abgelenkten Auf¬ 
merksamkeit um so eher verrathen, und bei der Hys¬ 
terischen würden dann bei Einwirkung dieses Reizes 
sich Veränderungen zeigen, die gewöhnlich bei Unlust- 
gefüblen beobachtet werden. Es ist nun leicht einzuse- 
hen, dass auf diesem Wege sich die Beantwortung der 
gestellten Fragen erzielen Hesse. Die Bestätigung dieser 
Voraussetzungen würde nämlich zur Annahme berechti¬ 
gen, dass nicht der Reiz als solcher den Charakter der 
entsprechenden körperlichen Veränderungen bedinge, son¬ 
dern der durch den Reiz erzeugte psychische Zustand. 
Es würde demnach ein Reiz, der, wie die im Stupor 
unbeachtete Berührung, keinen psychischen Zustand ber- 
vorruft, auch keine Puls- und Athmungsveränderungen 
bewiiken. Daraus würde sich aber der Schluss ergeben, 
dass eiD Reiz unbedingt einen Bewusstseinszustand her- 
vorrufen, bis zum Bewusstsein durchdringen 
müsse, um Kreislauf und Athmung beein¬ 
flussen zu können. Andererseits würden, wenn die 
»• Voraussetzungen sich bewahrheiteten, reizempftndliche 
Geisteskranke die den einzelnen psychischen Zuständen 
entsprechenden Veränderungen des Kreislaufes und der 
Athmung um so deutlicher erkennen lassen und so die 
Beantwortung der zweiten Frage mit um so grösserer 
Sicherheit ermöglichen. 

Zur Ausführung der Versuche bediente ich mich des 
von Lehmann construirten Plethysmo- und Pneumo¬ 
graphen. Der Lehman n’sche Plethysmograph unter- 

,8 ) Mentz. 1. c. 

J0 ) Lehmann. 1. c. 


scheidet sich bekanntlich von dem von Mosso con- 
struirten durch deu Gummisack, der nicht, wie der 
Mosso’sche Guramiärrael, nur um den freien Theil des 
den Apparat ausfüllenden Vorderarmes schliesst, sondern 
den ganzen in den Plethysmographen eingeführten Theil 
desselben gleichmässig umgiebt. Dieser Apparat musste 
jedoch einige Modificationen erfahren, die zum Zweck 
hatten, den eingeführten Arm möglichst zu fixiren und 
ausserdem das während des Versuches den Apparat aus- 
füllende Volumen des Armes and ebenso die während 
dieser Zeit in demselben enthaltene Wassermenge genau 
zu bestimmen. Da es sich um Untersuchungen von Gei¬ 
steskranken handelte, erschienen diese Modificationen um 
so mehr geboten. Zum Registriren diente Luftübertra¬ 
gung mit dickwandigen Schläuchen und ein von E. Zim¬ 
mermann in Leipzig herge3telltes Kymographion 
neuester Construction. Ein Stativ neben dem Kjmogra- 
phen trug drei Marey’sche Schreibtamboure, von denen 
der obere zar Aufzeichnung der Athmungscurve diente, 
und der mittlere den Puls registrirte; der dritte Tam¬ 
bour war mit einer Gummibirne verbundeu, auf die der 
Versuchsleiter jedesmal drückte, wenn Momente, wie 
Anfang, Ende des Reizes u. s. w., markirt werden soll¬ 
ten. Zur Erzeugung der einzelnen Bewusstseinszustände 
wurden Rechenaufgaben, verschiedene Gehörsreize und 
angenehm und unangenehm wirkende Geschmacks- und 
Geruchsreize angewandt. Schmerz wurde mittels des fa- 
radischen Stromes hervorgerufen; um jedoch Muskel- 
contractionen zu vermeiden, bediente ich mich einer 
Electrode, die auf ihrer */* cm. breiten Applications- 
fläche beide durch eine Kautscbuckplatte isolirten Pole 
vereinigte. Wurde nun mittels dieser Electrode eine 
kleine Hautstelle in der Gegend des muskelarmen Hand¬ 
gelenkes gereizt, so machte der störende Einfluss von 
Muskelcontractionen sich nur sehr selten bemerkbar. 

Die Anordnung der Versuche war folgende: Iu einem 
stillen, nicht allzu hellen und gleichmässig temperirten 
Zimmer sass die Versuchsperson möglichst bequem mit 
dem Gesicht einer Wand zugekehrt, auf welcher nichts 
die Aufmerksamkeit zu fesseln vermochte. Der rechte 
Arm war in dem mit Wasser (30® C.) gefüllten Ple¬ 
thysmographen befestigt, während der linke auf einem 
unbeweglichen Tische frei ruhte. Zur Linken und hin¬ 
ter dem Rücken der Versuchsperson waren der Kymograph 
und alle übrigen während der Versuche nothwendigen 
Gegenstände aufgestellt; vor derselben hatte der Ver¬ 
suchsleiter seinen Platz. Zunächst wurden mehrere 
Curven aufgenommen, bis die Versuchsperson sich an 
die Situation gewöhnt hatte und die Gleiclunässigkeit der 
Athmungs- undVolumcurven die eingetreteneGemüthsruhe 
derselben erkennen liess. Dann erst folgten die eigentlichen 
Versuche ohne bestimmte Ordnung, sei es dass in eioem 
Versuch die Stimmgabel ertönte, im nächsten die schmerz¬ 
erzeugende Electrode bei bestimmtem Rollenabstand ap- 
plicirt, durch einen unerwarteten Pistolenschuss Er¬ 
schrecken bewirkt oder z. B. Schwefelwasserstolf in einer 
Flasche an der Nase vorbeigeführt wurde, um ein Un¬ 
lustgefühl hervorzurufen. Während der Versuche herrschte 
in dem Zimmer, iu welchem ausser Versuchsperson und 
Experimentator niemand anwesend war, lautlose Stille. 
Nach jedem Versuch wurde allerdings der Reagent kurz 
über die Wirkungen der Reize befragt und über etwaige 
Störungen, die vielleicht den Werth des Versuches be¬ 
einträchtigt hätten. Alle Angaben der Versuchsperson 
wurden protocollirt und nur völlig einwandsfreie Cur¬ 
ven in Betracht gezogen. Die Geschwindigkeit des am 
Kymographen rotirenden Cylinders war constant und 
betrug 1 Minute pro Umdrehung. 

Die Untersuchungen wurden täglich um ein uud die¬ 
selbe Zeit wenigstens 4 Wochen lang ausgeführt und je¬ 
desmal nicht länger als 10—15 Minuten fortgesetzt. Die 


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Messung der Curven geschah in folgender Weise: Wäh¬ 
rend die AtheroVeränderungen und Volumschwankungen 
schon mit freiem Auge zu erkennen waren, wurde die 
Höhe jedes einzelnen Pulses mit Hilfe von Zirkel und Milli¬ 
meterstab bestimmt. In der Feststellung der Pulslängen folgte 
ich dem Beispiele Lehmann’s. Es hatte sich nämlich i 
gezeigt, dass im Plethysmogramme Volum Veränderungen 
gewöhnlich mit Veränderungen der Pulslänge einher¬ 
gehen und das andererseits bei constantem Volumen 
anch die Länge der Pulse weder zu- noch abnehme. 
Die Pulse waren demnach in einzelne Gruppen einge- 
theilt und alle zu einer Groppe gehörigen Pulse hatten 
fast dieselbe Länge. Man brauchte also nur die Total- 
länge jeder einzelnen Gruppe zu messen und dieselbe 
durch die Anzahl der betreffenden Pulse zu dividiren, 
um die Länge jedes einzelnen Pulses zu ermitteln. 

Die Versuche wurden an 30 Personen ausgeftlhrt und 
zwar an 2 Normalen und 28 Kranken, die an verschie¬ 
denen Psychoneurosen, an circularem Irresein und mehr 
oder weniger ausgesprochenem Schwachsinn litten. 

Auf Grund von zahlreichen Untersuchungen gelangte 
ich nun zu Resultaten, welche die L e h m a n n’schen 
Versuehsergebnisse, abgesehen von einigen Einzelheiten, 
vollkommen bestätigten. 

1. Ein Reiz muss bis zum Bewusstsein 
durchdringen, um Kreislauf und Athmung 
beeinflussen zu können. 

2. JederBewusstseinszustand wird, ganz 
unabhängig vom Charakter des ihm zu 
Grunde liegenden Reizes, von bestimmten 
charakteristischen Veränderungen des 
Kreislaufes und theilweise auch der Ath¬ 
mung begleitet. 

a) Bei willkürlicher (activer) Anspan¬ 
nung der Aufmerksamkeit tritt Pulsbeschleuni¬ 
gung ein, während das Armvolumen in mehr oder min¬ 
der nachweisbarem Grade ansteigt. Sind aber für die 
Leistung einer geistigen Arbeit (z. B. 7 X l'> = 7 X 10 
und 7 X 6 > 70 + 35) wiederholte Anspannungen der 
Aufmerksamkeit erforderlich, so wird Folgendes beob¬ 
achtet: Während der ersten Anspannung steigt das Vo¬ 
lumen bei gleichzeitiger Pulsbeschleunigung, dann sinkt 
es und die Pulsfrequenz wird geringer, um bei der 
zweiten Anspannung einer Zunahme des Volumens und 
Beschleunigung des Pulsschlages Platz zu machen. Die 
Pulshühe nimmt dabei zuweilen ab, während die Athmung 
grüsstentheils keine nennenswerthen Veränderungen er- i 
leidet; nur bei angestrengter Concentralion der Auf¬ 
merksamkeit wird die Athmung unregelmässig und ober¬ 
flächlich. 

b) Die unwillkürliche (passive) Aufmerk- ; 
sarakeit wird fast nie von Veränderungen der Ath¬ 
mung begleitet. Armvulumcn und Pulshöhe bleiben 
ebenfalls unverändert, während die Länge der Pulse 
stets zunimmt. 

c) Beim Erschrecken wird zuerst die Athmung 
unterbrochen, um nach mehreren unregelmässigen und 
oberflächlicheren Athemzügen allmählich zur Norm zu¬ 
rückzukehren. Das Armvolumen steigt zunächst, sinkt 
dann und steigt schliesslich wiederum bis zum ursprüng¬ 
lichen Niveau. Die Veränderungen der Pulshöhe sind äusserst 
unregelmässig; sehr häufig bleibt die Pulshöhe unver¬ 
ändert, andererseits aber nimmt sie in einigen Fällen 
ab, in anderen, allerdings selteneren, dagegen zu. Die 
Pulslänge erleidet unmittelbar nach dem Reiz grössten- 
theils gar keine Veränderungen und nimmt häufig so¬ 
gar ab, dann aber folgt stets eine deutliche Zunahme 
derselben. 

d) Beim Schmerz tritt zunächst ein Stocken 
der Athmung ein, auf welches dann fast immer be¬ 
schleunigte und tiefere Alhemzüge folgen. Boi gerin¬ 


gerem Schmerz erfährt dagegen die Athmung zuweilen 
gar keine Veränderungen. Das Armvolumen sinkt be¬ 
deutend und dieses Sinken dauert häufig länger als der 
Schmerz an. Pulshöhe und Pulslänge nehmen merklich 
ab; soball aber der Schmerz nachzulassen beginnt, 
nehmen sowohl Pulshöhe als auch -Länge bei gleich¬ 
zeitigem Ansteigen des Armvolumens wieder zu. Je 
stärker der Schmerz, um so deutlicher treten die Ver¬ 
änderungen des Kreislaufes und der Athmung hervor. 

e) Bei Unlustgefühlen, wie sie durch unange¬ 
nehme Geruchsreize hervorgerufen werden, sinkt das 
Volumen, nur Pulshöhe und -Länge nehmen ab. Je 
starker das Gefühl, um so deutlicher die Veränderungen. 
Bei unbedeutender Unlust bleibt die Pulshöhe grössten- 
theils unverändert. 

f) Bei Lustgefühlen bleibt das Volumen ent¬ 
weder unverändert oder steigt in allerdings geringem 
Grade. Die Pulshöhe nimmt grösstentheiis zu, erleidet 
zuweilen aber auch gar keine Veränderungen. Die 
Länge endlich wächst beständig uni zwar mehr oder 
weniger je nach der Intensität des Gefühls. 

g) Der Zustand völliger Gemüthsruhe wird durch 
vollständige Gleichmässigkeit der Athmung uud des 
Kreislaufes charakterisirt. Bei gemüthlicher Er¬ 
regung tritt dagegen Beschleunigung uod Vertiefung 
der Athemzüge ein, die überdies zuweilen in Absätzen 
erfolgen; in der Volumcurve treten gleichzeitig die 
Respirationsschwankungen besonders deutlich hervor, 
während Höhe und Länge der Pulse besonders bei un¬ 
lustbetonter Erreguug abnehmen. 

Endlich boten die vorliegenden Untersuchungen Ge¬ 
legenheit, der Frage nach den Beziehungen geistiger 
Vorgänge zum Kreislauf und zur Athmung auch von 
einem anderen Gesichtspunkte näher zu treten. In sei¬ 
ner im Jahre 1882 erschienenen Dissertation untersuchte 
Ragosin 20 ) an verschiedenen Geisteskranken die Reac- 
tions weise des Pulses und der Athmung auf Schmerz¬ 
reize. Es ergab sich, dass bei Einwirkung eines elek¬ 
trischen Schmerzreizps der Puls und ebenso die Ath¬ 
mung des raaniakalisch Erregten bestimmte und scharf 
ausgeprägte Veränderungen erleide. # Diese Reactions- 
fähigkeit fehle dem Schwachsinnigen, *und zwar um so 
mehr je hochgradiger der Schwachsinn sei. Im Coma 
nach dem epileptischen Anfall sei ebenfalls keine Reac 
tion wahrzunehmen. Bei Melancholischen endlich treten 
unter dem Einfluss von Schmerzreizen entweder gar 
keine oder nur geringo Veränderungen eiu, während 
die Athmung dieser Kranken in anderer Weise reagiro 
als die der übrigen. Von der Berechtigung dieser Be 
hauptungen konnte ich mich jedoch trotz meiner zahl¬ 
reichen und so oft wiederholten Versuche nicht über¬ 
zeugen. Immer uni immer wieder machte sich der 
eine Grundsatz geltend: Ein Reiz muss bis zum Be¬ 
wusstsein durchdringen, um Kreislauf und Athmung be- 
eiuflusseu zu können. Auch bei den Schwachsinnigen 
traten, wie bei allen anderen Versuchspersonen jedes¬ 
mal scharf ausgeprägte Veränderungen in Puls und 
Athmung hervor, wenn der Reiz nur thatsächlich 
Schmerz erzeugt hatte, thatsächlich bis zum Bewusst¬ 
sein durchgedrungen war. Bei Schwachsinnigen ist die 
Reizempfindlichkeit allerdings herabgesetzt; es müssen 
also stärkere Reize angewandt werden, weuu sie den 
psychischen Zustand und die ihm entsprechenden Ver¬ 
änderungen des Kreislaufes und der Athmung bewirken 
sollen. 

Ebenso wenig Hessen sich bei den verschiedenen an¬ 
deren Kranken Abweichungen von den als gesetzmässig 
erkannten Ileactionen nachweisen, weun in der Versuchs¬ 
anordnung alle Vorsichtsmassregeln beobachtet worden 

2°) Paroaiav Pe:»yjn>Taxu rpaiJniqecKaro HJCJikKOBaHÜi 
AyuieBHo-öojfeHuxi. Zticc. C.-1I. B. 1882. 


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14 


waren. Nur eine an circulärem Irresein leidende Ver¬ 
suchsperson fiel im melancholischen Stadium beständig durch 
eine eigentümliche Reactionsweise auf, im maniakalischen 
dagegen unterschieden sich ihre Reactionen in keiner 
Weise von der der übrigen, wenn sie während der 
Versuche möglichst ruhig und gedankenleer dasass. In 
der melancholischen Periode wurden nämlich alsReaction 
auf alle möglichen verschiedenen Reize, wie Rechenaufga¬ 
ben, Schmerzreize, angenehme Geruchsreize u. s. w., stets 
nur die gleichen Veränderungen beobachtet: Pulsbeschleu¬ 
nigung bei unverändertem oder etwaszunehmendem Arm¬ 
volumen. In der Athmung konnte ich keine constanten 
atypischen Veränderungen feststellen. 

Da die Ursache dieser in auffallender Weise während 
der melancholischen Periode immer wiederkehrenden 
Erscheinung in der Versuchsanordnung nicht zu finden 
war, glaubte ich diese Reactionsweise als Eigentümlich¬ 
keit der Melancholie ansehen zu sollen. Allein auch 
dieser Gedanke musste bald aufgegeben werden. Es 
hatte sich nämlich gezeigt, dass bei den verschiedenen 
an melancholischer Depression leidenden Kranken die 
gesetzmässigen Reactionen nur dann eintraten, wenn 
die Kranken sich während der Versuche vollständig 
ruhig fühlten; bei solchen dagegen, die, keiner beruhi¬ 
genden Suggestion zugänglich, auch während der Ver¬ 
suche von angst- und qualvollen Gedanken absorbirt 
waren, machten sich beständig mehr oder weniger aty¬ 
pische Reactionen bemerkbar. Auch an Normalen sind 
von Lehmann und ebenso von mir atypische Reac¬ 
tionen beobachtet worden. Lehmann führt dieselben 
auf einen eigentümlichen Zustand von «gespannter Er¬ 
wartung» zurück, in welchem sich die Versuchsperson 
während des Versuches befand. Vielleicht ist auch die 
oben erwähnte atypische Reaction durch einen Affect- 
zustand zu erklären, von weichem sich der an tiefer 
melancholischer Depression leidende Kranke auch wäh¬ 
rend der Versuche nicht befreien konnte. Und so 
glaube ich denn die diesbezüglichen Resultate meiner 
Untersuchungen in folgenden Worten zusamraenfassen zu 
können: 

3. Jeder psychische Zustand wird sowohl 
bei Normalen*als auch bei Geisteskranken, 
ganz unabhängig von Verschiedenheiten 
im Charakter der Geistesstörung, von glei¬ 
chen für eben diesen Bewusstseinszustand 
charakteristischen Veränderungen des 
Kreislaufes und der Athmung begleitet. 

4. Die erwähnte atypische Reaction ist 
keine Eigenthümlichkeit der Melancholie, 
sondern wahrscheinjich auf einen augen¬ 
blickliche n A f fec ti o n szu stand zu beziehen. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

731. Sitzung am 15. October 1902. 
v Vorsitzender: T i 1 i n g. Secretär: U c k e. 

1) Henking: Zur Behandlung der Distor¬ 
sionen des F d s 8 e s. 

Fast jeder Arzt hat gelegentlich mit Distorsionen zu thuu. 
Die Fälle verlaufen nicht immer schnell und glatt, wie die 
Geringfügigkeit des Uebels es wünschenswerih erscheinen 
lässt; leicht zieht sich die Behandlung in die Länge, der Pa¬ 
tient wird ungeduldig und entzieht s ; ch derselben. Die acti- 
vere Therapie, wie Massage und dgl., ist in letzter Zeit ja 
schon in Aufnahme gekommen, allein es giebt Fälle, in de¬ 
nen auch diese ans äusseren Gründen nicht durchführbar ist. 
Im veiflossenen Sommer kam ich in den Fall, zu einem Mittel 
zu greifen, das meines Wissens bisher nicht in Vorschlag 
gebracht worden ist 

In mein Empfangszimmer auf dem Lande kam eines Tages 
ein Junge, von der Mutier gestützt, mit einer Dlstnrsion im 
Sprunggelenk, die er sich vor 5 Tagen bei einem Satz aus 
dem Wagen zugezogen hatte. Die Schwellung war eine be¬ 
deutende und bewirkte derartig heftige Schmerzen, dass von 


Auftreten überhaupt nicht die Rede war. Da der Wohnsitz 
des Pat. weit ab im Lande war, wo keine beständige fach¬ 
kundige Hilfe zu beschaffen war, so sah ich mich fast jeglicher 
Mittel baar ihm zu helfen. D.i fiel mein Blick auf eine Pra- 
vatz’sche Spritze, die von einer Probepunction noch dalag. 
Sofort stieg in mir der Gedanke auf, das Fnssgelenk durch 
Punction des die Schwellung bedingenden Transsudates resp. 
Blutergusses zu entlasten, und ich entfernte mit der zuvor 
desinficirten Spritze eine ziemlich beträchtliche Menge flüssi¬ 
gen Blutes. Das Resultat war, dass der Junge gleich nach 
dieser Operation auftreten konnte und als er nach 4 Tagen 
sich wieder vorstellte, ganz gut herumlaufen konnte. 

Nicht in jedem Falle ist ein derartig eclatanter Erfolg zu 
erwarten, doch hatte ich seitdem Gelegenheit noch in 3 Fällen 
diese Methode auzuwenden und zu constatiren, dass der 
Heilungsverlauf ein schnellerer ist. Es waren dies frische 
Fälle, die im Laufe einer Woche auf die Füsse gestellt 
werden konnten- 

DiBcussion. 

Schmitz: fragt, ob es reines Blut oder blutiges Trans¬ 
sudat war. „ , 

H e u k i n g: Es war theerfarbenes, flüssiges Blut; immerhin 
ist nicht auszuschliessen,dass etwas Transsudat beigemengt war. 

Schmitz: Bei Blutergüssen ins Kniegelenk findet man 
häufig Coagula, die der Entfernung grössere Schwierigkeiten 
entgegensetzen. 

H e u k i n g will es durchaus dahingestellt sein lassen, ob 
er mit der Spritze in der Gelenkhöhle gewesen ist, vielleicht 
war die Blutnng auch nur im umgebenden Gewebe. Auch 
bleibt die Frage offen, ob alles Blut entfernt wurde. 

Tiling: Das Verfahren erscheint durchaus rationell, 
als Fortführung des Gedankenganges, das Transsudat so 
schnell als möglich zu entfernen, was bisher durch Cora- 
pression8verbände etc. erstrebt wurde, und giebt eine Abkür¬ 
zung des Ganges der Behandlung. 

v. Fick: Man wird wohl darauf gefasst sein müssen ge¬ 
legentlich Gerinnsel zu finden and sollte es dann zweck¬ 
mässig scheinen, entweder ganz frisch oder spät zur Ope¬ 
ration zu schreiten, d. b. so lange das Blut flüssig oder wieder 
verflüssigt ist. 

2) v. Fick: Ueber Fremdkörperwandernng 
in den Darm. 

F. berichtet über folgenden Fall: Ein ca. 25jähriger Inge¬ 
nieur war vor 7 Monateu in Deutschland wegen Perityphlitis 
operirt worden. Die Operation soll sehr schwierig gewesen 
sein and zwei Standen gedauert haben. Es soll ein gtosser 
Abscess entleert, aber der Appendix nicht entfernt worden 
sein. Der Patient erholte sich langsam, hatte beständige 
Schmerzen im Leibe und die Heilung der Wunde nahm un¬ 
gewöhnlich lange Zeit in Anspruch. Als Patient im Juni 
nach Petersburg zurückkehrte, hatte er auf der Seereise bei 
einer kleinen Körperanstiengung plötzlich einen wüthenden 
Schmerz im Leibe und musste sich auf einige Tage hinlegen. 
Nach seiner Ankunft in Petersburg brach die Wunde wieder 
auf und es entleerte sich etwas Eiter. Im Juli wandte sich 
Pat. an F. Bei der Untersuchung lies« sich Folgendes fest- 
steilen : Ueber dem Lig. Poupartii dext. eine ca. 12-15 Ctra. 
lange Narbe, an deren oberem Ende eine kleine Fistel sass. 
Zwischen Nabel und Symphyse ein ziemlich harter, anbeweg¬ 
licher, auf Druck empfindlicher Tumor. Pat. leidet an häu¬ 
figen Schmerzen, Erbrechen und Obstipation. Er trat ins 
Alexander-Hospital ein und wurde zunächst mit heissen Um¬ 
schlägen behandelt. Unter dieser Behandlung verkleinerte 
sich der Tumor, aber Symptome von Darmunwegsamkeit tra¬ 
ten immer mehr in den Vordergrund, so dass Mitte Juli eine 
Operation beschlossen wurde. Schnitt zwischen Nabel and 
Symphyse in der Mittellinie. Es fanden sich ansgedehnte 
und feste Verwachsungen zwischen den untersten Ueam- 
scblingen und dem Coecum. Es musste noch ein Querschnitt 
durch den rechten Rechts hinzagefügt werden, um das Ope¬ 
rationsterrain frei zu legen. In einer der untersten Ileum- 
schlingen fand sich ein im Darmlumen frei beweglicher, 
weicher, elastischer Körper von spindelförmiger Gestalt, der 
das Darralumen nahezu ausfüllte und offenbar die Pas¬ 
sagestörung bewirkte. Ein Versuch, diesen Körper iu das 
Coecnm hineinzadrängen, scheiterte an einer spitzwinkligen 
Knickung und Fixation der untersten Ileuinschlinge an der 
hinteren Bauchwand. Bei Lösung dieser Schlinge gelangte 
man in eine kleine mit gelben bröckeligen Masseu gefüllte 
Höhle, deren eine Begrenzung die erwähnte unterste Ileuiü- 
schlinge bildete. Hier fand sich in der Darmwand eine zum 
glössien Theile wieder verheilte Perforationsöffiiung. Die¬ 
selbe wurde erweitert und der im Darm befindliche oben er¬ 
wähnte spindelförmige Körper extrahirt, der sich als ein in 
Marly eingenähter Wattetupfer erwies. Er war offenbar bei 
der ersten Operation in der Bauchhöhle vergessen worden, 
hatte eine abgesackte Peritonitis hervorgerufen und war 
dann mit dem Eiter in den Dann duichgebrochen. Der Ab¬ 
gang per vias naturales wurde durch die spitzwinkelige 
Kuickuug der untersten Ileumschlinge verhindert. 


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Iß 


Nach der Operation erholte sich der Patient, die theil- 
weise lamponirte Wunde verkleinerte sich, die Temperatur 
fiel zunächst ab, stieg aber nach *twa 3 Wochen wieder 
beträchtlich an. Es stellte sich ein coutinuirliclies Fieber 
ein, das anch nicht schwand, als sich in der alten Operatious- 
narbe ein Abscess öffnete. So hielt sich der Zustand längere 
Zeit, die letzte Operationswunde war fast verheilt, die Fistel 
in der alten zeigte aber keine Heilungstendenz. Bei einer 
Untersuchung dieser Fistel wurde Ende August nocli ein 
Wattetampon entdeckt, der zwischen Colon ascendens nnd 
Bauch wand lag. Nach Entfernung dieses Fremdkörpers 
schloss sich die Fistel rasch und im September konnte Pa¬ 
tient geheilt entlassen werden. (Autoreferat.) 

Discussion. 

Tiling: Der Fall ist von hohem Interesse, zumal in 
Bezog auf den Mechanismus des Zustandekommens der Ein- 
wandernng des Tampons. 

v. Fick: Aehnliche Fälle von Einwanderung von Marly* 
compressen in den Darm sind schon beschrieben worden. 

Tiling erinnert sich eines Falles, der im «Pyccaitt apxnBT> 
xspypria» beschrieben ist. Wegen eines inopeiablen Rec- 
tumcarcinoms war ein coecaler anus angelegt, da dir Roth 
jedoch seinen Weg trotzdem durchs Colon nahm, so wurde 
bei einer zweiten Operation eine Ligatur an das Colon an¬ 
gelegt und dieses abgeschnürt. Nach einiger Zeit aber trat 
wieder Wegsamkeit des Colon ein. 

v. Fick: Derartige Vorkommnisse sind beim Menschen 
selten, doch ist es mir bekannt, dass bei Hunden diese Er¬ 
scheinung sehr gewöhnlich ist, woher die Erzielung eines 
Obturationsileus bei ihnen nnr sehr selten gelingt. 

Beckmann: In Bezug auf das Vorkommen von Fremd- 
köipern in der Bauchhöhle nach Opeiationen habe ich bei 3 
Frauen Gelegenheit gehabt Marlyseivietten nach von ande¬ 
ren ausgeführten Laparotomien nachträglich zu entfernen 
und schwebe ich seitdem in steter Angst, dass mir so etwas 
auch passiren könnte. Immerhin beweisen diese Fälle die 
Exactheit unserer Anti- resp. Asepsis: denn zunächst heilt 
die Wunde und erst später bricht sie wieder auf und will 
dano nicht wieder verheilen. 

Zur Feststelinng der Anwesenheit eines solchen Fremd¬ 
körpers bediene ich mich eines kleinen Häkchens, mit dem 
ich tief in die Wunde eingehe und an dem stets Baumwoll- 
fasern stecken bleiben, die die Diagnose dann sichern. Aehn¬ 
liche Wunden treten nach versenkten Nähten auf bis diesel¬ 
ben auseitern, worauf dann Ausheiluug erfolgt, bei guter 
Prognose. 

Dobbert: Das beste Mittel derartigen unliebsamen 
Vorkommnissen vorznbeugen ist wohl die genaue Zählung 
der Stöcke von Verbandmaterial vor und nach der Operation. 

In Bezug auf den von Tiling erwähnten Fall,- in dem 
der Darm abgeBchnfirt war und wieder wegsam wurde, erin¬ 
nert D. an die Fälle, wo durch Abschnürung der Tuben vSte- 
rilität herbeigeföhrt worden sollte, nachträglich jedoch die 
Seidenfäden durchschnitten und Conception eintrat, weil doch 
keine Unwegsamkeit erzielt worden war. 

V. Fick kann in der Zählmethode keine volle Garantie 
sehen : dem Operateur kann leicht ein Tampon verloren gehen. 
Fällt die Zählung fraglich aus, so genügt eine in strengem 
Ton vorgelegte Frage des Operateurs, damit das betr. Per¬ 
sonal das Vorhandensein sämmtlicher Stöcke bestätigt. 

Tiling muss auch die Sicherheit der Zählmethode be¬ 
zweifeln. Bei ruhigen Laparotomien bietet sie Garantie, 
nicht aber bei schweren Fällen, wie z. B. Volvulns, wo man 
mit jeder Minute Narkose kargt. 

Dobbert hält die Zählmethode auch bei stürmischen La¬ 
parotomien für durchführbar: wenn die Compressen in der 
Trommel nummerirt sind, so ist das Zählen eine leichte Sache, 
die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. 

Grüning liefert zu den Fällen von Fremdkörpern in der 
Bauchhöhle einen Beitrag, der besonderes Interesse bean¬ 
sprucht. Es wnrde in Petersburg eine Myomotomie an einer 
Frau au8geföhrt. Die Frau wurde geheilt entlassen und be¬ 
gab sieb auf das Land. Nach einiger Zeit beklagte sie sich 
brieflich über gewisse Beschwerden, gegen welche ihr wieder¬ 
um brieflich Verlialtnngsmassregeln gegeben wurden. Nach 
einiger Zeit theilte sie mit, dass ihr per anum ein eigentüm¬ 
licher Körper abgegangen sei, den Bie auf Geheiss einsandte 
und der sich als ein Matlytampon erwies. 

(Schluss folgt). 


Protokolle 

des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1311. Sitzung den 6. Mai 1902. 

1. Wiedemann spricht über einen Fall vonspon¬ 
taner Uterusruptur im 7. Schwangerschatts- 
mooat. 


Auf die Seltenheit spontaner Ruptaren in der Schwanger¬ 
schaft und auf die, das Zustandekommen einer solchen ver¬ 
ursachenden, oder erleichternden, Momente in Kürze hinweisend, 
referirt Vortr. über einen im Alexandra-Stift für Frauen beo¬ 
bachteten Fall spontaner Uterusruptur, welcher aetiologlsch 
zurückzufüliren ist auf eine im vorhergegangenen Wochenbett 
überstandene Puerperalerkrankung (Metritis dissecans) und 
dadurch bedingte hochgradige partielle Verdünnung der hin¬ 
teren Uternöwand. 

Die Bäuerin M. M. 21 Jahre alt hat nach der ersten Geburt, 
(das abgestorbene Kind wnrde operativ entfernt) ein schweres 
fieberhaftes Wochenbett durcligeraacht and längere Zeit mit 
starken Rücken- und Leibschmerzen darniedergelegen. Der 
Leib soll während des Krankenlagers an mehreren Stellen 
punktirt worden sein. Nach der Genesung blieben die Menses 
längere Zeit aus, stellten sich aber späterhin regelmässig 
ein. Seit dem August 1901 sistirten die Regeln und Pat. 
fühlte sich schwanger. Die Schwangerschaft verlief bis znm 
7. März normal. An diesem Tage ging Pat. Abends in die 
Badstube, verbrachte darauf eine gute Nacht nnd hatte Tags 
darauf um 1 Uhr einen reichlichen Stuhl Um 3 Uhr wurde 
sie ohne Vetanlassung plötzlich von heftigen Schmerzen im 
Abdomen befallen. Bewusstlosigkeit, Dunkelwerden vor den 
Augen etc. trat nicht ein. Der Mann fand Pat. stöhnend anf 
dem Fussboden liegend vor und schaffte sie ins Alexandra- 
Stift, wo sie um 6'/ a Uhr Nachmittags aufgenommen wnrde- 
Bei der ersten Untersuchung konnte vom Assistenten wegen 
der kolossal empfindlichen und gespannten Bauchdecken 
nichts genaueies über die Lage des Kindes festgestellt wer¬ 
den Temperatur 37,4, Puls88. Kindliche Herztöne deutlich zu 
hören, 130 in der Minute. Die innere Untersuchung konnte 
nur eine vollkommen erhaltene Portio vaginal, und alte Cer¬ 
vixrisse constatiren; der äussere Muttermund war ein wenig 
geöffnet, der innere geschlossen; kein vorliegender Theil 
dnrchzufiihleo. Pat. ist sehr unruhig, klagt über heftige 
Schmerzen im Leibe; kein Erbrechen. Es wurden Narcotica 
und eine Klysma verordnet. Um 9 Uhr Abends Temperatur 
37,1. Puls 96. Trotz wiederholter hoher Eingiessungen gehen 
keine Flatus ab, die Tympauie nimmt zu, Anfstossen, Athem- 
noth. Am 9. März nm l Uhr Nachts wurde Vortr. zur Pat. 
gerufen weil trotz Narcoticis nnd wiederholter Clysmen keine 
Besserung eingetreten war. Die Temperatur war 37,1. Puls 96. 
Eine genaue Untersuchung war wegen der grossen Schmerz¬ 
haftigkeit nicht möglich, eine Untersuchung in Narcose wurde 
nicht ausgeführt- Gestützt auf die Anamnese, dass dag Leiden 
plötzlich aufgetreten, dass keine Ohnmachtsähnlichen Zustände 
eingetreten, dass endlich bei der Aufnahme deutlich kindliche 
Herztöne gehörtu n l gezählt worden waren, glaubte W., dass 
es sick um einen Volvulus handele. In Anbetracht des guten 
Pulses und des guten Kräftezustandes der Pat. wurde be¬ 
schlossen bis zum nächsten Morgen abzuwarteu. Im Laufe 
der Nacht nahmen die Beschwerden zu, Athmuug nnd Pols 
wurden frequenter. Um 10 Uhr Morgens war das Bild ein 
wesentlich anderes als in der Nacht. Pat. hochgradig anae- 
misch mit livid verfärbten Lippen, Puls fadenförmig ca. 140 
in der Minute. Hochgradige Atheinnoth in liegender Stellung. 
1 n Narkose ergiebt die äussere Untersuchung eine deutliche 
Dftmpfang in den abhängigen Partien des Leibes, über der 
Symphyse einen faustgrossen contrahirten Uterus, iu der 
Bauchhöhle einen frei beweglichen Foetus. Bei der inneren 
Untersuchung fühlto man eine kleine aufgelockerte, aber noch 
formirte Portio. Es war somit klar, dass eine Ruptura Uteri 
mit Austritt des Kindes in die Bauchhöhle und intratbdomi- 
neller Blutung vorlag. Es wurde daher möglichst schnell zur 
Laparotomie geschritten (Dr. Clemenz). Nach Eröffnung 
der Bauchhöhle wurde der, durch einen unregelmässig ge¬ 
formten Riss in der hinteren Uteruswand ausgetretene, Foe¬ 
tus frei in der Bauchhöhle angetroffen, vermittelst der Nabel¬ 
schnur mit der in utero retinirten Placenta in Zusammenhang 
stehend. Entfernung des Foetus und Ablösung der Placenta 
von der vorderen Uteruswand. Da der Beschaffenheit des 
Risses wegen« ein conservatives Verfahren ausgeschlossen 
war, wurde zur Totalexstirpation des Uterus mit Zurücklassen 
der Adnexe geschritten. Pat. fieberte längere Zeit nach der 
Operation in Folge von Vereiterung der Bauchwunde, kann 
aber jetzt schon als genesen betrachtet werden. 

Es folgte die Demonstration des interessanten Praeparates. 

Discnssion: 

Masing: In dem referirten Falle ist die Uteruswand an 
der Ruptnrstelle so dünn, dass wohl kaum bei Einriss grös¬ 
sere Gefässe verletzt werden konnten, da ferner die Placenta 
sich noch nicht gelöst hatte, ist wohl anzunehmen, dass in 
diesem Falle kein grosser Blutverlust statt fand, ein Umstand 
welcher anch das Fehlen collupsähulicher Erscheinungen er¬ 
klären könnte. 

Dobbert: Das Factum, dass in dem referirten Falle, 
ebenso wie iu einer ganzen Anzahl publicirter Fälle spontaner 
Ruptur während der Schwangerschaft, ausgesprochene Collaps- 
erscheinungen fehlten und doch bei der Operation in der 
Bauchhöhle bedeutende Mengen blutiger Flüssigkeit angetrof- 


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16 


fien worden, erklärt sich wohl dadurch, dass dem in der 
Bauchhöhle befindlichen Blute die zuweilen nicht unbeträcht¬ 
lichen Mengen Fruchtwassers beigemengt sind. 

2. Dr. Hoersc hei mann spricht über multiple 
Neuritis im Kindesalter und theilt folgenden von 
ihm in der Praxis beobachteten Fall mit: 

Patientin, 5-jähriges zartes nervöses Mädchen litt stets 
an träger Verdauung, hatte in der frühesten Kindheit Rachi 
tis durchgemacht c. 14 Tage nach leicht und normal verlau¬ 
fener Scarlatina traten heftige Leibschmerzen, verbunden 
mit hartnäckiger Constipation auf. Letztete trotzte allen 
Mitteln; Massage. Lavements, Abführmittel, üelelugiessuugen 
und Belladonna bleiben ohne Erfolg. 2 Tage nach den Leib¬ 
schmerzen setzten arge Schmerzen zuerst in den unteren, 
dann in den oberen Extremitäten ein. Die Schmerzen waren 
am ärgsten im Verlauf der grossen Nervenstämme, wurden 
durch Druck auf diese und auf die Muskeln, ja durch Be¬ 
rühren der Haut sowie durch Bewegungen wesentlich gestei¬ 
gert und hielten Tage und Nächte an mit nur geringen Un¬ 
terbrechungen. Zugleich mit dem Auftreten der Verstopfung 
stieg die Tp. an und blieb, so lange das acut« Stadium der 
Erkrankung währte, erhöht, d. b. c. 14 Tage- 10 Tage nach 
Einsetzen der Constipation trat zum ersten Mal uach Lave¬ 
ment reichlicher Stuhl ein, während bis dahin nur Gase und 
gefärbte Flüssigkeit oder vereinzelte kleine Scybala abgegaD- 
gen waren. 

Zu dieser Zeit hörten auch die spontanen Schmerzen in 
den Extremitäten auf, nachdem sie allmählig an Intensität 
abgenommen hatten, während die Druckempfindlichkeit noch 
einige Zeit auhielt. Wie die Schmerzen zuerst in den unteren 
Extremitäten begonnen hatten, so schwanden sie auch hier 
zuerst. Im Gefolge dieser Affecliou trat bei völlig danieder- 
liegeuden Appetit eine beängstigende allgemeine Schwäche so¬ 
wie an Parese streifende Schwäche der Beine ein, verbunden 
mit bedeutender Abschwächung der Patellar-Reflexe. Später 
konnten auch leichte Coordinations-Störunger. nachgewiesen 
werden. 

Im Lauf von Monaten erholte Pat. sich im Süden von der 
schweren Affection, doch ist auch jetzt noch (Herbst 1901) die 
Verdauung träge. 

Gestützt auf das geschilderte Symptomenbild, welches c. 14 
Tage auf eine vorhergegangene, wenn auch leichte acute In- 
fectionskrankheit folgte, glaubte Ref. wohl eine Polyneuritis 
annehmen zu können. 

In Betreff der Therapie sei nur erwähnt, das weder Lacto- 
phenin noch Natr. salicyl- wesentlichen Nutzen zu bringen 
schienen, wogegen einige Mal am Tage angewandte warme 
Bäder (30°) den Krankheitsverlnuf entschieden günstig beein¬ 
flussten. (Autoreferat). 

D i 8 c u 8 s i o n. 

Westphalen hat die kleine Pat. Hörschel manu’s 
gleichfalls gesehen, aber zn einer Zeit wo nur noch die Ob¬ 
stipation Gegenstand der Klage war, während die Neuritis 
nicht mehr bestand H. scheint in diesem Fall die Polyneu¬ 
ritis in Zusammenhang mit der Scarlatina bringen zu wollen. 
In der von Vortr. angeführten Literatur waren gleichfalls 
nur wenige Hinweise auf die Abhängigkeit der Polyneuiitis 
von Darmaffectionen vorhanden. Dagegen habe ich den Ein¬ 
druck gewonnen, dass die Polyneuritis im Kindesalter nicht 
selten ist und hauptsächlich im Anschluss an Darmaffectionen 
beobachtet wird, mir sind mehrete Fälle bekannten welchen 
dnrch Einleitung eines cellulosereichen Regimes das Leiden 
zum Schwinden gebracht werden konnte. 

Hör8c helmann. Autoren wie Muratow, Sachs u. 
A. weisen allerdings auch aut Darmaffectionen als msächli¬ 
ches Moment der Polyneuritis hin. ln meinem Falle aber 
scheint die Obstipation nicht diese Rolle gespielt zu haben, 
denn die Schmerzen stellten sich ein, obgleich die Darmaffec- 
tion erst 2 Tage bestanden hatte. So viel mit bekannt treten 
die neuriti8chcn Erscheinungen nicht so schnell. sondern in 
grösseren Zeiträumen c. 14 Tagen nach der veranlassenden 
Krankheit auf. 

Westphalen. Meist gehen Verschlimmerungen des 
Darnileiden8 mit Zunahme der neuritischen Beschwerden 
Hand in Hand, wie ich das auch bei einer Pat. von Serck 
zu beobachten Gelegenheit batte, auch genügen bei Darm¬ 
affectionen zuweilen sehr wenige Tage um Zustände wie die 
geschilderten auszulösen. 

H ö r 8 c h e 1 m a u n. Bei schon bestehender Neuritis erfolgt 
allerdings eine Besserung resp. Verschlimmerung in fast un¬ 
mittelbarem Anschluss an den Zustand der Darmaffection, ob 
aber ein erstmaliges Auftreten der nervösen Erscheinungen 
mit erst seit kurzer Zeit bestehenden Darmaffectionen in Zu¬ 
sammenhang gebracht werden darf, ist noch fraglich. 

Serck Vor einiger Zeit habe ich liier über einen dem 
Hörschelmann ’schen ganz analogen Fall referirt und 
auch noch einen zweiten zn beobachten Gelegenheit gehabt, 
ln demselben hatten 2—3 Wochen vorher Darmaffectionen 
bestanden. Eine Verschlimmerung des Darmleidens hatte stets 
Rückfälle im Gefolge. Ohne Zweifel haben wir es bei solchen 


Zuständen mit Intoxicatiunsvorgängen vom Darm aus zn 
thun. Das Vorkommen ist nicht so häufig — ich habe bis 
jetzt nur 2 Fälle zu Gesicht bekommen- 

B 1 e s s i g. Die vom Vortragenden berührte Auffassung, 
dass bei der toxischen Neuritis nicht die Nervenfasern allein, 
sondern die ganzen Neurone, einschliesslich der zugehörigen 
Ganglienzellen ergriffen sein können, ist vielleicht geeignet 
einige Wiederspriiche in der Lehre von der toxischen Neuri¬ 
tis optica, wie auch der postdiphtheritischen Accomodations- 
lähnmng zu lösen. Die letztere hat als streng isolirte Läh¬ 
mung eines Zweiges des Ocnlomotorius klinisch durchaus 
den Charakter einer Nervenlähmnng; andererseits wird sie 
aber als Folge einer toxischen Neuritis im Verlaufe des Ocu- 
lomotorins gedeutet. Es dürfte sich da um Schädigung iso- 
lirter Gesammtneurone (Nervenzellen plus zugehörige Ocnlo- 
motoriu8fiisern) handeln. Bei der toxischen Amblyopie (Aino- 
hol, Tabak etc.) ist eine retrobulbäre interstitielle Neuritis 
von U h t h o f u. A- mit Sicherheit nachgewieseu worden; 
neuerdings werden dabei aber auch Veränderungen der Gan¬ 
glienzellen der Netzhaut beschrieben, besonders bei der Chi¬ 
nin-Amblyopie. Auch hier könnte an ein gleichzeitiges Er¬ 
griffensein der ganzen Neurone (Netzhaut Ganglienzellen 
plus zugehörige Oplicusfasern) gedacht werden. 

H ö i s c h e 1 m an n. Die Majorität der Autoren spricht 
sich dahin ans, dass die centralen Veränderungen secundärer 
Natur seien. Wenn es sich um toxische Vorgäuge in den 
Cenlralorgauen handeln würde, wäre es doch auffallend, dass 
nicht das ganze Centralorg.in, sondern nur diejenigen ceu- 
tralen Theile afficirt werden, welche zu den periphär erkrank¬ 
ten Partien gehören. Richtiger scheint es mir daher zu sein, 
wie es auch von vielen Autoren gethau wird, die Verände¬ 
rungen in den Centralorganen auf degenerative Processe in 
Folge der peripheren Affectiou zurückzuführen. 

Stellvertr. Director: E. M a s i n g- 
Secretär: D o b b e r t. 


Vermischtes. 


— Professor Dr. E. v. B c r g in a n n ist au Stelle des verst. 
Rudolf Vir chow mit grosser Majorität zum Vor¬ 
sitzenden der Berliner medicinUchen Gesell¬ 
schaft gewählt worden. 

— Zu Ehrenmitgliedern der Kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg 
wurden in der Jahresversammlung der Akademie am 29. De- 
cember a pr. unter Anderen Prof. Dr. I. Metschnikow 
(früher in Odessa, jetzt am Pasteur-Institut in Paris) und der 
Director des Instituts lür experimentelle Psychologie in Leip¬ 
zig Prof. Dr. Wilhelm W u n d t (bekanntlich ursprünglich 
Physiologe) proklamirt. 

— Ordensverleihungen: Der St. Stanislaus- 
Orden 1. C I a 8 s e — den emeretirten Professoren Dr. E 
H e u b e 1 (Kiew), Dr. S n e g i r e w und Dr. S s i n i z y n 
(Moskau). Der St. W 1 ad i m i r- Or d e n 3. Classe— 
den Professoren der inedicinischen Facultäten DDr. Kapus- 
t i n nnd Kutowtschikow in Kasan, D a ui l e w s k i in 
Charkow und Tschirjew in Kiew. Der St. Wladi¬ 
mir - 0 r d e n 4- C la s s e — dem jüngeren Assistenten des 
Klinischen Instituts der Grossfürstin Helene Pawlowna 
Dr. Carl Jolunsen, welcher mit der Leitung des Laza- 
retlis auf den Namen Ihrer Majestät der Kaiserin Maria 
Feodorowna in Port-Arthur betraut worden war; Dr. 
R i c h a r d K o p p e, Arzt am Alexauder-Invaiidenasyl in 
Moskau. Der St. Annen-Ordeu 2. Classe-- dem 
Professor am St. Petersburger Klinischen Hcbammeuinstitut 
Dr. W. Stroganow und dem Prosector des St. Peters¬ 
burger Findelhauses Dr. A. Jagodinski. Der St. Sta¬ 
nislaus-Orden 2. Classe — dem Director des Muster- 
Kinderasyls des Barons Stieglitz, Staatsrat h Dr. Alfred 
F ranzen, nnd dein Director des Rodonakischen Kinderasyls 
hiei selbst, Colleg. Rath Dr. Eduard C1 e m e n z. 

— Befördert: Zu wirklichen Staatsräthen 
— der transbaikalische Gebiets-Medicinalinspector Dr. Zito- 
wi tsch und der ältere Arzt der Gardeequipage Dr. Dmi- 
t r i j e w. 

— Zum Professor für den durch Prof. Born haupt’s 
Verabschiedung erledigten Lehrstuhl der chirurgi¬ 
schen Hospitalklinik derKiewerüniversität 
ist von der medicinischen Facultät der Privatdocent Dr. Ni¬ 
kolai Wolkowitsch gewählt worden. 

— Die Aerzte des Kiewschen Militärhospitals, unter denen 
sich auch ehemalige Zöglinge der Dorpater Universität be¬ 
finden, haben dieser Universität zur Säcularfeier ein Glück’ 
wünsch- Telegramm gesandt. 

— Der Laborant beim Lehrstuhl der Pharmakologie an 
der Odessaer Universität Dr. K. Archangelsk hat sich 
als Privatdocent für Pharmakologie an der 
genannten Universität habilitirt. 


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17 


— Zum Sitz der «Freien Vereinigung de r deut¬ 
schen medicinischen Fachpresse» ist für das J ahr 
1903 Berlin gewählt worden. Zum Geschäftsführer derselben 
wnrde Prof. Dr. E u 1 e n b n r g und zum Schriftführer Prof. 
Dr. Posner gewählt. 

— Die Würzburger mediiinische Facultät hat den Hi¬ 
necker-Pr eis dein Berliner Chii urgen Prof. 0 a r 1 
S c h 1 e i c li in Anerkennung des Werthes der von ihm 
erfundenen Methode der Infiltrationsanästhesie 
verliehen. 

— Der Gouverneinents-Medicinalinspector von Tomsk, wirkl. 
Staatsrath Dr. Mat ke witsch, ist auf seine Bitte wegen 
Krankheit verabschiedet worden. 

— Der ordentliche Prof, einer, der Zoologie an der Kiewer 
Universität wirkl. Staatsrath Dr. Bobrezki ist zum Rec¬ 
tor der genannten Universität für dag näch¬ 
ste Qnadriennium ernannt worden. 

— Der stellv. Ssaratowsche Gouvernemeuts-Medicinalin- 
spector, wiikl.'Staatsrath Dr. Schmidt ist zum Direct or 
des Marien-Kinderasyls in 3saratow ernannt 
worden, unter Belassung in seiner bisherigen Stellung. 

— Verstorben: 1) In .St. Peterburg der Arzt des 
Isidor-Armenhauses hierselbst Dr. Demetrius Jenik im 
43. Lebensjahre. Die ärztliche Praxis hat der Verstorbene 
seit 1887 ausgeübt. — 2) In Uralsk der Medicinalinspector 
des Ural-Gebietes Dr. Leo Sk w orkin im Alter von 45 
Jahren. Als Arzt ist S k. seit 20 Jahren thätig gewesen, 
anfangs am Heereskrankenhause in Uralsk. — 3) In Kron¬ 
stadt der ältere Aizt der 2. Flotteuequipage Dr. Alexan¬ 
der Anissimow, welcher seit 1886 die Praxis ansgeübt 
hat. — 4) ln Nizza der Prof. ord. und Director der Breslauer 
medicinischen Klinik Dr. AdolfKast nach längerer Krank¬ 
heit im Alter von 46 Jahren. Der Hingeschiedene war an¬ 
fangs Piofessor extraord. in Freiburg, dann von 1888 Direc¬ 
tor des Stadtkrankenhauses in Hamburg, bis er 1892 als 
Ordinarius an die Breslauer Universität berufen wurde. Er 
ist mehrfacli literarisch, nameutlich auf dem Gebiete der 
Nervenkrankheiten, hervorgetreten und gab gemeinsam mit 
Dr. Rnmpel einen Atlas der pathologischeu Anatomie her¬ 
aus. — 5) Am 12. Januar n. St. zu Prag der bekannte Gy¬ 
näkologe Prof. ord. Dr. Max Saenger, Director der Pra¬ 
ger geburtshilflichen und gynäkologischen Klinik der deut¬ 
schen Universität, nach langer schwerer Krankheit. In Prag, 
wohin der Hingeschiedene ans Leipzig berufen wurde, hat 
sich derselbe in der kurzen Zeit seiner dortigen Wirksam 
keit sowohl als Lehrer und Forscher als auch als Arzt und 
Mensch die Sympathien Aller erworben. 

— Der Privatdocent der Königsberger Universität, Ober¬ 
stabsarzt Prof. Dr. Jäger ist zum ausserordent¬ 
lichen Professor der Hygiene an der Strass¬ 
burger Universität ernannt worden, unter gleichzeiti¬ 
ger Beförderung zum Generaloberarzt. 

— Prof. Länderer, Oberarzt am Carl-Olga-Kranken- 
hause in Stuttgart, ist znm Directo runde hirnr- 
gischen Oberarzt am neuen städtischen 
Krankenhanse zu Schöneberg bei Ber1 i n 
gewählt worden und hat die Wahl angenommen. 

— Der Director des pathologischen Instituts am Friedrich¬ 
städter Krankenhause in Dresden. Ober-Mediciualrath Dr. 
Schmorl, folgt einem Rufe als P r o f. ord. der pa¬ 
thologischen Anatomie an die Uni ver- 
sitätMarburg. 

— An der Berliner Universität ist eine ausseror¬ 
dentliche Professur für experimentelle 
Therapie creirt worden, welche dem Abtheilungschef im 
Institut für Infectionskrankheiten Prof. Dr. A ng. Was¬ 
sermann übertragen worden ist. 

— Der Privatdocent der Psychiatrie an der Berliner Uni¬ 
versität Dr. Max L a e h r, welcher seit einigen Jahren 
auch Director der Volksheilstätte «Haus Schönow» in Zehlen 
dorf bei Berlin ist, wurde zum Professor ernannt. 
Er ist ein Sohn des bekannten Irrenarztes Prof. Dr. La ehr, 
Besitzers des Sanatoriums «Schweizerhof» in Zehlendorf. 

— Dr. M a r m o r e k in VY ien ist der Barbier-Preis 
im Betrage von 2000 Frcs. für das von ihm entdeckte An- 
tistreptococcen-Serum zngesprochen worden. 

— Die Redaction der «Prager medicini¬ 
schen Wochenschrift» hat nach dem Tode Dr. 
Herrn heiser‘8 der Privatdocent der Dermatologie 
an der Prager deutschen Universität, Dr. Ludwig 
W a e 1 s c h übernommen. 

— Der Buchhändler Gustav Fischer in Jena, wel¬ 
cher sich als Verleger grosser medicinischer Sammelwerke 
und vieler medicinischer Bücher und Schriften um die medici- 
nische Literatur grosse Verdienste erworben hat, ist von der 
medicinischen Facultät der Freiburger Universität zum 
Ehrendoctor ernannt worden. 

— Der Gouverneur von Bessarabieu hat mittelst Circulars 
bekannt gemacht, dass die Landschaftsärzte, welche im 


Staatsdienste stehen, von den Landschaftsämtern nicht ohne 
Genehmigung des Ministeriums entlassen werden können. 

— Hohes Alter, ln London lebt noch gegenwärtig, 

wie das «Philadelphia med. Jonrn.» mittheilt, bei guter Ge¬ 
sundheit im 95- Lebensjahre Dr. Charles Nicholson, 
welcher im .Jahre 1833, also vor nahezu 70 Jahren, in Edin- 
burg das Arzliiiplom erlangt hat. Im Jahre 1834 wanderte 
er nach Australien und Hess sich in Sidney nieder, wo er 
später Mitglied des gesetzgebenden Körpers der Colonie Neu- 
Süd-Wales und 3 Mal auch Sprecher desselben war. Im Jahre 
1865 kehrte er nach London mit einem grossen Vermögen 
zurück, das er aber nicht durch die ärztliche Praxis, sondern 
durch Schafszucht in Neu-Süd-Wales und Queensland erwor¬ 
ben hat. (R. Wr.) 

— Eine Frau L. E. Agafonow hat ein Capital 

von mehr als 33,000 Rbl. zum Unterhalt na- 
bemittelter Kranken in den Moskauer städtischen 
Hospitälern gespendet. (Russ. Slowo. — R. Wr.) 

— In Warschau hat sich ein Consortiura, bestehend aus 
Warschauer, Moskauer uud französischen Capiialisten, zur 
Verbesserung und Hebung des Cnrortes Ciechocinek 
(Soolbad im Gouv. Warschau) gebildet. Das Actieucapital 
ist auf 700,000 Rbl. festgesetzt. Die Gesellschaft beabsichtigt 
in Ciechocinek ein Curhaus, ein grosses Hotel, eine Anzahl 
Villen, eine elektrische Trambahn u. dgl. m. zu bauen. 

— Die kaukasischen Bäder (Pjatigorsk, Kisslo- 
wodsk, Esseutucki uud Shelesnowodsk; wurden im Jahre 
1902 von 25,100 B ad e g ä s t e n besucht, während 1901 -- 
17,000 und im Jahre 1900 nur 13,500 Badegäste dort gezählt 
wurden. Die Zahl der verabfolgten Bäder 
und Douchen betrug im Jahre 1902 ca. 501,000 gegen 494,000 
im Jahre 1901 und 361,100 im Jahre 1900. Der grösste Bä¬ 
derverbrauch entfällt auf Pjatigorsk (236,000), der geriugsre 
auf Esseutucki (74,000). 

— Dem Fürsten Paul Lieven ist es gestattet worden, 
aut dem Gute Schloss-Srailten (im Walk’scheu 
Kreise in Livland) ein privates Krankenhaus zu 
eröffnen. 

— Aus K o 1 y w a u (Stadt im Gouv. Tomsk) kommt die 

telegraphische Nachricht, dass der dortige Stadtarzt Dr. 
Wender daselbst die erste Pasteurstatiou 
zur Be handlang der Tollwuth in Sibirien er¬ 
öffnet hat. Bf. 

— Die (iesaiDuiualil der Krauten in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 28. Dec. 
d. J. 8537 (237 wen. als in d. Vorw.), darunter 424 Typbus — 
(52 mehr), 711 Syphilis — (99 wen ), 195 Scharlach —(0 wen.), 
86 Diphtherie —(45 wen.), 72 Masern —(18 wen.) und 109 
Pockenkranke — (27 mehr mehr als in der Vorw.l 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 22. bis zum 28. December 1902. 


Zahl der Sterbefälle: 
1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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371 301 675 130 63 112 17 5 18 66 62 52 47 45 41 17 0 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 6, Typh. abd. 10, Febris recurrens 0, Typbus 
ohne Be8timmungderForm0,Pocken 6, Masern 17, Scharlach 9, 
Diphtherie 12, Croup 1, Keuchhusten 5, Croopöse Lungen¬ 
entzündung 28, Erysipelas 6, Grippe 9, Cholera asiatica 0, 
Ruhr 2, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica ö, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyämie und Septicaemie 12, 
Tuberculose der Lungen 92, Tuberculose anderer Organe 11, 
Alkoholismus und Delirium tremens 13, Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 35, Marasmus senilis 30, Krankheiten des 
Verdauungscanals 67, Todtgeborene 49. 


♦- Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 21. Januar 1903. 

Tagesordnung: Wladimiroff: Ueber Rotzdiagnose. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 13. Jan. 1903. 


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18 


CASCARINE 


PILLEN ELIXIß 

0.10 der wirk- 0,01 in einem 
samen Substanz. Esslöffel. 


Gewöhnliche Verstopfung’. 

LEPRINCE 


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62- RUE OE 'LA TOUR.’62^^ 

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t«.eir I« rvom ei U .r» 

PPIX DU FLACON sc V 


CASCARINE ist ein genau bestimmter 
Körper, krysiallisirt etc. (üomptes rendus 
de l'Acaddmie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. La M ont. Bulletin de l'Acadcmie de Me- 
decine, 14 Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Societe de Therapeutique: Constan¬ 
tia Paul; Dujardin-Beaumet/., Mcdications 
nouvelles, 2. serie; BibliotliAque Charcot- 
Gehöre, Purgatifs , p. 104: Prof. Lcinoino, 
IJlle, Therapeutique clinique, p. 305; Tison, 
liöpital St. Joseph el Congres ponr l’avan- 
• ement des Sciences, Bordeaux. 1895, 
Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege. 

Cours d'accouchements etc., etc.) 






Seine Wiikung ist constanf, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anweudungsweise ist Gewöhnung au 
das Mittel zu vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller Stuhlverstopfung, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wncherung bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

Uu W rti,niini,A Twi« / PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 
we l EL1XIR: 1 od. 2 KafFee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter {zu verringern od. zu steigern je nach d. Wirkung) 

a ----- 

PAQPARIPflNFQ Luter diesem Namen fabriciren wir kleine SUPPOSITORIEN, welche die Wirkung des 
UndUMnluUllLO „Cascarine“ auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir die Herren 
Aerzte „Cascarine Leprince“ zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: «2, Rue de la Tour, Paris (IG) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Döpots: in allen grösseren Apotheken und Droguenhandlungen Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalraih and der Minister des Innern daB «Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (17) 26— 2. 


„ICHTHYOL” und 

„Ichthyor-Verbindungen. 

„Ichthyol“ - Ammonium cum“ wird von uns" geliefert in Ori- 


Jchthargan' 
,Ichthyol“ - ( 


„Ichthyol“ - Ammonium cum“ wird von uns geliefert in Ori¬ 
ginalblechen zu 5 Ko., 1 Ko., % Ko., 
7« Ko., Vio Ko, und in Originalfla¬ 
schen zu 60 grm., 45 grm. und 30 grm. 

t v ji i» oder Thiohydrocarbürum sulfonicum - formaldehy- 

„ItlllllOlUrili datum („Ichthyol“ Formaldehyd), vorzügliches Darm- 

Antiseptikum, von uns geliefert in Originalabpackungen 
zu 25 grm. und 50 grm. 

oder Argentum thiohydrocarbüro - sulfonicum solu- 
„ItllUUirgail bile („Ichthyol“-Silber), löslich in kaltem sowie war¬ 
mem Wasser ; 30 % Silber enthaltend, hervorragendstes 
Antigonorrhoikum, von uns gelietert in Originalfläsch¬ 
chen zu 10 grm. 

*»111111 insolubile in Tabletten ä 0,1 grm., geruch- 
yjAL/ll LI1 j Ul und geschmacklos, kurzweg „Ich'.hyol “- 

Tabletten genannt, neue Form für interne 
Ichthyol-Darreichung, in Originalschachteln 
zu 50 Tabletten. 

oder »IchthyoP'-Eiseninsolubile, enth. 3V*% organ. 
yy*- Ul 1 lLIlillUl gebund. Eisen, in Tabletten ä 0,1 gr., geruch- und ge¬ 
schmacklos, indicirt bei Chlorose uud Anaemie, in Ori¬ 
ginalschachteln zu 50 Tabletten. 

Hf oc * er Meta 'K re8 °LAnytol solubile, enth. 40% Meta Kresol, 

jjlTJLüldiSUl Desinlectionsmittel in der Chirurgie, in Originalabpackungen 
zu 50 grm. 

TTll^QfiAl** 0( * er Euoalyptol-Anytol solubile, enth. 40% Eucalyptol, für 
yy 1-^IIU'Cl'SUl zahnärztliche Verwendung, bei Stomatitis etc., in Originalab¬ 

packungen zu 50 grm. 

Tnil \ yivfnl“ solubile, enth. 10% Jod, Ersatzmittel des Jodoforms, in 
O Oll“y »-A.I1 j UUl Originalabpackungen zu 50 grm. von uns geliefert. 

Wissenschaftliche Abhandlungen über vorstehende Präparate, welche aus¬ 
schliesslich von uns allein hergestellt werden und deren Zeichen uns gesetzlich 
geschützt sind, versenden gratis und franko. 

Ichthyol-Gesellschaft c ,° 6 , *-i. 


.Metasol“ 


Z.I OlilU, t VI ÜVUUV** gl HHO UI1V4 I 1 Ulir 

Ichthyol-Gesellschaft 


MT Jeder Arzt, 

welcher sein Instrumentarium billig und 
gut beschaffen will, wende sich an das 
vor 30 Jahr. gegr. Special-Geschäft für 
ärztliche Einrichtungen v. E. Schreiber, 
Berlin N. Ziegelstr. 26 d gegenüber den 
Könijfl Univ.-Kliniken. Eiu Probeauftrag 
wird die Reelität meines Geschäftes bestä¬ 
tigen u. zu ständiger Geschäftsverbindg. 
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Pereulok JÄ 16, Qn. 6. 

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Fran Adelheid von Fersen, Catba- 
rlnencanal 81, Q. 20. 

Frau Tursan, CnaccKan 21, kb. 6. 

Fran Oathariue Miohelsou, rarapiH- 
CKaa yjiMna ä- 30, kb. 17. 

Marie Winkler, yr. CoasHoea nep. ■ IIan- 
TfljelMOBCRoM y i. x. 4. mb. 11. 

Kran Hasenfuss Max. üox'fca'iecK. x-14. 
kb. 16. 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp. 6. 
JIHH. x 29, KB. 13. 

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Hans d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 19. 
Frau Elrine Juckam (Hebamme) Bac. 
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Ein neues Antlpyreticum und Antineuralgicum eegen Migräne, Neuralgien und 
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Dosirung: Täglich 6 Pulver A 0,5 bis l G. am besten in Oblaten. Auch in 

Tabletten zu 0,5 und 1 G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frieser, Wien («Medicini-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesl, Paris («Bulletin G6n6ral Thörapeutique» vom 30. März 1901). 

4 . Dr. Laumonier, Paris («Presse M6dicnl» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgetn. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 n. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt. Wien («Wiener raed. Presse» Nr. 34 vorn Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fuchs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spalier aus der medic. Abtheiluug von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin- 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarbeit Dr. de Moraes Miranda an der medicin. Facnltät in Paris. 

Alle Apotheken führen oder besorgen nnser Acetopyrin, auf das sieb alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

Engros durch alle grossen Drogen-Hänser Russlands- 

Literatur zur Verfügung. (15) 17—2. 

Fabrik G. Hell & Co., Troppau. 



Adressen von Krankenpflegerinnen: 


Frau Minna Rieser eeb. Franke Ora- 
puft neTepro$CKifi npoen. x. JA 16, 
kb- 28 , y Hobo KaxBHKHHa vocTa. 


Alexandra Kasarlnow, HiKoxaeBcnas 
yx. x. 61, rb. 32. 

Ox&ra CnkMona, Cepri jbck. x 17, kb. 19. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


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Dr. Hora me I s Haeraatogen 

Gereinigtes oonoentrirtes Haemoglobin (D. E. Fat. JA 81,391) 70.0, ohemisoh reines Glycerin 20,0, Aromatische und 

Geschmaokszusätse 10,0 (Alkohol 2°/o). 

Als blntbildendes, organelsenhaltiges, diätetisches Nähr« and Kräftigungsmittel für Kinder nnd Erwachsene bei 

Schwächeznständen irgend welcher Art unerreicht, 

-+# besonders unentbehrlich in der Kinderpraxis. 

Haematogen Hommel enthält ausser dem völlig reinen Haemoglobin (Sterilisirt, d. i. frei von den im Blute 
kreisendon Bacterien) noch sämmtlicbe Salze des frischen Blutes, insbesondere auch die wichtigen Phosphorsalze 
(Natrium nnd Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweissstofte des Serums in concentrii ter und gereinigter 
nnzersetzter Form (also nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch Säure-Pepsin oder Hitzegrade er¬ 
zeugt, ist von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albumosen nnd ppptonisirte Präparate werden, wie V o i t • 
München, N e u m e i s t e r-Jena und C a h n -Strassburg nachgewiesen haben, überhaupt nicht direkt resorbirt; ihre 
Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche Verdauung weiden 
zweifellos Stoffe zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus von höchster Wichtigkeit sind. 
Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haematogen Hommel gerade in solchen Fällen von Rhachi- 
tis, Scrophulose, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte, Präparate sowie Leberthran 
Jodeisen n. s. w. angewandt wurden. 

Haematogen Hommel kann als di ä tetisches, die tägliche Nahrung ergänzendes Mittel jahraus, jahrein ohne Un¬ 
terbrechung genommen werden. l)a es ein natürliches organisches Pioduct ist, treten niemals irgend weh he Störungen 
ein, insbesondere nicht der bei längerem Gebrauche von künstlichen Eisenpräraraten unvermeidliche Orgasmus. 


Wamn-ncr -unr TPöloplirmo*? Wir warnen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, ins- 
ff alUUlig f Ul U itilot/ilUllg* besondere vor solchen n.it Aether-Zusatz. Sie reprftsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. In solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretiousstoffeu (Hip¬ 
pursäure, Harnstoff, flüchtige Fettsäuren, Gase etc. etc.) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original-Präparat H&eüiatOQOn HOIWnOl zu ordiniren. 


Urtheil Russischer Aerzte über Haematogen Dr. «Hommel». 


«Ich habe Dr. Homroel’s Haematogen in 6 Fällen 
essentieller Anaemie angewandt und meine Beobachtungen 
au diesen Fällen sind dadurch interessant, dass ich im 
verflossenen Jahre verschiedene Eisenpräparate angewandt 
hatte mit äusserst geringem Erfolg. Nach Anwendung 
von «Dr. Hommel’s Haeraatogen» hingegen stellte sich 
ein sehr guter Erfolg ein, der sich auch nach 17» Mo¬ 
nat nach Schloss der Behandlung nicht nur nicht ver¬ 
ringert hat, sondern sogar noch weiter fortschreitet. 

Eine der auffallendsten Folge des Gebrauchs von 
«Dr. Hommel’s Haematogen 44 ist die erhebliche Anregung 
des Appetits». 

Dr. med. Schulz. Oberarzt a. Kadettenkorps i. Wladikawkas. 


«Ich habe Dr. Hommel’s Haematogen in einem 
Falle schwerer Anaemie bei einem 37-jährigen Manne 
und bei einem 15 jährigen Jungen, der sich nach einer 
Rippenresection infolge Pyothorax nur langsam erholte, 
angewandt. Das Haematogen hat hervorragendes geleistet, 
namentlich im ersten Falle, wo die übrigen Eisenpräparate 
nnd Arsen frachtlos blieben». 

Dr. Selinsky, Ordinator am Krankenhaus zu Praga 
in Warschau. 


verschwinden, kurz, Dr. Uommel’s Haematogen erweist 
sich in der Kinderpraxis häutig als mächtiges und un¬ 
ersetzliches Mittel. 

Dr. Kraushaar, polyklinischer Arzt am jüdischen 
Kiuderhospital in Warschau. 


«Dr. Hommel’s Haematogen» hat mir in zwei 
Fällen von Neurasthenie mit Anorexie und allgemeine 
Schwäche in kürzester Zeit ausgezeichnete Resultate ge¬ 
bracht leb möchte hervorheben, dass ich in beiden Fällen 
vorher 2 Monate hindurch die verschiedensten Mittel 
ohne jeden Erfolg augewaudi habe. Es ist daher be¬ 
greiflich, dass ich anch fernerhin meine Beobachtungen 
an «Dr. Hommel’s Haematogen fortsetzen will». 

Wirkl. Staatsrath Dr. med. M. N. Popow I. St. Petersburg. 


«Dr. Hommel’8 Haematogen» hat sich mir als ausge¬ 
zeichnetes Präparat erwiesen Eine anaemische Patieutln. 
die lange Zeit hindurch an Dyamenorrboea und Anor¬ 
exie, verbunden mit Schwindel uud Kopfschmerz litt, 
konnte nach 4 wöchentlichem Gebrauch Ihres Mittels, als 
geheilt angesehen werden». 

Gehelmrath Dr. med. Wiljamowsky. Korpsarzt in Wilna. 


«Je hänfiger ich meinen kleinen Patienten «Dr. Hom- «Ich habe «Dr. Hommel’s Haematogen» wiederholt 

mel’s Haematogen» verordne, um so mehr gelange ich in Fällen von schwerer Anaemie nach starken Blut- 

znr Ueberzengung, dass wir im «Hommerschen Haema- verlustenpost partum nnd bei Aborten, mit grossem Er 

togen» ein in vielen Fällen unersetzliches Mittel besi- folg verordnet und jedes Mal eine Besserung der Kräfte 

tzen. Die besten Ei folge erzielt man damit bei Ernäb- und das Allgemeinbefindens wahrnehmen können», 

rnngsstörungen, Schwftchezuständen, bei Anaemie, Sero- Dr. Jarowoi, Ordinator am Kiewschen- Kirillschen 

phulose, Rachitis, in der Reconvaleszens n. s. w. Das Hospital in Kiew. 

Aussehen der Patienten, bessert sich, die Hautfarbe fri- _ 

scher, die Symptome der Rachitis nnd der Scrophnlose 

Yersnchsqnante stellen wir den Herren Aerzten, die sich dorch Eigenproben ein Urtbeil bilden wollen, gerne gratis 
nnd franko znr Verfügung und bitten wir Solche von unserem Versandt-D^pot: Apotheke auf Gross- 
Ocbta in St. Petersburg zu verlangen. 

Tages-Dosen: Säuglinge 1—2 Theelöffel mit der Milch gemischt (Trinktemperatur!), grössere Kinder 1—2 Kinderlöffel 
(rein!!), Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem Essen, wegen seiner eigentümlich stark appetit- 
■ anregenden Wirkung. 

Verkauf in den Apotheken in Original-Flaschen. (8'/> Unz.) zn 1 Rub. 60 Kop. 

NICOLAY & Co. Zürich. (4i 4_i. 


Ä oan. neia. Cnö., 16 HHBapal903r. Herausgeber Dr.Hudolf Wan ach. Buchdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. M 16. 


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XXVIII. JAHRGANG. ST. PETERSBURGER Nene Folge XX. Jahrg. 

MEE1CIIISCIE W0DE11SCERIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr, Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals. 

Elsa. 


Dl« «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jedenj 
Sjnnebend. — Der Abonnuaentipreii ist in Buialanä 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellnng; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Inaertionsprsis 
fürdie 3 malgespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Aotoren werden 
Referate werden 


25 8eparatebzügeihrer Originalartikel zngesandt.— 
a nach dem äatze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


W~~ Abonnements-Anftr&go sowie alle Inserate 
bittet mau ausschliesslich an die ßiichhaudlung von Z. L. Biokor in 
St.Petersburg,Newsky-ProspectAI 14, zu richten—M a ans oripte 
sowie alle anf die Redaction bezüglichenMittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr.Budolf Wanaoh in St.Pe- 
tersbnrg, Petersborger Seite,Peter-Paulhospital zu richten Sprach* 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag von 2—3 Uhr. 


M 3 


St. Petersburg, 18. (31.) Januar 


1903 


Inhalt: Dr. Sadikow: Zur bevorstehenden staatlichen Controlle über die Leprakranken. — Dr. med. J. Wellberg: 
Ueber eine deutsche ärztliche Studienreise nach den sächsischen »nd boelimischen Bade uud Kurorten. — Bticheranzeigen 
und Besprechungen: Sammelutlas für den Bau von Irrenanstalten. Herausgegeben von Dr. Kolb. — Operative Gebnits- 
hülfe für Aerzte nnd Studireude von Wilhelm Nagel. — Allgemeine Gynaecologie von ß. ßossmaun. — Vermischtes. 
— Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. —Anzeigen. 


Zur bevorstehenden staatlichen Controlle Uber 
die Leprakranken. 

Von 

Dr. Sadikow. 

Vortrag, gehalten auf dem XIV. Livl. Aerztetage zu Fellin. 

September 1902. 

Meine Herreu! 

Wie Ihnen vielleicht bekannt sein dürfte, ist jetzt 
am 26. März c. die Lepra als ansteckende Krankheit 
endlich vom Medicinalrath anerkannt worden nnd können 
auf sie die verschiedenen Gesetzespnragraphen gegebenen 
Falls auch in Anwendung gebracht werden. Den Gon* 
verneuren derjenigen Gouvernements, in welchen Lepra 
vorkommt, ist vom Minister des Innern vorgeschrieben 
worden, bei der Gouvernements-Regierung eine Com¬ 
mission zn bilden, welche in allen die Lepra berühren¬ 
den Sachen die massgebende Behörde sein soll nnd wel¬ 
che zugleich auch eine ständige Controlle über die Le¬ 
prösen ausüben soll. 

Für diese Commission, zn welcher jedenfalls der Me- 
dicinalinspector und noch 2 Aerzte gehören müssen, 
werden jetzt Instructionen und Reglements ausgearbeitet. 

Unser Aerztetag, m. H., hat sich speciell aller Lepra- 
Angelegenheiten stets angenommen nnd daher, glaube 
ich, wäre es für diese Sache durchaus wichtig und an¬ 
gebracht, dass wir uns in dieser auch äussern und 
dürften unsere Ansichten nicht ganz ohne Einfluss auf 
die ganze Organisation- and was damit zusammenhängt 
bleiben. 

In Kurland sind wir Kreis- und Stadtärzte vom Gou¬ 
verneur beauftragt worden, Projecte einer Instruction 
für die Lepracommission and Regeln für eine häusliche 
Isolation der Leprösen aaszuarbeiten. Wie ich mir die 
Sache gedacht habe, möchte ich Ihnen hier vorlegen und 
hoffe, dass die Discnssion hierüber manches Werth volle 
bringen wird. 

Im Medicinalrath ist die Lepra nicht einfach für 
eine Infectionskrankheit erklärt worden, sondern nnr 


bestätigt worden, dass einige Formen der Lepra infec- 
tiös sind. 

Welche Form im gegebenen Falle vorliegt, soll unter 
anderen die Gouvernements-Commission zu entscheiden 
haben. 

Hier auf dem Aerztetage haben wir bisher uns an¬ 
ders gestellt. Wir haben die Lepra jedenfalls für eine 
infectiöse Krankheit erklärt, haben aber zugegeben, 
dass in einzelnen Fällen die Möglichkeit, durch den 
betreffenden Kranken inficirt zu werden, eine recht ge¬ 
ringe ist. Ich z. B. halte eine Infeclion bei einem 
Kranken in späterem Stadium der sog. Lepra maculosa 
und beim Leprösen der tuberösen Form, wo die Kno¬ 
ten zu festen, narbigen Geweben geschrumpft sind und 
keine äusseren oder inneren Ulcerationen bestehen, für 
recht unwahrscheinlich. Dazu aber, eine Form der 
Lepra, welche nicht infectiös ist anzunehraen, habe ich 
mich nbch nicht aufschwingen können. Hierüber müsste 
sich unser Aerztetag äussern, denn die Anschauungen, 
wenn auch der obersten Medicinalobrigkeit, sind für 
die Wissenschaft doch nicht das Massgebende. 

Die Commission soll, gemäss dem Circulär des Medi- 
cinalratbs, nicht nur bei den sich findenden Leprösen 
bestimmen, ob die Lepra ansteokend oder nicht, sondern 
im Hinblick auf die Möglichkeit der Uebertraguug der 
Krankheit und die Zweckmässigkeit den Kranken zu Hause 
zu isoliren, auch die*Bedingungen, wie er zu leben und 
zu wohnen hat. Ebei.so hat die Commission die Kran¬ 
ken zu besichtigen, $etin diese aus dem Leprosoriura 
fort wollen and auch der Anstaltsarzt meint, dass die 
Lepra bei ihnen den ansteckenden Charakter verloren 
hat, und Uber ihre Entlassung ans dem Leprosorium 
dann zu entscheiden. Die Commission würde meiner 
Ansicht nach bestehen unter dem Präsidium des Medi- 
cinalinspectors aus den ständigen Gliedern für bäuer¬ 
liche and städtische Angelegenheiten der Gouvernements- 
RegieruDg und mindestens 2 in Leprasachen erfahrenen 
Aerzten (am Besten Kronsärzte, welche zugleich Lepro- 
sorien leiten). 


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&2 


Für eine so zusammengesetzte Commission habe ich 
folgende Instructionen projectirt: 

Die Commission hätte jährlich 4 ordentliche Sitzungen 
abzuhalten. Sitzungsort die Gonvernementsstadt, doch 
können auch andere Orte des Gouvernements, wenn 
nöthig, ausnahmsweise dazu gewählt werden. Ebenso 
können Extrasitzungen stattfinden. 

Vor die Commission competiren: 

1) Alle strittigen Fragen in Betreff der Lepra und 
der Leprosorien. 

2) Ob häusliche Isolirung gegebenen Falls anzuwen¬ 
den oder Internirung in ein Leprosoriora. 

3) Besichtigung der Leprösen, welche aus den Le¬ 
prosorien entlassen werden sollen. 

4) Abfertigung von Leprösen aus der häuslichen Iso- 
lirnng ins Leprosorium wegen Zunahme der Krank¬ 
heitserscheinungen oder Nichteinhalten der Vorschriften. 

5) Bestrafung der Leprösen, welche sich gegen die 
Vorschriften und die Verwaltung der Leprosorien ver¬ 
gangen. 

Die Strafe besteht in Carcer auf eine von der Com¬ 
mission bestimmte Zeit. In Fällen besonderer Hart¬ 
näckigkeit und dergleichen kann der Betreffende mit 
Einverständnis des Arztes des betreffenden Leprosoriums 
auch auf Wasser und Brod gesetzt werden. 

A n m. Mehr als 1 Woche Carcer muss vom Gou¬ 
verneur bestätigt werden. 

6) Bestätigung der Hausregeln der einzelnen Lepro¬ 
sorien. 

7) Weitere Vertretung der Gesuche der einzelnen 
Lepragesellschaften um Mittel zum Unterhalt. 

8) Ablassung der Kronsunterstützung für die einzel¬ 
nen Leprosorien. 

9) Recheuschaftsabnahme der einzelnen Lepragesell¬ 
schaften nnd Leprosorien über die erhaltenen Unter- 
stützungssummen. 

10) Bestätigung der Pläne und Kostenanschläge von 
Neubauten für Unterstützungsgelder. 

In Sachen, welche nicht durch die Instruction vor¬ 
gesehen sind, hat die Commission eine Eingabe an den 
Gouverneur zu machen. 

Amtspersonen und Behörden haben auf Bitte der Com¬ 
mission ihre Anordnungen zu erfüllen. 

Die Mitglieder der Commission erhalten auf allge¬ 
meiner Grundlage Diäten und Fahrgelder. 

Für die häusliche Isolirung könnten, glaube ich, fol¬ 
gende Regeln zur Richtschnur dienen: 

1) Häuslich isolirt werden können nicht Lepröse, 
welche einen Zerfall oder drohenden Zerfall der Lepra¬ 
knoten im Munde in der Nase, dem Rachen und den 
Athmungsorganen oder überhaupt Wunden am Körper 
haben. 

A n m. Eine Ausnahme kann die Commission machen 
mit intelligenten Kranken gebildeter Stände. 

2) Für Isolirung zu Hause würden sich eignen 
Lepröse der anästhetischen Form nnd der anderen, bei 
denen die Wunden und Knoten in feste Narben sich 
umgebildet haben. 

3) Ein Lepröser, der zu Hause isolirt werden will, 
muss bei der Commission nachweisen, dass er eigene 
oder von Anderen erhaltene, dazu genügende Aliitel hat. 

4* Der Lepröse muss eine besondere Wohnung haben, 
d. h. ein besonderes von ihm bewohntes Häuschen, oder 
doch wenigstens ein besonderes, mit dem übrigen Quar¬ 
tier nicht in Zusammenhang stehendes Zimmer. Dieses 
muss ausser d« j m besonderen Eingänge auch eine be¬ 
sondere Retirade haben. 

Anmerkung. l\s ist erlaubt, dass mehrere Lepröse 
in einer Wohnung wohnen. 

ö) Auf der Thür der Wohnung eines Leprösen muss 
ein Schild nach einer für das ganze Gouvernement be¬ 


stimmten Form mit der Aufschrift in den 3 Landes¬ 
sprachen «Vorsichtig», «Lepra», angebraoht-sein. 

6) Kleidung’, Wäsche, Geschirre und überhaupt alles 

von Kranken gebrauchte darf ausschliesslich nur, v^n 
ihnen benutzt werden. s v ; V > M / 

7) J)ie Wäsche der Leprösen mus$ ghso>ndert rvon-ier 
Wäsche anderer Personen gewasclje^ ^eriieai. • Sie 

vor dem Waschen 24 Stunden 4n einet warmea^LöSufig 
von grüner Seife liegen. Die Wäsche «1er Leprösen dür¬ 
fen nur Personen mit völlig gesunden Händen waschen, 
d. h. ihre Hände dürfen keine Verwundung, Schrammen 
oder andere JHautverletzungen haben.,. 

8) Die Essgeräthe der Leprösen müssen auch geson¬ 
dert in einem besondern Gefäss nur von Personea, wel¬ 
che in oben genanntem Sinne gesunde Hände haben, 
gewaschen werden. 

9) Die Sachen eines Leprösen dürfen nur nach gründ¬ 
licher Desinfection andern Personen übergeben werden. 
Sachen, welche nicht genügend desinflcirt werden kön¬ 
nen, müssen, wenn der Kranke ihrer nicht mehr bedarf, 
verbrannt werden. 

Anmerkung. Dieses bezieht sich auch auf von ei¬ 
nem verstorbenen Leprösen hinterlassene Sachen. 

10) Isolirte Lepröse können keinerlei Beschäftigungen 
ergreifen, durch welche sie mit gesunden Personen in 
häufigere Beziehung kommen müssen. 

11) Lepröse dürfen nicht Beeren, Pilze und andere 
von ihnen gesammelte Früchte oder von ihnen angefer¬ 
tigte Sachen irgend einer Art, welche nicht vorher ge¬ 
nügend desinflcirt werden können, verkaufen. 

12) Die Pflege der Leprösen dürfen nur genügend in¬ 
telligente, mit keinerlei Ausschlägen oder Wunden be¬ 
haftete Personen übernehmen. 

13) Diese Pfleger müssen in einem besondern Zimmer 
wohnen und müssen während ihres Verweilens beim Le¬ 
prösen weisse leinene Kittel tragen. 

14) Wenigstens 2 Mal jährlich muss der isolirte Le¬ 
pröse vom betreffenden Kreis- oder Stadtarzt besucht 
werden, wobei derselbe sich vom Gesundheitszustände 
des Leprösen, und ob Letzterer alle Vorschriften der 
häuslichen Isolation erfüllt, zu überzeugen hat. Wenn 
Letzteres nicht der Fall ist, muss der Arzt davon die 
Commission benachrichtigen. 

15) Der Lepröse ist verpflichtet eine Verschlimmerung 
seines Zustandes dem betreffenden Kreis- oder Stadtarzt 
anzuzeigen. 

16) Beim Besuche der Kirche oder anderer Orte, an 
denen eine grössere Ansammlung von Personen statt¬ 
findet, hat der Lepröse sich möglichst fern von den Ge¬ 
sunden zu halten. 

17) Gesunde Personen zu besuchen oder bei sich auf¬ 
zunehmen ist dem Leprösen nur für kurze Zeit, unter 
Beobachtung aller Vorsichtsmassregeln erlaubt. 

. A n merkung. Mit Gesunden zusammen zu übernäch¬ 
tigen oder Mahlzeiteu einzunehmen ist Leprösen 
verboten. 

18) Ein verstorbener Lepröser muss nach den für 
an ansteckenden Krankheiten Verstorbene geltenden Re¬ 
geln, beerdigt werden. 

19) Wenn ein isolirter Lepröser gestorben ist, so muss 
dieses dem localen Vertreter der Medicinalverwaltung 
angezeigt werden. 

20) Lepröse, welche diese Regeln für die häusliche 
Isolirung nicht befolgen, verlieren die Berechtigung 
hierzu. 

Meine Herren. Wenn ich Ihnen hier die von mir 
ausgearbeiteten Projecte für die Kontrolle Uber die Le¬ 
prakranken im Gouvernement vorgelegt habe, so meine 
ich nicht, dass ich hiermit Ihnen etwas gebracht habe, 
was vielleicht irgendwie massgebend sein könnte. Ich 
möchte nur dadurch veranlassen, dass Sie sich in der 


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23 


Discossion za dieser Sache hören lassen. Die in den 
Gottvernementsbehördeii ausgearbeiteten Reglements müs¬ 
sen noch dem Minister des Innern zur Bestätigung vor¬ 
gestellt werden und könnte, wenn der Aerztetag, der 
doch quasi den ärztlichen Stand in den 3 baltischen 
Gouvernements vertritt, darüber seine Ansichten äussert, 
dieses doch auch von Bedeutung in dieser uns Alle 
mehr oder weniger angehenden Angelegenheit sein. 


lieber eine deutsche ärztliche Studienreise nach den 
sächsischen und boehmischen Bade- und Kurorten. 

Von 

Dr. med., J. W ellberg, 

Moskau. 

Nach fi anzösischem Muster hat sich in Deutschland vor 
zwei Jahren ein «Comite zur Veranstaltung; ärztlicher Studi¬ 
enreisen in Bade- upd Kurorten» gebildet. Vorsitzender die¬ 
ses .Comitöes ist Prof. E. v. Leyden in Berlin, Mitglieder 
desselben — die DDr. VV. H. Gilbert — Baden-Baden, P. 
M e i a 8 n e r —• Berlin nnd A. O 1 i v e n — Berlin. Unter 
Führung dieses Comitöes hat im September 1901 die erste 
Studienreise stattgefundeu und zwar nach den deutschen 
Nordneebädern. Es haben an ihr ca. 400 Aerzte theilgenom- 
men, und sie soll zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallen 
sein.Die diesjährige Reise war nach den sächsischen und 
böhmischen Bädern bestimmt — mit dem Ausgangs¬ 
punkte Dresden — und hat vom 10.—20 September (28. Au¬ 
gust bis 7. September) stattgefunden. Schreiber dieses hat an 
ihr theilgenominen und war nicht der einzige Ausländer un- 
t$r den Theilnehmern, sondern fand auch solche aus Oester- 
reich-jJngarn, der Schweiz, Holland, England, Schweden und 
noch zwei ans Russland vor. Diese geringe Betheiligung von 
Russland her — 2 Aerzte (Moskau nnd Odessa) 1 Chemiker 
^Moskau) — lässt schliessen, dass diese deutschen ärztlichen 
Studienreisen bei uns in Russland noch sehr wenig bekannt 
sind. Da nun einerseits das Comitee zur Veianstaltung die¬ 
ser Reisen nicht gegen eine Betheiligung von Ausländern ist, 
sondern eine solche sogar gern sieht, und andererseits es 
sich wirklich verlohnt, an diesen Reisen theilzunehmen, hält 
es Schreiber dieses für angebracht, seine Collegen in Russ¬ 
land mit der diesjährigen Studienreise etwas näher bekannt 
zu machen, um sie eventuell zu einer lebhafteren Beteili¬ 
gung an den folgenden Reisen anznregen. 

Man kann über den Werth solcher Studienreisen a priori 
verschiedener Meinung sein, — sie vielleicht mehr für Ver- 
guügungs- denn für ernste Studienreisen halten. Verfasser 
dieses hat, als er die Aufforderung zur diesjährigen Reise iu 
der «Berliner klinischen Wochenschrift» las, sich auch nicht 
gerale viel Ernstes von der Reise versprochen, — hat sie 
mitgemacht, weil ihn die Gruppe der Bade- und Kurorte, in 
die die Reise gehen sollte, ganz besonders interessirte. Jetzt 
aber, wo er auf all das Gesehene und Gehörte, kurz auf all 
das Miterlebte zufückschant, sagt er sich doch, dass man den 
Werth solcher Reiseu nicht unterschätzen darf. Es ist doch 
ein auder Ding, ob man die verschiedenen Bade- und Kurorte 
ans dem Vortrage des Lehreis oder ans dem Lehrbuche der 
Balneologie kennen lernt, — oder aus eigener Anschauung. 
Gerade wenn man schon als in der Praxis stehender Arzt 
die verschiedenen Bäder sich ansieht, ihre Einrichtungen und 
ihre landschaftlichen Vorzüge kennen lernt, auf die Woh- 
nnngs- und Verpflegungsverhältnisse daselbst achtet, wird 
man manches corrlgfren und manches erweitern, was man 
über sie bis dahin gewusst hat, nnd wird überhaupt viel wei¬ 
ter? und richtigere Begriffe von ihnen bekommen, als es auch 
das beste Werk und der schönste Vortrag einem zu bieten 
vermag. Man wird dann bei seinen Verordnungen sowohl un¬ 
ter den Kranken wie unter den Bädern viel mehr indivi- 
dnalisiren können, nnd darauf kommt'es doch sehr an. 
Man wird da seinen Diabetiker nicht immer nur nach Karls¬ 
bad schicken, seinen Fettleibigen nicht immer nur nach Ma¬ 
rienbad, seinen Herzkranken nicht immer nur nach Nauheim, 
— wird ein krankes Ehepaar nicht immer zu trennen brau¬ 
chen, sie nicht nur nach Franzensbad und ihn etwa nach 
Karlsbad schicken, sondern wird sie unter Umständen mit 
gleich gutem Erfolge beide in Franzensbad oder Karlsbad 
oder anderswo belassen können. — So ist es von grosser 
■Bedeutung, wenn der Arzt die verschiedenen Kurorte ans ei¬ 
gener Anschauung kennt, — und dieser Umstand ist denn 
auch der innere Werth solcher Studienreisen. Dass dabei 
der andere Faktor, der heitere, der vergängliche, uicht zu 
kurz kommt, ist ja nur eine Anuehmlichkeit mehr, denn Er¬ 
holung, Zerstreuung sucht man doch auch auf solch’ einer 
Reise. ; 


Da wir Aerzte Russlands nun mit unseren einheimischen 
Kurorten noch nicht auskomroen können, immer noch auch 
auf die ausländischen angewiesen sind, so können • wir uns 
einer solchen guten, billigen nnd bequemen Gelegenheit, die 
ausländischen kennen zu lernen, doch nur freuen. — Die 
letzte deutsche Studienreise nun, nach den sächsischen und 
böhmischen Bädern und Kurorten, war eine so anregende, 
interessante und auch amüsante, dass ich gern Gelegenheit 
nehme, von ihr zu berichten. Schon die Organisation des 
Ganzen ist der Beachtung werth. Gleich auf die erste schrift¬ 
liche Anmeldung hin erhielt man ein «vorläufiges Pro¬ 
gramm» zugeschickt, das die ganze Reise auf Tag und Stunde 
vertheilt enthielt, so dass man sich schon za Hause genau über 
die einzelnen Phasen der Reise orientiren konnte. Dieses Pro¬ 
gramm ist auch, wie gleich vorweg bemerkt werden soll, bis 
auf kleine, ganz untergeordnete Abweichungen eingehalten 
wenden. Der Gesammtpreis für die elf Reisetage betrug 150 Mark 
(= 70 Rbl ); 25 M- mussten als Einschreibegebühr verausbe- 
zahlt werden, — 125 M. bei persönlicher Meldung in Dresden. 
Für diese 150 Mark resp. 70 Rbl. hatte man freie Fahrt per ' 
Eisenbahn und per Schiff, freies Quartier überall und volle 
Verpflegung, etc. Wein und Bier. Zwei von den elf Tagen 
verbrachten wir schon für dieses Geld in Dresden selbst, 9 
kommen auf die eigentliche Reise überall wurde man auf’s 
beste anfgenoramen und verpflegt und so gastfrei bewirthet, 
dass man für Getränke und an Trinkgeldern im Ganzen nur 
eine Bagatelle zu zahlen hatte. -- Der officielle Beginn der 
Studienreise war auf den 10. Septbr (28. August) festgesetzt 
worden, das Comitöe hatte aber schon am 7. Septbr. sein 
Bureau in Dresden aufgeschlagen und zwar in Sendig’s Hö¬ 
fel «Europäischer Hof». Am Abend des 9. September waren 
schon die weitaus meisten Theilnehmer in Dresden zur Stelle, 
und das gleich ansgegebene gedruckte Theilnehmerverzeichnis 
wies 250 Namen auf. Bei persönlicher Meldnng im Bmvau 
und bei Entrichtung der restirenden 125 Mark erhielt man 
eine kleine hübsche Mappe mit all den «Papieren», die man 
für die Reise nöthig hatte. Da war zunächst das Th eil- 
n e h m e r h e f t, mit Namen und Jß des Inhabers versehen 
und mit all den Coupons für Logis, Diners. SouDers und son¬ 
stige gemeinsame Unternehmungen. Diese Coupons waren 
theils als Zahlung, theils als Ausweise (Legitimation) abznge- 
ben und hatten zur leichteren und rascheren ürienfirung ver¬ 
schiedene Farbe; die Qnartierkarten waren blau, die Speisekarten 
roth und die Fahrkarten gelb. Ferner gab es in der Mappe 
ein sog. «Rundreisebillet», von Dresden ausgehend nnd in 
Dresden endigend, — mit 45 Tagen Gültigkeit. Wer also in 
Karlsbad, dem Endpunkte der Reise, noch länger bleiben 
wollte, dem standen noch 34 Tage zur Verfügung. Die Billete 
waren natürlich nur I. und II. Blasse, die Reise erfolgte aber 
auf der ganzen Strecke per Extra-Salondampfer und per 
Extra-Zug, so dass jeder Theilnehmer es sich bequem machen 
konnte, wo und wie es ihm gefiel. 

Ferner enthielt die kleine Mappe ein ausführliches Pro¬ 
gramm der ganzen Reise, — dann das genannte Theilnchmerver- 
zeichniss, nach Namen und nach Wohnorten alphabetisch ge¬ 
ordnet — weiter ein Heftchen mit eingedruckten Notizen 
über die auf der Reise zu berührenden Orte und Gegenden. 
— dann die Reiseroute als kleine Landkarte und noch ver¬ 
schiedenes andere Nützliche und Angenehme. Man war wirk¬ 
lich durch den Inhalt dieser kleinen (Taschen-) Mappe von 
vornherein über alles so genau unterrichtet, dass man nie¬ 
manden mehr nach etwas zu frageu brauchte. — Zur äusseren 
Kennzeichnung der Reisetheilnehmer wurde einem noch ein 
hübsches Abzeichen zum Austecken eingehändigt. 

Mit diesem allen ausgerüstet begaben wir, Theilnehmer, 
uns am Morgen des 10. September in die Aula der Königlich- 
Technischen Hochschule zur feierlichen Eröffnung unserer 
Studienreise. Diese Eröffnung war eine sehr officielle und 
höchst feierliche. Wir wurden nicht nur von unserem Ko- 
mite begrüsst, sondern anch von Vertretern der hohen 
Staatsregierung und des Landesmedicinnlkollegiums, der 
Stadtverwaltung und der Orts-Aerzteschat't bewillkommnet 
und für die weiteie Reise beglückwünscht. 

Zu guterletzt gab es einen sehr interessanten, lichtvollen 
Vortrag «über die sanitären Verhältnisse Dresdens» von dem 
Versitzenden der Dresdener städtischen Sanitätscommission, 
Geheirarath Dr. N i e d n e r. — Bekommt man schon so als 
Durchreisender von Dresden bald den Eindruck, dass es eine 
sehr saubere Stadt ist und daher auch eine gesuude Stadt 
sein muss so ist man geradezu erstaunt zu hören, was da 
nicht alles von der Stadt zu deren Reinigung und Gesun¬ 
dung schon geschehen ist und noch geschieht. Die Wasser¬ 
versorgung, die Abwässerung, das Badewesen, das öffent¬ 
liche Fuhrwesen, die Hospitäler, die Anzeigepflicht bei an¬ 
steckenden Krankheiten, der Krankentransport u. drg. lii , 
das ist alles anf der Höhe der Jetztzeit, — nnd man em¬ 
pfindet es wirklich selbst, wenn mau den Redner sagen hört: 
«Dementsprechend sind auch uusere öffentlichen Verkehrs¬ 
mittel, ganz besonders aber unsere Strassenbahnen. nicht 


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24 


bloss änsserlich schmuck nnd rein, sondern fluch im Innern 
so sauber gehalten, dass jedermann darin ungescheut Platz 
nehmen kann, ohne besorgen zn müssen, dass die Hände 
scbmntzig und die Kleider staubig werden». Ja, es jauchzt 
einem förmlich das ärztliche Herz im Leibe, wenn man er¬ 
fährt, dass — «der Transport eines ansteckenden Kranken 
mittels der städtischen Krankenwagen dem Kranken, er 
mag arm oder reich sein, keinen Pfennig kostet und ferner, 
dass diese freigebige Massregel die Benutzung der Kranken¬ 
wagen so populär und selbstverständlich gemacht hat, dass 
es weder dem Kranken noch seinen Angehörigen mehr ein¬ 
fällt, ein anderes Fuhrwerk zum Transport in Anspruch zu 
nehmen. Es kann daher jetzt jedermann in Dresden öffent¬ 
liches Fuhrwerk benutzen, ohne Gefahr zn laufen, dass kurz 
vorher ein ansteckender Kranker den Wagen benutzt und 
inücirt hat.» — Wie einfach und selbstverständlich doch das 
alles, und wie weit sind wir hier noch von alledem entfernt! 
— ln Dresden verweilten wir, reisende Aerzte. 2 volle Tage 
und hatten da verschiedene gemeinsame Diners und Soupers, 
machten eine sehr schöne gemeinsame Spazierfahrt durch die 
Stadt in e. 50 eleganten Equipagen, konnten eine Festvorstel¬ 
lung in der Königl. Oper besuchen, wurden per Sonderzug 
nach einem Königl. Steinkohlenbergwerk hinausgebracht, um 
uns dort die Mannschnfts- (Reinignngs- und Heil-) Bäder an- 
zuseheu, und bekameu am Abend des ersten Tages einen 
sehr animirten «Gastabend» (Bierabend) im Etablissement 
«Waldschlösschen» bei Dresden von der Stadt angesetzt. — 
Sehr viel Zeit wurde von den Collegen natürlich auf die Be 
sichtigung der Hospitäler verwendet. Auch das Königl- me- 
dico-mechanische Institut (alias Zander-Institut), das wir in 
voller Thätigkeit zn sehen bekamen, wurde in Augenschein 
genommen. Es heisst «Königliches» med -mech- Institut, ist 
aber eine Privatanstalt und zwar eines Balten, des aus Riga 
stammenden und in Dorpat zum Dr. med. creirten Collegen 
Hans Rey her. Sein Institut ist grossartig angelegt, sehr 
vollständig eingerichtet und erfreute sich eines sehr grossen 
Zn8prucli8- Es ist doch merkwürdig, dass bei nns in Russ¬ 
land entweder gar kein Zander-Instiiut existirt. (Moskau 
z. B), oder — wenn eins da ist (Petersburg) — es, wie man 
hört, nur kümmerlich seiu Dasein fristet, Und welch ein 
Segen liegt doch oft in solch einem medico-mechanischen In¬ 
stitute, — nicht nur für chirurgische, sondern auch gerade 
für therapeutische Krankheitsfälle. 

Das neuerrichtete Dresdener «Johannstädter» Krankenhaus 
wurde von den Collegen vielfach für das beste seiner Art in 
Europa erklärt, und man fand die dafür aufgewandten 6 
Millionen Mark garniclit zu hoch für das dort Gebotene und 
Erreichte an Betrieb und Einrichtungen. Die nene Königl. 
Frauenklinik wurde nicht gezeigt, weil sie noch nicht so weit 
fertiggestellt war. — Nach diesen zwei Dresdener Tagen 
begann am dritten die eigentliche Reise. Friili um 8 Uhr 
schon brachte uns unser festlich bewimpelter Salondampfer 
«Augusta-Victoria» fort von Dresden elbaufwärts nach Wehlen 
einem kleinen Orte am Fnsse der sächsischen Schweiz. 

Von Wehlen aus wurde ein gemeinsamer Spaziergang auf 
die «Bastei» gemacht, dort nach vollbrachtem Marsche ein 
schon bereitstehendes Frühstück rasch eingenommen und noch 
einige Zeit auf den Genuss des herrlichen Ausblicks von dort 
oben verwendet. Aber so lange wie man wollte, durfte man 
sich dem nicht hingeben, denn die Zeit war knapp, und das 
Tagespensum gross, — da hiess es denn stramm wieder 
hinab zur Elbe auf einem anderen Wege nnd zu einer anderen 
Haltestelle, wo auch schon unser Dampfer mit unserem Ge¬ 
päck davorlag. Ohne viel Verzug brachte er uns nn den 
malerischen Elbufern vorbei weiter stromaufwärts nach dem 
kieinen, von der mächtigen Felsenfestung gleichen Namens 
überragten Städtchen Koenigstein. Hier wurde ausgestiegen, 
um den in der Nähe gelegenen Kurort K o e n i g 8 b r u n n 
zu besuchen. Der Ort bietet kein besonderes Interesse dar, 
ist ein kleiner idyllischer Kurort für Nervöse nnd Reconva- 
lesceuien, hat auch seinen frischen, klaren Quell (indifferenten 
Charakters), auch eine kleine Wasserheilanstalt, — insbeson¬ 
dere aber hat er einen sehr liebenswürdigen leitenden Arzt, 
der nns nun mal zu sich eingeladen hatte nnd uns nnter 
eifriger Assistenz Beiner gesunden und kranken AnstaltB- 
damen mit einem gehr gernÜiblichen Nachmittagskaffee rega- 
lirte. Für mich gab’s hier noch die Ueberraschung, dass anch 
dieser Arzt aus Russland stammte und ein Dorpater Zeitge¬ 
nosse von mir war, Dr. Friedrich Rohde aus St. Pe¬ 
tersburg. — Mit das Interessanteste an diesem Orte war die 
leisiose elektrische Strassenbahn, die den 
urort mit dem Städtchen Koenigstein verbindet. Es laufen 
da Wagen nach Ort der Trams mit oberirdischer Stromzulei- 
tnng auf einfachen Chausseewegen, ohne Schienen. Sie rüt¬ 
teln wohl ganz gehörig, bewegen sich aber recht flink fort 
und können dem entgegenkommenden Fuhrwerk bis auf 3 
Meter nach jeder Seite hjn ausweichen. Diese gleislose Stras¬ 
sen bahn wurde als erste derartige im Juli 1901 eröffnet. 
Als Dorfbahn soll sie eine Zukunft haben, sowohl für den 


Personen —, als auch für den Frachtenverkehr. — Von 
Knenigsbrunn resp. Koenigstein ging’s hinüber an’s andere 
Elbnfer, nach Schandau Schandau ist schon ein viel 
grösserer und bedeutenderer Kurort als Koenigsbrunn, aber 
auch eigentlich nnr für Nachkuren geeignet. Hier begann 
schon der Empfang der reisenden Aerzteschaar am Ankanfts- 
pl&tze mit Mnsik and Böllerschüssen, mit Begrüssungen sei¬ 
tens der Stadt- nnd Badeverwaltungen, mit Panoramen, 
Flaggen. Rosenstränsschen nnd dergl.ra, wie es sich nnn von 
Ort zu Ort steigerte. Schandan hatte schon ein Knrbans zn 
zeigen nnd einen Kurpark und ein Badehaus, und es war al¬ 
les nicht Übel. Zorn Schluss setzte uns Schandau einen sehr 
stimmungsvoll verlaufenen Bierabend an, der anch auf die 
Schandanerinnen anziehend wirkte, so dass es zu guterletzt 
noch zu einem improvisirten Tänzchen kam- Die Ruhe nach 
diesem ersten und etwas anstrengenden Reisetage konnte 
nicht von langer Dauer sein, denn schon früh nm 7 hiess es 
wieder auf dem Dampfer sein und weiterfabren. — Vorbei an 
den immer grossartiger sich gestaltenden Eibufern ging’s 
weiter flnssanfwärts bis Herreskretschen, schon einem 
böhmischen Orte. Von hier wieder per pedes apostolorum hin- 
anf nach dem «Prebischthor» and dann wieder hinunter über 
die «Rainwiese»nach der «Edmondsklanne» und zurück — znm 
Theil per Boot — nach Herreskretschen. Das Wetter war 
günstig, die Ausblicke von den Höhen in das herrliche Pano¬ 
rama der sächsischen Schweiz klar nnd rein, — die ganze 
Tonr ein köstliches «Lnft- und Sonnenbad». Und — o Wun¬ 
der ! - ist dieses kleine Herreskretschen in der Knltnr 
schon weit fortgeschritten! Man lese, was dort anf der Stras- 
sentafel geschrieben steht, and — staune: «Das Schleppen 
von Damen k lei dem ist bei Strafe von 20 Kronen verboten 1» 
Ein Beispiel zur Nachahmung auch für grössere Gemeinde- 
und Stadtverwaltungen. 20 Kronen, das sind 8—9 Rbl., bei 
schlechterem Kurse anch 10. 

In Bodenbach, einer Industriestadt weiter oben an der Elhe, 
verliessen wir unsere «Augusta-Victoria» and bestiegen den 
Eisenbahnzug. Vorher gab es aber noch eine kleine Feier im 
Wartesaal der Station. Zu unseren 3 bisherigen Führern, 
Gilbert, Meissner nnd 01 i ven, gesellte sich hier auf 
oesterreichischera Boden als 4. -- Professor Ott ans 
Prag und übernahm den Vorsitz im Oomite für die böhmischen 
Kurorte. Er entbot uns hier einen herzlichen Willkomraen- 
grusB, fachte unseren Studieneifer aufs neue an und gewann 
schon dadurch unser volles Vertrauen zu seiner Führerschaft. 
Es mag aber schon hier eingeschaltet wer len, welcher allge¬ 
meinen Zufriedenheit und vielseitiger Bewunderung sich schon 
unsere drei ersten Führer zn erfrenen hatten, — sie machten 
ihre Sache wirklich ganz ansgezeichnet. Für ans ans Russ¬ 
land gekommene Theilnehmer war es geradezu ein Genuss, 
diese sichere und stramme Leitung and diese Umsicht und 
Gewandtheit der Leiter zu beobachten. Nicht minder aber 
forderte unsere Anerkennung heraus auch die Disciplin, die 
Manneszucht der 250 Geführten. Es hat doch seine grossen 
Folgen das einmal Soldatgewesensein! 

(Schluss folgt). 


BQcheranzelgen und Besprechungen. 

Saramelatlas für den Ban von Irrenanstalten. Ein Hand¬ 
buch für Behörden Psychiater und Baubearate he¬ 
rausgegeben von Dr. Kolb. (Halle a/S, 1902, Carl 
Marhold). 

Das verdienstvolle Unternehmen, den vielfachen Bedürf¬ 
nissen anf diesem Gebiet zu entsprechen, ist mit Freuden zn 
begrüssen. Bisher Bind 4 Lieferungen des Handbachs er¬ 
schienen, deren Inhalt von grossem Interesse ist. Besonders 
gefallen hat uns der Aufsatz über «die Irrenanstalt in Ver¬ 
gangenheit, Gegenwart und Zukunft» mit der übersichtlichen 
Schilderung des bisherigen Entwicklungsgangs und der klaren 
Zusammenfassung des für die Zukunft zu Erstrebenden. Wir 
wünschen den Initiatoren eines so nützlichen and dabei 
schwierigen Unternehmens allen Erfolg. 

Voss. 

Operative Geburtshlllfe für Aerzte und Studirende von 
Wilhelm Nagel. Mit 77 Abbildungen im Text. 
Berlin VV. 35. Verlag von Fischer’s Medicin. Buchhand¬ 
lung H. Kornfeld Herzogi. Bayer. Hofbuchhändler. 1902. 

In dem Werke, welches wohl zn den besten in der Gebnrts* 
hülfe gehört, hat der Verfasser seine Ansichten nnd Grand¬ 
sätze niedergelegt, welche er in den beliebten und anregen¬ 
den Cnrsen an der Berliner Charitö vorgetragen hat. Das 
enorme Material, welches Prof. Nagel ausserdem als poli- 
kliuischer Assistent im Laufe vieler Jahre zn Gebote gestan¬ 
den hat, hat ihn reiche Erfahrung schöpfeu lassen, die er in 


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35 


jeder Breiehong ausgiebig hat verwerthen können. Der Text 
ist von einer grossen Uebersichtlichkeit and Klarheit, die Ab¬ 
bildungen sind imstiuctiv and tadellos ansgeffihrt Das Kapitel 
aber die Zange ist wohl an den besten Abschnitten des Buches 
ts rechnen. Nagel ist, wie er selbst bekennt, ein aufrichti¬ 
ger Freund der Aehsenzngzange und zwar hält er die von 
A. ß. Simpson abgeänderte Tarnier’sche für die beste. 
Sie erfüllt alle Anforderungen, deshalb sei es überflüssig aus¬ 
ser der Aehsenzngzange noch eine gewöhnliche mit sich zu 
fahren. Han solle sich daran gewöhnen auch den tiefstehen¬ 
den Kopf mit der Acbsenzugzange zu entwickeln, um sich in 
leichteren Fällen mit dem Instrument vertraut zu machen. 

Die Resultate der Zange bei hochstehendem Kopfe sind sehr 
günstige: Von 47 hohen Zangen in fortlaufender Reihe verlor 
Nagel Dur eine Patientin, welche fiebernd und mit einem 
Puls von 180 in seine Behandlung kam. Die Indicationen für 
Anlegung der hohen Zange werden genau präcisirt, und die 
Prognose derselben soll bei streng durch geführter Asepsis fast 
ebenso günstig wie bei der typischen sein. 

Das von Leopold in der letzten Zeit so warm empfoh¬ 
lene Dilatatorium von B o s s i ist in dem Abschnitt über die 
künstliche Frühgeburt abgebildet und die Gebrauchsanwei 
sang genau beschrieben. Eines Urtheils über die Zweckmäs¬ 
sigkeit dieses Instruments enthält sich der Verfasser, und 
äussert sich auch an anderer Stelle (cf. Capitel Über die 
Zange; bei unnachgiebigem Muttermunde alter Erstgebären¬ 
der bei vorzeitigem Blasenspruuge) nur kurz daiüber, da die 
Ertahrnng noch lehren soll, ob in solch einem Falle das In¬ 
strument den Muttermund so zu erweitern vermag, dass eine 
Zange möglich wird. 

Das Werk, welches wohl in karzer Zeit sich eine allge¬ 
meine Anerkennung erwerben wird, kann sowohl Studirenden 
als Aerzten auf das Wärmste empfohlen werden. 

F r. M ü h 1 e n. 


Allgemeine Gynaecologie von R. Kossmann. Mit 51 
Abbildungen. (Berlin 1903. Verlag von August Hirsch¬ 
wald. N. W. Unter den Linden 68). 

Die allgemeine Gynaecologie, welche in ihrer Art einzig 
darsteht, ist ein Werk, welches von einer Riesenarbeit zeugt 
und eine Menge von Wissenswerthem enthält. Sie zerfällt in 
4 Theile, die Geschichte der Gynaecologie, die normale Mor¬ 
phologie nnd Biologie der weiblichen Sexualorgane, morpho¬ 
logische and biologische Anomalien (Dysmoiphien nnd Dyser- 
gasien) der weiblichen Sexnalorgane und allgemeine gynae- 
cologiscbe Tlierapentik. Jeder einzelne Abschnitt ist vom 
Verfasser mit einer grossen Genauigkeit bearbeitet. Der ge¬ 
schichtliche Theil beginnt mit der aegyptischen Gynaecologie 
und schliesst mit der Gynaecologie des 19. Jahrhunderts! 
Ebenso wie dieser Abschnitt, der für den Medlcohistoriker von 
grossem Werth ist, sind die anderen von Wichtigkeit, weil 
verschiedene Punkte eingehend behandelt worden sind, die 
sonst nicht in einem Werk im Zusammenhang erörtert wer¬ 
den. In der allgemeinen gynaecologischen Therapeutik wird 
die allgemeine gynaecologische Diagnostik, die Prophylactik, 
die Phrenotberapie, die Physiotherapie, Pharmakotherapie und 
operative Therapie anf das Genauste besprochen, wobei die 
neuesten Fortschritte in der Medicin, spcciell natürlich in der 
Gynaecologie, berücksichtigt sind. — Um mit einigen Wor¬ 
ten ant die Entfernung von Fremdkörpern ans dem Cavum 
nteri, — zu denen die Abort- and Hochgeburtsreste zu rech¬ 
nen sind — einzugehen, so räth Kossman n direkt ab, sie 
mit dem Finger herauszuholen, sondern nur die Curette an- 
zuwenden, da man nachgewiesenermassbn deu Finder un¬ 
möglich keimfrei machen kann. Diese Furcht vor einer In- 
fection scheint Ref. doch etwas übertrieben, da bei gewissen¬ 
hafter Desinfection (cf experimentelle und kritische Beiträge 
zur Händedesinfectionsfrage von Dr. R. Scbäffer, Berlin 
1902) sieb eine so hochgradige Keimarmnth erreichen lässt, 
dass man sie praktisch als Keimfreiheit bezeichnen kann. 

Da auch die Verlagshandlung nichts unterlassen hat dem 
Werk eine fassende Ausstattung zu verleihen, so sind wir 
überzeugt, dass dasselbe eine weite Verbreitung Anden wird. 

Fr. Mühlen. 


Vermischtes. 


Zorn Corpsarzt des Gardecorps ist, an Stelle des 
verst. Dr. F o w e 1 i n, der bisherige Oberarzt des örtlichen 
Militftrlazareths in Zarskoje Sselo, wirklicher Staatsrath Dr. 
Simon Unterberger ernannt worden. 

— Der Mediclnalinspector dps Gebietes des Donischen Ko- 
sakenheeres, wirkl. Staatsrath Dr. Sehnehow, ist zum 
Militftr-Medicinalinspector des Warschauer 
Militärbezirks ernannt worden. 

— Der ordentliche Professor der militär-medicinischen Aca- 
demie und beratendes Mitglied des Medicinalraths, wirkl. 


Staatsrath Dr. Przibytek und der ausserordentliche Pro¬ 
fessor der genannten Academie, Oollegienrath Marie sind 
zu berathenden Mitgliedern desrailitär-me- 
dicinischen gelehrten Comitds ernannt worden, 
unter Belasaung in ihren gegenwärtigen Stellungen 

— Der Corpsarzt des V. Armeecorps Dr. Ludwig v. 
Reutlinger ist auf eigenes Ersuchen verabschiedet 
worden, unter gleichzeitiger Beförderungzum Ge¬ 
he imrath. Zu seinem Nachfolger als Corpsarzt ist der 
bisherige Oberarzt des Djasdow-Hospitals in Warschau, wirkl. 
Staatsrath Dr. Maxiraowitsch ernannt worden, an 
dessen Stelle wiederum der Oberarzt des Batumschen Militär¬ 
hospitals Staatsrath Dr. Schischkow tritt. 

— Der Militär-Medicinalinspector des turkestanischen Mi¬ 
litärbezirks Dr. T a r a s 8 e w i t s c h ist für Auszeichnung 
im Dienst zum Geheimrath befördert worden. 

— Der Oberarzt des Militär * Lazareths in Tschita Dr. 
Koltschewakiist zum Chef desMedicinalwe- 
sens im Quantunggebiet ernannt worden. 

— Am 13. Januar beding der Präsident der St. Peters¬ 
burger städtischen Sanitätscoramission, wirkl. Staatsrath Dr. 
Alexander Oppenheim das 35jährige Jubiläum 
seiner ärztlichen Thätigkeit. Der J ubilar, 
welcher früher viele Jahre Arzt, der Haupt-Artillerieverwal- 
tung war, bekleidet gegenwärtig in St. Petersburg verschie¬ 
dene Communalämter: er ist Stadtverordneter der städtischen 
Duma, Gonveineraents-Landschaftsdepntirter, Präsident der 
Sanitätscommissionen der Stadt und des Kreises sowie Ehren¬ 
friedensrichter des Petersburger Kreises. 

— Vor Kurzem feierte der Odessaer Arzt Dr. B. Scha- 

S o s c h u i ko w sein 25 j ä h r i g e s Jubiläum als Or- 
inator am jüdischen Rrankenhause in Odessa. 
— Der bekannte Gynäkologe Professor Dr. Bernhard 
Schnlze. welcher vor Kurzem sein 75, Lebenswahr vollen¬ 
dete, giebt am 1. April d. J. seine Lehrthätigkeit an 
der Jenaer Universität auf. 

— Wie verlautet, ist das Programm des nächsten IX. P iV 
rogow-Congr esses, welcher vom 4.—11. Januar 1904 
in St. Petersburg stattfinden soll, in den Grundzügen bereits 
festgestellt. Den Vorsitz anf dem Congress soll der Gehülfe 
des Ministers der Volksanfklärung Dr. Lukjanow führen. 
Zu Mitgliedern des Organisationsoomitös sind die Professoren 
der milltär medicinischenAcademie Ssirotinin und Schid- 
1 o w s k i, zum Cassirer Dr. T r o j a n o w und zara Secretär 
des Comitäs Dr. D m i t r i j e w gewählt worden. 

— Prof. Dr. v. Grfltzner in Tübingen hat einen Ruf au 
die Universität Greifswald als Nachfolger des verst. Physio¬ 
logen Prof. L a n d o i s erhalten. 

— Auf den Lehrstuhl der pathologischen Ana- 
tomie in Marburg ist, nachdem Prof. Schm orl in 
Dresden den an ihn ergangenen Ruf abgeleimt hat, Prof. 
Ludwig ABcboff aus Göttingen berufen worden. 

— Verstorben: 1) Am 27. December in Nowotscher- 
kask der Arzt am dortigen Marien-Institut Dr. Wl. Hu- 
baschkin an Apoplexie im 61. Lebensjahre. Der Hinge¬ 
schiedene, welcher sich allgemeiner Liebe nnd Achtung er¬ 
freute, hat über 38 Jahre die ärztliche Praxis ansgeübt. 2) 
Jn Moshan am 1. Januar der Gehülfe des Directors des dor¬ 
tigen Findelhanses Dr. Boris Gannuschkin im 65. Le¬ 
bensjahre. Der Verstorbene war früher viele Jahre Arzt am 
Gymnasium in Rjasan. 3) In Nowomoskowsk (Gouv. Jekate- 
rinoslaw) der Landschaftsarzt Joseph Konaschinski im 
Alter von 32 Jahren am Flecktyphus. Er wurde auf Kosten 
der Landschaft beerdigt. 4) In Paris der ehemalige Professor 
der Augenheilkunde nnd Präsident der Acad6mie de mäde- 
eine Dr. Photinos Panas im Alter von 70 Jahren. Der 
Verstorbene war Grieche von Geburt, hatte aber seine med. 
Ausbildung in Paris erhalten. Von ihm stammen mehrere 
Lehrbücher der Augenheilknnde. 5) In Washington Dr. W. 
Reed, Professor der Pathologie an der medicinischen Schule 
der Columbia-Universität. 

— Am 6. Januar ist in Fellin (Livland) der Nestor der 
Apotheker Russlands Ewald Schöler an den Folgen der 
Inflnenza hingeschieden, nachdem er vor ungefähr einem 
Monat seineu 90. Geburtstag gefeiert hatte. In Livland ge¬ 
boren, studirte der Verstorbene i. J. 1835 Pharmacie an der 
Dorpater Universität nnd war dann nach Erlangung des 
Provisorgrades bis 1880 Apotheker in Fellin. Als treuer 
Sohn seiner Vaterstadt Fellin hat sein langes, reiches Leben 
sich ansschliesslich in den Mauern derselben abgespielt, in 
welcher er auch viele Jahre (bis 1878) als Bürgermeister an 
der Spitze der städtischen Verwaltung stand. 

— Der Moskauer Arzt Dr. Philipp Blumen thal, der 
bekanntlich nnermüdlich im Kampfe gegen die Tubercnlose 
wirkt, hat gegenwärtig in Odessa eine Tubereulose Ausstel¬ 
lung eröffnet und hält dort Vorträge über Massregeln znr 
Bekämpfung der Tubercnlose, über Küstensanatorien, Som* 
roercolonien und Ambulatorien für Tuherculöse. 


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20 


— Dr. J. Naiarov ist alsOrdinatorderdlagno- |: 

sti8chen Klinik de r^O dessaer Universität be- , 
sfätigt worden. L 

— Der ausserordentliche Professor der Berliner Univer¬ 
sität Dr. Adolph Pass ow ist zum ordentlichen 
Professor für Ohrenheilkunde bei der Kaiser 
Wilhelms-Akademie für das milltäräi ztliche Bildnngs- 
wesen ernannt worden. 

— Den Privatdocenten der Berliner Universität Dr. L. 

K a t z (Otologe) and Dr. Georg Joachimsthal (Ortho¬ 
päde) ist der Professortitel verliehen worden. 

An der Universität Bern ist der langjährige Docent 
für physikalische Diagnostik Dr. P. Dnbois zam ausser¬ 
ordentlichen Professor für Neuropathologie 
ernannt worden. Ebenso sind die bisherigen Privatdocenten 
dieser Universität Dr. P. Niehau s (Chirurg), Dr. E. Em¬ 
mer t (Ophthalnaolog) und Dr. Fritz Dnmont (Chirurg) 
zu ausserord e n tliohen Professoren befördert 
worden. 

— Um fiber den prophylaktischen Werth des 
Dipbtberiesernms Aufschlüsse zu gewinnen, wird ge¬ 
genwärtig vom deutschen tteichsgesundheitsamt unter den 
Aerzten des deutschen Reiches eine Umfrage veranstaltet. 
Zn diesem Zweck ist an die Aerzte ein die Schutzimpfung 
mit dem Diphtherieserum betreffender Fragebogen versandt 
worden- Die Ergebnisse der Umfrage sollen dem internatio¬ 
nalen Congresse für Hygiene und Demographie, der in diesem 
Jahre in Brüssel tagt, vorgelegt werden. 

— Am 12 Januar, beging die Moskauer Univer¬ 
sität d e n 148. Jahrestag ihres Bestehens, 
Anf dem feierlichen Actns hielt Prof. Tarassow die Fest¬ 
rede über das Thema «Frauenbildnng und Frauenarbeit», 
worauf der Jahresbericht verlesen wurde, dem wir 
nachstehend einige Daten entnehmen : Die G e s a ra m t - 
zahl derStndirenden betrne zum 1. Januar 1903 
— 4196, von denen 1194 der medicinischen Facultät ange¬ 
hörten. Dazu kamen noch 170 freie Zuhörer und 179 Phar- 
maceuten. Das Lehrpersonal bestand aus 71 ordent¬ 
lichen Professoren, (davon 24 in dpr medicinischen Facultät). 
18 ausserordentlichen Professoien (davon 12 ln der med. Fa- 
oultät), 6 Prosectoren und 197 Privatdocenten (davon in der 
med. Facultät 103). Gelehrte Grade und Wür¬ 
den wurden in der medicinischen Facultät 
der Moskauer Universität im vorigen Jahre verliehen: die 
Würde eines Medicinalinspectors — 1 Person; die Würde 
eines Accoucheurs — 5 Personen, eines Kreisarztes — 103 
PerB., eines Dr. med. — 21 Pers., eines Mag. pharm. — 3 
Pers., eines Zahnarztes — 57 Pers., eines Provisors — 107 
Pers., eines Apothekergehülfen — 95 Pers., eine« Dentisten — 
22 Pers., einer Hebamme — 26 Personen. Zum Unterhalt 
der U ni v e r si tä t etc. wurden im vorigeu Jahre 1,466,304 
Rbl. ans der Reicherentei abgelassen, darunter 156,970 Rbl. 
für Neubauten und 156,970 Rbl. zur Bau eines Studenten- 
convictes. 

— Die St. Petersbuiger Stadtduma beabsichtigt zur Feier 
des 200jährigen Bestehens St. Petersburgs unter Anderem 
ein Hospital oder mehrere Hospitäler für 
insgesammt 1000 Kranke zu erbauen und zu die¬ 
sem Zweck eine Anleihe von drei Millionen Rubel abzu- 
schliessen. 


— Die Vom Priüzen Alex ab der vo n Olde* tu rg 
ins Leben gerufene k l i ui a 11 s c b e Station Gagry 
an der.Kankasiscben Küste , des Schwarzen Meeres wurde am 
9. Jannar feierlich eröffnet. Das nenerb&nte Hotel hat ein' 
Restaurant, einen Theateraaal etc. nnd an der Meeresküste 
ist ein schöner Garten und ein Boalevard mit tropischen Ge* 
wachsen angelegt. 

— Die Einwohnerin der Stadt Kolom'n* (Moskauer 
Gouv.) E. N. Bchewljagin bat 100,000 Rbl. zum Ban 
und Unterbalteines Hospital« für cfaroni sc'li e 
Kranke in dieser Stadt gespendet. 

— Prof. Sormani hat, wie dortige Blätter melden, der 

medicinischen Geselllschaftin Pavia die Mittbeilnog gemacht, 
dass es ihm gelungen sei den B ac i 11 n s d e r H n n d s - 
wnth zu entdecken. Bf. 

— Die G e s am ml za h 1 d e r K rankes in den CI v 11- 
liöspitälern St. Petersburgs betrng am 4. Jan. 
d. J. 8924 (387 mehr als ln d. Vorw.), darunter 522 Typbas — 
(98 mehr), 702 Syphilis — (9 wen.), 214 Scharlach — <19 mehr)/ 
85 Diphtherie —<1 wen.), 74 Masern —«2 mehr) und 109 
Pockenkranke—(0 mehr mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St; Petersburgs. 


Für die Woche vom 29. Dec. 1902 bis 2. Januar 1903. 

ZahlderStorbefälle; - 

l).nach Gesohleoht und Alter: 


Im Ganzen: 

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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 6, Typh.abd.25, Febris recurrens0, Typhus 
ohne Bestimmungder Form 1. Pocken 14, Masern 15. Scharlach 9, 
Diphtherie 9, Group 2, Keuchhusten 3, Croupöse Lnngen-: 
entzündung 30. Brysipel&s 3. Grippe 12, Cholera asiatica 0, 
Ruhr 1. Epidemische Meningitis 0. Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyämie und Septicaemie 4, 
Tuberculose der Langen 113, Tubercnlose anderer Organe 15, 
Alkoholismus und Delirium tremens 5, Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 42, Marasmns senilis 22, - Krankheiten des 
Verdanungscanals 67, Todtgeborene 42. 



Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 91. Januar 1903. 


Tagesordnung: Wladimir off: Ueber Rotzdiagnose» 

♦- Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 10. Peb. 1903. 


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Frau Adelheid, von Fersen, Catba- 
riuencaual 81. Q. 20. 

Frau Tursan, Cnaccnafl 21, kb. 6. 

Frau Marie Kubern, Or. Stallhofstr. 
Haus d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 19. 

Frau Elvine Juokam (Hebamme) Bac. 
OCTp., 15 ÜHHifl, i. 28, kb. 7. 

Frau Catharine Miohelson, rarapvB- 
cKaa yaana a. 30, kb. 17. 

Marie Winkler, yr. CoauoBa nep. ■ Ilair- 
rajielMOHCRott yi. i. 4. kB. 11. 

Frau Haaenfusa Maz. noi'ba'ieei. ff. 14, 
ib. 16. - - ' 


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27 




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0,10 der wirk¬ 
samen Substanz. 


ELIXIß 
0,01 in einem 
Eßlöffel. 


Gewöhnliche Verstopfu ng. 

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CASCARINE ist ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc- (Comptes rendus 
de VAcadfimie des Sciences, L August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. Laifont, Bulletin de VAcadtmie de Mi- 
aecine, 14 Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Societö de Therapeutique: Constan¬ 
tia Pani} Dnjardin-Beaumetz, Mtdications 
nouvelles, 2. sörie; Bibliotli^que Charcot- 
Debove, Purgatifs , p. 104; Prof. Lemolne, 
Lille, Therapeutique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congrßs ponr l’avan- 
cement des Sciences, Bordeaux, 1895, 
Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege, 
Cours d'accouchemeiits etc., etc.) 





. Seine Wirkung ist constant, leicht zu reguliren, durcli Wechsel in der Anweudungsweise ist Gewöhnung an 
das Mittel zu vermeiden; bemerkeuswerthe Wirkung bei habitneller Stulilverstopfnng, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wuchernng bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

Gewöhnliche Dosis / PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 

\ EL1XIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je hach d. Alter (zu verringern od. zu steigern je nach d. Wirkung) 

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nAQPARIPnNF^ Unter diesem Namen fabriciren wir kleine SUPPOSITORIEN, welche die Wirkung des 
w - '•wnillUwli „Cascartne“ auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir dl# Herren 
, Aerzte „Caecarine Leprince“*tu verschreiben. 

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- Dqrch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath nnd der Minister des Innern das «Cascarlne Leprince» 
inlßussland znm Gebfanch zngelassen. .(17) 26— 3. 


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schen Lungenschwindsucht“ von 
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ges. gesch. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 

Unschädliches, sicher wiikendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervoirag. Blättern Deutschlands u. Oesteireiclj-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertnssin“ war eine überraschende; wenngelich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athraete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpen-Giptel. Diese Leicht- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkatarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zeit den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
und fast unmerkbaren Bronchialkatarrh überznführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des ul eichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich R. von Matzner (Birkfcld, Steierm): 

Die drei mit Pertnssin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen uud jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann, sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. Bierstümpfel, Apotheker, Warschau, Marszalkowska 136. Ad. Marcln- 
czik, Apotheker, Kiew. Pani Seebode, Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 

HergeBtellt in der Kommandanten-Apotheke E. Taeschner, Berlin C. 19, 
Seydelstrasse 16. (2) 2—2. 


.Wiesbadener Kuranstalten: 


Dr. Abend, für Magen- und Darakranke, Parkatr. 90. 


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UltJienmume, San.-Rath Dr. Waetzold. 


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DP. Hecker, für Nervenkranke, Gartenetr. 4 . 


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LinaennüT, Walkmühlstr. 43. 


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Ein neues Antipyreticum und Antineuralgicum gegen Migräne, Neuralgien und 
Erkältungen, Specificam gegen Iufluenza, Gelenkrheumatismus und Gicht. 
Dosirung: Täglich 6 Pulver ä 0,5 bis l G. am besten in Oblaten. Auch in 

Tabletten zu 0,5 und l G. 

Siebe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frioser, Wien («Medicin.-Chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom .Jahre 1901). 

3. Dr. Bolognesl, Paris («Bulletin Gdndral Therapeutique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Laumonier, Paris («Presse Mödical» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, W'ien («Allgein. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fachs, Wien ans der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spoiler ans der medic- Abtheilung von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarboit Dr. de Moraes Miranda aa der medicin. Facultät in Paris. 

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oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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Literatur zur Verfügung. (15) 17—3. 

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Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen fflr die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


Aoan.ne». Cn6., 19 flHBapal0O3r. Herausgeber Dr.Rudolf Wan ach. Buchdruckerei v.A. Wienecke. Kttharinenhofer Pr. M 16* 


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Göügle 
















XXVlll. JAHRGANG. ST. PimsillltGtll Neue folge M. Jatifg. 

MEDIGIIISGHE TODI1IBOIBIVI 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). IBga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Di« «St. Petersburger Medieinisehe Wochenschrift» erscheint jede n, 
Sj nn«b e n d. — Der Abonnementipreii ist in Btualand 8 Rbl. für des 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr inet. Postzustellung; in den äderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Iniertiompreii 
fdrdie 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 25Separatabahgeihrer Originalartikel angesandt.— 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

'MT Abonnementa-Aufträge lowie alle Inberate 

bittet man ausschliesslich an di# Buchhandlung von K. L. Bicker in 
St. Petersburg, Newsky-ProspectAt 14, zu richten.— Xa nu« orlpte 
sowie alle auf die Redaction besiiglichenMittheilnngen bittet man an 
den geschäftsftthrendenRedactenr Dr. Budolf Wan&oh in St.Pe- 
tersburg,Petersburger Seite,Peter-Paulhospital zn richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch nnd Freitag von 2—3 Uhr. 

4 St. Petersburg, 

26. Januar (13. Februar) 1903 

Inhalt: Dr. Wilhelm Meitner: Dae Acetopyrin unter den Salicylten. — Dr. med. J. Wellberg:Ueb«*r eine deut¬ 
sche ärztliche Studienreise nach den sächsischen nnd boehmischen Bade uud Kuroiten. — Bticheranzeigen nnd Bespre¬ 
chungen: Emmerling, 0. Die Ztrsetzung stickstofffreier oiganischer Substanzen durch Bakterien. — Protokolle des 
Vereins St. Petersburger Aerzte. — vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. Anzeigen. 

mF* 1 Dieser M liegt «N 2 1 der Revue der Russischen Medicinische» Zeitschriften* bei. 


Berichtigung. 

In der Nr. 2 dieses Jahrganges S. IG, Spalte 2, 
Zeile 12. von oben soll es heissen: «Kernlähmung» 
nicht «Nervenlähmung». 


Das Acetopyrin unter den Salicylaten. 

Von 

Dr. Wilhelm Meitner. 
Distriktsarzt in Wostitz. (Mähren). 


Am augenscheinlichsten erhellt die umfassende Bedeu¬ 
tung, die der Salicylsä re in der medicamentösen The¬ 
rapie zufäll t, aus der grossen Nachkommenschaft, die ihr 
wie nur ganz vereinzelten und geradezu unentbehrlichen 
Medikamenten in den nahezu verstrichenen drei Jahr¬ 
zehnten zu Theil wurde, seit sie Kolbe als Specifieum 
gegen die Polyarthritis acuta einftlhrte. So gewichtig 
und schwerwiegend aus der Einführung der Salicyl- 
säore und nochmebr des salicylsauren Natrons der Ge¬ 
winn für die Behandlung der akuten Polyarthritis her- 
answuchs, so hätte doch er allein niemals dazu gereicht, 
den Praeparaten der Salicylsfture jene Stellung im Arz¬ 
neischatze zu erringen, die sie dominirend behaupten 
und die sie gerade in Kreisen der allein stehenden Prak¬ 
tiker zn einem häutigst gebrauchten Praeparate machen, 
wenn nicht andere Leistangsfähigkeiten auf eben diesen 
Praktikern täglich vorkommenden Krankheitsgebieten sie 
zur Bekämpfung derselben befähigen würden. 

Liegt beim akuten Gelenkrheumatismus in der spe- 
cifischen und bisher unvergleichlichen Einwirkung auf 
den ganzen Krankheitsprocess der für diese Zustände 
auch unvergleichbare Werth der Salicylate: so würde 
doch die relative Seltenheit dieser Krankheitsbilder we¬ 
der die Bedeutung der Salicylate im Arzneischatze recht¬ 
fertigen noch auch den grossen Nachwuchs-der gleichar¬ 


tigen Praeparate erklären, weil eben so wenig ihren 
häufigen Gebrauch. Für diesen liegt die Ursache weit 
mehr als in den specifischen Fähigkeiten der Salicylate 
in ihren allgemeinen antipyretischen und analgesirenden 
Wirkungen, die beide erst sie für die Behandlung 
der jedem Praktiker so häufig unterkommenden Krank¬ 
heitsformen befähigen und dazu um so mehr weil unter 
den anderen ähnlich wirkenden Mitteln die Salicylate 
nuf diesen Gebieten eine besondere, besonders gefahrlose 
Wirkungsart entfalten, die eben ihnen ihre echte und 
grosse Bedeutung im Arzneischatze giebt. Wenn Sto¬ 
ckei-W ien‘) jüngst erst die Worte brauchte: «Die 
meJikameotöse Amipyrese ist meiner Ansicht nach im¬ 
mer ein künstlich herbeigeführter Kollaps, der durch 
die kombioirten Reize der Medikamente und Toxine her* 

beigefühit wird.Das Chinin macht ähnlich der 

Salicylsänre, eine Ausnahme, weil seine Wir¬ 
kung nicht eine antipyretische sondern eine speciflsche ist»: 
so ist in diesem letzten Satze als dem Ausdrucke einer 
auf allgemeiner Erfahrung beruhenden Wahrheit, die 
die Gefahren der Kollapswirkung ausschliesst, der ge¬ 
nügendste Grund für die reichliche Anwendung der Sa¬ 
licylate durch den Praktiker, der nicht immer seine 
Kranken umschw.ürmen kann and andererseits, besonders 
auf dem Lande, der medikamentösen Antipyrese oft ge¬ 
nug gar nicht entbehren kann und das gerade dann 
vielleicht am wenigston, wenn er den Kranken nur je¬ 
den zweiten, dritten und auch vierten Tag zu sehen 
Gelegenheit hat. Das ist der eine Theil der thera¬ 
peutischen Bedeutung, die aus dem häufigen Ge¬ 
brauche hervorquillt. Der andere Theil derselben er¬ 
wächst aus einem geradezu auch specifischen Einflüsse 
der Salicylate auf mannigfache Neuralgieformeu, auf die, 
besonders wenn sie den Stamm betreffen, kein anderes 
Antineuralgicum vergleichbar den Salicylaten einwirkt. 
Darum giebt neben ihrem specifischen Werthe für die 
Behandlung der acuten Polyarthritis ihnen erst ihre 


») W. Steckel-Wlen: Zur Patholog. und Therap. d. 
Influenza. Klio, therap. Wocbenschr. Nr. 44 u. 45,1902. Wien. 


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ganze Bedeutung für den Arzneischatz des Praktikers 
die fast immer erfolgreiche und sehr oft geradezu glän¬ 
zende Verwendung bei diesen anderen Gruppen krank¬ 
hafter Zustände, die mit der Häufigkeit in ihren ver¬ 
schiedenen Formen einen ausgiebigen Theil der gesamm- 
. ten Thätigkeit jedes praktischen Arztes bilden. Aus die¬ 
ser Bedeutung ergiebt sich zugleich die natürliche Er¬ 
klärung für den so artenreichen Nachwuchs der ur¬ 
sprünglichen Salicylsäurepräparate, der für den Prakti¬ 
ker ganz willkommen sein kann, weil erster ihn befähigt 
zu vermeiden, corara publico zu zeigen, dass in so vie¬ 
len divergenten Fällen immer ein und dasselbe wirksame 
Princip die Leistungen der medikamentösen Hilfe bestrei¬ 
tet ganz unabhängig davon wie sich auf Grund eigener 
Erfahrung jeder einzelne Arzt zn den mit der Darrei¬ 
chung der einzelnen Salicylate enge verknüpften unan¬ 
genehmen Nebenwirkungen stellt. Diese der ersten Sali¬ 
cylate wurden .wenigstens für einen Theil der Nach¬ 
kömmlinge geradezu als Rechtfertigungsgrund ihres Wer¬ 
dens und Daseins hingestellt. Aber so wenig es bei dem 
allgemeinen Bedürfnisse nach mancherlei Salicylatformen 
der Rechtfertigung bedürfte, so wenig gerechtfertigt er¬ 
wies sich mitunter die Stichhältigkeit gerade dieser 
Rechtfertigung. Einzelne der Nachkommen brachten so¬ 
gar eine grössere Gefährlichkeit mit sich, die naturge- 
mäss die Verwendung beschränkt. Andere haben die 
theoretischen Voraussetzungen ihrer chemischen Konstitu¬ 
tion in Praxi nicht bewahrheitet, indem sie die Uebel- 
stände ihrer Vorgänger nicht haben vermissen lassen, 
allerdings nur Uebelstände, die bei jenen wie bei diesen 
doch nur mehr den Charakter der Unannehmlichkeit als 
den der Bösartigkeit an sich tragen. Es sind ja doch 
bei den verschiedenen Salicylaten nur immer ein und 
dieselben Uebelstände: die profusen Schweissbildungen, 
die (fast ausschliesslich) subjectiven Störungen im Ge 
hörorgane und die Appetenzstörungen, die. mitunter ihr 
Gebrauch verursacht. Aber die Häufigkeit mit der diese 
Uebelstände bei Erkrankten in Erscheinung treten, 
scheint ziemlich stark abhängig von der individuellen 
Gebrauchsart der Salicylate sowohl in Bezug auf Dosis 
wie in Bezug auf Art ihres Gebrauches vor oder nach 
den Mahlzeiten. Letzterer Umstand kommt besonders 
-hinsichtlich des Entstehens gastrischer Störungen in Be¬ 
tracht. Vermeidet man es, den leeren Magen mit grös¬ 
seren Dosen von Salicylaten zu behelligen, so werden 
auch diese für länger gut vertragen, während die Aus- 
serachtlassung dieser Rücksicht oft überraschend frühe 
gastrische Störungen hervorruft. Ganz kleine Dosen yon 
Salicylaten sind dagegen in vielen Fällen gastrischer 
Störungen geradezu von vorzüglicher digestiver Wirkung 
besonders in Verbindung mit Bicarbon. Sodae. Man’kann 
sich dabei leicht überzeugen, dass das Natrium biearhon. 
weder das alleinige noch das hauptsächlichst wirksame 
Konstituens ist. Und ähnlich verhält es sich mit den 
Störungen im Gehörorgane, obgleich bei ihnen schon 
mehr auch anscheinend unberechenbare, individuelle 
Verhältnisse der Kranken mitspielen, denen beim Ent¬ 
stehen der Schweisse eine noch grössere, vielleicht die 
bedeutendste Rolle zufällt. Immerhin haben die Störun¬ 
gen im Gehörorgane zumeist doch nur ihren Grund in 
zu hohen Salicyldosen. Sowenig sich für die Anwendung 
der Salicylate eine allgemein schematisirende Dosirung 
rechtfei tigen lässt, die keine Rücksicht nimmt auf das 
Körpergewicht und die allgemeine Körperkonstitution je¬ 
des einzelnen Erkrankten, weil in der That, um vom 
bekanntesteu Salicylat zu sprechen, z. B. vom salioyl- 
sauren Natron eine erkrankte erwachsene Person von 
zartem Bau und geringem Gewichte mit drei Gramm 
pro die völlig genug hat zur Entfaltung der gesammten 
günstigen Salicylatwirkung, während ein kräftig gebau¬ 
ter, muskulöser Kranker von einem Gewichte um 10U Kg. 
gerade erst darch die doppelte Menge zu derselben ge¬ 


langen wird, so wenig gerechtforligt sind die grossen 
Salicylatdosen im allgemeinen. Ihr absoluter Werth ist 
höchst problematisch ebenso in den Fällen der specifi- 
schen Einwirkung gegen die akute Polyarthritis, wie 
bei all den anderen Indikationen für die Salicylate. Ge¬ 
gen die kardialen Komplikationen der Polyarthritis, ge¬ 
gen die Entstehung der Peri- und Endocarditis, bieten 
die Salicylate in keinen noch so grossen Hosen irgend 
einen Schutz oder eine Gewähr, sie sind diesbezüglich 
völlig belanglos. Dass grössere Dosen intensiver oder 
rascher den primären Process beeinflussen, ist keine 
erwiesene, keine unbestreitbare Tliatsacbe. Wer immer 
grössere Dosen gebraucht, mag an sie glauben, aber die 
Thatsache wird dadurch, seiner Meinung entgegen, nicht 
um ein Quentchen wahrer. Thatsache ist hingegen, dass 
mit der gewohnten Anwendung grösserer Dosen die 
Häufigkeit der Nebenwirkungen ganz unverhältnismässig 
ansteigt, dass also in diesen Fällen im Gefolge einer 
irrealen Meinung sehr oft die Ursache entsteht für die 
sonst leicht vermeidlichen Unannehmlichkeiten. Das ge¬ 
schieht um so leichter als die Sachlage eine derartige 
zu sein scheint, dass, wie es seltene Fälle von akuter 
Polyartriiis giebt, bei denen Salicylate überhaupt ver¬ 
sagen, es auch solche giebt, bei denen die Wirkung der 
Salicylate eine weniger prompte ist und mehr Zeit zur 
Entfaltung ihrer Wirkuug beansprucht, welche Zeit aber 
durch keine grössere Dosis abgekürzt wird, während 
durch sie die Nebenwirkungen rasch eintrelen, vielleicht 
um so rascher, je geringer ihre Einwirkung auf den 
vereinzelten Kranicheitsprocess ist, je weniger der «für 
sich» von der Salicylsäure absorbirt, analog dem Ver¬ 
halten des Chinins bei specifischem und anderem Fieber. 
Der Ueberschuss an Salicylsäure dient also unter diesen 
Verhältnissen keinen anderen Zwecken als denen der 
Produktion von Nebenwirkungen. Und ähnlich liegen 
die Verhältnisse für die Erzeugung von Nebenwirkungen 
auch bei Erkrankungsfällen anderer Art, wenn Salicylate 
gegen Neuralgien, Influenza und als Antifebrilia verwen¬ 
det werden. Nur die Unannehmlichkeit der Schweissbil- 
düng, deren Produktion in letztereil Fällen sehr oft, bei 
Influenzafällen aber geradezu immer ein erwünschter 
Effekt ist, scheint nicht’ so sehr eiige an das Uebermass 
der gebotenen Salicylsäure als vielmehr an individuelle 
Verhältnisse geknüpft zu sein, so zwar, dass man in 
einzelnen Fällen ganz bedeutende Schweissausbrüche 
auch bei kleineren Dosen erfolgen sieht, die sonst that- 
sächlich keine andere Nebenwirkung hervorrufen, wäh¬ 
rend in anderen Fällen selbst grössere Dosen, die im 
konkreten Falle schon Nebenwirkungenerwecken, an die¬ 
sem den Schweissausbruch nicht nach sich ziehen. Ge¬ 
rade also die Nebenwirkungen vom em¬ 
pfindlicher störenden Charakter sind es, 
die mehr einen arteficiellen Ursprung 
durch ein Zuviel an Salicylsäurever- 
brauch au f weisen. 

Geleitet von dieser Deutung meiner in anderthalb De¬ 
zennien gesammelten überaus zahlreichen Erfahrungen 
mit verschiedenen Salicylaten, unter denen freilich hun¬ 
dertfach jene mit Natrium salicyl. überwiegen, habe ich 
im letzten Jahre mich in verschiedenen geeigneten Fäl¬ 
len zu therapeutischen Zwecken des — soweit meine 
Kenntnis reicht — neuesten Salicylates, Acetopyrin, be¬ 
dient, und zwar des «Hell’schen» Acetopyrins 2 ). Ich 
legte und lege Gewicht auf dieses spezielle Prae- 
parat, weil gerade ihm in der kurzen Existenzzeit des 
Acetopyrins von zwei bis drei Jahren rasch die besten 
Empfehlungen zahlreicher praktischer Aerzte 
zutheil wurden, ganz abgesehen von der stattlichen Spe- 


*) Hell & Comp, in Troppau Fabriken chem.-pharmac. Prä¬ 
parate * 



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cialliteratur*), die vielfach aach ausserhalb der Grenzen 1 
des deutschen Sprachgebietes ihre Autoren hat, deren 
aller Erfahrungen aber sich stets nur auf dieses speci- 
eile Praeparat beziehen. Und ich bediente mich ver¬ 
suchsweise des Acetopyrins gerne, weil dieses Praeparat, 
so zu sagen gerade von meinem Standpunkte aus von 
vorueherein einige Vortheile für die Vermeidung der 
neben wirkenden Unannehmlichkeiten hat, da es als ein¬ 
heitlich ganzes Praeparat rainderreich gerade an Salicyl- 
sfiore ist als all die anderen Salicylate im allgemeinen 
und die ihm am nächsten stehenden im besonderen, 
während unter einem das Minus an diesem wirksamen 
Principe durch einen Bestandtheil ersetzt ist, der bis 
auf die specielle Wirkung bei Polyarthritis acuta in al¬ 
len sonstigen Fällen ganz analoge und günstig wirksame 
Wirkungen entfaltet, durch das Antipyrin. 

Fasst man die gastrischen Störungen ins Auge, so 
fehlt für ihr Entstehen schon der reichliche Ueberfluss 
an Salicylsäure. Dieser Beschränkung (dpr activen 
Noxe) gesellen sich noch zuverlässige chemische Mo¬ 
mente bei, zuverlässigere, als sie selbst dem Aspirin 
eigen sind, das als ein in sauren Flüssigkeiten, also 
auch im Magensafte, unlösliches Präparat den Magen 
unverändert passiren und erst in der Alkalinität des 
Darmes zur Wirkung kommen soll. Wurde doch auf 
Grund dieses chemischen Verhaltens dem Präpa¬ 
rate absolute Unschädlichkeit für den Magen zuge¬ 
standen und nachgerühmt, die aber unter dem Einflüsse 
der Erfahrung heute auch schon von den nächstbethei* 
ligten Kreisen nur mehr auf «nahe frei» von stö¬ 
renden Nebenwirkungen auf die Magenthätigkeit reducirt 
erscheint. 

Indem nun das Acetopyrin iu Bezug auf die frei wer¬ 
dende und frei wirksame Salicylsäure einen höher orga- 
nisirten Körper darstellt als das Aspirin, weil es unter 
der Einwirkung des Magensaftes erst zu Antipyrin und 
Aspirin zerfällt, ohne dass hierbei noch eine Spur von 
Salicylsäure frei würde, welch’ erster Zersetzungsprocess 
schon für sich wenigstens bei Einwirkung künstlichen 
Magensaftes längere Zeit beansprucht, ist durch die 
Dauer dieses ersten Zersetzungsprocesses dem Magen 
weit mehr Gelegenheit gegeben, das noch unzersetzte 
Aspirin dem Darme weiter zu geben und damit von 
sich selbst jede Einwirkung freier Salicylsäure abzuhalten. 
Soscheint erst der Nachfolger des Aspi¬ 
rins die diesem zugewieseneAufgabe einer 
unbehelligenden Passage des Magens er¬ 
folgreich gelöst zu haben, womit seine, von 
gastrischen Störnngen freie Wirknngsart natürlich er¬ 
scheint. Winterberg und Braun (1. c.) wenigstens 
haben unter 100 mit Acetopyrin behandelten Fällen an 
keinem einzigen gastrische Störungen beobachtet, obgleich 
manche ihrer Fälle sich wochenlang gleichmässig des 
Acetopyrins bedienten und manche schon mit durch an¬ 
dere Salicylate bewirkten gastrischen Störungen den 
Acetopyringebrauch begannen, unter dem sich jene als¬ 
bald wieder verloren. Auch unter meinen mit Aceto- 
pyriu behandelten Kranken, die Kinder, Erwachsene, 
Greise und Greisinnen bis nahe an die 80 Jahre um¬ 
fassen, hat, ähnlich wie unter den Kranken anderer 


3 ) Soweit mir bekannt: Winterberg und Braun* 
Wien. Wien. klin. Wochen sehr. Ni 39, 190'). — J. W F r i e * 
ser-Wieu. Medic. Chirurg. Ctr.-Bl. Ni 15, 1901.— Bolo* 
g n e s i - Paris. Bulletin General Therapeutique, 30. März 1901- 
— Lau monier - Paris. Presse Medical, April 1901.— 9 o'l d- 
mann-Wien. Allg. Wien, medic. Ztg. -** 14 u. 15. 1901. — 
J. ß e i c h e 11 - Wien. Wien, medic. Pr. Ns 35, 1901. — Fuchs: 
Aus der W. medic. Klinik v. Hofr. Prof. Dr. Dra,sche. 
Wien. kl. Rundschau. Nt 39, 1901. — Spalier. Aus der III. 
medic. Abth. von Prof. Dr. V. Ordner. Wien. kl. Rund¬ 
schau Nt 6, 1902. — N e n e s t e n 8: Dissertationsarbeit de 
Moraco Miranda, Paris 1902. 


Beobachter, keiner über gastrische Störungen zu klagen 
gehabt. 

Wenn derart bei der Vermeidung der störenden gastri¬ 
schen Nebenwirkungen neben der allgemeinen Herab¬ 
minderung der Salicylsäuremenge auch die chemische 
Beschaffenheit des Präparates vielleicht ihren Antheil 
hat, so kommt doch nur jene zur wirkungsvollen 
Geltung bei der Vermeidung des zweiten Uebelstandes, 
der bei den anderen Salicylaten geradezu belangreicher 
ist, weil ebenso störend aber viel häufiger in Erschei¬ 
nung tretend: ich habe die Störungen im Gehörorgane 
im Sinne. Wenn es sich bei den rheumatischen und 
influenziellen Neuralgien, bei anderen Algesien und bei 
den subjectiven Zuständeu der verschiedenen Influenza- 
formea, also gerade bei den Massenindicationen für den 
Gebrauch der Salicylate in den häufigen Ordinationen des 
Praktikers keineswegs darum handelt den Orgauismus 
des Kranken, wie etwa bei der an Häufigkeit weit 
rückständigen acuten Polyarthritis, mit Salicylsäure zu 
sättigen und schon gar nicht zu Ubersättigen, 
sondern vielmehr nur darum, Klagen des subjectiven 
Befindens zu beseitigen: so muss es um so störender 
und peinlicher empfunden werden, mit den therapeuti¬ 
schen Bestrebungen den Gruud und die Ursache für 
andere, oft beunruhigende subjective Beschwerden zu 
iuoculiren, die zweifelsohne nur im Zuviel der Salicyl¬ 
säure ihren Ursprung haben. Gerade in dieser Hin¬ 
sicht erweist sich die Corabination des Acetopyrins als 
eine überaus günstige, ganz gleich ob sie ihr Entstehen 
einem Zufalle oder einem in dieser Hinsicht planmässi- 
gen Vorgehen verdankt, weil die mechanische Vermen¬ 
gung der Salicylate mit dem Antipyrin in den Ordina¬ 
tionsformeln schon eine altgeübte, gnte Gepflogenheit 
war, der auch schon andere Salicylate (Antipyrinum sa- 
licylicum) Rechnung getragen haben, die aber alle noch 
reicher an Salicylsäure sind als das Acetopyrin (Anti¬ 
pyrinum aceto-salicylicum). AIP den Combinationen lag 
zu Grunde eine vielfache Erfahrung über eine nach ver¬ 
schiedenen Indicationssphären günstige Wirksamkeit des 
Antipyrin-Salicylsäuregemenges bei all diesen Zuständen 
and namentlich bei Influenza. Während hierbei kleinere 
Salioyldosen allein sich wenig wirksam oder unwirksam 
erwiesen gegen die subjectiven Zustände, die grossen 
Salicyllosen oft aber alle Unannehmlichkeiten im Ge¬ 
folge hatten, geleitete die analgosirende und neurotische 
Mitwirkung des Autipyrins die therapeutischen Bestre¬ 
bungen der Salicylate in Dosen, welche die Nebenwir¬ 
kungen noch mehr oder weniger sicher ausschliessen 
lassen, an ihr Ziel und zwar nicht nur im Sinne der 
rein symptomatischen lndicationen, sondern zum Theilo 
auch in jenem der Causalindicationen, weil die Salicy¬ 
late mit ihrer antiseptischen Wirkung sich gleichzeitig 
auch gegen die Iufection richten. Daher die Anre¬ 
gungen zu den einheitlich combinirten 
Präparatformen, deren Salicylsäurege- 
halt aber nach den Erfahrungen, wenn 
auch beschränkt, immer noch zu speci- 
fisch in Erscheinung trat und erst ira Ace¬ 
topyrin die zu t r ägl ic he Besc h r än k u n g er - 
fahren hat für eine günstige Wirksamkeit 
bei thunlichster Vermeidung der neben¬ 
wirkenden Unannehmlichkeiten. 

Wie das Antipyrin für sich ein besonderes Remedium 
gegen die Cephalalgieformen bildet, zeigt das Acetopyrin 
dieselbe Wirkung offenbar auf derselben Grundlage bei 
Influenza, Coryza, rheumatischem und psychischem Ur¬ 
sprünge, auch bei der nervösen Hemicranie; und wie 
die Salicylate geradezu speciüsch auf die ohnehin meist 
rheumatischen Neuralgien im Stamme einwirken, unter 
denen die Intercostadneuralgien die häufigsten sind, 
rheumatisch oder influenziell, und in gleicher Art auf 


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Gelenkschmerzen, so sind diese Wirkungen auch dem 
Acetopyrin eigen, bei den kleineren Salicylsäuredosen 
offenbar gefördert durch die Mitwirkung des Antipyrins, 
dessen Gegenwart die analgesirende Wirkung des Prä¬ 
parates auch bei anderen Zuständen steigert. So habe 
ich bei einem 17jährigen Mädchon, das im Anschlüsse 
an eine Geburt beiderseitige Mastitis bekam und im 
Verlaufe des sich gehen gelassenen Vereiteiungsprocesses 
plötzlich mit Fieber und heftigem Seitenstechen erkrankte 
(Pleuritis exsudat) innerhalb 24 Stunden nach Beginn 
des Acetopyrinaebrauches den stechenden Schmerz nahe¬ 
zu ganz verschwinden gesehen. Unter einem sank da¬ 
bei das Fieber von 39,8° C. auf 38,4° herab, so dass 
sich mir hier zum ersten Male prompt die — offen ge¬ 
sagt gar nicht direct beabsichtigte — antifebrile Leis¬ 
tungsfähigkeit offenbarte. Auch sie kann, wie in die¬ 
sem Falle auch sonst, nur auf der combinirten Salicy- 
lat-Antipyrinwirkung beruhen, was insofern belangreich 
erscheint, als das reine Antipyrin den Antipyreticis ge¬ 
fährlicher Sorte beizurechnen ist, weil grössere Dosen, 
die wirksamen (i —6 Grm. Antipyrin), Collapswirkung 
hervorrufen können, während die diesbezüglich unge¬ 
fährliche Salicylsäure in den zur Temperaturherabsetzung 
notbwendigen Dosen mitunter, und leider nicht allzu 
selten, Nebenwirkungen producirt. Die combinirte 
Wirkung beider lässt bei der medicamentösen Bekäm¬ 
pfung der hohen Fiebertemperatur, vielleicht ähnlich 
wie bei der Bekämpfung algetischer Zustände, durch 
die naturgemässe Dosisvermindernng jedes einzelnen 
Präparates die unangenehmen Nebenwirkungen beider 
vermeiden. Ich selbst wenigstens habe in den bisher 
freilich nicht zahlreichen Fällen der Verwendung des 
Acetopyrins direct als Antipyreticuin noch 
kein einziges Mal eine störende Nebenwirkung 
beobachtet, dagegen jedes Mal eine ganz ausgespro¬ 
chene Ternperaturherabminderung erfahren. Eine ge¬ 
radezu ganz ausnahmsweise effectvolle antifebrile Wir¬ 
kung sah ich bei einem 2*/2j;ihrigen Kinde auf 3 und 
tmalige Dosen von 0,2 Grm., das plötzlich mit heftigem 
Fieber erkrankte und schon nach wenigen Stunden bei 
39.8° C. somnolent war. Ausser deutlich percutabler 
Milz nichts nachweisbar. Bei in den weiteren 24 Stun¬ 
den anhaltender Temperatur und Somnolenz und bei 
Diagnose Influenza Acetopyrin. Am nächsten Tage ist, 
ohne intercurrenten Schweiss, das Kind «bei sich», 
dass die Eltern trotz aller Warnungen es auf dem 
Wege der Genesung halten. 30 Stunden nach Aus¬ 
setzen des Acetopyrius 39,5° und die frühere Somno¬ 
lenz. Auf neuerliche Acetopyringaben zum zweiten 
Male derselbe günstige Effect, bis am Ende 
der ersten Krankheitswoche r. o. ein frischer pneumo¬ 
nischer Herd erscheint etc. . . . Auch bei Erwachsenen, 
beispielsweise bei hochfiebernden Pneumonikern und bei. 
anderen Kindern beobachtete ich die gleiche, zwischen¬ 
fallslose entschiedene Temperaturherabsetzung, und da¬ 
bei bleiben in diesen Fällen die im beabsichtigten Sinne 
günstig beeinflussten Kranken ausnahmslos frei von 
Störungen im Gehörorgane, über die auch keiner der 
affebrilen mit Acetopyrin behandelten Kranken zu klagen 
irgend in der Lage war. 

Mangeln derart den therapeutisch günstig wirksamen Do¬ 
sen des Acetopyrins die nebenwirkenden Störungen die mit 
dem Gebrauche der sonstigen Salicylate verknüpft sind, so 
kann in Bezug auf die drit e nebenwirkende Unannehm¬ 
lichkeit der Salicylate; auf die Schweissbildung, das¬ 
selbe nicht in gleich absoluter Weise behauptet werden. 
Freilich besteht auch hierin ein relativer Unter¬ 
schied zu Gunsten des Acetopyrins, der mit 
der beschränkten Salicylsäuremenge des Präparates in 
Zusammenhang steht. 


W’ie aber die anderen Salicylate auch bei sonst noch 
wenig wirksamen Dosen mitunter die Schweissbildung 
schon in Erscheinung treten lassen, als erste und ein¬ 
zige Nebenwirkung, gelegentlich sogar Wirkung über¬ 
haupt, die eben deshalb mehr an individuelle Verhält¬ 
nisse als an das Zuviel der Salicylsäure geknüpft er¬ 
scheint, so ist es erklärlich, dass auch die im Aceto¬ 
pyrin beschränkte Salicylsäuremenge in Fällen gerade 
diese Nebenwirkung nicht vermissen lässt. Das gilt vor 
Allem für Erkrankte an acuter Polyarthritis, deren ich 
in Jahresfrist drei mit promptester Wirkung des Aceto¬ 
pyrins zu behandeln Gelegenheit hatte. In dem einen, 
ganz frischen Falle bei einer 56jährigeri Bäuerin sank 
die Temperatur auf 4 Grm. Acetopyrin (3 Grm. im 
Laufe des ersten Tages, das 4. am frühen Morgen des 
nächsten) in 24 Stunden von 38,9° auf 37,2° herab 
und schon in 30 Stunden verloren sich die Schwellun¬ 
gen um beide Fussgelcnke, die befallen waren, obgleich 
beide Unterschenkel hochgradig varicöse Ulcerationen 
trugen, die besonders am linken Bein einen beträcht¬ 
lichen Theil des Umfanges einnahinen, somit eine lokale 
Combination bildeten. Bei weiterem Acetopyringebrauch 
wurde kein anderes Gelenk befallen. Nich 8 Tagen 
Verlassen des Bettes, keine Recidive. Im zweiten Falle 
bei eiuer 78jährigen armen Frau, deren Erkrankung 
schon einige Tage anhielt und verschiedene Gelenke an 
Armen und Beinen befallen hatte, wurde das Aceto¬ 
pyrin dem vorhergehenden Salicyl-Natron wegen bedeu¬ 
tender gastrischer und auriculärer Neben Wirkungen sub- 
stituirt und auch bei der wegen frühzeitiger Unterbre¬ 
chung der Behandlung eingetretcuen Recidive verwendet, 
beide Male mit promptem Erfolge, der in gleicherweise 
sich auch hei dem dritten Kranken, in besten Jahren, 
zeigte. In keinem Falle waren Störungen im Gehör¬ 
organ, in keinem gastrische Störungen aufgetreten, 
Schweisse dagegen in allen 3 Fällen, am stärksten bei 
dem alten Mütterchen, aber auch hier nicht zu verglei¬ 
chen mit den sonst gewohnten Schweissmassen, während 
in den beiden anderen Fällen die Sehweissproduction 
nur ein leichtes Transpiren war das nicht im Gering¬ 
sten belästigte. 

Gerade die günstige, von den lästigon Nebenwir¬ 
kungen der Salicylate aber freie Wirkungsart des Aceto¬ 
pyrins bei der acuten Polyarthritis zeigt mit unver¬ 
kennbarer Deutlichkeit auf die Quelle jener Vorzüge hin, 
die dem Präparate bei seinen Wirkungen eigen siüd. 
Gerade ihre Promptheit eben, die bei dem beschränkten 
Salicylsäuregehalte geradezu unvermuthet ist und um so 
auffallender, als zu ihrer Erzielung keineswegs häufigere 
oder grössere Dosen nothwendig sind als bei anderen 
Salicylaten «üblich*, zeigt scharf gerade in jener Be¬ 
schränkung die Quelle der Vorzüge, die dem Präparate 
eine Zukunft sichern als specifisches Salicylat bei acuter 
Polyarthritis, als vorzügliches InflueDzamittel uud allge¬ 
meines Antinenralgicum kraft seiner chemisch-physiolo¬ 
gischen Combination, aus der zugleich seine gefahr- und 
zwischenfallslose Verwendung als allgemein wirksames 
Antifebrile resultirt. Denn schon bisher zeigen die 
Erfahrungen vielfach, dass die durch dasselbe bowirkteu 
Temppraturherabsetzungen zuverlässig und in gleich an¬ 
standsloser Art bei Fieberzuständen aus mannigfachen 
Erkrankungsursachen (so Winterberg und Braun 
1. c. Typh. abdom., Meningitis epid., Sepsis etc. und 
Andere wieder anders) zu erzielen sind, auch bei den 
Fieberzuständen der Tuberkulose. 


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R 33 


Ueber eine deutsche ärztliche Studienreise nach den 
sächsischen und boehmischen Bade- und Kurorten. 

Von 

Dr. med. J. W el 1 be rg, 

Moskau. 


(Schloss). 

Von Bodenbacli brachte uns unser'Sonderzug zunächst nach 
Teplitz, dem «Bade der Krieger». In Teplitz wurde uns 
ein besonders warmer Empfang zntheil. Teplitz hatte sich 
auf nnser Kommen besonders gefreut nnd daher nichts ge¬ 
scheut, uns den 2 1 /* tägigen Aufenthalt daselbst möglichst 
angenehm zu machen. Kam es doch Teplitz sehr darauf an, 
dass wir es und seine Badeeinrichtungen recht genau kennen 
lernen, nm dann den verschiedenen Vornrtheilen, die sich 
über Teplitz im Laufe der letzten 22 Jahre beim Publikum 
sowohl, wie auch bei vielen Aerzteu gebildet hatten, ener¬ 
gisch entgegenzntreten. — Teplitz ist das älteste böh¬ 
mische Bad und überhaupt ein sehr altes, — schon die alten 
BBmer sollen es als solches gekannt haben. Es hat eine 
grosse Vergangenheit hinter sich und war im vorigen Jahr¬ 
hundert noch das hervorragendste Bad. Viele Fürsten und 
gekrönte Häupter suchten es gern auf, nnd nach Kriegs¬ 
jahren insbesondere war früher immer die Zahl derjenigen gross, 
die dort Heilung von den Folgen schwerer Verwundungen 
im Kriege suchten. Daher sein Beiname «Bad der Krieger». 
— Dieses alte Fürstenbad nun büsste allmählich schon in den 
60ger nnd 70ger Jahren an Frequenz ein, als in jener Zeit 
nene Anschauungen über Behandlung von Gicht nnd Rheu¬ 
matismus aufkamen und eine Umwälzung in der Behandlung 
der Nervenkrankheiten, die früher in T. stets stark vertreten 
waren, eintrat. Einen empfindlicheren Schaden aber berei¬ 
teten ihm schwere SchicksalBchläge, die es bald darauf er¬ 
fahren musste. — Um Teplitz herum nämlich existirt schon 
seit langen Jahren eine sehr rege Kohlenindustrie, ein aus¬ 
gedehnter Kohlenbergbau (bei Dux, Brüx und anderen nam¬ 
haften Kohlenorten). Da passirle es nnn, dass im Februar 
(10) 1879 in den Ossegger Schiächten bei Dnx durch falschen 
Abbau eine für T. ominöse Grnbenkatastropbe herbeigeführt 
wurde. Es wurde da eine Wasserader angeschlagen und es 
erfolgte mit elementarer Gewalt ein Einbruch heissen Was¬ 
sers in jene Schächte, dem alle z. Z. dort anwesenden Berg 
leute zum Opfer fielen. Es verschwand aber auch sehr bald 
darauf der Jahrhunderte alte heisse «Uiquell» von Teplitz. 
(Einmal übrigens war er schon 1755, am Tage des Ei dbebens 
von Lissabon, für einige Minuten ausgeblieben). 1879 kehrte 
er freilich auch bald wieder, am 3. März, nachdem die Schächte 
ausgepumpt und die Einbruchstelle verdämmt worden waren, 
aber er trat nicht mehr bis an die Erdoberfläche vor, sondern 
blieb unten im Felsspalt zurück, — das Therraalwasser musste 
nnn vermittelst Pumpen gehoben werden. Dieser Unfall war 
für Teplitz natürlich ein schwerer Schlag. Allerlei richtige 
nnd unrichtige Berichte hierüber, aber auch tendenziös falsche 
seitens der Concurrenz, dnrcbschwirrten die ganze Welt and 
brachten T. nm seinen bisherigen Ruf und seine hohe Fre- 
quenzziffer, Und als nun noch in den folgenden Jahren das 
in seiner Existenz geschädigte T. sich der Entwickelung seiner 
Industrie zuwendete und diese bald zur Blütlie brachte, da 
stempelte scheeler Concurrenzneid und Uebelwollen Teplitz zu 
einer ausgesprochenen Fabriksstadt und schädigte seinen 
baineologischen Hof noch mehr. — Diese Wehmoth über das 
dnreh fremde Schuld über T. hereingebrochene Unglück klang 
auch durch alle Reden nnd Vorträge durch, die wir da bei 
den verschiedensten Gelegenheiten zu hören bekamen. Alle 
sie hatten den sympathischen Zug, dass sie keine Beschöni- 
gnngsversuche darboten, sondern die nackte Wahrheit offen 
und ehrlich /.um Ausdruck brachten. Insbesondere möchte ich 
da der Rede d»s Bürgetmeisters San-Rafh Dr. Müller, 
eines früheren Arztes, Erwähnung thnn. Er begrnsste uns 
am ersten Abende mit einer Ansprache nnd gewann durch 
«eine schlichten, warmen und wahren Worte sofort unser 
aller Herzen für sich und seine Stadt. «Nicht die Quellen 
haben sich geändert», sagte er da n. A., «oder ihre Wirk¬ 
samkeit eingebiisst, wie Sie sich selbst überzeugen werden 
von der Nichtigkeit der hierüber verbreiteten Geiiichte. Auch 
die maletische Schönheit der Umgebung ist dieselbe geblieben 
bezüglich welcher wir wohl mit den meisten Badeorten in 
Concnrrenz treten können. Geändert aber haben sich die 
Stadt und die Erwerbsvei bältnisse ihrer Bewohner». Und 
nnn schilderte er, wie durch den Unternehmungsgeist der 
Bewohner T- zu einer bedeutenden Handels- nnd Industrie¬ 
stadt hei ausgewachsen ist nnd daher nicht mehr ausschliess¬ 
lich Kurort ist, wie früher. Das Missliche dieses Verhält¬ 
nisse» wäre ihm nnd der Stadtverwaltung natürlich sehr gut 
bekannt, sie bemühten sich aber redlich, beide Richtnngen zu 
pflegen und im Einklänge zn erhalten, wobei sie von der Ein¬ 
wohnerschaft mit VerBtändniss unterstützt würden. — Und 


wirklich — dem entsprachen auch die Eindrücke, die wir 
überall und von allem in Teplitz empfingen. Ueberall zeigte 
»ich das eifrigste Bestreben, den Knrort zn vervollkommnen 
und auf die alte Höhe zu bringen. — Ganz Teplitz setzt sich 
»ns 3 Gemeinden zusammen: Teplitz, Tarn und Schönau. 
Teplitz ist die eigentliche Stadt und das Handelsviertel, 
Turn — das Industrieviertel und Schönau das Kur viertel. 
Die alte Thermalquelle ist in Teplitz selbst, im alten Stadt¬ 
badhaus nnd speist von dort die in Schönau gelegenen neue¬ 
ren Badhäuser, daher der volle Name des Kurortes: Tep- 
litz-Schönau. Schönau ist ein blühender Garten nnd 
Park, die Logishänser darin für die Kurgäste — lauter Villen, 
Badhänser — Gebäude verschiedenen Alters, verschiedener 
Güte nnd veischiedener Ausstattung, darunter anch ganz 
neue mit allen modernen Einrichtungen, ja auch mit einem 
gewissen luxuriösen Comfort, wie das Neubad and das Kai- 
seibad. Als etwas Neues sah ich in Teplitz-Schönau sog. 
Schwebeapparate, — Vorrichtungen, mit denen Schwerkranke, 
Gelähmte, unbewegliche Rheumatiker nnd Gichtiker in sehr 
schonender Weise ins Bad gehoben werden, während dieselben 
im Appaiat verbleiben und dann ebenso bequem aus dem 
Bade wieder herausgesehafft werden können. Solche Hebe- 
resp. Schwebeapparate 6ind mir anderswo nicht, zu Gesichte 
gekommen, anch in Karlsbad und Marienbad nicht. Teplitz- 
Sehönan ist im Grande wohl nur eine indifferente 
Therme, von 47—48° C., ein sog. W i 1 d b a d, will aber 
mit anderen Wildwässern nicht identiticirt werden, bean¬ 
sprucht der hohen elektrischen Spannung seines Wassers 
wegen eine Stelluug «für sich». An chemischen Bestand¬ 
teilen hat das Wasser aber ansser kohlensaurem Natron, 
wie alle Akrotliemieu, nichts Besonderes aufzuweisen. Ne¬ 
ben diesem Thermalwasser hat T—cli auch sein Moor und 
dann natürlich alle die modernen Hilfsmittel, wie Douchen, 
Massage, Electricität, Mechanotherapie und was drgl. n. m. 
Anch getrunken wird das Teplitzer Wasser, allerdings daun 
mit CO- künstlich imprilgnirt. Teplitz’s Indikationen sind 
wie bei allen Wildbädern sehr weitgehende: Rheumatismus 
in allen seinen Formen. Gicht, allerlei Exsudate, Neuralgieen, 
Ischias insbesondere, Hautkrankheiten. Syphilis und drgl. — 
Worauf es Teplitz jetzt vor allem ankommt, ist — dass man 
glaubt, dass die Quellen die alten geblieben sind, gegeu 
früher nichts verloren haben. Dann wird auch das Miss¬ 
trauen gegen T., dass immer noch beim grossen Publfcnm 
und zum Theil auch bei den Aerzten vorhanden ist, wieder 
schwiuden. Und dass die Quellen dieselben geblieben sind, 
haben neuerdings wieder die Analysen des Prof. Lieb¬ 
le i c 1) ergeben, — und dass das Wasser wirklich natur¬ 
warm dem Schoosse der Erde entquillt, davon haben sich 
alle die Aerzte überzeugt, die in den Quellenschacht bis zum 
Niveau des Wassers hiuabgestiegen sind, — und zu diesen 
habe ich auch gehört. — Das Thermalwasser wurde zuerst 
mit Dampfpumpen heraufbefördert. Weil aber die Concnr- 
renz bald das Gerücht in Umlauf setzte, die schlauen Tep¬ 
litzer wärmten gewöhnliches kaltes Qnellwasser da unten mit 
Dampf vor und pumpten es dann herauf, so hat die Stadt, 
um dem entgegenzutreten, die ungeheuren Kosten nicht ge¬ 
scheut und hat die Dampfpumpen durch elektrische ersetzen 
lassen. Man sieht da unten auch nichts von Dampf und 
Heizung, — das mit dem Vorwärraen ist — und war immer 
nur — ein Ammenmärchen. 

Es würde mich freuen, wenn icli den einen oder anderen 
von den Lesern, der von der Decadence Teplitz’s gehört hat, 
für T. wieder gewonnen haben sollte. Man kann ruhig seine 
Kranken dorthin schicken, — sie werden dort gut aufge¬ 
hoben sein. — Wenn ich mich etwas lange bei Teplitz auf- 
gehalten habe, so geschah es, weil ich den an uns gerich- 
reten Appell der Teplitzer CollegeD, der alten Thermenstadt, 
nachdem wir deren Einrichtungen besichtigt nnd für gut 
befunden, docli wieder zu den alten Ehren zu verhelfen, 
nicht unbeachtet verklingen lassen möchte. Nicht wenig 
wird Teplitz genüzt haben, dass weiland Rudolf Vir- 
cho w nach seinem Unfall ira Januar 1902 im Mai und Juni 
dort zur Kur war und in einem zurOeffentlichkeit gelangten 
Briefe an seinen Leidensgefährten Prof. Pieckhorst in 
Berlin sich sehr zufrieden über Teplitz und seinen Kurerfolg 
daselbst geäussert hat. 

Zum Schloss noch die Bemerkung, dass Teplitz-Schönau 
ein vorzügliches Trinkwasser hat, das dem Erzgebirge ent¬ 
stammt, eine ausgiebige Canalisation, sehr sorgfältig 
gepflegte Gartenanlngen nnd eine wunderhübsche Umgebung. 
— Die Teplitzer Tage waren für uns wirklich sehr schöne 
und genussreiche, — in wissenschaftlicher, gesellschaftlicher 
und collegialer Beziehung. 

Von Teplitz aus machten wir auch per Eisenbahn einen 
Ausflug nach dem nahgelegenen Bilin, einer kleinen Quel¬ 
lengruppe, deren alkalisch-salinische Wässer als «Biliner 
Sanerbrunn» zum Versand kommen nnd unter diesem Namen 
allgemein bekannt sind. Hier galt es namentlich, die Fül- 
luug, Verpackung und Versendung dieses Wassers sich an- 


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Zusehen, — und das ist wirklich sehr sehenswerth. Zahl* 
reiche Menschenhände im Verein mit elektrisch betriebenen 
Maschinen besorgeu hier mit Bienenfleiss die verschiedenen 
Phasen der Flaschenbereinignng. dann die Flaschenfüllung — 
durch ein Revolversystem, wie bei unseren Mikroskopen —, 
weiter die Flaschenverkorkung:. —Verkapselung und — eti- 
quettirnng, — schliesslich die Verlagerung: und Verpackung:, 
in Kisten und frei auf Stroh in dicht danebenstehende Wag¬ 
gons — zum Versand. Und das alles so peinlich sauber und 
in so eleganten Gebäuden, dass man über den dabei zutage 
tretenden Beichthum und Comfort nur staunen kann. Es 
weiden da aber auch gegen 5 Millionen Flaschen versandt 

— die werfen schon was ab. Das Ganze gehört aber auch 
dem Fürsten Lobkowitz, Herzog Raudnitz, einem 
der reichsten böhmischen Magnaten. Daher hat Bilin-Sauer- 
brnnn auch nicht nur seinen Wasserversand, sondern aucli 
eine mit allem Comfort ausgestattete Kuranstalt, mit Wan¬ 
nen-, Dampf-, elektrischen- nnd Lichtbädern, mit Inhalato¬ 
rium und pneumatischer Kammer, mit Massage und Kaltwas¬ 
serbehandlung. — Auch die Fabrikation der berühmten «Bi- 
liner Verdauungszeltchcn» sahen wir uns an und freuten 
wir uns über deren saubere und elegante Herstellung. Am 
meisten aber fesselte unser Interesse ein dort geschautes 
Unicum vielleicht, der sog. «Biliner Sprudel». Das ist eine 
Quelle, die 1890 in einer Tiefe von 55,8 m. als vollkommen 
eisenfreier, aber kohlensäurereicher Säuerling entbohrt 
wurde. 12.3 m. tiefer wurde im selben Borloch ein zweiter 
Säuerling entbohrt, der aber stark eisen h a ltig ist. Beide 
Quellen sind nun derart in der Tiefe gefasst, dass sie in zwei 
ineinander geschobenen Stohren getrennt zutage kommen, die 
eine als Sprudel, die andere, tiefere, als Springquell, — von 
3 m, Höhe. Beide liefern täglich gegen 18,000 Lit. Wasser. 
Zum Versand wird nur der eisenfreie Spindel benutzt. Also 

— 2 Mineralquellen verseil ied ener Beschaffenheit aus 
einem Borloch« getrennt zutage tretend, — dass ist 
doch wirklich interessant nnd einzig ! 

In Bilin gabs noch mancherlei zu sehen. Bilin hat eine sehr 
hübsche Umgebung, hat grosse Kohlenbergwerke, in die auch 
eingefahren werden durfte, hat auch ein Wäldchen gleichen 
Namens neben sich, das anch mancherlei zu zeieen hatte, 
bat aber vor allen Dingen seinen munificenten Herrn, den 
Fürsten Lobkowitz, der es so schön erhält und der uns 
dort' einen wahrhaft fürstlichen Empfang bereitet hat. Tief 
befriedigt kehrten wir von dort am späten Abende nach 
Teplitz zurück. Ara nächsten Morgen brachte uns unser 
Zug zu einem zweiten derartigen Quellen-Indnstrie-Etablisse- 
ment, Krondorf, und im Laufe des Tages noch zu einem 
dritten, Giesshtibl, aber so schön, wie in Bilin, hat es uns 
doch in keinem der anderen gefallen. Kronsdorf ist ein 
viel kleineres Etablissement und mit viel primitiverem Be¬ 
triebe, immerhin versendet auch es gegen 3 Millionen Flaschen 
seines sehr erfrischend schmeckenden alkal. .Säuerlings. 
Giesshübl dagegen steht Bilin eigentlich in garnicht.s 
nach. Auch das ist ein prächtiges Stückchen Erde, hat seine 
vier ergiebigen, herrlich erfrischend schmeckenden Quellen, 
hat seinen gleichfalls grossartig eingerichteten nnd auf eine 
sehr hohe Potenz gebrachten Betrieb — es versendet jährlich 
8—9 Mill. Flaschen — nnd hat auch seine mit dem ganzen 
modernen Aufputz versehene Kuranstalt für Trink- und Bade- 
knren. Es ist ein ausgezeichneter Ort für Erholungsbedürf¬ 
tige und Reconvalescenten. Die Aufnahme ln Giesshübl war 
anch eine glänzende, wenn sie auch nicht das aristokratische 
Gepräge Bilins an Bich trug, denn Heinrich Edler v. Ma¬ 
th o n i ist kein Fürst, sondern ein früherer einfacher Karls¬ 
bader Geschäftsmann, der es durch Klugheit nnd Energie 
zu Reichthum und Titel und Stellung, ja zur Weltstellnng 
gebracht hat, denn — wer kennt nicht den «Giesshübl«r- 
Mathoni»! Er machte beim Empfange selbst die Honneurs, 
hielt auch eine Ansprache an uns. die mit einem Hoch auf 
die Aerzte überhaupt ausklang, denen er doch alles, was er 
besitze, verdanke, sintemalen sie sein Wasser so gut em¬ 
pfehlen. 

Auch ein wissenschaftlicher Vortrag über Giesshtibl wurde 
uns während des Diners von dem dortigen Badearzte geboten, 
der verklang aber vollständig unter dem Geklapper der 
Teller und nnter dem Knallen der Sect-Pfropfen. Mitten in 
die gehobenste Dinerstimmung hinein erschallte der Mahn¬ 
ruf unseres schneidigen Feldmarschalls Dr. Meissner zum 
Aufbruch, und eineD Moment schien es, als wenn er ver¬ 
geblich riefe, aber — in kanm 5 Minuten war alles wieder 
marschbereit und machte sich auf zurück zur Bahn und weiter 
fort wieder ins sächsische Land, nach Bad-Elster. Es ging 
also zunächst noch an Karlsbad und Franzensbad vorbei. 

Von E 1 8 t e r , diesem von der Sächsischen Regierung so 
gehegten und gepflegten Staatsbade, ist zunächst zu sagen, 
dass es in landschaftlicher Beziehung eine wahre Perle ist. 
Es liegt so wunderbar inmitten bewaldeter Berge und selbst 
still feierlich, ohne rauchende Fabrikesseu und klappernde 
Maschinen, bietet es dem müden, dem Abgespannten, dem 


Nervösen die erquickendste Ruhe und die friedlichste Stille 
auf seinen mit den herrlichsten Wäldern bestandenen An¬ 
höhen. Man kann da stundenlang anf den Immer nnr sanft 
ansteigenden und mit vielen Ruhebänken versehenen Wegen 
proraeniren, ohne anderen — oder wenigstens nicht vielen 
anderen — Menschen zu begegnen. Man fühlt sich bald hin¬ 
gezogen, sich ganz dem Gennss der herrlichen Ausblicke ins 
weite Land hinzugeben, und bekommt dabei noch eine wun¬ 
derbar reine, nach Ozon wirkliche duftende Waldluft zn 
athmen. Darin hat es mir wohl ganz ungemein gefallen, 
sonst ab«r machte es — um diese Zeit wenigstens, die Hoch¬ 
saison war ja schon vorüber — im Vergleich zu den böh¬ 
mischen Bädern einen etwas spiessbürgerliclien Eindruck. 
Von Eleganz war am Publikum schon garnichts zu sehen — 
und am Orte seihst anfangs auch nicht viel. Als wir aber 
am Abend des Ankunftstages zu dom uns von der Köngl. 
Staatsregierung dargebotenen Festdiner im Knrhause uns 
versammelten, da musste sich unser erster Eindruck doch 
bedeutend ändern: das Kurhaus ist nicht nur sehr elegant 
von aussen, sondern anch sehr grossartie - im Innern und 
kann sich mit iedem anderen dreist messen. Dementsprechend 
war auch die Begriissung nnd die Bewirthung der angekom- 
menen Aerzte daselbst. Am Bahnhöfe gab es natürlich auch 
schon officiellen Empfang mit Musik nnd Reden nnd Gegen¬ 
reden und — gar photographischer Aufnahme. — In balneo- 
logischer Beziehung interesslrfe uns Elster am meisten durch 
seine Moorbadeinrichtungen. Hier lernten wir so recht erst 
kennen, was Moor ist, wie Moor für die Bäder zugerichtet 
wird, wie es mit dem Mineralwasser gemischt, mit Dampf 
erhitzt und dann wieder durch Zusatz von kaltem Moorge¬ 
misch auf die gewünschte Bvdetemneratur zurückgeführt 
wird. Zn alled« n sind grosse Vorrichtungen nöthie - . und das 
alles ist In Bad-Elster vollständig vorhanden uni functionirt 
tadellos. In dem neuen Anbaue des Kögl Badhauoes, dem 
sog. Alhertsbade. stehen 170 Zellen fiir Moor- und Wannen¬ 
bäder zur Verfügung, und es werden da in der Hochsaison. 
hie88 es. ca. 500 Moorbäder täglich verabfolgt. Alle diese 
Zellen sind hübsch lind practisch eingerichtet, durchaus nicht 
schlechter, als in dem berühmteren und ira Allgemeinen ele¬ 
ganteren Moorbade •xs?e;oyYj , v — Franzensbad. — Unser 
Rundgang in Elster erstreckte sich natürlich auch auf die 
Quallen. Es sind hauptsächlich alkalische Eisen¬ 
quellen, aber auch eine Glaubersalzquelle ist dabei, die 
Salzquelle, die iu ihrer Wirkung dem Marienbader 
Kreuzbrnnnen wenig nachstehen soll. Getrunken wird in 
Bad-Elster vornehmlich die Moritzquelle, bekanntlich die sog- 
Bnbenquelle. Warum Elster aber nur ein Frauenbad sein 
soll, wofür es allgemein gilt, sehe ich nicht ein. 

Es können hier gewiss ebenso gut Männer mit chronischer 
Opstipation, mit Fettleibigkeit, Nervenkrankheiten und gich¬ 
tisch-rheumatischen Beschwerden behandelt werden, wie 
Frauen mit allen diesen und noch ihren speciellen Sexual- 
Leiden. Allerdings bleiben als Hauptindication für Elster 
immer die mit Verstopfung verbundenen Chlorosen und Anä¬ 
mien. Nebenbei ist es. wie schon erwähnt, ein ganz vorzüg¬ 
licher Luftkurort, Waldknrort. — Bad Elster hat auch eine 
stetig steigende Kurgast-Frequenz aufzuweisen und verdankt 
das nicht nur seinen natürlichen Heilschätzen, sondern auch 
seiner umsichtigen, geschickten Verwaltung und seiner in¬ 
telligenten Aerzteschaft. — Bemerken will ich nur noch, dass 
ich anch hier wieder ei neu «Dorpatenser» an getroffen habe, 
den Dr. Wer bat ns aus Riga, der hier — auch mit einer 
Livländerin verheirathet — seiner Praxis angenehm lebt. 

Von Bad-Elster gings wieder zurück ins Böhmerland nnd 
zunächst nach Franzensbad, dann über Marienbad 
zu unserem Endziele — Karlsbad. Diese drei, die be¬ 
rühmtesten Böhmens — und wohl auch Europas und der 
ganzen Welt, sind wohl auch den Lesern dieses die bekann¬ 
testen, vielen gewiss aus eigener Anschauung bekannt. Ich 
kann mich daher über sie kürzer fassen, sie vielleicht mehr 
oler weniger gemeinsam behandeln. — Geboten haben uns 
diese drei am allermeisten, hier gab es am meisten zu sehen 
und zu bewundern, und der Empfang und die Aufnahme 
waren hier an einem Orte grossartiger nnd opulenter als 
am andern. Unsere Studienreise artete hier schon zum reinen 
Fest- und Triumphzuge aus. Unser Oomite hatte an diesen 
drei Orten keinen leichten Stand, musste physisch und red¬ 
nerisch gehörig Vorhalten, löste seine Aufgabe aber anch 
ganz brillant. Insbesondere verdient da hervorgehoben zu 
werden der Professor Ott. ein frischer, strammer Silbergreis, 
der sich durch seinen Gedankenreichthura und seine Schlag¬ 
fertigkeit immer auf der Höhe hielt und bis zuletzt keine Er¬ 
müdung zeigte. — Franzensbad, — Marienbad und — gar 
Karlsbad! Nun, es sind ja auch die drei reichsten Bäder, die 
sich von unserem Kommen nichts zu erhoffen brauchten, denen 
es vielmehr eine Befriedigung gewährte, uns «standesgemäss» 
zu empfangen und uns zu zeigen, was sie alles haben 
und — bieten können. Und was haben sie alles! Natur 
nnd Kunst haben sich hier vielfach die Hand gereicht und 


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Höilpotehzen mit Zweckmässigkeit, Comfort und Luxus zu 
einem schönen Ganzen verbunden. — Kam hier bei dem reichen 
Angebot fürs Auge, Ohr und — den Gaumen die Wissen¬ 
schaftlichkeit vielleicht etwas kurz ab, so wurde uns doch an 
jedem der 3 Orte ein ernster wissenschaftlicher Vortrae ge¬ 
halten nnd zwar von namhaften Persönlichkeiten: in Fran¬ 
zensbad von Ptof. v. Rokitansky — Innsbruck über «die 
Balneologie nnd ihr Verhältnis zur gesarnmten Medicin» — 
in Marienbad von Prof. Ritter v. Rasch (Marienbad) «über 
die Behandlung der gestörten Herztuntionen durch die Heil¬ 
mittel Marienbads» — und in Karlsbad vom ältesten Karls¬ 
bader Badearzt. Geheimrath J a q u e s Mayer. «Ueber die 
Wirkungen der Karlsbader Thermen. Indicationen und Con- 
tramdicationen». 

Zu sehen gab’s natürlich die Hülle nnd die Fülle und in 
Franzensbad schwelgte man geradezu in «Moor», theo¬ 
retisch und — practisch. Die Franzensbader Aerzte 
erkennen nur ihr Moor als «Moor» an, alles andere ist nur 
«Torf und Schlamm». Ihr Moor hat aber auch wirklich viele 
Vorzüge, — es klebt einmal nicht so am Körper, wie da9 
Moor anderer Bäder, lässt sich daher viel leichter abspülen, 

— ferner ist es Mineraleisen — und CO J reicher, als das der 
meisten anderen, zwickeit daher so angenehm am Körper, 
wenn man im Bade sitzt. Solch ein Bad wirkt eher erfrischend 
als angreifend. «Franzensbader Mineralmoor» kann man sa¬ 
gen die dortigen Collegen, nur in Franzensbad selbst ha¬ 
ben, alles was sonst unter diesem Namen empfohlen, ja gar 
versandt wird, ist kein Franzensbader Moor, denn Franzens¬ 
bad achtet ängstlich und streng darauf, dass von seinen aus¬ 
gedehnten Moorfeldern auch «nicht ein Esslöffel voll» Moor 
exportiert wird. Nun, — trotz alledem wird man zngeben 
müssen f dass auch anderswo mit den Moorbädern gute Er¬ 
folge erzielt werden köunen und auch weiden. 

Eins aber gebt dem eleganten Franzensbad gauz ab, das 
ist der landschaftliche Reiz; darin ist es Elster, seinem ganz 
speciellen Concurrenzbade, wohl weit unterlegen. Es liegt iu 
flacher Gegend, hat wohl hübsche Parkanlagen und gepflanzte 
Alleen, aber sonst nichts besonderes, namentlich keinen Wald. 

— Dagegen kann es aber ebensogut Männer- wie F ranen- 
bad sein, für welch’ letzteres es ja — und zwar zum Ver¬ 
druss der dortigen Aerzte nnd auch Nichtärzte — fast aus¬ 
schliesslich gilt. Es hat so viele Indicationen. dass es ebenso 
Männer mit Anaemie und chronischen Catanhen des Magens 
nnd des Darmes, mit Haemorrhoiden, Gicbt und Rheumatis¬ 
mus erfolgreich behandeln kann, wie Frauen mit Chlorose, 
Menstruationsstörungen UDd Öexualleiden. 

Marienbad nun, das «Paradies der Dicken» verdient 
wohl die Palme vor allen anderen, — das ist ein Kurort per 
excellence. Herrlich inmitten bewaldeter Höhen — Bad-Elster 
sehr ähnlich — gelegen, bat es eine absolut reine Luft, denn 
kein FabriksckornsteiQ, kein Ranch, kein staubenderoder 
übelriechender Betrieb ist im Umkieise von zwei Wegstunden 
Radios anzu treffen. Und dabei diese Sauberkeit, diese Eleganz 
und dieser Reichthum an verschiedenartigen Quellen! Es 
hat gl'a abersalzhaltige, den berühmten Kreuzbrunnen, 
r— ee hat eisenhaltige, den Arabrosiuabrunnen, — es 
hat erdig alkalische, die findolfsqnelle, und es hat 
einen einfachen Säuerling, die Marienqnelle. Alle 
Qaellen sind aber kalt, und Marienbad selbst seiner hohen 
Berge wegen (628 m. über dem Meere, Karlsbad nur 374 m.) 
nur im Sommer zu benutzen. Aber was kann man nicht alles 
dorthin schicken: Blutarmuth und Chlorose, Fettsucht, Gicht 
and Diabetes, Ham- und Geschlechtskranke, Asthmatische 
und Herzkranke! Wenn’s nur nicht etwas zu theuer ist, was 
die grosse Eleganz allenthalben befürchten lässt, sonst wäre 
an ihm wahriieh nichts auszusetzen. — Empfangen und feier¬ 
lich begrüsst wurden wir in Marienbad nicht nur von Kur¬ 
verwaltung und Aerzteschaft, sondern auch vom Abt des 
Stiftes Tepl, dem Hausherrn von Marienbad sozusagen. Das 
Stilt Tepl ist nämlich der Grund- und Bodenbesitzer von 
ganz Marienbad und hat aus seinen grossen Mitteln alles das 
geschaffen, was Menschenhand und Meuschengeist der wun¬ 
derbaren Natur des Orts noch hat beifügen können. 

Karlsbad endlich — imponirte uns nach Marienbad an¬ 
fangs garnicht. «Es ist ja eine schmutzige Geschäfts- und 
Fabriksstadt, aber kein Kurort», sagten wir uns, als wir un¬ 
seren Bonderzng endgültig verlassen hatten und nun in hol¬ 
pernden Umnibuswagen nach unseren Quartieren gefahren 
worden. Tepliiz machte anfangs durchaus keiuen schlechte¬ 
ren Eindruck als Karlsbad. Aber — es ist doch ein eigen 
Ding nm Karlsbad, — je länger man sich dort aufhält, desto 
mehr gefällt es einem. Dann liegt der Zauber Karlsbads den 
es anf die Leute ansübt: es ist nicht nur heilkräftig und aller 
Welt bekannt, sondern auch sehr interessant und -- amüsant. 
Marienbad kann trotz seiner grossen Vorzüge am Ende bald 
langweilig werden, Karlsbad — nie, man sieht sich an Ma- 
rienbad bald s&tt, an Karlsbad nicht. Daher gehen auch so 
viel Gesunde nach Karlsbad und halten sich dort als «Kur¬ 
gäste» anf. — Kommt mau erst aas dem rein städtischen 


Theile Karlsbads heraus und in’s Kurviertel herein, so sieht 
man erst, wo man ist, und sieht bald, dass man in einem 
Welt bade allerersten Ranges ist. Diese vielen und verschie¬ 
denen Menschen, die man aaf den Strassen sieht nnd in. allen 
Sprachen sprechen hört! Diese zahlreichen grossartigen Eta¬ 
blissements zur Aufnahme und Verpflegung der vielen Kur¬ 
gäste, — diese Magazine nnd Schaufenster allein, die schon 
deutlich sagen, wie viel Menschen sich hier anfhalteu und 
wie viel Geld sie liier lassen müssen! Dann die vielen Quel¬ 
len, deren Fassungen und Colonnaden — und der «Sprudel» 
allein, das ist ja 'was Grossartiges! 

Und — last not least — die Natur um Karlsbad herum! — 
Die lernt man in 8 Tagen nicht einmal flüchtig kennen, so 
reich und mannigfaltig ist sie.—Eine Unmasse von Anregung 
und Unterhaltung wird einem hier geboten, und man ver¬ 
steht wohl, dass Karlsbad trotz aller Conourrenz seine Vor¬ 
herrschaft behauptet und immer noch mehr Leute zu sich 
lockt, ln diesem Jahre hatte es im September schon gegen 
52000 Kurgäste zu verzeichnen, und mit ans zusammen waren 
ihrer noch gegen 5000 da. Nein, Karlsbad i>t wohl einzig! — 
Ueber seine Indicationen brauche ich nicht zu sprechen, die 
sind ja allgemein bekannt, — ich will nur bemerken, dass es 
baineologisch vielleicht nur bei der Gallensteinkrankheit den 
anderen Bädern überlegen ist, bei allen anderen Krankheiten 
aber, die dort noch zur Behandlung kommen, wohl nicht. Das 
sind dann andere Faktoren, die Karlsbad den Vorzug geben 
lassen, als gerade das heisse glanbersalzhaltige Wasser. Was 
in Karlsbad schlimm ist, das sind die vielen Aerzte, unter 
denen den richtigen für sich heranszufinden, dem Kurgast 
wohl ungemein schwer fallen muss. Mau tliut als sendender 
Arzt daher immer gut, seinem Patienten eine feste Adresse 
mitzugeben. 

Geschmückt war Karlsbad bei unserem Kommen hoch festlich, 
das galt aber weniger uns, als der 74. Versammlung deu¬ 
tscher Naturforscher und Aerzte, die am nächsten Tage, dem 
21. September, dort beginnen sollte. Unsere «Studien» in 
Karlsbad waren daher auch etwas cursorisch. Wer genauer 
studiren wollte, konute ja Mitglied der Naturforscherver- 
sainmlung werden und statt des einen «Reise»-Tages sieben 
weitere dort bleiben, was auch viele von uns thaten. Unsere 
Studienreise ging aber schon am Abende des 20. September 
zn Ende nnd schnitt mit einem höchst stimmnngsvollen Fest- 
commerse im «Stadtpark» ab. Da kam die allgemeine Zufrie¬ 
denheit ob der gelungenen Studienreise so recht zum Aus¬ 
druck: Dankesworte, Abscbiedsworte, Segenswünsche für’s 
fernere Gedeihen der Stadienreisen, Zurufe des Wiedersehens 
für’s nächste Jahr, die klangen durch den Saal — ohne Zahl 
und bildeten einen schönen Scblussaccord zum Ganzen. An 
diesem Schlussabende wurde vom Komitee auch bekannt ge¬ 
geben, dass die nächstjährige Studienreise an den Rhein 
geht. — Wenp ich non durch diese meine Mittheilung bei 
einem der Leser Lust geweckt habe, die nächste Reise rait- 
zumachen, so ist mein Zweck erreicht, denn etwa eine balne- 
ologische Abhandlung über die besuchten Kurorte zu bringen, 
konnte doch uicht meine Absicht sein. 

Moskau, December 1902. 


Bacheranzeigen und Besprechungen. 

E m m e r 1 i n g, 0. Die Zersetzung stickstofffreier orga¬ 
nischer Substanzen durch Bakterien. (Braunschweig, 
Druck and Verlag von Friedrich Vieweg uud Sohn, 1902. 
(Mk. 4). 

Das kleine Buch ist eigentlich, wie auch das Vorwort be¬ 
sagt, für Chemiker bestimmt, doch könnte der Arzt, der sich 
mit Stoffwechselversnchen beschäftigt, vielleicht auch man¬ 
chen interessanten Hinweis finden, oder auch der Bakterio¬ 
loge. 

U ck e. 


Protokolle d©8 Vereins St. Petersburger Aerzte. 

731. Sitznng am 15. October 1902. 

(Schluss). 

3) K all me y er berichtet über einen Fall von Herma- 
p h r o d i s i a p s y c h i c a. 

Eine Patientin wandte sich vor Kurzem an Vortragenden 
eigentlich wegen einer Bronchitis. Ihre sonderbare Kleidung 
und ihr Auftreten jedoch legten beim ersten Anblick den Ge¬ 
danken nahe, dass es sich liier ansserdem noch um eine Ab¬ 
weichung sai generis handle; 

Die im Laufe der Unterhaltnng nach der Richtung hin ge¬ 
wonnenen und übrigens später noch darch eine verwandte 
der Patientin bestätigten Angaben lauteten folgendermassen: 


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Patientin 23 Jahre alt, ans guter Beamtenfamilie stammend, j 
Lat ihre Eltern früh verloren und ist in Gesellschaft ihres 
ältereu Bruders und anderer Knaben aufgewachsen, zu denen 
sie sich immer mehr hingezogen fühlte als zu Mädchen. Hat 
eine gute Bildnng in einer Mädchenschule genossen, bezieht i 
eine Pension, von der sie lebt, schriftstellert aber und hat 
einen Roman in einer der besseren Zeitschriften veröffentlicht. 
Raucht seil dem 15. Lebensjahre, jetzt täglich bis 100 Ciga¬ 
retten. Trinkt täglich 3-4 Flaschen Bier, häufig sogar 5-6. 
Fühlt sich als Frau nicht in ihrem Element, möchte die 
Frauenkleider ablegen, da sie ihr lästig und unbequem sind. 
Hat schon lange die Absicht sich zu dem Zwecke begutachten 
zu lassen, um dann um die polizeiliche Erlaubniss zum Tra¬ 
gen der Männerkleidung einzukoramen. Patientin fühlt sich j 
in Gesllschaft weiblicher Individuen eigentlich ungenirter und | 
wohler als in Mäunergesellschatt. Hat die Menses 4wöchent- , 
lieh, 3tägig, spärlich. Ein ausgesprochener Geschlechtstrieb ! 
fehlt. Cohabitationsversuche haben nicht stattgefunden. Der ! 
Patientin haben sich jedoch Personen nähern wollen, speciell 
eine junge Wittwe hat ihr Anträge gemacht; sie hat aber die¬ 
selben abgewiesen. Es liess sich dann noch in Erfahrung bringen, 
dass Patientin manches über ihren vermeintlichen Zustand 
— sie hält sich fiir eine Hermaphroditin — in speciellen po- 
pulär-medicinischen Büchern nachgelesen hat und sich man¬ 
cherlei fehlerhafte Vorstellungen darüber macht. 

Aeusseres,Tracht und objective Untersu¬ 
chung: Schlanke Gestalt, blasses, feines Mädchengesicht, 
ohne jede Spur eines Bartes. Keine Trinkeruase, rauhe, tiefe 
kräftige Männerstimme, Fehlen des prominenten pomutn 
Adami, wohlgeformte weibliche Hand. Das Haupthaar nach 
Männerart gescheitelt, dünn, weich, halbkurz geschoren. 
Schritt, Manieren männlich. Die Kleidung besteht aus einem 
Fiauenrock, darüber eine Art Jacquet ohne Weste, ein ge¬ 
stärktes Vorlegebemd mit Kragen und Kravatte, darunter 
ein Franenhemd ohne Corset. Die Lungenspitzen gedämpft; 
chronische nnd frische Bronchitis und Anämie. Mammae 
schwach entwickelt. Sonst nichts Abnormes. Auch die 
äusseren Genitalien bei oberflächlicher Untersuchung normal 
weiblich. Patientin wurde zur genaueren sexuellen Begut¬ 
achtung an Dr. Beckmann überwiesen. Dessen Betund 
giehe unten. Auf Vorschlag des Letzteren ist der Fall als 
eine Hermaphi odisia psychica anzusehen. (Krafft-Ebing.) 

Verordnet wurden Maßregeln gegen die Bronchitis und 
Anämie und gegen das Bestreben Mann zu werden, die männ¬ 
lichen Gewohnheiten zu lassen und sich als Weib zu fühlen 
und zu gebahren. 

(Autoroferat.) 

D i s c u s s i o n. 

Beckmann kann die Angaben Kallmeyer’s durch¬ 
aus bestätigen: denselben Eindruck machte die Person zu¬ 
nächst auch auf B. und vermuthete er anfangs Hermaphro¬ 
ditismus. Bei genauer Untersuchung erwies sie sich jedoch 
als virgo mit vollkommen normalem Befund der Geschlechts¬ 
organe und hatte regelmässige Menstruatiou. Er sprach den 
Fall tnr psychischen Heimaphroditismus an, mit Neigungen 
die eher einem Manne entsprachen und ohne stnet ausge¬ 
sprochenen üeschlechtstrieb. Er suchte sie daher nur psy¬ 
chisch zu beeinflussen, die Idee vom Mannsein autzugeben. 

Fischer will den Fall auf Schwachsinn oder lmbecillität 

zurtickftihren. _ , 

K a 11 m e y e r bestreitet dies, da das Mädchen einen durch¬ 
aus intelligenten Eindruck machte, 

Heuikng: Ich glaube nicht, dass das ganz eigenartige 
Wesen der Pat. einfach nur auf Schwachsinn beruhe. Es 
scheint mir, dass dem eigenthümlichen Aufbau ihrer Psyche 
eine Anomalie zu Grunde liegt, die man am treffendsten mit 
dem Ausdruck «perverse sexuelle Veranlagung» kennzeichnet. 
Dafür sprechen eine Menge Einzelzüge des von K a 11 m ey er 
und Beckmann geschilderten Gesammtbildes. — Zur Cha¬ 
rakteristik eines sexuell pervers empfindenden Individuums 
gehört durchaus nicht, dass es unbedingt auch wirklich 
sexuellen Verkehr mit gleich geschlechtlichen Personen habe. 
Der sexuelle Trieb sensu strictiori kann bei solchen anomal 
veranlagten Menschen quantitativ sehr gering entwickelt 
sein, so wie es ja auch eine Menge normaler Personen mit 
wenig ausgesprochenem geschlechtlichem Triebe, namentlich 
unter Personen weiblichen Geschlechtes, giebt. bo könne Ich, 
beispielsweise sei es angeführt, zwei durchaus als «Urninge» 
sich fühlende Männer, die, obgleich sie bereits in meinem 
Jahresalter stehen, nachweislich sich jedes intimen Umganges 
mit Männern enthalten haben. Ob es zu letzterem komme 
oder nicht, hängt vou mancherlei Umständen und Einflüssen 
ab! Erziehung, das Milieu, indem sie später leben, mora¬ 
lische Bedenken, religiöses Empfinden üben in^dieser Bezie¬ 
hung einen grossen Einfluss aus; auch reine Zufälligkeiten, 
wie Verführung, eine gelegentliche Begegnung mit einer 
ihnen besonders sympathischen Persönlichkeit und dgl. spieleu 
hierbei eine grosse Rolle. Gute Schilderungen dieser wenig 
ausgesprochenen anomalen Seelenzustände finden sich, ausser 


bei Krafft-Ebing, auch in dem Werke Alb. M o 11 * s, 
der zwecks seiner Forschungen aus den reich fliessenden 
Quellen des Berliner Polizeiarchivs geschöpft hat. 

Fischer: Für abnormen Geschlechtstrieb liegt keine 
Angabe vor, wohl aber sind Anhaltspunkte für Schwachsinn: 
sie hat sich von den Charakterzügen des anderen Geschlechts 
die schlechtesten zu eigen gemacht. 

Voss hält die von K a 11 m e y e r und Beckmann ge¬ 
gebene Auffassung des Falles für völlig begründet. Es han¬ 
delt sich um ein weibliches Individuum mit männlichen Tiie- 
ben. mens virilis in corpore feminae. Ob es sich uni einen 
angeborenen oder event. erworbenen Zustand handelt, lässt 
sich nicht ohne weiteres entscheiden; es sind Fälle bekannt, 
wo das abnorme Fühlen anerzogen wurde. Die Neigung zum 
Bauchen und Trinken darf heutzutage leider nicht mehr als 
männlich bezeichnet werden, da Trunksucht unter den Wei¬ 
bern sehr häufig ist. 

Er rnbricirt den Fall als Pseudoherraaphrodisia psychica. 

4) Fuhrmann demonstrirt eine nach seinen Angaben 
constrnirte P i n c e 11 e , die zweckmässig die Unterbiu- 
dungdesNabelfuugus bei mangelnder oder ungenü¬ 
gender Assistenz erleichtert. 


Vermischtes. 


— Der Wendensche Kreisarzt Dr. Peter Gaethgens 
ist im Amt eines Dockmannes der Grossen Gilde 
in Wenden vom livländischen Gouverneur bestätigt worden. 

— Vor Kurzem beging Dr. Conrad Dynowskl sein 
25 j ä h r i g e s Dienstjubiläum als Bezirksarzt 
der Süd westbahn. Die ärztliche Thätigkeit übt D. be¬ 
reits seit 1860 aus. 

— Der Professor der Therapie nn der Kasanschen Univer¬ 

sität wirkl- Staatsrath Dr. S. W. Lewascliew ist als 
ordentlicher Professor der therapeutischen 
Facultätsklinik nach Odessa übergeführt 
worden. Bis zur Eröffnung der genannten Klinik, im Herbst 
dieses Jahres, wird Prof. L e w a s c li e w Vorlesungen über 
Diagnostik halten. (R- W.) 

— Der Phjsiolog am physiologischen Laboratorium der 
Academie der Wissenschaften Dr. A. K u lj ab k o ist z u m 
ordentlichen Professor der Kasanschen Uni¬ 
versität auf dem Lehrstuhl der Physiologie 
ernannt worden. 

— Der Ordinator des Kalugaschen Gouvernements Land- 
scliaftshospital8 Dr. K r a s 8 i n z e w ist zum Oberarzt 
der Kalugaichen Oemeinscbaft barmherziger 
Schwestern des' «Rothen Kreuzes» and des 
bei derselbon bestehenden Krankenhauses 
und Ambulatoriums ernannt worden, unter Belassung 
in seiner bisherigen Stellung. 

— Um den durch den Tod Prof. Pastavnazki s erle¬ 

digten Lehrstuhl der therapeutischen Hospitalklinik soll sich, 
wie verlautet, unter Anderen auch Prof. Ssirotinin, 
welcher gegenwärtig den Lehrstuhl der propäden tischen 
Klinik für innere Krankheiten an der Academie inne hat, 
bewerben. Als weitere Candidaten für den oben genannten 
vacanten Lehrstuhl werden ausserdem die Privatdocenten der 
Militär-Medicinischen Academie Geissler, Jawein, Fa- 
wicki und Tsh igajew, sowie der Arzt am Kranken¬ 
hause cKindlein Jesu» Dr. W. Janowski in Warschau 
genannt. , „ , 

— Wie die «Allg. Med. C.-Ztg.» gerüchtweise erfährt, ge¬ 
denkt der bekannte Psychiater Prof. Dr. Hitzig, Director 
der psychiatrischen Klinik der Universität Halle, in nächster 
Zeit von seinem Amte zur ückzntreten. 

— Prof. Dr. Rubner (Hygieniker) in Berlin ist zum 
ständigen Stellvertreter des deutschen 
Keichsgesundheitsratbs ernannt worden. 

— An des verst. Professors N i c o 1 a d o n i Stelle ist der 
Innsbrucker Professor Dr. V. v. Hacker zum Director 
der chirurgischen Klinik in Graz berufen 

ßer Präsident der Schweizer Republik Dr, Adolf 
1) e u c h e r, welcher für das laufende Triennium wiederge¬ 
wählt wnrJe, ist von Hause aus Arzt. 

— Die Moskauer Gouvernementsbehörde für Stadt- und 
Landschafisangelegenheiten hat bei der Verhandlung der An¬ 
gelegenheit, betreffend die Flucht des Mörders K a r a aus 
dem^Preobrashenskischen Irrenhause unter Beihilfe zweier 
Wärter dieser Anstalt, beschlossen, dem Oberarzt des 
Irrenhauses Dr. Konstantinow einen Ver¬ 
weis zu ertheilen und die beiden Wärter dem Gericht 
zu übergeben. 

— Vom sächsischen ärztlichen Ehrengericht, das mit einer 
nicht geringen Discipliuargewalt (Warnung, Verweis, Geld- 


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37 


strafe von 20—1500 Mark, Anerkennung; des Wahlrechts and 
der Wahlfäbigkeit big znr Dauer von 5 Jahren) ansgestattet 
ist, wnrde neuerdings wegen fortgesetzten Standes un¬ 
würdigen Anooncirens ein deshalb schon mehrfach 
vorbestrafter Arzt zu 1000 Mark Geldstrafe verur- 
t h eilt. 

— Verstorben: 1) Am 11. Januar der Walksche 
Kreisart Dr. Andreas Alwer, welcher in der Blüthe 
der Jahre einem tragischen Ereigniss zum Opfer gefallen ist. 
Auf einer Amtsfabrt zur Ausführung eines gerichtlich-medi- 
cinischen Actes begriffen, war er in der Nahe von Smilten 
dadurch, dass der Schlitten auf dem mit Glatteis bedeckten 
Wege ins Schlendern gerieth und, die Pferde mit sich reis¬ 
send, mit seinen Insassen einen Abhang hinunter in den 
Fluss stürzte, ertrunken, während der Lenker des Gespannes 
sich nur mit grosser Mühe retten konnte. Der Hingeschie¬ 
dene stammte aus Livland und hatte seine medicinische Aus¬ 
bildung an der Universität Jutjew (Dorpat) erhalten, an wel¬ 
cher er von 1892—97 stndirte. Nach Absolvirung des Cursus 
war A. Assistent am gerichtlich-medicinischen Institut der 
Universität und in der letzten Zeit Kreisarzt des Walkschen 
Kreises in Livland. Dr. Alwer hatte sich, wie der «Walk- 
sche Anz.» ihm nachrühmt, in der kurzen Zeit seiner Thäfig- 
keit als Kreisarzt die Achtung seiner Mitbürger in voll¬ 
kommener Weise erworben. Schlicht und gerade, vorurteils¬ 
frei, bescheiden und anspruchslos, war er seinen Patienten 
ein gewissenhafter und sorgsamer Berater und seinen Berufs¬ 
genossen ein sympathischer und lieber College. — 2) In 
Odessa Dr. Alexander Rosenblnm, einer der ältesten 
Aerzte dieser Stadt, im 7tf. Lebensjahre. Der Verstorbene, 
welrber sich speciell mit Nerven- und Geisteskrankheiten be¬ 
schäftigte, hat über 53 Jahre die ärztliche Praxis ausgeübt. 
— 3) In Wilna der Nestor der dortigen Aerzte Dr. Franz 
Nowick i im 91. Lebensjahre. Die Veflia practicandi hatte 
er i. J. 1836, also vor mehr als 66 Jahren, erlangt. — 4) Am 
11. (24) Jannar in Erlangen dor Director der dortigen ge¬ 
burtshilflich-gynäkologischen Klinik Prof. Dr. Gessner im 
Alter von nur 38 Jahren. Nachdem G. eine Reihe von Jah¬ 
ren als Assistent Prof. OUhausen’s in Berlin fungirt 
hatte, habilitirte er sich 1897 als Privatdocent in Erlangen, 
wo er 1901 nach Prof. Frommol’s Rücktritt ordentlicher 
Professor der Frauenheilkunde wurde. — 5) In Berlin der 
ehemalige Generalarzt der Marine Dr. Carl Wenzel im 
72 Lebensjahre. Als Arzt beim Bau des Kriegshafens bei 
Kiel thätig, hat er 6ich eingehend mit der Malaria beschäftigt 
und seine Beobachtungen in einer beachtenswerthen Bro¬ 
schüre >*Die Marschfieber im Jagdegebiet» veröffentlicht, in 
welcher er bereits im Jahre 1871 die Vermuthang anssprach, 
dass niedere Organismen die Erreger der Malaria seien. 

— Der Privatdocent der Berliner Universität Dr. Rudolph 
Krause, langjähriger Assistent des Anatomeu und Embry¬ 
ologen Prof. H e r t w i g, ist zum ausserordentlichen 
Professor ernannt worden. 

— Dero Privatdocenten der Psychiatrie an der Bonner Uni¬ 
versität Dr. E. Schnitze ist der Professortitel ver¬ 
liehen worden. 

— Das militär-medicinische gelehrte Comitö hat die Frage 
beraihen, wie sich der Arzt in dem Falle zu verhalten habe, 
wo fine Operation unaufschiebbar nothwendig erscheint, die 
erforderliche Einwilligung dazu aber weder von dem Kran¬ 
ken selbst, weil er bewusstlos ist, noch von seinen Verwand¬ 
ten. weil sie zn weit wohnen, erlangt werden kann. Das Co- 
mii6 hat sich dabin ausgesprochen, dass in einem solchen 
Falle die vom Gesetz erforderte Einwilligung durch die von 
dem Consilium der Aerzte des Krankenhauses, in welchem 
die Operation ausgeführt werden soll, ertheilre Genehmigung 
zur Operation ersetzt werden kann. Mit dieser Ansicht hat 
sich anch die Militärgerichts-Verwaltung einverstanden erklärt 
und davon alle Hospitäler und Kliniken des St. Petersburger 
Militärbezirks in Kenntniss gesetzt. 

— Mit Allerhöchster Genehmigung ist beim Kriegsmini- 
sterinm eine Commission unter dem Vorsitz des Ober-Militär- 
Medicinalinspector- eingesetzt worden zur Durchsicht des Reg¬ 
lements für das Sanitütswesen der Armee, um das Aerzte- 
personal der Armee durch Personen ergänzen zu können, 
welche den Militärdienst kennen und zur selbstständigen 
Leitung des Militär-Sanitätswesen geeignet sind. Zur Commis¬ 
sion gehören ausser den Medicinalpersonen auch Vertreter 
das Generalstabes, der Hauptlntendantnr, zwei Regiments-Com- 
mandenre etc. 

— Der Warschauer Arzt Dr. Fabian hat die Concssion 
zurEröffruug einer Privatheilanstalt für Nerven- 
und Geisteskranke in Warschau erhalten. Die Anstalt 
ist hauptsächlich für Alkoholiker nnd Morphiumsüchtige be¬ 
stimmt und die erste dieser Art im Weichselgebiet. 

— Der verst. Moskauer Kaufmann J. S. Perlow hat der 
Stadt Moskau 27,000 Rbl. für ein Trinkerasyl testamen¬ 
tarisch vermacht. 


I — Am vorigen Sonntage wurden drei Gebäude des nener« 

! richteten MorosowschenKinderhospitalsinMos- 
; kan ihrer Bestimmung übergeben, und zwar die Scharlach- 
j Abtheilnng mit 42 Betten, die Diphtherie-Abtheilnng mit 40 
Betten nnd die Abtheilung für zweifelhafte Krankheitsfälle 
mit 18 Betten. Das Hauptgebäude für chirurgische Krank¬ 
heitsfälle wird erst im Herbst eröffnet werden. Jedes dieser 
! Krankenhäuser besteht ans einem einstöckigen Mittelban mit 
hellen Corridoren und zwei zweistöckigen Seitenflügeln. In 
| jeder Abtheilnng befindet sich ein Kinderspielraum. 

■ — Prof. Tizzoni in Bologna,ein Schüler Virchow’s, 

will ein Serum gegen die Lungenentzündung 
nnd Lungenschwindsucht gefunden haben. Er er¬ 
klärt jedoch, dass seine Entdeckung bisher nur einen rein 
wissenschaftlichen Charakter habe nnd sich nnr auf Thiere 
I erstrecke, bei denen er günstige Resultate erzielt. T izzoni s 
| Gehtilfe Dr. P a n i c c h i soll übrigens, wie aus Rom berichtet 
wird, auch schon bei Menschen mit einer geringen Menge von 
Kanincben8erura die schönsten Erfolge gehabt haben. 

— Ans N e w - Y o r k kommt ebenfalls eine sensationelle 
Nachricht, dass nämlich der dortige Arzt Dr. Barrows ein 
nenes Verfahren bei Blutvergiftungen gefunden 
habe, welches in der Einspritzung einer Formalinlösung in 
i die Adern bestellt. Diese io Spitälern versuchsweise auge- 
j wandte Methode soll ein derartig befriedigendes Resultat er¬ 
geben haben, dass ihre allgemeine Einführung beschlossen 
wurde. 

— Epidemiologisches. Die Pest in Indien, 

' welche dort schon über 4 Jahre wüthet, weist noch keine Ab- 
j Schwächung auf. Die letzten Nachrichen klingen sogar beun¬ 
ruhigender als je. Nach den letzten Berichten sind über 
14,000 Todesfälle in einer Woche vorgekommen — 
eine Zahl, die in der Geschichte der ganzen Epidemie uner¬ 
reicht dasteht. Am stärksten heiingesucht ist die Präsident- 
! schaft Bombay, anf welche allein die Hälfte der Todesfälle 
entfällt. Neuerdings sind aber auch bisher verschonte Theile 
Indiens von der Senche ergriffen worden, wie die grossen 
i Städte Lack now, Benares und Allahaba. Die Be¬ 
mühungen, die Schutzimpfungen gegen die Pest in grösserem 
Massstabe durchznführen, scheitern zu häufig au dem Wider- 
1 stände der Bevölkerung. Bf. 

— Die Gesam ml zahl der Kranken in den Civil- 
j hospitälern St. Petersburgs betrug am 11. Jan. 
d. J. 9182 (258 mehr als ln d. Vorw.). darunter 559 Typhus — 
(37 mehr), 925 Syphilis — (223 mehr), 209 Scharlach —(5 wen.), 
! 93 Diphtherie —(8 mehr), 88 Masern —(14 mehr) und 140 
Pockenkranke—(31 mehr mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 5. bis zum 11. Januar 1903. 


Zahl der Sterbefälle: 
1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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59 

62 

58 58 

29 

21 

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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 6, Typb. abd. 16, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1. Pocken 7. Masern 13, Scharlach 23, 
Diphtherie 16, Croup 1, Keuchhusten 4. Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 40, Erysipelas 2. Grippe 14, Cholera asiatica 0, 
Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0. Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyämie und Septicaemie 5. 
Tuberculose der Lungen 94, Tuberculose anderer Organe 18. 
Alkoholismus und Delirium tremens 5. LebensschwUche und 
Atrophia infantnm 67, Marasmus senilis 34, Krankheiten des 
Verdauungscanals 68, Todtgeborene 45. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 4. Februar 1903. 

Tagesordnung: 1) P e t e r s e n: Demonstration von Lu¬ 
puskranken. 

2) Schiele: Uebor Lupus. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 10. Feb. 1903. 


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CASGARINE 


PILLEN 


ELIXIß 


Gewöhnliche Verstopfung-. 

LEPRINCE 


'fKflSCARINE^' 

...v — ^ ^ L.EPRINCE ai 



0,10 der wirk- 0,01 in einem 
saroen Substanz. Esslöffel. 


CASCARINE ist ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc. (Comptes rendus 
de l'Acadfmie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. Laffont, Bulletin de V Acadtmie de Me- 
aecine, 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (.Society de ThArapentique: Constan¬ 
tia Pani; Dujardin-Beaumetz, Medications 
nouvelles, 2. s6rie; BibliothAque Charcot- 
Debove, Purgatifs, p. 104: Prof. Lemoine, 

Lille, Thtrapeutique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St.-Joseph el Congres pour l’avan- 
cement des Sciences. Bordeaux. 1895, 

Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege. 

Cours d'accouchements etc., etc.) 

| Seine Wirkung ist constant, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwendungsweise ist Gewöhnung an 

j das Mittel zu vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller Stuhlverstopfung, Leberleideu, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wuchernng bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

UowffhniiohA twj« / PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 

\ EL1XIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter (zu verringern od. zu steigern je nach d. Wirkung) 

^ --- 

PAQPARIPnNFQ Unter diesem Namen fabriciren wir kleine SUPPOSITORIEN, welche die Wirkung des 
will« lO „Cascarine“ auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir die Harren 
Aerzte «Cascarine Leprince u zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: 62, Rue de ia Tour, Paris (16) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Döpots: in allen grösseren Apotheken und Droguenhandlungen Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (17) 26— 6. 




Vertag von FERDINAND ENKE in Stuttgart.^ 


Soeben erschienen: 


Bendix, Doc. Dr. E., Die Pentosurie. 

Prof. Dr. W. Ebstein, gr. 8”. 1903. geh. M. 1.60. 

Bickel, Doc. Dr. A., Untersuchungen über den 
Mechanismus der nervösen Bewegungsregu¬ 
lation . Mit 14 Abbildungen, gr. 8". 1903. geh. M. 6-— 

Orschansky, Prof. Dr. J, Die Vererbung im ge¬ 
sunden und im krankhaften Zustande E Z«h d ;, e „ g 

des Geschlechts beim Menschen. Mit 41 in den Text gedruckten Abbildun¬ 
gen. gr. 8°. 1903. geh. M. 9.— 

Rosinski, Doc. Dr. B. Die Syphilis in der Schwan- 

Mit 7 chromolithographischen Tafeln und 17 Textfignren. 
yproblldll» gr. 8°. 1903. geh. M. 10.- 

Ströhmberg, Dr. E., Die Bekämpfung der ansteck¬ 
enden Geschlechtskrankheiten im deutschen 

ReiCh. mt einer farbigen Uebersicbtskarte. 8°. 1903. geh. M. 2.80. 


I Röntgen-Einrichtungen 

! sowie als langjährige Specialität 

Funkeninduktoren 

von vorzüglicher Constrnction, mit un- 
terheilter Primärwickelung und Cnndeu- 
saror, sowohl für den Betrieb mit Queck¬ 
silber — als auch mit Elektrolyt —Un- 
; terbrecher geeignet. 

Die Leistungsfähigkeit meiner Indnc- 
\ toren wird von keinem Konkurrenzfa¬ 
brikat übertroffen, dabei ist der Preis 
! wesentlich niedriger, (um 40—50°/o) als 
! der anderer Fiimen. Langjährige Ga- 
; rantien für Erhaltung voller Leistungs¬ 
fähigkeit bei fachgeinässer Behandlung. 

J Referenzen über gelieferte Eiurichtun- 
' gen stehen zu Diensten. 

Preislisten und Kostenanschläge wer- 
I den gratis und franco an Interessenten 
• versandt. 

Gustav Pavifl Minden i./W. 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Schwester Const. Schmidt, IleTepß. ct. 

MaTBkeBCKaa ya., *. 9, kb. 20. 

Fran Qülzen, W. 0.,17 Linie, Haas Jft 16, 
Qu. 10. 

Elise Blau, JlaroBCKaa 58, kb. 15. 

Frau Adelheid von Fersen., Catha- 
rinencanal 81, Q. 20. 

Frau Tursan, CnaccKaa 21, kb. 6. 


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30 


Dr. Hommel’s Haematogen 

Gereinigtes oonoentrirtes Haemoglobin (D. B. Pat. JÄ 81,391) 70.0, ohemisoh reines Glyoerin 20,0, Aromatische und 

Gesohmackszusätze 10,0 (Alkohol 2°/o). 

Als blutbildendes, organeisenhaltiges, diätetisches Nähr- und Kräftigungsmittel für Kinder und Erwachsene bei 

Schwächezuständen irgend welcher Art unerreicht, 
besonders unentbehrlich in der Kinderpraxis. *♦- 

Haematogen Hommel enttiält ausser dem völlig reinen Haemoglobin (Sterilislrt, d. i. frei von den im Blute 
kreisenden Bacterien) noch sämmtliclie Salze des frischen Blotes, insbesondere auch die wichtigen Phosphorsalzo 
(Natrium und Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweissstoffe des Serums io concentrirter und gereinigter 
unzersetzter Form (also nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch Säure-Pepsin oder Hitzegrade er¬ 
zeugt, ist von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albumosen und peptonisirte Präparate werden, wie Voit- 
München, N e u m e i s t e r-Jena und C a h n -Strassburg nachgewiesen haben, überhaupt nicht direkt resorbirt; ihre 
Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche Verdauung weiden 
zweifellos Stolle zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus von höchster Wichtigkeit sind. 
Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haematogen Hommel gerade in solchen Fällen von Rhachi- 
tis. Scrophulose, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte, Präparate sowie Leberthran 
Jodeisen u. s. w. angewandt wurden. 

♦- Haem atoge n Hommel kann als diätetisches, die tägliche Nahru ng ergänze ndes M ittel jahraus, jahrein ohne Un¬ 
terbrechung geuommen werden. Da es ein natürliches organisches Product ist, treten niemals irgend welche Störungen 
ein, insbesondere nicht der bei längerem Gebrauche von künstlichen Eisenpräraraten unvermeidliche Orgasmus. 


^KfürJYni\<r vnr IPttlapVinno*? Wir waruen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, ins- 
f? OilliUlig VUI j; alotllUllg« besondere vor solchen mit Aether-Zusatz. Sie repräsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. In solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretionsstoffen (Hip¬ 
pursäure, Harnstoff, flüchtige Fettsäuren, Gase etc. etc.) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original Präparat H&6fliatOQ6n H Offline I zu ordiniren. 


Urtheil Russischer Aerzte über Haematogen Dr. «Hominel>. 


«Ich habe Dr. Hümmers Haematogen in 6 Fällen 
essentieller Anaemie angewandt und meiue Beobachtangen 
an diesen Fällen sind dadurch interessant, dass ich im 
verflossenen Jahre verschiedene Eisenpräparate angewandt 
hatte mit äusserst. geringem Erfolg. Nach Anwendung 
von «Dr. Hommel’s Haematogen» hingegen stellte sich 
ein sehr guter Erfolg ein, der sich auch nach V/% Mo¬ 
nat nach Schluss der Behandlung nicht nur nicht ver¬ 
ringert bat, sondern sogar noch weiter fortschreitet. 

Eine der auffallendsten Folge des Gebrauchs von 
„Dr. Hommel’s Haematogeu* ist die erhebliche Anregung 
des Appetits». 

Dr. med. Schulz. Oberarzt a. Kadettenkorps i. Wladikawkas. 


«leb habe Dr. Hotnmel’s Haematogen in einem 
Falle schwerer Anaemie bei einem 37-jährigen Manne 
and bei einem 15 jährigen Jungen, der sich nach einer 
Rippenresection infolge Pyothnrax nnr langsam erholte, 
angewandt. Das Haematogen bat hervorragendes geleistet, 
namentlich im ersten Falle, wo die Übrigen Eisenpräparate 
und Arsen fruchtlos blieben». 

Dr. Selinsky, Ordinator am Krankeuhans zu Praga 
in Warschau. 


verschwinden, kurz, Dr. Houimol’s Haematogen erweist 
sich in der Kinderpraxis häufig als mächtiges und un¬ 
ersetzliches Mittel. 

Dr. Kraushaar, polyklinischer Arzt am jüdischen 
Kinderhospital in Warschau. 


«Dr. Hommel’s Haematogen» hat mir in zwei 
Fällen von Neurasthenie mit Anorexie und allgemeine 
Schwäche ln kürzester Zelt ausgezeichnete Resultate ge¬ 
bracht Ich möchte hervorheben, dass ich in beiden Fällen 
vorher 2 Monate hindurch die verschiedensten Mittel 
ohne jeden Erfolg angewandt habe. Es ist daher be¬ 
greiflich, dass ich auch fernerhin meine Beobachtungen 
an «Dr. Hommel’s Haematogen fortsetzen will». 

Wirkl. Staatsrath Dr. med. M. N. Popow 1. St. Petersburg. 


«Dr. Hommel’s Haematogen» hat sich mir als ausge¬ 
zeichnetes Präparat erwiesen Eine anaemische Patientin, 
die lange Zeit hindurch an Dysmenorrhoea und Anor¬ 
exie, verbunden mit Schwindel und Kopfschmerz litt, 
konnte nach 4 wöchentlichem Gebrauch Ihres Mittels, als 
geheilt angesehen werden». 

Gehelmrath Dr. med. Wiljamowsky. Korpsarzt in Wilna 


«Je häufiger ich meinen kleinen Patienten «Dr. Hom- 
mel’s Haematogen» verordne, um so mehr gelange ich 
znr Ueberzeugung, dass wir im «Hommerschen Haema¬ 
togen» ein in vielen Fällen unersetzliches Mittel besi¬ 
tzen. Die besten Erfolge erzielt man damit bei Ernäh¬ 
rungsstörungen, Schwächezuständen, bei Anaemie, Scro¬ 
phulose, Rachitis, in der Reconvaleszens n. 8. w. Das 
Aussehen der Patienten, bessert sich, die Hautfarbe fri¬ 
scher, die Symptome der Rachitis und der Scrophulose 


«fch habe «Dr. Hommel’s Haematogen» wiederholt 
in Fällen von schwerer Anaemie nach starken Blut- 
verlustenpost partum und bei Aborten, mit grossem Er 
folg verordnet und jedes Mal eine Besserung der Kräfte 
und das Allgemeinbefindens wahrnehmen können». 

Dr. Jarowoi, Ordinator am Kiewschen- Kirillschen 
Hospital in Kiew. 


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und franko zur Verfügung und bitten wir Solche von unserem Versandt-D6p6t: Apotheke auf Gross- 
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Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Erlöser, Wien («Medicin.-Chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. ßolognesi, Paris («Bulletin General Th6rapeutique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Laumonicr, Paris («Presse Medical» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem..Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reicholt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fachs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spoiler ans der medic. Abtheilung von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

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oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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Adressen von Krankenpflegerinnen: 

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Ä08B.iieHB. Cnfi.,21 d>enpajifl 1903r. Herausgeber Dr.fiudolf Wan ach. Bncbdrnckerel v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr 


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XXVIII. JAHRGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Neue Folge XX. Jahrg. 



unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio- Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnentent*preia ist in BusslandS.Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
fürdiedmalgespalteneZeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—-Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


•» Abonnement«-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky -Prospect .Ns 14. zu richten. — Äanus- 
cripte sowie alle aufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden Redacteur Dr.Bttdolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


n 9 


St. Petersburg, den 1. (14.) März 


1903 . 


Inhalt: Prof. Dr. A. v. Poebl: Ueber die Bedeutung der Katalysatore für das Leben und die Gesundheit des Orga¬ 
nismus im Allgemeinen und über Spei min, Cerebrin uüd Adrenal im Speciellen. — Mitthellungen aus der Gesell¬ 
schaft praktischer Aerzte zu Riga. — Vermischtes. — Mortalitäts Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber die Bedeutung der Katalysators für das 
Leben und die Gesundheit des Organismus im All¬ 
gemeinen und über Spermin, Cerebrin und Adre¬ 
nal im Speciellen. 

, Von 

Prof. Dr. A. v. Poeh 1. 

Es sind uns eine, Reihe von chemischen Reactionen 
bekannt, die in unserem Organismus, wie auch ausser¬ 
halb desselben vor sich gehen, bei welchen die Anwe¬ 
senheit einer ungemein kleinen Quantität eines Stoffes 
die Reaction und Umwandlung einer sehr grossen Menge 
von anderen Stoffen bedingt. 

Ich erinnere hier an die Bedentnng der Untersal¬ 
petersäure bei der Schwefelsäurefabrikation, an das 
Aldehyd bei der Bildung von Oxamid aus Cyan, an die 
Rolle der verdünnten Säuren oder der Diastase bei der 
Bildung von Dextrin nnd Zucker aus Stärke, an die 
Bedeutung des Pepsins bei Bildung von Pepton, an die 
Rolle des Spermins bei den Oxydationsprocessen, so¬ 
wohl im Organismus, wie auch ausserhalb desselben. 

Solche Erscheinungen hat man früher dadurch zu er¬ 
klären gesucht, dass gewisse Stoffe durch ihre Gegen¬ 
wart zwischen anderen Stoffen Reactionen hervorbringen 
können, und «erklärte» sich diese Erscheinungen durch 
die Annahme von Atomschwingungen in Folge von 
Kontact und dergleichen unkontrolürbaren Dingen. 

Ostwald ') hat 1894 nachgewiesen, dass alle der¬ 
artigen «Berührungswirkungen, resp. Kontaktwirkungen», 
in einer katalytischen Beschleunigung der Reactionen 
bestehen. Der Stoff, durch dessen Gegenwart die Wir¬ 
kung eintritt, ohue dass er in die Producte des Vor¬ 
ganges übergeht, heisst der katalytische Stoff oder Ka- i 
talysator. Der Vorgang selbst heisst Katalyse. 

D W. 0 s t w a 1 d. Grundrisse der allgemeineil Chemie 
1899, III. Aufl. p. 303, 514 — 521. Grundlinien der anorgani¬ 
schen Chemie 1900 pag. 109, 165, 3i3, 593, 660. Ueber Kata¬ 
lyse. Vortrag auf der 73. NainrforscherverBammlung in 
Hamburg, 1901. 


Als positive 8 ) Katalysatoren bezeichnet man also 
solche Stoffe, durch deren Gegenwart langsam verlau¬ 
fende Reactionen beschleunigt werden. Da es sich hier 
nur um die Aanderung des Zeitraasses von Vorgängen 
handelt, die ohnelies stattfladen. so verlieren diese Wir¬ 
kungen, wie Ostwald hervorhebt, einen grossen Theil 
des Unerwarteten, das ihnen auf den ersten Blick anzu- 
baften scheint. 

0 s t w a 1 d führt ein Gleichniss von der Wirkungs¬ 
weise eines Katalysators vor. Mao denke sich ein Räder¬ 
werk, dessen Achsen sich mit grosser Reibung bewegen, 
etwa in Folge dickgewordenen Oeles, und dass deshalb 
nur sehr langsam abläuft. Bringt man etwas frischeres 
Oel an die Achsen, so erfolgt der Ablauf alsbald sehr 
viel schneller, obwohl die zur Verfügung stehende Span¬ 
nung der Feder (die der durch die chemische Reaction 
verfügbaren Arbeit entspricht) durch das Oel durchaus 
nicht geändert worden ist. Der Wirkung des Oels ist 
die des Katalysators zu vergleichen, auch insofern, als 
das Oel dorc-h seine Wirkung nicht verbraucht wird. 

Fasst man die Katalyse in dem Sinne von Ostwald 
anf, so ist sie eine ungemein verbreitete Erscheinung, 
welche thatsächlich sich jedesmal geltend macht, wenn 
überhaopt die Geschwindigkeit einer cheraischeu Reac¬ 
tion der Messung zugänglich ist. Ein ausgezeichnetes 
Beispiel haben die bekannten Versuche von Men¬ 
sch nt kin ergeben, der für eine Anzahl veschieden- 
artiger Reactionen nachgewiesen hat, dass ihre Geschwin¬ 
digkeit je nach dem Lösungsmittel zwischen sehr be¬ 
deutenden Grenzen verschieden ausfallen kann. Schon 
diese Wirkungen der Lösungsmittef bezeichnet 0 s t w a 1 d 
als katalytische. Feststellungen darüber, ob sich hier¬ 
bei etwa Verbindungen zwischen Lösungsmittel und den 
Reagentien bilden, so dass Aendernngen der Geschwin- 

2 ) Ostwald erkennt auch negative Katalysatoren, d. h. 
solche Körper, welche die Reactionsgeschwindigkeit behin¬ 
dern. So z. B. wird die Oxydation des Natriumsulfits durch 
gasförmigen Sauerstoff enorm verlangsamt durch die Anwe¬ 
senheit ausserordentlich kleiner Spuren organischer Verbin¬ 
dungen, wie Alkohol, Zucker, Aldehyd etc. 


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84 


digkeit auf Aenderungen der wirksamen Mengen zurück- 
zuführen sind, will Ostwald dadurch natürlich nicht 
präjodiciren. 

Zwischen diesen Einflüssen und solchen, bei denen 
verschwindend geringe Mengen zugesetzter Stoffe die 
Geschwindigkeit im allerhöchsten Masse ändern, lassen 
sich stetige Uebergänge von allen Graden nachweisen. 
Bisher sind Wirkungen der letzteren Art fast aus¬ 
schliesslich als katalytische bezeichnet worden; da es 
sich indessen nur um quantitative Unterschiede handelt, 
so hält es Ostwald methodisch für nicht gerechtfer¬ 
tigt, die Fälle auszuschliessen, in welchen die Beträge 
kleinere Werthe haben. 

Ostwald betont sogar, dass es keine Art chemi¬ 
scher Reactionen zu geben scheint, die nicht kataly¬ 
tisch beeinflusst werden könnte, und keine Art chemi¬ 
scher Stoffe, sei es Elemente oder Verbindungen, die 
nicht katalytisch wirken könnten. Ebenso beantwortet 
er die von Berzelius bereits gestellte Frage, ob es 
allgemeine oder speciflsche Katalysatoren gebe, dahin, 
dass beide Fälle nachweisbar sind. Während beispiels¬ 
weise die Anwesenheit von Wasserstoffionen die meisten 
chemischen Reactionen beschleunigt, so dass dieser 
Stoff als ein Katalysator von grosser Allgemeinheit be¬ 
zeichnet werden muss, giebt es namentlich unter den 
Enzymen speciflsche Katalysatoren, welche nur auf ganz 
bestimmte Stoffe ihre beschleunigende Wirkung ausüben. 

Von all den früheren Forschern hat seiner Zeit 
Berzelius die richtigste Erklärung für die katalyti¬ 
schen Processe gegeben, welche er in folgende Worte 
einkleidet. 

«Die katalytische Kraft scheint .eigentlich darin zu 
bestehen, dass Körper durch ihre blosse Gegenwart und 
nicht durch ihre Verwandtschaft die bei dieser Tempera¬ 
tur schlummernden Verwandtschaften zu erwecken ver¬ 
mögen, so dass zufolge derselben in einem zusammenge¬ 
setzten Körper die Elemente sich in solchen anderen 
Verhältnissen ordnen, durch welche eine grössere elec- 
trochemische Neutralisirung hervorgebracht wird». 

Eine andere Theorie der Katalysen ist in neuerer 
Zeit von Euler aufgestellt worden. Indem er von 
der Annahme ausgeht, dass alle chemischen Reactipnen 
Jonenreactionen sind, und dass ihre Geschwindigkeit 
von der Koncentration der wirklichen Jonen abhängen. 
Er nimmt an, dass der katalytische Stoff die Eigen¬ 
schaft hat, die Koncentration der betheiligten Jonen zu 
ändern. Gemäss dieser veränderten Koncentration muss 
denn auch die Reactionsgeschwindigkeit sich ändern. 

Ostwald hält diese Theorie formal für ausführbar, 
d. h. es wird im allgemeinen möglich sein die erforder¬ 
lichen Annahmen zu machen, ohne mit den Gesetzen 
der allgemeinen Chemie in Widerspruch zu gerathen. 

Ob sich aber nicht später Widersprüche einstellen 
^werden, wenn mau die erforderlichen Annahmen für 
eine Anzahl von Stoffen gemacht und dann deren 
wechselseitige Reactionsgeschwindigkeit bestimmt hat, 
hält Ostwald noch für ungewiss. Insbesondere scheint 
0 s t w a 1 d eine wesentliche Schwierigkeit in der mehr¬ 
fach konstatirten Thatsache zu liegen, dass zwei Kata- 1 
lysationen bei gemeinsamer Wirkung oft eine ganz un- 
verhältnissmässige viel grössere Beschleuni¬ 
gung bewirken, als sich aus der Summirung ihrer 
Einzelwirkungen berechnet. Hier lässt sich nicht ab- 
seben, wie durch die gleichzeitige Wirkung der beiden 
Katalysatoren (z. B. Cupriion und Feriion) so sehr viel 
grössere Mengen der reactionsfähigen Jonen gebildet 
werden sollen, als diese einzeln bilden können. ' 

•Man wird also auch von dieser Theorie sagen können, 
dass sie einige Katalysen, aber keineswegs alle wird 
deuten können. 


Einen verwickelteren Fall katalytischer Erscheinungen 
bilden solche Vorgänge, wo die an der Reaction bethei¬ 
ligten Stoffe selbst noch ausserdem katalytisch wirken. 
Ostwald giebt damit die Möglichkeiten, der Autoka¬ 
talyse zu in dem Falle, ln welchem durch die Reaction 
selbst ein Beschleuniger entsteht. Dies tritt beispiels¬ 
weise bei einer der bekanntesten Reactionen, der Auf¬ 
lösung der Metalle in Salpetersäure ein. Die hierbei 
entstehende salpetrige Säure beschleunigt in hohem 
Grade die Geschwindigkeit der Einwirkung der Salpeter¬ 
säure und dadurch kommt diese Erscheinung zu Stande. 
Kupfer löst sich, wie bekannt sehr schwer in Salpeter¬ 
säure, während solche Salpetersäure, welche bereits 
Kupfer gelöst hat, die Lösung sehr geschwind bewerk¬ 
stelligt. Dass es sich hierbei um eine Katalyse durch 
salpetrige Säure handelt, wird ersichtlich, wenn man 
etwas Natriumnitrit zur «trägen» Säure zufügt, sofort 
wird auch von der «trägen» Säure nach diesem Zusatz 
das Kupfer angegriffen und aufgelöst. 

Diese Erscheinung vergleicht Ostwald sogar mit 
der Gewöhnung und dem Gedäcbtniss. 

Ostwald weist darauf hin, dass in unserem Orga¬ 
nismus Katalysatore eine sehr grosse Rolle spielen und 
spielen müssen. So z. B. sagt 0 s t w a 1 d «erfolgt die 
fundamentale Lebensthätigkeit, die Beschaffung der er¬ 
forderlichen chemischen Energie durch Verbren¬ 
nung auf Kosten des Luftsauerstoffes unter 
entscheidender Mitwirkung von Katalysatoren 
(Enzymen) und wäre ohne diese unmöglich. 
Denn der freie Sauerstoff ist, wie bekannt, ein sehr 
träger Stoff bei den Temperaturen der Organismen nnd 
ohne Beschleunigung seiner Reactionsgeschwindigkeit 
wäre die Erhaltung des Lebens unmöglich». 

Ein solcher Katalysator für die physiologischen Oxy¬ 
dationsvorgänge ist das Spermin, wie ich es nachge¬ 
wiesen habe. s ) Ich will durchaus nicht die Verdienste 
von 0 s t w a Id schmälern die ihr mit der Erklärung der 
Katalyse durch Reactionsbeschleunigungzukoramen, doch 
möchte ich hier nur darauf hinweisen, dass ich die 
Einwirkung des Sperniins auf die Oxydationsprocesse 
(Mg.) bereits 1891 mit der Uhr in der Hand ausgeführt 
und in meiner Mittheilung an die St. Petersburger 
Kaiserl. Academie der Wissenschaften 1892 (Beil. z. 
LXXI Band Nr. 2) pag. 2 betonte ich ausdrücklich: 
caepMHHT» Hüten, BJiiaaie ua öucTpoiy (SHepri») peatc- 
nin, cy/iH uo EOJHiecrBy BUJttSHeuaro bi o n p e a t a e h - 
Hoe Bpeüa Boaopoaa. (Das Spermin hat einen Einfluss 
auf die Reactionsgeschwindigkeit (Energie), nach der 
Quantität des sich in bestimmter Zeitdauer ent¬ 
wickelnden Wasserstoffs zu urtheilen. 

Auch in meinem Buch: Die physiologisch-chemischen 
Grundlagen der Spermintheorie nebst klinischem Mate¬ 
rial zur therapeutischen Verwendung des Sperminum- 
Poehl sage ich pag. 21: «Die Re ar tio nsdauer ist 
eine kürzere. Das Spermin scheint hierbei kataly¬ 
tisch zu wirken, da einerseits die Reaction von der 
Quantität des Spermins nicht in Abhängigkeit steht und 
andererseits, wie aus nachstehendem Versuch ersichtlich, 
das Spermin nach der Reaction scheinbar unverändert 
bleibt *). 

Die katalytische Einwirkung des Spermins auf die 
Oxydationsprocesse habe ich durch eine Reihe von La- 
boratoriurasversuche nachgewiesen und die Thierexperi- 
raente von Prof. Fürst Trachau off und von 


3 ) Prof. A. v. P o e h 1. Memoiren der Kaiserl. Academie 
der Wissenschaften zu St. Petersburg. Bd. LXXI. Nr. 2. 
1892. pag. 2—10. (russ.). 

Prof. Dr. A. v. P o e h 1. Physiologisch-chemische Grund¬ 
lagen der Spermintheorie etc. St. Petersburg. 1899. 

4 ) cf. Poe hl. Action physiologlqae de la S permine. In¬ 
terpretation de ses eflets sur l’organlsme. Comptes* rendns 
des söances de l'Academie des Sciences, Paris, 11 Juil llet 1892. 


86 


Prof. Loewy und Richter, sowie die grosse An¬ 
zahl der klinischen Beobachtungen 5 ) bei therapeutischer 
Verwendung des Sperminura-Poehl am Krankenbette 
stellenden katalytischen Einfluss des Spermins auf die 
Energie der Jntraorganoxydation ausser Zweifel. 

Das Spcrmin ist einer der positiven Katalysator« der 
Oxydationsprocesse in unserem Organismus. Ich betone 
noch einmal B ), dass ich weit entfernt bin zu behaupten, 
dass es nur einen positiven Katalysator der Oxydations¬ 
processe im Organismus giebt, das Haemoglobin spielt 
auch eine solche Rolle, doch kann ich auf Grund meiner 
vergleichenden Untersuchungen die Behauptung aufstellen, 
dass das Spermin, welches ein normales Spaltnngspro- 
dnet der Leukocyten darstellt unbedingt die Hauptrolle 
als Oxydationskatalysator spielt. Meine Behauptung die 
ich bereits vor 10 Jahren aufgestellt, dass das Spermin 
das Ferment, resp. Enzym, der einen Function der 
Gewebsathmnng, nämlich der Intraorganoxydation ist, 
kann ich auf Grund aller neuerer Beobachtung in vollem 
Masse aufrecht erhalten. Die modernen Anschauungen 
führen uns nur dazu, dass die Rolle des Spermins sich 
nicht nur auf die Gewebsathmung beschränken muss,, 
sondern auf sftmmtliche Oxydationsprocesse im Orga¬ 
nismus, also auch auf die Oxydation der äusseren Ath- 
raung (Lungenathmung). 

Es möge bei der Lungenathmung auch dem Haemo¬ 
globin eine bedeutende Rolle als Katalysator der Oxy¬ 
dationsvorgänge in den Lungen zukoramen, doch liegt 
gar kein Grund vor hierbei das Spermin auszuschliessen. 

Der Sauerstoff kann, wie erwähnt bei der Temperatur 
des Organismus nur äusserst langsam oxydirend wirken 
und daher ist ohne Einwirkung eines Katalysators die 
Oxydation in den Lungen, wie auch in den Geweben 
wie Ostwald hervorhebt nicht denkbar. Das Spermin 
kann ebenso bei der Lungenathmung, wie bei der Ge¬ 
websathmung seine katalytische Kraft äussern, denn in 
dem einen, wie in dem anderen Falle sind alle Bedin¬ 
gungen dazu verbunden und es kann nur bei solcher 
Reactionsgeschwindigkeit resp. Energie der Oxydations- 
process dem Organismus nützlich sein. 

Unser Kohlenvorrath im Keller, führt Ostwald 1 ) 
als Beispiel an, verbrennt ebenso während er im Keller 
liegt, wie im Ofen; nur im ersten Falle mit so grosser 
Langsamkeit, dass wir auch nach mehreren Jahren keine 
merkliche Abnahme nachweisen können. Bei der Kohle 
spielt die Erhöhung der Temperatur die Rolle des Ka¬ 
talysators. 

Alles Obenerwähnte giebt uns die Erklärung, woher 
die Oxydationsprocesse im Organismus auf Kosten des 
Luftsauerstoffes, welche sich sonst, wie alle Gasreac- 
tionen durch grosse Langsamkeit bei gewöhnlicher Tem¬ 
peratur auszeichnen, in unserem Organismus so ener¬ 
gisch verlaufen. Wir haben eben solche Beschleuniger 
der Reaction, wie das Spermin und Haemoglobin. 

Für Spermin sind eine grosse Anzahl von Beobach¬ 
tungen vorhanden auf Grund deren man berechnen kann 
bei welcher minimalen Quantität der Katalysator reac- 
tionsfähig ist, denn Ostwald betont ausdrücklich, dass 
die Katalysatore in sehr geringer, aber doch stets mess¬ 
barer Menge ihren Einfluss ausüben. 

Die Beobachtungen am Krankenbette zeigen uns, dass 
die Einführung von 1 CC einer 2proc. Sperrainlösung 
(1 Ampulle Sperminum-Poehl) in Fällen von herabge- 

5 ) Poe hl. Un role de la Sperraine dans les oxydatioos 
intra-organiques. Comptes rendus des seances de l’Academie 
des Sciences. Paris, 10 Octobre 1892. 

') A. v. Poe hl. Die physiologisch-chemischen Grundlagen 
der Spermintheorie nebst klinischem Material zur therapeu¬ 
tischen Verwendung des Sperminum-Poehl. St. Petersburg. 
1898. pag. 54 u. ff. 

’) O 8 t w a 1 d. Grundlinien der anorganischen Chemie 
1900 p. 68. • . . 


setzter Gewebsathmung, wie z. B. Cholera, Scorbut etc. 
ausreichend ist, um einen objectiv wahrnehmbaren 
therapeutischen Effect zu erzielen. Es sind also 0,02 
Spermin (Sperminum-Poehl) anf ca. 75 Ko. Gewichtdes 
Menschen, also anf jedes Kilo 0,00026 Gramm Spermin 
zur Beschleunigung der Oxydationsprocesse ausreichend, 
also 0,000026 ptC. 

Da das Spermin ein normaler Bestandtheil des ge- 
suuden Organismus ist, so ist der Eflect natürlich nur 
in solchen Fällen nachweisbar, bei denen die Gewebs- 
athmung herabgesetzt ist, denn der normale Organismus 
bedarf der künstlichen Einführung des Katalysators nicht. 

Meine Versuche ausserhalb des Organismus lehren 
uns, dass iu einer verdünnten Kupfercbloridlösung -üie 
Anwesenheit von einem Milligramm von SpermiD aus¬ 
reicht, um die Oxydation von enorm grossen Mengen 
von Magnesiummetall (in Pulver) in einigen Secunden 
zu bewerkstelligen. Ebenso genügen wenige Milligramme 
Spermin, um einer grossen Quantität von Blut, das 
seine Fähigkeit verloren hat die normalen Oxydations¬ 
vorgänge zn bewerkstelligen, diese Fähigkeit wieder zu 
erlheilen. Es handelt sich bei allen diesen Reactionen 
nur um eine sehr grosse Beschleunigung des Ganges 
derselben in Folge der Einwirkung des Spermins. 

Bei der Gewebsathmung haben wir es ausser dem 
Katalysator der Oxydationsvorgäuge, dem Spermin, 
scheinbar noch mit einem anderen Katalysator zu thun, 
welcher auf die Excretion resp. Elimination der Stoff¬ 
wechsel producte aus den Geweben einen Einfluss aus- 
Ubt, ohne die Oxydation direct zu veranlassen. 

Es ergiebt sich nämlich, dass das Cerebrin (Cerebri- 
nnm-Poehl, welches aus deu Leukoraaineu der Nerven- 
substauz besteht) in sehr geringer Menge die herabge¬ 
setzte Excretion der Gewebsathmung beeinflussen kann. 
Bei gewissen pathologischen Zuständen, wie bei gewissen 
Formen von Neurasthenie, von Epilepsie und bei Alko- 
holismos können Quantitäten von Milligrammen Cere- 
brins bereits einen Effect erzielen. 

E9 unterliegt keinem Zweifel, dass wir beim Cerebrin 
mit der Wirkung eines specifischen Katalysators zu 
thuu haben. 

Wenn ich hier von einem specifischen Katalysator 
rede, so meine ich darunter nicht einen Körper den 
wir als Specifienm des Arzneischatzes bezeichnen, son¬ 
dern einen Körper, wie solche Ostwald als speci- 
fische Enzyme, Katalysatore bezeichnet. Es wird näm¬ 
lich eine specifische physiologische Function beeinflusst, 
wie in diesem Falle das Cerebrin, die eine Function 
der Gewebsathmung, nämlich die Excretion beschleunigt. 

Die therapeutische Wirkung und Verwendung eines 
solchen Katalysators muss natürlich eine sehr mannig¬ 
faltige sein, da die Excretion der Stoffwechsel producte 
ans den Geweben so häufig herabgesetzt ist und das 
Ens morbi, oder die Begleiterscheinung der histogenen 
Autointoxicationen, alo einer sehr grossen Anzahl von 
Krankheiten ist. 

Damit erklärt es sich auch, dass das Cerebrin in 
gewissen Fällen von Neurasthenie, vou Epilepsie, bei 
Alkoholisraus, etc. therapeutisch erfolgreich ange¬ 
wandt 8 ) ist. 

Heute möchte ich Ihre geschätzte Aufmerksamkeit 
noch auf einen Katalysator richten, welcher sowohl 
seiner Neuheit, als auch der ungeheuren Intensität 
seiner Wirkung wegen reges Interesse darbietet. Wie 
wir schon geseheu, wirken Spermin und Cerebrin kata¬ 
lytisch in ungemein kleinen Quantitäten; dieses neue 
Präparat jedoch, von dem weiterhin noch die Rede sein 

Lion. Berlin, kliu. Wchschr. 1902, Nr. 1 n. Deutsch, 
med. Wchschr. 1902, Nr. 50. 

Prof. Stange. St. Petersb. Medlcin. Gesellschaft. 1902. 

Prof. A. Eulen bürg. Deutsche Medic. Wchschr. 
1902, Nr. 50. 


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86 


wird, übertrifft die beiden andern in dieser Hinsicht 
ganz beträchtlich. 

In der Nebenniere, deren wesentlicher wirksamer 
Bestandtheil, das Adrenal, zu nenuen ist, befindet sich 
ein stark reducirender Körper, der 1892 von Brun¬ 
ner •) für das Pyrokatechin gehalten wurde. 

Obgleich nach Brunner auch Mühlmann ,0 ), 
Alexander “) und andere die Beweisführung für 
das Vorhandensein des Pyrokatechins in der Nebenniere 
fortsetzien, stellte es sich thatsächlich heraus, dass dieser 
Körper mit stark reducirenden Eigenschaften doch nicht 
das Pyrokatechin war. Letzteres wird durch Unter¬ 
suchungen von Gürber ,a ), von Fürth 18 ) und 
Abel ,4 ) bestätigt 

Abel nannte sein Präparat Epinephrin und gab ihm 
die Formel ChHibNO«. Dieses Präparat hat die 
Eigenschaften eines Alkaloids und giebt als Spaltungs- 
product nach Einwirkung von Aetzkali neben anderen 
das Skatol. 

v. Fürth erhielt ein Präparat, ohne die Eigen¬ 
schaften eines Alkaloids, das heisst es wurde durch 
die bekannten Alkaloldreagentien nicht gefällt und zer¬ 
legte sich auch nicht unter Bildung des Skatols bei 
Einwirkung von Aetzkali. Diesen Körper nannte v. 
Fürth Suprareniin mit der Formel C 5 H 9 NO 2 oder 
auch CsHiNOa. v. Fürth hält diesen Körper für 
Dioxipyridin. 

Wie das Suprareniin so giebt auch das Epinephrin 
mit Jodwasser und Ammoniak eine rothe Färbung, 
v. Fürth ist der Meinung, dass, wenn das Epinephrin 
von Abel Eigenschaften besitzt, die den Blutdruck er¬ 
höhen, dieses durch die Gegenwart von Suprareaiin be¬ 
wirkt wird. 

Takamine 16 ) schied gleichzeitig mit Aid rieh t6 ) 
einen Körper aus, der unter dem Namen Adrenalin be¬ 
kannt ist. Aus vergleichenden Reactionen ersieht man, 
dass das von mir ausgeschiedene Adrenalin (d. h. Adre¬ 
nal ,7 ) chemisch einen reineren Körper darstellt, welche 
Behauptung auch durch vergleichende physiologische 
Untersuchungen bestätigt wird 18 ). Das Adrenal hat die 
Formel CtoHuNO«. Die dem Adrenal beigegebene 
Formel ist selbstverständlich nur als eine empirische 
zu betrachten. 

Die von Takamine mitgetheilte Darstellungsart des 
Adrenals ist offenbar ungenau. Was aber richtig von 
ihm hervorgehoben wurde, ist die leichte Krystallisations- 
fähigkeit des Adrenals. 

Dank dieser werthvollen Eigenschaft kann dieses Prä¬ 
parat in sehr reinem Zustande gewonnen werden, so 
dass seine Reinheit von der Häufigkeit des in Anwen¬ 
dung gebrachten Umkrystallisirens in Abhängigkeit 
steht. 

Der Hauptgrund aller Reactionen des Adrenals liegt 
in dem Vermögen dieses Körpers beschleunigend auf 
Reductionsprocesse zu wirken. (Reactionen auf Eisenoxyd, 
Gold, Silber, Salze etc.). 

Zudem, wie wir ersehen, ruft dieser Körper schon in 
so kleiner Menge eine derartige Wirkung auf Reduc¬ 
tionsprocesse hervor, dass ich nicht umhin kann in dem 

•) Brunner. Chemisches Centralblatt 1892, I, 758. 

,0 j M ti h 1 m a n n. Deutsch, med. Wocheuschrift 1896, 
Nr. 26, d. 409. 

") Alexander. Beitr. der pathol. Anatom. XI p. 145. 

,J ) G ti r b e r. Sitz.-Ber. d. phys.-chem. Gesellsch. z. Wiirz- 
burg. 

’ 3 ) v. Fürth. Zeitschr. f. physiol. Chera. 24, 142-153. 

'*) Abel. John Hopkins Hosp. Bull. 215-219. 

ls ) J. Takamine. Therap. Gazette. 1901 p. 221. 

'•) Aldricb. American. Jonrn. of Physiol. 1901 p. 547. 

17 ) Prof. A. de P oehl: lnflaence des agents de r.atalyse 
sur le fouctionnement de l’organisme: spermine, c6rebrine et 
chloradrenal. Compte rendu de l’Academie des Sciences de 
Paris. 15 D6eembre 1902. 

IB ) Prof. N. Fenomenoft: Wratsch. 1903. Nr. 5. 


Adrenal einen spccifischpositiven Katalysator der Re- 
ductionsvorgänge zu ersehen. Wenn man diese Reactio- 
neu näher beobachtet, so kommt man zur Ueberzeugung, 
dass man kein gewöhnliches Reagens vor sich hat, das 
heisst, dass man ihn nicht wie einen chemischen Körper, 
der eine Reaction eingeht nnd dabei selbst eine Ver¬ 
änderung erfährt, aufzufassen hat, sondern im Gegentbeil 
wir besitzen im Adrenal einen wahren Katalysator der 
unverändert bleibt. 

Und in der That, so ein Körper, der, wie ira gege¬ 
benen Falle, in so minimen Quantitäten — in Tbeilchen 
eines Milligrarames — grosse Quantitäten rothen Blut¬ 
laugensalzes in verdünnten Lösungen zu reduciren ver¬ 
mag, ohne wie es den Anschein hat, selbst dabei oxy- 
dirt zn werden, kann nichts anderes als ein Kataly¬ 
sator seiu. 

Noch mehr werden wir davon überzengt, dass wir es 
mit einem Katalysator zu thun haben, wenn wir die 
physiologische Wirkung dieses Körpers in Betracht zie¬ 
hen. So erhält nach Pu rin ton ein Kilo Gewicht eines 
Hundes eine Steigung des Blutdruckes von 0,00ü024, 
nach Moori sogar o,00000j24ö gr. Adrenal. 

Die reducirende Fähigkeit des Adrenals ist so er¬ 
heblich, dass wir es sogar znm Entwickeln photogra¬ 
phischer Aufnahmen verwenden können. 

Ich erwähnte schon das Snprarenalin (Suprarenal inum- 
Poehl), über dessen Eigenschaften ich auf dem inter- 
nationaleu medicinischen Coogress in Moskau zu spre¬ 
chen kam* 8 ). Das Suprareualin enthält alle Leucomaine 
der Nebenniere und mithin auch das Adrenal. Daher 
hat das Suprarenalin nicht nnr reducirende Eigen¬ 
schaften, sondern besitzt auch die Fähigkeit deu Blut¬ 
druck zu erhöhen und auf die Capillaren constringi- 
rend zu wirken. Dennoch darf man das Suprareualin 
nicht mit dem Adreual identificireu. Im Gegentheil. wir 
finden in dem Suprareualin auch alle Eigenschaften, 
welche dem Epinephrin, dem Suprareniin etc. eigen sind. 

In der Nebenniere giebt es, wie wir aus allen diesem 
ersehen, eine Menge Körper, deren chemische Eigen¬ 
schaften uns ein hohes Interesse einflössen. A priori 
sollte man schon erwarten, dass unsere Organe nicht 
immer nur einen wirksamen Bestandtheil bergen, son¬ 
dern dass mehrere und verschiedene Bestandtheile in 
den Organen enthalten sind. Man braucht nur näher 
die chemische Zusammensetzung der Organe zu prüfen. 
Ich erlaube mir nur hier in Erinnerung zu bringen, 
dass mau anfangs in der Chinarinde nur ein Alkaloid 
— das Chinin vermuthete, jetzt erweist es sich, dass 
die Anzahl der in ihr enthaltenen Alkaloide weit über 
20 geht. Was nun die Nebeaniere betrifft, so fand in 
ihr Croftan Glykose. Auf den ersten Blick konnte 
man glauben, dass die von Blum bei Thieren angetrof¬ 
fene Glykosurie nach Einführung eines Auszuges der 
Nebenniere gerade durch diese Glykose bedingt wird. 

Indessen überzeugte ich mich, den Einfluss des Adre¬ 
nals auf den Stolfumsatz des Kaninchens studirend, 
dass die Glykosurie auch nach Einführung von Adrenal, 
welches keine Glykose enthält, stets eintrifft. 

Es liegt darin nichts befremdendes, da doch schon 
allein der herabgesetzte Oxydationsprocess des Organis¬ 
mus (was für den Einfluss des Adrenals auf den Stoff¬ 
wechsel characteristisch ist) genügt, um eine solche 
Glykosurie hervorzurufen. 

Wie überaus reich die Natur unseren Organismus mit 
verschiedenen Katalysatoren ausgestattet hat, wird uns 
klar, wenn wir auf die Rolle und Bedeutung solch 
wichtiger Katalysatoren wie das Sperrain, Cerebrin und 
Adreual blicken und ausserdem auch noch solche Kata¬ 
lysatoren wie Haemoglobin, Pepsin, Tripsin berücksich¬ 
tigen. 


,0 ) A- v. Poehl: Wratsch. 1897. Nr. 27. 



87 


Gleich wie mit positiven haben wir es in unserem 
Körper auch mit negativen Katalysatoren zu thun, zu 
den letzteren gehören viele Toxine. 

Sogar solch eine rege Frage, wie die Lehre über das 
Entstehen der bösartigen Neubildungen gehört theilweise 
in das Gebiet der Katalysis und zwar zu dem Auftreten 
der Katalyse in übersättigten Lösungen, zu denen das 
Blut und die Mehrzahl der Säfte unseres Organismus 
hinzugerechnet werden müssen. 

Die Erforschung der Eigenschaften benannter Kataly¬ 
satoren, sowohl positiver wie auch negativer bildet ohne 
Frage eine der wichtigsten Aufgaben der gegenwärtigen 
Medicin. Die aus einem normalen Körper gewonnenen 
Katalysatore haben hauptsächlich die Bestimmung auf 
den Stoffumsatz zu wirken und ihn zur Norm zurück* 
Zufuhren, eine Aufgabe, deren hohe Bedeutung mein un¬ 
vergesslicher Freund und Lehrer Prof. E. von Eich¬ 
wald erwogen hatte. In seiner «Allgemeinen Therapie» 
in dem Kapitel: «Die Lehre von der natürlichen Hei¬ 
lung» (Therapeutica mtnrae) erklärt er ganz katego¬ 
risch (Seite 15) «Vis medicatrix naturae» der Alten — 
ist doch nichts anderes als der Stnffumsatz unseres Kör¬ 
pers. Hierzu sei bemerkt, dass Dr. G. von Hirsch 20 ) 
auf das Spermin als den Körper hingedeutet hat, der 
die Vis medicatrix naturae zur Geltung bringt. 

Ich kann nicht umhin zu wiederholen, was ich schon 
vor 12 Jahren geäussert habe und zwar, dass wir in 
verschiedenen Drüsen und Organen unsere eigenen Haus¬ 
apotheken mit einem reichhaltigen Arsenal therapeuti¬ 
scher Mittel besitzen, die unser Organismus zum Selbst¬ 
schutz und zur Bekämpfung von Krankheitsursachen zur 
Anwendung bringt. 

Die Erforschung physiologischer und chemischer Ei¬ 
genschaften isolirter normaler Selbstschutzmittel unse¬ 
res Organismus bietet nicht nur für die Biologie ein 
hohes Interesse, sondern hat auch gleichzeitig eine wich¬ 
tige practische Bedeutung, insofern es uns eine Reihe 
von wirkungsvollen Arzneimitteln zum Wohle der lei¬ 
denden Menschheit in die Hand liefert. Da wir hierbei 
dem Vorgang in der Natur folgen, so könneu wir sicher 
sein, uns auf dem richtigen Wege zu befinden. 

Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 28. August 1902. 

1) Im Anschluss an die Protokoll Verlesung bemerkt Dr. 
Hampeln, dass er über die auf der vorigen Sitzung von 
ihm erwähnte Patientin mit Schlingbeschwerden und Blut¬ 
brechen, bei welcher er ein Aortenaneurysma diagnosticirt hatte, 
nachträglich bei dem eie zuletzt behandelnden Collegen Er¬ 
kundigungen eingezogen habe, da ihm der Gedanke gekom¬ 
men sei, es könne sich vielleicht doch um ein OeBophagnscar- 
-cinnm und zwar mit einer parenchymatösen Blutung gehan¬ 
delt haben. Ein solches scheine in der Tliat Vorgelegen zu 
haben, denn nach Mittheilung des Collegen seien bei der Pa¬ 
tientin zuletzt Carciuommetastasen im Peritoneum anfgetre- 
ten. Man müsse also annehmen, dass auch im Oesophagus 
ein Carcinom vorhanden gewesen sei und wie ein Carcinom 
in jedem anderen Organ zu einer parenchymatösen Blutung 
Veranlassung geben könne, so natürlich auch im Oesophagns. 

2) Der Präses (Dr. B e r n s d o r f f) gedenkt der während der 
Sitzungsferien verstorbenen beiden ordentlichen Mitglieder: 

1. I)r. Erich Wiehert, gest. im Alter von 71 Jahren 
Am 28. Juni d. J. 

2. Dr. Wilhelm T i e d e m a n n , gest. im Alter von 69 
Jahren am 5. August d. J. 

Beide haben mehr als 40 Jahre unserer Gesellschaft ange¬ 
hört. Dr. Wiehert hatte vor einigen Jahren wegen zu¬ 
nehmender Kränklichkeit seine Praxis aufgeben, er litt un 
chronischer Arthritis, chronischem Bronchialcatarrh, schliess¬ 
lich starb er an einer acuten Herzinsufficienz. 


w ) Dr. G. v. H i r 8 c b, Leib. Medic. 8. M a j. des Kaisers 
von Russland. Beitrag zur Organotherapie. Sperminum Poebl. 
St. Petereb. med. Wochenschr. Nr. 7, 1897. 


Dr. Tiedemann hatte noch bis zum vorigen Jahre prak- 
ticlrt und starb in wenigen Monaten in Folge eines Leber¬ 
krebses. 

Das Andenken der Todten wird dnreh Erheben von den 
Sitzen geehrt. 

3) Dr. Bo 8 Bestellt 2 Palienten vor mit lymphati¬ 
scher Leukämie und malignen Lymphomen. 
Der erste Patient, eine Frau, sei seit 4 Jahren krank. Die 
Krankheit begann 1898 während der Schwangerschaft und 
bestand anfangs in einem unerträglichen Jucken in den obe¬ 
ren Extremitäten, welches sich bald auch auf die unteren 
Extremitäten und auf den übrigen Theil des Körpers aus¬ 
dehnte und die Patientin zur Verzweiflung brachte. Gegen 
Ende der Schwangerschaft, die im 8. Monat mit einer Früh¬ 
geburt endete, begannen die Cervicaldrfisen und die Drüsen 
am Halse sich rasch zu vergrössern, nach einiger Zeit auch 
die Achseldrüsen (August 1899). Der Tumor auf der Brust 
entstand vor 2 Jahren, also 1900 und ist während der letzten 
Zeit beständig gewachsen. Gegen Ende der Schwangerschaft 
will Pat. ihre Sehkraft verloren haben, dahei Rollen ihr auch 
die Küsse geschwollen sein. Nach der Entbindung konnte 
sie wieder gut sehen. Wiuter 1901 begann der Haaransfall. 
Seit 1898 hat die Pat. ihre Periode verloren. — Soweit die 
Krankengeschichte. — Das Aussehen der Pat. entspricht nicht 
ilnem Alter, Redner meint, man könnte ihr ruhig 20 Jahre 
mehr geben. Auffallend seien die enormen Tumorpackete am 
Halse und namentlich auch ein besonderer Tumor auf der 
linken Brusthälfte Letzterer machte den Eindruck, als wäre 
der sichtbare, harte und unbewegliche Tumor die stumpfe 
Spitze eines flachen Kegels, dessen breite und flache Basis 
unter den Rippen sieh ausgebreitet hätte, während die Kegel- 
knppe sich zwischen den Rippen hindnreh Bahn gebiochen 
hätte. Mit der Annahme einer Neubildung auf der Pleura 
costalis stimme auch die Kurzathmigkeit der Patientin sowie 
der beständige Reizhnsten Überein, der fast allen Mitteln 
trotze; andererseits auch die totale Dämpfung der erkrankten 
Brusthälfte. Interessant seien 2 anästhetische Bezirke auf 
der linken Wange und unter der linken Mamilla. Man gehe 
wohl nicht fehl, wenn man diese Erscheinung als durch 
Druck der Tumoren auf bestimmte sensible Nervenstämme 
bedingt erkläre. Was die Sehstörung anbetrifft, so wnrde 
vor 3 Jahren eine Retinitis albuminurica constatirt (Dr. 
v. H e d e n s t r ö m), bedingt durch secundäre Schrumpfniere. 
Der Aogenhintergrnnd zeigte Trübung der Netzhaut, Ab¬ 
blassung beider Papillen, in der Maculagegend vereinzelte 
weisse Stipprhen und Fleckchen. Vor wenigen Tagen ist 
Pat. nochmals untersucht worden (Dr. Zwing mann). Die 
Sehschärfe beträgt links 40 / 4 °. rechts 4 %o, in der Gesend der Ma¬ 
cula finden sich eine Reihe dicht aneinander gefügter, hell- 5 
glänzender, unregelmässiger Pünktchen, als Reste einer ab- 
gelanfenen Retinitis albuminurica, Redner hat in einer län¬ 
geren Versuchsreihe nie eine Spur von Albumin finden kön¬ 
nen nnd, obwohl das nichts gegen die Möglichkeit einer be- 
! stehenden Schrumpfniere beweist, so glanht Redner doch bei 
| dem gänzlichen Fehlen aller sonstigen Symptome und na- 
I mentlich auch wegen des relativ guten Wohlbefindens der 
j Patientin, dass es sieh einfach um eine acute parenchymatöse 
I Nephritis gehandelt hat, die jetzt ansgeheilt ist. Der Hämo- 
globingehalt betrug im Lauf von 4 Monaten consfant 55 pCt. 

| Die Blntuntersuchting ergab eine bedeutende Vermehrung 
der Leucocyten, namentlich der polynucleären Leucocyten, 

! daneben einzelne Lymphocyten, Megaloblasten und verein- 
| zelte Mastzellen. — Therapeutisch ist wohl gegen die Krank¬ 
heit alles Mögliche gethan worden, ohne dass irgend ein 
I Erfolg zu constatiren war. Neben Arsen, das Pat zuletzt 
I in grossen Dosen erhielt, hat Redner auch das Berberin 
versucht? der Pruritus ist durch nichts zu beeinflussen ge¬ 
wesen. 

Der zweite Patient kam vor 4 Monaten gleichfalls in Be¬ 
handlung- Nach dem ungemein schweren Kiankheitsbilde, 
das Pat. damals darbot, glanbte Redner es Anfangs mit einer 
Majaria-Kachexie zn thun zu haben, bis nach völligem Ent¬ 
kleiden des Patienten, ausser dem grossen Milztumor, anch 
die mächtigen Drüsei pakete unter den Armen, sowie am 
Halse und in der Hüftbeuge bemerkt wurden. Das Blut 
quoll nach dem Einstich in die Fingerkuppe gelblich hervor, 
der Hämoglobingehalt betrug ca. 30 pCt. — Die Blntunter- 
suchung ergab eine erstaunliche Menge von Lymphocyten, 
daneben polynucleäie Leucocyten, Megaloblasten und Mast¬ 
zellen. Die Hautfarbe zeigte ein schmutziges Branngelb, 
dabei war Pat. äusserst schwach und hinfällig und sehr 
mager. — Der Mann, der jetzt hier steht, hat sich unter 
den grossen Arsendosen vorzüglich erholt, der Hämoglobin¬ 
gehalt beträgt jetzt ca. 75 pCt., das Körpergewicht hat be¬ 
deutend zugenommen und die Gesichtsfarbe zeigt wieder eine 
normale Färbung. Hand in Hand mit dieser allgemeinen 
Besserung ging auch die Abnahme der Tumoren, so sei z. B. 
der früher apfelgrosse Tumor unter der linken Achselhöhle 
fast ganz veischwunden. (Autoreferat.) 


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83 


Dr. Kröger 2 erkundigt sich beim Vortragenden, ob 
schon vor dem Arsengebranch bei der erstvorgeetellten Pa¬ 
tientin Haarausfall bestanden habe. 

Dr. Bosse kann darüber keine Auskunft geben. Als sie 
zu ihm in Bebandluug kam, war der Haarausfall schon sehr 
vorgeschritten; Pat. hatte schon vorher viel Arsen er¬ 
halten. 

ür.Kr öger 2 hält es für sehr wahrscheinlich, dass der 
Haarausfall auf den lange fortgesetzten Arsengebrauch zu- 
rückzufübren sei- Es ist ihm nicht bekannt, dass beim 
Ly mphosarcom und verwandten Krankheiten Haarausfall 
vorkommt. 

Dr. Bosse glaubt die Erscheinung vielleicht als Kratz- 
effect auÜasBen zu dürfen. 

Dr- Krüger 2: Hierfür gebe es keine Analogien. 

Dr- K rannhals hebt hervor, dass die Tumoren der 
Patientin seit ihrem Aufenthalt im Krankenbause nicht we¬ 
sentlich kleiner geworden sind; sie kam damals hauptsäch¬ 
lich wegen ihres unerträglichen Juckens; die Haare waren 
ihr schon damals meist ausgefallen; unter Gebrauch von 
Thyreoidin und Arsen schienen si$.k die Drüsen zu verklei¬ 
nern. — Es bestaud constant hochgradige Leucocytose mit 
starker Vermehrung der polynucleären Zellen, in einzelnen 
Präparaten war eine relatiye Vermehrung der Mastzellen zu 
constatiren, übrigens wechselte der Blutbefund sehr; man 
konnte nur sagen, dass es sich um Leucocytose bei 
anämischem Blot handelte. Eine sichere Diagnose liess sich 
nicht stellen, am ehesten musste man an Lymphosarcom 
denken. 

Dr. Hampeln stimmt Dr. Kröger darin bei, dass man 
den Haarausfall der Patientin mit Wahrscheinlichkeit auf den 
Gebrauch von Arsen zurückführen müsse, das ihr vom Be- 

inn ihrer Erkrankung an von den verschiedenen bebandeln- 

en Aerzten verordnet worden sei. 

Dr. Hampeln hat die Patientin schon im Jahre 1898 in 
Behandlung gehabt; er glaubt am ehesten, dass hier zunächst 
eine Pseudoleukämie Vorgelegen hat, mit uacbherigem Ueber- 
gang in Leukämie, im Wesentlichen mit Vermehrung der 
polynucleären Zellen. Beide Erkrankungen seien ja mit ein¬ 
ander verwandt und Uebergang der Pseudoleukämie in Leu¬ 
kämie könne Vorkommen; gegen Lymphosarcom spreche der 
chronische Verlauf. • 

Das Auffallende in diesem Fall sei die den übrigen Er¬ 
scheinungen jahrelang vorausgehende Hauterkrankung. Es 
sei zwar bekannt, dass die Leukämie mit einer Erythrodermie 
beginnen könne, wie auch P i n c u s angebe: das isolirte 
Bestehen dieser Affection sei aber sonst nur auf kurze Zeit 
beschränkt- Ferner hebt Redner die zu Beginn der Erkran¬ 
kung aufgetretene Nephritis hervor, von der er anniramt, 
dass sie auch in Zusammenhang mit der nachfolgenden Er¬ 
krankung zu bringen ist. Man sollte daher immer, wenn 
Nephritis zusammen mit Pruritus auftritt, an die Möglichkeit 
einer in der Entwickelung begriffenen Pseudolenkämie 
denken. 

Als Redner die Patientin behandelte, ergab die Blutunter- 
suchung keine guffällige Abnormität. Eine Blntkörperchen- 
zählnng habe er allerdings nicht vorgenommen. 

Der Fall zeichne sich auch dadurch ans, dass eine schon 
bestehende Retinitis albuminnrica zurückgegangen sei. 

Dr. Krannhals kann die Berechtigung der Diagnose 
einer lymphatischen Leukämie nicht zugeben. Die Zahl der 
Lyrapbocyten sei eher vermindert als vermehrt. Vermehrt 
Beien im Wesentlichen die polynucleären Leukocyten, man 
habe also das Bild einer einfachen Leukocytose, zu deren 
Erklärung man auch an den im oberen TheÜ der 1. Pleura¬ 
höhle befindlichen Tumor denken könne, welcher durch sein 
schnelles Wachsthum den Verdacht erweckt, dass es sich um 
eine maligne Neubildung handele- Während des Kranken- 
hausaufenthalteR habe dieser Tumor nur eine Dämpfung hin¬ 
ten verursacht, jetzt sei vorne auch eine solche zu finden. 

Dr. L. Schönfeldt hat die Patientin vor 2 Jahren ge¬ 
sehen. Sie war damals gravid, hatte eine Nephritis und litt 
an Btarken Kopfschmerzen. — Dr. Eliasberg stellte eine 
Retinitis albuminurica fest. Es erfolgte Frühgeburt im 8. 
Monat. 

Als Redner die Pat. vor 17* Jahren wiedersab, constatirte 
er geschwollene Lymphdrüsen in der Achselhöhle und vorn 
an der Brust, die jedoch damals sehr unbedeutend waren. 

Dr. v. Brücker hat die Pat. vor 2 Jahren gesehen, sie 
litt damals an Dyspnoe, als deren Ursache Redner eine nach¬ 
weisbare Vergrösserung der Gland. thyr- annahm. 

4) Dr. B e r t e 1 8 deraonstrirt eine Anzahl lebender, in 
der Nähe von Riga in einer Malariagegend gefangener Ano¬ 
pheles claviger s. maculipennis. 

5) Dr. v- S e n gb u s ch und Dr. Br u t zer demonBtriren 
das von der Gesellschaft neuangeschaffte Skioptikon. 

d. Z. Secretair: Dr. Bertels. 


Vermisclites. 


— Zu berat h enden Mitgliedern des Militär- 
Medicinischen Gelehrten Comitgs sind ernannt 
worden: Der Ehren-Leibmedicus des Allerhöchsten Hofes 
Geheimrath Dr. Bertenson und die Professoren der Mili¬ 
tär-Medicinischen Academie wirkl. Staatsräthe Dr.Schid- 
1 o w s k i, berathendea Mitglied des Medicinalraths, und Dr. 
Ssimanowski, Ehren-Leib Otiater des Allerhöchsten Ho¬ 
fes; alle drei — mit Belassung in ihren bisherigen Stel¬ 
lungen. 

— Der Curator des Alexandra- und des Nikolai-Kinder- 
: asyls in Astrachan, Slaatsrath Dr. Paul Cramer ist zum 
Oberarzt der Kaspischen und Wolga -Fische¬ 
reien, unter Belassung in der von ihm bekleideten Stellung 
ernannt worden. 

— Zum stellvertretenden Gouvernements-Medlcinalinspector 
von Tomsk ist der bisherige Gehilfe des Astrachan sehen 
Gouverneroents-Medicinalinspeetors Staatsrath Messa- 
r o 8 c h ernannt worden. 

— Die Londoner Clinical Society hat den Ber¬ 
liner Kliniker Prof. Dr. E. v- Leyden zum Ehrenmit¬ 
glied e gewählt. 

— Die physiko-mathematische F&cultät der Odessaer Uni¬ 
versität bat den Privatdocenten Dr. W. Sawjalow zum 
Professor der Physiologie gewählt. (R. Wr.) 

— An dem C o n c u r 8 e zur Besetzung des Lehr¬ 
stuhls de r Diagnostik an der Odessaer Uni¬ 
versität werden nach dem «R. Wratsch» folgende 10 Per¬ 
sonen sich betheiligen : Prof. L e w i n (St- Petersburg) und 
die Privatdocenten S- Afanasjew, Walther. Goln- 
binin, Gauthier, Kabanow, Kirikow, Swje- 
tuchin, Jawein und Janowski. 

— Der Ordinator des Pensaschen Gonvernements-Land- 
schaft 8 h 08 pitals Dr. K o p y 1 o w ist zum Oberarzt der Pen¬ 
saschen Gemeinschaft barmherziger Schwe¬ 
stern des «Rothen Kreuzes» und des bei derselben 
bestehenden Krankenhauses ernannt worden. 

— Der stellv. ältere Arzt der Schlüsselburger Gensdar- 
merie-Verwaltung Dr. Rudnew ist wegen Krankheit ver¬ 
abschiedet worden. 

— Zum Director der gynäkologischen Klinik 
i n J e n ä ist an Prof. B. S c h u 11 z e ’s Stelle, welcher nach 
Erreichung des 75. Lebensjahres im April d. J. in den Ruhe¬ 
stand tritt, Prof. Dr. K r ö n i g aus Leipzig berufen worden. 

— Als voraussichtlicher Nachfolger des verstorbenen Pro¬ 
fessors der Physiologie Dr. L a n d o i 8 in Greifswald wird 
der Privatdocent für dieses Fach in Bonn Prof. Dr. Bleib - 
tre n genannt. 

— ln der vorigen Woche haben in der Aula der Univer¬ 
sität Jurjew (Dorpat) die beiden neucreirten Privatdocenten 
der medicinischen Facnltät Dr. Johannes Meyer und 
Dr. A. Jarozki ihre Antrittsvorlesungen gehal¬ 
ten, und zwar ersterer «Ueber das Wochenbettfieber», letz¬ 
terer «Ueber die Aufgaben der Hospitalklinik». 

— Der Privatdocent für pathologische Anatomie an der 
Universität Bern Dr. Max Howald ist zum ausser¬ 
ordentlichen Professor für gerichtliche Me - 
d i c i n daselbst ernannt worden, an Stelle Prof. Eramert’s, 
der in den Ruhestand tritt. 

— Prof. E. Schmidt, Director des pharmaceutisch-che- 
mischen Instituts der Universität Marburg, ist von der Char- 
kower pharmaceutiscben Gesellschaft zum Ehrenmit¬ 
glied gewählt worden. 

— Verstorben: 1) Am 18. Febrnar im Deutschen 
Alexander-Hospital zu St. Petersburg Dr. Johannes 
Sachsendahl, Leiter der Heilanstalt für Alkoholiker in 
Pitk^järwi, an einem Herzleiden im Alter von nahezn 52 
Jahren. Als Sohn eines Arztes zu Dorpat geboren, bezog er 
im Jahre 1873 die dortige Universität, an welcher er sich bis 
1880 dem Studium der Medicin widmete. Nach Erlangung 
der Doctorwürde wirkte er von 1880—1886 als Fabriksarzt im 
Gouvernement Wjatka, beschäftigte sich darauf einer ehren¬ 
vollen Aufforderung folgend in Dorpat und Reval mit der 
Herausgabe des 4. Bandes der Baron Toll’schen Brieflade, 
um dann 1887 wieder die ärztliche Praxis an den Siemens 
und H a 1 s k e gehörigen Kupferbergwerken im Kaukasus 
aufzunehmeu. Ein zunehmendes Herzleiden zwang ihn seine 
Praxis aufzugeben und in letzter Zeit seine ärztliche Thä- 
i tigkeit auf die Leitung der obengenannten Heilanstalt für 
i Alkoholiker zn beschränken. Der Hingeschiedene hat neben 
| seinem beruflichen Wirken als Arzt auch auf einem Jganz an- 
j deren Gebiet sich einen Namen gemacht: er galt' als ein© 

1 Autorität auf dem Gebiet der baltischen Münzen- und Siegel- 
i künde, sowie der Localgeschichte Dorpats. Seine einschlä- 
| gigen Arbeiten fanden volle Anerkennung bei den Fachge- 
j lehrten. — 2) Am 7. Februar in Nishni Nowgorod der Ober- 
‘ arzt des Gouvernements-Landschaftshospitals Dr. D e m © - 


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80 


iriusWjenski im 69. Lebensjahre an Apoplexie. Der 
Verstorbene, welcher vor 44 Jahren die Venia practicandi an 
der Kasanschen Universität erlangt batte, erfreute sich 
Krosser Achtung als Arzt für interne Krankheiten and fun- 
girte aach seit vielen Jahren als Präsident der örtlichen Ge¬ 
sellschaft der Aerzte. Er ist auch mehrfach literarisch her¬ 
vorgetreten. — 3) In Tambow der ältere Arzt des Borisso- 
clebachen Reserve-1nfanterie-Bataillons Anatol Astaf- 
jew im 50. Lebensjahre. Die ärztliche Thätigkeit hat A. 
seit 1879 ansgeübt. — 4) Am 3. Februar in Grjasowez (Gouv. 
Wologda) die Aerztin Anna Odinzow im 46. Lebensjahre 
aa Herzparalyse. Sie war seit 1880 beim örtlichen Land¬ 
schaftshospital angestellt. — 5) ln Wiesbaden Sanitätsrath 
Dr. F. Cramer, Oberarzt des 8t. Joseph-Hospitals, im Al¬ 
ter von 55 Jahren an Pneumonie. Der Hingeschiedene war 
ein geschätzter Chirurg nnd in den letzten Lebensjahren B. 
v. Langenbeck’s dessen Gehilfe bei Operationen. — 6) In 
Paris Dr. Didiot, früherer Generalinspector des französi¬ 
schen Militär-Sanitätswesecs. 

— Der Vorstand des histologisch-embryologischen Instituts 
an der Universität Innsbruck Prof, extraord. Dr. Kersch - 
n er ist zum ordentlichen Professor ernannt 
worden. 

— Der Arzt des Fleckens Smorgon (Gouv. Wilna) D. 
J. Duschmann ist für Unterlassung der An¬ 
zeige von 5 bei Menschen vorgekommenen 
Erkrankungsfällen an Milzbrand zu einer Strafe 
von 50 Rbl. oder Arrest von 2 Wochen verurtheilt worden. 

— Die Gouvernements-Landschaft von Jekarerinosslaw hat 
das Leben der bei ihr znr Bekämpfung der Epidemien ange- 
stellteu 3 Aerzte, jeden auf 10,000 Rbl., und 4 Feldscher, je¬ 
den auf 3000 Rbl., versichert. Die Versicherung ist ab¬ 
geschlossen gegen Unfälle und auf den Todesfall, verursacht 
durch nachstehende lnfectionskrankheiten: Typhus, Diph¬ 
therie, Scharlach, Maseru, Cholera, Septicämie, Rotz, Milz¬ 
brand, Lyssa und Pest. 

(Pridnjeprowski Krai. — R. Wr.) 

— In B e r 1 i u hat sich einCentralcomit£ für das 
ärztliche Fortbildungswesen mit localen Ver¬ 
einigungen in 23 grösseren deutschen Städten gebildet. Um 
der ganzen Bewegung einen Mittel- und Standpnnct zu ge¬ 
ben, soll ein Hans für das ärztliche Fortbil- 
dungswesen auf den Namen der verstorbenen 
Kaiserin Friedrich gegründet werden, welche sich 
stets lebhaft für alle Bestrebungen auf naturwissenschaft¬ 
lichem und medicinischem Gebiete interessirte. Der Plan ist 
nun in einer Andienz, welche Prof. E. v. Bergmann als 
Präses des genannten Comitös vor Kurzem beim Kaiser hatte, 
genehmigt worden. 

— Die Stadt Lodz, welche bereits über 300.000 Einwoh¬ 
ner hat, bis jetzt aber uur ein kleines städtisches Hospital 
besitzt, soll in nächster Zeit ein Riesenhospital mit 
1000 B e 1 1 e n bekommen. Die Kosten des Banes sind auf 
Ca. I'/» Millionen Rbl. berechnet. Im Ganzen sollen 30 Ge¬ 
bäude anf einem 30 Morgen grossen Platze im Stadtwalde 
aufgeführt werden. 

— Die C u r 8 ai s o n in Druskeniki beginnt am 20- 
M&i. Bis dahin soll das (an Stelle des abgebrannten) erbaute 
neue Curhaus fertiggestellt werden. 

— In dem Cnrort Sotschi am Schwarzen Meere wird 
ein Krankenhaus erbaut. Vom Apanagen-Departement wer¬ 
den zn diesem Ban 3000 Rbl. beigesteuert, ausserdem sind 
mm Unterhalt von 6 Belten in diesem Krankenhause 1200 
Rbl. jährlich bewilligt worden. 

— Die Warschauer Universität zählt im laufen¬ 
den Semester 1324 Studlrende, von denen 161 (12 pCt.) Israe¬ 
liten sind- Die grösste Zahl der Israeliten entfällt auf die 
■ediciniseke Facultät (von 400 Medicinern 72 Israeliten), dann 
anf die juristische (von 556 — 54 Israeliten), während die 
historisch-philologische Facultät keinen einzigen Israeliten 
bat. 

— Eine Ueberfüllung des ärztlichen Berufes 
ist in Deutschland schon seit geraumer Zeit constatirt 
worden und wird dieselbe mit jedem Jahr ärger. Die Zaiil der 
Aerzte hat sich dort seit 1876 verdoppelt, so dass jelzt auf 
je 2000 Eiinwohner ein Arzt kommt; in den grösseren Städten 
sinkt diese Zahl sogar auf 621. Auch das platte Land ist 
jetzt reichlich mit Aerzten versorgt. Im letzten Prüfung*- 
jabre 1901/1902 hat die Zähl der Aerzte wieder eiuen erheb¬ 
lichen Zuwachs durch nicht weniger als 1432 neu approbirte 
Aerzte erhalten. Schon jetzt ist die Zahl der Aerzte im Ver¬ 
gleich zur Bevölkeruugszahl anf einen Stand angekommen, 
dass, rein rechnerisch genommen, der auf einen Arzt entfal¬ 
lende Brnchtheil der Bevölkerung schwerlich noch als eine 
Sicherung der Existenz des einzelnen Arztes angesehen wer¬ 
den-kann. Es ist daher verständlich, dass in Deutschland von 
coiapetenten Seiten ernstlich vom Studium der Medicin abge- 
ratheu wird. 


— Veru itheil ungen von Cnrpfnschern in 
Deutschland. In Düsseldorf ist der Massenr Weide¬ 
mann wegen unlauteren Wettbewerbs, begangen durch die 
öffentliche Aukündigung, Zuckerkrankheit durch daB Licht¬ 
heilverfahren zn beseitigen, von der Strafkammer zu 75 Mark 
Geldstrafe verurtheilt. — Ebenso ist in Mainz ein 
Heilküustler M-, der Kranke zur Pflege in seiner Wohnung 
annahm, ohne die Coocession zu einer Heilanstalt zn besitzen, 
zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. — 
Grosses Aufsehen erregte in Berlin vor Kurzem ein Process 
gegen den Kurpfuscher N o r d e n k ö 11 e r, der zu drei Jah¬ 
ren Gefängniss, Ehrenverlust und 3600 Mark 
Geldstrafe vernrtheilt wurde. Sein Helfershelfer, der 
praktische Arzt K r o n h e i m, wurde zugleich wegen Beihülfe 
zu 6 MonatenGefängniss und einemJahrEhren- 
ver 1 ti 81 verurtheilt. Nordenkötter, ein früherer Apo- 
thekergehülfe, betrieb seit ca. 5 Jahren die Knrpfascherei in 
der Weise, dass er in Zeitungsannoncen und Brochüren brief¬ 
liche Behandlung and sichere Heilung von allen möglichen 
Leiden anbot. Die Patienten mussten einen Fragebogen ans¬ 
füllen, aus dem die Diagnose der betreffenden Krankheit ge¬ 
stellt wurde, worauf für theures Geld ein Vorrath von Medi- 
cameuten (darunter sogar Quecksilber, Arsen, Strychnin) zam 
Gebrauch dem Kranken zugesandt wurde. Mehrere Apotbe- 
kenbesitzer haben in diesem Processe ebenfalls eine schimpf¬ 
liche Rolle gespielt- Nordenkötter, der gegen Hinter¬ 
legung einer Caution von 15,000 Mark auf freiem Fass be¬ 
lassen worden war, hat vor Beendigung des Processes die 
Flacht ergriffen. Es konnte ihm nicht schwerfallen, diese 
Caution zu leisten, da er durch seiue Quacksalbereien ein 
Jahreseinkommen von ca. 160.0C0 Mark gehabt haben soll. 

Bf. 

— Die Gesammlzahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrag am 15. Feb. 
d. J. 9038(381 wen. als in d. Vorw.). darunter 546 Typbns — 
(42 wen.),812Syphilie — (56 wen.), 222 Scharlach — (24 wen.), 
117 Diphtherie — (1 wen.), 80 Masern — (17 wen.) und 126 
Pockenkranke — (17 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 9. bis zom 15. Februar 1908. 
Zahl der Sterbe fälle: 


1) nach Geschlecht nnd Alter: 


Im Ganzen: 

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370 338 708 140 66 105 16 10 26 60 66 75 50 47 35 11 1 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 15, Febris reenrreus 0, Typhat 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 3. Masern 25, Scharlach 9, 
Diphtherie 12, Cronp 1, Keuchhusten 6, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 26, Erysipelas 2, Grippe 12, Cholera atiatica 0, 
Rohr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheumar 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 1, Puerperalfieber 4, Pyämie und Septicmmie 5, 
Tuberculose der Lungen 118,Tnbercolose anderer Organe 22. 
Alkoholismns und Delirium tremens 3. Lebensschwäche and 
Atrophia infantum 53, Marasmus senilis 27, Krankheiten des 
Verdauungscanals 70, Todtgeborene 48. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 4. März 1903. 

Tagesordnung: Voss: Die Hysterie in ihren Beziehun¬ 
gen zn den Erkrank äugen der weiblichen 
Sexualorgane. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 10. März 1903. 


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St Petersburg, Nevsky-Pr. 14 ,sowie iD allen in-ond ausländ. Annoncen-Comptniren angenommen. 


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de l'AcadJmie des Sciences , 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. Laffont, Bulletin de l’Acadimie de Mi- 
decine, 14 Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Soci6t4 de Therapentique: Constan¬ 
tia Pani; Dujardin-Beaumetz, Mtdications 
nouvelles , 2. «6ne; Bibliotliöque Charcot- 
Debove, Purgatifs , p. 104; Prof. Lemoine, 

Lille, Therapentique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congrös pour l’avan- 
cement des Sciences, Bordeaux, 1895, 

Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege, 

Cours d'accouchements etc., etc.) 

Seine Wirkung ist constant, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwendungsweise ist Gewöhnung au 
das Kittel zn vermeiden; bemerkenswert he Wirkung bei habitueller Stahlverstopfung, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
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wacherung bei Rheumatismus (Dr- Roux) etc. indicirt ist. 

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uewonnucne uosis ^ EL1XIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter (zu verringern od. zu steigern je nach d. Wirkung). 



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von Oberstabsarzt Dr. Bottersack. 
Zweite Aufl. 8. Mit 8 Textfigr. 1903. 

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(Bibliothek v. Coler-Schjerning. III. Bd.) 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger nnd Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege C?egen Zahlung 
von 60 Cop.). 


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Dr. J. Takamine, ist das einzige unverfälschte und vollkommen 
sichere phannaceutische Präparat dieses Namens, welches von den 
medicinisclien Autoritäten Europa’s und Amerika’s angenommen ist. 

Adrenalin (Takamine) stellt das wirksame Princip der Neben¬ 
nieren vor und wird im Bereiche der Medicin sehr oft und verschie¬ 
denartig angewandt. 

Adrenalin (Takamine) eingenommen veigrösser! den Blutdruck 
in den Blutgefässen und veilangsamt den Pulsschlag, eine gleiche 
Wirkung übt es auch auf die Organe des Herzens aus, in der Art 
wie die Fingethutblume (Digitalist, jedoch in bedeutend stärkerer 
Form. 

Adrenalin (Takamine) angewandt als äusseres Mittel, bewirkt 
die Verengetung der Arterien und weiden die seinem Einflüsse aus¬ 
gesetzten Körpei theile blutlos. Die Schleimhäute weiden durch die 
Wiiknng des Adrenalin farblos Bei chirurgischer Behandlung der 
Augen-, Obren-, Nasen« und Halskrankheiten ist es mittels Adrenalin 
(Takamine) möglich blutlose Operationen zu vollziehen. 

Die klinischen Berichte bezeugen die hervorragenden Vor¬ 
züge des Adrenalin (Takamine) als stark zusammenziehendes und 
blutstillendes Mittel. 

Die therapeutische Anwendung des Adrenalin hat vorzügliche 
Resultate bei der Behandlung folgender Krankheiten abgegeben: 

Addissou’sche Krankheit und Cbloroform-Synkopa, Schnupfen 
und Erkältungen aller Art, Zahn-, Ohren-, Augen- nnd Halskrank¬ 
heiten, Herzfehler, Bluterbrechen, Haematemesis, Blntharnen, Hae- 
maturia, Blutspeien Haemoptysis, Gebärmutter-Blutungen, Veren¬ 
gung der Harnröhre, acutes Eczem, Skorbut, Dysenterie, Hämor¬ 
rhoiden und dergl. 


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Parke, Davis & Co., St. Petersburg-. 

(Korrespondenz in allen europäischen Sprachen, incl. der russischen). 

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Tabletten zu 0,5 und l G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frieser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin General Thörapeuiique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Lanmonier, Paris («Presse Medical» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fachs, Wien ans der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spoiler aus der medic. Abtheiiung von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarbeit Dr. de Moraes Miranda an der medicin. Facnltät in Paris. 

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oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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i lonstr. 4. 


Lindenhof, Ä'E',,“"! 


for Nerven-und innere K'anUe. Dr van TCoenen. 


Dr. Plessner, 


fiir Nerven- und Innere Kranke. Sonnen 
her .-erst r. 30. 


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Dieser jYs liegt ein Prospect über «Ueber Diuretin» bei. 


Ä 08 B. ueH8. Cn6.,28 ePenpaja 1903r. HerausgeberDr.Rudolf Wanach. Bucbdrnckerei v. A. Wienecke.Katbarinenhofer Pr-J4 15. 


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APn -^x 


xxviii. Jahrgang. st PRTRB SRITR ItEB Nene xx Jahr g 

IEDIGINI3CHE W0GEENSC1BIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. PetersburgerMedieiniseheWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreia ist in BusslandH Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
fürdiedmalgespalteneZeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect H° 14. zu richten. — Manns* 
cripte sowie alle au fdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden Redacteur Dr.Budolf Wa- 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


M 10 


St. Petersburg, den 8. (21.) März 


1903 . 


Inhalt: Dr. Ludwig von Aldnr: Ueber periodisches Erbrechen (Leyden’s). — Dr. F. Frobeen: Ein Fall von Lun- 
genechinococcns. — Biicheranzeigen und Besprechungen: E. Seel: Gewinnung und Darstellung der wichtigsten Nah¬ 
rungs- und Genusemiitel. — Protokolle des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. — Protokolle des XIV. 
Aerztetages der Gesellschaft Livländischer Aerzte in Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. — Ver¬ 
mischtes. — Anzeigen. 


Ueber periodisches Erbrechen (Leyden’s). 

Von 

Dr. Ludwig von Aldor, 

Badearzt in Karlsbad. 

(Mit Krankenvorstellung voigetragen in der am 16. Novem¬ 
ber 1902 abgehaltenen Sitzung der kön. Ungar. Aerzte-Gesell- 
schaft zu Budapest.) 


So oft auch das Sich periodisch einstellende Erbrechen 
in der Symptomatologie der verschiedensten Krankheits¬ 
formen Platz findet, so oft es auch von cerebralen oder 
spinalen Ursachen bedingt erscheint, oder als Begleit¬ 
symptom der allgemeinen Neurasthenie oder Hysterie, 
als Reflexneurose von den verschiedensten pathologischen 
Veränderungen ausgelöst wird, ebenso selten tritt es 
als selbstständiges Uebel auf. Leyden war der Erste, 
der im Jahre 1882 die klassische Beschreibung des als 
selbstständiges Uebel auftretenden periodischen Erbre¬ 
chens bot. Das seltene Erscheinen des Leidens beweist 
der Umstand, dass seither — seit 1882 — einwands¬ 
frei beobachtete Fälle meines Wissens überhaupt 
nicht publicirt wurden. Der hier vorzustellende Fall 
von periodischem Erbrechen als selbstständige Erkran¬ 
kung bietet ein jeden Zweifel ausschliessendes typisches 
und lehrreiches Bild. 

Der Fall betrifft den 33jährigen Schneider K- A. aus Jäsza- 

E äti in Ungarn. Seine Krankengeschichte enthält folgende 
laten: Vater und ein Bruder leben und sind gesuod. Mut¬ 
ter starb im Alter von 57 Jahren an Gebärmutterblutnng, 
doch litt sie Zeit ihres Lebens an periodisch auftretendera, 
von heftigen Magenschinerzen begleiteten Erbrechen — mög¬ 
lich also an demselben Uebel, mit welchem nnser Patient be¬ 
haftet ist. Bein jetziges Leiden fährt er auf seine ersten 
Kioderjahre zurück, anf sein viertes, fünftes Lebensjahr. 
Ansser Scarlatina, die er mit 8 Jahren durcbmachte, litt er 
an keinerlei Krankheit. Sein Uebel äussert sich darin, dass 
sich in regelmässigen ein- oder zweimonatlichen Perioden — 
letzter Zeit mit fast kalendarischer Pünktlichkeit — in¬ 
mitten vollständigen Wohlseins von heftigen Magenschmerzen 
begleitetes Erbrechen einstellt. 

Sowohl das Erbrechen wie auch die Schmerzen trotzen jed¬ 
weder Behandlung uud machen dem Kranken jede Nahrungs¬ 
aufnahme unmöglich. Das Erbrochene ist copiös, anfangs 


von den unmittelbar vorher eingenommenen Speisen her rüh¬ 
rende Ingesta enthaltend, bald wieder ist es wasserheU und 
schliesslich Galle enthaltend, bitteren Geschmacks. Das Er¬ 
brechen und die Schmerzen melden sich halbstündlich oder 
auch öfter und stören die Nachtruhe des Patienten. Wäh¬ 
rend des Anfalls besteht hartnäckige Constlpation, gegen 
welche der Kranke vergebens ankämpft, weil er Abführmittel 
erbricht, Lavements aber nicht verträgt Die Qualen des 
Patienten werden durch enormes nicht zu stillendes Dnrst- 
gefühl vermehrt. Dieser elende Znstand dauert 6—7 Tage. 
Das allmähge Hervortreten des während des Anfalls stark 
eingezogenen Unterleibs bezeichnet das Ende des für den 
Kranken qualvollen Zustandes. Nach 6—7 Tagen hört der 
Anfall plötzlich auf, der Patient befindet sich Tags darauf 
ganz wohl, isst, ohne in den Speisen wählerisch zn sein, er¬ 
setzt den wfthreud des Anfalls erlittenen Verlust an Körper¬ 
gewicht rasch, sein Allgemeinbefinden ist ein vollkommen 
ungestörtes, bis nach 1—2 Monaten plötzlich wieder der alte 
Zustand zurückkehrt. 

Patient absolvlrte vom Jahre 1891 bis 1894 seinen activen 
Militärdienst und ist es merkwürdig, dass in seinem ganzen 
Leben nur diese 3 Jahre anfallslos verliefen. Geistige Ge¬ 
tränke nimmt Patient überhaupt nicht; Lues iengnet er. 

Diese anamnestischen Daten theilte mir der Patient nnd 
der bohandelnde Arzt des Kranken, Herr Dr. Paal Büch- 
1 e r, ein College aus Jäszapäti, mit, in dessen Gesellschaft 
derselbe am 11. Juli 1. J. in meiner Ordination in Karlsbad 
erschien. Bei dieser Gelegenheit fand ich folgenden Status 
vor: Das Knochensystem des gut entwickelten, mässig ge¬ 
nährten Mannes ist normal uud zeigt nirgends eine Fonn- 
veränderung. Seine Haut sowie auch die sichtbaren Schleim¬ 
häute siud blass; auf der ersteren ist weder Oedem noch 
Ausschlag zn sehen. Das Unterhautzellgewebe zeigt massi¬ 
gen Fettgehalt, die Muskulatur ist mittleren Umfanges. Ap¬ 
petit ziemlich gut, Durst nicht erhöht. Der Hals propor- 
tionirt. an ihm einige kleinere Drüsen zu fühlen. Der Herz- 
spitzenstoss im 5.-6. intercostalraum, einwärts der Brust¬ 
warze in engen Grenzen fühlbar. Der Puls klein wellig, 
mässig voll und gespannt. 76 in der Minute, Athem frei. 
Ueber den Brustorganen keinerlei Veränderung, im Unterleib 
weder abnorme Resistenz noch Empfindlichkeit. Leber, Milz 
nicht fühlbar. Genitalien normal, über den Bauchdecken keine 
Veränderung. Zange mässig belegt, weicht beim Hervor¬ 
strecken von der Mittellinie nicht ab, zittert nicht: die Gau¬ 
menbögen nnd das Zäpfchen in normaler Stellung. Das 
Schlingen frei. Während der mit den Extremitäten vorge¬ 
nommenen einfachen nnd combinirten Bewegungen ist auch 
nicht die geringste Ataxie bemerkbar. Brach-Romberg nicht 
vorbauden. Haut- und Knochenhaut-Reflexe leicht ausznlö- 


Digitizecfby 


(Soogte 









94 


sen, Patellar-Reflexe mässig erhöbt. Pupillen gleich, «lässig 
weit, reagiren auf Licht wie in der Accomodation prompt. 
Der Augenhintergrund gesund, die Gesichtskreise frei. Auch 
die übrigen Sinnesorgane sind normal. 

Aus dem leeren Magen ist eine 15 Ccm. wasserklare, 
schwach sauer reagireude, freie Salzsäure und Pepsin in 
nachweisbarer Menge nicht enthaltende Flüssigkeit zu ge¬ 
winnen. Eine Stunde nach dem Ewald-Boas’schen Probefrüh- 
8tück expiimirte ich einen 150 0cm. betragenden wohlverdauten 
Mageninhalt, dessen speciüsches Gewicht 1009, Gesammtacidität 
46 pCt., freier HCl-Gehalt 29 pCt, gesammter HUl-Inhalt 
•0,142 Gr. (Lüttke-Martius). Milclisäure = 0. Gährnngsprobe 
aut Gasbildung auch nach 24 Stunden negativ. Bei Auftrei¬ 
bung mit Gas bekomme ich die normalen Magengrenzen. 
Harn 1027 spec. Gew. enthält keinerlei fremde Elemente. Der 
Patient blieb 4 Wochen in meiner Behandlung in Karlsbad, 
welche Zeit anfallsfrei verlief; die Therapie bestand in einer 
ganz milden Trinkcnr, in der Anwendung energischerer hy¬ 
drotherapeutischer Piocednren und in einer gemischten, ganz 
dem Belieben des Patienten überlassenen reichlichen Kost. 

Seit seinem Abgang von Karlsbad trat nur noch ein 
Mal ein den früheren ganz gleicher Anfall auf, jedoch 
mit geringerer Intensität und mit nur 4tägiger Dauer. 
Dass die hier beschriebenen Anfälle, welche bei unserem 
Kranken periodisch seit seinem Kindesalter auftraten, 
nicht von irgend welcher materiellen Magenveränderung 
herrühren, das steht nach Mittheilnng der Untersuchungs¬ 
daten ganz ausser Zweifel. Auffallend erinnern die be¬ 
schriebenen Anfälle an die gastrischen Krisen der Ta¬ 
betiker und müssen wir bei Feststellung der Diagnose 
umsomehr an die Möglichkeit von Tabes denken, weil 
es bekannt ist, dass die Crises gastriques jahrelang be¬ 
stehen können, bevor die cardinalen Symptome der Ta¬ 
bes auftreten. 

Bei unserem Patienten jedoch findet sich keiu einzi¬ 
ges Symptom der Tabes vor und der Umstand, wonach 
das periodische Erbrechen bei dem jetzt 33jährigen Pa¬ 
tienten seit seinem Kindesalter besteht, erlaubt auch bei 
der grössten Scrupulosität die Annahme nicht, als wä¬ 
ren die bei ihm zeitweise wiederkehrenden gastrischen 
Erscheinungen die Vorboten der Tabes. 

Ebensowenig können wir das vorliegende Krankheits¬ 
bild in irgend welche bekannte Gruppe des nervösen 
Erbrechens einreihen. Dass wir es hier nicht mit dem Er¬ 
brechen der Neurastheniker oder der Hysterischen zu 
thun haben, beweist die Wiederkehr des Uebels in re¬ 
gelmässigen Zeitperioden, das lange Bestehen der Krank¬ 
heit, der Mangel von asthenischen Symptomen und der 
ganze Charakter der Anfälle. 

Dass es endlich auch kein nervöses Erbrechen soge¬ 
nannter «juveniler» Form ist, welches bei Schulkin¬ 
dern vorzukommen pflegt und bei roborirendem Ver¬ 
fahren gänzlich aufhört, darüber kann ebenfalls kein 
Zweifel bestehen. 

Bei wiederholter Untersuchung der Magenfunctionen 
fand ich vollkommen normale Verhältnisse, weshalb 
auch die Erklärung der Symptome nicht auf functio- 
nelle Magenstörungen zurückgeftlhrt werden kann. Es 
fehlt namentlich der continuirliche Magensaftfluss, bei 
welchem Zustand ähnliche Anfälle vorzukommen pflegen. 

Bei deu geschilderten Anfällen treten die Magensymp¬ 
tome so sehr in den Vordergrund, besonders im Ver- 
hältniss zu den Darraerscheinungen, dass abgesehen von 
allem Andern, das Bestehen von Blei-Inloxicatiou ebenso 
bestimmt ausgeschlossen werden kann, wie das unbe¬ 
stimmt auftretende Krankheitsbild einer Malaria-Dys¬ 
pepsie, bei welcher das Erbrechen durchaus nicht cha¬ 
rakteristisch ist und zu dessen Annahme überhaupt 
jeder Anhaltspunkt fehlt. Als Reflex-Neurose vermögen 
wir das Krankheitsbild ebensowenig aufzufassen, weil 
dazu weder Tastbare noch sichtbare Gründe vorliegen, 
unter welchen zumeist die Wanderniere, Hydronephrose 
und Genitalerkrankungen eine Rolle spielen, die aber 
in unserem Falle nicht vorhanden sind. 


Auf Grund des Gesagten glaube ich mit Recht an¬ 
nehmen zu dürfen, dass im gegenwärtigen Falle das pe¬ 
riodische Erbrechen eine primäre selbstständige Erkran¬ 
kung ist, welche von keinerlei organischer Veränderung 
oder von irgend einer anderen functionellen Störung 
bedingt wird. Wir müssen die Annahme Leyden’s, 
wonach da eine selbstständige Vagusneurose vorliegt, 
für das Wahrscheinlichste halten. Obwohl ich leider 
nicht in die Lage kam das während eines Anfalles Er¬ 
brochene zu untersuchen, halte ich doch in Hinsicht 
auf die in keinem Verhältnisse zur eingenommenen 
Nahrungsquantität stehende Oopiosität des Erbrochenen 
auch jene Annahme Leyden’s für wahrscheinlich, 
dass während der Dauer des Anfalles im Magen eine 
abnorme Secretion zu Stande kommt, welche ein Pro¬ 
duct liefert, das wässrig, ganz flüssig und mit dem ver¬ 
dauungskräftigen Magensafte nicht identisch ist. 

Die nähere Aufklärung dieser eigenartigen Absonde¬ 
rung bedarf jedenfalls noch weiterer Untersuchungen. 
Wenn in diesem und in ähnlichen Fällen die diagnosti¬ 
schen Schwierigkeiten bedeutend sind, so sind jene noch 
grösser, welche die Therapie zu besiegen hat. 

Id Bezug auf Coupirung der Anfälle können wir 
kaum auf therapeutische Lorbeeren rechnen, denn wenn 
es auch gelingt die Schmerzen des Kranken mit ökono¬ 
mischem Gebrauch des Morphins zu lindern, bleibt im¬ 
mer noch die schwierigste Aufgabe, die Ernährung des¬ 
selben zurück. Der jüngste Anfall war wohl im Ver¬ 
gleich zu den früheren genug milde, doch auch da ver¬ 
trug der Magen des Patienten keinerlei Nahrung. Ich 
beabsichtigte die in Eis gekühlte Milch zu forciren, mit 
welcher ich in Fällen anders gearteter Brechanfälle oft 
und ausschliesslich meine Kranken nährte, in diesem 
Falle jedoch versagte auch diese. Und so legte ich 
das Hauptgewicht darauf, dass der Patient sich während 
der anfallsfreieu Zeit reichlich und kräftigend nähre. 
Keinerlei Restringirung io der Diät und allgemein ro- 
borirendes Verfahren: darin besteht in diesem Falle 
die Therapie. 


Ein Fall von Lungenechinococcus. 

Von 

Dr. F. Frobeen, 

Krim. 


Die Erkrankungen an Echinococcus bilden hier in der 
Krim keine Seltenheit, wie ich das aus den mündlichen 
Berichten aus der Klinik von Mühlenthal in Simfe- 
ropol und aus persönlicher Erfahrung ersehen habe. Es 
hängt dieses jedenfalls mit dem «Vieh- und Schafreich¬ 
thum der Krim und mit der häufigen Berühruug von 
Hunden» zusammen, wie das L en h a r z im Handbuch 
der praktischen Medicin von Ebstein und Schwalbe 
p. 501 Bd. 1 für Meklenburg und Neu-Vorpommern er¬ 
wähnt. Auch die dort angeführte procentuale Zusam¬ 
menstellung dürfte für die hiesige Gegend passen, nach 
der die Leber in 45—69 pCt. erkrankt und die Lungen 
in 7—12 pCt., wenigstens sind hier Erkrankungen der 
Leber an Echinococcus häufiger gesehen worden, während 
eine Erkrankung der Lungen durch Echinococcus eine 
seltene Erscheinung ist, was allerdings auch damit Zu¬ 
sammenhängen mag, dass die Diagnose des letzteren Er¬ 
krankungsherdes eine viel schwierigere ist. Wenn L e n- 
harz (1. c.) bemerkt, dass gewöhnlich der rechte Unter¬ 
lappen befallen wird, so trifft das auch in diesem Falle 
zu, doch war hier wahrscheinlich auch der mittlere Lap¬ 
pen betheiligt. 

Patient J. W., 28 Jahre alt, wurde von mir zum ersten 
Mal am 2. August 1901 untersucht. Er gab an vor einer 
Woche eine Lungenentzündung dnrchgemacht zn haben und 


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klasrte über Hasten und Hämoptoe, Pnenmonien habe er schon 
früher einmal durchgemacht. 

Hei der Untersuchung fand ich eine geringe Dämpfung an 
der linken Lungenspitze, wo auch abgeschwächtes Atlimen 
aber kein Rasseln und keine Rhonchi hörbar waren, und eine 
ausgesprochene Dämpfung R H. U. im Bereich des mittleren 
und nnteieu Lobes, und deutliches Bronchialathmen in 
diesem Bezirk. Das Sputum rostbraun. Ich diagnosticirte 
eine tiberstandene croupöse Pneumonie mit verzögerter Re¬ 
solution und verordnete Expectorautien, Priessnitzsche Um¬ 
schläge und kräftigende Diät. 

Am 16. August sah ich den Patienten in meiner Ambulanz. 
Er klagte über stärkere Hämoptoe, da auch L. H. 0. leichtes 
Giemen hörbar war, so ordiuirte ich Plurab. acet., Opii pur. 

Am 11. Februar 1902 wurde ich zum Patienten gebeten, da 
er starke rheumatische Schmerzen habe. Bei der Untersu¬ 
chung nahm ich am Nachmittage folgenden Status auf: 

Patieut von Mittelgrösse, stämmigem Wüchse, Muskulatur 
kräftig, Panniculu8 aliposus fast ganz geschwunden, Haut 
blass, Gesicht gedunsen, Schleimhäute besonders die Lippen 
cyanotisch, die Finger zeigen die Trommelschlägelfonn, Ge- 
lenke der Hände und Füsse schmerzhaft, besonders bei Be¬ 
rührung and Bewegung, sind aber weder geschwollen noch 
geröthet. Temperatur in der Achselhöhle gemessen 37,2° C. 
Die rechte Lunge zeigt bei der Percussion eine Dämpfung R. 
H. U. ungefähr 2 Handbreit hoch (Lobus 2 und 3). in der 
Axillarlinie beträgt die Dämpfung mehr als eine Handbreite 
und verliert sich nach vorne zu. indem der Dämpfungsstrei¬ 
fen immer schmäler wird. Die linke Lunge zeigt H. 0. eine 
geringe Dämpfung, etwas abgeschwächtes Athmen, kein Die¬ 
men, kein Rasseln. R. H- U. und R. S. U. Rasseln und Bron¬ 
chialathmen. — Leber- und Herzgrenzen normal, vielleicht 
eine geriuge Vergrösserung des rechten Herzens. Herztöne 
normal, accentnirter 2. Pulrnonalton. — Patient berichtet, 
dass er besonders Morgens grosse Mengen Schleim ausliuste, 
dann nnd wann zeige sich noch etwas Blut. Das Sputum 
habe einen üblen Getuch, fast beständig bestehe Hustenreiz. 

Ich stellte meine Diagnose auf chronische Pneumonie mit 
Bronchiectasie und rheumatoiden Schmerzen, ansgeheilter tu¬ 
berkulöser Process der linken Langenspitze. Therapie: Aspi¬ 
rin 3 Mal täglich 1,0 und des beständigen Hustenreizes wegen 
Morphium, Apomorphin, Aq. amygdal. araar. 

Am 16. Februar wurde ich wieder zum Patienten gebeten, 
da plötzlich ein Blutsturz aufgetreten sei. — Ich verzichtete 
auf ei ne genauere Untersuchung, da Patient nach der klein¬ 
sten Bewegung grössere Mengen Blnt aashustete. — Da die 
Apotheke weit entfernt und nichts anderes zur Hand war, 
gab ich sofort einen vollen Esslölfel NaCl und Eispillen und 
legte einen Eisbeutel rechts auf die .Seite. Ordination: Rücken¬ 
lage, Eisbeutel, Eispillen, Morphiumkir sclilorbeer und Ergotin 
Wernich 1,2:180,0, 2stündlich eiuen Esslöffel. Das Ergotin 
hat sich mir schon öfters als blutstillendes Mittel bewährt 
und iiess mich diese Wirkung auch in diesem Falle nicht im 
Stieb. 

Patient verlor am 16. und 17. Februar ungefähr 800 Ccm. 
Blnt, dann stand die Blutung, um auch im weiteren Verlauf 
nicht mehr aufzutreten, nur in Spuren machte sich dann und 
wann noch etwas bemerkbar. 

Dieser plötzliche Blutsturz nach voranfgegangenem Reiz¬ 
husten machte mich in der Diagnose stntzig, da doch bei 
Bronchieuectasien keine so grosse Blutungen aufzntreten pfle¬ 
gen. Der weitere Verlauf, Auftreten einer Aspirationspneu- 
monie durch dag Blut, Fiebertemperataren bis 40° C., Nacht* 
achweiss, Abfall der Temperatur Morgens bis auf 38° C. be¬ 
sagten wohl nichts besonderes für die Diagnose, doch mach¬ 
ten sie den Verdacht wahrscheinlich, dass die ganze Erkran¬ 
kung auf Tuberkulose beruhe. 

Am 7. März Hess ich Patienten zu meinem Wohnort trans- 
portiren, wo ich ihn besser unter Augen hatte. Die Tempe¬ 
ratur hielt sich jetzt zwischen 37,4 0 und 38,4°. Patient 
hastet jetzt täglich 600—1000 Ccm. übelriechenden Schleim 
ans, von zäher graugrüner auch graubräunlicher Beschaffen¬ 
heit. — Zu einer richtigen Diagnose kam ich erst, als Patient 
mir am 14. März bei der Morgeuvislte eine vor Kurzem aus- 
gehustete Echinococcnsblaso vorwies nnd dabei berichtete, er 
habe Nachts ein paar Mundvoll einer salzigschleiraigen Flüs¬ 
sigkeit ausg:ehu8tet und gegen Morgen diese «Haut». 

Dieser aasgehustete Membranfetzen erwies sich als Echino¬ 
coccusblase und zur Begründung der Diagnose Lungenechino- 
coccns bedurfte es weiter nichts. Im Laufe der Zeit bis zum 
14. April hustete Patient 24 Mal Blasen oder Blasenstücke 
aus, aie in die Bronchien perforirt waren. Die grösste dieser 
Blasen, die ich mir aufgehoben habe, hat eine Grösse von 
12 X 6 Cin. In der Prognose war ich vorsichtig, da ich die' 
ganze Zeit für eine Erstickung durch die Membranen fürch¬ 
tete, doch hatte ich mehrmals Gelegenheit die Gewandtheit 
des Patieuten beiin Aushusten der Membranen za bewundern, 
was ihm stets gelang, ohue dass auch nur ein leichterer Er- 
stickuugsaufall eingetreten wäre. 


Im weiteren Verlauf kann ich nnr hervorheben, dass 2 bis 
3 Tage vor dem jedesmaligen Aushnsten der E^hinococcns- 
b'asen die Temperatur, die sich auf 37,2—37,4* hielt, anf 
37,8—38,2 anstieg, um nach Entfernung der Blasen wieder 
auf 37.0—37,2 zu fallen. — Die Meuge des Auswnrfs verrin¬ 
gerte sich von 800 Ccm. bis anf 15 Ccm. am 7. Juli. — Aut- 
stehen liess ich den Patienten erst am 16 Mai, als die Tem¬ 
peratur sich eine Woche lang anf 37,0° C. gehalten hatte. — 
Rheumatoide Schmerzen kamen häufiger vor, doch liesäen sie 
nach spirituösen Einreibungen immer bald nach. Neben kal¬ 
ten Umschlägen, Expectorantien und Morphium — Aq. amygd. 
amar. wurden Inhalationen von 01. therebint. angewandt. 

Patient wurde aus meiner Behandlung entlassen am 7. Juni. 
Er wog damals 3 Pud 28 Pfd. Die Dämpfung R. H. U. an 
der Wirbelsäule betrug noch 4 Fiuger Breite. Das Athem- 
geränsch war fast normal, nur im gedämpften Bezirk war 
noch Giemen nnd dann nnd wann etwas Rasseln hörbar. Die 
letzten Blasen wurden am 14. Juni ansgehustet. 

Ara 12. October sah ich Patienten wieder. Sein Körperge¬ 
wicht hat zugenommon und beträgt jetzt 5 Pud 15 Pfd. Eine 
Dämpfung ist nicht mehr nachweisbar. 

Den Hasten nnd Answnrf hat Patient vollständig verloren, 
nnr links hinten an der Lungenspitze ist noch die Dämpfung 
and abgeschwächtes Athmen bemerkbar. — Auch die Trom- 
meUchlägelforra der Eudph&langen der Finger bat sich ver¬ 
loren, wenn sie auch noch angedeutet ist. Patient fühlt sich 
ganz wohl und geht seiner Beschäftignng «als Landwirth ohne 
Mühe nach. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

E. Seel. Gewinnung und Darstellung der wichtigsten 
Nahrungs- und Genussraittel. Ein Lehr- und Nach- 
schlagebuch für Chemiker, Apotheker, Aerzte nnd 
Juristen. (Stuttgart, Verlag von Ferdinand Enke. 1902). 

Das vorliegende Buch behandelt in ausführlicher Form die 
Herkunft8-, Fabrikations- und Gewinnungsarten der Nahrungs¬ 
and Genussmittel, giebt Aufschluss über die erlaubten and 
unerlaubten Conservirungs-, Verbessernngs- nnd Verfälsch ungs- 
raittel und bringt eine Zusammenstellung der Gesetzesbestim¬ 
mungen, die für die Bereitung der Nahrungs- uud Genuss- 
mittel von Wichtigkeit sind. 

Es wird in erster Linie angehenden Nahrungsmittelchemi- 
keru recht nützlich sein, doch als Nachschlagebueh eine fühl¬ 
bare Lücke in der Literatur der Nahrungsmittelchemie aus- 


Protokolle 

des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1313. Sitzung den 21. October 1902. 

1. Ln ni n : Ueber das Nebennieren-Präparat Adrenalin. 

Unser Wissen über die Bedeutung der Nebenniere ist, trotz 
der Bemühungen der Pathologen nnd Physiologen, noch ein 
sehr mangelhaftes. Die Function der Nebenniere ist nns so 
gnt, wie nubekannt 

Anatomisch betrachtet zeigt die Nebenniere vielfältige Be¬ 
ziehungen zu dem sympathischen Nervensystem — zum Gang¬ 
lion coeliacnm und znm Plexus snprarenalis. 

Bei Missbildungen des Centralnervensystem’s. wie Hemice- 
phalie und Anencephalie, fehlen die Nebennieren oder sind in 
ihrer Entwicklung stark zurückgeblieben. Der Uebergang 
des Blutes aus den Arterien in die Venen erfolgt in der Ne¬ 
benniere durch ein System von Lacunen, weshalb das Blut 
der Vena snprarenalis hellroth gefärbt ist und auffallend 
viel Sauerstoff enthält. Reizung der Marksabstanz bewirkt 
locale Verengeruug der Nierengefässe und trotz Blntdrnck- 
steigernng, rasches Absinken der Diärese. 

Doppelseitige Exstirpation der Nebenniere (Brown-Se- 
quard 1856) hat den Tod des betreffenden Thiereszur Folge; 
Erkrankung der Nebennieren bewirkt den bekannten Symptom- 
complex des Morbus A d d i s o n i. 

Wichtig ist, dass der aus dem Mark der Nebenniere be¬ 
reitete Extract, anderen Thieren anf eine beliebige Art bei¬ 
gebracht, locale Anaemie nnd erhebliche, rasch vorüberge¬ 
hende, Blutdrucksteigernng bewirkt. 

Grössere letale Gaben führen zu starker Blntdruckerniedri- 
gung, Arythinie und Herzstillstand, sehr grosse Dosen zu 
plötzlichem Herzstillstand. Die Nebennieren scheinen also die 


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Oekonomie des Gesammtliaushaltes des Organismus in specifi- 
scher Weise zu beeinflussen; mag die Wirkungsweise eine di- 
recte sein, oder eine indnecte durch Beseitigung von autoch- 
tonen schädlichen Stoffwechselproducten. 

Zuerst wurde das Nebennierenextract von Brown-Sö- 
quard (1891) gegen die Addison’sche Krankheit empfoh¬ 
len. jedoch entsprach der Erfolg nicht den Erwartungen und 
das Mittel gerieth in Vergessenheit. 1898 hielt Henry L. 
Swain auf der XX. Versammlung der amerikan. Laryngo- 
logen-Gesellschaft einen Vortrag über die günstige Wirkung 
der Nebennierenextracte. Bald folgte in der amerikanischen 
Literatur eine Reihe von Arbeiten (B e a m a n n, Douglas. 
Hopkins, Babes, Takamine etc. des Physiologen 
C l e g li o r n etc.) deren Resultate in folgendem gipfelten : 

1) Local applicirt ist das Nebennieren-Extract ein starkes 
vasoconstrictorisches Agens, das erectiles Gewebe contraliirt 
und ohne Gefahr in erheblichen Mengen gegeben werden 
kann. 

2) Spritzt man das Nebennierenextract einem Thiere unter 
die Haut, so beobachtet man eine starke Steigerung des Blut¬ 
druckes in Folge von Contraction der kleinen Gefässe. Diese 
Steigerung tritt auch ein, wenu die zufiihrenden Nerven 
durchschnitten wuiden. Daraus folgt, dass das Nebennieren¬ 
extract direct auf die Gefässmuskulatur wirkt. 

3) Die Herzthätigkeit wird verlangsamt, aber verstärkt. 

4) Die Contractionsfähigkeit der Muskeln wird gesteigert 
und verlängert. 

5) Das Blut der Nebenniere entwickelt dieselben Symptome, 
sobald es einem Thiere in den Blutkreislauf gebracht wiid; 
nur sind dieselben schwächer, als die der Nebennierenex¬ 
tracte. 

Die Nebennierenpräparate haben zahlreiche Empfehlungen 
und Anwendungsweisen zu verzeichnen. 

Man hat sie gegen Rachitis empfohlen und sogar mit dem 
Namen Rachitolom bezeichnet, den sie jedenfalls nicht verdienen. 
(Netter, L a n g s t ei n). 

Ferner bei Erkrankungen der ßespirationsorgane bei acu¬ 
ter und ehr. Bronchitis, bei Haemoptoe, bei Magenblutungen, 
bei Haematuria, als Webenbeförderndes Mittel, bei Collapszu- 
ständen während der Chloroformnarcose etc. Eine grosse 
Zukunft, vielleicht schon Gegenwart, hat das Mittel bei sei¬ 
ner localen Anwendungsweise. Auf die Coujunctiva gebracht, 
bewirkt es starke Anaemie. Bei localer Anwendung auf der 
Nasenschleimhaut wird diese vollkommen blass und das caver- 
nöse Gewebe der Muscheln contrahirt sich energisch. 

Auf die Haut gebracht zeigt das Nebennierenextract keine 
Wirkung, sobald man aber mit feinem Schmirgelpapier das 
Stratum corneum entfernt und die betreflende Stelle mit dem 
Extract betupft, so entfaltet das Mittel sofort seine Getäss- 
coutrahitende Wiikitng (Bukofzer), dieselbe kann selbst 
an kleinen Venen und Arterien beobachtet werden, wenn es 
gelingt dieselben durch einen Schnitt freizulegen und mit dem 
Mittel in Berührung zu bi Ingen (Bukofzer am Kanin¬ 
chenohr). 

Angewandt habe ich von den Nebennieren-Präparaten das 
Adrenalin Takamine und das von A. Poe hl dargestellte 
Präparat, welches er auch Adrenalin genannt hat. Das Ta- 
kamineVlie Präparat stellt helle durchsichtige Krystalle 
dar; es soll das wirksame Princip des Extracts enthalten, es 
löst sich sehr gut in Wasser und lässt sich wiederholt ste- 
rilißiren, ohne von seiner Wirksamkeit etwas einzubiissen A. 
Poe hl’s Präparat, das etwa 1'/* Jahre später in den Han¬ 
del gebracht wurde, erscheint, mit Chlor-Natrium versetzt, 
als bräunliche körnige Masse, die in kleinen Ampullen luft¬ 
dicht verschlossen ist. Jede Ampulle enthält 0,002 reines 
Adrenalin-P oe h 1. 

Beide Präparate sind in starken Verdünnnngen wie 1:10.000 
— 1 :20,000 noch deutlich wirksam, ln Lösungen scheint mir 
das Takamiue’sche haltbarer zu sein, wählend das Poeh lVhe 
Adrenalin den Vortheil hat, dass man mit einigeu Körnchen 
davon in einigen Gramm Wasser sich jeden Augenblick eine 
frische Lösung bereiten kann. 

Ich habe das Adrenalin nur äusserlich angewandt, in Form 
eiues Spiay oder durch Bestreichen der Schleimhaut mit einem 
in Adrenalin-Lösung getränkten Wattebäuschchen. 

Die Schleimhaut wird auf der betreffenden Stelle blass, ja 
vollkommen anaemisch und die Schwellkörper ziehen sich zu¬ 
sammen. Hatte man das Adrenalin in der Nasenhöhle ange¬ 
wandt, so erscheint diese bedeutend weiter, ja «die Nase sieht 
wie scelettirt aus» (lt o 8 e n b e r g). Diese auaemisirende und 
retrahirende Wirkung des Adrenalin übertrifft bei Weitem 
die des Cocain, während die anästhesirende Eigenschaft des 
letzteren bedeutend stärker ist, als die des Adrenalin. 

Gebraucht wird das Adrenalin zu diagnostischen Zwecken 
um die Nasenhöhle dem Auge zugänglicher zu machen, was 
besonders wichtig ist bei der Diagnose der Nebenhöhlen eite - 
rungen. Ferner um eine catharrhalische Schwellung von ei¬ 
nem Infiltrat zu unterscheiden. Letzteres wird in seinem Um¬ 
fang durch das Adrenalin nicht veräudert. 


Die anaemisirende Wirkung des Adrenalin lässt sich bei 
den Operationen in der Nasenhöhle besonders gut verwerthen, 
welche bisweilen ganz blutlos veilaufen können. In therapeu¬ 
tischer Beziehung kann das Adrenalin gute Dienste leisten 
bei acuten Caiharren der Schleimhäute der oberen Luftwege, 
ferner in der Nasenhöhle, um durch Verminderung der Schleim- 
hautscliwelluiüren den Eiterabfluss bei Nebenliöhleneirertmgen 
zu erleichtern; dann bei vasomotorischen Stöt ungen, die von 
der Nase ausgHien — Niesreiz. Henfi*-ber. 

Bei Nasenbluten kann die Blutung schnell zum Stillstehen 
gebracht weiden, sobald es gelingt, einen mit Adrenalin-Lö¬ 
sung getränkten Wattebausch auf die blutende .Stehe zu 
drücken. 

Theoieti8ch wäre es denkbar, das Adrenalin bei acuten, 
mit Oedem einhergehenden Schwellungszusiäuden der S-Itleim- 
haut zu benutzen, — wie etwa bei acuten vasomotorischen 
Oedemen des Pharynx, bei Glottisoedem, vielleicht auch bei 
Erisypelas des Rachons oder des Kehlkopfes. 

Benutzt habe ich das Adrenalin in der Nasenhöhle zu dia¬ 
gnostischen Zwecken und kann vollauf bestätigen, was schon 
Andere veröfteutlicht haben. Nach Anwendung der Adrenalin¬ 
lösung erscheint die Nasenhöhle bedeutend weiter und lässt 
sich leichter übersehen. 

Nur möchte ich hier doch einen Einwaud machen. Bei chron. 
Schwellungen, die mit Hypertrophie und Hyperplasie einlter- 
gehm, lasst das Adrenalin doch im Stich. Die Anaemie tritt 
wohl ein, nicht aber eine Retraction der Schwellkörper, wie 
bei acuten Catarrhen. 

Besonders lernt man das Adrenalin schätzen, sobald man 
es zn opetativeu Zwecken in der Nasenhöhle benutzt; durch 
die anaemisirende Wirkung des Adrenaliu wird die Blutung 
auf ein Minimum herabgedruckt- Wichtig ist dieser Umstand 
weil selbst kleine Blutungen da« Operiren in der Nase sehr 
erschweren. So gelang es mir 2 mal Septumdeviationen fast 
blutlos ztt operiren. 

Nach Durcltscliueidung der Schleimhaut wurde dieselbe von 
der zu entfernenden Stelle des Knochens zurückgeschoben, die 
betieilende Knochenleiste wurde atigesägt, die Schleimhaut 
darauf zurückgescltoben und die Nasenhöhle leicht tamponirt. 

Die ganze Operation verlief fast blutlos. 

Ebenso habe ich mich des Adtenalin bedient bei Entfernung 
von Polypen, von hinteren Muschelendeu mit der kalten 
Schlinge und von Muscheltheilen mit dem Conchotora und 
habe jedes mal den Eindruck einer sehr geringen Blutung 
gehabt. 

Bei acuten Catarrheu des Pharynx habe ich mehrfach die 
Schleimhaut desselben mit Adrenalin gepinselt. Dieselbe blasste 
stets ab, doch irgend welchen Nutzen für den Kranken habe 
ich dabei nicht gemerkt. 

In einem Falle von Angina follic. mit Schluckbesch werden 
erfolgte nach Anwenduug des Adrenalin ein Abblassen der 
Schleimhaut uud die Schluckbeschwerden waten geschwunden. 

Bei einem Collegen, der an einer acuten Angina mit Oedem 
der Uvula litt, schwand nach Application des Adrenalin die 
Röthe des Pharynx, aber das Oedem der Uvula blieb bestehen. 

In 2 Fallen von Angina scarlat. konnte man nach Anwen¬ 
dung des Adrenalin ein deutliches Abblasseu der Schleimhaut 
waln nehmen. 

Im Kehlkopf benutzte ich das Adrenalin bei einem Erwa¬ 
chsenen mit recidivirenden Papillomen. Nach einer gründlichen 
Auspinselung des Kehlkopfes mit einer Adrenaliu-Lösung 
1:1000 wurde die Entfernung der Neubildungen bedeutend 
erleichtert, weil die Blutung eine minimale war. 

Von dein Gesichtspunkte der anaemisirenden und retrahi- 
renden Wirkung des Adrenalin ansgehend, habe ich dasselbe 
bei einem 13-jährigen Knaben, mit Laryngitis aubcbordalis 
acuta mit bellendem Husten, in Form von Pinselung ange¬ 
wandt. Die Stimmbänder wurden wohl weiss, aber die suhchor- 
dalen Schwellungen uud der Husten blieben bestehen. Näch¬ 
stens will ich versuchen in solchen Fällen das Adrenalin in 
Spray-Form zn verwenden. Vielleicht wird es so wirksamer 
sein- Sollte sich das Adrenalin in solchen Fällen bewähren, 
so hätten wir ein gutes Mittel für den gewöhnlichen catarrha- 
lischen Croup. Allerdings handelt es sich bei den aubchordalen 
Schwellungen nicht blos um einen Catarrh, sondern um eine 
Infiltration der Reg. subchordalis, wobei das Adrenalin zu ver¬ 
sagen scheint. Versuchen will ich es aber doch- 

In der Oltrenpraxis habe ich das Adrenaliu benutzt in ei¬ 
nem Fall von acuter Mittelohrentzündung mit acuter Myriu- 
gitis (nach Iwanow). Der Erfolg war gleich O, was eigent¬ 
lich voraus zu sehen war, weil das Trommelfell mit einer Epi- 
thelialschicht bedeckt ist, durch die das Adrenalin und das 
Cocain nicht durchzudringen vermögen. In mehreren Fäl¬ 
len von eitrigen Mittelohrentzündungen mit Polypen blassten 
letztere unter Anwendung des Adrenalin sichtbar ab and ihre 
Entfernung wurde sichtlich erleichtert. 

Mit gutem Erfolge bediente ich mich des Adrenalin in ei¬ 
nem Falle von Asthma nasalen Ursprungs. Ein St udent kam 


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zQ mir während eines Anfalles. Kurze Zeit nach Application 
des Adrenalin anl die Nasenschleimbant, in Form eines Spray, 
hörte der Anfall auf. Nach Verlauf von 2 Stunden trat der 
Anfall von Neuem auf, um wiederum nach Anwendung des 
Adrenalin zu weichen. 

Das Adrenalin ist jedenfalls ein Mittel, das schon manche 
schöne Erfolge zu verzeichnen hat. 

Das Mittel ist aber noch neu, und weiteren Untersuchun¬ 
gen muss es tiberlassen werden, genau die Anwendangsweise 
und das Wirkungsgebiet desselben zu erforschen und zn 
präcisiren. 

(Autoreferat). 

DiscuB8ion: 

Kernigerkundigt sich darnach, aus den Nebennieren wel* 
eher Tbiere das Adrenaliu gewonuen wird. 

Lunin: Das salzsaure Alcaloid wird aus den Nebennie¬ 
ren des Rindes genommen. 

ücke: Sind nicht Versuche mit stärkeren Lösungen ge¬ 
macht worden; e9 Hesse sich vielleicht durch grössere Con- 
centrationen eine Wirkung auf ausgedehntere Gewebspartien 
erzielen. 

L n n i n: Eine Lösung von 1:1000 wirkt nicht stärker auf 
die Nasenschleimhaut ein als eine Lösung von 1 :10000. Laut 
Angaben sollen schon- 2 Deciuiillionstel auf 1 Kilo Hund witk- 
sam sein. 

Hörschelmann: Die anaemisirende Wlrknng scheint 
nicht auf allen Schleimhäuten in gleichem Masse zur Geltung 
zn kommen; so ist mir aus einer Mittheilung von Tiling be¬ 
kannt, dass in einem Falle weder durch Betupfen noch durch Spü¬ 
lungen mit Adrenalinlösung eine Beeinflussung des Blutge- 
haltes der carcinomatösen Blaseuschleimhaut erzielt werden 
konnte. 

Lunin: Auch bei chronischen entzündlichen Zuständen 
tritt die Wirkung des Adrenalin nicht so praegnant zu 
Tage. 

Hörschelmann: Aus persönlicher Erfahrung kann ich 
bestätigen, dass bei Schnupfen nach Pulverisirung der Nasen¬ 
schleimhaut mit einer Adrenalinlösung sofort eine angenehme 
freie Athmung ermöglicht wird, was doch entschieden auf 
eine Abschwellung der hyperaemischen Schleimhaut zurück- 
Zufuhren ist. 

2. Peters demonstrirt die Wirbelsäule und das Rücken¬ 
mark eines an Tetanie verstorbenen Kindes. Die Erscheinun¬ 
gen einer Pachymeningitis liaemorrhagica sind unter anderem 
deutlich ausgespiocheu im Gebiete der 7. und 8. vorderen Hals- 
ttnd letzten Lnitibal- so wie auch der 1. und 2. Sacral- 
wurzelu. 

Director: W. Kernig. 

Secretär: D o b b e r t. 


Protokolle des XIV. Aerztetages 
der Gesellschaft Llvlftndlscher Aerzte ln 
Fel in vom 2. bis zum 4. September 1902. 

Erste Sitzung. 

Montag den 2. September 1902, von 9—1 Uhr Vormittags. 

Dr. A. Sch wart z, Stadtarzt von Fellin: «Im 
Aufträge der Medicinalabiheilung der Livl. Gouvernementsre¬ 
gierang erkläre ich den XIV. Livl.-Aerztetag für eröffnet. 

Zugleich nei nie ich Gelegenheit im Namen der Felliner 
Aerzte die Collegen hier willkommen zu heisseu und ihnen 
anseivn Dunk nnszusprechen für die liebenswürdige Bereit¬ 
willigkeit, den Acrztetag für dieses Jahr nach Fellin zu ver¬ 
legen und uns damit Gelegenheit zn geben in grösserer An¬ 
zahl als sonst den Aerzten der kleinen Kreisstadt ermöglicht 
wird, an den segens- und fruchtreichen Arbeiten des Aerzte¬ 
tages theilnehmen zn können». 

1. Rechenschaftsbericht des Vorstandes. 

Der Präses. Dr. M. T re y m a n n-Riga erstattet folgenden 
Rechenschaftsbericht. 

Rechenschaftsbericht des Präses der Ge¬ 
sellschaft Livl Und. Aerzte für das Jahr 
1901—190-2. 

Hochgeehrte Versammlung! 

Allem znvor gedenken wir des Todes unseres Mitgliedes 
Dr. E. v. B och manu, mit dem ich viele Jahre in collegia- 
ler Arbeit am Siadtkiankenbause zu Riga, dessen Direktor 
er war, verbunden gewesen. Ich bitte sein Andenken zu ehren 
durch Erheben von den Sitzen. (Dieses geschieht). 

Im Namen der Gesellschaft Inländischer Aerzte, die heute 
ihre XIV. Jahresversammlung veranstaltet, habe ich die Ehre, 
die zur Eröffnung erschienenen Collegen In Felliu zu begrtis- 
«en und der gastfreundlichen altlivländischen Stadt nebst un¬ 
serem Willkommengrass unsren herzlichen Dunk darzubrin¬ 


gen für die liebenswürdige Aufnahme, die sie uns bereitet 
hat. Fell in, die Nachbarstadt unserer Landesuniversität, 
war einst auf’s engste mit den schönsten Jugend* rinnerungen 
derer verknüpft, die nun alt nnd grau geworden sind. Aber 
unvergessen bleibt die Anziehungskraft, die das rege geistige 
Leben der bewährten S c h m i d t'sehen Anstalt, später des 
Landesgymnasiums, auf die aus ihnen hervorgegangenen Jün¬ 
ger der Alma mater ausühte. Sie reichte weit hinaus über die 
Zeit, in welcher das Reitezeugniss ihnen die Pforten der 
Hochschnle ei schlössen hatte, und weit hinaus über den klei¬ 
nen Ursprungsnrt. 

Auch unsre Erinnerungen sind heute beherrscht von den 
Gefühlen der S^mpa'ltie und Dankbarkeit, die den St iftern 
der Gesellschaft livländischer Aerzte gelten, den 17 Collegen, 
die hier vor 14 Jahren — am 27. November 1888 — mi: weit¬ 
schauendem Blick die Grundlage schufen, auf welcher wir 
heute steilen. D*s eiste SitzuugsproiocoU fasste damals das 
gesteckte Ziel in 5 Pnncten zusammen: 

1) gegenseiliger Austausch wissenschaftlicher und prakti¬ 
scher Erfahrungen. 

2» Befestigung des gegenseitigen collegialen Verhältnisses. 

3) Atifrechieriialtnug der Würde des ärztlichen Standes. 

4) Gründung von UntersttitznngsCH8*en. 

5) Bcrathung über die etwaige Abänderung der zur Zeit 
bestehenden Minimaltaxe der Aerzte. 

Auf diesem von unseren Stiftern vorgezejrlmeten und von 
nn8 eingehaltenen Wege der Wissenschaft, der Humanität 
und des Selbstschutzes hat der Verein die Erfolge errungen, 
auf die ei heute znrückhlickt. Die gewissenhafte Arbeit und 
die zähe Energie zahlreicher Collegen ans unserer Mitte hat 
mit Widerständen gekämpft, die oft unüberwindlich schienen. 
Wie stark sie waren, das weiss am besten ider erste Präses, 
der College Tru hart, der unsrem Verein und nur mit sel¬ 
tener Ausdauer die Wege geebnet hat. Trotz der Ueberbttr- 
dung mit den Verpflichtnngen des practischen Arztes und 
des Kreisarztes — vor Jahren hier in Fellin -- ist er nie 
müde geworden in seinen Bestrebungen für unseren Verein. 
Er hat bis heute den Muth zur Ueberarbeit bewährt. Und 
Ich treue mich, dass es mir vergönnt, ist, zu dem Dank, den 
wir Alle ihm schulden, im Namen der hier veisammelten, ein 
Wort der wärmsten Anerkennung hinznzufügen für das so¬ 
eben von ihm vollendete werthvolle Werk über «Pankreas- 
Pathologie» (Verlag von Bergmann in Wiesbaden 1902), das 
dem Verfasser und unserer Gesellschaft zur Ehre gereicht. 

Mein diesjähriger Bericht über die Errungenschaften, die in 
erfreulichem Fortschritt begriffen sind, darf kurz sein. — Die 
Erbauung einer Landes -Irrenanstalt, worüber ich im 
vorigen Jahr berichtete, ist nunmehr eine beschlossene Sache. 
Es blieb bei der Wahl des Ortes in der Nähe Stackeins. Ue- 
ber die Fürsorge für die Asylbehandlung der Irren, 
über die Versorgung der Leprösen, der T n b e r c u l ö s e n, 
der Alcoholiker weiden Ihnen die Specialisten, resp. die 
Praesides der Commissionen genaue Berichte erstatten. Ueber 
das Schicksal der Gebührenordnung, die dem Medici- 
naiconseil zur Begutachtung resp. Bestätigung vorgestellt 
worden ist, wird der morgen Nachmittag um 3 Uhr tagende 
Rechtsschutzverein berichten. 

Ausführlichere Mittbeilnngen habe ich Ihnen zu geben über 
den Stand der Hebammenfrage nnd die von unsrer Ge¬ 
sellschaft intendirte obligatorische Einführung 
des Normalstatuts für die Kirchspielsärzte 
Livlands. 

Alle von mir erwähnten wichtigen Kragen der öffentlichen 
Hygiene und des Rechtsschntzes zu Gunsten des ärztlichen 
Berufes ruhten bei uns fast unberührt noch vor 15 Jahren, 
Es war von je her die Pflicht und das Vorrecht der Aerzte 
beim Kampfe mit dem Angriffslteer der zahllosen Krankhei¬ 
ten, die Schlachtordnung, in deren vorderster Linie sie tapfer 
ausharrteii, zu prfilen, und dafür Sorge zu tragen, dass ihre 
Genossen nicht nnbewehrt und schutzlos preisgegeben, im 
Feuer standen. Demgemäss handelte die Gesellschaft livläudi- 
seher Aerzte seit ihrem Entstehen. Es gelang ihr unter gros¬ 
sen Anstrengungen, alte Schäden zn bessern oder anfznde¬ 
cken, zu schützen und zu helfen, wo es Noth that, minde¬ 
stens der dringlichsten Gefahr vorzubeugen, soweit es anging. 
Nur eines gelang den Aerzten nicht: eine bessere Waffenrü- 
stnng für sich selbst zu erhalten. 

Die Hebammen frage hat noch einen kleinen Schritt 
vorwärts gethan. Aus den in der Dünazeitung (Nr. 142, 27. 
Juni 1902) unter dem Titel: «Förderung der Ausbildung nnd 
Anstellung von Landhebammen in Livland» initgetheilten 
Verhandlungen des Landtags ist zu ersehen, dass die Livlän- 
dische Gouvrrnements-Verwaltung d e m Beschluss der 
Ritterschaft in Betreff des Revaler Instituts 
definitiv die Bestätigung versagte und zugleich 
Einwendungen g e g e n die geplante Gründung ei¬ 
ner Hebammen schale in Riga erhob, lu dieser Sache 
ist vom Minister-Conseil noch keine Entscheidung erfolgt, 
während der Umstand, dass das Fortbestehen der 


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Hebammen schule beider g y n ae k o l og i s c Ii e u 
Klinik der Universität gegenwärtig über¬ 
bauet in Frage gestellt ist, zur Zeit von dem Con¬ 
seil beprüft wird. Weiter beisst es wörtlich in demselben 
Artikel: 

Wahrend die Subventionirung des Revaler Instituts und 
die Errichtung eines Rigaer Instituts mithin ruht, ist eine 
andere das Hcbamiuiuen wesen berührende Frage zu einem 
günstigen Abschluss gelangt: 

Unabhängig von den zur Ausbildung ländlicher Hebammen 
beschlossenen Massregeln hatte bekanntlich der ausserordent¬ 
liche Landtag im Jahre 1900 die Pleuarversammlung des 
Adelsconvents beauftragt, in Anlehnung an das Normal¬ 
statut für Kircnspielsärzte ein solches für Kirch- 
s p i e 1 s h e b a m in e ii, in welchem eventuell auch Subventio¬ 
nen ans der Landeskasse Aufnahme finden könuten, auszu¬ 
arbeiten und darüber Beschluss zu fassen. Dementsprechend 
wurde sogleich nach dem Landtag eine Commission zur 
Ausarbeitung eines solchen Normalstatuts niedergesetzt. Der 
Entwurf derselben fand, vorbehaltlich von dem Landraths- 
Collegium vorzunehmeuder redactioneller Abänderungen, schon 
im Juni 1901 die Billigung des Adelsconvents. Ein im Augnst 
1901 erlassenes ministerielles Reglement über die 
Aufnahme in Hebamineuschtilen und die Bedingungen znr 
Erlangung der Würne einer Hebamme liess jedoch noch wei¬ 
tere Abänderungen des Normalstatuts wünschenswertli er¬ 
scheinen, um dasselbe mit diesem Reglement in Einklang zu 
bringen. 

Das Landrathscolleginm unterbreitete daher im December 
1901 dem Adelsconveni eiue neue bezügliche Vorlage, 
worauf das nunmehr definitiv testgestellte Normal- 
s tat u i dem Heim (Gouverneur znr Bestätigung und Publi¬ 
kation in der Gouvei nementszeituug vorgestellt wurde. Das¬ 
selbe stellte die Anstellung einer oder mehrerer Kirchspiels- 
hebammen ganz in das Belieben der Kirchspielscoiivente, de¬ 
nen auch die Festsetzung etwa zu zahlender Jahresgage mit 
der Massgabe anbei > gestellt ist, dass die festen Bewilligun¬ 
gen des Kirchspiels 150 Rbl. jährlich für jede Hebamme nicht 
übersteigen sollen. Sind feste Bewilligungen seitens des Kirch¬ 
spiels erfolgt, so soll der Hebamme ein weiterer Zuschuss iin 
Betrage von 50 /„ der vom Kirchspiel bewilligten Summe aas 
der Landeskasse gezahlt werden. Den Kirchspielen ist auch 
anheimgestellt, Rieh behufs gemeinsamer Anstellung einer 
Kirchspielshebamme mit auderen Kirchspielen oder mit Tueilen 
von solchen zu verbinden. Die Kirchspielshebammen sind nach 
dem Entwürfe verpflichtet, ihren beruf innerhalb des Kirch¬ 
spiels auf Grund einer festeu Taxe auszuüben, sich der Oou- 
trolle und den Anordnungen des Kirchspielarzies oder, in Er¬ 
mangelung eines solchen, eines von dem Kirchspiel hierzu 
anzuwerbendeo Arztes zu unterwerfen und über ihre Thätig- 
keit dem Kirchspielvorsteher Bericht zu erstatten. Angestellt 
werden kann jede concessionirte, mit einem Diplom verseheue 
Hebamme- 

Dieser Entwurf hat, bis auf die Festsetzung einer Taxe, die 
nach den Ausführungen des Mediciualdepartements nicht zu¬ 
lässig sein soll, die G e n e h m i g n n g des Gouverneurs 
gefunden. Das Landratbscollegiiim hat hierauf s. 3. auf die 
Aufnahme der Taxe Verzicht geleistet und am 1. April c. dem 
Gouverneur unter Weglassung derselben nochmals behufs Er¬ 
wirkung der Bestätigung, zu welcher wahrscheinlich eiue 
be8ondeie Eriaubniss des Ministers eingeholt werden wird, 
vorgestellt. Sollte der Entwurf in dieser Form bestätigt 
weiden, so wird ausser allem Uebrigen anch das der Heb¬ 
amme von den Clieulinnen zu zahlende Honorar der 
freien Vereinbarung zwischen dem Kirch¬ 
spiel und der Kirchspielshebamme unterlie¬ 
gen. Die Zahlungen aus der Landeskasse aber werden in 
jedem Falle nicht mehr als 45 Rbl. für jede Kirchspielsheb¬ 
amme betragen. 

Natürlich sind auch die hygienischen Verhältnisse Rigas 
durch die Arbeiten der livländischen Aerzte vielfach beein¬ 
flusst worden. Im Interesse der Hebammeufrage, die uns un¬ 
ablässig seit 9 Jahren beschäftigt, ist nunmehr die erfreuli¬ 
che Thatsache zu constatireu, dass vor Kurzem die Stadt 
Riga von der Staatsregierung die Concession erhalten hat, 
eine H e b a m m e n s c h u 1 e im Stadtkrankenbause 
zu errichten. Die Zahl von 30 Betten in der Frauenabthei¬ 
lung, die schon seit geraumer Zeit den gleichzeitigen Anfor¬ 
derungen der Geburtshülfe und Gyuaekologie uicht zu genü¬ 
gen im Stande war, wird in nächster Zeit auf ca. 70 Betten 
erhöht sein. Damit ist ein dringender Wunsch erfüllt, dem 
ich schon vor 5 Jahren während meiner Amtsführung im Ri- 
gaschen Krankenhause lebhaften Ausdruck verliehen habe. 
Damit ist nunmehr die Möglichkeit gegeben, gute Hebammen 
für Südlivland auszubilden, wo für ihre Anstellung von der 
Ritterschaft eben Sorge getragen wird. Freilich fallen 70 
Betten in der dichtbevölkerien Stadt Riga, die keine Gebär¬ 
asyle hat, für die Geburishülfe nicht allzuschwer ins Gewicht, 
besonders da die in Riga ansgebildeten Hebammen lieber in 


der Stadt, als auf dem Irnnde sich festsetzen werden-. Immer¬ 
hin ist in dieser verwickelten Sache von der Ritterschaft nnd 
der Stadt endlich ein greifbares Resultat erzielt worden, da* 
mit Freuden zu begrüsseu ist nnd als der Beginn einer 
Aera in einem der wichtigsten Zweige der öffentlichen Ge¬ 
sundheitspflege bezeichnet werden darf. 

Bezüglich der obligatorischen Einführung des 
Normal statnts für die Kirshspielsärzte Liv¬ 
lands sind zwei entscheidende Dokumente eingegangen, die 
ich diesem Bericht beilege. 

1) Das erste Schriftstück lautet in deutscher Ueber- 
setzuug: 

M. D. I. 

Livländische Gouvernementsregieruug 
Medicinalabtheilung. 

1. November 1901. 

Jft 3613. An den Präses der Gesell- 

Riga. schaft Livlandischer Aerzte. 

«Gemäss der Entscheidung des Livländischen Gouverneurs 
theilt Ihnen, hochgeehrter Herr, die MediciualVerwaltung der 
Livländischen Gonvernements-Verwaltung mit, dass Seine 
Excelleuz zur Zeit es für unmöglich hält, die Fürsprache der 
Gesellschaft Livländischer Aerzte zu Gunsten der Organisa¬ 
tion des Medicinal-Ressorts im Livländischen Gouvernement 
gehörigen Orts vorzustellen, da eine Einrichtung des 
erwähnten Medicinal-Ressorts gemäss dem 
von der Gesellschaft (der Aerztej vorgeschla¬ 
gen e u Entwurf der Landbevölkerung des 
Livländischen Gouvernements ebenso wie 
früher nicht die Garantie der unentgeltlichen 
ärztlichen Hülfe bieten würde. 

Medicinal-Inspector: Aristo w. 

Schriftführer: ? 

(Die Unterschrift ist nicht zu entziffern). 

2) Das zweite Schreiben laptet: 

Livländisches 

Landrath 8-Collegium. 

Riga, Ritterhans 

d- 27. Juni 1902. An den Verein livländi- 

M 3284. scher Aerzte. 

«Das Livländische Landraths-Collegiura beehrt sich dem 
Verein livländischer Aerzte hierdurch die Mittheilung zu ma¬ 
chen, dass der im Juni 1902 versammelt gewesene Landtag 
beschlossen hat, von einer Regelung der Sanitätsarztpflicht 
in obligatorischem Sinne abznselien und die Verbesserung der 
sanitären Verhältnisse auf dem Wege facultativer allmähliger 
Verbreitung des Normalstatuts anzustreben, da eine obligato¬ 
rische Zahlungspflicht der Höfe und Gemeinden für Sanitäts¬ 
zwecke ein neues Praestaudum bedeutet, welches nur darch 
den Reichsratli sanctionirt werden kann 

Im Namen der Livländischen Ritterschaft 

Residirender Landrath : Baron M a y d e 11. 
RitterschaftR-Secretär: von Samson». 

Aus diesen beiden Schreiben geht deutlich hervor, dass die 
roassgebeuden Autoritäten eine Verbesserung der sanitären 
Verhältnisse Livlands auf dem vom XII Aerztetage vorge- 
schlageneu Wege zur Zeit für unmöglich halten. Und mit 
dieser ablehnenden Entscheidung stimmt nach eine Anzahl 
livländischer Aerzte durchaus überein. Die Gründe der dem 
XII. Aerztetage ferngebliebenen dissentirenden Collegen sind 
aus dem Artikel der Dünazeitung Nr. 143 (28. Juni 1902): 
«Zur Frage der obligatorischen Einführnng des Normalsta¬ 
tuts für Kirchspielsärzte in Livland», zn ersehen. Diese Pa* 
blication aus den Landtagsverhandlungen enthält ausserdem 
interessante Einzelheiten ans den Erwägungen and Beschlüs¬ 
sen der vom Landtag eingesetzten Commission. Die Einlei¬ 
tung des Artikels hat aber, wie Sie sehen werden, eine Fas¬ 
sung erhalten, die verhängnissvolle Missverständnisse za 
Ungunsten unserer Aerztetage hervorzurufen geeignet ist. 
Die öffentliche Erklärung, za welcher ich mich in Folge des¬ 
sen verpflichtet fühlte, ist i n d e r Nr. 144 d e r «D ü n a z e i - 
tun g», 29. Jan i 1902, abgedruckt, während ein ande¬ 
res Blatt — vielleicht auch mehrere Blätter — das gleich¬ 
falls die Auszüge aus den Landtagsverhandlungen gebracht 
hatte, keine Notiz von meiner Erwiderung nahm, die ich 
Ihnen nunmehr hier verlese. 

(Fortsetzung folgt). 


Vermischtes. 


— Der Leibchirurg Seiner Majestät des Kaisers, Wirkl. 
Geheimrath Dr. Hirsch feiert am 26. April dieses Jahres 
sein 50-jähriges Dienstjubiläum. 

— Der Chef der Militär-Medicinischen Acadeinie Prof. Dr. 
A. T a r e n e z k i ist von der psychologischen Ge¬ 
sellschaft zum Ehrenmitglied gewählt worden. 








99 


— Mit den Fnnctionen des estländiselten Gouvernements- 
Medici nallnspectors ist, nachdem der bisherige Medicinalin- 
«pector Dr. Agafonow nach Knrsk ühergeführt worden, 
der Gehilfe desselben Dr. Orshepowski zeitweilig betraut 
worden. Die Vertretung des Letzteren ist wieder dem Reval- 
schen Stadtarzt L o s J n s k i übertragen worden. 

— Der ältere Arzt des Bobrniskischen Disciplinar-Batail- 
Ions Dr. Const. Se weri n ist wegen Kran klieit verab¬ 
schied e t worden, unter Beförderung zum wirk¬ 
lichen Staatsratb. 

— Der Oberarzt des städtischen Preobtashenski-Kranken¬ 
hauses in Moskau Dr. J. Konstauti no wski giebt diese 
Stellung auf. 

— Die St Petersburger (russische) inedicini- 
sche Gesellschaft hat den Professor der Physiologie 
ander Militär-Medicinischen Academie Dr. J. P. Pawlyw 
zum E h r e n m i t g 1 i e d e gewählt. 

— Der Oberarzt des Militärhospitals in Samarkand wirkl. 
Staatsrath Dr. T o 1 w i n s k i ist auf seine Bitte verab¬ 
schied et worden. 

— Der im August vorigen Jahres in Omsk verstorbene 
Militär-Medicinalinspector Dr. Nikolai Seeland hat dem 
Arinenhause seiner Vaterstadt Arensburg 500 ßbl. 
Jetztwiilig vermacht. 

— Der bekannte Laryngologe Prof. Dr. Killian in Frei¬ 
burg ist von der Londoner laryngologischen Ge¬ 
sellschaft zum Eh renmitgliede gewählt worden. 

— Das Comite tür Krebsforschung in Berlin hat 
den Pathologen Prof. Dr. Orth (Nachfolger Virchow’s 
an der Berliner Universität) zum Ehren mitgliede go- 
wfthlt. 

— Der bekannte Dermatologe Dr. P. Unna in Hamburg 
ist znm Eh renmitgli.ede der Wiener dermatolo¬ 
gischen Gesellschaft gewählt worden. 

— In der Conseilsitzung der Kiewer Universität hat der 
von der mediclnischen Facnltät für den Lein Stuhl der chirur¬ 
gischen Hospitalklinik vorgeschlagene Candidut Privatdocer.t 
Dr. N. M. W o 1 k o w i t s c h bei der Wahl 28 Stimmen pro 
und 85 Stimmen contra erhalten. Es muss daher nach dem 
Statut iti dem Conseil über die anderen 6 Candidaten. welche 
sich nin diesen Lehrstuhl bemüht haben, balotirt werden. Es 
sind: die Professoren A. A. Wedenski (Tomsk), J. F. Se- 
mazki (St. Petersburg) und A. D. Pawlowski (Kiew), 
sowie die Privatdoeenten 8. E. Beresowski (Moskau), N. 
N- F i 1 i p p o w (Charkow) und H. F. Zeidler (St. Peters¬ 
burg). (R. Wr.) 

— Die pliarmaceuti8che Gesellschaft in Riga 
hat anlässlich ihres 100jährigen Jubiläums die Professoren 
W. A. Tichomirow, A. Lehmann und A. P o e h 1, so¬ 
wie den Apotheker Mag. pharm, W. Ferrein zu Ehren¬ 
mitgliedern gewählt. 

— Der Professor der physiologischen Chemie an der deut¬ 
schen Universität Prag Dr. Huppert giebt seine Lehrtä¬ 
tigkeit auf. Zu seinem Nachfolger ist Prof. Dr. Thier- 
felder, Vorstand der chemischen Abtheilung des physiolo¬ 
gischen Instituts in Berlin berufen worden. 

— Verstorben: 1) Am 3. März in St Petersburg der 
frühere ältere Ordinator des Obuchow Hospitals Staatsrath 
Dr. Alexander Liebig im Alter von 75 Jahren. Der 
Verstoibene war in St. Petersburg geboten und hatte seine 
medicinische Ausbildung an der Dorpater Universität erhal¬ 
ten, an welcher er von 1851—56 anfangs Oeconomie, dann 
Medicin studirte. Nach Erlangung der Doctoi würde lies« er 
sich als practischer Atzt in St. Petersburg nieder, wo er auch 
über 40 Jahre als Ordinator am Obnchow-Hospital wirkte. — 
2) Am 2 . März hierselbst Dr. Harald G r fl ii i n g, Assis¬ 
tenzarzt am Kinderhospital des Prinzen von Oldenburg, im 
29. Lebensjahre an Blutvergiftung. Der junge College ist 
ein Opfer seines Berufs geworden, indem er sich bei der In¬ 
tubation. welche er an einem diphtheriekranken Kinde im 
obengenannten Hospital ausfühlte, unbemerkt inticirr hat. in 
St. Petersburg geboten und erzogen widmete sich der Hinge¬ 
schiedene dem Stodinm der Medicin 1893 zueist au der Dorpater 
Universität, dann 1895 an der hiesigen Militär-Medicinischen 
Academie. Nach AbsolviruDg des Arztexamens i. J. 1898 war G. 
zwei Jahre als Militärarzt in Polen und dann von 1900 als As¬ 
sistent am hiesigen Kinderhospital des Prinzen von Olden¬ 
burg thätigr. — 3) In Grodno der dortige langjährige frei- 

[ iracticirende Arzt Dr. Julian Bieniecki im eben vol- 
endeten 74- Lebenswahre. Der Verstorbene war ebenfalls ein 
ehemaliger Jünger der Dorpater Universität, an welcher er 
von 1851— 58 studirte und 1861 die Venia practicandi erlangte. 
Seine ärztliche Thätigkeit begann er in Ciechanowice (Gouv. 
Giodno). siedelte aber 1875 nach Grodno über, wo er zu den 
beliebtesten und angesehensten Aerzten gehörte. — 4) In 
Tiflis der Oberarzt des städtischen Michael-Hospitals Dr. 
Alexander Pawlowski im Alter von 62 Jahren. Er 
war fiüber einige Zeit auch Präsident der kaukasischen me- 
dicinischen Gesellschaft. — 5) In Alnpka der Arzt des dorti¬ 


gen Kinder-Sanaturiums Dr. Hermann Moskwin im 30. 
Lebensjahr« an Tuberculose. Er hatte erst vor einigen Mo¬ 
naten die Leitnng des eben eingerichteten Sanatoriums über¬ 
nommen. — 6) ln New-York Dr. E. F oster, Professor und 
Director der internen Klinik am Medical College of Georgia 
d’Augusta daseihst. 

— In Brest-Litowsk ist ein ärztlicher Verein 

ins Leben getreten. Zum P r ä s i d e u t e n desselben 
ist Dr. Dem jAn o witsch und zum V io epräs identen 
Dr. Stark gewählt worden- (Nowosti. — R. Wr.) 

— Die «Bolnitschnaja Gaseta Ho tkiua» (Hot- 
kin’s Hospitalzeitung) wird «wegen unvorhergesehener Um¬ 
stände» zu erscheinen aufhören, nachdem dieselbe bereits 
ihren 14. Jahrgang begonpeu hat. Eh ist bereits die dritte 
der russischen mediciuischen Zeitschriften, welche in letzter 
Zeit ihr Erscheinen eingestellt haben, da schon zu beginn 
des laufenden Jahres das «Russki Archiv Patliolo- 
gii etc.» (ßuss. Archiv für Patholoeie n. s. w.) und der 
«W estnik Chirnrgii» (Zeitschrift für Chii urgie) ein-r 
gingen. 

— Der Verein zur Bekämpfung derTobercu- 
lose in den drei Ostseeprovinzen hat seine Tbä- 
tigkeit eröffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 3 Rbl. 

— Prof. Dr. Behring (Marburg) hat sich, wie verlautet, 
mit Bestimmtheit dahin ausgesprochen, dass es ihm gelungen 
sei, Kälber gegen die Tuberculose immun zu 
machen und dass er hoffe, auch bei Meuschen solches zu 
erreichen. 

— In W e u d e n (Livland) ist vor Kurzem eine Heilan¬ 
stalt für Rheumatiker und Neurastheniker von dem frei- 
practicireuden Arzt August Srailga eröffnet worden. Sie 
enthält eine Abtheilung für Bäder und Massage, sowie eine 
Abtheilung mit Apparaten für gymnastische Uebuneen. 

— Die von der Moskauer Gouvernements-Landschaft ange¬ 
regte Frage der Errichtung eines Leprosoriums 
klinischen Characters bei der Moskauer Uni¬ 
versität ist, wie ein Moskauer Blatt erfährt, abschlägig 
beschieden worden, da das Ministerium der Volksaufkiärung 
keine Möglichkeit habe, die Mittel zur Einrichtung eines sol¬ 
chen Leprosorinms herzugeben. 

— Wie aus Moskau berichtet wird, hat Dr. J. R. Taube 
daselbst Versuche mit dem von Dr. Menzer in Berlin ver- 
vollkommnetem Streptococcenserum bei acutem 
Gelenkrheumatismus mit bestem Erfolge angestellt. 

— Der Moskauer Gouverneur hat beim dortigen Stadtamt 
die Einführung eines besonderen Reglements für die Behand¬ 
lung solcher Personen beantiagt, die von den Behörden dem 
Moskauer städtischen Preobrashenski-Irren hause 
zur Untersuchung auf ihren Geisteszustand 
überwiesen weiden. Das Stadtamt har jedoch diesen Antrag 
abgelehui mit der Motivirung, dass die Stadt keine Verpflich¬ 
tung zur Internirung von Verbrechern in ihren Irrenanstalten 
übernehmen könne. Es iiat sich nämlich heransgestellt, dass 
die Zahl der auf ihre Zurechnungsfähigkeit zu untersuchenden 
Verbrecher in bedenklicher Weise zunimmt, so dass für die zu 
Heilzwecken internirten Kranken immer weniger Plätze 
übrig bleiben. Gegenwärtig betindeu sich 73 Verbrecher 
(also der vierte Theil aller Insassen) in diesem städtischen 
Irrenhanse 

— Nach den erst jetzt bekannt gewordenen Ergebnissen 
der im Jahre 1900 ansgeführten Volkszählung betrag die 
Zahl der in St. Petersburg lebenden Personen, die ein Alter 
von mehr als 100 Jahren et reicht haben, am Zählungstage 
22, welche sämmtlich dem weiblichen Geschlecht angehörten. 
Im Alter von 96—100 Jahren Stauden 51 Personen, und zwar 
17 Männer und 34 Frauen. 

— In Berlin hat sich eine deutsche Gesellschaft 

zu r Bekämpf u n gdesKurpf u schert bums gebildet, 
welcher bei eits zahlreiche Aerzte und Laien ans verschiedenen 
Ständen beigetreten sind. Znr Erreichung des vorgesteckten 
Zieles sollen belehrende Vorträge in öffentlichen Versamm¬ 
lungen gehalten, belehrende Flugschriften verbreitet und be¬ 
sonders eclatante Fälle von Schädigung durch Kurpfuscher 
der Presse und den Behörden mitgetlieilt werden. Der Min¬ 
destbeitrag eines Mitgliedes ist auf 1 Mark festgesetzt. Die 
erste öffentliche Versammlung ist. in Folge der Demonstra¬ 
tionen der zahlreich anwesenden Kurpfuscher und ihres An¬ 
hanges ziemlich geräuschvoll verlaufen- Bf. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 18. März 1903. 

Tagesordnung: 1)G. Albanus: Zur Casuistik der 
septischen PneuiuouieD. 

2) Fick: Ueber Peritonitis adbäsiva. 

♦- Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 10. März 1903. 


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ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandlung von K. L. RICEER in. 
St Petersburg, Nevsky-Fr. 14, sowie in allen in-und ausländ. Annoncen-Coinptoiren angenommen. 


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Gewöhnliche Verstopfung’. 

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samen Substanz. 


0,01 in einem 
Esslöffel. 


Ä CASCARINE ist ein genau bestimmter 

Körper, krystallisirt etc. (Comptea rendus 
de 1' Acaddmie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. Laffont, Bulletin de VAcaddmie de Me- 
aecine, 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Societd de Tlierapeutique: Constan- 
tin Paul; Dujardin-Beaninotx, Medicatiotis 
5 fesss 3 nouvelles, 2. serie; Bibliotheque Charcot- 

f 1 i) t ,|)ore, Purgatifs , p. 104; Prof. Lemoine, 

oMDiiiwtiift i! Lille, ThCrapeutique clinique, p. 305; Tisou, 

l höpital St. Joseph ei Congrds pour l’avan- 
Otto?» outcs us pmmucus .< cement des Sciences, bordeaux, loVJ5, 
|| Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege, 
.. . p r ix Sf . [Cours d'accouchements etc., etc.) 


1 

~~==M?ni l jpat;on L 






Ri 


Seine Wirkung ist constanr, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der AnwendungsweiRe ist Gewöhnung an 
das Mittel zu vermeiden; bemerkenswertlie Wirkung bei habitueller Stnhlverstopfung, Leberleiden, Gallensteinen eic., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft uud während der Lactation, ferner gegen Mikroben¬ 
wucherung bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

/ PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 
w w nene iiosis ^ EL1XIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter (zu verringern od. zu steigern je nach d.Wirkung). 

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PAQPARIPflNF^ Unter diesem Namen fabrlciren wir kleine SUPPOSITORIEN, welche die Wirkung des 
UMdUMlIlUUIlCiO „Cascarine“ auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir 4 le Herren 
Aerzte ..Cascarine Leprince“ zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: 62, Ru© de la Tour, Paris (16) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Döpots: in allen grösseren Apotheken and Droguenhandlungeu Russlands. 

Dnrch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (17) 26—10. 


Hermsdorf i. d. Mark bei Berlin. 

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Adrenalin (Takamine) erfanden und benannt vom Now-Yorker 
Dr. J. Takamine, ist das einzige unverfälschte und vollkommen 
sichere pharmaceutische Präparat dieses Namens, welches von den 
medicinischen Autoritäten Enropa’s und Amerika’s angenommen ist. 

Adrenalin (Takamine) ist das wirksame Princip der Neben¬ 
nieren und wird in der Medicin sehr oft und verschiedenartig an¬ 
gewandt. 

Adrenalin (Takamine) innerlich eingenommen, steigert den Blut¬ 
druck und vetlangsarat den Puls. Auf den Herzmuskel wirkt ea iD 
ähnlicher Weise wie Digitalis, nur stärker. 

Adrenalin (Takamine) ftnsserlich angewandt, bewirkt Ver¬ 
engerung der Arterien und die seinem Einflüsse ausgesetzten Kör- 
pertheile werden blutleer. Die Schleimhäute werden durch die Wir¬ 
kung des Adrenalin blass. Bei chirurgischer Behandlnng der An¬ 
gen-, Ohren-, Nasen« und Halskrankheiten ist es mittels Adrenalin 
(Takamine) möglich blutlose Operationen aaszuführen. 

Die klinischen Berichte bezeugen die hervorragenden Vor¬ 
züge des Adrenalin (Takamine) als eineB stark adstringirenden und 
blutstillenden Mittels. 

Die therapeutische Anwendung des Adrenalin hat vorzügliche 
Resultate bei der Behandlung folgender Krankheiten ergeben: 

A d d i 8 s o n’sclie Krankheit, Chloroform-Synkope, Schnupfen 
und Erkältungen aller Art, Zahn-, Ohren-, Augen- und Halskrank¬ 
heiten, Herzfehler, Bluterbrechen, Blntharnen, Blutspeien Gebär¬ 
mutter-Blutungen, Verengung der Harnröhre, acutes Eczem, Skor¬ 
but, Dysenterie, Hämorrhoiden und dergl. 



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über Adrenalin vorhandene Literatur gratis versandt. Briefe bittet man za adressiren: 

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Erkältungen, Specificum gegen Influenza, Gelenkrheumatismus und Gicht. 
Doslrung: Täglich 6 Pulver ä 0,5 bis 1 G. am besteu in Oblaten. Auch iu 

Tabletten zu 0,5 und 1 G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frleser, Wlon («Medicin. -Chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesl, Paris («Bulletin Gönöral Therapeutique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Laumonier, Paris («Presse Mödieal» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 n. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fnchs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8 Dr. Spoiler ans der medic- Abtheilnng von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 
Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9 . Dlasertatlonsarbelt Dr. de Moraes Miranda an der medicin. Facultät in Paris.' 
Alle Apotheken führen oder besorgen unser Acetopyriu, anf das sich alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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109 


Dr. HOMMEL'S HAEMATOGEN 

Gereinigtes concentrirtes Haemoglobin (D. E. Pat JÄ 81,391) 70.0, chemisch reines Glycerin 20,0, Aromatische und 

Geschmacksznsätse 10,0 (Alkohol 2°/o). 

Als blutbildendes, organeisenliultiges, diätetisches Nähr* und Kräftigungsmittel für Kinder und Erwachsene bei 

Schwächeznständeu irgend welcher Art nnerreicht, 

-+# besonders unentbehrlich in der Kiuderpraxis. #+- 
Haemaiogen Honimel enthält ausser dem völlig reinen Haemoglobin (Sterilisirt, d. 1. frei von den im Blute 
kreisenden Bacterien) noch säromtliche Salze des frischen Blotes, insbesondere auch die wichtigen Phosphorsalze 
(Natrinm und Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweissstofte des Serums in concentrii ler und gereinigter 
nuzersetzter Form (also nicht verdantl). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch Säure-Pepsin oder Hitzegrade er¬ 
zeugt, ist von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albuniosen und peptonisirte Präparate weiden, wie Voit- 
Miinchen, N e u m e i s t e r-Jena und C a h u Strassburg nachgewiesen haben, überhaupt nicht direkt resorbirt; ihre 
Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche Verdauung werden 
zweifellos Stolle zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus von höchster Wichtigkeit sind. 
Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haematogen Bommel gerade in solchen Fällen von Bhachi- 
tis, Scrophulose, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte. Präparate sowie Leberthran 
Jodeisen n. s- w. angewandt wurden. 

Haematogen Homm el kann als di ätet isches, die tägliche Nahrung er gä nzen d es Mittel jahraus, jahrein.ohne Un¬ 
terbrechung genommen werden. Da es ein natürliches organisches Product ist, treten niemals irgend welche Störungen 
ein, insbesondere nicht der bei längerem Gebianchc von künstlichen Eisonpräraraten unvermeidliche Orgasmus. 


*Wfirn Till 0 * mr Ü l 8l«f»linn0’? ^* r warnen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, ins 
Tf ail 11 Ulig VU1 U diStllullg. besondere vor solchen mit Aether-Znsatz. Sie repräsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. In solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den ExcretionsBtoffen (Hip¬ 
pursäure, Harnstoff, flüchtige Fettsäuren, Gase etc. etc) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original Präparat Haematogen Hommel zu ordiniren. 


Versnchsqnante stellen wir den Herren Aeizten, die sich durch Eigenproben ein Unheil bilden wollen, gerne gratis 
und franko znr Verfügung und bitten wir Solche von unserem Versandt-Depöt: Apotheke auf Gross- 
Ochta, Ahtheiluiig -Haematogeu" in St. Petersburg za verlangen. 

Tages-Dosen: Säuglinge 1—2 Theelöffel mit der Milch gemischt (Trinktemperatur!), grössere Kinder 1—2 Kinderlöffel 
(rein!!}, Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem Essen, wegen seiner eigenthümlich stark appetit¬ 
anregenden Wirkung. 

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'■ Cti. 

1903 


XXVIII. JAHBGANG. ST. PETERSBURGER Neue Folge XX. Jahrg. 

lEDICINISCIE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio- 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnement*prei8 ist in Bussland8 Rbl. für das 
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cripte sowie alleaufdieRedactionbezüglichenMittheilungenbit- 
tet man an den geschäftsfü hrenden RedacteurDr.Eudolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag, Mittwoch u.Freitag von 2—3 Uhr. 


Jß 11 


St. Petersburg, den 15. (28.) März 


1903 . 


Inhalt: Prof. K. Dehio: Eiu Fall von Zwerchfellshernie. — Biicheranzeigen und Besprechungen: P. J. Moe- 
bins: Geschlecht und Krankheit. — Marti ns: Fnnctionelle Neurosen. — Löwenfeld: Sexaalleben und Nervenleiden. — 
Lander Brnnion: Action des M6dicanieiits etc. traduit par Bonqud et Heymans. — Protokolle des XIV. Aerztetages 
der Gesellschaft Livl{indischer Aerzte in Fellin vom 2. bis znm 4. September 1902. — Vermischtes. — 
Mortalität»-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ein Fall von Zwerchfellshernie. 

Von 

Prof. K. De h i o, 

Dorpat. 


Die Zahl der in der Litoratur beschriebenen Zwerch¬ 
fellshernien ist nicht gering und belief sich nach der 
neuesten von Grosser 1 ) ausgefiihrten Zusammenstel- 
lnng im Jahre 1899 schon auf 433 Fälle. Die meisten 
sind freilich erst auf dem Sectionstisch entdeckt worden 
und die klinische Diagnostik derselben ist erst seit dem 
Jahre J874, wo Leichtenstern 2 ) an der Hand sei¬ 
nes am Lebenden erkannten Falles die Symptomatologie 
der Zwerchfellsheruien uns eigentlich kennen lehrte, 
ein Besitztitel der ärztlichen Wissenschaft geworden. 
Freilich sind es auch heute kaum mehr als 12 Fälle, 
die am Lebenden erkannt worden sind, aber es unter¬ 
liegt keinem Zweifel, dass, wenn die Aerzte mit dem 
Bilde der Erkrankung mehr vertraut sein werden, sich 
auch die Fälle mehren werden, die einer Diagnose intra 
vitam zugänglich sind. 

ln den letzten Jahren zumal haben wir in der Rönt- 
genoscopie ein Hilfsmittel gewonnen, welches im Verein 
mit der gewöhnlichen physikalischen Untersuchung die 
Erkennung dieses Zustandes in hohem Grade erleichtert 
und vervollständigt. So weit mir bekannt, sind bisher 
röntgenographische Untersuchungen von Zwerchfellsbrü¬ 
chen nor 3 Mal von Wiedemann 8 ;, Hirsch 4 ) und 
Strnppler") veröffentlicht worden. Dieses, sowie der 

') Grosser: Ueber Zwerchtellshernien. Wiener klinische 
Wocliengchr. 1899, p. 655. Citirt nach Hirsch 1. c. 

a ) Leich tenstern: Zur Diagnose der Hernia diaplirag- 
matica. Berl. kl. Woclienschr. 1874 und Handb. d. spec. Pa- 
thol. n. Ther. von Zieinssen. Bd. 7, 2. Hälfte p. 460. 

3 ) Wiedemann: Zur Casuistik der Zwerchfellsliernieu 
beim Lebenden. Berl. kl. VVochensclir. 1901 p 279. 

4 ) C. Hirsch: Zur klinischen Diagnose der Zwerchfells¬ 
hernien. Müuch. med. Wochenschr. 1900, Nr. 29. 

5 ) Struppler: Ueber den physikalischen Befund und die 
neueren klinischen Hilfsmittel bei der Diagnose der Zwerch¬ 
fellshernie. Deutsch. Archiv f. klin. Med. 1901 Bd. 70. 


Umstand, dass in meinem Falle das radioscopische Bild 
ein sehr eigenthümliches war, veranlasst mich die fol¬ 
gende Beobachtung zu veröffentlichen. 

J. T., 61 Jahre alt, Feldarbeiter aus der Nähe von 
Dorpat erkrankte plötzlich am 11, Februar 1902. Bis 
dahin batte er sich vollkommen wohl und arbeitsfähig 
gefühlt. Nachdem er sein gewöhnliches aus Kartoffeln, 
Suppe und gesalzenen Strömlingen bestehendes Mittags¬ 
mahl zu sich genommen hatte, bekam er plötzlich ohne 
ersichtliche besondere Ursache äusserst heftige 
Schmerzen in der ganzen 0 b e r b a u c hge gen d 
und namentlich auch im Innern der linken Brnst- 
hfilfte; zugleich Uebelkeit, Speichelfluss und ein Mal 
Erbrechen. Der herbeigerufene Arzt verschrieb ihm 
Tropfen, nach denen die furchtbaren Schmerzen ein 
wenig nachliessen aber dennoch in solcher Stärke fort¬ 
dauerten, dass Patient weder gehen und stehen, noch 
essen und trinken konnte, sondern unbeweglich im Bett 
liegen blieb. Da der Zustand sich nicht besserte and 
3 Tage lang weder Koth noch Winde abgegangen waren, 
so wurde er am 14. Februar in die chirurgische Ab¬ 
theilung des Stadtliospitals übergeführt. Hier wurden 
die Symptome eines acuten Darmverschlusses, Gas- und 
Kothsperre, bei gleichzeitiger meteoristischer Auftrei¬ 
bung der Oberbauchgegend constatirt; die Leberdämpfung 
war verschwunden. Es wurden heisse Umschläge (Ha¬ 
fersäcke) auf die ganze Bauchgegend und flüssige Nah¬ 
rung verordnet; bei dieser Behandlung Hessen die Bauch¬ 
schmerzen allmählich nach und es traten breiige Stuhl¬ 
entleerungen ein, die dem Kranken grosse Erleichterung 
brachten. In Folge der Besserung des Zustaudes schwand 
jegliche Indication eines chirurgischen Eingriffes und 
Patient wurde am 20. Februar, also am 9. Krankheits¬ 
tage, in die therapeutische Hospitalklinik übergeführt. 

Hier wurde ausser der obigen Anamnese nach den 
Aussagen des Kranken constatirt, dass derselbe schon 
vor etwa 20 Jahren einen ganz ähnlichen, 
mehrere Tage dauernden K r an k h e i s a nfall 
durchgemacht hat und dass er auch vor 5 Jahren 


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unmittelbar nach dem Heben eines schwe¬ 
ren Sackes von ebensolchen Schmerzen wie 
gegenwärtig befallen worden ist nnd mehrere Tage hat 
zu Bett liegen müssen. 

Die objective Untersuchung des Kranken, 
welche im Laufe mehrerer Tage wiederholentlich vorge- 
noramen wurde, ergab folgeiftles: 

Patient ist von mittlerem Wuchs, derbem Knochen¬ 
bau, kräftiger Muskulatur und gut genährt. Klagt über 
schmerzhafte Empfindungen im Epigastrium, die sich 
beim Husten und bei activen Bewegungen verstärken 
und ihn zwingen sich möglichst ruhig im Bett zu ver¬ 
halten. Sonstige Klagen fehlen; hat flüssige Nahrung 
in den letzten Tagen ohne Beschwerden zu sich genom¬ 
men und mit Hilfe von gewöhnlichen Wasserklystieren 
täglich breiige oder flüssige Stuhlentleerungen gehabt. 
Die anfänglich vorhandenen Schmerzen in der linken 
Brusthälfte haben nachgelassen; Gurren oder sonstige 
Zeichen von Magen- oder Darmbewegung will der übri¬ 
gens recht intelligente Kranke in der Brusthöhle nicht 
bemerkt haben. 

Bei der Besichtigung fällt eine deutliche Vorwölbung 
der Oberbauchgegend auf, welche scharf von der flachen 
Eingesunkenheit des Bauches unterhalb des Nabels ab¬ 
sticht. Bei den Athembewegungen bleibt die linke 
Brusthälfte schon in ihrer oberen Hälfte, noch mehr 
aber in ihren unteren und seitlichen Abschnitten gegen 
die rechte Seite zurück, ja erscheint daselbst fast ganz 
bewegungslos, auch sind die Intercostalräume nach ab¬ 
wärts von der 5. Rippe linkerseits verstrichen und der 
Brustkorb daselbst im Vergleich zur rechten Seite er¬ 
weitert. Bei der Palpation ist die vorgewölbte Partie 
oberhalb der horizontalen Nabellinie von der prallelasti¬ 
schen Consistenz eines stark aufgeblasenen Luftkissens 
und druckempfindlich, während die unteren und seit¬ 
lichen Partien des Bauches weich und schmerzlos ein- 
drückbar sind. Leber und Milz sind nicht zu palpiren. 

Sehr auffallende Verhältnisse ergiebt die Percussion 
(cf. Fig. 1 und 2). Die geblähte Vorwölbung 



Fig. 1. 

Percutorisches Bild Vorderansicht. 



Fig. 2 . 

Percutorisches Bild Seitenansicht. 


des Oberbauches giebt einen sehr lauten, tiefen, 
nicht tympanitischen Paukenschall (weiss in den 
Zeichnungen), welcher sich, wie noch näher zu beschrei¬ 
ben sein wird, weit auf die linke Brusthälfte ausdehnt. 
Die Leberdämpfung ist verkleinert, hält sich mit ihrem 
unteren Rande am rechten Rippenbogen und endet mit 
dem letzteren am rechten Sternalrand. Der Spitzen- 
stoss ist gleich einwärts von der linken Brustwarze 
im 4. linken Intercostalraum sicht- und fühlbar. Die 
absolute Herzdämpfung beginnt an der 3. Rippe, reicht 
nach rechts bis zum linken Sternalraud, nach links bis 
zur linken Mamilla und setzt sich nach unten gegen 
den localen Paukenschall des Epigastriums mit einer 
horizontalen Grenze in der Höhe der Brustwarze ab. 
Zwischen der Leber- und Herzdämpfung geht der nor¬ 
male laute Schall der rechten Lunge direct in den 
Paukenschall des Oberbauches Uber. Am liuken Brust¬ 
korb findet sich oben vorn bis herab zur 3. Rippe und 
oben hinten bis herab znr Mitte der Scapula lauter 
Lungenschall, weiter nach unten aber geht derselbe in 
eine immer intensiver werdende Dämpfung über, die 
vorn mit der absoluten Herzdämpfung verschmilzt und 
hinten mit der Milz-Nieren-Dämpfung zusaramenfliesst. 
— Der laute Paukenschall der Oberbauchgegend ist nach 
rechts und oben von dor Leber- und Herzdämpfung bo 
grenzt und zieht sich nach links oben und hinten weit 
in den Bereich der linken Thoraxhälfte bis hin zur lin¬ 
ken Scapularliuie: nach oben setzt er sich in der Höhe 
der horizontalen Mamillarlinie gegen den gedämpften 
Schall des Bereiches der linken Lunge ab, nach hinten 
grenzt er sich in einer rundgewölbten Linie vom ge¬ 
dämpften Schall der Regio subscapularis ab. Die untere 
Grenze des tiefen Paukenschalles ist sehr leicht und 
deutlich vom hochtympanitischen Percussionston (ver¬ 
tikal schraffirt) des übrigen Bauches zu unterscheiden 


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und fällt in seiner Ausdehnung genau mit dem Bereich 
der schon beschriebenen prallelastischen Resistenz zu¬ 
sammen. Die untere Grenze derselben reicht in einer 
sach unten convexen Linie bis hinab zum Nabel und 
verschwindet rechts in der Mamillarlinie unter der Le- 
berdämpfnng, während sie nach links zum Rippenbogen 
und weiter dem Lauf der 9. linken Rippe folgend bis 
zur linken Scapnlarlinie hinziebt. Nach unten stösst 
dieser Bereich des Paukenschalles an den Bezirk des 
tympanitischen Darmtones und weiter nach links an die 
Milzdämpfung. 

Bei der Stäbchenplessimeterpercussion hört man in 
der ganzen Ausdehnung des Paukenschalls das schönste 
metallische Klingen, gleichgiltig wo man Sthe- 
toscop oder Plessimeter aufsetzt, wenn sich nur beide 
im Bereich des Paukenschalles befinden. Besonders laut 
springt der Metallklang ins Ohr, wenn man im Epi- 
gastrium percutirt und hinten am Schulterblattwinkel 
auscultirt. Gelegentlich hört man in diesem Bereich so¬ 
wohl vorne wie hinten glucksende und gurrende Ge¬ 
räusche oder den Schall des fallenden Tropfens, stets 
von einem deutlichen metallischen Wiederhall begleitet. 

Die Auscultation ergab über der rechten Lunge, deren 
Grenzen normal waren, durchweg gewöhnliches Vesicu- 
lärathmen, links dagegen war nur im Bereich des lau¬ 
ten Lungenschalles gutes vesiculäres Athmungsgeräusch 
hörbar, weiter abwärts dagegen im Bereich der Dämpfung 
wurde das Athmungsgeräusch schwach und unbestimmt 
nnd verschwand schliesslich ganz. Im Bezirk des lau¬ 
ten Paukenschalles war für gewöhnlich kein Athmungs- 
räusch hörbar — tiefere Athemzüge weckten amphori¬ 
schen Wiederhall, der dann nicht nur am Thorax son¬ 
dern auch im Epigastricum deutlich hörbar war. 

Am Herzen leise aber reino Töne. Nerveusystem, 
Respirations- und Circulationsorgane, uropoötisches 
System in Ordnung. 

Die geschilderten Veränderungen genügten zur Dia¬ 
gnose. Ein Mann, der schon vor 20 Jahren und wieder 
vor 5 Jahren in derselben Art krank gewesen ist, wie 
dieses Mal, erkrankt plötzlich unter den Symptomen des 
acuten Darraverschlusses, Schmerzen im Bauch, Erbre¬ 
chen, Meteorismus der Oberbauchgegend, Koth- uad Gas¬ 
sperre. Wie die früheren Male, so lassen auch jetzt 
diese beunruhigenden Symptome in einigen Tagen wieder 
nach, die Durchgängigkeit des Darmrohres für seinen In¬ 
halt stellt sich wieder her und es bleibt nun dasjenige 
Krankheitsbild übrig, welches ich zu sehen bekam. Es 
lag nunmehr unzweifelhaft eine hochgradige Gasblähung 
des im Oberbauch befindlichen. Abschnittes des Ver- 
daunngsrohres vor. Daran war bei dem sehr deutlichen 
partiellen, luftkissenförmigen Meteorismus, der durch 
Palpation, Auscultation und Stäbchenplessimeterpercus¬ 
sion festgestellt werden konnte, und den linken Leber¬ 
lappen nach hinten und oben verdrängte, nicht zu zwei¬ 
feln; das Merkwürdige war nur, dass der geblähte Ab¬ 
schnitt sich offenbar nicht auf den Oberbauchraum be¬ 
schränkte. sondern sich noch weit in die linke Brust¬ 
höhle hinein erstreckte. Der laute Paukenschall und die 
metallischen Phänomene stellten die Anwesenheit eines 
mit Gas und Luft gefüllten Hohlraumes im unteren Ab¬ 
schnitt des linken Thorax sicher und der Umstand^ dass 
sowohl die percutorischen wie auch die metallischen 
Phänomene sich continuirlich aus dem Oberbauchraum 
in die linke Brusthöhle hinein erstreckten, ebenso wie 
das Vorhandensein von Darmgeräuschen in diesem gan¬ 
zen Luftraum Hessen ohne Weiteres einen gewöhnlichen 
Pneumothorax ausschliessen und bewiesen, dass ein 
Stück des geblähten Abschnittes des Magendarmtractus 
in die linke Brusthöhle eingetreten war, während das 
andere Stück sich noch im Bauchraum befand. Der 
umgebende gedämpfte Lungenschall und das abgeschwächto 


Athmungsgeräusch Hessen erkennen, dass die link%Lunge 
durch das verlagerte Eingeweide von unten her aus 
ihrer normalen Lage gedrängt und comprimirt war und 
die Verlagerung der Herzdärapfung und des Spitzen- 
stosses zeigten, dass auch das Herz nach oben ver¬ 
drängt war. 

Verlagerungen des Magens oder der Darmschlingen in 
die Brusthöhle hinein kommen last ausschliesslich da¬ 
durch zu Stande, dass diese Theile durch Löcher im 
Zwerchfell hindurchtreteu; wir haben es dann mit 
einer sogen. Z w erchfe 11 she rnie zu thun. Nur 
sehr selten sind ähnliche Lageanomalien der Bauchein¬ 
geweide bei intactem Zwerchfell, wo es sich dann um 
eine kuppen- oder haubenförmige Ausbuchtung des 
Zwerchfells nach oben handelt, — Cruveilhier hat 
diesen Zustand als «Eventration» bezeichnet. In unse¬ 
rem Fall nun konnte von einer Eventration nicht die 
Rede sein und nur eine Zwerchfellshernie vorliegen, 
denn nur bei einer solchon, d. h. beim Durchtritt von 
Magen- oder Darratbeilen durch eine relativ enge Bruch¬ 
pforte sind locale meteoristische Auftreibungen und Ein¬ 
klemmungserscheinungen keine Seltenheit und leicht zu 
verstehen, während sie bei Eventration kaum Vorkom¬ 
men dürften. Die Eventration entzieht sich übrigens 
schon wegen ihrer grossen Seltenheit unserer Diagnose: 
nach Thoraa 6 ) sind unter 291 Fällen von Zwerehfells- 
hernien nur 8 Mal Eventrationen beobachtet worden. 

Wir hatten es also mit einer offenbar schon lange be¬ 
stehenden Zwerchfellshernie zu thun, die, wie schon vor 
20 und vor 5 Jahren, jetzt wieder zu einem acuten 
Darm Verschluss und den sogenannten Einklemmungser¬ 
scheinungen geführt hatte. Diese letzteren waren zur 
Zeit unserer Untersuchung schon fast ganz verschwan¬ 
den und nur die Schmerzhaftigkeit in der Bauchgegend 
erinnerte noch an den bedrohlichen Anfall. Die Durch¬ 
gängigkeit des Darmlumens hatte sich jedenfalls wieder 
hergestellt, wie die täglichen Stuhlentleerungen bewiesen. 

Uro wo möglich eine genauere Einsicht in die vor¬ 
liegenden anatomischen Veränderungen zu gewinnen, 
wurden noch folgende Untersuchungen vorgenommen : 

Es wurde durch den Oesophagus eine mit einer rnit- 
tejgrossen Olive versehene Fischbeinsonde eingeführt; 
irf der Höhe von 4.5 Ctm. hinter den Schneidezähnen 
stiess die Sonde auf einen gewissen Widerstand, der 
sich jedoch ohne grosse Gewalt Uberwindeu Hess ; hier¬ 
nach drang die Sonde ohne grosse Schwierigkeit in den 
Magen bis zur Tiefe von mehr als 50 Ctm. hinter der 
Zahnreihe. Auch die grösste der vorräthigen Elfen- 
beinoliven ging ohne dem Kranken Schmerzen zu ma¬ 
chen, nach einem geringen Aufenthalt in der Gegend 
der Cardia tief in den Magen. 

Eine elastische englische Magensonde, die 50 Ctm. 
tief, von den Schneidezähnen an gerechnet,, in den Ma¬ 
gen eingeführt wurde, beförderte weder Speisereste noch 
Gase herauf, obgleich Pat. vor 4'/* Stunden Thee und 
Weissbrod und vor 2 Stunden ein Glas Milch zu sich 
genomraeu hatte. Mit Hilfe der Bauchpresse wurden 
schliesslich 5-6 Ccm. einer röthlichbraunen sanguino¬ 
lenten, schleimigen Flüssigkeit durch das Schlundrohr 
exprimirt. Der luftkissenförmige Meteorisraus im Epi- 
gastrium wurde durch die Einführung des Schlund- 
rohres nicht verändert. 

Am 24 . Februar wurde Patient mit Röntgeu- 
strahlen untersucht. Leider scheiterte meine Absicht 
Röntgen-Photographien aufzunehmen an äusseren Um¬ 
ständen; ich musste mich daher damit begnügen, den 
Fluorescenz-Schirm mit dünnem durchsichtigem Paus¬ 
papier zu bedecken und auf dieses die Oonturen der 
Schattenbilder sorgfältig aufzuzeichnen. Nach diesen 

6 ) B. Thoma: Vier Fälle von Hernia diaphragroatica. 
Virch. Arch. 1882. Bd. 88. 


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LOG 


Contur^eichnungen sind die Fig. 3 nnd 4 in verkleiner¬ 
tem Massstab hergestellt. 




Fig;. 4. 

Röntgenbild. 

KückenanBicht der linken Thoraxhälfte. 

Fig. 3 stellt das Bild des Herzens und seiner Umge¬ 
bung dar, wie es sich zeigte, wenn Patient von hinten 
her in der Höhe des unteren Herzrandes durchleuchtet 
und der Schirm ihm vorn vor die Brust gehalten wurde. 
Man erkannte dann leicht den llerzschatten, dessen un¬ 
terer und rechter Rand deutlich pulsirten. Bei d ging 
der Herzschatten durch ein brückenartiges Verbindungs¬ 
stück iD den Schatten des Zwerchfells und der Leber 
über; die rechte Hälfte des Zwerchfells (b) stand höher 
als die linke und vollführte, wie das der senkrechte 
Pfeil andeuten soll, deutlich sichtbare, ausgiebige Athem- 
bewegungen. Die linke Zwerchfellspartie dagegen stand 
erheblich tiefer und liess auch bei tiefen Athemzügen 
keine oder nur ganz schwache Bewegungen erkennen. 
Das Auffallendste, etwas was bei normalen Verhältnissen 
nie zu sehen ist, war nun, dass sich zwischen unteren 
Herzrand und linkes Zwerchfell eine 5—8 Ctm. breite 
ganz helle Zone einschob, so dass das Herz um diese 
Breite in die Höhe gedrängt erschien. Nur an einer 
schmalen Stelle bei d hingen Herz- und Zwerchfell¬ 
schatten noch zusammen, und offenbar entspricht diese 
Stelle der Anheftung des Herzbeutels ans Diaphragma. 
Nach der Helligkeit der zwischengeschobenen Partie zu 
urtheilen, musste sich liier ein luftgefüllter Hohlraum 
befinden. Lateralwärts von der Herzspitze setzte sich 
dieser helle Bezirk ziemlich scharf mit einer horizonta¬ 
len Grenze gegen einen leichten Schatten ab, den ich 
für die coraprimirte Lunge ansprechen muss. 


Bei der Besichtigung (cf. Fig. 4) von hinten, wobei 
die leuchtende Röhre vor der linken Mamilla stand, 
erkannte man sofort den Schatten der linken Zwerch¬ 
fellshälfte, der Wirbelsäule und des -Herzens und der 
die Seitenfläche des Brustkorbes bedeckenden Weich- 
theile. Ueber dem Zwerchfell erhob sich ein heller 
durch eine kuppelförmige Grenzlinie überwölbter Bezirk, 
der sich sehr scharf und deutlich gegen den Schatten 
der übergelagerten Lunge abhob. Innerhalb dieses hel¬ 
len Bezirkes, der natürlich nur einen zwischen Zwerch¬ 
fell und unterer Lungenoberfläche gelegenen lufthaltigen 
Hohlraum bedeuten konnte, bemerkte man einen leich¬ 
ten senkrecht gestellten, oben gabelartig gespaltenen 
Schatten, durch welchen die ganze helle Figur eine 
unverkennbare Aehnlichkeit mit einer stark geblähten 
zusammengekrümmten Darmschlinge erhielt. Ein dem 
meinigen sehr ähnliches Bild hat Stuppler (1. c.) 
veröffentlicht. 

Der Versuch, ein weiches mit Schrot angefülltes 
Schlundrohr einzuführen und auf dem fluorescireoden 
Schirm sichtbar zu machen, misslang, da es auf keine 
Weise glückte, das Rohr Uber die Gegend der Cardia 
hinüber zu bringen. 

Versuchen wir nun uns über die vorliegenden Ver¬ 
änderungen Rechenschaft zu geben, so fragt sich zu¬ 
nächst, was für Organe in die linke Brusthöhle über¬ 
getreten sein könnten und ferner an welcher Stelle des 
Zwerchfells die Bruchpforte liegen dürfte. Dass es sich 
jedenfalls um lufthaltige Hohlorgane handeln raüsso, 
konnte nach dem physikalischen Befund wie nach den 
Röntgenbildern nicht bezweifelt werden. Wir wissen, 
dass in der grossen Mehrzahl der Fälle entweder der 
Magen oder Theile des Dickdarms oder, was meistens 
der Fall ist, Magen and Dickdarm zusammen in die 
Brusthöhle prolabiren. Auch in unserem Falle war an 
einem Vorfall des Dickdarms nicht zu zweifeln, dafür 
sprach die acute Koth- und Gassperre, mit 9er die letzte 
Erkrankung begonnen hatte, und dafür sprach vor Allem 
die locale meteoristische Blähung im Epigastrium, die 
nur auf das Colon transversum oder den Magen bezo¬ 
gen werden konnte. Nun ist aber nicht wohl zu ver¬ 
stehen, wie bei einem Prolaps des Magens oder eines 
Theiies desselben in die linke Brusthöhle der noch im 
Bauchraume verbliebene Theil sich meteoristisch auf- 
blähen sollte, und dazu noch zu solchen Dimensionen, 
wie sie in unserem Fall Vorlagen. Dagegen ist es wohl 
verständlich, dass wenn der in die Brusthöhle prolabirte 
Theil des Dickdarmes (meist ist es die linke Hälfte des 
Colon transvers. und die Gegend der Flexura linealis) 
an irgend einer Stelle abgeknickt oder irgendwie unweg¬ 
sam wird, der im Bauchraume verbliebene zuführende 
Schenkel, der dann vorwiegend im Epigastrium liegen 
muss, der Aufblähung verfällt. Stellen wir uns nun 
vor, dass bei einer einigermassen geräumigen Bruch¬ 
pforte die Abknickung oder der Verschluss am ausfüh¬ 
renden Schenkel des Darmrohres erfolgt sei, so wird 
die Gasblähung in den prolabirten im Brustraum befind¬ 
lichen Darmschlingeu stattfinden und sich von hier con- 
tinuirlich auf den zuführenden abdominalen Theil fort¬ 
pflanzen müssen. Bleibt die Communication zwischen 
zuführendem und prolabirtera Darmstück offen, so muss 
sich das Bild unseres Falles ergeben, wo alle Darmge¬ 
räusche ebenso wie die künstlich erzeugten metallischen 
Schallphänomene sich aus dem prolabirten in den epi¬ 
gastrischen Theil des Darmes fortpflanzten und umge¬ 
kehrt. 

Wenn wir nun auch mit grosser Sicherheit anuehmen 
können, dass es sich um den Eintritt des Dickdarmes 
in die Brusthöhle handele, so musste doch noch die 
Frage offen bleiben, ob nicht ausserdem auch der 
Magen an der Bildung der Hernie betheiligt sei. Eine 


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- --J 



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Verlagerung des ganzen Magens in die Brusthöhle 
konnte wohl ausgeschlossen werden, denn bei einer sol¬ 
chen hätten die Fischbeinsonde und die steifen engli¬ 
schen Schlundsonden sich nicht so tief in den Magen 
einführen lassen, aber ein partiellerUebertritt etwa des Fun¬ 
dus in die Brusthöhle war immerhin möglich, ja vielleicht- 
sogar wahrscheinlich, weil wie wir sahen die Sondiruog des 
Magens einen etwas blutigen Inhalt ergab, was auf Cir- 
cnlationsstörungen in der Schleimhaut hinwies, die ihrer¬ 
seits bei einer theilweisen Verlagerung und Zerrung 
oder Einklemmung des Magens in die Bruchpforte leicht 
zu versteheu wären. - Lufteinblasungen per os oder 
per rectum hätten diese Frage vielleicht noch weiter 
geklärt, allein ich hielt mich im Interesse des Kranken zu 
solchen Eingriffen, die vielleicht eine neue Knickung 
oder hinkleminung hervorgerufen hätten, nicht für be¬ 
rechtigt, zumal der locale Meteorismus des Colon trans- 
versum erkennen liess, dass die Folgen des acuten Darm¬ 
verschlusses noch nicht völlig überwunden waren. 

Schon die physikalische Untersuchung hatte gezeigt, 
dass der linke Leberlappen der Bauchwand nicht anlag, 
sondern wahrscheinlich durch' den meteoristisch aufge¬ 
triebenen Darm nach hinten in die Zwerchfellskuppe 
verdrängt war und dass zugleich auch das Herz nach 
oben verschoben war. Das von der Vorderseite aufge¬ 
nommene Röntgenbild bestätigte diesen letzteren Befund 
und zeigte, dass sich der luftgefüllte Darm zwischen 
Zwerchfell und Herz hineingeschoben hatte. Vielleicht 
lässt sich aus dieser Lagerung des Darmes der Schluss 
ziehen, dass die Bruchpforte, der lochförmige Defect im 
Diaphragma an der obereu Peripherie zwischen der 
Portio sternalis und Portio costalis des letzteren gelegen 
ist. An dieser Stelle, die normaliter eiuen schlitzför¬ 
migen nur mit lockerem Bindegewebe ausgekleideten 
Spalt bildet, befindet sich bekanntlich eine Praedilections- 
stelle Für Zwerchfellsdefecte, und wenn der Darm von 
hieraus in die Brusthöhle eintritt, so muss er allerdings 
direct unter das Herz gelangen und dasselbe nach oben 
verdrängen und zugleich mit seinem zuführenden Ab¬ 
schnitt das Epigastrium ausfüllen und vor die Leber 
treten. Wenn dagegen die Bruchpforte im seitlichen 
oder hinteren Theil des Zwerchfells sitzt, dann wird, 
wie das in der Mehrzahl der Fälle geschieht, das Herz 
durch die prolabirten Baucheingeweide horizontal nach 
rechts verschoben. 

Im Laufe der nächsten 2 Wochen besserte sich der 
Zustand unseres Kranken immer mehr. Die schmerz¬ 
haften Empfindungen im Epigastrium schwanden ganz 
und in der linken Brusthöhle wurden überhaupt keine 
ungewöhnlichen Empfindungen wahrgenommen; Patient 
verlor die anfänglich recht auffallende Scheu vor allen 
stärkeren Bewegungen, fing an frei umherzugehen und 
konnte ohne Beschwerde Gegenstände von der Diele auf- 
heben. Er hatte täglich normalen Stuhl und ziemlich 
guten Appetit, vermied aber feste und schwere Speisen. 
Magensymptome waren nicht vorhanden. 

Am 12. März, einen Monat nach der plötzlichen Er¬ 
krankung fand sich folgendes: Der Bauch von normaler 
Gestalt, eine Auftreibung nicht mehr sichtbar, wohl 
aber fühlt man im Epigastrium bis herab zum Nabel 
reichend eine zweifellos vermehrte, Luftkissen ähnliche 
Resistenz, die sich nach unten scharf mit einer nach 
unten convexen Linie gegen die völlig weiche Re¬ 
sistenz des übrigen Bauches abhebt; so prall aber, wie 
zu Beginn ist diese locale meteoristisrhe Auftreibung 
sicher nicht mehr, auch giebt sie nicht den früheren 
lauten Paukenschall, sondern einen tiefen musikalisch- 
tympanitischen Percussionston. Die übrigen Partien des 
Bauches schallen hoch tympanitisch. Die Palpation des 
Bauches ist nirgends empfindlich; die Leber ist nicht 
palpabel, ihre Dämpfungsfigur ist normal geworden, und 


zieht sich durch den oberen Theil des Epigastriums nach 
links hinüber, wo sie mit der Herzdämpfung zusamraen- 
fliesst. Die letztere stösst mit ihrer unteren, äusseren 
Ecke an die Mamilla, wo auch der Spitzenstoss fühlbar 
ist (cf. die punctirten Contouren in Fig. l und 2). Der 
Bezirk des tief tympanitischen Schalles zieht sich unter¬ 
halb der Herz Leberdämpfuug in die linke Thoraxseite 
hinein, reicht aber nur«bis zur hinteren Axillarlinie und 
wird von oben und hinten her von der etwas gedämpft 
schallenden und abgeschwächtes Vesiculärathmen hören 
lassenden Luuge umgrenzt. 

Bei der Röntgendurchleuchtung zeigte sich auf dem 
vor die Brust gehaltenen Schirm dasselbe Bild von Herz 
und Zwerchfell wie am 24. Februar, nur ist die helle 
der Hernie angehörige Partie zwischen Herz und Zwerch¬ 
fell kleiner und schmäler geworden. 

Metallische Phänomene lassen sich in diesem Bezirk 
nur wahrnehmen, wenn man das Stäbchen-Plessimeter 
vorn unter der Leber aufsetzt und hinten am Thorax 
in der hinteren Axillarlinie auscultirt. Die Wasser- 
anfüllung des Magens giebt im Stehen keine Dämpfung, 
wohl aber kann man danach im Liegen durch Erschüt¬ 
tern des Oberbauches glucksendes Plätschern erzeugen, 
welches mit metallischem Beiklang im ganzen Bezirk 
des tief tympanitischen Schalles bis ans hintere Ende 
desselben gehört wird. Die eingeführte Schlundsonde 
erzeugt, wenn Luft durch dieselbe geblasen wird, metal¬ 
lisches Blasenspringen, welches gleichfalls im hinteren 
Ende des erwähnten Bezirkes hörbar ist. 

Am 14. März wird Patient, welcher sich jetzt ganz 
wohl fühlt und glaubt seine gewöhnlichen Arbeiten wie¬ 
der aufoehmen zu können, aus der Klinik entlassen. 

Die charakteristischen Symptome der Zwerchfellshernie 
haben sich, wie man sieht, unverändert erhalten und 
nur die Erscheinungen der inneren Darmeinklemmung 
sind geschwunden. Die Verlagerung des lufthaltigen 
Dickdarmes in die Brusthöhle dauert fort und ebenso, 
wenn auch in bedeutend geringerem Masse, die meteo¬ 
ritische Auftreibung des zuführenden Colouschenkels im 
Epigastrium. Ueber die Lage des Magens sind wir bis 
zuletzt im Unklaren geblieben, denn auch die letztange- 
führten Untersuchungen zeigen nur, dass der ganze 
oder ein Theil des Magens unter dem Zwerchfell und 
hinter dem geblähten Colon lag, aber über die Frage, 
ob nicht doch ein Theil des Magens in die Brusthöhle 
vorgefallen war, gestatten sie kein Urtheil. 

Unser Patient hat also die Klinik mit einer perma¬ 
nenten Zweichfellshernle verlassen, die ihm für gewöhn¬ 
lich keine Beschwerden macht, aber doch eine gewisse 
Erschwerung für die Bewegung des Darminhaltes setzen 
muss. Anders wenigstens lässt sich der anhaltende 
Meteorismus des Colon in der Oberbauchgegend nicht 
erklären. 

Von ernsterer Bedeutung für die Prognose ist die 
Gefahr der inneren Einklemmung, in welcher der Pa¬ 
tient, wie die Erfahrung lehrt, beständig schwebt. Schon 
3 Mal ist er von einer solchen befallen worden und ob 
sie sich wie bisher von selber lösen wird, ist sehr die 
Frage. Sind doch von allen bekannt gewordenen 
Zwerchfellshernien 16 pCt. an innerer Einklemmung zu 
Grunde gegangen. Andererseits giebt es freilich auch 
Fälle, die durch’s ganze Leben bis in’s hohe Alter be¬ 
standen haben, ohne je Beschwerden gemacht zu haben 
und die nur als Zufallsbefunde bei Sectionen entdeckt 
wurden. 

Wenn wir von den durch mechanische Gewalten, 
Traumen und Verwundungen hervorgerufenen Continui- 
tötstrennungen des Zwerchfells mit nachfolgendem Pro¬ 
laps der Baucheingeweide absehen, sind die übrigen 
Zwerchfellshernien wohl sämmtlich auf einen angebore¬ 
nen Defect im Zwerchfell zurückzuführen. Mit den 


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108 


grösseren Defecten wird wohl immer von vornherein, 
d. h. schon ans der Periode der fötalen Entwickelung 
her, ein Vorfall oder eine Verlagerung eines Theiles der 
Baucheingeweide in die Brusthöhle verbunden sein; bei 
den kleineren angeborenen Löchern oder Spalten des 
Zwerchfelles braucht das aber, wie z. B. die Beobach¬ 
tungen von Naumann 1 ), Abel 8 ) und Niemöller 9 ) 
aus der letzten Zeit erhärten, flicht der Fall zu sein. 
■Hier kann der Defect, die Bruchpforte lange präforrairt 
bestehen, ohne dass ein Eingeweide in dieselbe hinein¬ 
gelagert oder hindurch geschlüpft sein muss; ein Diät- 
fehler, abnorme Peristaltik, Erbrechen, eine plötzliche 
Anstrengung der Bauchpresse u.s.w. können in solchen 
Fällen die Gelegenheitsursache zum Durchtritt der Ein¬ 
geweide durch das Zwerchfellsloch abgeben und so die 
Hernie plötzlich manifest machen und vielleicht sofort 
Einklemmungserscheinungen hervorrufen. 

Bei unserem Patienten hat es sich offenbar nicht nur 
um einen angeborenen Zwerchfellsdefect, sondern zu¬ 
gleich auch um eine schon aus der Fötalzeit stammende 
Verlagerung der Eingeweide, also um eine angeborene 
manifeste Hernie gehandelt; dafür spricht, dass die Her¬ 
nie, welche schon vor 20 Jahren Einkleramungserschei- 
nungen gemacht hat, also jedenfalls nicht jüngeren Da¬ 
tums ist, auch bei völligem Wohlbefinden des Patienten 
ruhig fortbesteht und von ihm durchaus nicht als etwas 
Abnormes empfunden wird. 

Ueber die Entstehung und die Ursache der angebore¬ 
nen Hernien ist Yiel discutirt worden. Man hat sich 
mit der Annahme von «Hemmungsbildungen* und «in¬ 
trauterinen Traumen» zu helfen gesucht, ohne doch con- 
crete Vorstellungen mit diesen Hypothesen verbinden 
zu können. Einen wichtigen Fortschritt in dieser Frage 
haben erst die aus der Koch’schen Klinik in Dorpat 
erschienenen Arbeiten* 0 ) gebracht, welche es wahrschein¬ 
lich machen, dass wir es hier mit Rückschlägen in 
solche Bildungsforraen zu thnn haben, welche niederen, 
Thierkreisen angehören, bei denen das Zwerchfell ent¬ 
weder ganz fehlt (Amphibien) oder nicht zu einer voll¬ 
kommenen Entwickelung gelangt. 

So ist vom Standpunct der Phylogenese ein Verständ¬ 
nis zu erlangen für die Bildungsanomalie, als welche 
wir die Zwerchfellshernie auffassen. 


BDcheranzelgen und Besprechungen. 


P. J. Moebius: Geschlecht und Krankheit. (Halle 1903. 

Marbold). 

In einer Reihe von wissenschaftlichen Abhandlungen, die 
jedoch dem Verständniss gebildeter Laien auch zugänglich 
sein sollen, beabsichtigt M. die Gescblechtsunterschiede kri¬ 
tisch z« erörtern. Im ersten vorliegenden Heft wird das Ver¬ 
hält niss in der flänfigkeit des Befallen seine beider Geschlechter 
an verschiedenen Krankheiten beleuchtet, auf Grand klini¬ 
schen und statistischen Materials. Es geht hervor, dass 
Frauen häufiger an von natürlichen Geschlechtsunterschieden 
abhängigen, Männer dagegen an von socialen Bedingungen 
abhängigen Krankheiten leiden. Die Meinung, das Weib sei 
langlebiger als der Mann ist Aberglaube, «gäbe es keinen 
Alkohol und keine venerischen Kraukheiten, so würden die 
Männer weniger krank sein and länger leben als die Weiber». 

V o s 8. 


’) Neumann: Zur operativen Behandlung der Zwerch¬ 
fellshernien. Deutsche med. Wochenschr. 1894, Nr. 33. 

“)Abel. Angeborner linksseitiger Zwerchfellsdefect etc. 
Berl. kl. Wochenschr. 1894. Nr. 4 u. 5, 

•) N i e ra ö 11 e r. Ein eigenlhüml. Fall von Hernia diaphrag- 
matica. Berl. kl. Wochenschr. 1892, pag. 355. 

J< ') Arbeiten der chirnrg. Universitätsklinik Dorpat, heraus¬ 
gegeben von Wilh. Koch, Heft II. Znr Entwicklungsge¬ 
schichte der Dickdarmbrüche. Leipzig. F. C. W. Vogel 1899. 


Martins: Fuuctionellö Neurosen. III. Heft aus «Pa¬ 
thogenese iunerer Kraukheiten». (Denticke 1903 Leip¬ 
zig and Wien). 

Fassend auf der modernen psychologisch-pathologischen 
Denkweise giebt M. eine gute Darstellung der Entstehung 
der sog. «functioneilen Neurosen». Mit Recht wird die Hypo¬ 
chondrie ansgeschieden nnd den psychischen Krankheiten itn 
e. 8. zugezählt, die bezüglichen Kfagen der Neurastheniker 
und Hysterischen sind gewiss besser als «Nosophobische» zu 
bezeichnen. Wohltbuend berührt die Objectivität in der Be¬ 
trachtung auch hochmoderner nur allzu snggestionsstarker 
Theorien. Wie leicht verständlich, hat die psychogenetische 
Erörterung der Neurasthenie viel an Bedeutung vor der Hy¬ 
sterie voraas, deren Besprechung sich ganz an die J a n e t’- 
schen Lehren anschliesst- In Deutschland scheint die Hysterie 
namentlich in ihren ausgesprochenen Formen eben ungleich 
seltener zu sein als ihre nahe Verwandte, die Neurasthenie. 

Vos 8. 

Löwenfeld: Sexualleben und Nervenleiden. Dritt«? 
bedeutend vermehrte Auflage. (Wiesbaden 1903. Berg¬ 
mann). 

Der zeitgemässe nnd interessante Gegenstand ist von L- 
in anorkennenswerther Weise bearbeitet worden. Wie auch 
in anderen Werken desselben Verfasser’s bildet die sorgfäl¬ 
tige Behandlung der einschlägigen Literatur sowie eigene 
reicht Erfahrung die solide Grundlage der Erörterungen. Die 
ruhige Beurtheilung und Abschätzung strittiger Gebiete (bei¬ 
spielsweise der gynaekologwchen Grenzfälle) ist bei der Hitze 
des momentan wogenden Kampfes anerkennenswerth. Wir 
können den Wunsch nicht unterdrücken, dass jeder vielbe¬ 
schäftigte Gynaekologe das vorliegende Werk berücksichtigt, 
dessen Ausführungen völlig übereinstimmen mit dem wohlbe- 
grttndeten Urtheil moderner Gynaekologen (T h e i 1 h a b e r, 
K r ö n i g etc.). Andererseits wird jeder Neurologe an der 
Hand L ’s Verständniss gewinnen können für die Schwierig¬ 
keit und kaum zu überschätzende Bedeutung 
des Sexnallebeu’s im Werden und Sein des modernen 
Menscheu. Man wird sich nicht leicht der Ueberzeugung ver 
sehliessen können, dass eine Sanierung des ehelichen und 
ansserehelichen Geschlechtsleben^ als Hauptmittel znr Be¬ 
kämpfung der Nervenleiden anzusehen ist. 

Voss. 

Lander Brunton: Action des Medicaments etc. 
traduit par Bouqu6 et Heymans. (Paris 1902. Carre 
& Naud). 

Der stattliche Band enthält Vorlesungen, deren Gegen¬ 
stand etwa dem entsprechen würde, wa* wir als «Allgemeine* 
Therapie mit Einschluss einer Allgemeinen Pharmakologie 
bezeichnen würden. Entsprechend der Vorlesnngsform ist das 
Buch recht klar und kurz geschrieben, es ist mehr auf prak¬ 
tische Bedürfnisse als auf wissenschaftliche Genanigkeit zu¬ 
geschnitten. Unter dieseu Umständen ist es wenn auch nicht 
zum Studium der Pharmakologie, so doch zu anregender Lec- 
ture recht geeignet. Die Vielseitigkeit des Stoffs bietet ge¬ 
nügend Gelegenheit zur Bereicherung des Wissens. 

V o 8 8. 


Protokolle des XIV. Aerztetages 
der Gesellschaft Llvländischer Aerzte in. 
Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. 

Erste Sitzung. 

Montag den 2. September 1902, von 9—1 Uhr Vormittags. 

Zur Frage der obligatorischen Einführung 
des Normalstat uts für Kirchspiels-Aerzte 
in Livland. 

Wir erhalten folgende Zuschrift: 

Unter diesem Titel berichtet die «Düna-Zeitung» am 2B. 
Juni c. (Nr. 143) über die Thätigkeit der Commission, welcher 
der Livländische Landtag beauftragt hatte, «die von dem 
livl. Aerztetage intendirte obligatorisch© 
Einführung des Normalstatuts» zu begutachten 
Zunächst sollte hierzu eine Enquete ius Werk gesetzt wer¬ 
den. «Es stellte sich jedoch schon bei der Befragung der 
Landärzte in 4 Kreisen eine so ausgesprochene Abneigung- 
gegen die obligatorische Einführung des Nor mal Statuts her¬ 
aus, dass von einer Durchführung der Enquete im ganzen. 
Lande wohl abgesehen werden durfte. Die Commission 




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glaubte von der Voraussetzung ausgehen zu dürfen, dass bei 
der offenbaren Unlust der Kirchspielsconvente, das Statut an¬ 
zuwenden, nur der energische Wunsch der grossen Mehrzahl 
der Landärzte auf Einführung des Normalstatuts und ihre 
wohlbegrtindete Meinung, dass hierdurch der Sanitätsfrage 
am besten gedient werde, den Gedanken an eine so rigorose 
MasBregel rechtfertigen könne. Es erwies sich aber, dass die 
Aerzte des Rigaseben, Wendenschen, Walkschen nnd 
Werroschen Kreises, so weit sie haben befragt werden kön¬ 
nen-, fast einstimmig die allgemeine Einfüh¬ 
rung d e 8 Normalstatnts ablehnten». Ich habe 
utörtlich citirt. Wer den Artikel liest, ohne die complicirte 
Angelegenheit genau zn kennen, muss sich e i u sehr un¬ 
günstiges Unheil über den livl&ndischeu Aerztetag nnd dessen 
Geschäftsführung bilden. Er könnte glauben, dass die In¬ 
ländischen Aerzte über ihre Heimath und ihre eigenen Le- 
bensbedingungen nicht Bescheid wüssten oder haltlos in ihren 
Beschlüssen hin- und herschwankten oder gar, dass das ver¬ 
antwortliche Präsidium der Aerztetage, weil es seine Compe- 
tenz überschritten habe, von den Collegen desavouirt 
worden sei. Ich bin überzeugt, dass es nur wenige Gleich- 
gütige oder Misswollende giebt, die diese . Meinung haben, 
aber sie könnten Diejenigen beeinflussen, die keine oder nur 
eine geringe Kenntniss von der Sache haben. 

Schon im Jahre 1891 auf dem III. Li v 1 ä n di s c h e n 
Aerztetag in Walk (cf. Protokoll der 2. Sitzung pag. 3 
bis 15) wird der sanitäre Nothatand auf dem Lande, die 
Schwierigkeit der Krankenversorgung, die ungenügende An¬ 
zahl und Einrichtung der Hospitäler, die schwierige Lage 
der Aerzte hervorgehoben. Anwesend i 81 Aerzte. Bei der 
Discussion über eine Reorganisation weist der Präses (Dr. 
Tr u hart) auf die grossen Schwierigkeiten hin, da es sich 
um eine Geldfrage handele und die Prästandeufrage der Lö¬ 
sung harre. 

Wie ans den Protocolleu des V. Aerztetages in Jurjew 
1893 (vom 1.—3. September pag. 3—16) hervorgeht, legt, der 
Präses (Dr. Tr u hart) ein von eiuer dazu erwählten Land¬ 
tags-Commission ansgearbeitetes und später vom Livl. Land¬ 
tage nahezu in vollständig gleichem Sinne acccptirtes Project 
vor,, welches die sanitäre Organisatiou Livlands 
in umfassender Weise regelt. Zugleich wird die Beorga¬ 
nisation des Hebamnienwesens auf dem Lande 
und die 1 r r e n f ü r s o r g e einer eingehenden Behandlung 
unterworfen. Der Entwurf eines vom Aerztetag angenomme¬ 
nen neuen H e b a m m e n b ta t u t s wird vom Präses 
(Dr. Trnhart) der Medicinal-Abtheilung so¬ 
wohl Wie auch der gelegentlich des damali- 
en ordentlichen Landtages versammelten 
itter - und Landschaft unterbreitet (pag. 13). 
Anwesend:.136 Aerzte. 

Seit dem Jahre 1891 hat der Livländische Aerztetag sich 
unablässig mit den erwähnten Fragen beschäftigt. Auf dem 
XI. Aerztetag 1899 wurde eine Commission erwählt (Dr. 
K o p f f e r, Dr. Treymann, Dr. T r u li a r t), die ihr Gut¬ 
achten über das «Normalstatut zur Anstellung von Kirch- 
spielsärzten in Livland» abgeben sollte. 

Darüber erstattete eingehenden Bericht Dr. Knpffer- 
Talkhof auf dem XII. Aerztetag in Wenden, 31. Au¬ 
gust bis 2. September 1900. Der Bericht ist enthalten 
in den Protocollen des XII. Aerztetages. Anwesend waren 
84 Aerzte, von denen 9 aus Kurland, Estland und Ssara- 
tow stammten, 23 i n Biga nnd 52 in den übrigen Städ¬ 
ten und auf dem flachen Lande in Livland ansässig 
waren! Ich hatte die Ehre diesem Aerztetage zu präsidiren. 
Die Discussion über das Normalstatut war kurz. Sie nimmt 
im Protocoll der 1. Sitzung am 31. August 1900 etwa2Druck¬ 
seiten ein (pag. 15—17). Auf pag. 17 heisst es: 

«Der Vorschlag des Präses — die Versammlung möge sich 
für die Einführung des Normalstatuts aussprechen und den 
Vorstand autorisiren, diese Stellungnahme des Aerztetages 
zum Normalstatut der livländischen Ritterschaft 
und der Medicinaiver walt ung zur Kenntniss 
zu bringen — wird einstimmig angenommen». Dr. K u p f- 
fer wird ausserdem beauftragt, in der Tagespresse seine die 
wichtige Sacke erläuternden Arbeiten zu veröffentlichen — 
eine Aufgabe, die er mit aufopfernder Hingabe erfüllt hat. 
Diesen einstimmigen Beschluss des XII. Aerzte¬ 
tages der Gesellschaft livländischer Aerzte 
habe ich pflichtgemäss zur Kenntniss der 
Medicinal-Vorwaltung und der livländischen 
Ritterschaft gebracht im Interesse unseres Aerzte- 
standes, der sich seiner höchst schwierigen Lage wohl be¬ 
wusst ist. Dass die von der Gesellschaft livländischer Aerzte 
seit einem Jahrzehnt sorgfältig erwogene nnd wohlbegrnn- 
dete Sanitätsreform Livlands in der vom XII. Aerztetage 
vorgeschlagenen Form abgelehnt wurde, hat seine 
triftigen guten Gründe. Die Hindernisse erschienen 
dem Vorstand von vornherein gross, aber nicht 
unüberwindlich. Und eine gute, aufs Gemeinwohl ge¬ 


richtete, von Gesinnungsgenossen bereitwillig unterstützte 
That darf immer auf Erfolg hoffen. Dass der Erfolg aus- 
blieb, wird gewiss kein billig nnd gerecht Urtheilender den 
anf dem XII. Aerztecongress versammelten Aerzten znm Vor¬ 
wurf machen, nachdem sie e i n m ü t h i g im Interesse des 
Landes und ihres Standes den Entschluss gefasst hatten, 
einem offenkundigen Nothstande abzuhelfen. Nicht nur das 
Gelingen, auch das Misslingen hat wohlthätige Folgen. 

Dr. M. Trey man n, 

d. z. Präses der Gesellschaft livl. Aerzte. 

Biga, den 29. Juni 1902. 

In der That ist unsere Action zu Gunsten der Sanitär-Re- 
form Livlands als gescheitert zu betrachten. Und doch ist 
all unsre Mühe nicht verloren. Die wohlthätige Folge besteht 
in der vollkommenen Klärung der Situation ! die materielle 
Notlilage der Aerzte bleibt vorläufig unverändert dieselbe. 

* Sie ist bedingt darch volkswirtschaftliche Zustände, die in 
absehbarer Zeit eine Wandlung kaum erwarten lassen. Dabei 
lat es dennoch selbstverständlich, dass gerade die Aerzte die 
ideale Forderang, der Landbevölkerung womöglich unentgelt¬ 
liche ärztliche Hilfe zu verschaffen, durchaus anerkennen, 
dass wir die Schwierigkeiten, mit denen die livländische Bit¬ 
terschaft bei der sauitären Organisation Livlands zu kämpfen 
hat, nach Gebühr sorgfältig absebätzen, endlich, dass wir ge¬ 
gen düs Streben unserer dissentirenden Collegen nach einer 
unabhängigen, anscheinend aut freier Vereinbarung bejahen¬ 
den Stellung nicht ankämpfen. Wii- werden in unserer 
schwierigen Lage, die bis hierzu durch die wohlwollendsten 
Absichten und Handlungen nicht gebessert wurde, ebenso 
ausharren müssen, wie unsre Semstwo-Collegen, deren Ueber- 
arbeit die beste Kraft männlicher und weiblicher Aerzte in 
kurzer Zeit erschöpft, aber die klare Erkenntniss der Sachlage 
wird uns lehren, dass wir von keinem Anderen, als von uns 
selbst Hülfe zu erwarten haben. 

Als ich vor 4 Jahren in meinem Vortrage über «die so¬ 
ciale Stellung der Aerzte» (1898) diese Meinung aus¬ 
sprach, bezweifelten viele den Ernst der Situatiou des Aerzte- 
Standes- Soweit ich mir die Statistik im Laufe der Zeit zu¬ 
gängig machen konnte, ergiebt sich, dass an Gehalt für die 
Aerzte vom Staat und von den Communalverwaltungen in 
Summa circa 10 Milljonen Bubel verausgabt werden, Im Mit¬ 
tel 800 Bubel pro angestellten Arzt (uünazeitung Nr. 178, 
1897). Wenn das Privateinkommen der Aerzte hinzugerechnet 
wird, ergiebt sich heutzutage für den einzelnen Arzt Im ras¬ 
sischen Reich annähernd ein Jahreseinkommen von 1000 Bbl. 
Nach meinen eigenen Erfahrungen halte ich diese Schätzung 
im Ganzen and Grossen für zutreffend. Sie werden mich 
fragen: 

Wie soll in solcher Lebenslage ein Mann, der sich ver¬ 
pflichtet fühlt oder vielmehr gesetzlich gezwungen ist, Kran¬ 
ken und Leidenden Hilfe zn gewähren bei Tag und Nacht — 
wie soll er sich selbst helfen ? 

Die Selbsthilfe kann nur bestehen im Anschluss an die Ge¬ 
nossen und in gemeinsamer Abwehr unmöglich zu erfüllen¬ 
der Zwangsverpflichtungeu unter Anrufung des gesetzlichen 
Schutzes. Wenn also in Livland noch keine ärztliche Ge¬ 
bühr enordnnng und noch kein ärztlicher Rechts9chutz- 
verein existirte, so müssten die Vorarbeiten dazu heute 
schleanigst in Angriff genommen werden. Bei diesen Bemüh¬ 
ungen liegt wenigstens klar zu Tage Eins: Wir Aerzte 
trachten nicht nach Anhäufung materieller Güter, sondern 
nach Erhaltung unserer von allen Seiten bedrohten Lebens¬ 
kraft: um die schwersten Pflichten zu erfüllen, ohne Sehen % 
vor Krankheit oder Tod. Aber wir trachten auch nach Aner¬ 
kennung unserer ßerufsehre. 

«Was bringt zu Ehren? 

Sich wehren!» 

Wir könueu nichts Anderes und wir wollen nichts Anderes 
thun, als in Einigkeit uns wehren — im Rahmen der gesetz¬ 
lichen Ordnung, auf deren Schutz zu bauen auch wir Aerzt« 
ein Recht haben. Darauf beruht zunächst die Entwickelung 
unsres Aerztestandes, der überall einen wesentlichen Factor 
des complicirteu Gemeinschaftslebens bildet. Nur einen 
Hemmschuh giebt es auf unserem Lebenswege, das ist die 
Uneinigkeit im eigenen Feldlager, die unter den anderen 
Kämpfern ums Dasein den Gedanken erweckt: «Divide et irn- 
pera». Wenn wir einig bleiben, werden wir auch die Misser¬ 
folge in lauter Erfolge umwandeln. Wer daran nicht glaubt 
oder der Ungeduld die Zügel Bchiessen lässt, der kennt nicht 
die Kämpfe und Leiden der russischen Aerzte inmitten der 
segensreichen sanitären Einrichtungen der Seinstwo, der bat 
niemals die ungeheuren Schwierigkeiten der Lebenslage un¬ 
serer Collegen in den Nachbarstaaten Oesterreich und 
Deutschland zum Vergleich Irerangezogeu, der hat auch nicht 
anf die Veränderungen geachtet, die wir indem letzten 
Jahrzehnt erlebt haben. 

Die Gebührenordnung für das Land und die kleinen Städte 
bat ohne Widerspruch seitens des Pnblicums die früheren 
niedrigen Honorarsätze verdrängt. Ueberhaupt ist es vielen 


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Collegen aufgefallen, däss da? Publicum in Stadt und Land 
den Aerzten viel mehr Interesse und Wohlwollen beweist, als 
früher, weil es jetzt erst die im Verborgenen wachsende 
Notblage der Aerzte kennen gelernt hat. Wie zu erwarten 
war, bat sich die Gebührenordnung, weil sie einem längst ge¬ 
fühlte» Bedürfnis der Aerzte und Klienten entgegenkam, im 
Grossen und Ganzen, so zu sagen, eingolebt. 

Dass die Aerzte auf Verfügung des Unterrichtsininisters 
neuerdings Sitz und Stimme in den Conferenzen der Pädago¬ 
gen erhalten sollen, ist eine höchst bemerkenswerthe, die 
Werthschätzung unseres Berufes charakterisirende Entschei¬ 
dung. Viel wichtiger noch ist für uns die Erklärung einer 
competenten hohen Behörde, dass die einst höchst wcrthvolle 
ärztliche Gebührenordnung Peters des Grossenden ge¬ 
genwärtigen Verhältnissen nicht mehr ent¬ 
spreche. Es ist wohl kaum zu bezweifelu, dass diese ver¬ 
altete Gebührenordnung, die heutzutage vermöge ihrer Ge 
setzeskraft jede berechtigte ärztliche Honorarforderung illuso¬ 
risch machen kann nnd oft genug zum Schaden der Aerzte 
von den Patienten und von den Richtern herbeigezogen 
wurde, binnen Kurzem aufgehoben werden wird. 

Unsre Bitte um Bestätigung der vom Livländischen 
Aerztetag vorgestellten Gebührenordnung halte das 
Ziel vor Augen ein veraltetes Gesetz durch eine den moder¬ 
nen Anforderungen gerecht werdende gesetzliche Regelung 
zu Gunsten der Aerzte abznändern. Erst dann, wenn unter 
den zahlreichen Beschränkungen der ärztlichen Praxis die 
härteste, die gesetzlich sanctionirte alte Fessel 
fällt, kann die Entwickelung des Aerztestandes gedeihen Un¬ 
sere Gesellschaft, erwartete diesen Fortschritt von der Ein¬ 
führung einer n e u e n, unter der Mitwirkung der 
Aerzte geschaffenen, Gebührenordnung. Denn 
nur eine von sachverständigen und humanen Aerzten aufge¬ 
stellte Norm kann in Conflictsfällen das Publicum und die 
Richter orieutiren nnd zu einer gerechten Beortheilung des 
ärztlichen Thuns beitragen. Es ist nun aber höchst wahr¬ 
scheinlich, dass die Staatsregierung auch unsrer neuaufge- 
steilten ärztlichen Taxe die gesetzliche Sanction verweigern 
wird. Das wäie keineswegs zu bedauern, sondern würde dem 
Aerztestande grade zu einer normalen Entwickelung ver¬ 
helfen. Das, wessen wir bedürfen, ist eine Aufhebung der 
Zwangsgeseize alter Zeiten. Sobald sie verschwinden, köunen 
wir auch die gesetzliche Fixirnug der neuen Ge¬ 
bührenordnung missen- Ich sage: die gesetzliche 
Fixirnng, nicht etwa die Gebührenordnung 
selbst. Im Gegentbeil: wir bedürfen gerade in solchem 
Fall eines genauen Werthmessers der ärztlichen Leistungen, 
eiuer festen Norm, die den Gesetzen, Sitten, Gewohnheiten 
des Gouvernements oder Rayons peinlichst angepasst ist, fe¬ 
ster Honorarsätze, die übereinstimmend von allen Collegen 
angewandt und nötigenfalls dnrch den Rechtsscbutzverein 
vor dem gerichtlichen Forum geltend gemacht werden. Erst 
dann wird von einem sicheren Rechtsschutz und 
von einer freien Vereinbarung zwischen Arzt und 
Pnblicnm die Rede sein dürfen, wobei der Arzt seine Bedin¬ 
gungen in voller Freiheit, aber nach einer mit den Collegen 
vereinbarten Grundlage stellen muss. Heutzutage kann es 
gar keine freie Vereinbarung geben, weil zur Zeit der 
eine Parte, der Arzt (auch die Hebamme) vollständig gefes¬ 
selt ist. ist er aber einmal wirklich frei, so muss er sich 
auch vor dem Vorwurf der Willkür verwahren können. Diese 
nothwendige Bedingung wird durch die von uns ansgearbei¬ 
tete unentbehrliche Gebührenordnung erfüllt, die nichts ande¬ 
res sein wird und sein soll, als eine Schutzwehr für unsre 
Existenz, für unser Recht aut' Unabhängigkeit und für unse¬ 
ren guten Rnf. Wir sind also in der Lage die Consequenzen 
unsrer Erfolge und Misserfolge ruhig abwarten zu können 
mit der zuversichtlichen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. 
Dass wir einen schweren und steilen Weg vor Augen haben, 
darf nns nicht entmutigen. Wir stehen unter der Schicksals¬ 
macht unseres grossen und schweren Berufes. 

Zum Schluss habe ich noch mitzutheilen, dass die Verbin¬ 
dungen, die unsre Gesellschaft mit dem Osten nnd Westen 
der Europaeischen Aerztewelt anknüpfte, uns zwei Einla¬ 
dungen eingetragen haben: 

1) Zum XIV. internationalen Aerztlichen 
Congressin Madrid am 23.—30. April 1903, un¬ 
ter dem Praesidium des Dr.med.J u 1 i a n C a 11 e j a, 
dessen verbindliches Schreiben hier ausliegt. 

2) Zum Aerzte-Congres« in St. Petersburg zu 
Anfang Januar 1904, vom rührigen Organisa¬ 
tion s-Comite des IX. Aerztetages der russi¬ 
schen Aerzte zum Andenken Pirogoff’s. Hierbei das 
liebenswürdige Schreiben des Praeses Dr. ined. C. M. Luk- 
janow. 

Ans Riga ist die Anzeige an uns eingelaufen, dass am 4. 
März a. c. im Rigaschen Lettischen Verein eine mediciniach- 
wissenschaftliche Section sich constituirt hat nnter dem Prä¬ 
sidium des Dr. M. Lejin. — Dass im Juni a. c. der Natur¬ 


forscher Congress inHelsingfors getagt hat, ist wohl 
rechtzeitig durch die Presse za Ihrer Kenntniss gelangt. 

Dr. M. Treymann. 

d. z. Präses der Gesellschaft Livländischer Aerzte. 
(Fortsetzung folgt). 


Vermischtes. 


— Am 10. März vollenden sich 40 Jahre der ärält¬ 
lichen und 'wissenschaftlich-literarischen 
Thätigkeit des früheren ordentlichen Professors der Chi- 
rnrgie an der Miiitär-Medicinischen Akademie, Geheimratbs 
Dr. Paul Pelechin. — Nach Absolvirnng seiner Stadien 
an der früheren Medico-Chirargischen Akademie war der Ju¬ 
bilar anfangs Ordinator an der Augenklinik des Professor 
Ja nge, wurde darauf zu weiterer Vervollkommnung ins 
Ausland abcommandirt, wo er nnter Langenbeck, Vir- 
c h o w nnd anderen Berühmtheiten der Medicin arbeitete, nm 
dann nach seiner Rückkehr nach Russland den Lehrstuhl 
der Chirurgie an der Akademie einzonehmen. Itn Jahre 1889 
gab er nach 25jährigem Dienst seine Lehrthätigkeft auf, setzt 
aber bis jetzt noch in voller Rüstigkeit seine Praxis fort. 
Als Chirurg hat er sowohl am preussisch österreichischen 
Kriege als auch an dem letzten rnssisch-türkischen Feldzuge 
(bei Plewna und Ruschtschuk) theilgenomraen. 

— Zorn stellvertretenden estländischen 
OouvernementB-UedlcinalingDeotorigl der bis¬ 
herige Gehilfe des tanrischen Gouvernements-Medicinalinspec- 
tors Staatsrath KoBchelew ernannt worden. 

— Auf den Namen des im November 1899 v e r- 
Btorbenen Ar cliangelschen Go n verne ments- 
Medicinalinspectors Dr. Johann P11 c a t o s (be¬ 
kanntlich ein ehemaliger Jünger der Dorpater Universität) 
istein Stipendinm bei dem Archangelschen 
Knaben-Gymnasinm gestiftet worden. Zn den Stiftern 

eliören die Beamten der örtlichen MedicinalVerwaltung, mit 
em Medicinalinspector Dr. Ornatski an der Spitze, die 
Gesellschaft der Archangelschen Aerzte, sowie die dortigen 
Kreis- und Dorf-Aerzte. Das Stipendiencapital im Betrage 
von 1030 Rbl-, zn welchem die obengenannten Aerzte nnd 
Beamten beigestenert haben, soll vorzugsweise einem Sohne 
derselben zu Gute kommen. 

— Zum Corps atzt des 21. Armeecorps ist der 
bisherige Divisionsarzt der 33. Infanterie-Divisiou Staatsrath 
Dr. Hoene ernannt worden. — Dr. Hoene hat seine me- 
dicinische Ausbildung an der Dorpater Universität erhalten, 
aa welcher er von 1866—73 studirie und auch die Doctor* 
würde erlangte. 

— Der Prof. ord. für Nerven- und Geisteskrankheiten an 
der Universität Kasan wirk). Staatsrath Dr. Nikolai Po- 

ow ist auf den entsprechenden Lehrstuhl der 
dessaer Universität über ge führt worden. 

— Der bisherige ausserordentliche Professor der klinischen 
Propädeutik an der Universität Jurjew (Dorpat) Dr. N. Ssa- 
weljew ist zum ordentlichen Professor er¬ 
nannt worden. 

— Der «Reg.-Anz.» bringt soeben die Bestätigung des Dr. 
Michnow, Assistenten der Klinik am St. Petersburger 
weiblichen medicinischen Institut, als ausserordentli¬ 
cher Professor der Geburtshilfe und Gynäko¬ 
logie an der Universität Jurjew (Dorpat). 

— Der ausseretatmässige jüngere Beamte beim Medicinal- 
departement Dr. Winoeradow ist z u m Gehilfen des 
Astrach an sehen Gonverneme nts-Mediciual- 
inspectors ernannt worden. 

— Am 7. Februar beging dieAerztin Olga Maschkow- 
t e w das 25 jährige Jubiläum ihrer ärztlichen 
Thätigkeit. 

— Zum Oberarzt des Tiflis’s eben städtischen 
Michael-Hospitals ist der ältere Ordinator dieses 
Hospitals Staatsratb Dr. Gurko ernannt worden. 

— In der zweiten Conseilsitzung der Kiewer Universität 
haben bei der W a h 1 des Professors d e r c. h i r u r gi¬ 
sch en Hospitalklinik von den 7 Candidaten (cf. Nr. 
10 S. 99 dieser Wochenschrift) nur zwei die absolute Majori¬ 
tät erhalten, nnd zwar: der Professor der chirurgischen Pa¬ 
thologie der Kiewer Universität Dr. A. Pawlowski (37 
Stimmen pro und 32 contra) und der Privatdocent dieser 
Universität Dr. N. Wolkowitsch (36 gegen 33). Die 
endgiltige Entscheidung hängt vom Minister der Volksauf- 
klärung ab. 

— Zum Professor auf dem vacautenLehrBtuhl 
der Geburtshilfe uud Gynäkologie in Char¬ 
kow ist von der dortigen medicinischen Facultät, wie ver¬ 
lautet, der Privatdocent und Assistent bei der gynäkologi¬ 
schen Klinik Dr. Paul M i c h i n gewählt worden. 



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111 


— Verstorben: 1) Ara 8. März in St. Petersburg der 
Professor der speciellen Pathologie nnd Therapie an der Uni¬ 
versität Jnrjew (Dorpat) Dr. Stephan Wassiljew im 
Älter von 49 Jahren au Herzparalyse. Als Sohn eines Dia¬ 
kons bildete er sinh zum geistlichen Beruf aus, trat aber nach 
Absolvirnng des Don’schen geistlichen Seminars in die Me- 
dico-Chirnrgische Acaderaie ein. Nach Absolvirung des Arzt- 
exainens im Jahre 1879 wurde W. zur weiteren Vervollkomm¬ 
nung bei der Klinik des Prof. B o t k i n belassen und be¬ 
kleidete dann verschiedene medicinische Stellungen, bis er 
1892 zum Professor der Universität Jurjnw ernannt wurde. 
Seit dem vorigen Semester hielt er sinh wegen schwerer 
Krankheit in St. Petersburg auf und wurde während dieser 
Zeit in der Leitung der Klinik von Prof. Dr. Dehio ver¬ 
treten. Von 1889—1901 gab der Verstorbene in St. Peters¬ 
bore eine Zeitschrift «Medicina» heraus, in welcher er auch 
seine kleineren Arbeiten publicirte. — 2) In Moskau am 5. 
März der frühere lnspector und Oberarzt des dortigen Go- 
lizyn-Hospitals wirk). Staatsrath Dr. Nikolai Stnko- 
wenkow im 68. l^ebensjalire. Der Hingeschiedene, welcher 
über 45 Jahre als Arzt thätig gewesen ist, fungirte bis zum 
Jahre 1895 nis Oberarzt des obengenannten Krankenhauses 
nnd bis zu seinem Lebensende als Cousultant des Hospitals 
auf den Namen des Fürsten Sch tscherbatow; zugleich 
war er seit vielen Jahren Stadtverordneter in Moskau. — 3) 
Am 8. März in Moskau der Arzt am dortigen Hospital auf 
den Namen des Fürsten Tscherbatow Staatsrath Dr D. 
Udalzow, welcher seit 1880 die ärztliche Praxis dort ans- 
nbte und sich grosser Popularität erfreute. — 4) In Nowo- 
alexandrowsk (Gonv. Kowno) der dortige Kreisarzt Dr. 0. 
Ssatulow an Lyssa. Er war von Beinern Stubenhunde ge¬ 
bissen wotden, hatte es aber weiter nicht beachtet, bis An¬ 
zeichen von Lyssa auftraten, gegen welche die nnn vorge¬ 
nommenen Impfungen auf der Pasteurstation in Wilna er¬ 
folglos waren. — 5) In Pinsk (Gonv. Minsk) der Eisenbahu- 
arzt S. W. Pjechow im 44. Lebensjahre an Phthisis. Ob- 
scbon der Hingeschiedene 20 Jahre die ärztliche Praxis ans¬ 
geübt hat, so hat er doch seine Familie ganz mittellos hinter¬ 
lassen. — 6) In Leipzig der bekannte Zoologe Prof. Dr. Ju¬ 
lias C a r n 8 im Alter von nahezu 80 Jahren. Von Hause 
ans Arzt, erhielt er 1853 die Professur der vergleichenden 
Anatomie an der Universität Leipzig, an der er bis zn seinem 
Lebensende wirkte. Er schrieb ein «Handbuch der Zoologie» 
und eine «Geschichte der Zoologie», besondere Verdienste 
erwarb er sich aber durch die von ihm veranstalteten Ueber- 
setzungen von Darwin's Arbeiten. 

— Znra Präsidenten des medico-phi 1 antro- 
pischen Comites der Kaiserlichen Philantropischen Ge¬ 
sellschaft ist der Stadtverordnete Dr. Dechterew gewählt 
worden. 

— Der bekannte Chirnrg Prof. Mikniicz (Breslan) bat 
in der vorigen Woche eine ernste Operation an einer Fran 
B. in Charkow unter Assistenz Prof. Sara bi ns nnd meh¬ 
rerer Charkower Aerzte ausgeübt. 

— Im Poliawascben Landsehaftshospltal liegen gegenwärtig 
zwei junge Aerzte, welche mit einer Sanitätsabtheilnng zur 
Bekämpfung der im Poltawaschen'»ouveruemeut herrschenden 
Typhusepidemie abcommandirt sind, am Flecktyphus 
krank darnieder. Zugleich befindet sich ans dem Perso¬ 
nal der Abtheilnng auch ein typhuskranker Feldscher in die¬ 
sem Hospital in Behandlung. 

— Prof. Dr. Strümpell (Erlangen) ist nnnmebr definitiv 
als Nachfolger Kast’s in Breslau auf den Lehrstnbl für in¬ 
nere Uedicin, mit welchem die Direction der medicinischen 
Klinik verbunden ist, bestätigt 

— Am vorigen Sonnabend hat der nencreirte Privatdocent 
für Geburtshülfe und Gynäkologie Dr. Baron R. Bön¬ 
ninghausen-Budberg an der Universität Jurjew 
(Dorpat) seine Antritts-Vorlesung gehalten. 

— Der diesmalige Tiedemann-Preis ist von der Sen- 

ckenbtrgischen Naturforschenden Gesellschaft dem dnrch 
seine Krebsnntersnchnngen bekannten Zoologen Dr. Sclian- 
drin, Privatdocent der Berliner Universität, verliehen wor¬ 
den. (A. m. C.-Ztg.). 

— Die von der «Gesellschaft zur Fürsorge für Geisteskranke 
in Estland» begründete neue Irrenanstalt in See¬ 
wald bei Reval nähert sich ihrer Vollendung und wird vor¬ 
aussichtlich bereits im nächsten Herbst ihrer Bestimmung 
übergeben werden. 

— Der III. internalion a 1 e Congress für Tha¬ 
lassotherapie wird vom 6./19.—8./21. A pril d. J. (also 
kurz vor dem Madrider internationalen med. Cougress) in dem 
französischen Seebade Biarritz unter dem Vorsitz von Dr. 
Albert Bobin stattfinden. Der Mitgliedsbeitrag im Be¬ 
trage von 10 Frcs. ist unter der Adresse: «M. Raynaud, 
pbarmacien ä Biarritz» einzusenden. Vertreter in Russland 
«t Prof. G. E. Rein (UeTepöypn., Cnaccaafl yx., 37). 

— Die Zahl derLeprakranken InDeutschland 
beläuft sich nach amtlichen Feststellungen am Ende des 


Jahres 1902 auf 32, von denen 21 auf Prenssen, 7 ant Ham¬ 
borg, 2 auf Bayern nnd je 1 anf Mecklenburg-Schwerin und 
Elsass-Lothringen entfielen- Bf. 

— Die Gesamuiizahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 22. Feb. 
d. J. 9367 1 329 mehr als in d. Vorw.), darunter 552 Typhns — 
(6 mehr), 862 Syphilis — (50 mehr), 211 Scharlach — (24 wen-), 
117 Diphtherie — (1 wen.), 80 Masern — (11 wen.) nnd 124 
Pockenkranke — (2 wen. als in der Vorw.). 

Am 1. März d. J. betrag die Zahl der Kranken 9282(85 wen. 
als in der Vorwoche.), darunter 540 Typhus —(12 wen.), 846 
Syphilis — (16 wen.), 186 Scharlach — (25 wen.), 120 Diph¬ 
therie — (3 mehr), 73 Masern — (7 wen.) und 119 Pockenkranke 
(5 wen. als in der Vorw.) 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 9. bis zum 15. Februar 1903. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


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446 322 768 160 73 131 16 9 24 61 69 82 55 45 25 17 1 
2) nach den TodesurSachen: 

— Typh. exanth. 2. Typh.abd. 9, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 14. Masern21.Scharlach 7, 
Diphtherie 18, Croup 1, Keuchhusten 2, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 35. Erysipelas 5, Grippe 9, Cholera asiatica 0, 
Ruhr 2. Epidemische Meningitis 0, Acnter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0. 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2. Pyäroie und Septicanmie 8 
Tnbercolose der Lungen 108, Tubercnlose anderer Organe 22, 
Alkoholismus und Delirium tremens 12. Lebensschwäche nnd 
Atrophia infantum 38, Marasmus senilis 26, Krankheiten des 
Verdauungscanals 76, Todtgeborene 37. 

Für die Woche vom 23. Februar bis 1. März 1903. 

Zahl der Sterbefftlle: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 


tm Ganzen: 


M. W. Sa. 




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133 

17 

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22 

77 

67 

69 

45 48 20 


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2) nach den Todesarsacheq,. 

Typh. exanth. 3, Typh. abd. 17, Febris recurrens 1, Typhns 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 5, Masern 26, Scharlach 9, 
Diphtherie 16, Cronp 0, Keuchhusten 6. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 26, Erysipelas 3, Grippe 14, Cholera asiatica 
0, Ruhr 3, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 1, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 1, Puerperalfieber 1, Pyämie nnd Septicaemie 5, 
Tnberculose der Langen 117, Tubercnlose anderer Organe 20, 
Alkoholismas and Delirium tremens 5, Lebensschwäche and 
Atrophia infantum 42. Marasmus senilis 15, Krankheiten der 
Verdauungsorgane 64, Todtgeborene 37. 


*♦- Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 18. März 1903. 

Tagesordnung: 1)G. Albanus: Zur Caauistik der 
septischen Pneumonien. 

2) Fick: Ueber Peritonitis adhäsiva. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. April 1903." 


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112 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. RICKER in 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-tfhd ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


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0,10 der wirk- 0,01 in einem 
samen Substanz. Esslöffel. 


CASCARINE ist ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc- (Comptes rendus 
de VAcadtmie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. Laffont, Bulletin de l'Acadtmie de Me- 
decine , 14. Juni 1892) uud klinisch er¬ 
probt (Societö de Tbörapentique: Constan- 
tin Paal; Dujardiu-Beaumetz, Mtdications 
nonveiles , 2. sörie; Bibliothöqne Charcot- 
Debove, Purgatifs, p. 104; Prof. Lemoine, 

Lille, ThCrapeutique clinique, p. 305; Tisou, 
liöpital St.Joseph et Congräs ponr l’avan- 
cement dos Sciences, Bordeaux, 1895, 

Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liöge, 

Cours d'accouchements etc., etc.) 

Seine Wirkung ist constant, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der AnwenJungsweise ist Gewöhnung an 
das Mittel zu vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller Stnblverstopfnng, Leberleideu, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wncherung bei ßhenmatismns (Dr- Roux) etc. indicirt ist. 

u n • / PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 

Gewöhnliche Dosis | EL1XIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter {zu verringern od. zu steigern je nach d. Wirkung). 

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uMOuMnlUUIlLO „Cascnrtiie“ auf eine bestimmte Stunde zn beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir die Herren 
Aerzte „Cascarine Leprlnce“ zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: 62, Rue de la Tonr, Paris (16) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Döpots: in allen grösseren Apotheken nnd Drognenhandlungen Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalratli und der Minister des Innern das «Cascarine Leprinee» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (17) 26—11. 


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Man hüte sich vor Nachahmungen nnd bezeichne genau die Quelle. 


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DETROIT, MICH. U. 8 . A. LONDON, ENGLAND, ST. PETERSBURG. 

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Dr. J. Takamine, ist das einzige nnverfälschte und vollkommen 
sichere pharmacentische Präparat dieses Namens, welches von den 
medicinischen Autoritäten Enropa’s and Amerika’s angenommen ist. 

Adrenalin (Takamine) ist das wirksame Princip der Neben¬ 
nieren and wird in der Medicin sehr ott und verschiedenartig an¬ 
gewandt. 

Adrenalin (Takamine) innerlich eingenommen, steigert den Blut- , 
druck und veilangsamt den Puls. Auf den Herzmuskel wirkt es in / 
ähnlicher Weise wie Digitalis, nur stärker. 

Adrenalin (Takamine) ftnsserlich angewandt, bewirkt Ver¬ 
engerung der Arterien und die seinem Einflüsse ausgesetzten Kör- 
pertheile werden blutleer. Die Schleimhäute werden durch die Wir¬ 
kung des Adrenalin blass. Bei chirurgischer Behandlung der Au¬ 
gen-, Ohren-, Nasen- and Halskrankhelten ist es mittels Adrenalin 
(Takamine) möglich blutlose Operationen auszuftihren. 

Die klinischen Berichte bezeugen die hervorragenden Vor¬ 
züge des Adrenalin (Takamine) als eines stark adstringirenden und 
blutstillenden Mittels. 

Die therapeutische Anwendung des Adrenalin hat vorzügliche 
Resultate bei der Behandlung folgender Krankheiten ergeben: 

A d d i s s o ntacbe Krankheit, Chloroform-Synkope, Schnupfen 
und Erkältungen aller Art, Zahn-, Ohren-, Augen- und Halskrank- 
heiten, Herzfehler, Bluterbrechen, Blutharnen, Blutspeien Gebär¬ 
mutter-Blut,nngen, Verengung der Harnröhre, acutes Eczem, Skor¬ 
but, Dysenterie, Hämorrhoiden und dergl. 


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über Adrenalin vorhandene Literatur gratis versandt. Briefe bittet man zu adressiren: 

Parke, Davis <fc Co., St. Petersburg*. 

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Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger nnd Pflegerinnen für di« 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
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Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Elise Blau, JlnroBcicafl 58, kb. 15. 

Frau Adelheid von Fersen, Catba- 
rinencanal 81, Q. 20. 

Frau Tursan, Cnaccicaa 21, kb. 6. 

Alexandra Xasarinow, HsKoxaeBcxaa 
ya. a. 61, kb. 32. 

Onra OnftTaona, CeprimcK. 17 , kb. 1 I. 

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kb. 28, y Hobo KaaHHRHua MocTa. 


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114 


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1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frioser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3. Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6n6ral Th6rapeutique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Laumonier, Paris («Presse Medical» vom April 1901). 

6. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 n. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fnchs, Wien ans der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klio. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spalier aus der medic. Abtheiluug von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. ‘ 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissortationsarbeit Dr. de Moraes Miranda an der medicin. Facultät in Paris. 

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Jfo8B* U6H8. Cn6., 15 MapTa 1903 r. Herausgeber Dr.Rudolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke.Katharinenhofer Pr. Jft 16- 











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XXVIII. JAfifiGANG. fil 1 PKTFifl kSRTTR (tKR Neuü Folge XX. Jahrg. 

UEDICINISCHS W0CEEH5CBKIFI 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. . 


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tet inan an den geschäftsführenden RedacteurDr.Budolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag.Mittwoch u.Freitag von2 —3 Uhr. 


N 12 


St. Petersburg, den 22. März (4. April) 


1903 . 


Inhalt: Dr. med. H. Knochenstiern: Zur Aetiologie des Kieteihöhlenempyems. — Mittheilungen aus der Ge¬ 
sellschaft practischer Aerzte zu Riga. — Protokolle des XIV. Aerztetages der Gesellschaft Livländischer 
Aerzte in Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. — Vermischtes. — Auzeigen. 


Zur Aetiologie des Kieferhöhlenempyems. 

Von 

Dr. med. H. Knochenstiern. 

Vortrag, gehalten anf dem XIV. Livländischen Aerztetage 
in Fellin. - 

Meine Herren! 

Als Entstehungsnrsache eines Empyems der Oberkie¬ 
ferhöhle wird im Allgemeinen von den Autoren eine 
eitrige Nasenerkrankung oder eine Zahncaries respective 
Zahuperiostitis angenommen. Es werden ferner in der 
Literatur einzelne seltenere Fälle von Empyem ange¬ 
führt, die in Folge von eiogedrangenen Fremdkörpern, 
von Tobt-rknlose, Syphilis uud Neoplasmen entstanden 
sind. Doch bei der Mehrzahl der Empyeme wird man 
sich für den nasalen oder dentalen Ursprung zu ent¬ 
scheiden haben. Was den nasalen Ursprung betrifft, so 
ist es ohne weiteres verständlich, dass Individuen, die 
an chronischen, oft acerbirenden Nasencatarrhen leiden 
oder die von einer acuten lnfectionskrankheit befallen 
wurden, die begleitet war von einem eitrigen Process in 
dir Nase, dass dieselben Individuen gelegentlich ein 
Empyem der Highmorshöhle acquiriren. Diese klinische 
Beobachtung wird gestutzt durch bacteiiologische Be¬ 
funde. Sind doch schon im normalen Nasensecret Spalt¬ 
pilze. in grosser Menge und bei eitrigen Processen Sta- 
phylococcon, Streptococcen und der Friedländer’sche 
Diplococcus nachgcwiesen. Dmochowsky*) fand bei 
18 Fällen im Eiter der Kieferhöhle 3 Mal Staphylococ- 
cus pyogenes aureus, 10 Mal Bacillns pyogenes lötidus, 
3 Mal Streptococcus pyogenes, 2 Mal 1‘neumococcus 
Friedländer, 1 Mal Bacillus pyocyaneus. Wir sehen 
also, dass wir sowohl durch klinische als auch baoterio- 
logiscbe Beobachtung berechtigt sind, eine Infectiou der 
Highmorshöhle von der Nase her durch ihre physiolo¬ 
gische Commnnicationsöffnnng im Hiatus semilunaris an¬ 
zunehmen. —' Wir kommen jetzt zu dem dentalen Ur¬ 
sprung des Empyems, den wir uns so zu denken haben, 
dass Mikroben der Zahncaries durch die Alveole in die 


Highmorshöhle gelangen, um sie zu inficiren. Wenn wir 
uns den anatomischen Bau des Processus alvoolaris ver¬ 
gegenwärtigen, so müssen wir constatiren, dass die 
Zahnalveole von der Highmorshöhle durch eine mehr 
oder weniger dicke Knochenlamelle getrennt ist. Es 
gehört zu einer grossen Seltenheit, dass diese knöcherne 
Lamelle fehlt und dass die Zahnwurzel nur von Periost 
und Higkmorshöhlenschleimbaut bedeckt ist. 

In Erwägung dieser anatomischen Momente giebt es 
einige Autoren, die die dentile Genese als einen selte¬ 
nen Infeotionsmodus ansehen. Hier wäre der kürzlich 
verstorbene Wiener Rhinologe Prof. Störck“) zu nen¬ 
nen, der in seinem Lehrbuch die Ansicht vertritt, dass' 1 
in den meisten Fällen die Empyeme nasalen Ursprungs 
sind. Auch durch klinische Beobachtung gelangt er za 
demselben Resultat. 

Dmochowsky kommt in seiner preisgekrönten Ar- 
beit, in der er 304 Kieferhöhlen berücksichtigt hat, zum 
Schluss, dass der Einfluss d<*r Zähne ein minimaler ist 
und dass in den meisten Fällen wohl entzündliche Pro- 
cesse in der Nase als Ursache des Empyems zu gellen 
haben. 

Wertheim 3 ) hat 400 Sectionen gemacht und ver¬ 
mag uns keine anatomische Haudhabe zu geben, die den 
dentalen Ursprung des Kieferhöhlenempyems beweist. 

Was die Kliniker betrifft, so sind die meisten der 
Ansicht, dass Empyeme der Highmorshöhle auch durch 
Zahncaries entstehen können. 

Als Verfechter der dentalen Genese wäre Chiari zu 
nennen. Auch Grünwald 4 ) führt Krankengeschichten 
an, die unzweideutig auf einen dentalen Ursprung hin- 
weisen. 

Es wird aber im gegebenen Falle häufig schwer sein, 
sich für einen der ätiologischen Momente zu entscheiden. 
Ist doch der moderne Culturträger häufig genug init ca- 
riösen Zähnen und zugleich mit einem chronischen Na- 
sencatarrh versehen. Besonders pathologisch anatomisch 
ist es schwer den Infeotionsmodus zu erkennen. Wenn 
ich heute die Krankengeschichte eines Empyems der 


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faighmorshöhle vorführe, so geschieht es erstens aus 
dem Grunde, veil ich glaube, dass dieser Fall auch 
anatomisch mit grrsser Wahrscheinlichkeit auf die 
dentale Genese hinweist, und zweitens weil er über¬ 
haupt selten ist und drittens, weil er auf eine betimrate 
Therapie hindeutet. 

Krankengeschichte: Elementarlehrer E. L. 24 Jahre alt 
ans Mitau, stammt von gesunden Eltern, hat. als Kind Ma* 
Sern nnd Scharlach durchgemacht. Vor 10 Jahren ist er 
wegen Trachom in augenärztlicher Behandlung gewesen. Im 
Jahre 1895 stellte sich allmählich Schnupfen ein. Im Sommer 
war er leichter, im Winter machte er mehr Beschwerden. 
Allmählich stellte sich übler Geruch in der Nase ein nnd 
wenn Bich Patient Morgens beim Waschen bückte, passirte 
es ihm häufig, dass sich ans der rechten Seite der Nase Se- 
cret von sehr üblem Geruch entleerte. Zahnschmerzen ge¬ 
habt zu haben, bann sich Patient nicht erinnern. Doch war 
ihm der Hals immer verschleimt nnd musste er den Schleim 
durch ßäuspern nnd Husten entfernen. Patient glaubte lun¬ 
genleidend zu sein und wurde daraufhin behandelt. 1900 con- 
snltirte Patient einen Specialisten, der die Nase gesund fand. 
Im Februar 1902 wurde er von einem anderen Specialisten 
untersucht, der ein Empyem der rechten Higbmorshöhle con- 
statirte und ihn einige Monate mit Spülungen durch eine 
Punctionsüftuung im unteren Nasengang behandelte. Patient 
behauptet, dass ihm das Einführen der Kanüle jedes Mal 
Schmerzen verursacht habe. Nach Aufhören der Behandlung 
traten wieder die früheren Nasensymptome auf. Am 6. Mai 
a. c. wandte Patient sich an mich. Status: Patient ist von 
gracilem Körperbau, die inneren Organe sind gesund. In der 
rechten Nase im mittleren Nasengang iu der Gegend des 
Hiatus smilunaris findet sich etwas Eiter. Bei der Durch¬ 
leuchtung deutlicher Schatten auf der rechten Wange. Die 
Punction im unteren Nasengang ergab eine Menge stark 
übelriechenden Eiters. Der Praemolaris primus dextr. sup. 
war cariös, der Molaris secundus dexter sup. plombirt. 

Am 14. Mai machte ich in Chloroformnarcose die Operation. 
Die Krone des Praemolaris war so cariös, dass sie bei dem 
Extractionsver8uch sofort abbrach. Doch gelang es beide 
Wurzeln einzeln zu entfernen. Die Wurzeln erschienen mir 
etwas verdickt, jedoch kein Eiter vorhanden. Mit der Sonde 
constatirte ich nun, dass die Highmorshöhle noch geschlossen 
war. Mit einem scharfen Löffel gelang es mir bald die Höhle 
in der Alveole zu eröffnen. Bei der Sondirung durch die er- 
öffnete Alveole gelangte ich anf weiche Massen und blossen 
Knocheu. Aus diesem Grunde schloss ich sofort die breite 
Eröffnung in der Fossa canina an. Der Knochen erwies sich 
als recht dick. Bei der Entfernung der vorderen Wand der 
Highmorshöhle stellte es sich heraus, dass die Höhle durch 
eine knöcherne Scheidewand in 2 Kammern getheilt war. 
Die Scheidewand verlief sagittal, war am Bande recht dick 
und zur Mitte dünner, wo sich die Coromunicationsöffnung 
befand. Die innere Höhle, die mediale oder nasale Höhle 
enthielt Eiter, doch war die Schleimhaut wenig verändert. 
Die äussere Höhle enthielt auch Eiter, sie war aber vollständig 
gefüllt mit polypösen Massen, auch war der Knochen stellen¬ 
weise entblösst. Nachdem ich die Scheidewand vollständig 
entfernt und die polypösen Massen mit dem scharfen Löffel 
sorgfältig ausgeräumt hatte, machte ich zur Nase eine breite 
Communicationsöffnung in der Gegend des Hiatus semilnnaris. 
Die recht starke Blutung stand auf feste Jodoformgazetam¬ 
ponade, die alle 2 bis 3 Tage erneuert wurde. Später machte 
ich die Tamponade iiauptsächlich darum, um den Eintritt von 
Speisetheilen .zu verhindern. Zugleich wandte ich Borsänre- 
spülungen an. Die Höhle ist schon seit einigen Wochen 
vollständig mit Schleimhaut überkleidet und restirt noch eine 
kleine üeffnung, die ich eventuell durch eine Plastik schlies- 
sen werde. Den Schnupfen hat Patient ganz verloren, er 
macht auch keine Spülungen mehr. 

Epicrise: Wir hatten also zwei mit einander eom- 
municirende Höhlen, von denen die äussere schwer er¬ 
krankt war, während die innere nur wenig am Process 
betheiligt war. Die Alveole des extrahirten Zahnes 
führt in die äussere Höhle. Ich glaube, dass man aus 
diesem Befunde mit grosser Wahrscheinlichkeit auf eine 
Infection durch den cariösen Zahn schlossen kann und 
dann die Mikroben ihren Weg vom Periost des Zahnes 
durch die Knochenlamelle genommen haben. Hier haben 
sie zuerst eine Erkrankung der äusseren Kammer ver¬ 
ursacht, die allmählich zunahm und ihren Eiter durch 
die innere Kammer in die Nase lieferte. Dass die an¬ 
scheinend gesunde Knochenlamelle der Alveole kein 
Hioderniss für die Infection bildete, ist ohne Weiteres 


verständlich, wenn wir in Betracht ziehen, dass das 
Knochengewebe Lymph- und Blutbahnen enthält. Als 
Parallele möchte ich die Beobachtung beim Empyem des 
Processus mastoideus anführen, wo wir häufig isolirte 
Eiterherde finden, die durch makroskopisch gesunden 
Knochen von dem Hauptherd getrennt sind. Ich glaube, 
dass wir auf Grund dieses pathologisch-anatomischen 
Befundes mit grosser Wahrscheinlichkeit eine dentale 
Genese des Empyems annehmen können. Ist schon eine 
Karamerung eine seltene Erscheinung, so ist eine solche 
ungleiche Betheiligung der Höhlen am Krankheitsprocess 
noch seltener. Ich habe einen ganz analogen Fall in 
der Literatur nicht gefunden. Was die Therapie be¬ 
trifft, so halte ich in allen chronischen Fällen, wo ich 
eine stärkere Betheiligung der Höhlenwand vuraussetzen 
kann, die breite Eröffnung in der Fossa canina für die 
einzige rationelle Operation. Die Operationsöffnungen 
schliessen sich raeistentheils von selbst, es sei denn, diss 
man zu viel fortnimmt. Kleinere restirende Oeffnungeu 
lassen sich plastisch oder durch eine Prothese decken. 
Eine grössere Communicationsöffnung in der Gegend des 
Hiatus semilunaris halte ich für nothwendig, um nach 
Schluss der Operationsöffnung bei eventuellen catarrha- 
lischen Erscheinungen bequem eine Nachbehandlung durch 
die Nase vornehmen zu können. 

Literatur. 

1) Dmochowski: Beitrag zur patholog. Anatomie 
und Aetiologie der entzündlichen Processe im Anlrum 
Highmori. Ref. in Monatsschrift für Ohrenheilkunde, 
Jahrgang XXX, S. 39. 

2) Störk: Die Erkrankungen der Nase etc. S. 77, 

1895. 

:t) Werthei m: Die Erkrankungen der Nasenneben¬ 
höhlen. Archiv für Laryngologie Bd. XI, S. 189. 

4) Grünwald: Lehrbuch von den Naseneiterungen. 

1896, S. 189. 


Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 2. Oktober 1902. 

1. Dr. Wendel demonstrirt vor der Tagesordnung Proben 
des Kephirs, der seit einigen Wochen in einem hiesigen La¬ 
boratorium zur Herstellung von Nährpräparaten bereitet wird. 
Das Präparat sei von hervorragender Qualität nnd empfehle 
sich als ausgezeichnetes Nutriens in Fälleu, wo es anf He¬ 
bung des Ernährungszustandes nnd des Körpergewichtes an- 
komme. Vorzüglich bewährt habe sich der Kephir bei der Er¬ 
nährung Tuberkulöser. Ebenso bei Diabetes mellitus wegen 
der Abwesenheit von Milchzucker. Hervorzuheben sei ferner 
seine günstige Wirkung auf die verschiedenen Formen von 
Pyrosis (gastrica). Zum Schluss sei noch zu bemerken, dass 
fast alle Kranken mit einer Aversion gegen Milch dennoch 
Kephir gern nähmen nnd gut vertrügen. 

2. Dr. M. H i r s c h b e r g (als Gast) demonstrirt Lepra-Mou¬ 
lagen. Der Vortragende bespricht an der Hand von gefärbten, 
selbst angefertigten Wachs-Paraffinabdtficken, sogenannten 
Moujagen, eine Reihe meist typischer, lepröser Krankbeirser- 
scheinnngen der Lepra tnberosa, wie der Lepra nervornm. Die 
ausgestellten Gesichtsmasken geben ihm Veranlassung auf 
die Lepramimik einzugehen. Neben dem tuberösen Gesicht, der 
Facies leonina, findet er das nervös-paralytische und das tupide 
der I/epra mixta ebenso typisch. Der erste Kopf in der ans¬ 
gestellten Reihe repräsentirt ein Primärerythem anf der Stirn 
mit beginnendem Haarausfall an den Augenbrauen — eine 
Frühform mit beginnenden Infiltrateu. Meist aber treten mit 
einem Male vielfach Knoten gleich der S\phiÜB d’embl6e auf. 
— Den Weg nimmt die Ausbreitung der Infiltration dnreh 
den Körper entlang den Blutgefässen und natürliehen Liymph- 
babnen. Den rothen, hyperämischen Gesichtern, den medusen- 
artigen venösen Schlängelungen und sonstigen Färbungedifre- 
renzen sieht man schon änsserlich die bedeutende MLitbetliei- 
ligung der Gefässe an. Von der Ausdehnung nnd Tiefe der 
Infiltrate hängen die Bildungen vou Knoten, Pergeln, difiu- 


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mb Infiltraten, tfefern cntanen und snbcntanen Lepromen ab. 
- Die natürlichen Anheftungen der Hant begrenzen die In¬ 
filtrate nnd 80 ist meist auch bei der Facies leonina die na- 
rflrliche Faltenbildung auffallender und tiefer. Auch von der 
Gesichtsfarbe lässt sich vieles scliliessen: ob Anämie, relati¬ 
ves Wohlbefinden, etc. besteht. Im Ganzen liegen die 
Verhältnisse an den Extremitäten ähnlich, wie am Gesicht. 
— Bräunliche Verfärbung in Folge von Blutfarbstoffzerset¬ 
zung einzelner Knoten leitet schon zu regressiven Verände¬ 
rungen über. Die regressiven Veränderungen eines Knoten’s 
oder Infiltrats können folgende sein: 1) Pigmentation, 2) In¬ 
nere Eiterung, Resorption, subcntane Narbenbildung unter 
Böthong und Fieber, 3) Ulceration und Narbenbildung — 
letzterer Process meist secundär beeinflusst. Hierher gehören 
auch die häufigen Ulceia cruris bei arterio-sclerotischen Le¬ 
prösen und die Nasenulcera, welche an der Schleimhaut zwi¬ 
schen Knochen und Kuorpel als Folge hinzutretender Misch- 
infection ihren Anfang nehmen. Es werden verschiedene Na- 
senformen Lepröser demonstrirt: Binocle-, Neger- nnd Rüssel- 
formen, theils mit Perforation des Septums. Was die Nagel¬ 
erkrankungen Lepröser betrifft, kann man specifische von 
trophoneoFOtischen Erkrankungen scheiden. Unter den vielen 
Veränderungen an den und um die Nägel, entzündlicher und 
destructiver Natur, die vom Vortiagenden angeführt werden, 
fallen Knötchen UDd Flecken unter dem Nagel und die he- 
teroplastische Bildung bei fehlenden Phalangen noch beson¬ 
ders auf. 

Indem der Vortragende auf die Moulagen aus dem Gebiete 
der «Nerven-IiCpra» übergeht, plaidirt er mit Dr. A. v. Berg¬ 
mann gerade für diese Bezeichnung gegenüber der Hau¬ 
sen'sehen Beneunnng maculo-anaesthetica. Besonders bildet 
der Ausdruck maculosa keinen rechten Gegensatz weil 
schliesslich macnlae und Kuoten pathologisch-anatomisch 
Drincipiell dasselbe sind, trotzdem Ne iss er einerseits und 
IJnna andererseits anderer Meinung sind. U n n a ’s Theorie 
der Nenrolepriden ist eine gezwungene Konstruction. Ne is - 
ser’s mikroskopische Bedenken lassen sich mit der Einheit 
der Knoten und Flecken (Neurolepriden) theoretisch verbinden. 
Der Mangel an Vacuolenzellen, V i r c h o w ’s Leprazellen, in 
den Flecken nnd das Vorkommen epitheloidförmiger Zellen 
in den Infiltraten der Flecken sind durch geringere Bacillen 
und Toxin-Einwirkung bedingt. Den gleichen Ursprung 
aus dem Gefässperithel nehmen beide. Die Vacuolenbildung 
ist im Vergleich zu den epiiheloiden Zellen ein weiteres Sta¬ 
dium der durch den Leprabacillus bedingten Nekrobiose. Mi¬ 
kroskopisch werden 4 Formen von Flecken beobachtet und 
Moulagen demonstrirt. 

1) Brannrotb umrandete, in der Mitte hell atrophisch, manch¬ 
mal vascnlarisirt. 

2) Lupnsähnliche, besonders häufig, wenn im Gesicht auf- 
treteod. 

3) Psoriasisähnliche, oft symmetrisch an den Extremitäten 
gelegen. 

4) liehen planueähnliche, chagreuiert. 

Die secundftren troohoneurotischen, vasomotorischen Nerven¬ 
einflüsse, die Anästhesien and Hyperästhesien, das Mal per- 
forant, die Mutilationen berührt der Vortragende, weil sie 
nur mehr seenndär sind, kürzer, nur so weit sie sich auf 
seine ansgestellten Moulagen beziehen. Z. B. ein Mal perto- 
rant du pied, eine Hand nach Mo rväu 'schein Typus und 
besonders ein typisches, nervenlepröses Gestellt mit periphe¬ 
rischer Lähmung des N. facialis und oculomotorius (Ptosis, 
selten!). Anknüpfend hieran werden zum Schluss einige diffe¬ 
renzial-diagnostische Momente zwischen L. nervorum und 
uervösen Affectionen centralen Ursprungs betont. Die Schei¬ 
dung gelingt nicht immer. 

(Autoreferat). 

Dr. R u 11 e sieht die Hauptursache dev Lepra in Cirkula- 
tioDsstÖrongen: die Knoten localisiren sich vorherrschend 
dort, wo adjuvante Cirknlationskräfte nicht vorhanden 
sind. 

Durch Anregung der Cirkulation andererseits könne man 
bestehende Knoten zum Schwinden bringen. Ihm seien meh¬ 
rere Fälle bekannt, wo in wenigen Monaten die Knoten sich 
verkleinerten und in pigmentirte Flecken verwandelten. Seiu 
Heilverfahren besteht iu Bergsteigen, Schwitzen mit nachfol¬ 
gender starker Frottierung, kalten Abreibungen etc. 

Dr. v. Bergmann wendet sich gegen diese Auffassung, 
als sei das Schwinden der Knotender Therapie zuznschreiben, 
mit dem Bemerken, dass viele Erscheinungen der Lepra auch, 
spontan schwänden und ausheilten, wie z. B. bei einem Kna¬ 
ben aus seiner Praxis, der 3 Jahre lang ohne jede Erschei¬ 
nung blieb. Was die empfohlenen hydriatischen Procedureu 
an betreffe, so seien sie in Apbetracbt des bei Leprösen be¬ 
sonders ausgesprochenen Wärmebedürfnisses nicht durch¬ 
führbar. 

Dr. B r n tzer führt, anschliessend an die Schilderung der 
Nasenlepra aus, dass die Perforation in der Mitte des knorp¬ 
ligen Theiles des Septams ihren Ausgang nehme, und dass 


der Defect des Knorpels wohl als eine Druckusnr anzusehen 
sei, da die Kuorpelzellen nicht direkt angegriffen werden, 
sondern nur secundär durch den Druck der geschwttrig zer¬ 
fallenen und narbigen Mucosa und Submucosa leiden oder 
durch mangelnde Ernährung nach Verlast des Perichondrinm 
eingehen. 

Zu den Veränderungen des Knochensystems übergehend, 
meint B., dass es sich auch hier eventuell um mechanische 
Schädlichkeiten handelt, die die typischen Erscheinungen be¬ 
dingen. Dass an der unteren Extremität das Skelett der 
Fassballen zuerst und in ausgezeichnetster Weise erkrankt, 
spricht dafür, dass die Knochen nach Schwund der gelähmten 
Muskulatur durch den Druck des Fnssbodens leiden; so wäreu 
auch die Mala perforentia dadurch zu erklären, dass die Haut 
zwischen Knochen und Fussboden durchgedrückt wird, nach¬ 
dem das schützende Weicbtheilpolster geschwunden ist. Wel¬ 
che Rolle trophische Nerven oder arteriosclerotische Verände¬ 
rungen der Gefässe bei der Knochenerkmnkung spielen, lasse 
sich bisher nicht bestimmt sagen. Anch die specifische Er¬ 
krankung der Knochen durch Invasion von Leprabacilleu 
kommt vor; sie ist aber eine Seltenheit im Vergleich zu den 
Veränderungen, die regelmässig als secundäre Erkrankung 
namentlich bei der Lepra nervorum Vorkommen und in ver¬ 
schiedenen Stadien sogleich demonstrirt werden sollen. 

(Autoieferat). 

Dr. Hirsch her g: Von einer absoluten, beabsichtigten 
Heilung der Lepra kann natürlich keine Rede sein. Relative 
Heilungen nnd besonders Heilungen von lokalen Symptomen 
kommen vor. Gebraucht wird viel das Oleum Gynocardii, von 
dem sich nicht leugnen lässt, dass es in einer gewissen Rich¬ 
tung (Peptonwirknng nach Prof. Dehio) active Heilungsten¬ 
denz mit Reaction von Seiten des leprösen Körpers auf weist. 
Gegenüber Collegen Br u tzer möchte er, ohne auch die 
ti ophoneurotischen Einfluss iu Abrede stellen zu wollen, die 
in der Nase mögliche Mischinfection beim Zustandekommen 
des Zerfallens der Naseninfiltrate noch betont wissen. 

(Autoieferat). 

Dr. Rulle betont nochmals seine Anschauung Uber die 
Abhängigkeit lokaler Heilungen von der Therapie, die bei 
obigem Verfahren auf Erhöhung des Stoffurasatzes beruhe. 

3. Dr. v. Sengbasch demonstrirt am Skioptikon. Zuerst 
werden vier Fälle demonstrirt, die Dr. Hirsch berg anfge- 
nouiraen hat. Es folgen dann eine Serie Röntgenbilder von 
Händen und Füssen Lepröser, die sämmtliche Veränderungen 
am Knochenskelett darbieten. An einzelnen sieht mau, dass 
es sich um begipnenden Knochenschwund handelt, während 
andere weiter fortgeschrittene Veränderungen zeigen, wie 
Verlust der Endglieder, Zuspitzeu der Mittelfinger- resp. 
Mittelfussknochen, Veränderungen der Gelenke, und auch 
Knochenauflagerungen. Die Fusswurzel resp. Handwurzel ist 
dabei in sämmtlichen Bildern, was Knochenform anbetrifft, 
normal. Auf die Frage in wieweit die Veränderungen der 
Knochen für Lepra charakteristisch sind, könne Vortragender 
nicht eingehen, da das Stadium der Lepra ihm ferne läge. 

(Autoreferat), 
d. z. Secretär: S. Kröger jun. 


Protokolle des XIV. Aerztetages 
der Gesellschaft Ltvl&ndlscher Aerzte in 
Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. 

Erste Sitzung. 

Montag den 2. September 1902, von 9 — 1 Uhr Vormittags. 

Der Secretär, Dr. G. v. E n g e 1 m a n n -Riga, legt die 
eingelaufenen Schritteu vor: 

1. Protokolle und Arbeiten der Sabaikalschen ärztlichen 
Gesellschaft. 1899-1900. 

2. Protokolle der Sitzongen und Arbeiten der Bjelostok- 
schen medicinischen Gesellschaft in den Jahren 1897—1900. 

3. Protokolle der Oinskschen medicinischen Gesellschaft. 

1900- 1901. III. Ausgabe. 

4. Protokolle der Omskscheu medicinischen Gesellschaft. 

1901— 1902. I. und II. Ausgabe. 

5. Arbeiten und Sitzungeprotokolle der Jelisavetgradschen 
medicinischen Gesellschaft. 1893—1898. 

(5. Arbeiten nnd Sitzungeprotokolle der Jelisavetgradschen 
medicinischen Gesellschaft. 1898—1901. 

7. Arbeiten der Charkower medicinischen Gesellschaft. 1901 
I., II. nnd III. Ausgabe. 

8. Sitzungsprotokolle der Charkower medicinischen Gesell¬ 
schaft. 1901. 

9- Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit der Charkower 
medicinischen Gesellschaft für 1900. 


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10- Bericht über die Thätigkeit des Kinderkrankenhauses 
der heil. Olga in Moskau für das Jahr 19’X). 

11. Arbeiten und Protokolle der Russischen Chirurgischen 
Pirogoft-Gesellschaft. 1899-1900. 

12. Aichiv der biologischen Wissenschaften herausgegeben 
vom Kaiserlichen Institut für Experimentalmedicln in 
St. Petersburg Theil IX. 1. II. und III. Lieferung. (1901). 

13. E. K. Fischer: «0 EopoaAaxi» b BaBHJisaaxi atTCKaro 
M 08 ra bi nepBOMi no-nyroais acHsnn» Dissertation der 
Militär-Mediciulschen Acadetnie in St. Petersburg. 

14 0 ÖyropuaTKt BbisuuaeMofl y «bbothuxi MepTBunn Ty- 
fiepR-yaesHUMH ÖagHJuaim». Dissertation von Nicolai 
Panow. Aus dem Pathologischen Institut der Univer¬ 
sität Jurjew. 1902 

1-6. Slavische Bibliographie (C/.echisch). 

Der C.a s s a f ühr er. I)r. A. Sch wa rtz-Felliu er¬ 
stattet folgenden Cassabericht: 

Bericht über die Kasse des Livländischen Aerztetages vom 
19. Juni 1901 bis 2. September 1902. 

Einnahme. 

19. Juni 1901. Saldo vom XII. Aerztetage 1020 Rbl. 96 Kop. 


21. 

» 267 Beiträge k 5 Rbl. . . 

1335 

» 

— 

» 

1. Sei 

Dt. 1902. Zinsen. 

43 

» 

39 

» 

Von ] 

Herrn Dr. Behr Einlageschein der 
Rig. Bör8.-Bank retoornirt .... 

100 

» 

_ 

» 


Summa . . 

2499 Rbl. 

35 Kop. 


Ausgabe. 





1901 Juni 19. dem Secretair Dr. Weiden- 
b a n in für Auslagen . . . 

60 Rbl. 


Kop. 


» für Schreibmaterial, Post¬ 

porto, Trinkgelder pr. XIII 
Aerztetag. 

4 

» 

16 



» dem Herrn Präses Dr. T r e y- 

mann zu laufenden Aus¬ 
gaben . 

50 

» 


» 


» Dem Herrn Dr. Behr der 

Commission für Irrenpflege 
gehörige. 

849 

» 

11 



* HerrnDr.E n g e 1 m a n n für 

präsentirte Rechnungen . . 

375 

» 

_ 

» 


» Rechnung der St. Peters¬ 

burger med. Zeitschrift . . 

165 

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1902. 

— Inserate XIV. Aeiztetag, Druck 
d Karten, Schreibutensilien, Post 
porto, Transferte, Checkbücher 

Zur Bestreitung von Unkosten 
für den XIV. Aerztetag vorans- 
geuonnnen . 

25 

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100 

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1628 Rbl. 27 Kop. 

Baar in der Kasse . . 871 » 08 » 


Summa . . 2499 Rbl. 35 Kop. 

Felliu 2. September 1902. 

d. Z. Kassirer Dr. A. Schwanz. - 

2. Bestimmung des Ortes und der Zeit für den nächsten 
Aeiztetag. 

Der Präses theilt mit, dass die Stadt Aiensbnrg in liebens¬ 
würdiger Weise soeben ein Telegramm übersanlt ha', wel¬ 
ches den Livländischen Aerztetag zum nächsten Jahre nach 
Arensburg entladet. 

Dr. K o p p c-Pernnu ladet die Collegen nach Pcntnu, 

Dr. A p pi n g -Wolmar nach Wolmar ein. 

Der Präses dankt den Collen en für ihre liebenswürdige 
Einladung und schlägt vor sich für Pernan zu entscheiden. 

Nach einer Kurzen Debatte entscheidet sich die Versamm¬ 
lung durch Abstimmung für Pernau. 

Es wird beschlossen der Stadt Arensburg den Dank des 
Livl. Aerztetages zu übermitteln. 

Als Zeit für die Abhaltung des XV. Aerztetages wird der 
Anfang Juni 1903 in Aussicht genommen. Die genaue Fest¬ 
setzung des Termines wird dem Vorstande überlassen. 

3. Wahlen laat § 8 der Statuten. 

In den Vorstand werden gewählt: 

Prä 8 es: Dr. H. Meyer-Riga. 

Vicepräses: Prof. De h io Jurjew. 

S e c r e t ä r e: Dr. G. v. Engelmann -Riga. 

Dr. G. Weidenbaum -Riga. 

Cassaführer: Dr. Koppe -Pernan. 

Der Präses, Dr. Meyer, dankt für die Wahl zum Präses 
und fordert die Versammlung auf, dem scheidenden Präses, 
Herrn Dr. M. Treymann, den Dank der Gesellschaft für 
seine Amtsführung, in echt akademischer Weise durch kräf 
tiges Scharren mit deu Füssen auszudrücken. (Dieses ge¬ 
schieht). 

Der Präses verliest die telegraphische Begrüssnng vom 
Verein praktischer Aerzte zu Riga. 

Der Präses: Leider haben mehrere Herren, die ans 
Vorträge angemeldet hatten, am Erscheinen verhindert, ab- 
ssgen müssen. 


So die Herren Bosse, B 1 i n d r e i c h, W o 1 f e r z. Dafür 
sind aber nen angemeldet worden folgende Vorträge: 

Dr. B r e h m - Riga «Ueber Mesenterialschrampfung» mit 
Demonstration; Dr. Hampeln- Riga: «Ueber Blutdrncksbe- 
stimmnngen»; Dr. Sad i k o f f -Talsen : «Ueber die gesetzli¬ 
chen Bestimmungen bezüglich der Bekämpfung der Lepra»; 
W. Hollmann: «Ueber einen Fall von Darrainvagination» 
mit Demonstration eines Präparates. 

Es folgen Vorträge und Discnssionen: 

4 Dr. L. Bornbanpt - Riga: «Znr Frühoperation der 
Appendicitis». Pnbliclrt im Archiv für klinische Chirurgie. 

In der Frage der Behandlung einer aenten Appendicitis 
stehen sich auch heute noch die Anhänger der abwartenden 
Methode, Sonnenburg, Körte, Rotter. Kymmel, 
Krönlein und diejenigen der Frühoperation in den ersten 
24 Stunden des Anfalls wie die Amerikaner Beck, Bernays 
Mayo, Deaver, Riedel, Rehn. Sprengel. Payr 
n- n. als Gegensätze gegenüber. Daher können die Erfahrun¬ 
gen, die aut diesem Gebiete gesammelt werden, doch noch 
zur Klärung der Frage nach dieser oder jener Richtung 
beitragen. 

Im Stadt-Krankenhanse in Riga und In der PrivatkUnik 
von Dr. A. von Bergmann sind vom Jahre 1894 bis 1903 
268 Fälle mit Appendicitis behandelt worden. 42 Mal ist nicht 
eingegriffen worden; davon sind 7 Patienten, die raoribnnd in 
die Abtheilnng gebracht worden waren, an allgemeiner Peri¬ 
tonitis zu Grunde gegangen. 35 Patienten sind fast geheilt 
oder gebessert nacb Hanse entlassen worden, da dieselben 
sich dem Eingriff im Interval nicht haben unterziehen wollen. 
90 Mal ist im Interval operirt worden, dabei ist ein Todes¬ 
fall zu verzeichnen, der einen 65 jährigen mit einer allgemei¬ 
nen Arteriosclerose behafteten Mann betrifft. 

102 Mal ist im acuten Anfall operirt worden, davon sind 15 
Patienten gestorben. 32 Patienten sind mit einer diffusen Pe¬ 
ritonitis operirt worden nnd sind alle zn Grunde gegangen. 

Schliesslich ist 3 Mal in solchen Fällen eingegriffen wor¬ 
den. wo eine ansgebreirete, chronische, adhäsive Peritoni¬ 
tis bestanden hatte, wo die Occlnsionserscbelnnngen in den 
Vordergrund traten, die 3 Fälle haben einen letalen Verlauf 
genommen. 

Die 268 Fälle ergeben als Durchschnittsalter 27 Jahre. Auf 
189 Männer finden sich 79, also nur 20 pCt. Franen. 

7 Mal ist am 3. Tage des Anfalls, 10 Mal am 4. Tage, nnd 
6* Mal am 5. Tage operirt worden. Am 3. Tage fand man 
schon eine Necrose des Wurmfortsatzes und einen Abscess 
in der Bauchhöhle, 

Von den 44 Todesfällen betreffen 23 solche Patienten, bei 
denen die Erkrankung und die Sepsis so weit vorgeschritten 
war, dass der Eingriff, obgleich er in der ersten Woche des 
Anfalls äusgeftihrt worden war, schon verspätet war. 

Von den 15 nach der Operation im Anfall letal verlaufenden 
Fällen müssen 10 aus der Statistik der operativen Behandlung 
der Appendicitis ausgeschlossen und der exspectativen Be¬ 
handlung zugeschrieben werden, der allein sie ihren ungün¬ 
stigen Aasgang verdanken. DanD wird die geringe Mortali- 
tätsziffer aufhören, welche immer wieder in den Statistiken 
für die exspectative Behandlung herausgerechnet wird, und 
die nur verhängnisvolle Trugschlüsse zeitigt. 

Gegenüber dem, wie es scheint, in der letzten Zeit sich 
mehrenden Usus, die Appendicitis mit Abführmitteln zn be¬ 
handeln, ist zu betonen, dass nur da, wo man eine Entzün¬ 
dung des Wurmfortsatzes verhüten zn können glaubt, das 
Ricinusöl zur Anwenduug kommen darf. Bei allen typisch 
ersetzenden Fällen von Appendicitis ist ein Abführmittel 
strict zu meiden. 

Folgendes muss hervorgeboben werden: 

1) Es darf keine principielle Scheidung der exspectativen 
und operativen Behandlungsmethode bei der Appendicitis 
geben. 

2) Mit dem Eingriff darf nicht gesäumt werden, sobald ein 
eitriges Exsudat mit Bestimmtheit nachznweisen ist. 

3) Es giebt eine Reihe von Appendicitiserkranknngen, wo 
nur die möglichst früh, innerhalb der ersten 24 Stunden vor¬ 
genommene Operation die einzig mögliche Behandlung dar¬ 
stellt. 

4) Leider sind wir nicht im Stande, das Krankheitsbild die¬ 
ser Fälle präcise zu zeichnen. In allgemeinen Umrissen müs¬ 
sen aber diejenigen Fälle hervorgehoben werden, welche in 
ihrem Einsetzen eine Abweichung von der Norm zeigen. 

5) Abnorm hohe Temperatur, frequenter Puls, sehr inten¬ 
sive Schmerzen, schlechtes Aussehen des Patienten, bretthart 
gespannter Leib, dabei palpabeler processus vermiformis — 
das sind die Anzeichen einer schwer verlaufenden Appendici¬ 
tis, und diese Anzeichen verlangen daher die möglichst sofor¬ 
tige Operation. 

6) In Folge der Tamponade ist die Frühoperation der Ope¬ 
ration im Intervall nicht gleich zu stellen, und muss daher 














119 


unter dazu günstigen Verhältnissen die Operation im Inter¬ 
val nach Ablauf von 4—5 Wochen angc9trebt werden. 

7) Die Frühoperation wird nicht in jedem Fall von Appen- 
dicitis nothwendig, sobald jede Attaque einer Blinddarment¬ 
zündung vom ersten Tage an von einem Chirurgen überwacht 
wird. 

(Autoreferat). 

Discus8ion: 

Der Präses, Dr. Meyer: Die Appendicitis ist in den 
letzten Jahren geradezn eine Modekrankheit geworden, und 
wird selbst in Laienkreisen so oft besprochen, dass nicht sel¬ 
ten Patienten sich beim Arzte melden in der Befürchtung, 
sie könnten an einer Appendicitis leiden. 

Dr. K u 8 i c k -Beval. 

Ich sehe in der Aeusserung des Coli. Bornhaupt, dass 
man hei der Appendicitis nur in den allerersten Anfängen 
Ol. ricini geben dürfe, eine Gefahr, denn nach meiner Ueher- 
zeugnng darf, sobald der geringste Verdacht anf Appendici¬ 
tis besteht, überhaupt kein Ol. ricini gegeben werden, sondern 
könnte man, bei erforderlicher Evacuation des Darmes, höch¬ 
stens an Lavements denken. 

Dr. Bornbaupt ist ebenfalls gegen Ricinnsöl, hält es 
aber doch für gestattet ln den Fällen, wo es nicht erwiesen 
ist, dass eine Entzündung besteht. 

Dr. Kusick wendet sich gegen die letztere AeusRerung 
Dt. Bornhanpts da sie missverstanden werden könnte. 
Wo Appendicitis vorliegt, darf, auch im Beginn 
kein Ricinus gegeben werden, sondern überhaupt nicht. 

Dr. Koppe-Pernan meint, dass aus den veröffentlichten 
Statistiken die Berechtigung der Frühoperation nicht liervcr- 
gehe, im Oegentheil die Resultate der exspectativen Behand¬ 
lung seien besser. Dasselbe lehre die Erfahrung ans älterer 
Zeit, wo nicht zur Frühoperation geschritten wurde, und die 
Resultate doch gnt waren. Er ist daher gegen die Früh¬ 
operation. Es erscheint ihm wünschenswert!», die therapeuti¬ 
sche Seite der Frage mehr zu klären, z. B.: wann wendet 
man Eis, wann Wärme an? 

Dr. Hampeln- Riga. 

Die von Bornhaupt behandelte Frage betrifft ein wich¬ 
tiges Gebiet, auf dem sich Therapeut nnd Chirurg, am häu¬ 
figsten begegnen, ohue bisher, trotz gemeinsamer und ange¬ 
strengter Arbeit, zur Einigung über die wesentlichen Behand- 
Hngsprincipien gelangen zu können. Radicale Vertreter der 
Frühoperation, wie Riedel, zahlreiche Vertreter eines um 
jeden Preis abwartenden Verfahrens, stehen einander gegen¬ 
über, ohne dass zur Zeit für oder gegen einen von ihnen die 
Entscheidung möglich wäre. Das liegt aber au folgenden ei¬ 
genartigen Thatsachen: 

Die Skolikoiditis tritt sowohl in leichter, zur spontanen 
Genesung tendirender, als in schwerer Form anf, doch ohne 
dass sich dieser Unterschied im wichtigen Anfangsstadium 
denthcli ausdröcke. Die schwersten Fälle markirten sich dem 
Kundigen allerdings zuweilen vom Anfang an als solche. 
Diese kanu man dann x mit Sicherheit früh diagnosticiren, um 
demeut sprechend vorzugehen. Aberdas geschieht nicht immer; 
auch die im weiteren Verlauf schweren Fälle treten anfäng¬ 
lich garuicht Reiten unter ganz leichten Erscheinungen auf 
und unterscheiden sich in der wichtigen ersten Zeit in nichts 
von den andauernd leichten Fällen. Das bereitet eben die 
grosse Schwierigkeit. Wüsste man von vornherein, welcher 
Fall zu den schweren, welcher zu den leichten gehört, so 
fiele die Entscheidung, ob operativ vorgegangen werden soll, 
oder nicht, natürlich leicht. Die schweren müssten sofort, in 
den ersten 1—2 mal 24 Stunden, nach Riedels Vorschlag, 
operirt werden, die anderen könnten nach den Grundsätzen 
der inneren Medicin behandelt werden. So aber, bei der Un¬ 
möglichkeit dieser wichtigen Unterscheidung stehen wir vor 
der Alternative entweder alle, ohne Ausnahme so¬ 
fort, d. h. in vielen Fällen unnötigerweise, zu operiren, 
oder auf die günstigen Chancen der Frühoperation zu ver¬ 
zichten, wenigstens in den unsicheren Fällen Die Mahnung 
nnd Warnnng Riedel’s ist dennoch gewiss sehr zn beach¬ 
ten, nnr wird man sich kaum schon jetzt entschlossen, die¬ 
sen ladical chirurgischen Standpunkt einznnehmen Ehe man 
alle, ohne Ausnahme, dem radicalen Verfahren überweist, ist 
doch erst noch abznwarten, ob es nicht gelingt, sicherere An- 
haltspancte, als bisher, für die wichtige Entscheidung des 
Grades der Erkrankung auch schon im ersten Anfänge, zu 
gewinnen. Schon die von K n r sc h m an n angegebene Be¬ 
stimmung der Leukocytose bedeutet einen Fortschritt. , 

In jedem Falle aber sollte man. das ergeben auch meine 
Erfahrungen, es sich zur Richtschnur machen keinen ein¬ 
zigen Fall, er möge auch noch so leicht erscheinen, 
auch leicht zn nehmen, sondern ihn von vornherein als ei¬ 
nen schweren zu behandeln und demgemäss sollte anch gleich 
zu Anfang Chirurg nnd Therapeut zu einander in Relation 
treten. So könnte doch manchem Unheil auch ohne radicale 
Durchführung der Frühoperation, rechtzeitig vorgebeugt 
werden. 


Auf der anderen Seite aber muss ich bekennen, dass die 
von Dr. Bornhaupt mitgetheilten Beobachtungen doch 
nicht so überzeugend, als man es haben möchte, zu Gunsten 
des chirurgischen Eingriffs in späterer Zeit und gegen das 
therapeutische Verfahren zu sprechen scheinen. Dazu sind 
die Erfahrungen in dieser späteren Periode doch nicht gün¬ 
stig genug. 

Ich resümiere also dahin: Man suche weiter nach möglichst 
sicheren Merkmalen, die Schwere des Typhlitisfalles schon 
im Beginne zu erkennen, betrachte aber, solange solche Zei¬ 
chen fehlen, in praxi jeden Fall von Anfang an als einen 
schweren and gehe demgemäss vor, und setze sich womöglich 
von vornherein in Verbindung mit den Chirurgen. 

Dr. B o r n h a u p t: Es giebt Fälle, wo schon am 2—3 
Tage die Nekrose des Appendix eintritt. nnd der Eiter sich 
in die Bauchhöhle ergiesst oder zn ergiessen droht. Da kann 
man unmöglich mit Eis oder Compressen helfen, sondern dann 
kann nur Rettung geschafft werden, durch Entfernung, des 
Appendix am 1. und 2. Tage 

Was die Behandlang mit Eis oder Compressen anbetrifft so 
wird sie bei nns angewandt je nach dem. wie es der Patient 
verträgt. Einige fühlen sich bei der Kälte wohler als bei der 
Compressenbehandlung, und umgekehrt. 

Die Statistik von Roux betrifft die 700 Fälle, die im Inter¬ 
val operirt worden sind, wo also 4—6 Wochen abgewartet 
worden ist. Sie wäre vollständig, wenn die Resultate von den 
nichtoperirte.n Fällen anch bekannt sein würden, denn nach 
unserer Erfahrung sterben Viele schon vorher, wenn man so 
lange wartet. 

Dr. Truliart- Jurjew : Für das therapeutische Eingreifen 
des Arztes wird ja stets der pathologisch-klinische Befund 
ons den massgebenden Hinweis bieten. Auch bei dieser wich¬ 
tigen. die Grenzgebiete so nabe berührenden Krankheit, wird e6 
vor Allem darauf ankommen, die Differentialdiagnose zwischen 
den einzelnen Formen dpr A nendicitis zu präcisiren. In den 
vorgeschrittenen snppnrativen Formen, die schon zu weitgehen¬ 
den Senkungsabscessen in die eine Beckenhälfte, in den Re- 
troperitonealraum. zur Leber, znr Milz hin, geführt haben, 
stellt auch die operative Behandlung eine wohl nnr denkbar 
ungünstige Prognose. Von umso grösserer Wichtigkeit er¬ 
scheint es mir, dass die Blntnntersuchnng anf Hyperlenko- 
cytose in jedem Einzelfalle, auch bei den muthmasslich leich¬ 
ten Formen angeatellt werde, da nach den zahlreichen Stu¬ 
dien anf diesem Gebiete, ich verweise auf Emelianow, 
J aco b, J a cob y, L e d d e r h o se u. a., wir in der Vermehrung 
der weissen Blutkörperchen einen an Sicherheit, grenzenden 
Wahrscbeinlichkeitshinweis besitzen, dass es sich thatsäüb¬ 
lich um Eiterung handelt. Alsdann kann aber anch nicht 
mehr exspectativ verfahren werden, und erscheint ein weiteres 
Zögern mit dem chirurgischen Eingriff unerlaubt. 

Ich kann mich daher nnr durchaus mit der von Herrn Dr. 
Hampeln soeben gegebenen Darstellung einverstanden 
erklären. 

Dr. H a n 8 m a n u - Werro: Die Fälle, wo der Appendix 
oder ein durch Exsudat entstandener deutlicher Tomor gnt 
palpirt werden kann, brauchen keine Frühoperation, denn es 
handelt sich entweder um Appendicitis simnlex oder um ein 
abgekapseltes Exsudat. Es kommen die Fälle in Betracht, 
die keinen palpatorisch gnt nachweisbaren Tumor bilden, wo 
also das Exsudat keine oder geringe plastischen Fähigkei¬ 
ten besitzt. Dazu gehört anch der Abscess. Die neueste Ar¬ 
beit Wassermanns über Leucocytenzählung bei Eiterbil¬ 
dung in den verschiedenen Organen zeigt, dass allerdings 
mit derselben in der Regel eine Leucocytenvermehrung ein¬ 
hergeht, dass aber gerade in den allerschwersten Fällen, wo 
durch die Allgemeinerkranknng des Organismus, derselbe die 
Fähigkeit verloren hat, zu reagieren, die Leucoeytenvermeb- 
rnng auch fehlen kann. 

Die Frage darf nicht, so gestellt werden, muss man Eis 
oder Hitze anwenden; für beide Anwendungen giebt es Indi- 
cationen. Eis hindert, weniger durch diedirecte Kältewirkung, 
als durch die indirecte reactive Ischämie in der Tiefe, die 
Einwanderung der Leucocyten, erleichtert somit die plasti¬ 
schen Vorgänge, die fibrinöse Verklebung. Wo also ein Ex¬ 
sudat vermntbet weiden kann, dürfte Eis am Platze sein. 

Die Hitzeanwendnng bleibt als schmerzstillendes, krampf¬ 
minderndes Mittel, analog seiner Anwendung bei Gallenstein- 
kolik resp. Cholecystitis acuta, fiir die Appendicitis siraplex 
in Geltung, ebenso auch als resorbirendes Agens bei älteren 
Exsudaten. 

Dr. Hampeln: Ich glaube Dr. B. ganz richtig verstanden 
zu haben, und fasse ihn nicht als Vertreter der principiellen 
Frühoperation anf. Nur scheint, mir diese Frage der Frühope¬ 
ration im engsten Sinne des Wortes gerade die Hauptfrage 
zn sein. Durch sie allein könnte dem künftigen gefährlichen 
Verlauf der Krankheit noch rechtzeitig vorgebengt werden, 
während sie selber ohne Gefahr ist, müsste nnr nicht so gar 
viel operirt werden. Die später, erst in den folgenden Tagen, 
nachdem die Krankheit bereits Zeit zur vollen Entwickelung 


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gewonnen halte, vorgenommene Operation hineegen scheint 
nicht viel günstigere Resultate zu ergeben, als bei tnerapent. 
Vorgehen beobachtet wird. Die Mortalität ist im einen wie 
im anderen Falle ziemlich dieselbe. Ich sehe hierbei natürlich 
ganz von der Operation im Intervall ab. 

Dr. Koppe ist nach den Erfahrungen aus seiner Pra¬ 
xis der Ansicht, dass die Application der Wärme meist gün¬ 
stig wirkt 

Dr. A p p i n g - Wolmar: Meine Herren, die rege Discnssion 
über das vorliegende Thema bezeugt, wie wichtig die 
Frage ist. Für den Landarzt ist die Frühoperation ein 
pinra desiderium. Ich habe mit der Krankheit viel zu thun 
und habe folgende Stellung zn ihr genommen: Natürlich 
theile ich im Allgemeinen Bornhaupts Standpnnot. Aber 
es ist nicht immer so schlimm. Ich habe mir so geholfen,,dass 
ich doch in solchen Fällen Ricinus gebe Natürlich nicht 
bei peritonealen Reizzuständen. Auch Prof. Zoe ge hat sich 
in dem Sinne ausgesprochen, und das verdient Beachtung. 
Ferner finden sich auch in der Literatur Angaben darüber. 
Und warum soll man nicht Ricinus geben, welches keine grosse 
Peristaltik' macht, und doch den Stuhl befördert? Dann erst 
appliciere ich B1 u t e g e 1, und dann Eis. Bowie Opium. 
Darin schliesse ich mich Herrn Dr. Hampeln an, dass man 
lieber abwartet, wenn man nicht von vornherein bestimmen 
kann, ob der Fall schwer oder leicht verlaufen wird. 

Dr. Bornhaupt: Herrn Dr. Hampeln muss ich ent¬ 
gegnen, dass bezüglich der ungünstigen Ergebnisse der Sta¬ 
tistik beider Frühoperation für unsere Fälle jedenfalls 
gilt, dass fast alle, die letal verlaufen sind, an den Folgen 
der Infectlon, nicht der Operation starben. Bei einem abge¬ 
kapselten Abscess betragen die letal verlaufenen Fälle 13°/». 
Zu den Folgen der Operation kann man höchstens die Chlo¬ 
roformwirkung (ca. 2 %) bei Patienten rechnen, die vorher 
nicht gesund gewesen sind. Es soll eben durch eine Früli- 
operatiou den Folgen der Sepsis vorgebeugt werden: dabei 
bleibt die Spatoperation in ihrem Recht bestehen, da, wenn 
die Sepsis und die Peritonitis nicht schon vorhanden sind, 
dieselbe keine schlechten Folgen nach unserer Erfahrung 
haben kann. 

Wir sind gegen eine piincipielle abwartende oder principielle 
operative Methode. Als Aerzte machen wir immer wieder die 
Erfahrung, dass wir jedeu Fall für sich individuell behandeln 
müssen und daher auch in dieser Frage nicht vergessen sol¬ 
len, dass die genannten Symptome oft eine Frühoperation zur 
Rettung des Patienten erfordern. 

Dr. K u s m a n o w -Rappel: Ich muss Herrn Dr. A p p i n g 
erwidern, dass die Anwendung der Belladonna bei Ap- 
pendicitis, statt des immerhin gefährlichen Gebrauches von 
Castoröl in solchen Fällen, mehr zu empfehlen ist. Denn 
Belladonna erhöht nicht die Darmperistaltik. 

Dr. Bornhanpi: Ich wollte noch hinzufügen, dass die 
Blutuntersuchungen bei den verschiedensten eitrigen Processen 
bei uns im Stadtkraukeuhause in grosser Menge angestellt 
werden. 

Bei der Diagnose des peritypblitischen Exsudates aber 
sind die Meinungen in der cbirnrgiBchen Literatur noch sehr 
zurückhaltend. Herrn Dr. Hausmann wollte ich erwidern, 
dass der palpable Processus vermiformis eine Indication für 
die Operation darstellt, neben den angeführten Symptomen. 
Ririnnsöl wird bei nns gar nicht gegeben, darf nicht ge-, 
geben werden, wenn die Diagnose der Appendicitis feststeht. 

Dr. K n s i n k : Ich möchte mir einige kurze Bemerkungen 
zur initialen Behandlung der Appendicitis mit äusserer Appli¬ 
cation erlauben. Vor 2-3 Jahren wurde auf dem livl. Aerzte- 
tag die Appendicitis lebhaft in Discnssion (Dehio. Zoege 
v. Mantenffel, Klomm) gezogen und redete Prof. 
Zoege der primären Hitzeapplication sehr energisch das 
Wort, weil er durch diese möglichst ausgiebige Adhäsionen 
erreicht. Leider vertragen nicht alle Patienten diese Wärme, 
so dass man in solchen Fällen doch auf Eis übergehen muss. 

Dr. Bornhaupt: Ich bitte mich darin nicht misszuver¬ 
stehen : ich will weder principiell abwarlen, noch princi- 
piell sofort operiren, sondern jeden Fall individna- 
1 i s i r e n. Es giebt Fälle, die sofort operirt werden 
m ü s 8 e n. Diese zu erkennen, muss mau sich bemühen. 
Ebenso kann man nicht ein Princip für die Anwendung 
von Kälte oder Wärme anfstellen, sondern muss sich nach 
dem Fall richten. 

5) Dr. Joh. M e y e r-Jnrjew : «Bericht der Gesellschaft 
zur Bekämpfung der Tuberculose über den derzeitigen Stand 
der Frage». 

Im November 1901 erlitt dieselbe einen schweren Verlost 
durch den Rücktritt des Herrn Prof. Dr. K. Dehio vom 
Präsidium. Herr Prof. Dehio hatte von vornherein nur für 
die erste Zeit, bis zur Erreichung der officiellen Bestätigung, 
dem Verwaltungsrath seine Mitarbeit zngesagt. Im Novem¬ 
ber wurde die Organisation der Gesellschaft in den drei bal¬ 
tischen Provinzen begonnen. Es ging sämwtKclieu Aerzten 
auf dem Lande die Aufforderung zu, die Stellung von Ver- 


tranenspersonen der Gesellschaft einzuoebmeo. Es worden 
ferner in allen Städten geeignete Persönlichkeiten anfgefor- 
dert locale Sammel Comitäs zu bilden. Gemäss dem Wnnsche 
des Verwaltuug8rathes begaben sich Herr Prof. Dehio and 
Referent im Januar c. nach Riga und machten sich durch 
Betheiligung an den Verhandlungen der Gesellschaft prakt 
Aerzte in Riga sowie an den Debatten auf einem Discutir- 
abend im Gewerbeverein mit den Anschanungen bekannt, 
welche in Riga über die nächsten Aufgaben der Gesellschaft 
bestanden. Aus diesen Verhandlungen schien es hervorzn- 
gehen, dass in Riga die Ansicht tiberwog in erster Linie ein 
Sanatorium für Unbemittelte ins Leben zu rufen, während 
der Verwaltungsrath in Dorpat ein Sanatorium fdr den Mit¬ 
telstand mit möglichst niedrigen Verpflegungennkosten für 
zeit gemäss hielt. Dieser Gegensatz trat durch die späteren 
brieflichen Verhandlungen immer deutlicher zu Tage and 
führte schliesslich zu einem Antrag des Rigaer Localcomites, 
in die Statuten Bestimmungen anfzunehraen, welche die Or¬ 
ganisation von Filialcomirös mit fast, absoluter Selbstständig¬ 
keit auch iu Bezug auf die Verwendung der gesammelten 
Geldmittel bezwecken. In der Ueberzeugung, dass die An¬ 
nahme derartiger Bestimmungen eine verhängnisvolle Zer¬ 
splitterung der Gesellschaft in mehrere selbstständige Körper¬ 
schaften mit nur sehr lockerem Zusammenhang zur Folge 
haben müsse, brachte dieser Vorschlag in dem Dorpater Ver- 
waltnngsrath die Anschauung zur Reife, die Ueberführung 
der Verwaltung der Gesellschaft nach Riga ius Auge za 
fassen. Bei Berücksichtigung des Umstandes, dass in Riga 
die weitaus grösste Zahl von Mitgliedern sowie die grössten 
peenniären Geldbeiträge zn erwarten sind, schien dieser Be¬ 
schluss eine notwendige Folge der bestehenden Meinungs¬ 
verschiedenheit zu sein. Am 14. Juni c. ward nach Eiuholang 
der Zustimmung der in Riga für diese Frage massgebenden 
Persönlichkeiten auf einer zu diesem Zweck berufenen Gene- 
neralVersammlung einstimmig beschlossen, den Sitz der Ver¬ 
waltung der Gesellschaft aus Dornat nach Riga zu verlegen, 
und an Stelle der aus dem Verwaltungsrath ausgeschiedenen 
Mitglieder Prof. I)r. K. Dehio, Dr. Grau b ne r, Dr. Baron 
Ungern, Aeltennann E. Freymuth, Redacteur A. H a s- 
selblatt, Consultant A. Volk und Dr. Joh. Meyer die 
Herren Dr. M. S c h m i d t, 0. K 1 e m ra, M. K i k u t h, Ale¬ 
xe j e w, L e e p i n, den Herrn Fabrik Inhaber Jensen und 
Baron Wo 1 ff gewählt. 

In Folge eines Missverständnisses war bis heute die offi- 
cielle Mittheilung dieses Beschlusses nach Riga versäumt 
worden. 

Im Aufträge des Cassaführers Dr. P. Baron U_n gern 
theilt Referent mit, dass bisher als Einnahmen 1721 Rbl., 
als Ausgaben 216 Rbl. 16 Kop. gebucht worden sind. 

6) Dr. A. Treu-Lindheini: «Ueber die Fürsorge für unbe¬ 
mittelte Lungenkranke». 

(Der Vortrag ist in exteuso erschienen in der «St. Petersb. 
Med. Wochenschrift».) • 

Der Präses schlägt vor der vorgerückten Zeit wegen die 
Discnssion auf die uächste Sitzung zu verschieben. Der Vor¬ 
schlag wird angenommen. 

Schluss der I. Sitzung. 


Vermischtes. 


— Der Militär-Mediciualinspector des Moskauer Militärbe¬ 
zirks Gebeimrath Dr. Leonhard Sanszinski ist auf 
sein Gesuch vera bschiedet worden, unter gleichzeitiger 
Beförderung zum wirklichen Geheimrath. 

— Der IlluxtV.be Kreisarzt Dr. Agathon Jonas ist 
zum Ehrenfriedensrichter des Friedrichstadt-Illaxt- 
scheu Gerichtsbezirks (in Kurland) für dag laufende Trien- 
uium ernannt worden. 

— Dem verabschiedeten älteren Medicinalbeamten des Madi- 
cinal-Departements Dr. Fein berg ist der Rang eines 
wirklichen Staatsrath g verliehen worden 

— Zum stellvertretenden Go uver nement-s - Medio i - 
nalinspector von Lublin ist der ältere Arzt des Sa- 
witsch-Hospitals in Wilna Dr. Iguatjew ernannt worden. 

— Der nenerwählte ausserordentliche Professor auf 
dem Lehrstuhl der chirurgischen Hospital¬ 
klinik an der M i 1 i t ä r - M e d i c i n i s c h e n A c a d e - 
mie Dr. Fedorow (bisher Privatdocent der Moskauer Uni¬ 
versität) ist in diesem Amte bestätigt worden. 

— Die Moskauer Abtheilung der ärztlichen 
Gesellschaft zugegenseitigerUnterstützu n g 
zählte, wie der Secretär der Gesellschaft Dr. Dabrowi n 
im «R. Wr.» aas dem Jahresbericht mittheilt, 265 Mitgli e- 
d e r und batte znra 1. Januar 1903 einen Cassenbesta n d 
von 2659 Rbl. 37 Kop. Die in Folge des Ablaufes des ersten 
Trienniams der Thätigkeit der Verwaltung der Gesellschaft 


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in 


Vorgenommenen Wählet) ergaben einen fast nnveränderten 
Bestand der Verwaltung: Es worden zu Gliedern der Ver¬ 
waltung die Dur. Bntjagin, Galaktionow, Dnbro- 
win, Nareiko und Prof. C. Klein und zu Ehrenrichtern 
die Professoren D. 8 e r n o w und C. Klein sowie Dr. L o - 
shetschnikow gewählt. 

— Der ältere Ordmator des Ssaratowschcn Gouvernement s- 
Landsckaftshospitals Dr. Haller ist zum C o n s u i t a n t e n 
des Ssaratowschen Märien-Instituts ernannt 
worden, unter Belassnng in der bisherigen Stellung. 

— Für den durch Prof. G ruber’s Uebersledelung an die 
Münchener Universität erledigten Lehrstuhl der Hy¬ 
giene an der Wiener Universität ist Prof. Dr. 
Carl Flügge (Breslau) an erster Stelle in Vorschlag ge¬ 
bracht worden. 

— Zum Director der gynäkologischen Klinik 
der Universität Erlangen ist an Prof. Gessner’s 
Stelle Dr. J. Veit, Professor der Gynäkologie in Leiden, be¬ 
rufen worden. 

— Prof.extraord. Dr. Eige nbrodt, Leiter der chirurgi¬ 
schen Poliklinik in Leipzig, giebt seine Lehrtätig¬ 
keit an der Leipziger Universität auf. 

— Der jüngere Arzt, an der St. Petersburger Augenheil¬ 
anstalt Staatsratb Dr. Stroganow ist zum älteren 
Arzt dieser Heilanstalt ernannt worden. 

— Prof. Dr. E. v. Behring (Marburg) hat vor Kurzem, 
einer Einladung der «Gesellschaft für innere Ue- 
dicin in Wien» Folge leistend, in der Schrotter’scben 
medicinischen Klinik einen Vortrag über Bekämpfung 
der Tubercnlose gehalten, in welchem er — freilich 
mit Reserve — die Möglichkeit iu Aussicht stellte, die mensch¬ 
lichen Säuglinge gegen die infantile Tuberkelinfection durch 
die Milch von gegen Tubercnlose immunisirten Kühen zu 
schützen. Nach dem Vortrage wurde Prof. v. B e h r i n g , 
auf Antrag des Präsidenten der «Gesellschaft für innere Me- 
dicin in Wien» Prof. Nothnagel, per acclamationem zum 
Ehrenmitglieds dieser Gesellschaft gewählt. 

— Verstorben: 1) Am 28. Februar in Perm der ältere 
Ordinator am Landschaftshospital Dr. Adolph Zander im 
68. Lebensjahre. Der Hingeschiedene stammte aus Livland 
und hatte seine medicinische Ausbildung an der Dorpater 
Universität erhalten, an welcher er von 1865—71 stndirte. 
Nach Absolvirung des Cnrsns war Z. anfangs 6 Jahre Arzt 
in Goldingen, nahm danu 1877—78 als Militärarzt am russisch¬ 
türkischen Kriege theil und bekleidete seit 1879 den Ordina- 
torposten am obengenannten LandschaftshoBpital. — 2) Am 
10. Januar in Bjela (Gouv. Siedlee) der frühere Divisionsarzt 
Staatsrath Dr. Rainer Wolinski in hohem Alter. Der 
Verstorbene hat über 61 Jahre die ärztliche Praxis ausge- 
übt. —• 3) In Charkow am 4. März Dr. Alexander N i k o- 
lajew im 37. Lebensjahre. Er war seit ca. 7 Jahren als 
Arzt für Nerven- uud Geisteskrankheiten in Charkow thätig. 
— 4) Am 9. März in Moskau Dr. Moses Stilmann, Arzt 
seit 1886. — 5) ln Ssaratow am 6. März Dr. W. J. Parug- 
s i n o w, welcher seine ärztliche Thätigkeit im Jahre 1884 be- 

S onnen hatte. — 6) In Pavia der Professor der Chirurgie 
r.* Enrica Bottini im 66. Lebensjahre. Der Verstor¬ 
bene ist namentlich iu seinen letzten Lebensjahren durch die 
allgemeine Einführung der nach ihm benannten gal van o- 
caustiachen Operation der Prostatahypertrophie bekannt ge¬ 
worden. Bottini hatte schon seit 30 Jahren die galvano- 
caustische Behaudlung der Piostata mit Erfolg angewaudt, sie 
blieb aber unbeachtet, bis im Jahre 1896 durch eine in Lan- 
genbeck’s Archiv publicirte Monographie und die Verbes¬ 
serung, welche die zugehörigen Instrumente durch Dr. A 1 - 
bert Freudenberg in Berlin erfuhren, diese Methode 
allgemeiner bekannt wurde und in kurzer Zeit sich das Bür¬ 
gerrecht in der Urologie erwarb. 

— Der Abtheilungschef der Ober-Militär-MedicinalVerwal¬ 
tung wirkl. Staatsrath Dr. OkinBchitz ist wegen 
Krankheit verabschiedet worden. 

— Der ältere Arzt des Kownoschen Stadthospitals Dr. G r ö- 
dingeristznm Gehilfen des tau rischen Gou¬ 
vernements - Medicinalinspectors ernannt 
worden. 

— Der Odessaer A rzt Anton Grinewecki hat die 
Ooncession zur Herausgabe eines medicini¬ 
schen Journals unter dem Titel ^HaioTepaneuTB- 
uecKifl BtcTHBKi» (Physiotherapeutische Zeitschrift) er¬ 
halten. 

— Im nächsten Jabre soll in St. Petersburg der 
erste russische Congress für Geburtshilfe 
und G ynäkologie stattfinden. 

— Wie die «Mosk. D. Ztg.» berichtet, gelangte nachstehen¬ 
der Fall von principieller Bedeutung für die Aerzte i;i Moskau 
zur gerichtlichen Verhandlung. Der Inhaber einer elektri¬ 
schen Heilanstalt in Moskau, Dr. 81 e t o w, hatte beim Frie¬ 
densrichter eine Forderungsklage gegen die Moskauer Stadt¬ 
verwaltung, betreffend die Rückerstattung der unrechtmässig 


von ihm erhobenen 3procentigen städtischen Gewerbesteuer, 
anhängig gemacht. Er berief sich dabei auf die in einem 
ähnlichen Process. den Dr. Wellberg vor einiger Zeit 
gegen die Stadt angestrengt hatte, ergangene Senatsentschei¬ 
dung, wonach Kliniken und Heilanstalten nicht zu den ge¬ 
werblichen Unternehiunngen gehönn und daher auch kei¬ 
ner Gewerbesteuer unterliegen. Der Friedens¬ 
richter erklärte sich für incompetent, da es sich in diesem 
Falle nicht um eine civilrechtliche, sondern um eine admini¬ 
strative Frage handle und der Kläger daher seine Forderung 
nur bei den administrativen Behörden geltend machen könne. 

— In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekoramen, dass 
Aerzte wegen Ansstellung von Krankheitszeug¬ 
nissen ohne Stempelmarke selbst in solchen Fällen, 
in welchen das Gesetz die Befreiung von der Stempelsteuer 
versieht, wie z. B. bei der Ausstellung von ärztlichen Atte¬ 
sten an Gerichtszeugeo, von Impfzeugnissen bei der Auf¬ 
nahme von Schülern in die Lehranstalten etc., zur Verant¬ 
wortung gezogen und zu den vorgesehenen Strafzahlungen 
vernrtheilt wurden. Ein Mitarbeiter der «N. Dn.» macht nun 
darauf aufmerksam, dass in dieseu Fällen eine Unterlassung 
seitens der Aerzte vorliegt. Nach dem Stempelsteuorgesetz 
muss nämlich auf Zeugnissen und Attesten, die von der 
Steuer befreit sind, derGrund der Befreiung unter 
Berufung auf den betreffenden Gesetzpara¬ 
graphen angegeben werden. Im Unterlassungsfälle 
wird eioe Pön im zehnfachen Betrage der Stempelmarke er¬ 
hoben. 

— Neuerdings hat sich in Jurjew (Dorpat), wie die «Russ. 
St. Peter. Ztg.» erfährt, mit Genehinigang der Universitäts¬ 
obrigkeit ein «Verein von Studenten der Medicin 
der Jurjewschen Universität» gebildet, der sich 
die geistige und körperliche Ausbildung seiner Mitglieder 
zum Ziel gesetzt hat. Mitglieder des Vereins können werden 
Studenten der Medicin, Docenten der Universität und Aerzte- 
Der Verein zerfällt in 4 Sectionen: 1) eine wisse nschaft- 
liehe, die für Vorträge und Referate aus dem Gebiet der 
Medicin und Naturwissenschaften, sowie für medicinischen 
Zeitschriften, Tageblätter und andere Bildungsmittel zu 
sorgen hat; 2) eine Sectionfur körperliche Aus¬ 
bildung durch Sport, Fechten,, Gymnastik etc.; 3) eine 
wirthscbaftliclie Sectio n, die ein Arbeitsnachweis 
— Büreau für unbemittelte Studenten einrichtet, Bücher and 
Ivehriuittel zu ermässigten Preisen verschreibt and ausserdem 
für ein Bnffet (ohne Spirituosen) Sorge trägt; 4) eine Ver- 
gnügungssection, welche für musikalische und litera¬ 
rische Abende, Tlieaterauiführangen, Spiele tausser Karten 
und Hazard) zu sorgen hat. Der Verein darf auch Vorträge 
und medicinische Aufsätze mit Genehmigung der medicini¬ 
schen Facnltät lierausgeben. Der Verein verfügt bereits über 
ein Kapital von 1300 Rbl., das durch Concerte und private 
Spenden aufgebracht worden ist. 

— Wie die «Nordl. Ztg.» erfährt ist auch ein Verein 
studierender Pharmacenten in Jnrjew vom 
Conseil der Universität bjstätlgt worden. Bekanntlich exi- 
stirte ein derartiger Verein bereits in den70-er und 80-er Jah¬ 
ren, wurde aber von der Universitätsobrigkeit aufgehoben. 

— In R i g a ist ein Verein zurEr weisungsebne 1- 
ler ärztlicher Hülfe ins Leben getreten. 

— Die städtische Aerztecommission in Mos¬ 
kau hat sich für die Eröffnung einer Abtheilnng für 
Alkoholiker bei einem der städtischen Krankenhäuser 
ausgesprochen. Ferner hat sie den Beschluss gefasst, dass 
unter keinen Umständen Geisteskranke in den allgemeinen 
Krankenhäusern untergebracht werden dürfen, sondern in 
jedem Fall den Irrenhäusern überwiesen werden sollen. 

— Ein neuer Curort. Wie verlautet, ist eine A c - 

tiengesellschaft mit einem Grundkapital 
von einer Million Rbl. auf Initiative der Herren v. 
Dittmar, Karelius und Mamontow in der Bildung be- 
glitten. Diese Gesellschaft beabsichtigt am Südafer der Krim 
einen Curort nach ausländischem Muster anzulegen und den 
Curort durch eine elektrische Bahn mit Ssewastopol zu ver¬ 
binden. Bf. 


Nächste^Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 1. April 1903. 

Tagesordnung: 1)0. Köttner: Ueber Kranioklasie. 

2) S. Recht sanier: Ein Fall von 
Rückenraarksgeschwnlst. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. April 1903. 


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de VAcadtmie den Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich fest gestellt 
(M. La Hont, Bulletin de VAcademie de Me- 
decine, 14 Juni 1892) und klinisch ei- 
probt (Soci6t6 de Th6rapentique: Constan- 
tiu Paul; Dujardiu-Beaumctz, Mddicatiovs 
nonvelles, 2. serie; Bibliotliöque Charcot- 
llebove, Purgatifs, p. 104: Prof. Lenioine, 
Lille, Therapeutique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congres pour l'avau- 
cement des Sciences, Bordeaux, 1895, 
Theil 1 p. 963; Prof. Charles, de Liege, 
Cours d'accouc/iements etc.., etc.) 


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Aerzte „Cascarine Leprince“ zu verschreiben. 

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Depots: in allen grösseren Apotheken und Droguenhaudlungeu Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascariue beprince» 
in Russland zum Gebranch zngelassen. ^7) 2fr—12. 





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Tabletten zu 0,5 und 1 G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frleser, Wien («Medicin.-Chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6n6ral Th6rapeutique» vom 30. März lyni). 

4. Dr. Lanmonier, Paris («Presse M6dical» vom April 1901), 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 n. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reicholt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fachs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spoiler ans der medic- Abtheilung von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarbeit Dr. de Moraos Miranda an der medicin. Facultät in Paris. 

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oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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medieindschren Autoritäten Europa’s und Amerika’s angenommen ist. 

Adrenalin (Takamine) ist das wirksame Princip der Neben¬ 
nieren und Wird in der lledicin sehr Ott nnd verschiedenartig an¬ 
gewandt. 

Adrenalin (Takamine) innerlich eingenommen, steigert den Blot- 
druck und ve.langsamt den Puls. Auf den Herzmuskel wirkt es in 
ähnlicher Weise wie Digitalis, nnr stärker. 

Adrenalin (Takamine) äosserHch angewandt, bewirkt Ver¬ 
engerung der Arterien und die seinem Einflüsse ausgeBeirten Kör¬ 
perlheile werden blutleer. Die Schleimhäute werden durch die Wtr- 


DAVI8 *( 
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perlheile werden blutleer. Die Schleimhäute werden durch die Wir¬ 
kung des Adrenalin bhtss. Bei chirurgischer Behandlung der Au¬ 
gen-, Obren-, Nasen- und Halskrankhelten ist es mittels Adrenalin 
(Takamine) möglich blutlose Operationen ausznführen. 

Die klinischen Berichte bezeugen die hervorragenden Vor¬ 
züge des Adrenalin (Takamine) als eines stark adslrftfgffenden und 
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heiten, Herzfehler, Blnterbrechen, Bimbamen, Biotspeieu Gebär- 
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but, Dysenterie, Hämorrhoiden und derg). 


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124 


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Gereinigtes concentrirtes Haemoglobin (D. R. Pat JÄ 81,391) 70.0, cliemisoh reines Glycerin 20,0, Aromatische und 

Geschmackszusätze 10,0 (Alkohol 2"/°). 

Als blutbildendes, organ eisen haltiges, diätetisches \iilir- und Kräftigungsmittel für Kinder und Erwachsene bei 

Schwäche/.»Ständen irgend welcher Art unerreicht, 
besonders unentbehrlich in der Kinderpraxis. 

Haematogen Hommel enthält ausser dem völlig reinen Haemoglobin (Sterilisirt, d. i. frei von den im Blute 
kreisenden Bacterieu) noch sämmtliche Salze des tiisehen Blutes, insbesondere auch die wichtigen Pliosphorsalze 
(Natrium und Kalium), sowie die nicht miuder wichtigen Eiweissstofle des Serums in concentrirter und gereinigter 
unzersetzter Form (also nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch Säure-Pepsin oder Hitzegrade er¬ 
zeugtest von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Alhumoseii und peptonisiite Präparate werde», wie Volt- 
München, Neumeister-Jena und C a h n-Strassburg nachgewiesen haben, übeihnupt nicht direkt resorbirt; ihre 
Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche Verdauung werden 
zweifellos Stoffe zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus vou : höchster Wichtigkeit sind. 
Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haeinatogen Hommel gerade in solchen Fällen von Rhachi- 
ti8, Scrophulo9e, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisiite, Präparate sowie heberthran 
Jodeisen u. s. w. angewandt wurden. ,. 

♦- Haematogen Hommel kann a ls di ä tetisches, d i e täg liche Nahning ergänzendes Mittel jahraus, jahrein olineün- 
terbrechung genommen werden. Da es ein natürliches organisches Piodnct ist, treten niemals irgend weh he Störungen 
ein, insbesondere nicht der hoi längerem Gebrauche von künstlichen EisenprUraraten unvermeidliche Orgasmus. * 


^VnrnnTlO’ Vf\V TPälQpIlTITlfJ’l ^' r warufcn vor ( ^ en zahlreichen Nachahmungen unseies Präparates, ins- 
YV ctlllUllg vUl X alöbllUllg. besondere vor solcben mit Aether-Znsatz. Sie repräsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. In solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretionsstoff'eu (Hip- 
pursäure, Harnstoff, flüchtige Fettsäuren, Gase etc. etc.) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original Präparat Haeinatogen Hommel zu ordiniren. 


Versuchsqnante stellen wir den Herren Aerzten, die sich durch Eigenproben ein Urtbeil bilden wollen, gerne gratis 
und franko zur Verfügung und bitten wir Solche von unserem Versandt* Döpöt: Apotheke auf Gross- 
Ochta, Abtheilung _IIacmatogen~ in St. Petersburg zu verlangen. 

Tages-Doseu: Säuglinge 1—2 Theelöffd mit der Milch gemischt (Tiinktemperatur!), grössere Kinder 1—2 Kinderlöffel 
(rtinü), Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem Essen, wegen seiner eigentümlich stark appetit¬ 
anregenden Wirkung. 

Verkauf in den Apotheken in Original-Flaschen. (8‘/a Unz.) zn 1 Rub. 60 Kop. 

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JIoub. neu b. Gnö., 19 MapTa 1903 r. Herausgeber Dr.Rudolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke.Katharinenhofer Pr. J4 15 


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XXVIII. JAHRGANG. 


ST. PETERSBUR&ER 


Neue Folge XX. Jahrg. 


MEDIGINISGHl VODIIBDIUR 


unter der Redacfion von 

Prof. Dr. Karl Oehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dje „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementsprds ist in Bussland8 Rbl. für das 
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für die 3 mal gespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabzQge ihrer Originalartikel zugesandt. 
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HF“ Abonnements-Aufträge sowie alle Inserat^ "HM 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von JL L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Ns 14. zu richten. — Äanus- 
cripte sowie alle aufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäfts^ührenden RedacteurDr.Bndolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 

JA 13 St. Petersburg, den 

29. März (11. April) 1903■ 

Inhalt: Dr. A. v. Kosteljanetz: Ueber die Beziehungen der Erkrankungen des Ohres zu denen der Nase und des 
Nasenrachenraumes. — Referate: Ludw. Kraft: Behandling af Karbolsyreforgiftning. Nord. Tidskr. for Terapi. — Proto¬ 
kolle des Vereins Sy. Petersburger Aerzte. — Protokolle des deutschen ärztl. Vereins zn St. Petersburg. 
— Vermischtes. — Mortalitäts-Bnlletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 

Dieser J>ß liegt «Ns 3 der Revue der Russischen Medicinischen Zeitschriften» bei. 


Ueber die Beziehungen der Erkrankungen des Ohres 
zu denen der Nase und des Nasenrachenraumes. 

Von 

Dr. A. v. K o stelj a netz. 

(Ans der Abtheilung für Ohrenkranke in der Kgl. Charitä in 
Berlin. Dlrector Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Passow.) 

Die häufige Gleichzeitigkeit der Erkrankungen des 
Ohres, der Nase und des Nasenrachenraumes führte zu 
der Verrauthung der Beziehungen in den krankhaften 
Veränderungen dieser Organe. 

Seitdem wir genauere Kenntnisse der anatomisch¬ 
physiologischen Verhältnisse, sowie der Erkrankungen 
ati diesen Organen besitzen, hat diese Annahme ihre 
Bestätigung gefunden. 

Wir brauchen nur in Betracht zu ziehen, dass das 
Mittelohr ursprünglich als Ausstülpung des Schlund¬ 
rohres angelegt ist and der Nasenrachenraum sich in 
ständiger Communication mit der Paukenhöhle durch 
die Tube befindet. Die Schleimhaut der Tube ist eine 
unmittelbare Fortsetzung der des Nasenrachenraums. 
Die Tube selbst verläuft schräg von vorn, unten und 
medial, nach hinten/oben und lateral, indem sie den 
Nasenrachenraum mit der Paukenhöhle verbindet. Die 
untere Wand der knöchernen Tube bildet mit der vor¬ 
deren Wand der Paukenhöhle eine stumpf- oder auch 
rechtwinklige scharfe Kante, während ihre übrigen Wände 
ohne scharfe Grenzen in die der Paukenhöhle übergehen. 
Das Ostinm tympanicum zeigt eine Höhe von ca. 4 Mm. 
und eine Breite von 3,8 Mm. und liegt vorne oben in 
der Paukenhöhle. Das Ostium pharyngeum liegt an der 
Seitenwand des Nasenrachenraumes, hat eine Höhe von 
ca. 6 Mm. und eine Breite von 5 Mm. Aus allen die¬ 
sen anatomischen Verhältnissen ergiebt sich Folgendes: 

1) Erkrankungen der Schleimhaut der Nase und des 
Nasenrachenraumes können sich direct auf die Toben- 
und von da auf die Pauken-Schleimhaut fortsetzen. 

2) Die Bedingungen für den Secretabfluss aus dem Mit¬ 
telohr durch die Tube sind bei der oben geschilderten 


Lage des Ost. tymp. sehr ungünstige, ausgenommen bei 
Kindern, wo die Tube sehr weit ist. 3) In Folge des 
ungeeigneten Secretabflusses nach dem Nasenrachenraum 
ist auch eine Tnfection der Nase und des Nasenrachen¬ 
raumes von Seiten des Mittelohres sehr selten. 

Dieses ist der gegenwärtig wohl allgemein angenom¬ 
mene Standpunkt, der mit der Anschauung älterer Au¬ 
toren, wie Wilde, in einigem Widersprach za stehen 
scheint. Wilde. (Prakt. Beobach, über Ohrenheilk. 1855, 
pag. 273) nämlich glaubte, dass bei gleichzeitiger Er¬ 
krankung des Ohres und der Nase, oder des Rachens, 
die MtttelohrafFection hierbei die primäre, während die 
letztere die secundäre wäre. 

Der anatomische Zusammenhang der Tube mit der 
Nase und dem Nasenrachen documentirt sich ausserdem 
durch theilweise gemeinsame Gefässversorgnng. 

Die arteriellen Gefässe der Tobe stammen aus der 
Maxillaris iuterna, aus der Art. canal. pterygoidei und 
Art. pharyngea ascendens, deren einer starker Ast 
(Ramus pharyngeus) zor Tube und zur Gaumentonsille 
dringt. Der Nasenrachenraum wird durch Zweige der¬ 
selben Arterien versorgt, und ebenso wird die Nasen¬ 
schleimhaut znm Theil von den Aesten der Maxillaris 
interna versorgt. Die Venen des Nasenrachenraumes 
sammeln sich in einem Geflecht zwischen Constrictoren 
und Levatoren, das mit dem Plexus pterygoideus, mit 
der Jugularis externa und der Facialis communis in 
Verbindung steht. 

Die Lymphgefässnetze der Nasenschleimhaut entleeren 
sich in die Gefässe des Gaumens und Rachens, wo sie 
schliesslich in die Gland. cervicales abfliessen. Die des 
Nasenrachenraumes gehören zum Gebiete der retropha- 
ryngealeu und tieferen Cervicaldrüsen. Auch die, so¬ 
wohl in der Pars ossea als auch in der Pars cartilagi- 
nea, zahlreichen Lymphgefässe hängen am Ostium pha¬ 
ryngeum mit denjenigen der Schlundschleimhaut zusam¬ 
men. Da nun auch die Schleimhaut der Paukenhöhle 
mit zahlreichen Gefässen versehen ist, die mit denen der 
Tnbe coramuniciren, so können in Folge dessen Stauungs- 


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erscheinungen in der Nase und im Nasenrachenraum 
auch solche nicht nur in der Tnbe, sondern auch in 
der Paukenhöhle hervorrufen. 

Da die Tube die Ventilation des Mittelohres zu be¬ 
sorgen hat, so können sämmtliche in der Nase und im Na¬ 
senrachenraum vorkommenden Veränderungen, die zu 
einer mechanischen Verlegung des Ost. pharyng. tubae 
führen, ein Ohrenleiden, mit oder ohne Hörstörung zur 
Folge haben. Die «PaukenhöhlenVentilation» (Sche-11- 
hammer)wird dabei zunächst gestört oder gänzlich auf¬ 
gehoben, d. h. es tritt eine Luftverdünnung in der 
Paukenhöhle ein. Dauert dieser Zustand an, so wird 
das Trommelfell mit der Kette der Gehörknöchelchen 
unter dem höheren äusseren Atmosphärendruck nach 
innen gedrängt, die Steigbügelplatte wird tiefer in die 
Fenestra ovalis hineingepresst; es entsteht eine Hem¬ 
mung der Schwingungsfähigkeit und Störung des Hör¬ 
vermögens. Solche Retractionen des Trommelfelles kön¬ 
nen, wenn sie lange bestehen, zur permanenten Contrac- 
tur des Tensor tyrapani fuhren. Die letzten schlimmsten 
Folgen des Tubenverschlusses sind diejenigen pathologi¬ 
schen Veränderongen im Mittelohr, die zuletzt zur 
Stapes-Ankylose und damit zur allmähligen aber sicheren 
Ertaubung führen, deren Beseitigung ausgeschlossen ist. 

Die Veränderungen in der Nase und im Nasenrachen, 
die eine solche Tuben Verlegung herbeiführen und die oben 
erwähnte Hörstörung verursachen, können mannigfach¬ 
ster Art sein, wie hyperplastische Rachenmandeln, Tu¬ 
moren, Neubildungen, Schwellung der Nasenrachen- 
schleimhaut, Hyperplasie der unteren und mittleren Mu¬ 
scheln, Leisten etc., die sich bis an die Tuben Windung 
erstrecken. 

Weit gefährlicher für das Ohr resp. das Gehör als 
diese einfache mechanische Verlegung der Tubenmündung 
sind die verschiedensten entzündlichen Processe, die in 
der Schleimhaut der Nase und des Nasenrachenraumes 
Vorkommen. Jedoch auch diese sind sich in ihren Fol¬ 
gen nicht gleich, denn sie können zunächst bloss Ge¬ 
hörsstörungen hervorrufen, ohne dass dabei die Entzün¬ 
dung selbst auf das Mittelohr überzugehen braucht. So 
die Fälle reiner Otalgie, die von Bezo 1 d, Schwartze 
und Anderen vielfach in der Literatur beschrieben sind, 
wo Catarrhe, Entzündungen und mannigfachste Geschwüre 
im Nasenrachenraum, wie diphtherische, syphilitische, 
sowie einfache Erosionsgeschwüre, eine Neuralgia tympa- 
nica hervorrufen, bei der man örtlich keine anatomischen 
Veränderungen io der Pauke nachweisen kann, das Trom¬ 
melfell nicht gleichzeitig entzündet ist und auch das 
Hörvermögen nicht leidet. Ausser diesen ziemlich sel¬ 
tenen Fällen, wo also nur nach dem Ohr ausstrahlende 
subjective Schmerzempfindung besteht, möchte ich noch 
der Autophonie, d. li. des krankhaften Wiederhailens der 
eigenen Stimme im Ohre erwähnen, einer bei atrophi¬ 
schen Processen im Nasenrachenraum vorkommenden 
Hörstörung, die nach Ostmann durch den Schwund 
des Fettpolsters in der raembrauösen Tubenwand be¬ 
dingt wird, wodurch die sonst geschlossene Tube in ihrem 
pharyngealen Abschnitt klaffen bleibt, ohne dass sich 
darum irgend welche pathologischen Processe im Ohre 
selbst abzuspielen brauchen. Abgesehen von diesen nicht 
allzu häufigen Fällen kommt es doch gewöhnlich zur 
Miterkrankung des Ohres selbst. 

Stauungserscheinungen in der Nase, z. B. bei Nasen¬ 
verstopfung, die durch Compressionen und Stauung in 
den Nasenvenen und den Lymphbahnon verursacht wer¬ 
den, greifeu, da die Blut- und Lyinphbahnen von Nase 
und Tube mit einander communiciren, auf die Tube 
über, beschränken sich jedoch bei längerem Bestehen 
nicht auf diese, sondern gehen von da auch auf die 
Paukenhöhle über. Diese Stauung ist Folge der häufig 
wiederkehrenden Schwellungszustande durch Schnupfen 


oder auch durch andersartig entstandene Congestions- 
erscheinungen in Folge von Herz-, Nieren- und Leber¬ 
erkrankungen, sitzender Lebensweise, allzu reichlichem 
Tabaksgenuss etc. In Folge der Stauung kommen liyper- 
ämische und Schwellungszustände der Nasenrachenschleim¬ 
haut, Hyperplasien der Nasenmuscheln, Catarrhe und 
Bindegewebsveränderungen in der Nase zu Stande, Ver¬ 
änderungen, die auch auf die Tube Ubergreifen. 

In Folge der Lage der pharyngealen Tubenmündung 
können schon solche Schwellungszustände geringen Gra¬ 
des vorübergehend die Erscheinungen des Tubenver¬ 
schlusses hervorrufen, wie wir es bei fast jedem Schnu¬ 
pfen sehen können. Die hauptsächlichsten Beschwerden 
bestehen dann in einem Gefühl von Völle, Druck im 
Ohr und starkem Dröhnen. Aus dies. m, aus einem ur¬ 
sprünglichen Nasenrachencatarrh entstandenen, acuten 
Tubencatarrh kann sich bei länger bestehender Ursache 
oder häufiger Wiederkehr ein chronischer Tuben¬ 
catarrh entwickeln. Der catarrhalische Process kann 
nun weiter gegen die Paukenhöhle Vordringen und dort 
zunächst acute Processe, hyperämische Zustände und 
Catarrhe zu Stande bringen, die zu Verdickuug der Pau¬ 
kenschleimhaut und Verwachsung führen und bleibende 
Hörstörungen zur Folge hahen. Diese Mittelohrcatarrhe 
können ihrerseits zu den bereits früher erwähnten Oto- 
sclerosen führen. 

Was die bindegewebigen Veränderungen anbelangt, so 
führen sie meist zu Stricturen der Tube und beginnen 
zuerst mit Hyperämie und Stase. Später kommt es 
durch Auswanderung der Ruudzellen in das sich bildeode 
Exsudat uud schliesslich durch die Organisirung dieses 
letzteren zur Bildung von fibrinösem Bindegewebe. Oder 
es kaun sich auch um eine sclerotische Entzündungs¬ 
form handeln, bei der es von vorue herein zu Bildung 
von Narbengewebe kommt, und die gleichfalls Strictnr 
der Tube mit allen ihren Folgeerscheinungen bedingt. 

Wie bereits gesagt wurde, ist die Tubenschleimhaut 
eine directe Fortsetzung der des Nasenrachens. Bei der 
Entzündung des letzteren kann der Entzünduugsprocess 
entweder per continuitatem auf die Tubenschleimhaut 
übergreifen, oder auch die daselbst befindlichen Infec- 
tionskeime können in Folge der durch Schneuzen, Nie¬ 
sen und Räuspern im Nasen rachen re um hervurgerufenen 
Luftverdichtung ins Mittelohr hineingeschlendert werden. 
Dementsprechend kann mau gar nicht selten dieselben 
Mikroorganismen, die im Nasensecret vorgefuuden sind, 
im Obreiter gleichfalls nachweisen. Auch steht leider 
die Thatsache fest, dass therapeutische Eingriffe, wie 
Catheterismus, das Pol i tzer’sche Verfahren, Bougierung 
der Tube, Nasendouche, in manchen Fällen zu Mittel- 
ohientzündungen Veranlassung geben. Das Gleiche sehen 
wir bei operativen Eingriffen in der Nase, häufiger nach 
Cauterisation als uach blutigen Operationen. Die Frage, 
ob sich denn auch im normalen, nicht entzündlichen 
Nasensecret Bacterien finden, ist nach den Untersuchun¬ 
gen von Thomson (Monalsschr. f. Ohrenheilk. 1895, 
Heft 12) dahin zu beantworten, dass sich im Nasenin- 
nern keine Mikroorganismen, auf der Schneider’schen 
Membran 80 pCt. vorfindeu. 

Diese Verhältnisse ändern sich natürlich bei jedem 
noch so geringen Schnupfen. Was das Mittelohr anbe¬ 
trifft, so ist hier in neuester Zeit die Ansicht Frey- 
sing’s von der Keimfreiheit der gesunden menschlichen 
Paukenhöhle (Centralbl. f. Bacteriolog. 1899, Bd. XXV, 
18—19) vorläufig die vorherrschende, sodass das Eindrin¬ 
gen von Mikroorganismen, da keine solche vorhanden, 
aus dem gesunden Mittelohr in die Tube und von hier 
in die Nase gänzlich ausgeschlossen erscheint. Nicht 
so ganz unmöglich erscheint die Infeetioii der Nase Yon 
der erkrankten Paukenhöhle aus. Ungeachtet der be¬ 
reits erwähnten ungünstigen anatomischen Verhältnisse 





127 


des Ostinm tymp. der Tube und ungeachtet der vielfach 
gemachten klinischen Beobachtung, dass bei erhöhter 
secernirender Thätigkeit der Paukenhöhlenschleimhaut 
während der entzündlichen Schwellung derselben stets 
auch die Scbleimhautauskleidung der Tube raitbetroffen 
wird und somit einen Verschluss zu Stande bringt, der 
nur schwer überwunden werden kann, kann es doch 
trotz alledem, wenn auch sehr selten, zu Secretabfluss 
aus dem Mittelohr durch die Tube und bei gewisser 
Virulenz der Krankheiterreger zur secundären Affection 
der Nase kommen. Zur Bestätigung des hier eben Ge¬ 
sagten möchte ich hier gleich kurz zwei diesbezügliche 
mir bekannte Fälle anführen. 

Im ersten Fall') handelte es sich um eine Patientin, 
die ich ein Jahr lang zu beobachten Gelegenheit hatte. 

Ella S., 8 Jahre. Klagt über eitrigen Ohrenausfluss 
rechts, der schon seit 3 Jahren besteht, zeitweilig aber 
auch aufhört. Das Ohrenlaufen, das sich damals plötz¬ 
lich unter heftigen Schmerzen einstellte, verursacht ge¬ 
genwärtig der Patientin wenig Beschwerden und ist in 
letzter Zeit sehr spärlich geworden. Dagegen giebt Pa- 
tieutin an, seit über 1 Jahr an Schnupfen zu leiden, 
hat beständiges «Kratzen» im Halse und bringt beim 
Husten viel eitrigen Schleim hervor. 

Der otoscopische Befund war folgender: Das Trom¬ 
melfell rechts zeigte hinten oben eine grosse randstäu- 
dige Perforationsöffnung, aus der Secret in nur sehr 
massiger Menge hervorzuquellen schien. Der wieder¬ 
holt eingelegte Probetarapon blieb trocken, obgleich die 
Gegend des Trommelfells sich nach sorgfältigem Aus¬ 
topfen mit einer dünnen Eiterschicht bedeckte. Die 
Nasenschleimhaut war etwas geröthet und geschwollen 
und bei der Rhinoscopia posterior konnte man deutlich 
eitrige Massen coustatiren, die aus der Gegend der 
rechten Tubeumündung herabflo9sen. Die wiederholte 
Untersuchung auf Empyem der Nebenhölen ergab ein 
negatives Resultat. Es musste demgemäss angenommen 
werden, dass man es hier mit dem Ohreiter zu thun 
habe, der seinen Weg durch die Ohrtrompete gonommen 
hatte und darauf auch die Erscheinungen des Retronasal- 
catarrhs zurückführen. Diese Annahme bestätigte sich 
auch alsbald, indem die Patientin, als sich später einige 
gefahrdrohende Symptome einstellten, der Radicalopera- 
tiou unterzogen wurde und von dem Moment an alle 
Erscheinungen von Seiten der Nase und des Rachens 
znrückgingen. 

Um ähnliche Verhältnisse scheint es sich bei dem 
zweiten mir bekannten Falle zu handeln, der dem meinen 
Untersuchungen zu Groude liegenden Krankenmaterial 
der Ohrenpoliklinik der Charitö entnommen ist. 

Albert B. 27 Jahr, leidet seit einem halben Jahr an 
Ausfluss aus beiden Ohren. 

Patient giebt an, dass der Ausfluss aus dem Ohr in 
den Rachen herabfliesse und er täglich ca. , /a° Liter 
Ohreiter ausspeien müsse. Auch hier ist postrhinosco- 
pisch Eiter nachweisbar, jedoch kein Nebenhöhlenempyera. 

Dass das Ohreusecret jedoch so selten seinen Abfluss 
durch die Tube nimmt, bängt ausser den oben erwähnten 
topographischen Verhältnissen am Ost. tympan. meiner 
Ansicht nach wohl auch noch von der Zähigkeit und 
Dickflüssigkeit des Ohreiters selber ab. Denn dass dünne 
Spülflüssigkeit selbst uuter noch so schwachem Druck 
aus dem Mittelohr durch die Tube in den Nasenrachen¬ 
raum dringen kann, ist eine beinahe alltägliche Beobach¬ 
tung, die auch ich zu machen vielfach Gelegenheit hatte. 

Sämratliche hier dargelegte Beobachtungen über die Be¬ 
ziehung der Erkrankungen des Gehörorgans zu denen 
der Nase und des Nasenrachenraumes habe ich in meinen 


') Aus dev Poliklinik des Herrn Dr. Peyser, mit dessen 
freundlicher Genehmigung ich hier diesen Fall veröffentliche. 


Untersuchungen, die sich über 1000 Fälle eines Kran¬ 
kenmaterials der Ohrenpoliklinik der Charitö erstreckten, 
vollauf bestätigt gefunden. Sämmtliche 1000 Ohren¬ 
kranke sind gleichzeitig systematisch in Bezug auf die 
Nase'und den Nasenrachenraum untersucht worden, und 
es hat sich herausgestellt, dass unter den 1000 Ohren¬ 
leidenden nur 671 Patienten keine wesentlichen Verän¬ 
derungen am Nasopharynx aufzuweisen hatten, während 
sich bei den übrigen 329 solche vorgefunden haben. 
Ich sage absichtlich wesentliche, denn geringe Verände¬ 
rungen, wie massige Spinen, kleine Septumverbiegungen 
und Tonsillenvergrösserungen etc. sind als nebensächliche 
und nicht pathologische Veränderungen aufgefasst wor¬ 
den, da sie ja anch unter normaleu Verhältnissen in der 
Nase und im Nasenrachenraum Vorkommen können, ohne 
irgendwie die physiologische Nasenathmung zu behin¬ 
dern und irgenwelche daraus resultirende Beschwerden 
hervorzurufen. Unter Muschelhypertrophien z. B. ver¬ 
stand ich ausgeprägt grosse Muscheln, die sich in einem 
pathologischen Schwellungszustand befanden, das Nasen- 
luraen verengten und gewöhnlich trotz Cocainisirung nur 
sehr wenig, oder gar nicht zurückgingen. Die Frage, die 
sich einem bei der Untersuchung unwillkürlich immer wieder 
aufdrängte, ob nicht eine gewisse Nasenerkrankung immer 
wiederein und dieselbe Ohrenerkrankung hervorruft, wäh¬ 
rend eine andere Nasenrachenaffection wieder eine ganz an - 
dere bestimmte Ohrenaffection zur Folge hat, diese Frage 
musste ich auf Grund meiner Untersuchungen verneinend 
beantworten. Es ergab sich nämlich, dass sämmtliche in 
Betracht kommenden Nasenrachenveränderungen, wie 
Muschelhypertrophien, Spinen, Hyperplasien der Rachen- 
und Gaumenmandeln u. s. w. sowohl bei Otitiden, chro¬ 
nischen und acuten, als auch bei Tubencatarrhen etc., 
mit einem Wort bei sämtlichen ohne Ausnahme Ohren- 
affectionen, entweder einzeln oder combinirt vorgefunden 
wurden. Die Veränderungen, die sie dann im Ohre zu 
Stande bringen, hängen davon ab, ob sie nur rein me¬ 
chanisch beim Tubenschluss wirken, oder von entzünd¬ 
lichen Erscheinungen begleitet sind. Nach Bez old kön¬ 
nen sogar Kuppelrauraeiterungen durch rein mechani¬ 
schen Tubenschluss zu Stande kommen, und zwar indi- 
rect, indem letzterer das Einreissen der stark gespann¬ 
ten S hrapnell’schen Membran zur Folge hat. Das 
erscheint um so plausibler, wenn man die vielleicht nur 
Wenigen bekannte klinische Erfahrung, die wir oft zu 
machen Gelegenheit hatten, berücksichtigt, dass es sich 
bei Rupturen eines sonst gesunden Trommelfelles infolge 
von Ohrfeigen meist um Personen handelt, die an einem 
Tubencatarrh leiden, d. h. bei denen wegen erschwerter 
Mittelohrveutilation das Trommelfell straffer gespannt ist. 

Gewöhnlich sind es Combinationen von sowohl mecha¬ 
nischen als auoh entzündlichen Ursachen, die hier zu¬ 
sammen wirken, z. B. der hypertrophische Nasenrachen- 
catarrh, an den sich der Tubencatarrh anschliesst. 

Nun entsteht eine andere sehr interessante Frage. 
Wieso kommt es, dass dieselben Microorganismen sich 
im Nasenrachenraum aufhalten können, ohne daselbst 
wesentliche Veränderungen zu erzeugen, während sie 
nach dem Mittelohr transportirt hier zu Entzündungen 
führen, nnd wieso erzeugen sie auch hier verschiedene 
Entzündungsformen. Denn man hat sowohl bei catarrha- 
lischen als auch bei eitrigen Otitiden dieselben Erreger 
raicroscopisch nachweisen können und muss daher an¬ 
nehmen, dass der Streptocoocus z. B. bald eine cata- 
rhaliscbe, bald eine eitrige Exsudation zur Folge hat. 
Die Lösung dieser Frage steht noch bevor. Man hat 
hierfür verschiedene Erklärungen gesucht, sowohl im 
anatomischen Character der Gewebe, als in der Resi¬ 
stenzfähigkeit des Organismus, und zuletzt, was das 
Wahrscheinlichste zu sein scheint, in der Zahl und der 
Virulenz der Erreger selbst. 


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Die klinische Erfahrung lehrt ausserdem, dass eine 
einfache catarrhalische Mittelohrentzündung leicht in ein 
eitriges Stadium übergehen kann. Das wäre, nach Z au- 
fal, dahin zu erklären, dass sich im Laufe des Ent- 
zündungsprocesses zu den aus dem Nasenrachenraum 
durch die Tube kommenden, in ihrer Virulenz abge¬ 
schwächten Microorgänismen, sich andere beigesellen, die 
vom äusseren Gehörgang aus durch das stets perforirte 
Trommelfell eindringen und somit eine secundäre Infec- 
tion veranlassen a ). Da, wie eben gesagt wurde, die ca- 
tarrhalische Entzündungsform leicht in eine eitrige über¬ 
geben kann, und auch überhaupt selbst die klinischen 
Erscheinungen bei beiden Processen keine wesentlichen 
Unterschiede darbieten, so habe ich sowohl die catarrha- 
iischen als auch die eitrigen Otitiden für unsere Be¬ 
trachtung zusammengefasst und sie in einer einzigen Rub¬ 
rik als Otitiden behandelt. 

Es sind somit bei Ohrenerkranken in 32,9 pCt. we¬ 
sentliche Veränderungen in der Nase und dem Nasen¬ 
rachenraum constatirt worden, und würde dieses Ergeb¬ 
nis einigermassen, wenn auch nicht ganz, mit den Er¬ 
gebnissen anderer Kliniken in Einklang stehen. Nach 
Buerkner (in Schwarze’s Handb. d. Ohrenhlk. 
Cap. 10, 1892) (Statistik und allg. Einteil, der Ohren¬ 
kranken) bilden Affectionen der Nase und des Rachens 
in ca. 36 pCt. aller Ohrleiden das ursächliche Moment. 

Eine noch höhere Ziffer finde ich in dem Bericht über 
die Grossberzl. Klinik zu Rostock vom Oct. 1899 — 
Oct. 1900. Nach dieser Statistik würden auf je 100 
Ohrenkranke 39,6 kommen, welche im ätiologischen Zu¬ 
sammenhang mit Erkrankung des Nasenrachenraumes 
stehen. 

Acute Otitiden. 

Bei den 34 acuten Otitiden schwankte je nach der 
Intensität der Entzündung sowohl der otoscopische Be¬ 
fund, als auch die klinischen Erscheinungen in den wei¬ 
testen Grenzen. Alle Uebergänge von einer einfachen 
Hyperämie des Trommelfelles, begleitet von Ohrensausen, 
bis zu einem diffus gerötheten vorgewölbten oder perfo- 
rirten Trommelfell mit Fiebererscheinungen, letztere 
hauptsächlich bei den Kindern, hochgradiger Schwerhö¬ 
rigkeit, Schmerzhaftigkeit des Warzeufortsatzes, Schwel¬ 
lung der dem Ohre benachbarten Lymphdrüsen waren 
vorhanden. Unter den Erkrankten waren Säuglinge nicht 
vorhanden. Das Alter der Patienten schwankte zwischen 
3 und 56 Jahren. 

Die in diesen 34 Fällen gleichzeitige Miterkrankung 
der Nase und des Nasenrachenraumes (der betreffenden 
Seite) bestand in folgenden Veränderungen: 

1) Hypertrophien der Gaumentonsille . . 3 Mal, 

2) Hyperplasie der Rachentonsille ... 17 *> 

und zwar combinirt mit 

a) acuter hypertrophischer Rhinitis . . 2 » 

b) mit Hypertrophie der Gaumentonsille 2 » 

3) Hypertrophie der Nasenmuscheln ... 9 » 

und zwar 

a) Hypertr. der unteren. 3 * 

b) unteren und mittleren. 4 » 

c) unteren und mittleren in Combination 

mit einer Septumverbiegung ... 1 * 

d) mit 2 Spinae. 1 » 

4) Ozaena. 1 , 

5) Das Nasenlumen ward verlegt 

a) durch eine grosse Leiste. 1 * 

b) durch Deviation des Septums nach 

der entsprechenden Seite zu . . . 3 » 

Wie wir sehen, stehen hier adenoide Vegetationen in 
erster Reihe, und zwar fand ich solche bei jugendlichen 
Individuen im Alter von 3—14 Jahren. Das würde auch 
mit der allgemeinen Annahme einer jenseits der Puber- 

2 ) Gradenigo, Blau’s Encyclop. 


tat eintretenden physiologischen Involution der hyper¬ 
plastischen Rachenmandel im Einklänge stehen. Die hy- 
perplastischo Rachenmandel kann, wie es scheint, auf 
zwiefache Art die Entzündung der Paukenschleimhaut zu 
Stande bringen, wobei, wie ich glaubo, auch die relative 
Kürze und Weite der Tube bei Kindern in Betracht 
kommen muss. Entweder das Gewebe der hyperplasti¬ 
schen Rachenmandel selbst ist Sitz eines hartnäckigen 
Entzüudungsprocesses, der nach der Paukenhöhle fort¬ 
geleitet wird, oder aber das blosse Vorhandensein der 
hyperplastischen Rachenmandel genügt, um günstige Be¬ 
dingungen für das Zustandekommen einer Ohrinfection 
zu schaffen. Man schreibt nämlich der Rachenmandel 
unter Anderen die Rolle zu, eine Schutzvorrichtung ge¬ 
gen das Eindringen von Bacterien in den Organismus 
zu sein, indem sie durch ihr Flimmerepithel dieselben 
auffängt und nach aussen befördert. Bei der Hyperplasie 
ihres Gewebes wird ihr Flimmerepithel zerstört und zum 
grössten Theil durch andere Epithelarten ersetzt, und 
kann sie daher, ihrer Cilien verlustig, nicht mehr ihrer 
Aufgabe gerecht werden. Es kann also zur Ansammlung 
der Microorgänismen auf der hyperplastischeu Rachen¬ 
mandel kommen die jedoch infolge gewisser antibacteri- 
eller Eigenschafton derselben, hier nicht zur Entzündung 
des eigenen Gewebes führt, wohl aber auf irgend eine 
Weise, wie z. B. durch unzweckmässiges Schneuzen, in 
das Mittelohr transpoitirt, daselbst eine acute Entzüu- 
dung hervorzurufen vermag. 

Eine dritte Art des Zustandekommens von Mittelohr¬ 
erkrankungen, die von den Veränderungen der Nase bezw. 
des Nasenrachenraums ausgehen, wird wohl bei Veren¬ 
gerung der oberen Luftwege geschaffen und ist gemein¬ 
sam sowohl für Adenoide, als auch für Hypertrophien 
der Nasenmuschelu, seltener auch für grosse Leisten nnd 
Septumverbiegungen. Ueberhaupt können Schwellungen 
der Nasenmuscheln sowohl selbstständig sein, als auch 
als Begleiterscheinungen der hyperplastischen Rachen¬ 
mandel Auftreten und werden im letzteren Falle durch den 
Druck der Hyperplasie auf die Gefässe bediugt, welche das 
venöse Blut aus dem Nasenrachenraum abführen 9 ). Auch 
hier kann man sich die Mitbetheiligung des Mitleiohrs 
auf verschiedene Weise erklären. 

Erstens kann es hier, infolge der dabei stattfindenden 
Verlegung der oberen Luftwege zunächst zu einer Hy¬ 
perämie und damit zugleich zu einer vermehrten Secre- 
tion kommen. Da nun, was das Wichtigste zu sein 
scheint, das Secret in seinem Abfluss behindert ist, so 
kommt es nicht nur zur Entzündung der betreffenden, 
sondern auch aller benachbarten Schleimhäute und zu¬ 
letzt der Paukenhöhle. 

Zweitens können die dabei im Nasenrachenraum auf¬ 
tretenden Stauungen sich durch die Tube auf die Pau¬ 
kenhöhle fortsetzen, ohne dabei im Nasenrachen oder iu 
der Tube selbst irgend welche wesentlichen Erscheinun¬ 
gen hervorzurufen, die sich dann erst in der Pauken¬ 
höhle offenbaren. Auf Hyperämie und Schwellung der 
Paukenschleimhaut folgt dann die Exsudatiou und die 
Gewebsveränderungen, die bei längerem Bestehen des 
Entzündungsprocesses unvermeidlich sind. Aus diesen 
Stauungszuständen der Pauke und ihren Folgezuständen, 
den Catarrhen, resultiren dann alle die subjectiven 
Symptome, wie Druckgefühl, Ohrensausen und Schwer¬ 
hörigkeit. 

Die chronischen Otitiden. 

A. Otitis med. chron. 

B. Abgelaufene Otitiden. 

Alles hier über die acuten Otitiden Gesagte bezieht 
sich auch naturgemäss auf die chronischen. Nur das 
möchte ich noch einmal betonen, dass die vorhandenen 

3 ) Trautmann: Krankb. des Nasenrachenraumes in 
Schwarzes Handbuch d. Ohrlilk. 1893. 








129 


Nasenaffectionen Oatarrhe und Eiterung des Mittelohres 
nicht nur hervorrufen, sondern bei ihrem weiteren Be¬ 
stehen dieselben auch unterhalten, wohl durch eine be¬ 
beständige und ununterbrochene Lieferung von Infec- 
tionskeimen, die in ihrem Secret enthalten sind, so bei 
der abnormen Secretion der hyperplastischen Rachen 
mandel. 

Sowohl die klinischen Bilder als auch der Ohrenbe¬ 
fund wechselten hier vielfach je nach den verschie¬ 
denen Stadien, in denen die Erkrankung zur Beobach¬ 
tung gelangte, ln manchen Fällen war das Trommelfell 
etwas verdickt, getrübt und hatte eine stecknadelgrosse 
Perforation aufznweisen mit nur geringer Verschlechte¬ 
rung des Hörvermögens oder Ohrensausen. In anderen 
Fällen waren Totaldefecte des Trommelfells mit Verlust 
der Gehörknöchelchen und granulirender Paukenhöhlen- 
Schleimhaut und Fisteln in der Shrapne 11 'sehen 
Membran vorhanden und Flüstersprache wurde nicht gehört. 
Das Secret war je nach der Art des Entzündungsproces- 
ses schleimig, schleimig eitrig und rein eitrig mit föti- 
dem Geruch. Das Alter schwankte zwischen 2 und 60 
Jahreu. 

A. Otitis med. chronica. 

Hier sind es 53 Fälle einer chronischen Mittelohrent¬ 
zündung, die von gleichzeitigen Veränderungen der Nase 
oder des Nasenrachenraumes begleitet waren, welche in 
Folgendem bestanden : 

1) hyperplastische Rachentonsillen ... 25 Mal. 

and zwar zugleich mit 

a) hypertrophischer Gaumentonsille . . 3 » 

b) mit hyparplastischer Gaumentonsille 

und Muscheln . .. 1 > 

c) mit hyperplastischer unterer Muschel 1 » 

d) mit Nasenschleimpolypen .... 1 *> 

2) Leisten, die das Nasenlumen verlegten. 3 * 

3) Nasenmuschelvergrösserungen .... 25 » 

und zwar: 

a) untere Muschel. 8 » 

darunter l Mal Septumverbiegung nach der 


entsprechenden Seite. 

b) Die mittlere Muschel war 6 Mal, 

c) die mittlere und untere 10 Mal ver- 
grössert, 

und zwar mit folgenden Combinationen • 

a) mit Nebenhöhlenempyem . . . 2 » 

ß) Leisten. 2 » 

X) mit acuter Rhiuitis. 1 » 

8) mit hypertrophischen Gaumentonsillen 1 » 

e) Ozaena. 2 » 

(Schluss folgt). 


Referate. 


Lud w. Kraft, Behandling af Karbolsyreforgiftning. 

Nord. Tidskr. for Terapi. 1903, II. 1. 

Verf. weist durch Tliierexperimente (Kaninchen) nach, dass 
die mit absolut tödtlichen Dosen von Karbolsäure vergifteten 
Thiere oft gerettet werden können durch intravenöse Injec- 
tion von folgender Lösung: Natr. chlorst. 6,0, Natr. sulfuric. 
siccat. 2,5, Aq. dest. 1000,0. Nach seinen auch am Menschen ge¬ 
machten Erfahrungen räth er folgendes Verfahren bei Kar- 
bol8äurevergiftung an. 

Znerat wird der Magen ausgespült, um etwaige Reste des 
Giftes zu entfernen; dann wird so bald wie möglich mit obi¬ 
ger Lösung- die intravenöse Transfusion vorgenommen 
Die Lösung darf nicht weniger oder mehr als 37—39" C. 
warm sein- Die Dosis beträgt 1'/* bis 2 Liter, welche etwa 
innerhalb einer Stunde transfundirt werden. Ob dann noch 
weitere Transfusionen vorgenommen werden sollen, hängt 
vom Befinden des Patienten ab. Es können, wenn uöthig, 
6—8 Liter in 24 Stunden ohne Schaden transfundirt werden, 
uie Flüssigkeit mnss natürlich absolut steril sein. Um das 
Abkühlen der Infusionsflüssigkeit zu vermeiden, wird der 


Kolben, der diese enthält, in ein grösseres Gefäss mit war¬ 
mem Wasser gestellt, welches eventuell durch Zugiessen 
warmen Wassers beständig in der erforderlichen Temperatur 
erhalten wird. Wenn durch Transfusion zu kalter Flüssigkeit 
Collaps eintreteu sollte, so ist das beste Herstellungsmitlel 
ein warmes Bad. Buch. 


Protokolle des Vereins St.Petersburger Aerzte. 

733. Sitzung am 12. November 1902. 

Vorsitzender: T i 1 i n g. §ecretär : U c k e. 

1) Ed. H e u k i n g : «Beitrag zur operativen Behandlung 
des paralytischen Schlottergelenkes der Schulter». Mit Kran¬ 
kendemonstration. 

Vortragender stellt einen Kranken vor, dem er die Arthrodese 
des Schultergelenkes, d. h: eine künstliche Versteifung des¬ 
selben anf operativem Wege ausgeführt hat, Die Veranlas¬ 
sung zur Operation bot eine Paralyse des Deltamuskels in 
Folge einer in früher Kindheit überstandenen Attaque von 
Poliomyelitis anterior. Bei dem jetzt 12jährigen Patienten, 
der dem Vortragenden von Dr. ßoerling überwiesen 
wurde, hatte sich ein hochgradiges paralytisches Schlotter¬ 
gelenk der Schulter herausgebildet; der Arm jeglichen Hal¬ 
tes im rfchnltergelenk durch die Muskellähmung und Bänder¬ 
erschlaffung beraubt, hing pendelnd wie ein lebloser Lappen 
an der Seite des Patienten herab. Nicht nur im Schulter¬ 
gelenk konnte keine Spnr von activer Bewegung ansgeführt 
werden, sondern die gesammte Arm- und Handmuskulatur 
war vollständig functionsuntüchtig geworden. Der Junge 
war daher bei allen, auch den einfachsten Verrichtnngen des 
täglichen Lebens, wie bei dem Sich-An- und Ansziehen, beim 
Essen n. s. w. vollständig von der Hilfe der ihn umgebenden 
Personen abhängig geworden. 

Im April 1902 führte Vortragender die Operation aus ; es 
gelang eine feste, auch mit dem Röntgenapparat als ossär 
nachgewieseue Ankylose des Schultergelenkes herzasteilen. 
Seit 3 Monaten ist aach systematische Massage und Gym¬ 
nastik zur Wiederbelebung der durch die Monoplegie des 
Deltamuskels seit Jahren vollständig ausser Action gesetzten 
Muskeln herangezogen worden. Die Resultate, die durch eine 
derart geleitete Behandlung erzielt worden sind, müssen als 
sehr befriedigend bezeichnet werden und bestehen, wie an dem 
vorgestellten Patienten deraoustrirt wird, in Folgendem: Pat. 
kann den Arm seitlich und nach vorn fast bis zur Schalter¬ 
höhe heben; da er jetzt aach gute Flexious- und Extensioas- 
bewegungen im Ellenbogen- und. Handgelenk auszuführen im 
Stande ist, kann er aucTj schon mit Hand lind Fingern den 
Scheitel seines Kopfes berühren. Die Pronatiousbewegnngen 
der Hand gehen auch schon gut vor sich; mangelhaft sind 
einstweilen- noch die Sapiuationsbewegungen. Pat. ist bezüg¬ 
lich des Sich-Ankleidens und -Anskleidens ganz selbstständig 
geworden ; bei Tisch zerlegt sich Pat. die Speisen selbst und 
führt sie jetzt mit der früher gelähmt gewesenen (rechten) 
Hand znm Munde, er schreibt auch schon ziemlich gut mit 
der rechten Hand. Selbstverständlich können in dem anky- 
losirten Schultergelenke selbst keine Bewegung ausgeführt 
werden; die oben angeführten Bewegungen werden vielmehr 
dadurch erzielt, dass der Pat. es gelernt hat, mit dem Schul¬ 
terblatt sehr ausgiebige Bewegungen zu machen, denen der 
mit letzterem fest verlöthete Oberarmknochen Folge leisten 
mnss, so dass die Bewegungen des Schulterblattes nun dem 
ganzen Arm za Statten kommen. Hierin liegt ein ganz 
wesentlicher Vorzug, den die operative Behandlung des 
Schlottergelenkes der Schulter vor der rein orthopädischen 
voraus hat; letztere beschränkt sich darnnf durch das Tragen 
von Schnltertrappen den Oberarm zn fixireu und dadorch- 
blos Bewegungen mit dem Unterarm und im Handgelenk zu 
ermöglichen. 

An den Gelenken der unteren Extremitäten sind die Ar¬ 
throdesen seit der Einführung dieser Operation durch AI b e r t 
im Jahre 1878 sehr häufig und wohl durchweg mit sehr be¬ 
friedigendem functionellem Resultate ausgeführt worden. Im 
Schultergelenk hat man dagegen sehr selten — so viel Verf. 
bekannt geworden ist — nur 6 Mal und meist mit entschie¬ 
denem Misserfolg operirt. 

Nur ein Fall, von J. Wolff im Jahre 1886 (Berl. Klin. 
Wochenschrift Nr. 52) mitgetheilt, gab ein gutes dem demon- 
8trirteu Falle nahe kommendes Resultat. Vortr. führt aus, 
weshalb gerade an diesem Gelenke der günstige Effect der 
Operation in Frage gestellt wird und bespricht die zur Ab¬ 
hilfe dieses Uebelstandes geeigneten Mittel. 

Der Vortrag ist dazu bestimmt in extenso im Druck zu 
erscheinen. 

(Antoreferat). 

D i 8c u s sio n. 

Tiling: Die Fälle, wo die Anwendung der Arthrodese in 
den oberen Extremitäten in Frage kommt, sind selten; häufi- 


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130 


ger an den unteren Extremitäten, und hier kann man gegen 
ihre Ausführung gar nicht« sagen- Der Nutzen, den diese Ope¬ 
ration bringt, ist zu eclatant bei Leuten, die vorher nur mit 
Mühe auf Krücken sich fortbewegen konnten und nachher 
ohne Stützen gehen können. Wie die Pal. selbst die Woblthat 
empfinden, bezeugen die Fälle, wo zwei Gelenke operirt wer¬ 
den müssen, zunächst das eine Gelenk operirt wird und die 
Patienten zeitweilig entlassen werden mit dem Hinweise nach 
einer gewissen Zeit znr zweiten Operation sich wieder einzu* 
finden, sie finden sich protppt nach Ablauf der Frist ein nnd 
bitten um die zweite Operation So erinnert sich T. eines 
Falles, wo der Patient mit ankylotischem Kniegelenk 200 Werst 
zu Fuss zur Bahn gewandert war, um sich zur zweiten Opera¬ 
tion zu stellen. Daher wäre es Thorheit und unnützes Theo- 
retisiren, wollte man gegen diese Operation sprechen. 

Zu bemerken ist jedoch, dass die verschiedenen Gelenke 
sich verschieden verhalten: so giebt das Fnssgelenk seltener 
Ankylosen als das Kniegelenk, auch muss hier der Knorpel- 
iiberzug ganz weggenommen werden : in einem Falle machte 
ich sogar Plastik im Fussgelenk und legte eine Knochen¬ 
brücke an und doch trat keine Ankylose ein. 

Henking bestätigt, dass die Operation an den unteren 
Extremitäten die Patienten wieder arbeitsfähig macht, obgleich 
nicht immer Ankylose zu Stande kommt 

ln Bezug auf das Resultat bei Operation im Schulter gelenk 
ist man jedoch vom Zufall abhängig. 


Protokolle 

des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1314. Sitzang den 18. November 1902. 

1. Petersen demonstrirt eine Pat. mit Lupns erythema¬ 
tosus. welche ansserdem noch eine Entwickelungsanomalie 
der Haut aufweist. 

2. Petersen spricht «Ueber EntwickelungsstÖ- 
rungen der Haut uud anderer Körpertheile». 

Discussion: * 

Sehröder richtet an P. die Frage, ob in Bezug auf das 
ihn am meisten interessirende Gebiet, die Augenbrauen, zut 
verlässige Angaben über die normale Beschaffenheit derselben 
vorhanden seien. So viel ihm bekannt, spielt hier, abgesehen 
von Racenunterschieden, hauptsächlich auch die Haarfarbe eine | 
Rulle; blonde Individuen z. B- Esten und Finnen zeichnen sich 
meist durch schwächer entwickelte und weniger deutlich sicht¬ 
bare Augenbrauen aus, während die Dunkelhaarigen im All¬ 
gemeinen eine stärkere Entwickelung des Haarwuchses auch 
dieser Partien aufzuweisen pflegen. 

Petersen hat in seinem Vortrage der Haarfarbe garnicht 
Erwähnung gethan, glaubt aber, dass Blonde allerdings weni¬ 
ger sichtbare, aber dessen ungeachtet ebenso stark entwickelte 
Augenbrauen haben können wie Brünette. Die Frage ist al 
lerdingB noch nicht in jeglicher Beziehang durchforscht, doch 
ist es an der Zeit eine Klärung derselben anzustreben. 

Schröder: Durchschnittsmaaase für die Stärke des Haar¬ 
wuchses zu finden dürfte überhaupt schwer fallen, und wenn 
dieselben aufgefnnden sein sollten, so würden dieselben uns 
für specielle Fälle doch nicht sehr viel helfen, es sei denn, 
das wir schwachen Haarwuchs Überhaupt schon als ein Zei¬ 
chen von Degeneration auffassen wollten. 

Petersen: Ich habe mir nur erlaubt einige Beobachtun¬ 
gen mitzutbeilen, bin aber weit davon entfernt aus denselben 
jetzt schon bestimmte Schlüsse ziehen zu wollen. 

Scbrenck: Die angeführte Beobachtung von Dr. Tar- 
n o w s k a j a, dass bei Prostituirten häufig ein infantiler Ute¬ 
rus gefunden wird, kann ich bestätigen; bei derartigen Pat. 
habe ich ausserdem häufig noch andere Entwickelungshem¬ 
mungen z. B. der Haut, der äussereu Genitalieu etc. consta- 
tiren können. An P. möchte ich mir erlauben die Frage zu 
richten, ob die Ichihyosis immer auf eine Entwickelungshem¬ 
mung zurückzuführen sei? 

Petersen: Die lchthyosis ist ein Leiden, welches von 
der Geburt an besteht und auf eine mangelhafte Entwicke¬ 
lung der Schweissdrüsen znrückzuführen ist. Viele Fälle von 
Schweissfüssen oder — Händen beruhen nur auf einer vic&riren- 
den erhöhten Tbätigkeit der vorhandenen Schweissdrüsen bei 
gleichzeitig bestehender allgemeiner lchthyosis geringeren 
oder stärkeren Grades. 

U c k e: Es war davon die Rede, dass es schwer sein 
dürfte eine Norm für die Dichte des Haarwuchses zu finden 
und möchte ich daher nicht unerwähnt lassen, dass schon 
vor mehreren Jahren von Schwalbe Untersuchungen über 
die Behaarung der Haut angestellt wurden nnd zwar durch 
Zählung der auf einem □ Mm. befindlichen Haare — eine aller¬ 
dings sehr umständliche Methode. P. äusserte ferner, dass 


Beobachtungen über Entwickelungshemmungen innerer Or¬ 
gane zu machen uud Normen für die einzelnen Organe auf¬ 
zufinden seien. Auf dem Wege der Wägung hat unter Ande¬ 
ren auch T h o in a versucht Normalzahlen für die einzelnen 
Organe zn finden. Bekannt ist ferner, dass iu alten Zeiten 
Kleinheit des Herzens als praedisponireudes Moment für 
Phthi8i8 gehalten wurde Hat mit der Entdeckung der Er¬ 
reger der Tuberkulose auch eine andere Anschauung Platz 
gegriffen, so werden wir auch heutzutage noch eine ausge¬ 
sprochene allgemeine Kleinheit des Gefässsyslems als für 
Tuberkulose praedisponireud ansehen müssen. Nicht unwesent¬ 
lich ist bei Beurtheilung der verschiedenen Bildungsanoma¬ 
lien ein Umstand dessen P. in seinem Vortrag nicht Erwäh¬ 
nung gethan hat, nämlich ob dieselben auf mangelhafte Er¬ 
nährung im foetalen Leben oder auf Atavismus zurückzu- 
führen sind. 

Westphalen: Zum Kapitel der auf Entwickelungsano- 
malien innerer Organe beruhenden Krankheiten möchte ich 
bemerken, dass gewisse Formen der ehr. Obstipation vou 
N o th n agel auf eine Hypoplasie der Darmwand zurück¬ 
geführt werden, ln dieses Gebiet gehört ferner auch das un¬ 
ter dem Namen Splanchnoptose bekannte Krankheitsbild. 
Schon Stiller wies bei diesen Pat. mit nervöser Iiisuffi- 
cienz ein Missverhältnis zwischen Länge des Thorax und 
dem Brustkörbe und eiu eigentümliches Verhalten der 10. 
Rippe — die Costa decima flucLuans — nach. Der Tiefstaud 
des Magens, d. Leber, d. Nieren and die entsprechende Ver¬ 
lagerung der übrigen inneren Organe stellen Zustände dar, 
welche normaler Weise beim Foetus angetroffen werden und 
welche mit dem Eintritt der Athmung eine Aenderang er¬ 
fahren. Wir hätten demnach dieses Krankheitsbild als ein 
Verharren lm foetalen Zustande aufznfasseu. (Kosengarl). 
. 3. Dr. Smith spricht «Ueber functionelle Dia¬ 
gnostik der Herzkrankheiten». 

Director: Dr Kernig. 

Secretär: Dr. D o b b e r t. 


Vermischtes. 


— In Berichtigung der Notiz in Nr. 12 unserer Wochen 
sclirift constatireu wir hiermit, dass nicht Dr. Strogauow, 
sondern Dr. Gagarin älterer Arzt an der hiesigen Augen - 
heilanstalt geworden ist. 

— Der ordentliche Professor der militär medicinischen Aca 
demie und berathendes Mitglied des inilitär - medicinischen 
gelehrten Comitös, Ehren-I^eibotiater, wirklicher Staatsrath 
Dr. Ssimano wgki, ist zum berath enden Mit¬ 
glied e des Medicinalratlis ernannt worden, unter 
Belassung in seinen bisherigen Stellungen. 

— Der Militär-Medicinalinspector des turkestaaschen Mili- 
täibezirks, Geheimrath Dr. Tarassewitsch, ist auf seine 
Bitte verabschiedet worden. Zu seinem Nachfolger ist 
sein bisheriger Gehülfe, wirkl. Staatsrath Dr. Grad u s - 
sow ernannt worden, an dessen Stelle wieder der Oberarzt 
des Taschkentschen Militärhospitals Staatsrath Dr. K a 1 u - 
stow tritt. 

— Der Corpsarzt des 8. Armeecorps Dr. Hörschel manu 
in Odessa ist, wie von dort gemeldet wird, ernstlich erkrankt. 
Seine Stelle vertritt der Divisionsarzt Dr. K ii ö r i. 

— Zum Oberarzt des Militärhospitals in Samarkaud ist der 
ältere Arzt des Samaraschen örtlichen Militärlazarelhs Dr. 
S u r v i 11 o ernannt worden. 

An der militär-medicinischen Academie haben sich mit Ge¬ 
nehmigung der Conferenz der Academie als Privatdo- 
centen habilitirt: Dr. J. Hagen-Torn — für kli¬ 
nische Chirurgie, und Dr. W. Orlowski - tür iuterne 
Medici u. 

— Zum bevorstehenden 14. internationalen medi¬ 
cinischen Congress in Madrid sind als Vertreter 
der militär-medicinischen Academie die Pro¬ 
fessoren Dr. J. P. P a w 1 o w (Physiologe), Dr. Bechte¬ 
rew (Psychiater) und Dr. Kossorotow (Gerichtliche Me- 
dicin) auf die Zeit vom 30. März bis zum 26. April abcom- 
mandirt worden. Die Pro ff. Pawlow und Kossorotow 
erhalten aus den für solchen Zweck bestimmten Summen, 
wie wir dem «Regierungs-Anzeiger* entnehmen, Snbsidienzur 
Reise und zwar ersterer — im Betrage von 600 Rbl. und der 
zweite — im Betrage von 200 Rbl. Ausser den drei Üben¬ 
genannten wird auch der Prosector beim Lehrstuhl der Phy¬ 
siologie Dr. W. Wartanow zum Congress nach Madrid 
abdelegirt. 

— Zum Leiter der chirurgischen Hospital- 
klinik der Universität Tomsk ist Prof. Dr. 
T i c h o w ernannt worden. 

— Als Stadtarzt von Goldingen (Knrland) ist Dr. 
Max Ulmann bestätigt worden. 


— Zum Director der chirurgischen Poli¬ 
klinik in Leipzig ist an Stelle Prof. Friedriche, 
welcher nach Greifswald berufen wurde, Prof, extraord. Dr. 
Perthes ernannt worden. 

— Der Privatdocent der Physiologie in Bonn, Prof. Dr. 
Ble i b t r e u , folgt einem Kufe als Nachfolger des verst. 
Prof. L a n d o i 8 auf den Lehrstuhl der Physiologie an die 
Universität Greifswald. 

— Verstorben: 1) In Charbin der Militärarzt Dr. 
Hichael Malis. — 2) Am 22. Februar in Wilna der jün¬ 
gere Arzt der 27. Artilleriebrigade Nicolai Nebogin im 
36. Lebensjahre. Der Verstorbene, welcher seit 1890 die ärzt¬ 
liche Thätigkeit ausübte, hatte neben seinen dienstlichen 
Functionen noch eine ansgebreitete Privatpraxis. — 3) In 
Warschau der dortige Arzt Johann Kahl im Alter von 
52 JahreD. Als Arzt ist K. seit 1875 thätig gewesen. — 4) 
Im Kirchdorfe Kusmino (Gouv. Wladimir) der I.andscliafts- 
arzt Johann Schirokow im 35. Lebensjahre. Seine ärzt¬ 
liche Thätigkeit begann er i. J. 1894. — 5) Am 17. März in 
St. Petersburg die Aerztin Maria Manasse in im Alter 
von über 60 Jahren. Sie war verheirathet mit dem verst. 
Professor W. Manasse'in, lebte aber seit dem Beginn der 
achtziger Jalire getrennt von ihm. Die Verstorbene war auf 
lieni Gebiete der Physiologie und Psychologie schilftstelle- 
risch thätig. — 6) In New-York der frühere Professor der 
(»ebnrtshülfe und Gynäkologie Dr. Th. Thomas. — 7) In 
Freiburg i. Br. der Prof, extraord. der Pathologie Dr. Cle¬ 
mens v. Kahldenam Herzschlage. Seine Lehrtbätigkeit 
in Fieiburg begann der Hingeschiedene als Privatdocent i. J. 
1888. Besonders bekaunt geworden ist er durch seine «Technik 
der histologischen Untersuchung pathologisch-anatomischer 
Präparate», die zuerst als Anhang zu dem Z i e g 1 e r’schen 
l^hrbuch der pathol. Anatomie erschien. 

— Prof. Dr. Fritz Moritz in Greifswald hat einen Ruf 
als Nachfolger von Prof. Kraus an die Universität Graz 
erhalten, wird aber demselben nicht Folge leisten. 

Das Institut de France hat dem Leiter des Pa 
steurschen Instituts in Paris, Prof. Emil Roux, den Preis 
von 100,000 Frcs. zuerkannt, weichender Banquier Osier 
für hervorragende Entdecknngen der letzten drei Jahre aus¬ 
gesetzt hatte. — Bekanntlich erhielt Prof. Roux vor einigen 
Jahren einen annähernd ebenso hohen Preis zn gleichem Theil 
mit Prof. E. v. Behring (Marburg), welcher aber den auf 
ihn entfallenden Theil in hochherziger Weise der preussi- 
schen Regierung zu wissenschaftlichen Zwecken zur Verfü¬ 
gung stellte. 

— Das Organisatlooscomitädes IX. Congres- 
«es der Gesellschaft russischer Aerzte zum 
Andenken an N. J. Pirogow, welcher im Jahre 1904 
in St. Petersburg statttinden wird, hat sich an die St. Pe¬ 
tersburger Stadtverwaltung mit der Aufforderung gewandt, 
dass die Stadt sich an der vom Comite in Aussicht genomme¬ 
nen Ausstellung betheiligen möge. Da die städtische Hospi- 
talcommiBsion und auch die Sauitätscommission sich für die 
Betheiligung an der Ausstellung ausgesprochen haben, so ist 
anznnehmen, dass die Stadtverwaltung nicht zögern wird, ihre 
grosse Sammlung auf die öffentliche Gesundheitspflege bezüg¬ 
licher Kartogramme, Diagramms und Photographieen sowie 
die Modelle der neuen städtischen Hospitäler auszustellen. 

— Die 75. Versammlung deutscher Naturfor¬ 
scher und Aerzte wird vom 7./20—13/26. Septembar 
d. J. in Cassel stattfinden. Als I. Geschäftsführer fungiit 
Prof. Dr. Ferdinand Hornstein, als II. Geschäftsfiih 
rer der Director des LundeskrankenhauNes Dr. William 
Rosen blath. Die mediclnische Hanptgruppe 
umfasst 17 Sectionen. 

— Wie die Tagesblätter berichten, hat eine grosse Ac- 
liengesellschafl dem Ministerium der Landwirtschaft den 
Votschlag gemacht, ihr die rassischen Mineralbäder 
in Pacht za vergeben. Obschon die Bedingungen der 
GeseliSchaft vielversprechende gewesen seien, habe das Mini¬ 
sterium doch das Anerbieten a b g e 1 e h n t, da es beschlossen 
hat. die Mineralquellen mit eigenen Mitteln anszubauen. 

— CnrortOicow (im Gouv. Kielce). Die Compagnie, 
welche eine Wasserheilanstalt im Flecken Oicow unterhält, 
hat beschlossen das Schloss Pjaskowa Skala in Oicow anzu- 
kanfen und daselbst eineu Curort einzurichten. Zu diesem Be¬ 
huf soll die Compagnie in eine Actiengesellschaft mit einem 
Grundcapital von 300,000 Rbl. u rage wandelt werden. 

— Die St. Petersburger städtische Hospital-Commission 
sucht bei der Duma um eine ergänzende Anweisung 
von 223,732 Rbl. für das vorige Jahr nach. dai. J. 1902 viel 
mehr Personen in den städtischen Hospitälern und Armen¬ 
häusern verpflegt worden sind, als nach dem Voranschlag 
vorausgesetzt wurde. In den städtischen Krankenhäusern 
fanden im Laufe des Jahres 1902 insgesammt 80050 Personen 
(darunter 32,023 Frauen) Aufnahme, die im Ganzen 2,638,054 
Tage dort verbracht haben. Somit entfallen auf den Tag 7228 
Kranke, oder um 1057 mehr als vorausgesetzt worden war. 


— Auf Vorstellung des Ministers der»Volksaafklärnng wird 

die Zeit, welche zur Vorbereitung zn.einer Professur verweil-, 
det wurde, zum wirklichen Dienst im Lehrfach 
an gerechnet werden hei Personen, die im Lehrfach an- • 
gestellt sind. (R. Wr.). 

— Die Gesellschaft zur Bekämpfung der Tu- 
berkoloseinSt. Petersburg wird in nächster Zeit 
ein Sanatorium mit 17 Betten in Balaklawa (in der Krim) 
eröffnen. 

— Die Zahl der Cur pfusch er in Sachsen hat 
sich nach dem officiellen Bericht des Medicinalcollegiums im, 
Laufe des Jahres 1901 um 77 vermehrt. Am Ende des erwähn¬ 
ten Jahres standen 1957 Aerzten 945 CnrDfuscher gegenüber. 
In der Stadt Dresden allein wnrden 202 (Jarpfuscher gezählt. 

— In Leipzig wurde neuerdings wieder wegen unlauteren 

Wettbewerbs der Director «des Hygienischen Instituts von 
Klappenbach & Co.», ein Kaufmann PI., zu 300 Mark Geldstrafe 
vernrtlieilt. Derselbe vertrieb unter Zuhülfenahme angeblich 
von Aerzten ausgestellter Atteste eine Reihe Wundermit¬ 
tel mit mytsisch klingendem Namen zu hohen 
Preisen. So empfahl er gegen Abmagerung und für Reconva- 
lescenten sein Mittel «Kopulo» (zu 3 Mark das Packet), 
welches aus Erbsen-, Bohnen- und Linsenmehl, Natron, bicarb-, 
engl. Salz nud Zucker bestand. Ein zweites Mittel als letzte 
Hülfe für Schwindsüchtige war der «Fakirthee», welcher aus 
gewöhnlichem Ceylonthee bestand. Ferner versandte er eia 
Wundwasser für Wunden und alte Beinschäden, dann 
das »Non plus ultra», ein unfehlbares Mittel, um auf 
den kahlsten Glatzen eine Fülle von Locken zu erzeugen, und 
endlich «B ar s a ta na», ein sicheres Mittel gegen sexaelle 
Schwäche. (Pharm. Ztg. —. A. m C.-Ztg.). 

Epidemiologisches. Au der Pest starben in 
Indien vom 21.—27. Februar 29,647 Personen; in C h i n & 
vom 4.—10. März 28 Chinesen. In Australien und auf den 
Philippinen kamen vereinzelte Pestfälle vor. Auch in 
Egypten wurden wieder einige Pesterkrankungen consta- 
• tirr, sodass der intern. Sanilätsrath in Constantinopel eine 
viertägige Quarantäne für Provenienzen aus 
Alexandria anordnete. Bf. 

— Die Gesammizahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 15. März 
d. J. 9329 (47 mehr als in d. Vorw.). darunter 498 Typlins — 
(42 wen.), 849 Syphilis — (3 mehr), 148 Scharlach — (38 wen.), 
125 Diphtherie — (5 mehr), 77 Masern — (4 mehrj und 106 
Pockenkranke — (13 wen- als in der Vorw.l. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 9. bis zum 15. März 1903. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exaiith. 3, Typh. abd. 11, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 5, Masern 18,Scharlacb 4, 
Diphtherie 6, Croup 1, Kenchhnsten 4, Croupöge Lungen¬ 
entzündung 24 Erysipelas 2, Grippe 10, Cholera asiatica 0, 
Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acnter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankbeit 0, Anthrax 1, 
Hydrophobie 1, Puerperalfieber 1, Pyämie und Seplicanmie 6, 
Tuberculose der Lungen 125,Tuberculose anderer Organe 37, 
Alkoholismns uud Delirium tremens 4, Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 48, Marasmus senilis 23, Krankheiten des 
Verdannngscanal8 90, Todtgeborene 42. 


-+■ Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 1. April 1003. 

Tagesordnung: 1)0. Küttner: Ueber Kranioklasie. 

2) S. Recht sanier: Ein Fall von 
Rückenraarksgeschwnlst. 

NäohßteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. April 1003. 


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182 




J. TAKAMINE. 

EINZIGE INHABER & FABRIKANTEN 

PARKE, DAVIS & Co. 

DETROIT, MICH. U. S. A. LONDON, ENGLAND, ST. PETERSBURG. 

Im Handel existiren Fälschungen and Nachahmungen uuse- 

p- - * res Präparates unter ähnlichen Benennungen ; aber alle bisher ver- ■* ■ — 

V---J öffentlichten günstigen Berichte beziehen sich auf das Original- ■ -j 

| [ Präparat von Dr. Takamine. I 

L _\ Das Adrenalin Takamine ist das in Krystallform isolirte _J 

i — wirksame Princip der Nebennieren. * 

Das Adrenalin wurde vor einigen Jahren von Dr. Jokichl , n>uis n 

Takamine in New-Jork entdeckt. 5 «! « Io» 

j Das Adrenalin Takamine kommt in Form von Krystallen 

f nnd in Lösnng 1:1000 in den Handel. f 'V 

\ Das Adrenalin Takamine wird ausschliesslich von der Firma 

Parke, Davis & Co., hergestellt. 

- - -- Kein einziges Mittel hat bis jetzt einen solchen Erfolg in s=^==== 

Th. contmt« .hi» - 1 der Therapie gehabt wie das Adrenalin Takamine, was von Tau- 

m* ut ooiy io b. um senden von Aerzten aus allen Welttheilen bestätigt wird. Das Ad- SOLUTION 

renalin Takamine ist ungiftig, besitzt keine cumulative Wirkung, MrMilin ChlOriM 
metfUooer. lf,ed nM leizl nicht die Gewebe, ist beständig. Seine speciellen iherapeuti- 1:1000 

~ sehen Eigenschaften sind folgende: Das Adrenalin Takamine wirkt lHfottooftbebtoo$p"** 

Hämostatisch: es stillt sofort die Blutung in den Körpertheilen, JJjt pHootpi® of fapw 

itSTRUCTiQNS FOR DILUT wo es unmittelbar angewandt werden kann, indem es direct auf die mh<« 

""t, ui.»lüiioo Blutgefässe einwirkt und eine Contraction der Gefässmusculatur ikaaliaddortde(TakaaiMi. 

.Morv u. , wx hervorruft, bhne Blutgerinsel zu bilden. 

Kin*u 0 ch~ Das Adrena Hn Takamine wirkt Anämisirend: es verhindert ■^(TWhft'w 1 ff”' 

*' • 1 ifc |UI die Blutung bei kleinen chirurgischen Operationen, wenn es in ge- uoov* 

s T Uaa . , s 4 ».<i«> nügender Dosis vor Beginn der Operation in die za operirenden «TT»*.® a en. 

M | Ut to„ f0 ,«m Mti Theile eingerieben wird. whke, DAVIS a c 

No m»» Das Adrenalin Takamine wirkt tonisirend: die während einer k ™it, mich, ui» 

^ Narkose mit Chloroform-, Aether-Lachgas u. s. w. geschwächte Herz- * = -. ne . . 

- thätigkeit wird durch eine intravenöse Injection von 0,3—0,6 Adre- I . 

V nalinchlorid Takamine, 1:1000 in physiologischer Kochsalzlösung 1 ■ ^ 

gelöst, wieder gehoben. 

Das Adrenalin wirkt in diesen Fällen, wie es scheint, belebend und zwar stärker und rascher als alle 
bisher bekannten Mittel, das Nitroglycerin nicht ausgenommen. 

Das Adrenalin Takamine steigert den Blutdruck: cs wirkt auf das geschwächte Herz ähnlich wie Digi¬ 
talis, aber energischer, indem es deu abnorm verlangsamten und intermittirenden Puls beschleunigt nnd den abnorm 
beschleunigten und unregelmässigen Puls verlangsamt. 

Bei Verordnung ist ausdrücklich a»;zugeben : 

ADRENALIN TAKAMINE (ADRENALINUM HYDROCHLOR1CUM TAKAMINE). 

Die vollständige Literatur steht deu Herren Aerzten zur Verfügung. 

Parke, Davis «fc Co., Detroit; V. St. N. A. 

ÖL Petersburg, UaMaTHHT» nep. 4. London. (35) 12—6. 


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Tabletten zu 0,5 nnd 1 G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frleser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6n6ral Th6rapeutique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Lanmonier, Paris («Presse M6dieal» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6 . Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fachs, Wien aas der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8 . Dr. Spalier ans der medic. Abtheilnug von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin- 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissortationsarbeit Dr. de Moraes Miranda au der medicin. Facnltät in Paris. 

Alle Apotheken führen oder besorgen unser Acetopyrin, auf das sich alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

Engros durch alle grossen Drogen-Häuser Russlands. 

Literatur zur Verfügung. (15) 17—13 

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Schwester Const. Schmidt, IleTepC. er. 

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rinencanal 81, Q. 20. 

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Körper, krystallisirt etc. (Comptes rendus 
de V Acadimie den Sciences , 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). »Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. I,aflont, Bulletin de l'Acadimie de Me- 
(lecine , 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt. (Societe de Therapentique: Constan¬ 
tia l'aul; Dujardiu-Beaumetz, Midications 
nourelles , 2. Serie; Biblioth^que Charcot- 
Deltove, Purgatifs , p. 104; Prof. Lemoine, 
Lille, Therapentique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congres pour l’avan- 
cement dos Sciences, Bordeaux, 1895, 
Theil I p. 963; Prof. Charles, de Liege, 
Court d'accouchemeuts etc., etc.) 


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B£ sT L oeott, lt 

^=Js™llipaHor, fi 


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Seine Wirkung ist constant, leicht zu reguliren, durch Wechsel iu der Auwenduagsweise ist Gewöhnung au 
das Mittel zn vermeiden; bemerkeuswerthe Wirkung bei habitueller Stuhl Verstopfung, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben¬ 
wucherung bei Rheamatismns (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

... ... n . / PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 

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Aerzte „Cascariue Leprince“ zu verschreiben. 

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Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (17) 26—13. 


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Äobb. ueus. Cn6„ 28 MapTa 1903 r. Herausgeber Dr.Rndolf Wanacb. Buchdruckerei v.A. Wienecke. Kutharinenhofer Pr. Ji 16« 


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J 


XXVIII. JAHRGANG. ST. PETERSBÜRGER Neue Folge XX. Jahrg. 


IEDI0IIIS0EE WOCHENSCHRIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 


Jurjew (Dorpat). 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Riga. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementapreia ist in Bussland 8Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
für die 3 mal gespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16R61. pro Bogen honorirt. 


IC Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate "W 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von BLL. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect .Ns 14, zu richten. — Äanus- 
cripte sowie alle aufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.Bttdolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


n 14 


St. Petersburg, den ö. (18.) April 


1903. 


Inhalt: Dr. A. v. Rosteljanetz: Deber die Beziehnngen der Erkrankungen des Ohres za denen der Nase und des 
Nasenrachenraumes. — Referate: Meyen: Ueber gonorrhoische Krankheiten und deren Behandlung. — Bücheranzeigen 
ond Besprechungen: Veröffentlichungen des Komitäe’s für Krebsforschnng, herausgegeben von dem Vorstand E. v. Ley¬ 
den, Kirchuer, Wntzdorff, v. Hansemann und George Meyer. — Dr. Carl Rosenthal: Die Zange nnd ihre Be- 
gleit-Erscheinangen bei Krankheiten. — Prof. M. Bernhardt: Die Erkrankungen der peripherischen Nerven. I. Theil. Prof. 
H. Oppenheim: Die Geschwülste des Gehirns. Prof. v. Leyden und Goldscheider: Die Erkrankungen des Rückenmarks 
and der Medula oblongata. (Allg. Theil). — Die Krankheiten des Kehlkopfes. Von Dr. M. Bukofzew. — Protokolle des 
Vereins St. Petersburger Aerzte. — Mittheilungen ans der Gesellschaft praktischer Aerzte zn Riga. — 
Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


(Jeber die Beziehungen der Erkrankungen des Ohres 
zu denen der Nase und des Nasenrachenraumes. 

Von 

Dr. A. v. K osteljanetz. 

(Aus der Abtheilung für Ohrenkranke in der Kgl. Charitä in 
Berlin. Director Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Passow.) 

(Schluss.) 

B. Abgelaufene Mittelohreiterungen. 

An die chronischen Otitiden möchte ich gleich an¬ 
schliessend der Fälle Erwähnung thun, die mit den Er¬ 
scheinungen einer abgelaufenen Mittelohrentzündung ka¬ 
men. Der Troramelfellbefund war hier ein sehr variabler. 
In 2 /s der Fälle schon waren grosse nnd kleine Perfo¬ 
rationsöffnungen mit Troraraelfellüberresten, in */3 der 
Fälle kleine Narben oder vollständig vernarbte Trom¬ 
melfelle. In allen Fällen ergab die Anamnese eine 
früher lange Zeit bestandene Eiterung des betreffenden 
Ohres nnd war gegenwärtig keinerlei Secretion nach¬ 
weisbar. Die Beschwerden waren Ohrensausen, Schwer¬ 
hörigkeit durch Ceruminalpfröpfe, die die Patienten her¬ 
führten. 

In 20 Fällen solcher abgelaufener Mittelohreiterung 
konnte man gleichzeitige Veränderungen in der Nase und 
im Nasenrachenraum nach weisen. Die Veränderungen 
bestanden in folgendem: 

1. hyperplastische Rachenmandel .... 5 Mal, 

and zwar combinirt: 

a) mit hypertrophischer Gaumenmandel . 2 » 

b) mit hypertrophischer unterer Muschel 1 * 

2. Die beiden Nasenmuscheln waren in 14 Fällen 


vergrössert, und zwar: 

a) die untere Muschel.3 Mal, 

b) die mittlere Muschel.3 » 

und zwar combinirt mit Septumverbie¬ 
gung nach der entsprechenden Seite . 2 » 

c) untere und mittlere Muschel waren hy¬ 
pertrophisch ..8 » 

und zwar mit Leisten.2 * 


3. Eine atrophische Rhinitis bestand in einem Falle. 

Das Alter schwankte zwischen 7 und 50 Jahren und 
auch das Geschlecht hatte keinen Einfluss auf die Häu¬ 
figkeit der Erkrankung. Wir sehen, dass die Adenoiden 
bei der chronischen Mittelohrentzündung mit der Zahl 
2ö unstreitig die erste Stelle einnehmen. 

Auffallender ist ihr Rückgang bei den abgelanfenen 
Otitiden, wo sie hinter den Hypertrophien der Nasen¬ 
muscheln bedeutend znrückstehen, und zwar Adenoiden 
5, Hyperplasie der Nasenmuscheln 14. 

Das wäre erstens dadurch zn erklären, dass die Adenoi¬ 
den in einem Theile der Fälle wahrscheinlich bereits frü¬ 
her operativ entfernt wurden, wovon aber die Patienten 
gewöhnlich nicht viel wissen und auch deren Eltern,— da 
es sich gewöhnlich um jugendliche Individoen handelte — 
keine Angaben machten. Zweitens würde man den Grand 
hierfür auch zweifellos in der physiologischen Rückbil¬ 
dung der Adenoiden bei Erreichung einer gewissen Al¬ 
tersgrenze zu sncheu haben. Denn auch die Hypertro¬ 
phien der Nasenmuschelo bei Erwachsenen werden be¬ 
züglich ihrer Entstehung- auf früher vorhandene adenoide 
Wucherungen zurückgeführt, die jetzt zurückgebildet 
sind 4 ). 

Was die Nasenmuschelo anbelangt, so fand ich in 
den meisten Fällen Hypertrophien beider Muscheln. 
Meistentheils erstreckten sich die Vergrösserungen nicht 
nnr anf die hinteren Muscheienden, sondern es war 
auch eine gleichzeitige Schwellung der vorderen Hälfte 
vorhanden. Welcher der beiden Muscheln, der unteren 
oder mittlereu, eine grössere Rolle zuzuschreiben sei, 
ging aus meinen Untersuchungen nicht deutlich hervor, 
denn sowohl die untere als auch die mittlere fanden 
sich in einer beinahe gleichen Anzahl von Mittelohrent¬ 
zündungen einzeln vor. Nur das Eine konnte ich daraus 
schliessen, dass die alleinige Hypertrophie einer Mu¬ 
schel, sei es die untere oder mittlere, beim normalen 
Befund aller übrigen Theile schon genügt, um die Na- 

*) Thost: M. f. Ohreuheilk- 1896 I, Sympt. und Folge¬ 
erkrank. der hyperpl. Racheutonsille. 


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136 


senathmung zü erschweren, eventuell auch die Nasen¬ 
öffnung und die entsprechende pharyngeale Tubenmün- 
dung zu verlegen. Dass sie combinirt mit Leisten oder 
Septumverbiegungen eine um so sicherere und intensivere 
Wirkung ausüben, braucht wohl nicht erst gesagt zu 
werden. 

Tubencatarrhe. 

a) acute, b) chronische. 

Die häufigste Complication von Nasenaffectionen sind 
bekanntlich die Tubencatarrhe, .und dem entsprechend 
habe ich auch in 161 Fällen von Tnbencatarrhen gleich¬ 
zeitig Veränderungen in der Nase resp. Nasenrachen¬ 
raum vorgefunden. Auch hier bestand eine Mannigfal¬ 
tigkeit des objectiven Ohrbefundes und der subjectiven 
Symptome je nach der Intensität nnd Dauer des Ca- 
tarrhs und je nachdem, ob ein solcher Catarrh nach 
einem Schnupfen oder einer abgelaufenen Ohreiteruug 
auftrat. Die subjectiven Symptome bestanden haupt¬ 
sächlich in Druckgefühl, Ohrgeräuschen und geringer 
bis hochgradiger Schwerhörigkeit. Das Trommelfell 
zeigte meist das Bild der Retraction mit Vorspringen 
des Processus brevis und der hinteren Falte und per- 
spectivischer Verkürzung des Hammergriffs. In 20 Fäl¬ 
len war dem chronischen Tubencatarrh eine früher be¬ 
standene Ohreiterung vorausgegangen. In diesen Fällen 
wies das Trommelfell entweder kleinere oder grössere 
Narben oder Perforationsöffnungen auf. Beim Catbete- 
risiren wurde das Hörvermögen mehr oder weniger ge¬ 
bessert und schwanden auch meist die Ohrgeräusche. 
Das Alter schwankte zwischen 3 und 59 Jahren, 

a) Acuter Tubencatarrh. 

In 41 Fällen war der acute Tubencatarrh von Ver¬ 
änderungen in der Nase und im Nasenrachenraum be¬ 
gleitet, die in Folgendem bestanden: 

1. HyperplastischeRachenraandel 14 Mal, 
und zwar combinirt: 

a) mit hyperplastischer Gaumentonsille . 3 » 

b) mit hyperplastischer unterer Muschel. 2 » 

o) mit Hyperplasie beider Nasenmuscheln 1 » 


d) mit Rhinitis.3 » 

2. Rhinitis hypertrophicans . . .10 » 

und zwar combinirt mit hyperplastischen Gau¬ 
me ntonsillen .4 » 

3. Die untere Muschel war hypertroph, ö » 
und war begleitet: 

a) von hyperplastischen Gaumentonsillen . 2 * 

b) von Leisten.2 » 

c) von Leisten und Septumverbiegungen 1 » 

4. Diem i ttl ere M usehe 1 war hypertroph. 6 » 

und zwar combinirt: 

a) mit Leiste und Septumdeviation . . 1 » 

b) mit Nasenschleimpoiypen.1 » 

5. Die Hyperplasie beider Nasenmuscheln war in 
6 Fällen vorhanden, und zwar combinirt mit 

a) hypertrophischer Gaumenmandel . . 1 Mal, 

b) mit Leiste.1 » 

c) mit Septumverbiegung.3 » 


B. Der ehr oni sehe Tu bencatarrh. 

In 120 Fällen von chronischem Tubencatarrh waren 
Veränderungen in der Nase nnd im Nasenrachenraum 
nachweisbar. In 20 Fällen trat, wie bereits erwähnt, 
der Tubencatarrh nach einer früher bestandenen und 
jetzt abgelanfenen Mittelohreiterung auf. 

Das Alter und das Geschlecht waren auch hier ohne 
Einfloss auf die Art der Erkrankung und deren Ver¬ 
lauf. Die Veränderungen in der Nase resp. im Nasen¬ 
rachenraum bestanden in Folgendem: 

1. Hyperplastische Rachenmandel . .30 Mal, 

nnd zwar in Combination mit: 

a) Rhinitis ac. hyp.1 » 

b) mit Hyperplasien beider Nasenmuscheln 3 » 


c) mit hyperplastischen Gaumentonsillen 5 Mal, 

d) mit hyperplastischen Gaumentoosillen 

und Nasenrauschein.2 » 

2. Die untere Muschel war 18 Mal hypertrophisch 
und zwar combinirt: 

a) mit Leisten.• .... 6 Mal, 

b) mit Septumdeviationen.3 » 

c) mit Nasenschleimpolypen.2 » 

d) mit Schlejrapolypen u. Septum verbieg. 1 » 

e) mit einem grossen Tuberculum sept. . 1 » 

3. Die mittlere Muschel war 20 Mal hypertro¬ 


phisch und zwar combinirt: 

a) mit Leisten.8 Mal, 

b) mit Septumverbiegungen.3 » 

c) mit Schleimpolypen.1 » 

4. Beide Muscheln waren in 42 Fällen hyperplas¬ 
tisch und waren combinirt: 

a) mit Leisten.9 Mal, 

b) mit Septumverbiegungen nach der ent¬ 

sprechenden Seite.3 » 

c) mit Schleimpolypen. 2 » 

d) mit Rhinitis.2 » 


5. Leisten waren 8 Mal vorhanden und verengten 
das Nasenlumen sehr beträchtlich. In 2 Fällen waren 
sie combinirt mit Septumdeviationen und in 1 Fall mit 
Rhinitis. 

6. Der atrophische Catarrh war 1 Mal vor¬ 
handen. 

7. Die Nasenstenose wurde ausserdem 1 Mal be¬ 
dingt durch einen Schleirahautwulst, der sich vom obe¬ 
ren Theil des Septums nach der Mitte der unteren Mu¬ 
schel hinzog und das Nasenlumen beinahe ganz ver¬ 
schloss. 

Wie wir aus Obigem ersehen, nehmen sowohl in den 
acuten als auch in den chronischen Fällen des Tuben- 
catarrhs unter den Veränderungen seitens der Nase und 
des Nasenrachenraumes die erste Stelle die Muschel¬ 
hyperplasien ein und drängen die Adenoiden auf den 
zweiten Platz zurück. Die Hypertrophien der Nasen- 
muscheln kommen hier entweder selbstständig und ohne 
Entzündungserscheinungen vor, oder treten auch in Com- 
binationen mit anderen Nasenveränderungen auf. Bei 
der acuten Form stellen sie, wie ersichtlich, eine Be¬ 
gleiterscheinung der acuten hypertrophischen Rhinitis 
dar. Ihre Wirkung besteht hier meist in einem mecha¬ 
nischen Tubenverschluss und der dadurch behinderten 
Lüftung des Mittelohres. Die Herabsetzung des Luft¬ 
druckes im Mittelohr gegenüber dem äusseren Atmo¬ 
sphärendruck verringert die normale Schwingbarkeit des 
Trommelfells und kann dadurch Schwerhörigkeit bedin¬ 
gen, besonders für den unteren Theil der Tonscala. Der 
Weber’scbe Versuch wurde auch in fast allen 
Fällen nach der kranken Seite hin lateralisirt (bei ei n- 
seitiger Erkrankung) und die Prüfung mit Flüstersprache 
ergab in den meisten Fällen eine relativ verminderte 
Hörschärfe für tiefe Töne und Laute. 

Was die Leisten anbelangt, so können sie, wenn sie 
gross genug sind und besonders in Combinationen mit 
anderen Nasen Veränderungen, gleichfalls einen mechani¬ 
schen Abschluss der Tube durch Verlegung herbeiführ eo . 
Oder aber sie können, indem sie das Nasenlumen ver¬ 
engen und eine Unwegsamkeit der Nase zu Stande 
bringen, eine Ansammlung des in seinem Abfluss be¬ 
hinderten Secrets in der Gegend der pharyngealen Tu¬ 
benmündung bewirken nnd auf diese Weise eine Ver¬ 
klebung der Tube durch Nasenschleim bedingen. An 
dem Entstehen der subjectiven Ohrgeräusche nügen 
sich auch wohl die sich von der Nase fortpflanze nde n 
Stauungen betheiligen. Dass ein atrophischer Catarrh 
der Nase sich auch auf die Tube fortpflanzt, ist eine 
sehr häufige Erscheinung. Nicht so sehr häufig sind. 



Djgüizeilhy- 


















dabei jedoch die Erscheinungen des Tubenverschlnsses, 
der hier in diesem Falle vorznliegen scheint. Denn der 
atrophische Process scheint, wenn er auf die Tnbe über¬ 
geht, weit eher eine Erweiterung der Tube, wenigstens 
in ihrem unteren pharyngealen Drittel, wohl in Folge 
von Ernährungsstörungen zu bedingen. 

Wenigstens habe ich mehrere Male solche atrophi¬ 
schen Nasenoatarrhe in Begleitung von Autophonie zu 
beobachten Gelegenheit gehabt, wo also ein abnormes 
Offenstehen der Tubenratlndnng voranszusetzen • war. 

Die Sclerose und die Adhaesivprocesse. 

Die Betrachtung der chronischen Tubencatarrhe führt 
uns zu der der sogenannten trockenen Mittelohrcatarrhe 
einerseits, da die Tubencatarrhe sich gewöhnlich nicht 
auf die Tube allein beschränken, sondern auf die Pau¬ 
kenhöhle übergreifen, und andererseits, da es gegen¬ 
wärtig noch keine sehr scharfe Grenze zwischen beiden 
Erkrankungen giebt. Der Name «Otosclerose» ist von 
v. Troeltsch in die Ohrenheilkunde eingeführt, und 
zwar bei verschiedenen Processen der Paukenhöhle, die 
zuletzt zu regressiver Bindegewebsmetamorphose führten. 
Das Wesen der unter diesem Sammelnamen einherge¬ 
henden Veränderungen ist noch gegenwärtig Gegenstand 
der Controverse. Die meisten Autoren glauben es hier¬ 
bei mit einer schleichenden interstitiellen Entzündung 
der Paukenhöhlenschleimhaut zu thun zu haben. 

Politzer nimmt dagegen eine primäre Erkrankung 
der Labyrinthkapsel an (Capsulitis labyrinthi), indem er 
eine AfFection der Paukenhöhlenschleimhaut ausschliesst. 
Jedenfalls handelt es sich hier um tief eingreifende pa¬ 
thologisch-anatomische Veränderungen, die nicht mehr 
rückbildungsfähig sind. Deshalb sind auch die Resul¬ 
tate in Bezug auf Therapie wenig befriedigende, beson¬ 
ders im vorgeschrittenen Stadium, wenn es sich nicht 
gerade um Mittelohrcatarrhe handelt, die durch Steno¬ 
sen der Nase und des Nasenrachenraumes unterhalten 
werden. In diesen letzten, leider selteneren Fällen, ha¬ 
ben sich durch die in der Nase oder im Nasenrachen¬ 
raum vorgenoramenen Operationen, wie Adenotomien, 
Entfernungen von Muscheln und Leisteu verbunden mit 
der Anwendung der Luftdonche sehr günstige Erfolge 
erzielen lassen. 

In den meisten Fällen schien es jedoch zu wirklichen 
jeder Therapie trotzenden, Sclerosirungsprocessen im 
Mittelohr gekommen zu sein, deren ätiologisches Moment 
ich zura Theil in den jahrelang dauernden schädlichen 
V' irkungen der Nasen- resp. Nasenrachenstenosen zu 
finden glaubte. Ich fand nämlich in 46 Fällen von 
Sclerose und Adhaesivprocesseu gleichzeitig Verände¬ 
rungen in der Nase oder im Nasenrachenraum, deren Vor¬ 
handensein vor Eintritt der Ohrenerkrankung feststand. 
Das Alter der Patienten schwankte zwischen 26 und 68 
Jahren, das Geschlecht schien ohne Einfloss zu sein. In 
10 Fällen waren sie nach einer früher bestandenen, ge¬ 
genwärtig aber abgelanfenen Mittelohrentzündung auf¬ 
getreten. Die subjectiven Symptome bestanden in Ohr¬ 
geräuschen meist hohen Toncharacters, geringerer oder 
hochgradiger Schwerhörigkeit, die sich nach Angabe der 
Patienten allmählich und langsam entwickelte. Der oto- 
scopische Befund war (mit Ausnahme der 10 Fälle von 
vorhergegangener Ohreiterong) ein meistens negativer, 
nur vereinzelt fanden sich Trübungen und Atrophien 
des Trommelfells, öfters auch Kalkablagerungen in dem¬ 
selben vor. In den 10 Fällen mit vorhergegangener 
Ohreiterung wechselten grössere oder kleinere Narben 
des Trommelfells mit trockenen Perforationen verschie¬ 
dener Grösse ab. 

Die Veränderungen in der Nase und im Nasenrachen¬ 
raum bestanden in Folgenden : 

1. Die untere Muschel war in 8 Fällen hypertro¬ 
phisch, und zwar combinirt: 


a) mit Leisten.3 Mal, 

b) mit Septomdeviationen (nach der ent¬ 

sprechenden Seite).2 » 

2. Die Hyperplasie der mittleren Muschel war 9 
Mal vorhanden, nnd zwar in Combination: 

a) mit Septnmverbiegnngen.4 Mal, 

b) mit Leisten.2 » 

3. Beide Muscheln waren in 22 Fällen hypertro¬ 
phisch, nnd zwar combinirt: 

a) mit Leisten.4 Mal, 

b) mit Deviationen.1 * 

c) in Begleitung einer Rhinitis .... 3 » 

4) Leisten, die das Nasenlnmen versperrten, waren 

2 Mal vorhanden, und zwar 1 Mal zngieich mit einer 
riesig grossen Bulla ethmoidalis. 

5. Atrophie der Nasenschleimhaut war 2 Mai vor¬ 
handen. 

6. Nasenschleimpolypen, die den mittleren 
Naseugang ganz ansfüllten, waren 2 Mal vorhanden. 

7. 1 Mal war eine Verwachsung zwischen dem Sep¬ 
tum und der unteren Muschel vorhanden und so eine 
Stenose der betreffenden Nasenhälfte herbeigeführt. 

Bei näherer Betrachtung dieser Veränderungen be¬ 
merken wir, dass die bis jetzt so häufige hyperplasti- 
sohe Rachenmandel hier gänzlich fehlt, was weiter nicht 
Wunder nehmen darf, wenn man das Alter der hier in 
Frage kommenden Patienten berücksichtigt. Die Wir¬ 
kung der hyperplastischen Nasenmuscheln, Leisten and 
Polypen beruht hier augenscheinlich, ähnlich wie beim 
Tubencatarrli, auf dem Verschluss der pharyngealen 
Tubenmündung. Infolge aufgehobener Ventilation des 
Mittelohres kommt es auch hier zunächst znr Retraction 
und der dabei geringeren oder grösseren Fixation der 
Gehörknöchelchen. Hauptsächlich kommt hier der Um¬ 
stand in Betracht, dass die Steigbügelplatte tiefer in 
das ovale Fenster hineingedrückt wird. 

Wenn nun ein solcher Zustand länger dauert, so 
kommt es meist zu bindegewebigen Veränderungen und 
Verknöcherungen der Gelenke, Bänder und des Knorpel- 
überznges am ovalen Fenster. 

Nach Politzer, Habermann, Siebenmann 
ist auch die Stapesankylose sehr häufig die anatomische 
Grundlage der Sclerose. 

Ausserdem können die in der Nase oder im Nasen¬ 
rachenraum vorliegenden Veränderungen, wie früher be¬ 
reits beschrieben, Stauungserscheinungen im Mittelohr 
hervorrufen. Die Hyperämie der Paukenhöhlenschleim¬ 
haut ihrerseits, die anch noch durch die Unterbrechung der 
Paukenhöhlenventilation bedingt sein kann, kann jedoch 
(wie ich später bei den Labyrintherkranknngen noch 
weiter ansführen werde) auch aufs Labyrinth übergehen 
nnd hier durch Rupturen kleiner Gefässe eine Mitbe¬ 
theiligung des Labyrinthes an der Affection zu Wege 
bringen. So habe ich anch in 4 Fällen von Sclerose 
eine auffallende Verkürzung der Kopfknochenleitung con- 
statiren können, die auf eine Miterkranknng des La¬ 
byrinthes hinwies. In 10 Fällen trat die Erkrankung 
nach einer früher bestandenen, jetzt aber abgelaufenen 
Ohreiterung auf. Die Nasenveränderungen, die ja un¬ 
bedingt schon vor der Ohrenerkranknng bestanden hat¬ 
ten, scheinen hier also zuerst eine Mittelohrentzündung 
hervorgerufeu zu haben, nach deren Abklingen Adhäsio¬ 
nen der entzündet gewesenen Schleimhantflächen, 
die aneinander anlagen, zurückblieben nnd weitere Bin- 
degewebsmetamorphosen zur Folge hatten. 

Was znletzt die Atrophie der Nasensohlei mhant anbe¬ 
langt, so kann dieselbe begreiflicherweise auf das pha¬ 
ryngeale Ostinm übergehen nnd Tabenatrophie herbei- 
führeu. Das Fettgewebe der lateralen Seite wird wohl 
dann durch Bindegewebe ersetzt. Letzteres macht dann 


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138 


einen Schrnmpfungsprocess durch, der sich als Sclerose 
auf die Paukenhöhle fortpflanzt. 

Nasenveränderung bei Hörstörungen in 

Folge von Tntoxication. 

Einen besonderen Einfluss scheinen die Veränderungen 
in der Nase uDd im Nasenrachenraum bei Intoxication 
durch Medicamente, wie Chinin etc., die Ohrensausen 
eventl. auch Schwerhörigkeit hervorrufen, geltend zu 
machen. Ich habe in 4 Fällen von Schwerhörigkeit, 
verbunden mit subjectiven Ohrengeräuschen, die von den 
Patienten als Sausen und tiefes Summen characterisirt 
wurden, nach innerlichem Gebrauch von Chinin (2 Mal), 
Salicylsäure (1 Mal) und Aspirin (1 Mal) eine gleich¬ 
zeitige Hypertrophie der Nasenmuscheln vorgefunden. 
Wodurch diese subjectiven Gehörerapfindungen verursacht 
werden, ist gegenwärtig noch nicht erwiesen, und sowohl 
diese, als auch die vorübergehende, zuweilen auch blei¬ 
bende, Schwerhörigkeit wird auf eine Affection des 
schallempflndenden Apparates bezogen. Jedenfalls schei¬ 
nen auch Stauungserscheinungen dabei eine gewisse 
Rolle zu spielen. Kirchner 6 ) hat bei seinen Expe¬ 
rimenten an Thieren, die er mit Chinin und Salicyl- 
salzen futterte, Hyperämie und Extravasate in der Pau¬ 
kenhöhle und in der Schnecke gefunden. Diese Experi¬ 
mente Kirchner’s sind neuerdings durch die Unter¬ 
suchungen Grunert’s 6 ) im Wesentlichen bestätigt, 
der den Einwand, als wenn dabei Erstickungsmomente 
in Frage kämen, zurückwies. Auch vom angeblich un¬ 
giftigen Aspirin ist dasselbe nachgewiesen worden. 
H a i k e fand bei seinen Experimenten an Kaninchen, 
die mit Aspirin gefüttert wurden, gleichfalls Hyperämie 
und Gefässblutungen der Paukenhöhle, des Labyrinths 
und des Kleinhirns 7 ). 

Will man nun den Umstand berücksichtigen, dass die 
Veränderungen seitens der Nase und des Nasenrachens 
Stauungen im Mittelohr und Labyrinth (vergl. Labyrinth¬ 
erkrankungen) herbeiführen können und die kleinen 
Labyrinthgefässe bei längerem Anhalten des hyperämi- 
schen Zustandes leichter zu Blutungen neigen, so wird 
man, glaube ich, den Nasenerkrankungen bei Intoxica- 
tionen eine gewisse Rolle nicht absprechen können und 
sie sogar, was bis jetzt auch noch nicht geschehen zu 
sein scheint, bei Labyrinthaffectionen beachten müssen. 

Labyrinthaffectionen. 

Die 11 Labyrinthaffectionen, bei denen ich gleich¬ 
zeitige Veränderungen in der Nase und im Nasenrachen¬ 
raum constatirte, wiesen im Allgemeinen folgende cha¬ 
rakteristische Symptome auf: 

In sämtlichen Fällen hochgradige Schwerhörigkeit 
bis zu völliger Ertaubung, die in 6 Fällen plötzlich 
aufgetreten sein sollen. Weber war in Fällen einsei¬ 
tiger Affection meist nach der gesunden Seite laterali- 
sirt, die Kopfknochenleitung war in allen Fällen ver¬ 
kürzt und Rinne für das erkrankte Ohr positiv. Aus¬ 
serdem bestanden in allen Fällen subjective Ohrge¬ 
räusche, verschieden hohen Toncharacters. Schwindel 
war nur in 2 Fällen vorhanden. In 5 Fällen waren 
noch Beschwerden über Druckgefühl im Kopfe oder in 
den Ohren. Der Troramelfellbefund war in 6 Fällen 
ein negativer, in 2 Fällen waren starke Einziehungen, 
in 2 Fällen waren Perforationen, in 1 Fall eine grosse 
Narbe. In 3 Fällen war eine Mittelohreiterung voraus¬ 
gegangen, 1 Mal Lues, 3 Mal Trauma; 1 Mal Menin- 

6 ) Kirchner t, M. 1883—85 (Extrav. ira Labyrinth durch 
Chinin und Salicyl). Monatsscbr. f Ohrenheilk. 

8 ) Grnneri, Kritik d. Thierexperimente. Ergebnisse 
Kirchner’s bei seineu Vergiftungsversuchen mit Salicyls. 
u. Chipin. Arch. f. Ohrenheilk- 45/101. 1898. 

7 ) Die Ergebnisse dieser nicht veröffentlichten Untersuchun¬ 

gen sind mir von Herrn H a i k e in liebenswürdigster Weise 

zur Verfnguug gestellt. 


gitis, in 3 Fällen handelte es sich um sogen. Kessel¬ 
schmiedetaubheit. 

Die gleichzeitigen Nasenveränderungen bestanden in 


Folgendem: 

1. Hyperplastische Rachenmandel .... 3 Mal, 

2. Untere Muschel hyperplastisch .... 2 » 

und zwar mit: 

a) Spina.I » 

b) mit Spina und Deviation.1 » 

3. Mittlere Muschel hyperplastiscb .... 1 » 

und zwar mit Leiste. 

4. Die Hyperplasie beider Muscheln . . . 5 » 

und zwar mit Spina.1 » 


Wenn wir uns nun die Frage über die Art der Pro- 
cesse und deren Wesen vorlegen, die sich im Labyriuth 
abspielen und die Schwerhörigkeit resp. völlige Laby¬ 
rinthtaubheit zur Folge haben, so müssen wir leider 
eingestehen, dass wir eigentlich noch recht wenig Ge¬ 
naues darüber wissen. 

Die pathologischen Veränderungen am Labyrinthe 
können sehr mannigfaltige sein, je nach der Art und der 
Intensität der Erkrankung. Zum Studiren derselben 
sind Untersuchungen an Taubstummen vorgenommen 
worden. Bei Taubstummen, glaubte man, bestehen diese 
Veränderungen in Bildungsfehlern wie z. B. Fehlen der 
Schnecke oder der Bogengänge, da ja die Ausschaltung 
dieser Theile von grösster functioneller Wichtigkeit für 
das Gehör ist. So haben z. B. Versuche am Kanin¬ 
chen bei Zerstörung der Cochlea totale und dauernde 
Taubheit ergeben 8 * ). 

Allein die neueren Untersuchungen Mygind’s’) 
haben gezeigt, dass man es auch hier nicht mit ange¬ 
borenen Miss- und Hemmungsbildungen zu thun habe, 
sondern mit Residuen Uberstandener Entzündungsprocesse, 
wie neugebildetem Knochen-, Kalk- und Bindegewebe 
an den Bogengängen und der Schnecke. Diese Art Er¬ 
krankungen des Labyrinthes können nicht nur postfötal 
sondern auch bei «Taubgeborenen * intrauterin Vorkom¬ 
men 10 ). Die Entzündungen nehmen ihren Weg entwe¬ 
der von der Paukenhöhle aus, wo man gleichfalls der¬ 
artige Entzündungsprocesse oder deren Producte vorfin¬ 
det, oder vom Gehirn aus, wie z. B. bei Meningitis. In 
anderen Fällen sollen die labyrinthären Veränderungen 
auch primär entstehen können (Voltolini). Wie dem 
auch sei, jedenfalls kommt es dabei sehr oft im Laby¬ 
rinth zu Blutungen aus den Gelassen, was sich auch 
durch den Befund einiger Sectionen bestätigte. 

Es ist nur natürlich, dass Blutaustritle vorzugsweise 
da zu Stande kommen, wo die Gefässe schon früher 
blutüberfüllt und hyperäraisch waren. Die Hyperämie 
kann jedoch in Folge der durch Veränderungen in der 
Nase oder im Nasenrachenraum bedingten Stauung auch 
in den labyrinthären Gefässen erfolgen. Denn nach 
Politzer existiren cochlea-tympanale Anastomosen. 
Politzer hat nämlich auf Grund von anatomischen 
Befunden und mikroskopischen Präparaten Anastomosen 
zwischen den Gefässen der Mittelohrschleimhaut und de¬ 
nen des Labyrinths, speciell denen der unteren Schnecken¬ 
windung, nachgewiesen. Die Ergebnisse seiner Unter¬ 
suchungen sind zwar neuerdings von einer Seite her 
angefochten worden 11 ), jedoch auf der letzten Naturfor¬ 
scher-Versammlung (Sommer 1902) in Karlsbad von 
Alexander auf Grund eigener positiver embryologi¬ 
scher und vergleichend anatomischer Beobachtungen im 
Wesentlichen bestätigt worden. In Folge dessen kann man, 
annehmen dass eine solche Gefässverbindung besteht, und 
dass eine von der Nase resp. vom Nasenrachenraum aus- 

B ) Dr. Canadi, Arch. f. Ohrh. Bd. 3 '2 I. 

®) M y ff i n d, Taubstummheit in B 1 a u ’s Enc. d. Ohrh. 

10 )Haike, Föt. Erkrank, d. Labyr. im Anschi, an enc. 
haemor. Arch. f. Ohrenhlk. Bd. 55. 




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by Goog i* 








139 


gehende Stauungshyperämie auch leicht noch die untere 
Schneckenwindung in Mitleidenschaft ziehen könnte. 
Durch diese anatomischen Verhältnisse werden sich auch 
die Fälle von Labyrintheiterung erklären lassen, die von 
der Paukenhöhle aus ihren Ausgang nehmen. Auch die 
Labyrintheiterung traumatischen Ursprungs, bei Durch¬ 
brechung der Labyrinthwand würde sich unter diesen 
Umständen nicht unschwer durch eine Infection von der 
Tnbe ans erklären lassen, sogar in den Fällen, wo die 
Paukenhöhle gesund war, indem, wie bereits früher er¬ 
wähnt, die letztere unter normalen Verhältnissen gegen¬ 
wärtig als keimfrei gilt. Was nun die in der Nase 
resp. im Nasenrachenraum hier vorliegenden Befunde 
anbelangt, so scheinen hyperplastische Rachenmandel 
niid Nasenmuschel hier auf dieselbe Art ihren Einfluss 
geltend gemacht zu haben, nämlich durch Verbreitung 
von Stanungserscheinungen ins Labyrinth, indem sie auf 
diese Weise die labyrinthären Gefässe zu Blutungen 
prädisponirten, die sowohl bei Meningitis als auch bei 
traumatischen Läsionen und Lues stattfinden. Bezüglich 
speciell der hyperplastischen Rachenmandel ist schon 
vor einigen Jahren darauf hingewiesen worden, dass sie 
in einem causaleo Zusammenhang mit der Taubstumm¬ 
heit stehe, da sie bei 60 pCt. von Taubstummen vor¬ 
gefunden wurde ,a ). Eine neuere Arbeit bestätigt diesen 
Zusammenhang und weist eine noch höhere Ziffer auf 
(64 pCt.) •’). 

Zuletzt möchte ich noch der Labyrintherkrankung Er¬ 
wähnung thun, die als sogenannte Taubheit der Kessel- 
scbmiedo bekannt ist. In meinen 3 Fällen von Kessel¬ 
schmiedetaubheit bestand eine gleichzeitige Hyperplasie 
der Nasenmuscheln. Da über diese Hörstörung noch 
keine anatomischen Untersuchungen vorliegen, so ist 
man auch hier noch vorläufig auf Hypothesen, deren es 
hier mehrere giebt, angewiesen. Unter Anderem glaubte 
man es auch hier mit kleineren oder grösseren Blutun¬ 
gen ins Labyrinth mit darauf folgender Entzündung nnd 
Zerstörung der Nervenendigungen zu thun zu haben. 
Auch hier könnten demgemäss secundäre Stauungen, die 
von der Nase ansgehen, eine gewisse Rolle spielen. An¬ 
dere wieder * 4 ) behaupten, dass die Schwerhörigkeit der 
Kesselschmiede auf der Lähmung und Atrophie der Eod- 
zweige des Hörnerven beruhe, indem dieselben durch 
permanente nnd übermässig starke Erregung überreizt, 
schliesslich ihre Erregbarkeit verlieren können. Diese 
letzte Erklärung klingt, meiner Ansicht nach, um so 
plausibler, wenn man bedenkt, dass hier eine Ermüdung 
des Hörnerven durch das anhaltende Einwirken dersel¬ 
ben (wenigstens in den meisten Fällen) Tonhöhe und 
besonderer Intensität eintreten kann. 

Selbst bei Annahme dieser zweiten Erklärung würden* 
wie ich glaube, die gleichzeitig Vorgefundenen Nasenver¬ 
änderungen ihre Bedeutung für das Gehörorgan nicht 
verlieren, nur würde ihr Einflnss, den sie hier geltend 
machen, von ganz anderer Art sein. Man denke sich 
nämlich, dass bei den Kesselschmieden die Schallwellen, 
infolge ihrer grösseren Intensität nnd Beständigkeit, stär¬ 
ker anf das innere Ohr einwirken, und hier einen 
grösseren intralabyrinthären Druck erzeugen, der viel¬ 
leicht zum TLeil durch die Tube abgeleitet, auf diese 
Weise in seiner Wirkung auf die Nervenendigungen ab¬ 
geschwächt wild. Wenn nnn eine derartige Herabsetzung 
des Luftdruckes, wie ich annehme, wirklich existirt, so 
kann sie begreiflicher Weise bei den hier vorliegenden 
Nasenveränderungen, die zugleich einen Tubenverschluss 
bedingen, nicht zu Stande kommen. Auf diese Weise 

") Braunstein u. Buhe (Halle) Giebt es Anastomosen 
zwischen den Oefäsabezirken des Mittelohres und des Laby¬ 
rinthes? 

,2 ) Fran k en berger, Monatschr. f. Obrenhlk. 1896. 

>•) p. H e 11 a t, Wratsch. 1901 45 - 47. 

H ) B a b e r m a n n, Arch. f. Ohrenhlk. 30. I. 1890. 


würde es sich vielleicht erklären, weshalb denn nicht 
alle Schmiede an Schwerhörigkeit leiden, und weshalb, 
wie in meinen Fällen, Hyperplasie der Nasenrauschein 
gerade bei den ertaubten Schmieden vorhanden war. 
Natürlich müssten erst weitere Untersuchungen auf die- 
[ sem Gebiete bei einer grösseren Anzahl von solchen 
Fällen der Kesselschmiedetaubheit diese meine Annahme 
von dem jedesmaligen Vorhandensein gleichzeitiger Na¬ 
senerkrankung bestätigen. 

R e s n m 6. 

I Wenn ich die Ergebnisse meiner Untersuchungen kurz 
rckapitulire, so komme ich zu den folgenden Resultaten: 

1 Veränderungen in der Nase resp. im Nasenrachenraum 
i bestanden unter 1000 Untersuchten bei Otitiden in 107 
, Fällen (ac. 34, ehr. 53, abgel. 20), bei Tubencatarrhen 
1 in 161 Fällen (ac. 41, ehr. 120), bei Sclerosen und Ad- 
I häsivprocessen in 4’6 Fällen, bei Schwerhörigkeit infolge 
von Intoxicationen in 4 Fällen, bei Labyrinthaffectionen 
! io 11 Fällen, also insgesamt 32,9 pCt. Die vorgefunde- 
j nen Veränderungen in der Nase bezw. im Nasenrachen- 
I ranm habeu direct oder indirect die betreffende Ohren- 
j affection herbeigeführt und unterhalten. Aus diesem aeti- 
ologischen Zusammenhänge ergiebt sich auch die grosse 
| Wichtigkeit derselben für die Therapie. Der hier vorlie- 
j gende Procentsatz ist vielleicht der Wirklichkeit gegen- 
! über ein viel zu geringer. Denn wenn man bedenkt, dass 
die Ohrenerkranknngen nicht gleichzeitig mit denen in 
der Nase resp. im Nasenrachenraum ihren Abschluss 
(iu Heilung) finden, und dass ihr Höhepunkt, während 
' dessen sie gewöhnlich erst in ärztliche Beobachtung ge- 
1 langen, meist hinter dem der primären Nasen rachen affec¬ 
tion liegt — die ja geheilt sein kann and demgemäss 
1 keine Veränderungen mehr anfzoweisen braucht, — so 
ist man, glaube ich, zu der Annahme berechtigt, dass die 
Ohrenerkrankungen weit häufiger als es aus meiner Ar¬ 
beit hervorgeht, ihfe Entstehung den Veränderungen in 
der Nase und im Nasenrachenraum zu verdanken haben. 

Zum Schluss möchte ich noch einer eigenthUmlicheo Be¬ 
ziehung zwischen Nase und Ohr Erwähnung thnn, über 
■ die erst in den allerletzten Tagen berichtet wurde. Lu- 
cae 15 ) machte die Beobachtung, dass das häufig auf¬ 
tretende Ohrenjacken bei Patienten, bei denen sich kein 
' Befund im änsseren Gehörgang zeigte, nach Behandlung 
der Nase mit Ausspülung (mittels Kochsalzlösung) ver- 
j schwinde, und erklärt das Zustandekommen dieser Er- 
I scheinung auf reflectoriscliem Wege. Peyser" 1 ), dage- 
i gen, der das Ohrjucken als Prodromalerscheinnng vor 
I acutem Schnupfen betrachtet und es (an sich selbst) 
i durch lnsufflation von Orthoforrapulver in den Nasenra- 
! chenraum coupirt hat, meint das Jacken bestehe nur 
! scheinbar im äusseren Gehörgang, in Wirklichkeit aber 
1 in der Tabenmündung nnd werde nur durch subjectiv 
j falsche Localisation in den Gebörgang projicirt. Wie dem 
auch sei, die Thatsache dieses eigenthümliohen Zusam¬ 
menhanges zwischen Nase und Ohr steht fest, obgleich 
deren Wesen noch der Aufklärung bedarf. 

Berlin, im Februar 1903. 


i Referate. 

i 

i 

| Meyen (Moskau). Ueber gonorrhoische Krankheiten 
und deren Behandlung. 

Die durch Moorbäder günstig beeinflussbaren gonorrho¬ 
ischen Krankheiten tlieilt Verfasser in 3 Hauptgruppen 1. Ge- 
lenkaffectionen, 2. Erkrankungen der weiblichen Geschlechts - 
i organe nnd Adnexe, gewöhnlich ausgezeichnet dnreh heftige 
Kreuzschmerzen, häufig lancinirende Schmerzen und Gürtel- 
i gefühl, welche Symptome Verf. auf Myelitis bezieht (gewiss 

IS ) Sitzung der Berliner otologischen Gesellschaft vom 10. 
Februar 1903. 

'*) Ebendaselbst. ' 


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140 


mit Unrecht, da dieselben häufig von dem in solchen Fällen 
stark afficirten Sympathicus ausgehen, ßef.) 3. Neuritiden 
bez. Neuralgieen. 

Bei den Arthritiden, besonders der Hand wird nach Verf. 
Beobachtungen häufig durch einige warme bis heisse Moor- 
kataplasmen die Situation zum Besseren gewendet, gonorrhoi¬ 
sche Polyarthritiden jedoch erfordern prolongirte warme bis 
erträglich heisse Moor-Vollbäder. Bei den gonorrhoischen 
Frauenleiden darf die Bäderbehandlung nicht zu früh ein- 
setzen. Die Kur erfordert oft zwei Sommer und muss dieselbe 
auch im ersten Sommer wohl durch eine Ruhepause von eini¬ 
gen Wochen unterbrochen werden. 

Die gonorrhoischen Neuritiden bieten wie auch andere 
Neuritiden nach Verf. ein dankbares Feld für Moorbehand¬ 
lung. 

Bei Vollbädern wurden gewöhnlich Temperaturen von 35- 
40° C. angewandt, bei Lokalbädern bis 45° C. Die höheren 
Temperaturen sind meist nicht nötliig, ja bei Atfectionen der 
Unterleibsorgane anämischer Frauen haben feogar Tempera¬ 
turen unter 35° C. häufig bessere Erfolge. Die Frauen sitzen, 
da sie iin Bade schmerzfrei zu sein pflegen gerne, lange, eine 
Stunde und mehr, in demselben. Buch. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

Veröffentlichungen des Komitöe’s für Krebsforschung 
herausgegeben von dem Vorstand E. v. Leyden, 
Kirchner. Wutzdurff, v. Hansemann nnd 
George Meyer. II. Ergänzungsband zum klini¬ 
schen Jahrbuch. (Jena. Verlag von Gustav Fischer. 
1902). 

Dieses Heft enthält 5 kleinere Aufsätze über Pathogenese, 
Diagnose und Therapie des Carcinoms, unter denen der erste 
von v. Leyden besonderes Interesse verdient, weil Vorf. da 
rin ausführlich mit Zuhilfenahme von Abbildungen seine 
Stellungnahme zur Frage noch den Parasiten des Krebses 
praecisirt. Nachdem er bei verschiedenen Gelegenheiten für 
dio parasitäre Theorie der Krebsentstehnng eingetreten war, 
zeigt er hier,«auf die Arbeiten seiner Schüler zurückgreifend, 
welche Gebilde er für Parasiten hält und welche Umstände er 
in dieser Frage Für ausschlaggebend hält. 

U c k e. 

Dr. Carl Rosen thal. Die Zunge uud ihre Begleit- 
Erscheinungen bei Krankheiten. Für Aerzte und 
Studirende. (Berlin 1903. Verlag von August Hirschwald). 

Trotz der Bedeutung der Krankheiten der Zunge wird die¬ 
ses Gebiet der speciellen Pathologie heute sowohl in der 
Praxis wie im Unterricht meist arg vernachlässigt. Die Folge 
davon ist, dass in keinem Gebiet Fehldiagnosen so häufig 
Vorkommen, als bei den Erkrankungen der Zunge. Die Aeti- 
ologie derselben ist in vielen Fällen noch sehr uuklar. Dass 
darunter auch die Therapie leidet, ist selbstverständlich. Aus 
all’ diesen Gründen hat sich Verf. zur Aufgabe gemacht, die 
eigentlichen Erkrankungen der Zunge und die Erscheinungen 
auf derselben bei deu mannigfachen Erkrankungen des Men¬ 
schen in einem besonderen Buche zusammen zu fassen. Auf 
Grund der sehr umfangreichen und zerstreuten Literatur 
und seiner eigenen Beobachtungen an zahlreichen Kranken 
giebt Verf. in diesem Werke eine ausführliche Beschreibung 
der Anatomie, Physiologie und Untersucht»ngsmetlioden der 
Zunge, ihrer entzündlichen Erkrankungen, der Erscheinungen 
seitens derselben bei acuten und chrouischen Infectionskrank- 
heiteu, bei Magen-Darmkrankheiten, bei einigen Hautkrank¬ 
heiten etc. etc. Die Darstellung muss als eine recht gelun¬ 
gene bezeichnet werden und kann das Buch deshalb allen 
Aerzten nur besteus empfohlen werdeu. 

Sacher. 

Prof. M. Bernhardt. Die Erkrankungen der periphe¬ 
rischen Nerven. I. Theil. Prof. H. Oppenheim. 
Die Geschwülste des Gehirns. Prof. v. Leyden und 
Go Id sc beider. Die Erkrankungen des Rücken¬ 
marks und der Medulla oblongata (Allg. Theil). 
(Alfred Holder, 1902, Wien). 

Die 3 vorliegenden Werke sind schon bei ihrem Erscheinen 
im Nothnagel 'sehen Handbuch einer Besprechung in un¬ 
serem Blatt unterzogen worden. Nur das 0 p p e n h e i m 'sehe 
Werk liegt vollständig vor; es hat eine Erweiterung von ca. 
70 Seiten erfahren und die Literatur ist bis in den Beginn 
des Jahres 1902 berücksichtigt worden. Wir halten es für 
überflüssig unseren Fachcollegen das Oppenheim 'sehe 
Buch zu empfehlen, o h n e dasselbe lässt sich schwer aus- 
kommen und welche Frage man ihm auch vorlegt, stets wird 
man das Buch nicht nubelehrt aus der Hand legen. Weitaus 


am eingehendsten ist das schwierigste Capitel, die Diagnose 
behandelt, so dass auch der Nichtspecialist sich bei einigem 
guten VVilleu wird zurechtfinden können, vor diagnostischen 
Irrthümern können allerdings auch 0 p p e n h e i m’s Rath¬ 
schläge nicht schützen. Die 2 anderen Werke sollen nach 
vollendetem Erscheinen besprochen werden. 

V 0 S 8. 

Die Krankheiten des Kehlkopfes. Von Dr. M. Bu- 

kofzew. (Verlag von August Hirschwald. Berlin 1903) 
Das vorliegende, 209 Seiten fassende, Büchlein will dem 
Lernenden ein Leitfaden sein, an welchem er eine Uebersicht 
über das Gebiet der Laryngologie gewinnen soll. Diesem Ziele 
entsprechend giebt Verf. eine kurze, aber recht praecise und 
klare Beschreibung der Anatomie, Physiologie und Unteren- 
chungsmethoden des Kehlkopfes, der allgemeinen Aetiologie 
und Therapie der Kehlkopfskrankheiten, die darauf, ihrer 
Wichtigkeit uud Häufigkeit entsprechend, mit grösserer nad 
geringerer Ausführlichkeit einzeln besprochen werden. Ara 
Schlüsse des Werkes fiudet sich auch oin ziemlich ausführ¬ 
liches Literaturverzeichnis8. Dem Studirenden und praktischen 
Arzte kann das Büchlein warm empfohlen werden. 

Sacher. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

734. Sitzung am 26. November 1902. 

Vorsitzender: T i 1 i n g. Secretär: U c k e. 

1. M a s i n g theilt einige Beobachtungen au He- 
miplegischen mit, deren Besonderheiten ihm einer ana¬ 
tomischen Erklärung zu bedürfen scheinen. 

Es handelt sich um den Unterschied in der Intensität der 
Lähmung zwischen unterer nnd oberer Extremität and, falls 
Pat. am Leben bleibt, in dem ungleichen Zurückkehren der 
Functionen in denselben. Während die Bewegungen der Beine, 
nach einem apoplectischen Insult, der beispielsweise ohne 
Sprachstörungen einherging und nur die Extremitäten der ei¬ 
nen Körperhälfte betraf, sich meist recht schnell wiederher¬ 
stellen, kehrt die Function der Arm- nnd Handmusculatur 
nur laugsam uud meist nicht vollständig zurück. M. meint 
ob die Erklärung dieser Thatsache nicht darin zu suchen sei, 
dass einerseits die Bahnen und die Centren für den Arm auf 
ein kleineres Gebiet localisirt, somit Btärker affleirt sind, als 
die der unteren Extremität, andererseits der Verlauf der Ge- 
fässe eine intensivere Schädigung der einen Gebiete gegenüber 
den andern bedinge. 

Voss, dessen Beobachtungen auf diesem Gebiete nnr apho¬ 
ristischen Werth haben, glaubt die Erklärung dieser Beobach¬ 
tungen in den complicirteren'Functionen des Armes gegenüber 
dem Bein zu sehen. Wir nehmen auch wahr, dass die Func¬ 
tion der Zehen am Fuss später sich einstellt, als die grobe 
Function der Beinmusculatur und ebenso stetig geht die Wie¬ 
derherstellung vom Ober- und Unterarm erst allmählich auf 
die Hand über. V. will hier nur auf die Untersuchungen von 
Mann hiuweisen, der auf die Wiederherstellung der Bahnau¬ 
gen aufmerksam macht. 

Kroug stimmt mit Voss darin überein, dass die Func¬ 
tion sich um So schwieriger einstellt, je complicirter dieselbe 
ist. Es kommt hier auf die Existenz nnd Wegbarmacliung coila- 
teraler Bahnen an, durch welche die Fanciion wieder herge¬ 
stellt wird. Besonders deutlich tritt das bei Störung der 
Sprach- und Scbreibfunctionen hervor. Es bezieht sich dies 
jedoch nur auf die Zerstörungen im Gebiet der Leitungsbah¬ 
nen; bei Hemiplegien corticaler Natur ist das Verhalten ein 
Umgekehrtes. Die Armfunctionen »teilen sich schneller ein, 
wie die Beinfunctionen, weil das Gebiet ein grösseres ist und 
weil andere Theile vicariirend einzutreten pflegen. 

M a s i u g wollte als Rindenaffectionen nur eigentlich Zer¬ 
störungen in der Markstrahlung verstanden haben. 

v. Fick kann auf einen Fall von Hirntumor Hinweisen, der 
genau die Centren der Extremitäten der einen Körperhälfte 
betraf and in dem nach der Operation die Function im Ar.n sich 
schneller restituirte. wie im Beiu. Der Tumor entsprach der 
Centralwindung, war von Wallnussgrösse und drang in die 
Markstrahlung ein. . 

2. Schmitz. Ueber Knochenwachsthum im 
Kindesalter. Im Jahre 1879 wurde ich von Prof. Bid- 
d e r bei einem Kinde consultirt, das 2 Wochen vorher gebo¬ 
ren war. Die Geburt war normal verlaufen, zumal war keine 
Nabelschnurumschlingung za beobachten gewesen, doch war 
Gangrän des linken Fusses bis zum Knöchel eingetreten. Es 
wurde die Amputation im untern ’/ 3 des Unterschenkels ans¬ 
geführt; die Wunde heilte gut zu nnd wider jegliches Erwar¬ 
ten genas das Kind. Im 2. Lebensjahre wurde ich wieder zum 
Kinde gerufen und fand eine infantile Kinderlähmung. Das 
Kind sollte zum Gehen gebracht werden. Zwar waren Cou-i 






141 


tractaren vorhanden, doch liess sich mit Stelzfass and Appa¬ 
raten der Zweck erreichen. 5 Jahre später wurde der Ampu¬ 
tationsstumpf sehr spitz und es trat eine Blase auf; es musste 
reamputirt werden: das untere Ende der Fibula war spitz ge¬ 
worden, länger wie die Tihia uud hatte sich vor dieselbe 
spangenförmig vorgelegt. Nach weiteren 3 Jahren war wieder 
dieselbe Erscheinung eingetreten und endlich nach weiteren 3 
Jahren war die Fibula wieder um mehrere cm. länger als die 
Tibia. Beide Male war sie gekürzt worden. 

Derartige Beobachtungen können nnr in der Privatpraxis, 
nie in Hospitälern gemacht werden. Dauach scheint es, als ob 
die Fibula mehr an ihrem oberen Ende wächst, als die 
Tibia. 

Im erwähnten Falle fand das Wachstbum nnr bis zum 12. 
Jahre statt, dann aber hörte es auf. Jedenfalls sind solche 
Fälle sehr selten. 

Tiling. Die Seltenheit derartiger Beobachtungen liegt in 
dem Alter der Patienten, denn, wenn solche Operationen 
an Halbwüchsigen ansgeführt werden, so bekommt man der¬ 
gleichen nicht zu Gesicht. 

Wanach fragt, ob Schmitz nicht Gelegenheit gehabt 
hat, Operationen im Sprunggelenk bei Kindern auszuführen, 
wobei die nnteren Epiphysen der Unterschenkelknochen ans¬ 
gelöffelt wurden? Bei derartigen Operationen, müsste man 
ähnliche Beobachtungen machen können. 

Schmitz. Gemacht habe ich wohl die Operationen, aber 
nie die weiteren Folgen zu Gesichte bekommen. 


Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 16. October 1902. 

1. Dr. Voss stellt vor der Tagesordnung einen Patienten 
als gebeilt vor, welchen er wegen Kleinhirnabscess und Si- 
nusthrombo8e operirt hat. Alte chronische Otitis media (kl. 
Cholesteatom). Plötzlich mit heftigen rechtseitigen Kopf¬ 
schmerzen 4 Tage vor der Aufnahme erkrankt, hauptsächlich 
in der Stirn, keiu Schwindel, Schwäche der Beine, Augenhin 
tergrund normal, keine Paresen oder Paralysen. Keine Druck- 
empfindlichkeif. am Warzenfortsatz. T.° uormal P 64 -60. Nach 
der Kadicaloperation, bei welcher gleichzeitig der Temporal¬ 
lappen punktirt wurde, 4 Tage relative Euphorie, dann Wie¬ 
derkehr der alten schweren Erscheinungen. Dazu gesellt sich 
Eibrechen, Neuritis optica und taumelnder Gang. Die Opera¬ 
tion ergiebt jetzt einen Kleinhirnabscess uud Sinusthrom¬ 
bose, welch letztere sich nur durch ein vorübergehendes iso- 
lirtes Oedem des gleichseitigen (rechten) obereu Augenlides 
kenntlich gemacht hatte T.° stets unter 37, (erscheint ausführ¬ 
lich in der Zeitschrift f. Ohrenheilkunde). 

(Autoreferat). 

2. Dr. A. Zander hält seinen Vortrag über «Reform der 
Frauenkleidung speciell über das Korset «Gäches-Sarraute». 
Durch einige in der Dbnazeitung erschienene Aufsätze von 
Dr. M. Treymann wurde Z. veranlasst in derselben Zeitung 
kurz Stellung zur Frage zu nehmen. Seine dort in Thesen¬ 
form ausgesprochenen Ansichten will Z. heute bgründen. 
Nach Doctorin Gäches-Sarraute und Dr. Treymann 
ist das Bauchkoreet ein völlig inoffensives, dem weiblichen 
Körper kunstvoll angepasstes, hygienisches und ästhetisches 
Kleidungsstück. Z. weist im Einzelnen nach, dass G.-S. von 
einer unmöglichen Gestalt des normalen weiblichen Rumpfes 
ausgeht, indem sie ihm für die Natur und für die Antike 
solche Formen zuspricht, die er nur unter den Einwirkungen 
des Bauchkorsetes annimt. Z. charakterisirt die Umrisse des 
weiblichen Rumpfes in aufrechter Haltung, in den Ansichten 
von vorn und von der Seite, und kennzeichnet die normale 
weibliche Taille als eine oft kaum merkbare, sanft bogenför¬ 
mige, seitlich in der Gegend der untersten Rippen belegene, 
Einziehung, deren Ausprägung zunimmt mit der Weite des 
grossen Beckens und der Schmalheit des unteren Tbeiles des 
Brustkorbes, welcher seinerseits im unverbildeten Zustande 
von vorn gesehen annähernd parallelwandig ist. Im bisheri¬ 
gen Korset lag die grösste Verengerung an dem Orte dieser 
anatomischen Taille. Das Bauchkorset verlegt die engste 
Stelle dicht Uber die Oberkante der Hüftbeine dahin, wo der 
Weichtheilkontnr normaler Weise am breitesten ist und 
schafft dort eine kurzbogige, rinnenartige Einschnürung, die 
nahe der Wirbelsäule begiunt und schräg abwärts bis vor die 
Spina ilei ant. sup. verläuft. Als weitere Wirkungen des 
Bauchkorsets nennt Z. unter mechanischen Begründungen die 
durch Druck auf die unteren Lendenwirbel und auf die Scham¬ 
beingegend unnatürlich verstärkte Beckensenkung (Lordose 


der Lendenwirbelsäule), den durch Druck von vorüber be¬ 
wirkten Fortfall der natürlichen Vorwö bnug des unteren 
Bauchabschnittes, sowie folgende, durch Verkleinerung des 
unterhalb der Sohuürstelle belegenen Bauchantheils hervorge¬ 
rufenen Abweichungen: einen im natürlichen Zustande durch¬ 
aus fehlenden Spannungsdruck in der Bauchhöhle, daher Vor- 
wölbung des Epigastrium, Einstellung der Wirbelsäule in 
unnatürlich gestreckter Haltung, pseudoinspiratorische Vor¬ 
wölbung des Brustkorbes und Erschwerung der Thätigkeit 
des Zwerchfelles. Infolge dieser Veränderungen der äusseren 
Formen macht da9 Bauchkorset aus einem wohlgebildeten 
Körper eine Karrikatur. Es behindert ferner die Beweglichkeit 
im Lendentheile und immobilisirt das Becken in seiner Lage 
zu den Oberschenkeln und besönders zu den oberen Rumpf- 
theilen so wesentlich, dass G.-S. es direct als Gradebalter em¬ 
pfiehlt. Durch diese Eigenschaft nimmt es der Frau einen 
Theil ihrer nur bei freiester Beweglichkeit entfaltbaren An- 
mnth. An einer Anzahl von Beispielen weist Z. nach, wie G.- 
S. sich mehrfach in ihrem Werke selbst widerspricht und wie 
sie infolge oberflächlichen Beobachter umf unlogischen Ur- 
theilens zu theilweise verkehrten Schlüssen gelangt. 

Auf Grund seiner Auseinandersetzungen bezeichnet Z. das 
Bauchkorset als einen in mehrfacher Hinsicht offensiven, na¬ 
türliche Thätigkeitsbedingungen in nachtheiliger Weise ver¬ 
ändernden, und den Körper entstellenden, also unästhetischen 
Apparat, welcher bei keiner annähernd gesunden Person An¬ 
wendung finden dürfe. 

Wegen vorgerückter Stunde, und da die Demonstrationsob¬ 
jecte bereits vorbereitet sind, unterbricht Z. seinen Vortrag 
und zeigt zunächst an Sciopiioonbildern, demonstrirt von den 
Collegeu Bengbusc h und ß r u t z e r, und herumgereichten 
Photographien eine cum grano salis normale Mutter iu 70 
von Dr. Max Schönfeld frenndlichst angefertigten Auf¬ 
nahmen in Reformtracht und zwar in Bauinwolleutricot. — 
Hemdhose (Combination) und mit schwedischem Büstenhalter 
in drei Aufnahmen, (von vorn, von hinten und von der Seite). 
— Mit der gleichen Kleidung, darüber Rockhose in drei Auf¬ 
nahmen (bei hängendem Rocke von vorn und von hinten und 
bei gehobenem Rocke) — endlich im Hauskleide. Z. deutet 
kurz die gesundheitlichen ästhetischen Vortheile dieser durch¬ 
weg von den Schultern getragenen Kleidung an. 

Weiter zeigt Z. dieselbe Fran in derselben Weise in drei 
Aufnahmen mit Kombination, aber ohne Büstenhalter und mit 
einem iu Riga zu Demonstrationszwecken gefertigten B&uch- 
korset (vou vorn, von hinten, von der Seite), uud erläutert ei¬ 
nerseits dessen wesentliche Abweichungen von dem richtigen 
G.-S.-Corset, andrerseits die hervorgebrachte Aenderung der 
Wohlgestalt. 

Darnach stellt Z. ein wohlgewachsenes junges Mädchen mit 
tadellos unverbildeter Taille vor, welche ihre Röcke und Ho¬ 
sen stets unmittelbar über dem Darmbeinkamme sehr lose ge¬ 
bunden getragen hat, und demonstrirt sie zuerst in einer 
Tricotcombirration, dann mit befestigtem Rocke — wobei er 
auf das kaum bemerkbare Einschneiden des Gurtes und den 
festen Sitz aufmerksam macht, — endlich in einem ad hoc für 
sie in Riga (in einer auderen Fabrik) gefertigten Bauchkorset. 
Z. weist auch hier auf die Entstellung der Wohlgestalt, wie 
auch auf die grossen Abweichungen vom echten Bauchkorset 
hin, betont aber zugleich, dass die Entstellung in letzterem 
noch viel bedeutender sein müBste. — Ein zuletzt gezeigtes 
Trageband wird von Z- selbst als unmassgeblich bezeichnet, 
da es als erstes Modell eben erst in seine Hände gelangt, und 
nicht individuell angepasst sei. 

(Autoreterat). 

(Fortsetzung folgt). 

d. z. Secretär: S. Krögerjuu. 


Vermischtes. 


— Der Ehren -Leibmedicus, Geheirarath Dr. Leo Ber¬ 
the n s o n ist am 0. April n. St. von dem Verein für innere 
Medicin in Berlin zum correspondirenden Mitglied und 
am 13/26. März vom Sanitary Institute in Loudon zum Ehren¬ 
mitglied ernannt worden. 

— In der Conferenzsitzung der Militär-Medicinischen Aka¬ 
demie am 22. März wurden nachstehende 5 Professoren der 

f enannten Akademie zu Akademikern gewählt: 

. M. A 1 b i z k i, Professor der allgemeinen und experimen¬ 
tellen Pathologie; A. Dänin, Prof, der Chemie, A. Lebe- 
dew, Prof, der Geburtshilfe und Gynäkologie; M. Ssubo- 
tin, Prof, der chirurgischen Pathologie und Therapie; S. 
Schidiowski, Professor der Hygiene und Medlcinalpoli- 
zei. Um die Würde eines Akademikers zu erlangen, muss 


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142 


der dazu in Vorschlag gebrachte Candidat mindestens 10 i 
Jahre als ordentlicher Professor gedient haben und bei der 
Wahl mindestens */ 3 der Wablstimraen der Mitglieder der 
Conferenz erhalten. Vor der Wahl werden in der Conferenz- 
sitzung ausführliche Berichte über die wissenschaftlichen 
Verdienste der in Vorschlag gebrachten Candidaten verlesen. 

— Znm ordentlichen Professor auf dem Lehr¬ 
stuhl für Nerven- und Geisteskrankheiten an. 
die Universität Kasan ist der dem Ministerium der 
Volksaufklärnng zu gezählte Privatdocent der St. Petersburger j 
Universität wirkl. Staatsrath Dr. Kowalewski ernannt 
worden. In früheren Jahren bekleidete K. die entsprechen- 
Professuren an den Universitäten Charkow und Warschau. 

— Der Gehilfe des Leiters des besonderen Laboratoriums 
am Institut für experimentelle Medicin Dr. Lawrow ist an 
die Universität J u r j e w (Dorpat) als Professor extra- 
ordinarius der Pharmakologie übergeführt 
worden. 

— Als Proteasorffir den vacanten Lehrstuhl der A na- 
tomie an der Kiewer Universität ist von der me- 
dicinischen Facultät der bisherige Prosector Dr. W. A. S t e- 
fanis gewählt worden. 

— Der frühere Consultant an der Dolgorukowschen Heilan¬ 
stalt beim Comitd «Christliche Hilfe» des Rothen Kreuzes in 
Moskau Dr. Po hl ist zum wirklichen Staatsrath 
befördert worden. 

— Die medicinische Facultät der Odessaer 

U niversität hat als ihren Candidaten für den 
Lehrstuhl der gerichtlichen Medicin den bishe¬ 
rigen Odessaschen Medicinalinspector Dr. A Kor sch vor¬ 
gestellt (R. Wr.) 

— Der Stadt- nnd Badearzt von Hapsal Dr. Hörschel- 
m an n ist vom 28. März d. J. ab auf 2 Monate ins 
Ausland beurlaubt worden. Mit der Erfüllung seiner 
Obliegenheiten ist der Hapsalsche Kreisarzt I)r. Hoffmann 
betraut worden. 

— Der Director der Gewerbeschule Kaiser Alexander II. 
des Patriotischen Franenvereins hierselbst Staatsrath Dr. 
W e s t p h a 1 e u ist zum Mitgliede des Berathungs- 
com-iies beim Conseil des genannten Vereins ernannt wor¬ 
den. 

— Der Director der Klinik für Syphilis an der Wiener 
Universität Prof. Dr. Isidor Nenmann, welcher im vori¬ 
gen Jahre sein 70. Lebensjahr erreichte, giebt mit dem Schloss 
des Wintersemesters seine Lehrthätigkeit auf. 

— Nachdem Prof. Dr. Flügge (Breslau) den Ruf an die 
Wiener Universität abgelehnt hat, ist jetzt, wie verlautet, 
Prof. Dr. Htieppe (Prag) auf den L e h r s ti ii h 1 d e r Hy¬ 
giene in Wien berufen worden. Prof. Flügge soll, 
wie die «Allg. ined. C.-Ztg.» erfährt, die Berufung deshalb 
ausgeschlagen haben, weil die Wiener hygienische Anstalt, 
die in einem Flügel der alten (fewehrfabrik nntergebracht 
ist, den Anforderungen der Neuzeit nicht entspricht nnd ein 
Nenbau in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist.' 

— Der Heilanstalt für Alkoholiker des Dr. V. 
Olderogge aut der Insel Koossari bei Kotka (in Finland) 
ist seitens der Regierung eine einmalige Subsidie von 
3000 R b 1. nnd ausserdem 4 Jahre hindurch eine Unter¬ 
stützung von 4000 Rbl. jährlich bewilligt worden. 

(Her.) 

— Verstorben: 1) Am 26. März zu Riga Dr. Albert 
v. Henk o im 54. Lebensjahre. Aus Kurland gebürtig bezog 
der Hingeschiedene i J. 1870 die Universität Dorpat, an wel¬ 
cher er bis 1877 Mesicin studirte nnd 1879 die Doctorwürde 
erlangte. Schon als Student war er 1876 auf dem serbischen 
und 1877—78 aut dem kaukasischen Kriegsschauplätze ärztlich 
thätig. Nach Beendigung des Krieges wurde H. Arzt des Olo- 
nez'schen Hüttenbezirks in Petrosawodsk, siedelte aber bereits 
i. J. 1882 nach Livland über, wo er anfangs als Kirchspiels- 
arzt zu Engelhardtsbof, dann als Stadtarzt in Schlock fun- 
girte. 2) In Odessa der Oberarzt des dortigen Militärhospitals, 
Staatsrath Dr. M. F. Wosnessenski, im Alter von 55 
Jahren. Die ärztliche Praxis hat der Verstorbene über 30 
Jahre ausgeübt. 3) lm Flecken Armawir (Kubangebiet) am 
8. März Dr. David Pljnngin im 44. Lebensjahre am 
Flecktyphus, welcher dort seit einiger Zeit epidemisch herrscht. 
P. war dort der einzige Arzt für eine Bevölkerung von ca. 
25,000 Seelen. 4) Im Gouvernement Radom Dr. W. Bajer- 
kewitsch im Alter von 35 Jahren ebenfalls am Fleckty- 

huB. Als Arzt ist er seit 1893 thätig gewesen. 5) In Florenz 
er hervorragende Chirurg Prof. Dr. Colzi, welchem beim 
Tauben schiessen der Unfall passirte, dass das Gewehr ihm 
den Unterarm zerschmetterte. Er ist nach der Amputation 
seiner schweren Verletzung erlegen. 

— Vom kurländiscben Gouverneur ist der Arzt Hugo 
F r i c k als Doblenscher Kirchspielsarzt, unter 
Gewährung der Rechte des Staatsdienstes, angestellt worden. 

— Der Arzt Dr. Otto Grosse (in Oberlössnitz bei Dres¬ 
den) war vom Ehrenrath des ärztlichen Bezirksvereins Dres¬ 


den-Land zu der höchsten zulässigen Geldstrafe im Betrage 
von 1500 Mark verurtheilt worden, weil er trotz mehrfacher 
vorhergegangener ehrengerichticher Bestrafungen aus dem 
gleichen Anlass im September 1902 seinen Vertrag mit dem 
Besitzer einer Naturheilanstalt Bilz erneuert hatte. Das 
Erkenntniss ist jetzt auf die eingelegte Berufung hin von 
dem Ehrengerichtshof des Regierungsbezirks Dresden bestä¬ 
tigt worden. 

— lm preussischen Abgeordnetenhause ist ein vom Dr. 
Langer h ans und Dr. Barth eingebrachter Antrag, be¬ 
treffend die Einführung der facultativen Feuer¬ 
bestattung in Preussen, wiederum — wenn auch mit 
ganz knapper Majorität — abgelehnt worden. 

— Dem Evangelischen Hospital in Moskau ist 
neuerdings eine reiche Spende zu Theil geworden. Frau 
Commerzieurath Emma Bansa hat zum Andenken an ihren 
verstorbenen Gatten Conrad Bansa dem genannten Ho¬ 
spital ein Capital von 150,000 Rbl. zum Neubaueines 
würdigeren Heims, als dem Hospital bisher beschiedeu war, 
und einer den heutigen Anforderungen der Wissenschaft ent¬ 
sprechenderen Stätte geschenkt. 

— Zum Oberarzt der Heil an stal t der Kaspe- 

rowschen Gemeinschaft de3 Rothen Kreuzes in Odessa 
ist an Stelle Dr. Käfer’s, welcher viele Jahre dieses Amt 
unentgeltlich bekleidet hat, der Professor der Chirurgie an 
der dortigen Universität Dr. N. Lyssenkow von dem Cu- 
ratorium der Gemeinschaft gewählt worden. (R. Wr.) 

— Prof. Dr. E m i 1 Roux, zweiter Director der Pasteur¬ 
schen Anstalt in Paris, hat den ihm von dem Institut de 
France znerkannten Osier-Preis von 100,000 Francs 
(cfr. die vorige JÄ d. Wochenschr.) dem Institut Pasteur 
geschenkt. 

— Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfang der Geschlechts¬ 
krankheiten wird in nächster Zeit eine «Zeitschrift für 
dieBekämpfungderGeschlechtskrankli eiten» 
heransgegeben. Die Zeitschrift wird im Verlage von F. A. 
Barth (Leipzig) unter der Redaction der Prof. Lesser 
(Berlin) und N e i sse r (Breslau), sowie des Dr. A. Bl a s c h k o 
(Berlin) erscheinen. 

— In Leipzig hat sich eine «Dermatologische 
Gesellschaft» gebildet. Vorsitzenderderselben ist Prot. 
Rille. 

— Der Stadt St. Petersburg stehen zum Bau des 
projectirten Hospitals auf den Namen Peters des 
Grossen 3 Millionen Rubel zur Verfügung, doch haben die 
Stadtverordneten bis jetzt sich noch nicht bezüglich des 
Platzes aut welchem dasselbe anfgeführt werden soll, geei¬ 
nigt. Ausserdem hat die Staitduma 100,000 Rbl. zum Ban ei¬ 
nes Isolirhauses zum Gedächtuiss des 200- jäh¬ 
rigen Bestehens der Residenz angewiesen, welches 
an der Mirgorodskaja und .Solotonoschskoja erbant werden 
und dein Narwschen, Kolomnaschen und Alexan ler-Newski 
Staditheil dienen soll. 

— Die Argentinische Republik hat ein eigenthüm 
lichös Mittel zur Bekämpfung derTuberk ul ose 
in Anwendung gebracht. Nach einer Mittheilnng in einem bel¬ 
gischen medicinisclien Blatte suchte sie der Hygiene dadurch 
grössere Verbreitung zu verschaffen, dass sie 37 8 Millionen 
Streichholzschachteln verkaufen liess. auf denen Instructionen 
gegen die Weiter Verbreitung der Tuberkulose gedruckt waren. 

— Epidemiologisches: Pest- Da seit 10 Tagen in 

Egypten kein P e s t f a 11 vorgekoramen, so ist am 27. 
März die Quarantäne fiir Provenienzen aus Alexandria 
wieder aufgehoben. Bf. 

— Die Gesammizahi der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 22. März 
d. J. 9200 (69 wen. als in d. Vorw.). darunter 452 Typbus — 
(-46 wen.), 825 Syphilis — (24 wen.), 135 Scharlach — (13 wen.), 
122 Diphtherie — (3 wen.), 07 Masern — (10 wen/) und 100 
Pockenkranke — (6 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 16. bis zum 22. März 1903. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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378 

829 

179 

95 

154 

13 

9 

19 

68 

57 

55 

56 

62 

42 

18 

2 


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143 


2) nach den Todesursachen: 

— Ty ph. exanth. 0, Typh. abd. 12, Febris recnrrens 0, Typhös 
ohne Bestimm ii og der FormO, Pocken 5, Masern 24,Scharlach 11, 
Diphtherie 18, Oronp 0, Keuchhusten 2, Croupöse Lungen* 
entzünd ang 40. Erysipelas 0, Qrippe 12, Cholera asiatica 0, 
Bohr 2. Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Botzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 1, Puerperalfieber 4, Pyämie und Septicaemie 9, 
Tuberculose der Lungen 109, Tuberculose anderer Organe 27, 
AlkokoliBmuB und Delirium tremens 8, Leben sschwäclie und 
Atropbia infantum 70, Marasmus senilis 39, Krankheiten des 
Verdanungscanals 84, Todtgeborene 36. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 15. April 1903. 

Tagesordnung: 1) V. Schultz: Ein Beitrag zur Ae- 
tiologie und Pathogenese der Dys¬ 
menorrhoe. . 

2) E. B1 e s 8 i g: Ueber Augenverletiun- 
gen. (Kasuistik und Statistik). 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. April 1903. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandlung von K. L. RICKER in 
St Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-ond ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Tk# contents of thli i 


J. TAKAMINE. 

EINZIGE INHABER & FABRIKANTEN 

PARKE, DAVIS & Co. 

DETROIT, MICH. U. S. A. LONDON, ENGLAND, ST. PETERSBURG. 

Im Handel existiren Fälschungen und Nachahmungen unse- 

- - res Präparates unter ähnlichen Benennungen; aber alle bisher ver- r - —s 

Ir—- öffentlichten günstigen Berichte beziehen sich auf das Original- h -j 

Präparat von Dr. Takamine. 1 I 

f - Das ^Adrenalin Takamine ist das in Kryatallform isolirte L -} 

wirksame Princip der Nebennieren. * r- ^ n ^r 

Bas Adrenalin wurde vor einigen Jahren von Dr. Joldchi l davis *c 

Takamine in New-Jork entdeckt. *u*rr.. lo« 

| Das Adrenalin Takamine kommt in Form von Krystallen 

f nnd in Lösung 1:1000 in den Handel. f ’V 

Das Adrenalin Takamine wird aasschliesslich von der Firma 
Parke, Davis & Co., hergesteilt 

— - Kein einziges Mittel bat bis jetzt einen solchen Erfolg in ================= 

Th« contents of tho der Therapie gehabt wie das Adrenalin Takamine, was von Tan- SOLUTION 

i* er« only to b« u.r senden von Aerzten ans allen Welttheilen bestätigt wird. Das Ad- . 

•ccordaoce with ' a omj renalin Takamine ist ungiftig, besitzt keine cumulative Wirkung, MfÜltlin CnlOriK 

mcttuoawr*. 1 * reizt nicht die Gewebe, ist beständig. Seine speciellen therapeuti- r.iooo 

- sehen Eigenschaften sind folgende: Das Adrenalin Takamine wirkt . JrUIob of tb* Moc$ 

--—- Hämostatisch: es stillt sofort die Blutnng in den Körperteilen, gs prfndp»« of »p'*"' 

h tbuctions FOR PiUfli wo es unmittelbar angewandt werden kann, indem es direct auf die — w'"' 

».■«.«tau.. m Blutgefässe einwirkt nnd eine Contraction der Gefässmusculator UntUi cfeiorida (TakaaiMi 

1,000 1 hervorrnft, ohne Blutcerinsel za bilden. Chloride«*** 

--na. Das Adrenalin Takamine wirkt Anämisirend: es verhindert ta(wtthoSi chlor*»). 

- • ii*'“ 1 die Blutung bei kleinen chirurgischen Operationen, wenn es in ge iwp -6 

ww““" ! 9 4,. i«' niigender Dosis vor Beginn der Operation in die za operirenaen .TT...® a. rA 

r -nr Theile eingerieben wird. WHKE, DAVIS 4 c» 

Das Adrenalin Takamine wirkt tonisirend: die während einer J^oit, mich, u a» 

—rUT^ Narkose mit Chloroform-, Aether-Lachgas u. s. w. geschwächte Herz- **■ n... - 

~ i'i. thätigkeit wird durch eine intravenöse Iuiection von 0,3—0,6 Adre- . . 

-J nalinchlorid Takamine, 1:1000 in physiologischer Kochsalzlösung ■ ■■ ■ 

gelöst, wieder gehoben. 

Das Adrenalin wirkt in diesen Fälleu, wie es scheint, belebend und zwar stärker und rascher als'alle 
bisher bekannien Mittel, das Nitroglycerin nicht ausgenommen. 

Das Adrenalin Takamine steigert den Blutdruck: es wirkt auf das geschwächte Herz ähnlich wie Digi¬ 
talis, aber energischer, indem es den abnorm verlangsamten nnd intermittirenden Puls beschleunigt nnd den abnorm 
beschleunigten und unregelmässigen Puls verlangsamt. 

Bei Verordnung ist ausdrücklich anzageben: 

ADRENALIN TAKAMINE (ADRENALINUM HYDROCHLORICÜM TAKAMINE). 

Die vollständige Literatur steht den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Parke, Davis & Co., Detroit; V. St. N. A. 

St. Petersburg, BauaTHHT, nep. 4. London. (35) 12—7. 


Kcordaoce with a ore. 
of a quallfled 

•nctitloaer. 

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T. M. Kl.lKc 
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iHttfta of tbe blood pm» 
principle of Ap"" 1 
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fcwl mdta» Chloride 
«■ (wttb 0« Chlor*»). 

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stört Appetit und Verdauung in 
keiner Weise. 


Geruch- und geschmackloses 
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Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Schwester CJonst. Schmidt, üeTepö. ct?- 
MaTBheBCRafl ya.,j. 9, kb. 20. 

Elise Blau, JIxroBCKaa 58, kb. 15. 

Frau Adelheid von Fersen, Catba- 
rinencanal 81, Q. 20. 

Frau Tursan, CnaccKaa 21, kb. 6. 

Oatra Ob£tjiob&, Ceprimcs., *. 17, kb.19. 

Frau Minna Rieser geb. Franke CTa- 
pufl DeTeproibcKiü npöen. a. J*ft 16, 


kb. 28. 


[OBO KaXBHRRBa MOCTa. 


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144 


Dr. HOMMEL'S HAEHATOGEH 

Gereinigtes ooncentrirtes Haemoglobin (D. B. Pat. Jß 81,391) 70.0, chemisch reines Glycerin 20,0, Aromatische und 

Geschmackssnsätse 10,0 (Alkohol 2°/o). 

Als blutbildendes, organeisenhaltiges, diätetisches Nähr* nnd Kräftigungsmittel für Kinder nnd Erwachsene bei 

Schw&cheznständen irgend welcher Art nnerreicht, 

-t# besonders unentbehrlich ln der Kinderpraxis. £+- 
Haematogen Hommel enthält ausser dem völlig reinen Haemoglobin (Sterilisirt, d. i. frei von den im Blote 
kreisenden Bacterien) noch sämmtliche Salze des frischen Blutes, insbesondere auch die wichtigen Phosphorsalze 
(Natrium und Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweissstofte des Serums in coucentrirter und gereinigter 
nnzersetzter Form (also nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch Säure-Pepsin oder Hitzegrade er¬ 
zeugtest von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albumosen nnd peptonisirte Präparate werden, wie Voit- 
Mnnchen, N e u m e 1 s t e r-Jena und C a h n -Strassbnrg nachgewiesen haben, überhaupt nicht direkt resorbirt; ihre 
Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche Verdauung weiden 
zweifellos Stoße zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus von höchster Wichtigkeit sind. 
Schlagend wird dies durch die grossen Erfolgt mit Haematogen Hommel gerade in solchen Fälleu von ßhachi- 
tis, Scrophulose, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte. Präparate sowie Leberthran 
Jodeisen u. s. w. angewandt wurden. 

Haematogen Hommel kann als diätetisches, die tägliche Nahrung ergänzendes Mittel jahraus,jahrein ohne Un¬ 
terbrechung genommen werden. Da es ein natürliches organisches Product ist, treten niemals irgend welche Störungen 
ein, insbesondere nicht der bei längerem Gebrauche von künstlichen Eisenpräraraten unvermeidliche Orgasmus. 


Warnnno* xrnr TPölapVinno 1 ? Wir warnen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, ins- 
TT dilUUUg »UI OilBl/ilUlig« besondere vor solchen mit Aether-Zusatz. Sie repräsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. In solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretiousstoffeu (Hip- 
porsäure, Harnstoft, flüchtige Fettsänren, Gase etc. etc.) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original-Präparat Haematogen Hommel zu ordiniren. 


Versnchsqnante steilen wir den Herren Aerzten, die sich durch Eigenproben ein Unheil bilden wollen, gerne gratis 
’ und franko zur Verfügung und bitten wir Solche von unserem Versandt-Döpöt: Apotheke auf Gross- 
Ochta, Abtheilung «Haematogen“ in St. Petersburg za verlangen. 

Tages-Dosen: Säuglinge 1—2 Theelöffel mit der Milch gemischt (Trinkteroperatnr!), grössere Kinder 1—2 KinderlöfFel 
(rein!!), Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem Essen, wegen seiner eigentümlich stark appetit¬ 
anregenden Wirkung. 

Verkauf in den Apotheken in Original-Flaschen. (8 1 /* Unz.) zu 1 Rub. 60 Kop. 

NICOLAY <& Co. Zürich. ( 47 ) 22 — 3 . 


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Diabetes, Gicht, Herz- und Nieronkrankelten, Neurasthenie Mastkuren, Elektro- und Hydrotherapie in allen For¬ 
men. April — December. Prospecte. 

Aerzte: Dr. C. Dapper (Besitzer). — Dr. F. Dengler. (62) 12—1. 


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Erkältungen, Spccificum gegen Influenza. Gelenkrheumatismus und Gicht. 

D 0 8 i r u n g: Täglich 6 Pulver ä 0,6 bis l G. am besten in Oblaten. Auch in 

Tabletten zu 0,6 nnd 1 G. 

Siebe wissenschaftliche Abhandlangen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frieser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3. Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6nöral Thdrapeutique» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Lanmonier, Paris («Presse Mddlcal» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 n. 15 vom J. 1901). 
6; Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fnclis, Wien aus der Klinik des Herrn flofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spalier aus der medic. Abtheilung von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarbeit Dr. de Moraes Miranda an der medicin. Facultät in Paris. 

Alle Apotheken führen oder besorgen unser Acetopyrin, auf das sich alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

Engros durch alle grossen Drogen-Häuser Russlands- 

Literatur eur Verfügung. (15) 17—14. 

Fabrik G. Hell & Co., Troppau. 


Kurhaus Dr. KELLERMKIV. 
Bad Kissingen, 

Salinenstrasse 28. 

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Ein eisenreiches Blntpräparat, welches 
das Eisen in organischer Verbindung 
enthält, bestes Kräftigungsmittel für 
Kinder and Erwachsene, erregt leicht 
den Appetit und befördert die Verdau¬ 
ung. Haematogen Hertel ist verkäuflich 
in der Apotheke in flüssiger und trocke¬ 
ner Form, jedoch ist das flüssige Prä¬ 
parat, weil leichter vom Organismus auf- 
genommeu, dem trockenen vorzuziehen 
Vor Nachahmung wird gewarnt. 


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CASCARINE LIPRINCE 




C AS CARINE /ä 

* Leprince 4 




PILLEN ELIXIß 

0,10 der wirk- 0,01 in einem 
eamen Substanz. Esslöffel. 


CASCARIftE int ein genau bestimmter 
Körper, krystaliisirt etc. (Comptes rendua 
de l' Acadtmie des Sciences, 1. August. 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung- ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. LafTont, Bulletin de l'Acadtfmie de Me- 
aecine, 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Society de Thörapentique: Constan- 
tin Paol; Dnjardin-Beaumetz, Mfdications 
nouvelles, 2. Serie; Bibliothöque Charcot- 
Debore, Purgatifs , p. 104; Prof. Lemoine, 

Lille, Therapeutique clinique, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congrös ponr l’avan- 
cement dos Sciences, Bordeaux, 1895, 

Theil I p. 963; Prof. Charles, de Ltege. 

Cours d'accouchements etc., etc.) 

Seine Wirkung ist constant, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwendungsweise ist Gewöhnung ao 
das Mittel zu vermelden; bemerkenswertbe Wirkung bei habitueller Stuhlverstopfung, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wnchernng bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

f PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn, 
ttewonmicne dos s ^ ELIXIß: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter (zu verringern od. zu steigern je nach d. Wirkung). 

A - 

p AQPAPIPnNrQ Unter diesem Namen fabriciren wir kleine SUPPOSITORLEN, welche die Wirkung des 
uAduAllluUIILO „Cascarine“ auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, Me unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir die Herren 
Aerzte „Cascarine Leprince“ zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: Ö2, Rue de la Tonr, Paris (1(1) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Döpots: io allen grösseren Apotheken und Drognenhandlnngen Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (17) 26—14. 




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meter, Alcoholometer, Bril¬ 
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Zubehör. Instrumente für 
Veterinairärzte. Schienen. 
Kopf- n. Zahnbürsten. Gutta¬ 
percha- n- Hornkämme. Uten¬ 
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Der Herzmuskel 

und seine Bedeutung für 

Physiologie, Pathologie und Klinik des Herzens. 

Ein Versuch zur Entwickelung 

einer allgemeinen Pathologio und Symptomatologie der Herzmuskel* 
erkrankungen auf anatomischer (trundlage. 

Von 

Dr. Ehrenfried Albrecht, 

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X. Jlaxauena JA 29, 5-ufl Koppnxopr. 
KOMHaTa JA 229. 

Frau Oatharine Miohelaon, rarapxB- 
exaa yima x* 90, kb. 17. 

Marie Winkler, yr. Cojibobs nep. u üau- 
TeaeluoBesoä yi. x. 4. xa. 11. 

Frau Haeenfuss, Max. nonaueex. x. 14, 
SB.. 1B. 

Frau L. A. Bogoslawskaja, Ertelef 
Pereulok JG 16, Qu. 6. 

Luitgart Heimberger, Bac. 0<?rp., 8 
#HH., J. 29, KB- 13. 

Frau ÖÜlaen, W. 0,17 Linie, Haus JG16, 
Qu. 10. 

Alexandra Kaaaripow, HntoxaeBcxu 
ya. x. 61, *b. 32. 


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146 



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ges. gesch. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 
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Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Pr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertnssin“ war eine überraschende; wenngleich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 


M ariens ad ää 

n subalpines Klima, mit pracht¬ 

vollen Promenaden wegen 

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stärksten bekannten Glaubersalzwässern, energischem flicht»asser, kräfti¬ 
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(Jährlich 60,000 Moorbäder.) Wirksam gegen Krankheiten des Herzens, des 
Darmes (Blinddarmentzündung, Verstopfung), der Leber. Stauung im Pfort- 
adersystein (Hämorrhoiden), Coneestionen, Nieren. Blasenleiden, Frauenkrank¬ 
heiten Allg. Erkrankungen: Fettleibigkeit, flicht, liarnsuure Diathose, Hhen- 
nmtismns, Zuckerkrankheit, iUntarmntli etc. Das Centralblatt und Neubad 
neneibaut, zwerkmässigst und mit grösstem Comfort ausgestattet, mit natür¬ 
lichen Kohlensäure-, Moor-, Stahl-, Dampf-, Gas- und Heissluftbädern. Kalt- 
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sche, physikalisch-chemische, quellentechnische, mikroskopische und bakterio¬ 
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physiologische und pathologische Untersuchungen mit modernst ausgestatte¬ 
ten Laboratorien und ärztlichem Lesezimmer. Prachtvolle Colouade, Salz-, 
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serlcituug, Theater, Tombola, Tanz-Reunionen, Jagd, Fischerei. Heit- und 
Kadtahrclnb. Gedeckte und offene Reitbahn, Pensionsstallnng. Jugendspiel- 
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freie Pfleger nnd Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Znhlnne 
von 60 Cop.). 


Mvic 


Man hüte sich vor Nachahmungen ur 

id bezeichne genau die Quelle. 

VICHY CELESTINS 

Nieren-, Harnblasen-, Magen- 
Kra nkheiten. 

VICHY 6RANDEGRILLE 

Leber- und Gallenblasen- 
k rank beiten. 

VICHY HOPITAL 

Krankheiten der Verdauungs- 
Organe, des Magens und der 
Därme. (33) 17— 3. 

_ 1 _ 


J(osB. Hess. Cn6., 3 Anpbaa 1903 r. Herausgeber Dr.ßndolf Wan ach. Bachdruckerei v.A. Wienecke. Katharinenhofer Pr-J4 15» 












XXVIII. JAHRGANG. 


GFNn* ; 't ' ,RK ''‘ * 

N * V. ' 1 ■ ' v I '• - rt. 

iyiAV M 1903 

ST. PETEBSBUR&ER Neue polge xx Jahrg 

HE1ICINISCEE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. PetersburgerMedicinischeWochenschrift“ erscheintjeden 
Sonnabend.—Der Abonnementopreia ist in BtiB8l&nd8Rbl. für das 

a ,4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
ern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertlonapreie 
fürdie3malgespalteneZeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


•f Abonnemente - Aufträge sowie alle Inserate "W 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von X. L. Eick« 
in St. Petersburg, Newskv-Prospect Ks 14, zu richten. — Kanus- 
oripte sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.Budolf Wa- 
naoh in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


Ji 15 


St. Petersburg, den 12. (25.) April 


1903. 


Inhalt: Dr. W. Hollmann: Ein Fall von chronischer Darminvagination mit günstigem Ausgang in Heilung nach 
Spontanabstossung des nekrotischen Intussusceptum. — Protokolle des XIV. Aerztetages der Gesellschaft Livlän- 
disciier Aerzte in Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. — Vermischtes. — Anzeigen. 


Ein Fall von chronischer Darminvagination mit 
günstigem Ausgang in Heilung nach Spontanabstos¬ 
sung des nekrotischen Intussusceptum. 

Aus der Hospitalklinik des Prof. K. Dehio in Dorpat. 

Von 

Dr. W. Ho 11 mann, 

Assistent. 

(Mit einer schematischen Zeichnung.) 

Vortrag, gehalten auf dem XIV. livl- Aerztetage zu Fellin 


Leichtenstern 1 ) brachte in den 70er Jahren eine 
Statistik von 125 Fällen von Spontanabstossung des 
Intussusceptum bei Darminvagination, ohne jedoch nä¬ 
here Angaben über den Ausgang der Erkrankung in 
Heilung oder Tod zu machen. Leichtenstern be¬ 
gnügt sich nur mit der Angabe, dass unter den von ihm 
angeführten 125 Fällen die spontane Abstossung in 94 
Malen vor der 4. Woche, 12 Mal nach der 4. Woche, 
9 Mal nach dem 2. Monat, 3 Mal nach dem 4. Monat, 
3 Mal nach dem 6. Monat erfolgte; in 3 Fällen wurde 
endlich das Intussusceptum erst nach Ablauf eines Jah¬ 
res abgestossen. Er berechnet ferner die Mortalität 
bei Darminvagination nach Abstossung des Jntussuscep- 
tnm auf 41 pCt., ohne Abstossung auf 85 pCt., somit 
stellt sich das Verhältnis ungefähr wie 1:2. Im Jahre 
1893 hat Wich mann 2 ) eine Zusammenstellung von 
724 Fällen von Darminvagination gebracht. Nach die¬ 
ser erfolgte die Abstossung 49 Mal vor der 4. Woche, 
2 Mal nach der 4. Woche, 1 Mal nach dem 2. Monat, 
1 Mal nach dem 3. Monat. 1 Mal nach dem 4. Monat 
und Iß Mal fehlt die Angabe der Zeit; im Ganzen also 
69 Mal, macht 9,5 pCt.; auf diese kommen 5,25 pCt. 
mit günstigem Ausgang in Heilung, 3 pCt. letal ver¬ 
laufene Fälle nnd 1,25 pCt. theils nach, theils vor der 

>) Citirt nach Eafinesque, Etüde snr les invaginations 
intestinales chroniques. Paris 1898. pg. 51. 

2 ) j. V. WichniaDD.Om Tarminvagination, Kjobenhaven 
1893: TUlaeg ß; 725 Tilfaelde af Invagioation, iagttagne 
1870—92. 


Abstossung opeftrte Fälle. Die Mortalität stellt sich 
auf die 724 von Wichmann angeführten Fälle be¬ 
rechnet folgendermassen: nach Abstossang des Intussns- 
ceptum 3 pCt., ohne Abstossung and ohne operativen 
Eingriff 35,3 pCt., was also ein Verhältnis wie unge¬ 
fähr 1:12 ergeben würde, welches Verhältnis sich un¬ 
gleich günstiger für einen gnten Ausgang der Spontan¬ 
abstossung stellt als das Leichtenstern’sche. Was 
die 35,3 pCt. Mortalität ohne erfolgte Abstossung anbe¬ 
trifft, so muss allerdings hinzugefügt werden, dass ope¬ 
rative Eingriffe, namentlich die Laparotomie die Pro- 
centzabi für Mortalität bedeutend grösser gestaltet. Un¬ 
ter 725 Fällen ist 223 Mal operirt worden, 73 Mal mit 
günstigem Ausgang in Heilung und 150 Mal mit tödt- 
lichem Ansgang. Somit ergiebt sich im Ganzen eine 
Mortalität von 59 pCt. (oder 20,7 pCt. nach Laparoto¬ 
mien) und das Verhältniss von Geheilt durch spontane 
Abstossung nnd Laparotomie zu Todesfällen überhaupt 
gliche ungefähr 1:4, während die Todesfälle noch Ab- 
stossnng des lnsussusceplum sich znr Gesammtsumme 
der Todesfälle beliefe wie 1:19,6: immerhin noch 
günstiger als die Leichtenstern ’schen Zahlen. 

Seit dem Erscheinen der Wich mann’schen Arbeit 
(1893) sind mir ans der Literatur noch 10 Fälle von 
Darminvagination bekannt geworden. Es sind das die 
folgenden: 

1. Baur 8 ): Von September 1887 bis Mai 1888 
hatte Invagination bestanden. Spontanheilung ohne Ab¬ 
stossung. 

2. Baur 8 ): Vom 18. September 1889 bis 11. März 
1890 hatte Invagination bestanden. Allmähliche Spon¬ 
tanheilung ohne Abstossung, durch hohe Eingiessnngen 
bewirkt. 

3. Harder 4 ): Invag. ileocoecal. hatte bei einem 
14 Tage alten Kinde 1 Monat bestanden; Heilung durch 
combinirte Massage. 


*) Berl. klin. Wochschr. 1892, Nr- 33 & ff. 
*) Berl. klin. Wochschr. 1893, Nr. 49. 


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143 


4. Harder 4 ): Kind l 1 /» Jahr alt; kam am ersten 
Tage in Behandlung; combinirte Massage and Heilung 
in 4 Tagen. 

5. Maiss 6 ): Kind 9 Monate alt ; Heilung durch 
Massage am 3. Tage der Erkrankung. 

6. Parker*): Nachdem Invagination 1 Monat be¬ 
standen hatte, wurde ein 10 Zoll langes cylindrisches 
Intestinum mit dem Stahl entleert; nach 3 7* Monaten 
Genesung. 3 Jahre darauf Recidiv: Invag. coli descend.; 
nach 1 Monat Exitus letalis. 

7. Chevey' 7 ): Knabe 6 Monat alt. Invag. ileo- 
coecal. Exitus let. nach 24 Stunden. 

8. Pridmore 8 ): Mann, 40 a. n. Invag. ileocoecal. 
1 Woche nach Beginn verstarb Patient unter peritoniti- 
schen Erscheinungen. 

9. M. Salberg 9 ): Frau, 30 a. n. Invagination 
bestand 14 Tage, dann Abgang per vias natnrales eines 
22 Ctm. langen Stückes Dünndarm ; langsame Besserung. 
Nach 8 Wochen Tod unter Erbrechen, heftigen Koliken, 
blutigen Stühlen. Keine Obduction. 

10. Wechsberg 10 ): Mann, 18 a. n. Nach Wo¬ 
chen Abgang eines 8 Ctm. langen Stückes Blinddarm 
mit einem 4 Ctm. langen Dünndarmstück. Allmähliche 
Genesung. Nach 1 Jahr Laparotomie wegen frischer 
eitriger Peritonitis, 2 Tage darauf Exitus let. Ob- 
ductionsbefond: Proc. vermiform. fehlt ; Dünndarm mün¬ 
det 16 Ctm. distal vom Coecumende ins Colon ascend., 
zeigt kurz vor der Einmündung eine Narbenstrictnr. 
Narbe im Coeonra, an der normalen Einmündungsstelle 
des Dünndarms. 

Diesen Fällen reihe ich einen von mir beobachteten 
an, der in mehrfacher Beziehung das Inlpresse auf sich 
lenkt. 

Es bandelt sich um eine chronische Darminvagination 
mit günstigem Ausgang dnrch spontane Abstossung des 
gangränösen lnsussusceptum. Der Krankheitsverlauf ist 
folgender: 

Peter G. 49-jähriger Bauer aus Livland. 

Trat in die Hosp.-Kl. zu Dorpat ein am 9. Mai 1902 als 
geheilt entlassen am 14. Juli 1902. 

Anamnese. Pat. erkrankte nach eigener Angabe ohne 
Prodroroalerscheinungen plötzlich in der Nacht des 19. Fe¬ 
bruar 1902 mit Schüttelfrost, dabei stellte sich galliges Erbre¬ 
chen ein, welches 3—4 Stunden andauerte, und heftige Schmerzen 
im Abdomen, die sich anfangs hauptsächlich in der rechten 
Regio meso- und bypogastrica, späterhin auch im linken Hy¬ 
pogastrium lokalisirten; gleichzeitig bestand bedeutendes Auf¬ 
geblähtsein der Magengegend. Stuhl bestand, jedoch angeblich, 
sehr flüssig. Seit der Zeit bestand absoluter Appetitinangei, 
auch klagt Pat., dass ihn die Schmerzen im Unterleibe nicht 
haben verlassen wollen. Letztere waren nach der Beschrei¬ 
bung des Pat. von kolikartigein Charakter und zogen von 
unten nach oben, anscheinend in der Richtung des Colon des¬ 
cend. Von dort aus verbreiteten sich die Schmerzen übers 
ganze Abdomen und strahlten in Rücken und Kreuzgegend 
aus. Vom 4.-5. Tage seit Beginn der Erkrankung will Pat. 
in der unteren linken Bauchgegend einen harten Tumor be¬ 
merkt haben; während der Schmerzanfälle bildete sich ober¬ 
halb der Verhärtung hochgradige Aufgeblähtheit des Leibes, 
die einer vorsichtigen Massage wich. Seit Beginn der Erkran¬ 
kung bestandeu Tenesmen, der Stuhl war meist von schlei¬ 
miger Beschaffenheit, «wie Auswurf*, nach den Worten des 
Pat., auch enthielt der Stuhl ab und zu Blut. Ungefähr 1 
Monat nach dem ersten Beginne der Krankheit war blutig¬ 
schleimiger Stuhl keine seltene Erscheinung mehr, ebenso 
stinkende Flatus. In der letzten Zeit hat Pat. stark abgenom¬ 
men. Der in seiner Menge herabgesetzte Urin war dunkel 
verfärbt. Syphilis und Excesse in Baccho werden negirt. Pat., 
der bis hierzu vollkommen gesund gewesen, ist nicht im 
Stande eine Krankheitsursache anzugeben. 

Status pr. Pat. ist von mittlerem Wuchs und Körper¬ 
bau. Ernährungszustand im Ganzen befriedigend. Die Haut 


s ) Berl. klin. Wochschr. 1892, Nr. 39. 

B ) Centralblatt für innere Medicin XVIII. Jahrg. pg. 50. 

') Centralblatt für innere Medicin XVIII. Jahrg. pg. 890. 

8 ) Centralblatt für innere Medicin XVIII. Jahrg. pg. 890. 

9 ) Ceutralblatt für innere Medicin XX. Jahrg. pg. 274. 

10 } Centralblatt lür allgem Path- u. path. Anat. XI, 6 u. 7. 


des ganzen Körpers ist mit Kratzeffecten, . von Scabiels 
herrührend, übersät. Temp. nicht erhöht; P. 72. 

Pat klagt über heftige Durchfälle mit Tenesmen und über 
Schmerzen im unteren Abschnitte des Abdomen. 

Die Untersuchung der Brustorgane ergiebt nichts anorma¬ 
les. Zunge leicht belegt. Schlncken geht unbehindert .vor jjich; 
kein Aufstossen, keine Uebelkeit, kein Erbrechen; keinerlei 
Schmerzen in der Magengegend, daselbst anch keine Druck¬ 
empfindlichkeit vorhanden. Die untere Magengrenze perkino¬ 
risch nach Darreichung von 2 Glas Wasser bis an den NabeL 
Appetit fast gar nicht vorhanden, Durst nicht übermässig ge¬ 
steigert. Abdomen leicht und symmetrisch gewölbt. Die Pal¬ 
pation des Abdomen lässt einen Tumor erkennen, der seinen 
Sitz im linken Hypochondrium hat und sich in der Richtung 
des Colon descendens erstreckt. Der Tumor Ist von ziemlieh 
fester Consistenz, beweglich, zeigt wurstförmige Gestalt und 
besitzt an einigen Stellen Einbuchtungen. Nach oben hin 
lässt sich der Tumor fast bis an den Rippenbogen verfolgen, 
wo er nndeutlich verschwindet, nach unten hin reicht er un¬ 
gefähr bis ans Lig. Poupartii. Die Dicke entspricht einem dün¬ 
nen Vorderarm. 

Bei der Palpation empfindet Pat. keine Schmerzhaftigkeit, 
im Gegenlheil, ihm ist erster« sogar angenehm. Exploratio .per 
rectum ergiebt eine normale leere Ampulle, keinerlei Tumor 
lässt sich auf diesem Wege koastatiren. Der Stuhl ist zur 
Zeit flüssig braun, enthält makroskopisch weder Blut, noch 
Schleim. — Urin: gelb, klar, mit wolkigem Niederschlag, sauer, 
p8p. 1020. Eiwei88 und Zucker nicht vorhanden, die Indican- 
reaction giebt ein sehr deutliches positives Resultat. 

Pat. ist währeod der Schmerzparoxysmen erregt, sonst ruhig, 
etwas deprimirt. 

13. Mai. Pat. klagt hauptsächlich über kolikartige Schmer¬ 
zen im Unterleib und Aufgeblähtheit des Leibes. 

15. Mai. Heftige Dnrch fälle. 

20. Mai. Der Darm wird per rectum aufgeblasen, dabei lässt 
sich verfolgen, wie nach einander Rectum und die im linken 
Hypochondrium gelegene Darmschlinge (Flexura sigmoidea?) 
gebläht werden, jedoch ist der Tnmor oberhalb der geblähten 
DArmschlinge noch deutlich zu fühlen. Bei einem massiren- 
den Druck auf die geblähte Darmschlinge dringt die Luft 
plötzlich unter eiuem glucksenden und gurrenden Geräusch 
weiter nach oben, und im selben Moment verschwindet der 
Tumor unter der palpirenden Hand 

22. Mai. Der Tumor ist auf der alten Stelle fühlbar, zeigt 
dieselbe Gestalt und Grösse wie früher. 

25. Mai. Aufblähung des Darmes wie ain 20. Mai: der Tu¬ 
mor verschwindet gleichermassen. 

Heftige Durchfälle. 

2. Juni. Die Durchfälle dauern fort. Pat. verfällt an Kräf¬ 
ten und Aussehen. Der Tumor sitzt io der Gegend der Flexura 
sigmoidea, lässt sich nicht verschieben. 

4. Juni. Heftige Durchfälle mit Tenesmen. Mitunter wird 
nichts ausser Schleim entleert Pat. giebt an, während der 
vorigen Nacht beim Stuhldrang das Gefühl gehabt zu haben, 
als ob der Anus von innen her durch ein «Stück» verstopft 
wäre, welches Stück einen regelrechten Stuhlgang verhin¬ 
derte. Bei exploratio per rectum stösst der touchirende Fin¬ 
ger auf eine geschwulstartige Masse, von weicher Consisteuz 
mit ungleichmässiger Oberfläche und einer kraterartigen Ein¬ 
stülpung in dem nach unten ragenden Ende, in welche der 
ad inaximum eingeführte Finger leicht vordringt, ohne auf 
einen Widerstand zu stossen. Dieses Gebilde erinnert in 
seiner Form an eine aufs dreifache vergrösserte Vaginal¬ 
portion, um welche sich eine circuläre, dem vorderen Schei¬ 
dengewölbe ähnelnde Umschlagsfalte abtasten lässt; an der 
hinteren Peripherie lässt sich eine solche Umschlagsfalte 
nicht erreichen, nur wenn man durch äussern Druck aufs 
linke Hypogastrium deu Tumor dem tonchirenden Finger ent 
gegendrängt, so gelingt es auch an der Peripherie des Tu¬ 
mors den an das hintere Sclieidengewölbe erinnernden Grund 
einer Umschlagsfalte zu ertasten. Beim Stuhldrang, der we¬ 
henartig einsetzt, wölbt sich die Gegend des Dammes stark 
vor, dabei empfindet Pat. Schmerzen im unteren Darmab¬ 
schnitte; bei Digital Untersuchung wählend des Stuhldranges 
entquillt dem After schmutzig-grau gefärbter, gallertartiger 
Schleim. Pat. erhält eine hohe Eingiessung von lauwarmem 
Wasser in den Darm. Das Darmrohr lässt sich anfänglich 
nur etwa 8—9 ctm. tief ins Rectum ein führen, wie jedoch 
durch allmählichen Wassereinlauf die untersten Darmpartieen 
ausgedehnt waren, schlüpfte das Rohr tiefer hinein, ohne sich 
jm Rectum zurückzuwenden, und schliesslich liess es sich 
sehr deutlich durch die Bauchdecken im linken Hypogastrium 
abtasten. Es wurden sodann etwa 1 ’/* L. lauwarmen Wassers 
in den Darm eiufliessen und nach etwa 10 Minuten wieder 
abfliessen gelassen. Hiernach lässt sich der Tumor weder per 
rectum noch per palpationem abdomiuis nachweisen. Bei Wie¬ 
derholung der Ausspülung gingen mit. dem Spülwasser meh¬ 
rere gelbe Kothstücke von etwa Pflaumengrösse ab. 




149 


Ordinatio : Compresse öcbauffante am den Leib, Opium tinct. 
2X10 gtt., Bettruhe in Rückenlage* 

Ara Abend fühlte Pat. eine deutliche Besserung des Allge- 
meinbeündens, der Druck im Abdomen war verschwunden. 

5. Jnni. Im Lanfe des Tages hat Pat. 3 flüssige, reichlich 
braune Faecalmassen enthaltende Stühle entleert und der 
Tumor lässt sieh weder per rectnm noch per Abdomen kon- 
gtatiren; die Schleimhaut des rectum fühlt sich weich und 
aufgelockert an. Allgemeinbefinden gut, keine Schmerzen. 

7- Juni. 2 breiige Stühle ohne Drängen. Es werden tägliche 
hohe Eingitissungen ans lauwarmem Wasser in den Darm 
ordinirt. 

8— 9 Juni. Pat. hat an den beiden letzten Tagen üher sehr 
häufigen Stuhldrang geklagt und man sieht ihn sehr häufig 
auf dem Nachtgeschirr sitzen. Trotz der unaufhörlichen Te- 
nesmen werden nur sehr spärliche, flüssig-schleimige dunkel- 
brauugraue Massen ausgestossen, eigentliche Faecalmassen 
sind nicht sicher zu erkennen. 

10. Juni Der Tumor ist wieder auf der alten Stelle fühl¬ 
bar. Wenn Pat. ruhig auf dem Röcken liegt fühlt man ihn 
im linken Hypochondrinm, aber nicht per rectum; wenn Pat. 
dagegen einige Minuten umhergegangen ist, senkt er sich in 
die Mastdarmhöhle und ist dann wieder leicht in seiner frü¬ 
heren Form zu palpiren. Sobald der Tumor ins Rectum ge¬ 
langt, stellt sich starker Stuhldrang ein. Bei Lnfteinblasung 
per rectum verschwindet der Tumor wieder. Ara Abend ent¬ 
hält der Stuhl flüssiges dunkles Blut und danach treten wie¬ 
der die früheren häufigen Tenesmen auf. 

11. Juni. Der Stuhl enthält reichlich flüssiges Blut. Der 
Tumor und die Schmerzen schwinden nach Klysma. Ordinirt 
werden 2 X tägl. hohe Alaunklysmata- 

11.—17. Juni. Status idem. Sehr stark übelriechende Stühle. 

17. Juni. Heute Morgen wurde beim Stuhl- 
ang ein grosses gangränöses Darmstück 
urch den After aupgestossen. ("Die Beschreibung 

des Stackes folgt unten). Pat. fühlt sich hiernach 
bedeutend erleichtert, liegt ruhig im Bett. Abdomen 
weich and nicht druckempfindlich. Der Tumor nirgend zu 
fühlen. Am Nachmittag hat Pat. eine Entleerung reichlicher 
breiiger Faecalmassen, die ohne alle Beschwerde abgehen. 

18. Jnni. Pat. hat zum ersten Mal seit Beginn der Krank¬ 
heit eine nugestörte Nachtruhe gehabt und fühlt sich frei von 
Beschwerden. Der gequälte und verfallene Qesichtsansdruck 
weicht dem boffnungsfrohen Aussehen eines Reconyalescenten. 

20. Jnni. Pat. fühlt sich fortgesetzt wohl, zeigt einen guten 
Appetit nnd hat seit dem 14. Jnni 3'/» Pfund an Körperge¬ 
wicht zngenommen (154V* Pfund). Schmerzen sind nicht vor¬ 
handen. Die Defäcation geht normal und schmerzlos vonstat¬ 
ten. Im Lanfe des Tages hat Pat. 9 reichliche breiige Stuhl¬ 
entleerungen. 

22, Juni. Status idem. Pat. erhält täglich 2 lauwarme 
Klysmata zu je V* Liter Wasser mit Zusatz von einem Ess¬ 
löffel Bnrowscher Lösung. 

25. Jnni- Pat. klagt über leichte Schmerzen im linken Hy- 
pochondrium. Es haben sich Durchfälle eingestellt. 

26. Juni. Status idem. 

27. Jnni. Der Stahl hat wiederum seine breiige Consistenz 
erhalten; im Laufe des Tages sind 3 Entleerungeu erfolgt. 
Keine Schmerzen mehr. Der Appetit ist sehr gut. 

30. Juni. Pat. erholt sich rasch, ist fast im Vollbesitz sei¬ 
ner Kraft. Stuhlgang gut und regelmässig. 

5. Juli. Pat. hat 2 geformte Stühle gehabt. Körpergewicht 

171-7» Pfund. 

10. Juli. Euphorie. 

14. Juli. Pat. wird als geheilt entlassen. 

14. Aug. Pat. stellt sich in der Hospitalklinik vor: bei sub- 
jectivem Wohlbefinden ist objectiv nichts verdächtiges nach¬ 
zuweisen. Pat. sieht blühend und gesund aus und kann ohne 
Beschwerden seiner gewohnten Arbeit nachgeben. 

Das zur Abstossung gelangte Gewebssttlck besteht 
aus schwarzgrau verfärbten, stark macerirten membra- 
nösen Massen, die sich unzweifelhaft als Darmwand er¬ 
kennen lassen, wenngleich es nur an einzelnen Stellen 
gelingt, die Reste der Schleimhaut als solche zu erken¬ 
nen. Am gesammten Darmstuck lassen sich zwei Haupt- 
theile erkennen, welche durch eine etwa 1 Ctm. breite 
und 2 Ctm. lange Gewebsbrücke mit einander verbun¬ 
den sind. Das kleinere Stück, etwa 9 Ctm. lang, bildet 
einen Sack, dessen eines Ende in eine abgerundet» 
Tasche ausläuft und der seiner ganzeu Configuration 
nach an das Coecnm erinnert, obgleich ein Appendix an 
demselben nicht mehr zu erkennen ist. Am anderen 
Ende, etwa da, wo dieses Stück in die schon erwähnte 
Gewebsbrücke übergeht, erkennt man eine quer ver¬ 
laufende Falte, die an die Valvula Bauhini erinnert. 


Diese Falte bedeckt eine Oeffnung, die wir für die feiri- 
mündungsstelle des Dünndarms ballen. Die Falte setzt 
sich in ein 5 Ctm. langes und 2—3 Ctm. breites häuti¬ 
ges Gebilde fort, das den Eindruck macht, als wenn 
es Düondarmwand wäre. Leider lässt sich hier weder 
makro- noch mikroskopisch Schleimhaut mehr erkennen. 
Mit diesem kleinern Stück hängt durch die erwähnte 
Gewebsbrücke ein grösseres membranöses Gebilde zu¬ 
sammen, dasselbe bildet jedoch kein Rohr, sondern prä- 
sentirt sich als flächenhafte Membran, die 23 Ctm. 
lang ist und deren Breite an den verschiedenen Stellen 
6—8 Ctm. misst. An der einen Fläche dieser Membran 
erkennt man noch deutlich einen bindegewebigen, Jängs- 
verlaufenden Strang, der unverkennbar an eine Dick- 
darmtaenie erinnert. Die andere Fläche dieser Mem¬ 
bran ist mit schwarzen, morschen, flächenhaften, zum 
Theil flottirenden Massen bedeckt, die die Ueberreste 
einer Schleimhaut zu sein scheinen nnd in denen man 
mikroskopisch noch Lieberkühn’sche Drüsen hier und da 
erkennen kann. 



Das soeben beschriebene Stück Darrawand gehört un¬ 
zweifelhaft dem Dickdarm an und wir dürften wohl 
nicht irre gehen, wenn wir in demselben dasjenige Stück 
des Colon ascend. erblicken, welches zusammen mit dem 
Blinddarmabschnitt nnd dem kurzen Ende des Ueum in 
das Lumen des weiter distal gelegenen Dickdarmab¬ 
schnittes eingestülpt worden und schliesslich als nekro¬ 
tische Masse abgestossen worden ist. Ein Blick anf die 
beigefugte schematische Zeichnung lehrt, wie in diesem 
Falle die Intnssusception vor sich gegangen sein dürfte. 
Die Pars coecalis coli (C) mit einem etwa 5 Ctm. lan¬ 
gen Stück des llenm (I) hat sich in das Col. ascend. 
hineingeschoben, und zwar derart, dass ein Stück des 
letzteren (A) als Umhüllung des Coecnm sich mit in das 
Intussuscipiens (B) eingeschlagen hat und einen Theil 
des Intussnsceptum bildet. Das Coecnm selbst hat sich 
nicht handschuhfingerförmig umgestülpt, sondern als gan¬ 
zes in das Lumen des Diokdarmes vorgeschoben. Die 
Zeichnung ist so zu verstehen, dass der dick ausgezo¬ 
gene Strich den Peritonealüberzug, die dünne Linie da¬ 
gegen die Schleimhantoberfläche des Darmes bezeichnet. 
Die Abstossung ist nun derart erfolgt, dass bei a 


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150 


und b eine Verwachsung zwischen der peritonealen 
Oberfläche des Ileum und Colon stattgefunden hat und 
das gesammte Intussusceptum sodann nekrotisch abge- 
stossen worden ist. Eine Verwachsung zwischen dem 
umhüllenden und dem eiugehüllten Theile des intussus- 
cipirten Darmabschnittes hat nicht stattgefunden; wir 
erkennen vielmehr in dem ausgestossenen Darmtheil die 
zwei schon beschriebenen durch die Biudegewebsbröcke 
verbundenen Membranen, von denen der zuersterwähnte 
kleinere Abschnitt das eingehüllte aus Coecum und ein 
wenig Ileum bestehende Stück bildet, während der 
grössere gleichfalls schon beschriebene Abschnitt dem 
einhüllenden aus einem Tbeil des Colon ascend. beste¬ 
henden Stück des lnsussusceptum entspricht. Die punc- 
tirten Linien der Zeichnung bedeuten die normale Lage 
des Darmes vor seiner Einstülpung und sind ohne Wei¬ 
teres verständlich. 

Was die Häufigkeit des Vorkommens der einzelnen 
Invaginationsformen anbetrifft, so muss gesagt werden, 
dass die geschilderte Form, die 

1. Invaginatio ileocoecalis die häufigste ist (Rafi- 
nesque, Leichten stern 11 ), Wichmann). Bei 
ihr besteht das eingehüllte Stück aus Ileum und Coecum, 
das umhüllende aus Colon ascend.; der innere Cylinder 
besteht somit aus Ileum und an der Spitze des Intussus 
ceptum liegt die Ileocoecalöffnung. Am häufigsten unter 
allen verläuft diese Form chronisch 12 ). 

2. Die zweite Stelle nehmen Invaginationen ein, bei 
denen die Diagnose nicht genau hat gestellt werden 
können, bei denen es unsicher geblieben war, ob sie 
zum soeben geschilderten Typus der Ileocoecalinvag. ge¬ 
hören oder zum Typus der reinen Dickdarminvag., bei 
welcher eingehülltes und umhüllendes Stück des In- 
tussusceptums aus Dickdarm besteht. 

3. Die dritte Stelle der Häufigkeit nehmen solche In¬ 
vaginationen ein, wo sich Dünndarm in Dünndarm, 

4. die vierte solche, wo sich Dickdarm in Dickdarm 
einschiebt. 

6. Recht selten werden Invaginationen beobachtet, die 
Leichtenstern Invag. ileocolica 18 ) nennt; «diese 
Form stellt eigentlich einen Prolaps des Ileums durch 
das Ileocoecalostium dar», die Ileoeoecalklappe bleibt 
unverrückt auf ihrer normalen Stelle stehen. Solche 
Fülle sind in der Literatur der Jahre 1870—1893 nur 
37 beschrieben 14 ); Spontanabstossungen mit Heilung 
haben bei dieser Form nicht stattgefunden, 0 Mal ist 
Heilung nach Laparotomie eingetreten, 31 Mal letaler 
Ausgang, darunter 5 Mal nach partieller Abstossung. 

6. Aeusserst selten sind solche Fälle, wo eine pri¬ 
märe Dünndarminvagination im Bereiche des untersten 
Ileumabschnittes existirt, welche auf dem Wege der 
VergröS8erung ihr Intussusceptum durch das Ileocoecal¬ 
ostium hindurch ins Coecum geschickt hat (Invag. iliaca- 
ileocolica 1S ). Auch hier bleibt die Ileoeoecalklappe un¬ 
verrückt. Solche Fälle sind in der Literatur (1870 
bis 1893) 14 ) nur 9 bekannt, die sämmtlich den Tod her- 
beigeführt haben: 6 Mal (1879, 1886, 2 Mal 1887, 
1888, 1891, der letzte Fall war durch ein Melanosar- 
com? complicirt) nach Laparotomie. Abstossungen haben 
keine stattgefunden. 

Eine wie mir scheint erschöpfende Zusammenstellung 
der von 1870—1893 veröffentlichten Fälle von Darra- 
invagination hat der Däne J. v. Wichmann gegeben. 
Von den 10 Fällen, welche ich nach 1893 aus der Li¬ 
teratur noch hinzugesammelt habe, ist nur in 6 Fällen 


11 ) Unter 479 Invaginationen 52 pCt.; Leichtenstern 
in Ziemssen’s Handbach der spec. Pathol. und Therap., Bd. 
VII, 2, pag. 522. 

**) Ibid. pag. 520—521. 

»■) Z i e m 8 s e n : Handb. der spec. Pathol. und Therap. VII, 
2 pag. 521. 

,4 ) Wichmann: Om Tarminvagination. Kjobenhoven 1893- 


die Invaginationsart angegeben. Wenn ich nun diese 
6 und meinen eigenen Fall hinzurechne, so giebt das im 
Ganzen 732 Fälle, von denen auf die Invag. ileocoeca¬ 
lis 281, auf die unter 2. geschilderte Form 181, auf 
die Dünndarminvagination 182, auf die Dickdarminvagi- 
nation 92 kommen. 

ln diesen sämmtlichen Fällen ist das bevorzugte Alter 
das erste Lebensjahr (221) und dann der Zeitraum 
zwischen 1.—10. Lebensjahre (183); im späteren Leben 
kommen Invaginationen ungleich viel seltener vor: 11. 
bis 20. Jahr — 50; 21.—30. Jahr — 62; 31.—40. 
Jahr — 70; 41.—50. Jahr — 46; 51. Jahr und dar¬ 
über — 45; ohne Altersangabe — 64. Heilung durch 
Spontanabstossung ist ohne meinen Fall überhaupt nur 
40 Mal beobachtet worden, und zwar 13 Mal bei Invag. 
ileocoecalis, 1 Mal bei der unter 2 geschilderten Form 
22 Mal bei Dünndarminvagination und 4 Mal bei Invag. 
coli. 

Ich habe es für wünschenswerth gehalten diesen Fall 
zu veröffentlichen, weil chronische Invagiuation mit 
Spontanabstossung und Heilung ein äusserst seltenes 
Vorkommniss ist, namentlich in so vorgerücktem Alter 
wie mein Patient es aufwies. 

Aus der klinischen Beobachtung konnte wohl Invagi- 
nation und Abstossnng des lntussusceptums diagnosticirt 
werden, nicht aber genauer der Ort und die Art des 
Vorganges. Letzteres konnte erst mit Wahrscheinlich¬ 
keit geschehen nach Inspection des ausgestossenen 
Stückes. Die allerdings sehr mangelhaften Angaben des 
Pat. in der Anamnese über den ersten Anfang der Er¬ 
krankung mit heftigen Schmerzen in der der Regio ileo¬ 
coecalis entsprechenden Bauchgegend, die Inspection des 
ausgestossenen Darmabschnittes, die aus derselben resul- 
tirende Wahrscheinlichkeitsreconstruction der Invagina- 
tion und schliesslich die Statistik, die die Invag. ileo¬ 
coecalis als am häufigsten vorkommende Invaginations¬ 
art angiebt, bewogen uns die Diagnose des von uns 
beobachteten Falles auf Invaginatio ileocoecalis zu stellen. 


Protokolle des XIV. Aerztetages 
der Gesellschaft Llvländischer Aerzte ln 
Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. 

Zweite Sitzung. 

Montag den 2. Sept. 1902, von 8—7 Uhr Nachmittags. 

1. Dr. Brehm-Riga hält einen Vortrag: Ueber Mesen- 
terialsclirumpfung und ihre Beziehungen zum Volvnlus der 
Flexura sigmoidea. Mit Demonstration eines Präparates. (Der 
Vortrag erscheint im «Archiv für klin. Chir.») 

Der Vortrag behandelt auf Grnnd eines casnistischen Ma¬ 
terials von 12 Beobachtungen die wichtigen ätiologischen 
Beziehungen der sogenannten Mesenterialschrumpfung znm 
Flexurvo)vulu8, sodann auch die Mesenterialschrumpfang als 
Krankheit sui generis. Die als Mesenterialschrampfung be- 
zeichneten Veränderungen des Mesosigmoid. bestehen in einer 
chronisch entzündlichen Degeneration desselben mit bedeuten¬ 
der Verschmälerung, wodurch die Fusspunkte des S-roman. 
aneinander gezerrt werden, der Darm auch sonst geknickt 
und an Nachbarorganen angelöthet wird. Hierdurch werden 
oft sehr schwere Erscheinungen von DarmverschlusB gesetzt, 
ohne dass ein eigentlicher Volvnlus vorliegt, jedoch bieten 
die genannten Veränderungen gerade auch die besten Chancen 
für das Zustandekommen eines echten Volvulus. Hieraus re- 
sultirt die Wichtigkeit der präcisen Diagnosenstellung, die 
nur denkbar ist, wenn der alte, nichtssagende Begriff <&Ileu8» 
gänzlich aufgegeben wird und jedesmal eine genaaere ana¬ 
tomische Diagnose versucht wird. Das Kraokheitsbild der 
M-Schr. charakterisirt sich dem Volvulus gegenüber durch 
den relativ guten Allgemeinzustand, dnreh die wohl stark 
dilatirte aber nur schlaff gespannte Flexurschlinge. sowie 
durch die Möglichkeit Klysmata zu appliciren, wenn diesel¬ 
ben auch nicht gleich wirken. Diese Anfälle von Darmver- 
schluss sollen, wenn möglich, nicht operativ angefasst wer¬ 
den, da sie in den meisten Fällen durch hone Einl&afe, 
reBp. Belladonna-Behandlung zu beseitigen sind. Da sie 


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aber immer wieder recidiviren, so müssen sie nach dem 
acuten Anfall, qnasi im Inlervall operirt werden. Die 
Radikaloperation besteht in leichteren Fällen in einer 
breiten Anastomose zwischen Coecam and Rectalschenkel 
der Flexur, wodurch die Kothentleerung gut gewährleistet 
wird, in schweren Fällen wäre die Resektion der Fiexnra 
sigm. auszuführen. — Hat die Mesenterialschr. bereits einen 
nicht redressii baren Volvnlus herbeigefülirt, so besteht die 
Therapie nnter allen Umständen in sofortiger Laparotomie, 
wobei die blosse Detorsion der Schlinge nicht genügt, son¬ 
dern anch hier gleich die Radikaloptration in oben gedachtem 
Sinne angeschlossen werden muss. Die Mesenteiialschrum- 
fung zeitigt somit eine ganze Stufenfolge von Krankheits- 
ildern von der chronischen Obstipation zur Koprostase fort¬ 
schreitend, als Anfall von Darm verschloss durch leichte 
Knickung oder Torsion sich steigernd, um endlich den echten 
Volvulns zu zeitigen. Znm Schluss folgen die casuistischen 
Mittheilungen. 

D i 8 c u 8 s i o n über den Vortrag des Herrn Dr. T r e u - 
Lindbein). 

Dr. Kusmanow-Rappel: Meiner Ansicht nach, ist der 
Livländische Aerztetag nicht competent, über die Intentionen 
und Anordnungen des «Vereines zur Bekämpfung der Tuber¬ 
kulose» zu vethandeln, und Bestimmungen zu treffen, da 
dieser Verein doch ganz selbstständig arbeiten soll, obgleich 
wir nns sehr für die Arbeiten des Vereins interessiren, nm 
Bo mehr, als dieser auf Initiative des Aerztetages ins Leben 
getieteu ist. 

Dr. Treu: Das ist wohl richtig, aber da der Verein zur 
Bekämpfung der Tnbercolose bisher noch kein feststehendes 
Programm hat, die Gründung des Vereins aber von der Ge¬ 
sellschaft Livländischer Aerzte angeregt worden ist, wäre es 
für den Verein doch von Werth, wenn der Livl. Aerztetag 
sich über die Richtung, in welcher sich die Thätigkeit des 
Vereins zu bewegen hätte, äussern würde. 

Dr. M. Schmidt-Riga führt aus, er wisse nicht, was für 
ein Programm bei der ersten Anregung zur Gründung eines 
Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose entworfen worden 
sei. Nach Riga sei von Dorpat aus der Vorschlag gelangt, 
ein Sanatorium für Minderbemittelte zu gründen, hat dort 
viel Sympathie gefunden, nur mit der Einschränkung, dass 
ein Tbeil der Rigenser mehr für Gründung eines Sanatoriums 
für Unbemittelte war. Jedenfalls ist ins Publicum nur der 
Gedanke der Gründung eines Sanatoriums lancirt wor¬ 
den, und es wäre bedauerlich, fände jetzt ein Frontwechsel 
statt, und würde nur eine Collecte beantragt zur Unterstüt¬ 
zung einzelner Kranker. Wenn es wahrscheinlich auch noch 
viel Zeit kosten würde, bis etf zur Begründung eines Sanato¬ 
riums käme, so könne man doch Voraussagen, dass dieses Ziel 
einmal erreicht werden würde. Bei blosser Collecte hingegen 
zum Besten einzelner Kranker würde das Interesse des Pub- 
licums bald erlahmen und man könnte mit Sicherheit Vor¬ 
aussagen, dass es später nicht mehr gelingen würde, die Mit¬ 
tel iür ein grosses Unternehmen zusammenzubringen. Ein 
festes Programm ist überhaupt noch nicht entworfen, der 
einzige feste Programmpunct ist bisher der, möglichst viel 
Geld zusammenzubringen. 

Dr. J. Meyer-Jurjew fragt an, ob überhaupt discutirt 
werden soll über die nächsten Ziele der Gesellschaft. Nur im 
Falle der Bejahung wünschte ich das Wort zu ergreifen. 

Dr. K u 8 i c k -Reval. Die ganze Sache war von Anfang an 
darauf angelegt Sanatorien für die weniger Bemittelten zu 
errichten. Der Aerztetag muss Stellung dazu nehmen und 
entscheiden welche Art von Sanatorien errichtet werden sol¬ 
len, für Unbemittelte oder Minderbemittelte. 

Der Praeses ist dafür, dass man den Verein seinen ei¬ 
genen Weg gehen und ihn dann erst an den Aerztetag 
herantreten lässt, wenn er es selbst für nöthig hält- 

Dr. M. S c h m i d t-Riga. Das Rigaer Localcomite hat sich 
bisher weder für ein Sanatorium blos für Minderbemittelte, 
noch auch für ein solches blos für Unbemittelte entschieden. 
Es sind in demselben unter Auderem auch Gedanken in der 
Richtung laut geworden, auf einem möglichst grossen Areal 
sowohl für Unbemittelte, als auch für Minderbemittelte Ein¬ 
richtungen zu treffen. 

2. Da Dr. A. B ehr -Riga verhindert ist zu erscheinen, so 
verliest der Seci etär Dr. G. v. Engelmann den Com¬ 
missionsbericht iu Sachen der Fürsorge für 
Geisteskranke. 

Bericht der auf dem VIII. Livl. Aerztetage gewählten Com¬ 
mission in Sachen der Fürsorge für bänerliche Geisteskranke 
ei stattet von Dr. Albert B e h r. 

I. Vor Allem ist zu berichten, dass die Gesellschaft zur 
Fürsorge iür Geisteskranke in Livland beschlossen hat 5C0 
Rbl. unserer Commission zur Verfügung zu stellen. Somit ist 
erreicht, wornach wir seit Jahren strebten nnd endlich 
eine gemeinsame Arbeit zwischen dem Aerztetage und der 
besagten Gesellschaft angebahnt, (cf. Verhandlung d. VIII., 
jX. u. X. Aerztetages) Uusere Commission ist nun in der 


Lage ihre Arbeiten zielbewusster anzugreifen und die Irren ¬ 
fürsorge für bäuerliche Geisteskranke gedeihlicher zu ent¬ 
wickeln. Im Interesse der Sache, welche wir vertreten, scheint 
cs daher geboten, dass die Gesellschaft Livl. Aerzte diejeni¬ 
gen Collegen, welche Mitglieder der Gesellschaft zur Fürsorge 
für Geisteskranke sind, auffördert in die seit dem VIII. 
Aerztetage bestehende Commission einzutreten, damit in ge¬ 
meinsamer Arbeit die Irrenfürsorge unserer Heimath geför¬ 
dert wird. Diese «Fusion» dürfte dazu beitragen die Gesell¬ 
schaft zur Fürsorge für Geisteskranke mit unseren Zielen be¬ 
kannt za machen und eine bessere Verständigung zwischen 
Aerztetag und Gesellschaft erzielen als bisher. 

II. Im Berichtsjahre wurden im Asyl der Gesellschaft 23 
weibliche Geisteskranke verpflegt und behandelt') Verblieben 
sind fünf Kranke. Wir erhoben von allen Kranken, soweit 
es irgend anging eine kleine Zahlung (5 Rbl. - 15 Rbl. mo¬ 
natlich) und es gelang auf diese Weise 760 Rbl. einzu¬ 
nehmen. Gänzlich Mittellose wurden kostenfrei behandelt. Wir 
verpflegten Geisteskranke aller Art, katatonische Zustände, 
puerperale Erregungszustände etc. . . . Das Pflegepersonal 
bestand anfangs aus 2 Pflegerinnen, dann wareu cs drei und 
schliesslich 4. Die Behandlung und die Dauelbäder bean- 
sprechen bei schweren Erregungszuständen ein verstärktes 
Pflegepersonal. Auf Details soll hier verzichtet werden, dar¬ 
über wird an anderer Stelle eingehend berichtet werden. 

Die Herrn Collegen auf dem flachen Lande werden gebeten 
unsere Bestrebungen zu fördern und sich durch Augenschein 
zu überzeugen wie auch mit kleinen Mitteln die IrienfürRorge 
zu gestalten. 

III. A. Einnahmen. 


1) Baar durch Dr. Schwarz (Fellin) . 

849 Rbl. 11 Kop. 

2) Subvention der Karl. Rittersch. . . . 

200 » — 

» 

3) Renten von Coupons. 

10 » 77 

» 

4) Geschenke. 

15 » — 

» 

5) Zahlung d. Paiient. 

760 » — 

» 

Summa .... 

1834 Rbl. 88 Kop. 

B. Ausgaben. 



1) Localmiet he. 

245 Rbl. - 

Kop. 

2) Wirthschaft. 

683 » 45 

» 

3) Gagen f. d. Pflegepersonal. 

255 » 50 

» 

4» Nothwendige Anschaffungen . . . . 

97 » 80 

» 

5) Beheizung. 

56 » — 

» 

6) Reparaturen d. h. Zerstörungen durch 
Kranke. 

15 » - 

» 

7) Unvorgesehen . 

6 » — 

» 

Summa .... 

1358 Rbl. 75 Kop 


Mithin verbleibt zu gut 476 Rbl. 13 Kop. 

IV. Im Aufträge des Herrn Dr. Sokolowski habe ich 
mitzutbeilen, dass die Gesellschaft zur Fürsorge für Geistes¬ 
kranke in Livland der Aerzte-Gesellschaft ein Gesinde an- 
bietet für dio Zwecke der Verpflegung bäuerlicher Geistes¬ 
kranker Dr. Sokolowski schreibt: «falls der Aerzte¬ 
tag dieses Grundstück für Asylzwecke brauchen kann, so 
soll er solches möglichst bald dem Präses des genannten 
Vereines — Landmarschall Baron Meyendorff mittheilen». 

Ich schlage vor, dass die Gesellschaft Livl. Aerzte das An¬ 
erbieten acceptirt und es der Commission überlässt sich dar¬ 
über schlüssig zu werden au welche Weise am zwickmäs- 
sigsten das Gesinde auszunutzen und der Irrenfürsorge zu¬ 
gänglich zu machen. 

3. Der Präses verliest ein Schreiben des Collegen Dr. 
Breonsohn aus Mitau, in welchem dieser die Collegen anf- 
fordert ihm alsbald ihre Personaldaten zuzusendeH, um ihn 
bei der Abfassung seines «Albums Livländischer Aerzte» zu 
unterstützen. 

Ferner ist von der St. Petersburger Militär-mediciniscben 
Akademie ein Preisausschreiben-eingetroffen. Es wird tfir eine 
hervorragende Entdeckung oder wissenschaftliche Arbeit auf 
medicinischem Gebiet ein Preis von 3400 Rbl. ansgesetzt. Be¬ 
werben dürfen sich nur russische Untert haue« grie¬ 
chisch -orthodoxer Confessiou! 

(Schluss folgt). 


Vermischtes. 


— Dem Obermedicinalinspector der Flotte und Ebrenleibchi- 
i urgen, wirkl. Geheimrath Dr. K u d r i n , sind die B r i I - 
lant-Iusignieu des St. Alexander- Newski- 
Ordens Allerhöchst verlieben worden. 

— Das Beständige Mitglied des Medicinalraths, Ehrenleib- 
medicus, GeheimratU Dr. Leo Bertenson ist zum L eib¬ 
in edicus des Hofes Sr. Majestät ernannt wordeu, 
unter Belassung in seinen bisherigen Aemtern. 

') Anmerk. Wir sind gegenwärtig noch nicht in der 
Lage männliche Kranke aufzunehmen. 


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— Die wirklichen Staatsräthe: Corpsarzt Dr. Simon 
Unterbergei- und der Arzt de8 Hof-Medicinalwesens bei der 
Verwaltung de» Eigenen Palais Sr. Kaiserlichen Majestät Dr. 
Karejew sind zu Ehrenleibmedicis des Hofes 
Sr. Kaiserlichen Majestät ernannt worden, unter 
Belassung in den von ihnen bekleideten Stellungen. 

— Den Consultanten bei den Anstalten des Ressorts der 
Kaiserin Maria, wirklichen Staatsrfttben Dr. Theodor 
Neu in a n n und Dr. Victor Klimenko ist der St 
StanislauB-Orden I. Classe verliehen worden. 

— Der Chef des Medicinalwesens des abgetbeilten Corps 
der Grenzwache Dr. Sch a p i r o w ist für Auszeichnung im 

Dienst zum Geheimrath befördert worden. 

— Die bei der Klinik für Nerven- und Geisteskrankheiten 
in der militär-medicinischen Academie bestehende psychia¬ 
trische Gesellschaft hat in ihrer Sitzung am 
22. März den früheren Professor der obengenannten Academie 
Dr. J. Mierzejewski. welcher seit 1879 den Vorsitz In 
dieser Gesellschaft geführt hat und jetzt zuröckgetreten ist, 
einstimmig zum Ehrenmitgliede der Gesellschaft 
gewählt. 

— Zum Militär-Medicinalinspector deg Mos¬ 
kauer Militärbezirks ist der bisherige Gehülfe des 
Militär-Medicinalinspectors wirkl. Staatsrath Dr. J a k n b o w 
ernannt worden. An seine Stelle tritt der bisherige Corps¬ 
arzt des II. Arraeecorps, wirkl. Staatsrath Dr. Sebtschaw- 
ski, dessen Nachfolger wiederum der bisherige Brigadearzl 
der 59. Infant.-Brigade, Staatsrath Dr. Chrono w ge¬ 
worden ißt. 

— Der ordentliche Professor der medicinischen Chemie an 
der militär-medicinischen Academie, wirkl. Staatsrath Dr. 
Danilewski, ist in der Würde eines ordent¬ 
lichen Professors emeritns bestätigt worden. 

— Der Professor der Hygiene und Staatsarzneikunde an¬ 
der Universität Junew (Dorpat) Dr. G. Chlopin ist von. 
der medicinischen Facultät der Odessaer Universität zum 
Professor der Hygiene gewählt worden. 

— Zum stellv. Gouvernements -Medicinal- 
inspector des Schwarzmeergebiets ist der bis¬ 
herige stellv. Medicinalinspectorsgehilfe und Oberarzt der 
Pleskauschen Gemeinschaft barmherziger Schwestern des 
Rothen Kreuzes, Collegienrath Wassilewski, ernannt 
worden. 

— Der ausserordentliche Professor der allgemeinen Patho¬ 
logie an der Universität.Tomsk, Staatsrath Dr. Timofejew- 
ski, ist zum ordentlichen Professor ernannt 
worden. 

— Der Professor der pathologischen Anatomie an der rcili- 
tär-medicinischen Academie Dr. P. A. Poljakow ist von 
der medicinischen Facultät der Universität Jurjew (Dorpat) 
zuin C a n d i d a t e n f ü r d e n L e h r s t n h 1 der Histo¬ 
logie, Embryologie und vergleichenden Ana¬ 
tomie gewählt worden. 

— Zur Beurtheilung der wissenschaftlichen Arbeiten und 
der Lehrfähigkeit der Candidaten für den vacanten Lehrstuhl 
der therapeutischen Hospitalklinik der militär-medicinischen 
Academie hat die Conferenz der Academie eine Commis¬ 
sion ernannt, bestehend aus den Professoren: Bechteröw 
Vorsitzender), Janowski, Botkin, Tschistowitsch 
und M oi ssejew. Als Bewerber für diesen Lehrstuhl wer¬ 
den im «Reg. Anz.» Prof. Ssirotinin, welcher gegenwär¬ 
tig die propädeutische Klinik für innere Krankheit leitet, 
die Privatdocenten der Academie Geissler, Fawitzki, 
Tschigaew, G. Jawein und der Ordinator des Hospi¬ 
tals «Kindlein J-esa» in'Warschau Dr Jau owski genannt. 
Der letztgenannte Candidat wird, da er den Professoren der 
Academie unbekannt ist, vor der Conferenz zwei Probevor¬ 
lesungen hallen und einer klinischen Prüfung am Kranken¬ 
bett sich unterziehen müssen. 

— Zum S a n i t ä 18 ar z t der Stadt Libau ist der 
dortige Arzt C. Braun gewählt worden. 

— Verstorben: 1) Am 31. März in St. Petersburg der 
frühere Oberarzt des hiesigen Nikolai-Militärhospitals, Ge¬ 
heimrath Dr. S. M. Janowitsch-Tschainski, im 
71. Lebensjahre. Der Hingeschiedene war ein Schüler der 
medico-chirurgischen Academie, an welcher er 1861 den Cur- 
aus absolvirte, worauf er Militärarzt wurde und als solcher 
den russisch-türkischen Feldzug 1877—78 mitmachte. Bald 
nach Beendigung des Krieges wurde er zum Oberarzt des 
hiesigen Ssemenowschen und darauf des Nicolai-Militärhospi¬ 
tals ernannt, welche Stellung er vor ca. vier Jahren aufgab. 
— 2) In Moskau am 27. März Dr. Alexei Romaschew 
im Alter von 40 Jahren. Die ärztliche Praxis hat der Ver¬ 
storbene seit 1887 ausgeübt. 3) Der Landschaftsarzt in Soli- 
kamsk (Gouv. Perm) J. M al i e w , welcher über 30 Jahre 
als Arzt dort und in Perm thätig gewesen ist. 4) In Jekate- 
rinodar der Ordinator des dortigen Stadthospitals Deme¬ 
trius Kolpatschenko im 37. Lebensjahre am Fleck¬ 
typhus, mit dem er sich bei der Behandlung von Typhus - 


kranken inficirt hatte. 5) In Paris der Leiter des Laborato¬ 
riums für Physiologie an der dortigen Universität Dr. Jean 
Baptiste Laborde im 72. Lebensjahre. Der Hinge¬ 
schiedene, welcher seit 1887 Mitglied der «Acad6mie de 
medecine» war, hat eine ganzo Reihe von Arbeiten auf dein 
Gebiet der allg. Pathologie, Toxologie und gerichtlichen Me- 
dicin veröffentlicht. 6) In Liverpool der frnnere Professor 
der pathologischen Anatomie am dortigen University College, 
Dr. A. B a r r o n. 

— Die Stadt Jena hat dem nach langjähriger Wirksam¬ 
keit an der dortigen Universität vom Lehramt zurückgetre- 
tenen Professor der Geburtshölfe Dr. B. Schulze das 
Ehrenbürgerrecht verliehen. (A. ra. C.-Ztg.). 

— Der Professor der Psychiatrie an der Königsberger 
Universität Dr. Meschede hat die Direction des städti¬ 
schen Krankenhauses aufgegeben. 

— In der militär-medicinischen Academie 
werden die Anfnahmegesuche für das nächste Lehr¬ 
jahr vom 1. Juni bis zum 15. Juli entgegengenommen Es 
können auch Absolventen von Realschulen aufgeuoiniTien 
werden, jedoch nicht mehr als 25 pCt- der Gesammtzahl. 

— Der Centralverband zur Bekämpfung des 
Alkoholismus hat in einer Petition an den deutschen 
Reichstag die Bitte gerichtet, dass bei der bevorstehenden 
Abänderung des Krankenversicherungsge¬ 
setzes auch Trunksüchtige als Kranke bezeich¬ 
net werden und damit auch ihnen die Wohlthatdes Gesetzes, 
eine entsprechende Heilbehandlung, zugänglich gemacht 
werde. In der Begründung dieser Petition wird ausgeführt, 
dass der Staat noch immer das Laster der Trunksucht durch 
Ausschliessung von jeder gesetzlichen Hülfe bestrafe, ob¬ 
schon die neuere Medicin die Trunksucht längst als Krank¬ 
heit und zwar als eine heilbare erkaunt hat. In Folge dieses 
Irrthnms gingen Tausende von Individuen rettungslos zu 
Grnnde und werde Eigenthum und Leben der Familie zer¬ 
stört. Beide könnten gerettet werden, wenn in den ersteu 
Stadien der Krankheit ein ärztlicher Eingriff gesetzlich mög¬ 
lich wäre. 

— Bezüglich der von uns in Nr. 12 dieser Wochenschrift 
gebrachten Mittheilung über den Gebrauch der Stein- 
pelmarkenbeiderAu8stellungvonärzt liehen 
A 11 e st e n geben wir nachstehend eine Berichtigung 
wieder, welche der livländische Kameralhof der «Düna Ztg.» 
hat zukommen lassen. Aus derselben geht hervor, dass 1) ge¬ 
mäss Art. 13, P. 23 und Art. 14, P. 5 der Verordnung über 
die Stempelsteuer und Nr. 185 Art. I. des «Alphabetischen 
Verzeichnisses» ärztliche.Atteste, die auf Ersuchen 
von Privatpersonen ausgestellt werden, von der Stempel¬ 
steuer nicht befreit sind; 2) dass von dieser Steuer n u r 
solche ärztliche Bescheinigungen befreit sind, die zwecks 
Vorstellung bei Dokumenten, welche steuerfrei sind, ausge¬ 
reicht werden und im Art. II. Nr. 185 des «Alphabetischen 
Verzeichnisses» aufgezählt sind und dass endlich 3) Personen, 
die sich bei der Ausreichung von ärztlichen Bescheinigungen 
der Verletzung der Verordnung über die Stempelsteuer schul¬ 
dig gemacht haben, nicht dann zur Verantwortlichkeit 
gezogen werden, wenn sie es versäumen auf dem Attest 
selbst den Grund der Nichtentrichtung der Stempelsteuer 
anzugeben, sondern ausschliesslich dem Inhalt des Dokuments 
nach, d. h. je nachdem, zu welchem Zweck das Attest aus¬ 
gereicht und wohin es vorzustellen ist. 

— Eine e r f r e u 1 i c h e Langlebigkeit weisen die 
Bewohner der Insel Oesel auf, wie das aus den Da¬ 
ten über die zehnjährige Thätigkeit der oeselschen Be- 
erdigu ngscasse hervorgeht: 74 pCt. aller bisher vor- 

ekomraenen Todesfälle hat Personen im Alter von 60—87 

ahren betroffen und von 174 Mitgliedern bei der Gründung, 
unter denen sich 35 pCt. im Alter von 60—84 Jahren befan¬ 
den, sich jetzt nach 10 Jahren noch 106 am Leben, darunter 
6 im Alter von 80—90 Jahren, 17 im Alter von 70—80 Jahreu 
und 32 im Alter von 60—70 Jahren. Es hat somit mehr als 
die Hälfte das Greisenalter erreicht. 

— Zahl der Aerzte in Finland. Nach dem vor 

Kurzem erschienenen Verzeichniss der Aerzte in Finland 
giebt es dort 414 legilimirte und 14 unlegitimirte Aerzte, so¬ 
wie 52 bei dem im Lande stationirten russischen Militär an- 
gestellte Aerzte. Die Zahl der Dentisten beträgt 31 und die 
der Veterinäre 52. (Rev. Beob ) 

— Vacanzen. Wie der Chef des Medicinalwesens des 
Grenzwachecorps dem «R. Wr.» mittheilt, siud im Trans¬ 
amurbezirk des Corps zwei Stellen für jüngere 
Aerzte zu vergeben. Diese Aerzte, welche sich für 3 Jahre 
verpflichten müssen, gemessen alle Rechte des Staatsdienste* 
in den entfernten Gegenden uud erhalten eine Jahres- 
g a g e von 2000 Rbl. nebst freiem Quartier, Kronsbedienung 
und Fourage für ein Pferd. Zur Ausrüstung und zu der 
Fahrt an den Bestimmungsort werden Ihnen ca. 1000 Rbl. 
angewiesen. Junge Aerzte christlicher Confessionen, welche 


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153 


sich um diese Stellen bewerben wollen, haben sich unter Bei¬ 
fügung; einer kurzen Biographie und der Angabe, wo sich 
ihre Documente befinden, entweder schriftlich oder auch 
mündlich in der Medicinalverwaltung des Corps in St Peters¬ 
burg (Wassili-Ostrow, neben der Börse von 2—4 Uhr) zu 
melden. 

— Von der Allerhöchst ernannten Commission zur Ver¬ 
hütung und Bekämpfung der Pest wird bekannt gemacht, 
dass sie die Verfügung für die Schifffahrt auf dem Kaspischen 
Heere, nach weieher die Passagierschiffe mit mehr als 200 
Passagieren Schiffsärzte zu halten verpflichtet sind, bis auf 
Weiteres aufgehoben hat; dagegen bleibt das Halten 
von Feldschern auf allen Passagierdarapfern nach wie vor 
obligatorisch. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 15. April 1903. 

Tagesordnung: 1) V. Schultz: Ein Beitrag zur Ae- 
tiologie nnd Pathogenese der Dys¬ 
menorrhoe. 

2) E. B l e s s i g: Ueber Augenverletzun- 
gen. (Kasuistik und Statistik). 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. April 1903. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandlung von K. L. RICKER 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-und ausländ. Annoncen-Coraptoiren angenommen. 



The contents of thli n 
M* are on 1 y to be um 
iceordance wlth »ema 
Ooo of . qu.lifieamet 
tnetltiooer. 

IHSTRUCTIONS 

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J. TAKAMINE. 

EINZIGE INHABER & FABRIKANTEN 

PARKE, DAVIS & Co. 

DETROIT, MICH. U. S. A. LONDON, ENGLAND, ST. PETERSBURG. 

Im Handel existiren Fälschungen und Nachahmungen unse¬ 
res Präparates unter ähnlichen Benennungen; aber alle bisher ver¬ 
öffentlichten günstigen Berichte beziehen sich auf das Original- 
Präparat von Dr. Takamine. 

Das Adrenalin Takamine ist das in Krystallforra isolirte 
wirksame Princip der Nebennieren. 

Das Adrenalin wurde vor einigen Jahren von Dr. Jokichi 
Takamine in New-Jork entdeckt. 

Das Adrenalin Takamine kommt in Form von Krystallen 
nnd in Lösnng 1:1000 in den Handel. 

Das Adrenalin Takamine wird ausschliesslich von der Firma 
Parke, Davis & Co., hergestellt 

Kein einziges Mittel hat bis jetzt einen solchen Erfolg in 
der Therapie gehabt wie das Adrenalin Takamine, was von Tan-! 
senden von Aerzten ans allen Welttheilen bestätigt wird. Das Ad- 
reualin Takamine ist ungiftig, besitzt keine cnmulative Wirkung, 
reizt nicht die Gewebe, ist beständig. Seine speciellen therapeuti¬ 
schen Eigenschaften sind folgende: Das Adrenalin Takamine wirkt 
Hämostatlsch: es stillt sofort die Blutung in den Körperteilen, 
wo es unmittelbar angewandt werden kann, indem es direct anf die 
Blutgefässe einwirkt und eine Contraction der Gefässmuscnlatnr 
hervorruft, ohne Blutgerinsel za bilden. 

Das Adrenalin Takamine wirkt Anämisirend: es verhindert 
die Blntung bei kleinen chirurgischen Operationen, wenn es in ge 
nügender Dosis vor Beginn der Operation in die zu operirenden 
Theile eingerieben wird. 

Das Adrenalin Takamine wirkt tonisirend: die während einer 
Narkose mit Chloroform-, Aether-Lach gas n. s. w. geschwächte Herz¬ 
tätigkeit wird durch eine intravenöse Injection von 0,3— 0,6 Adre- 
nalinchlorid Takamine, 1:1000 in physiologischer Kochsalzlösung . - ■■ 

gelöst, wieder gehoben. 

Das Adrenalin wirkt in diesen Fällen, wie es scheint, belebend und zwar stärker and rascher als alle 
bisher bekannten Mittel, das Nitroglycerin nicht ausgenommen. . 

Das Adrenalin Takamine steigert den Blutdruck: es wirkt auf das geschwächte Herz ähnlich wie Digi¬ 
talis, aber energischer, indem es den abnorm verlangsamten nnd intermittirenden Puls beschleunigt und den abnorm 
beschleunigten und unregelmässigen Puls verlangsamt 
Bei Verordnung ist ausdrücklich anzugeben: 

ADRENALIN TAKAMLNE (ADRENALINUM HYDROCHLORICUM TAKAMINE). 

Die vollständige Literatur steht den Herren Aerzten znr Verfügung. 

Parke, Davis & Co., Detroit; V. St. N. A. 

St. Petersburg, UaMHTHHT» nep. 4. London. (35) 12—8. 


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Mreulin Chloride 

v.iooo 

. Intattoo ef the blood pr*«N 
h*C prlodple ot Öup"H 

■ fcl4 ’ _ 8VMt 

khmlln Chloride f 

pntl ndlam Chloride «oh- 
*m (wtth OM Chloret«*). 

2000p«l 

MRKE, DAVIS A Ca 
Iktsoit, mich, uiq 


f Terropyrin 

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Magen- sowie bei Genitalblutungen. 

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Hautpartieen. M 

Frei von den schädlichen Ein- Mm 
Wirkungen des Pyrogallols. 

1 KN OLL St C®, Ludwigshaffen am Rhein. J 


Bad-Nauheim 

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de VAcadtmie des Sciences, 1. August 1892 
1111 (1 1890)- Seine therapeutische 

Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
l ■■ ■■ ^-örSyrfti-y»»- 11 i M. LafFont, Bulletin de l'Academie de Me- 

' ■/ j f-Jl decine, 14. Juni 1892) und klinisch er- 
probt (Sociöte de Therapentiqne: Constan- 
fg^ 2 j- 62 .RuE DE LA T 0 UB .62 tin Paul; Dujardin-Beauraotz, Medications 
< EE'^VL“!^ bl nourelles, 2. serie; Bibliothöqne Cliarcot- 

|HDebove, Purgatifs , p. 104: Prof. Lemoine, 
t c Moot .ibhoi-> 311 Lille, Therapeutique clintque, p. 305; Tison, 

ÄFP 2 III höpitiil St. Joseph et Congres ponr l’avan- 
►: K1 xHcement des Sciences, Bordeaux, 1895, 
\ ..„’-rr.itt;:;.. ||lTheil I p- 963; Prof. Charles, de Liege, 

p£* b« ’f.tW Sr $ III Cours d'accouchements etc., etc ) 


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PPIX CU flOCON 5 ^ ■»! 


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Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalralh und der Minister des Innern das «Cascarine Leprinee» 
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Siehe wissenschaftliche Abhandlungen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frieser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6n6ral Th6rapeutiqoe» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Lanmonier, Paris («Presse M6dieal» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem-.Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fuchs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spalier ans der medic. Abtheilnng von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarbeit Dr. de Moraes Miranda an der medicin. Facultät in Paris. 

Alle Apotheken führen oder besorgen unser Acetopyrin, auf das sich alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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Soeben ei schien: 

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von Dr. dir. JUrgensen. 
Zweite Auflage. 1903. 1 M. 20 Pf. 


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156 




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Im Deatschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger and Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (Kegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


^ 08 B. ijeH8. Cn6-, 12 Anphöia 1903 r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke, Katharinenhofer Pr. M 15- 


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XXVIII. Jahrgang. ST. PETERSBURGER Neue Folge XX. Jahrg. 

limOIIISOIl WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


IW“ Abonnements- Aufträge sowie alle Inserate "W 

bittet man ausschliesslich an drc Buchhandlung von & L. Sieker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Ni 14. zu richten. — Hanus- 
cripte sowie alle aufdie Redaction bezüglichen Mitteilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden Redacteur Dr. Rudolf Wa- 
nacb in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 

J* 16 St. Petersburg, den 19. April (2.) Mai. 1903. 


Inhalt: Prof. R. Dehio: Nene Gesetzesbestimmungen über die Behandlung und eventuelle lsolirung der Leprakran¬ 
ken in Russland. — Referate: Witczak: Znr Behandlnng der Scrophnlose. — Foss: Beiträge zur Sauerstoffbebandlung. — 
Protokolle des XIV. Aerztetages der Gesellschaft Livländischer Aerzte in Fellin vom 2. bis zum 4. Sep¬ 
tember 1902. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Die »St. PetersburgerMedicimscheWochenschrilr erscheintjeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreia ist in Bussland8 Rbl. für das 
Jahr,4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellung;in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlneertioniprels 
für die 3 mal gespaltene Zeilen inPetitistl6Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Origmalartikel zugesandt. 
—Referate werden nach dem Satzevon 16Rbl. pro Bogen honorirt. 


Neue Gesetzesbestimmungen Uber die Behandlung 
und eventuelle lsolirung der Leprakranken in 
Russland. 

Besprochen von 
Prof. K. D e h i o, 

Dorpat. 


Am 24. April 1902 hat das Medicinaldepartement des 
Ministeriums des Innern der russischen Staatsregierung 
eia wichtiges Rundschreiben erlassen und zur allgemei¬ 
nen Keiintniss gebracht. Durch dieses Rundschreiben 
wird der Unsicherheit über das legale Verfahren, das 
für die A^issatzkrauken io Russland zu gelten hat, ein 
Ende gemacht und es werden genaue Bestimmungen 
festgesetzt, nach denen die Seuche zu bekämpfen und 
die Leprösen im Einzelfalle zn behandeln sind. 

Das Rundschreiben lautet in deutscher Uebersetznng 
folgenderraassen: 

«Im Ministerium des Innern sind wiederholt Anfragen 
darüber eingegangen, ob die Lepra zu den Infections- 
kranklieiten zu rechnen sei und ob Lepröse 
zwangsweise isolirt werden dürfen. 

Darauf hin ist die Frage von der Contagiosilät der 
Lepra vom Medicinal-Conseil einer Prüfung unterzogen 
worden und dasselbe hat, laut einem vom Minister des 
Innern bestätigten Protocoll vom 26. März a. c., sich 
dafür ausgesprochen, dass, da die Contagiosilät einiger 
Formen der Lepra noch nicht auf wissenschaftlichem 
Wege widerlegt sei, auf diejenigen Kranken, die an die¬ 
sen Formen der Lepra leiden, die Gesetzesbestimmungen, 
die'sich auf die Vorbeugung der Verbreitung anstecken¬ 
der Kranken beziehen, angewandt werden können. 

Laut Protocoll vom 9. April a. c. hat das Medicinal- 
Conseil folgende Bestimmungen erlassen, die im Falle 
der Constatirung einer Lepra-Erkrankung bei der Er¬ 
greifung weiterer Massregeln zur Pflege des Kranken 
zu beobachten sind: 

1) In jedem Gouvernement, wo Lepra-Erkrankungen 
Vorkommen, muss eine Commission gebildet werden, 


deren Zusammensetzung vom Gouverneur abhängt, zu 
der aber unbedingt der Medicinalinspeetor und nicht 
weniger als zwei mit der Lepra bekannte Aerzte gehö¬ 
ren müssen. Diese Commission, die sich nach einer 
diesbezüglichen Instruction zu richten hat, hat nicht nur 
die Contagiosilät der Lopra in jedem neuen Erkran¬ 
kungsfall festzustellen, sondern auch die materielle Lage 
und die Umgebung des Kranken darauf hin zu prüfen, 
ob eine Uebertragung der Ansteckung auf letztere mög¬ 
lich ist und in wie weit eine häusliche PoliruDg des 
Kranken zweckentsprechend erscheint. 

2) In solchen Fällen, wo bei ansteckender Form von 
Lepra eine häusliche lsolirung unter den bestehenden 
Lebensbedingungen nach Ansicht der Commission die 
Umgebuog nicht vor Ansteckung sichern kann, muss 
eine Art der lsolirung, wie sie in denjenigen Gesetzes¬ 
paragraphen, die sich auf die Vorbeugung der Verbrei¬ 
tung ansteckender Krankheiten beziehen, vorgesehen 
ist, vorgenommen werden. 

3) Das Aerztepersonal des Gouvernements ist ver¬ 
pflichtet, alle Leprösen, die zu Hause isolirt 
sind, zu controliren und, falls diese nicht die vor- 
geschriebenen Vorsichtsmassregeln beobachten, sofort die 
Commission davon in Kenntniss zu setzen. 

4) Falls die Lepra bei einem i.i einem Leprosorium 
internirten Kranken ihre Oontagiosität laut ärztlichem 
Attest verloren hat und solch’ ein Kranker den Wunsch 
äussert, nach Hause zurückzukehren, so kann er, nach¬ 
dem er von der örtlichen Commission untersucht 

’) Für den nichtrussisclien Leser sei hier bemerkt, dass ein 
jedes Gouvernement (Provinz) des russischen Reiches unter 
der unmittelbaren Verwaltung eines Gouverneuren steht. Der 
Medicinalinspeetor ist der oberste Dirigirende des Medicioal- 
wesens eines Gouvernements und ist als solcher dem Gouver¬ 
neur untergeordnet. Der Medicinalinspeetor hat die Medicinal- 
abiheilung der Gouvernementsregierung zu leiten. Die ein¬ 
zelnen Kreise eines Gouvernements stehen in sanitärer Be¬ 
ziehung unter der Anfslcht von Kreisärzten, in den Städlon 
fnnctioniren als Medicinalbeamte die Stadtärzte. 


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19S 


borden ist, mit ihrer Erlaubniss aus dem Leprosorium 
entlassen werden. 

5) Ein im Leprosorium befindlicher Kranker, der an 
der ansteckenden Form von Lepra leidet, kann mit Er¬ 
laubnis der Commission, auf deren Anordnung er inter- 
nirt worden war, aus dem Leprosorium entlassen und 
seinen Verwandten zur Pflege übergeben werden, wenn 
diese den Beweis dafür beibringen, dass seine pecuniäre 
Lage oder ihre eigene eine derartige ist, dass der Kranke 
unter Beobachtung aller geforderten Vorsichtsmassregeln 
zu Hause isolirt werden kann. 

6) Die Bestimmongen für eine häusliche Isoli- 
rung Lepröser werden von der örtlichen Medicinal- 
abtheilnng festgestellt und der Commission zur Kennt¬ 
nisnahme übermittelt. 

7) Beim Transport Lepröser hat das Circular des 
Ministeriums des Innern vom 20. Februar 1900 als 
Richtschnur zu dienen.» 


Wie man sieht, stellt sich die russische Regierung 
mit diesem Erlass auf den Standpunkt, dass, wenn auch 
nicht alle, so doch gewisse Formen der Lepra an¬ 
steckend und somit für die Volksgesundheit gefährlich 
sein können und verfügt, dass Kranke, dio an einer i 
solchen ansteckenden Form leiden, isolirt werden sollen. I 
Was die Form der Isolirung betrifft, so wird in dem | 
Erlass vor Allem die häusliche Isolirung der Kranken 
in’s Auge gefasst und nur in denjenigen Fällen, wo eine 
häusliche Isolirung bei den gegebenen häuslichen Um¬ 
ständen und Lebensverhältnissen des Kranken nicht ge¬ 
nügend erscheint, um die Umgebung des Kranken vor 
einer Ansteckung zu sichern, muss der Kranke eventuell 
auch gegen seinen Willen in einer Krankenanstalt oder, 
wo ein solches vorhanden ist, in einem Leprosorium 
internirt werden. Die Entscheidung, ob ein Aussätziger 
in ein Leprosorium gebracht oder zu Hause isolirt wer¬ 
den muss, hängt in jedem einzelnen Fall von einer vom 
Gouverneur zu ernennenden staatlichen Commission ab, j 
zu welcher unbedingt der Medicinalinspector und noch 
2 andere Aerzte gehören müssen. Da die zwangsweise 
Internirung eines Kranken naturgemäss eine schwere 
Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit des Unglück¬ 
lichen involvirt, so ist es verständlich, dass die Ver¬ 
fügung hierüber nicht einem einzelnen Arzt, sondern 
einer staatlichen Commission übertragen ist. 

Vom medicinischeu sowie vom rein menschlichen Ge¬ 
sichtspunkt können diese Bestimmungen nur mit voller 
Zustimmung begrüsst werden. Bei einer so schreckens¬ 
vollen Krankheit, wie es die Lepra nun einmal ist, 
kann die zwangsweise Isolirung nicht ganz umgangen 
werden, es sei denn man stehe auf dem heutigen Tages 
nicht mehr zu rechtfertigenden Standpunkt, die Lepra 
überhaupt nicht für ansteckend zu halten. Auch die 
russische Regierung kann sich dieser Consequenz nicht 
entziehen, allein sie hat das humane Bestreben die 
Zwangsinternirung in einem Leprosorium nur im äusser- 
sten Fall anzuwenden und dieselbe soweit als möglich 
durch die häusliche Isolirung zu ersetzen, — ja sie geht 
so weit auch solche Formen der Lepra zu statuiren, 
welche, als nicht ansteckend, Überhaupt nicht isolirt zu 
werden brauchen. 

Hier stehen wir an dem Punkt, der uns Aerzte am 
lebhaftesten interessiren muss. 

Dass die Lepra eine contagiöse Infectionskrankheit ist 
und sich durch Uebertragung vom Kranken auf Gesunde 
verbreiten kann, wird heutigen Tages von der Mehrzahl 
der Aerzte, welche diese Krankheit nicht nur aus spo¬ 
radischen Einzelfällen sondern als endemische Volks- 
seuche kennen, nicht mehr bezweifelt. Eine mächtige 
Stütze erwuchs der Lehre von der Contagiosität der 
Lepra aus der Entdeckung des Bacillus leprae durch 


Armauer Hansen und Neisser. Allein es muss 
doch zugegeben werden, dass der Beweis für die Con¬ 
tagiosität einer Krankheit durch den Nachweis eines 
specifischen Bacillus allein noch nicht erbracht ist. Da 
es ferner bis jetzt noch nicht gelungen ist, den Lepra¬ 
bacillus in Reincultur ausserhalb des menschlichen Or¬ 
ganismus zu züchten und auf Thiere zu übertragen und 
da auch endlich die—wenigen Versuche, die Krank¬ 
heit direct von Mensch zu Mensch zu überimpfen, 
welche von einzelnen Forschern gewagt worden sind, 
bis auf wenige zweifelhafte Ausnahmen alle negativ 
ausgefallen sind, so ist es klar, dass zur Entscheidung 
der Frage nach den Wegen, auf denen die Lepra sich 
verbreitet, der Versuch gemacht werden musste, mit 
Hilfe anderer Untersuchungsmethoden ein möglichst ein¬ 
wandsfreies Material herbei zu schaffen. 

Zunächst war man bemüht durch statistische Saramel- 
forschung dem Wesen der Krankheit näher zu treten. 
Das bedeutendste Unternehmen ist iu dieser Beziehung 
unzweifelhaft das der Leprosy Commission of India, 
welche in den Jahren 1890 und 1891 Indien bereiste 
und die Resultate ihrer statistischen und pathologischen 
Untersuchungen in einem ausführlichen Werk «Report 
of the Leprosy Commission in India 1890—91* London 
1893 veröffentlicht hat. An Grossartigkeit und Umfang 
des zu Grunde liegenden Materials ist das wohl eine 
der bedeutendsten Arbeiten auf dem Gebiet der Lepra¬ 
forschung, allein man kaun leider nicht behaupten, dass 
dieselbe uns in der Erkenntniss der Ursachen und Ver¬ 
breitungswege der Seuche wesentlich gefördert hätte. 
Der Grund hierfür ist der, dass die von der Lepra- 
Commission gewählte statistische Untersuchungsmethode 
für diesen Zweck nicht geeignet war. Gewiss kann die 
mit grossen Zahlen rechnende und weite Länderstrecken 
umfassende Ferschungsmethode der Engländer uns den 
besten Aufschluss geben Uber die geographischen, ethno¬ 
graphischen und hygienischen Verhältnisse, unter denen 
die Lepra am üppigsten gedeiht, sie kann uns auch dar¬ 
über belehren, dass ungünstige sociale Zustände, Armuth, 
Elend und Unreinlichkeit die Infection begünstigen und 
das Wachsthum der Seuche befördern — nie aber wird 
sie uns lehren, woher der Leprabacillus stammt und auf 
welchem Wege derselbe in den Körper des Erkranken¬ 
den gelangt. Dieses aber ist die Frage, für 
die wir die Antwort suchen. 

Hier kann nur das Experiment Licht schaffen, oder, 
wo solches nicht möglich ist, die sorgfältige Be¬ 
obachtung der Einzelfälle, in denen die Natur 
selbst ihre Experimente ausführt. Dazu genügt auch 
1 ein kleines Material, wenn es nur gewissenhaft ausge- 
I nützt wird. Forschungen an Ort und Stelle und ge- 
i naue3 Eingehen auf die Vorgeschichte des Einzelfalles 
sind die Hilfsmittel, durch die allein wir in den Besitz 
von beweiskräftigen Thatsachen gelangen können. 

Zn den ersten Forschern, welche diesen Weg der 
Analyse der Einzelfälle betreten haben, gehören Prof. 
Münch in Kiew und Prof. v. Wahl in Dorpat. 

Unter der Leitung des Letzteren sind in den russi¬ 
schen Ostseeprovinzen Estland, Livland und Kurland, 
wo die Lepra seit langer Zeit endemisch vorkommt, 
einzelne Districte und Herde der Krankheit mehrfach 
einer solchen specieli auf die Verbreitungswege der 
Krankheit gerichteten Durchforschung unterzogen wor¬ 
den. Ich nenne hier nur die Inauguraldissertationen 
von Wellberg (Dorpat 1884), Paulson (Dorpat 
1885) und He 1 lat (Dorpat 1887), welche zuerst sichere 
Daten über die Verbreitung der Lepra in Est-, Liv- 
und Kurland geliefert haben. Ferner hat A. v. Berg¬ 
mann (Zur Contagiosität der Lepra. Volkmann’s 
Sammlung klin. Vorträge N. F. Nr. 33, 1891) durch 
mühsame Erkundigungen und Nachforschungen im Jahre 









159 


1890 in der Stadt Riga 106 Aussätzige namentlich fest¬ 
gestellt und zum grossen Theil neu entdeckt; zugleich 
war er bemüht durch genaue anamnestische Nachfragen 
zu eruiren, ob, wann und wie die Kranken mit anderen 
Leprösen in Berührung gekommen sind. Dadurch ist es 
v. Bergmann gelungen nachzuweisen, dass ca. 60 pOt. 
der Aussätzigen längere oder kürzere Zeit vor ihrer 
Erkrankung mit leprösen Individuen zusammen gelebt 
oder doch in engem Verkehr gestanden haben Eine 
Uebertragung von den Eltern auf die Kinder, wie sie 
von den Anhängern der Hereditätslehre postulirt wird, 
war nur in der Minderzahl der Fälle zu constatiren, 
viel häufiger handelte es sich um Leute, welche in ent¬ 
fernter oder gar keiner Verwandtschaft zu einander 
standen. Diese Thatsachen sprechen sehr für die Con- 
tagiosität der Lepra, um so mehr, weil unter den 40 i 
pCt. der Kranken, deren Anamnesen negativ ausfielen, 
gewiss viele ihre Antecedentien, welche ein Licht auf 
den Ursprung der Krankheit werfen könnten, verheim¬ 
licht haben. 


j liöfeu oder Familien zusammengehäuft erscheinen: es 
zeigte sich aufs Deutlichste, dass die Lepra in einzelnen 
Herden und Nestern auftritt und an kleine, eng zusam¬ 
menhängende Menschencomplexe gebunden ist, wie sie 
in den einzelnen Bauerhöfen gegeben sind. Auf Einzel¬ 
heiten kann ich hier nicht eiugehen, obgleich diese ge¬ 
rade das hellste Licht auf die Verbreitungsweise der 
Lepra zu werfen vermögen. Jedenfalls hat Lohk als 
gesetzmässige Thatsache feststellen können, dass die 
Aussätzigen vor Ausbruch ihrer Krankheit fast stets in 
mehr oder weniger enger Beziehung mit Leprösen ge¬ 
lebt haben. Mit Hilfe der Angaben über die schon 
verstorbenen Kranken hat er die Krankheitsgeschichten 
nicht einzelner Personen, sondern ganzer Gruppen von 
Menschen feststellen können. Diese Krankheitsgeschich¬ 
ten werfen auf die Verbreitungsweise der Lepra in 
Oesel ein helles Licht. 

Als Illustration für das Gesagte führe ich aus der 
Lohk’schen Arbeit ein Beispiel an: 


A. v. Reissner (Contagiosität der Lepra. Monats¬ 
hefte f. prakt. Dermatologie Bd. XVII1 189 i), Arzt des 
Riga’schen städtischen Leprosorium, hat in einem Armen¬ 
hause, welches 200 Insassen beherbergte, 9 Lepröse ge¬ 
funden und in einem zweiten mit 140 Insassen entdeckte 
er sogar 13 Aussätzige Von diesen 23 Kranken sind 
4 schon bei ihrem Eintritt in die Anstalt leprös gewe¬ 
sen, die 19 Uebrigen haben die Krankheit erst im Ar¬ 
menhaus acjuirirt; 9 Mal erkrankte die Bettnachbarin 
(es handelte sich um die weibliche Abtheilung der An¬ 
stalt) einer Leprösen, 6 Mal erfolgte die Erkrankung 
nach jahrelangem intimem Umgang. Vier Erkraukungen 
konnten nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit durch 
häufige zufällige Berührungen mit den leprösen Insassen 
der Anstalt erklärt werden. 

Sehr lehrreich sind die Untersuchungen, die mein 
Schüler H. Lohk (Epidemiologische Untersuchungen 
über die Lepra und den ätiologischen Zusammenhang 
ihrer Einzelerkrankungcn. Archiv für Dermatologie und 
Syphilis. Bd. 40 Heft 2 und 3, 1897) auf meine Ver¬ 
anlassung im Jahre 1894 auf der Insel Oesel angestellt 
hat. Diese Insel, zur Provinz Livland gehörig, ist etwa 
4j Kilometer lang und 100 Kilometer breit und von 
etwa 60 0^0 Menschen bewohnt, die hauptsächlich Acker¬ 
bau und Fischfang betreiben und in kleinen Dörfern 
und in einzelstehenden Baoerhöfen wohnen. Im südwest¬ 
lichen Theil dieser Insel ist die Lepra endemisch. Für 
die beabsichtigte genauere Durchforschung erschien die¬ 
ser Landstrich am geeignetsten, denn es handelt sich 
hier um ein abgeschlossenes nicht allzu dicht bevölker¬ 
tes Gebiet, wo die Lepra zwar schon seit langer Zeit 
heimisch ist, aber noch nicht grosse Dimensionen ange¬ 
nommen hat. In Folge dessen liess sich der eventuelle 
ätiologische Zusammenhang der einzelnen Leprafälle 
unter einander hier leichter entwirren als in Gegenden 
wo die Leprafälle sehr zahlreich und die gegenseitigen 
Beziehungen der Leprösen zu einander sowohl als auch 
zu den Gesunden viel complicirter sind. — Dieses Revier 
nun hat Herr Lohk mit Hilfe der örtlichen Pastore 
und Gemeindeältesten sowie der Kreispolizei aufs Ge¬ 
naueste durchforscht, indem er von Dorf zu Dorf und 
von Bauernhof zu Bauernhof zog und alle noch leben¬ 
den Aussätzieen genau untersuchte und nach ihren Le¬ 
bensschicksalen und Lebensverhältnissen befragte. Vor 
Allem hat er in jedem Fall festzustellen versucht, ob 
und wann der Kranke mit anderen Aussätzigen in en¬ 
gere oder entferntere Berührung gekommen ist. Bei 
dieser Untersuchung stellte sich nun heraus, dass die 
Erkrankten nioht regellos Uber das ganze Gebiet zer¬ 
streut sind, sondern ihrer grössten Mehrzahl nach in 
einzelnen Dörfern nnd hier wieder in einzelnen Bauer- 


Ira Jahre 1859 diente die an tuberöser Lepra leidende 
Katharina Pruul als Tagelöhnerin auf dem Gute Tirimetz, 
wo sie mit sieben anderen Arbeitern und Arbeiterinnen 
in einem Hause wohnte und an einem Tisch speiste. 
Unter ihnen befand sich auch Martin Hints, welcher 
einige Zeit danach an Lepra tuberosa erkrankte und iin 
Jahre 1874 starb. Einige Jahre nach der Erkrankung 
des Martin wurde auch seine bis dahin gesunde, aus 
einer nicht leprösen Familie stammende Frau Anna 
Hints von Lepra befallen. Nach dem Tode des Martin 
lebte die Anna Hints bei ihrem Bruder Justus Küwel 
im Marri-Hof als Wärterin von dessen Kindern. Hier 
wohnte sie längere Zeit in einem Zimmer mit einer 
Anverwandten Namens Lena Küwel und schlief mit der¬ 
selben in einem Bett. Diese Lena Küwel erkrankte 
danach an Lepra tuberosa und wurde wegen dieser 
Krankheit im Jahre 1878 im Hospital verpflegt. Die 
nächste Erkrankung in demselben Marri-Hof fiel auf 
Heinrich Küwel, den im Jahre 1872 geborenen Sohn 
des Justel. Anna Hints war mehrere Jahre lang seine 
Wärterin und auch die schon genannte Lena Küwel 
lebte auf demselben Bauern 1 of und kam mit Heinrich 
in vielfache Berührung. Im Jahre 1863, also in seinem 
11. Lebensjahre, litt Heinrich Küwel an ausgebildeter 
Lepra tuberosa und ist also offenbar schon früher er¬ 
krankt. Sein jüngerer im Jahre 1879 geborener Bruder 
Wilhelm Küwel leidet seit 1889 an Lepra auaesthetica; 
er lebt ebenfalls auf dem Marri-Hof und hat mit seinem 
leprösen Bruder Heinrich oftmals in einem Bett geschla¬ 
fen. Die Eltern von Wilhelm und Heinrich Küwel sind 
gesund geblieben uni auch die Grosseltern waren nicht 
leprös. 

Oder ein anderes Beispiel, das Dr. Koppel (St. 
Pötersb. Medicin. Wochenschrift 1897 Nr. 37) erzählt: 
Vor 25 Jahren siedelte Jaan A. aus der Stadt Fellin 
in Livland auf das Gut Testamaa über, welches er ge¬ 
pachtet hatte. Einige Zeit danach folgte ihm sein Bru¬ 
der, welcher mit Lisa B. verheirathet war. In der Fa¬ 
milie l». waren Fälle von Lepra vorgekommen. Beide 
Brüder wohnten in einem Hause aber in verschiedenen 
Zimmern. Hier erkrankte die Lisa B. an Lepra, aber 
da die Krankheit erst später erkannt wurde, so wurde 
der Familieoverkehr mit ihr in keiner Weise beschränkt. 
Einige Jahre später zog der Bruder mit seiner leprösen 
Frau in eine andere Gegend. Zwei seiner Kinder sind 
jetzt ebenso wie die Mutter leprös geworden. Jetzt 
nachträglich erkrankte der obengenannte JaanA. gleich¬ 
falls an der Lepra. 

Aehnliche wuhlccnstatirte Krankheitsgeschichten könnte 
ich aus den Arbeiten von Koppel und Lohk noch 
viele anführen. Ueberhaupt hat Lohk auf der Insel 


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160 


Oesel über 121 Fälle von Lepra genauere Thatsachen 
estgestellt; davon seien folgende hervorgehoben: 

In einem Falle erkrankt ein Ehemann, nachdem er 
eine Lepröse geheirathet hat. 

In vier Fällen acquirirt ein Ehegatte die Lepra und 
danach später die andere Ehehälfte. 

In zwei Eällen acquirirt der Sohn die Lepra in der 
Fremde, kehrt heim und nach einiger Zeit wird die 
Mutter leprös. 

In 19 Fällen ist angegeben, dass der betreffende Aus¬ 
sätzige vor seiner Erkrankung mit einem tuberös Le 
prösen das Bett getheilt habe. 

In 27 Fällen handelt es sich um die Bewohnung eines 
Zimmers, in dem auch Lepröse logirten, um Kranken¬ 
pflege bei Leprösen und um wiederholten Verkehr mit 
denselben. 

Der unbefangene Leser muss sich sageD, dass alle 
diese Erkrankungen kaum anders als durch eine con- 
tagiöse Uebertragung der Krankheit von 
Mensch zu Mensch erklärt werden können. 

Die unzweifelhaft richtige Thatsache, dass sehr häufig 
Eltern und Kinder oder nahe Verwandte erkranken, 
legt die Annahme einer erblichen Uebertragung der 
Krankheit nabe. Wenn wir aber genauer Zusehen, so 
zeigt sich, dass eben so oft Herr und Knecht, Bauern- 
wirthin und Mägde oder Stubengenossen, die nicht bluts¬ 
verwandt sind, von der Seuche ergriffen werden, und 
augesichts dieser Thatsache erscheint es doch wahr¬ 
scheinlich, dass auch die Erkrankungen naher Blutsver 
wandten und namentlich das Befallenwerden von Eltern 
und Kindern auf die durch das nahe Zusammenleben 
beförderte Contagion zurückzuführeu sind. 

Als Anhänger der Contagionslehre glaube ich meine 
Anschauung nicht piägnannter ausdrücken zu könneu 
als durch den Satz: Die Lepra ist nicht eine 
Krankheit der Familie, sondern eine 
Krankheit der Hausgenossenschaft uud des 
engen Verkehrs. 

Dass Schmutz und Elend die Verbreitung der Seuche 
befördern, bleibt dabei zu Recht bestehen, denn die 
Armuth zwingt die Gesunden und die Kranken in ein 
Zimmer und oft in ein Bett zusammen; sie nöthigt Alle 
aus einer Schüssel zu essen und die Kleider der Aus¬ 
sätzigen, an denen vielleicht noch der Eiter und die 
Bacillen lepröser Geschwüre kleben, gemeinsam zu be¬ 
nutzen. Dass Unreinlichkeit das Haften und die Ueber¬ 
tragung des Leprabacillus erleichtern muss, liegt klar auf 
der Hand. 

Nachdem ich die Gründe dargelegt habe, weshalb ich 
die Lepra für eine contagiöse Infectionskrankheit halte, 
bin ich jedoch verpflichtet, einige Einschränkungen zu 
machen. 

Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass die Ueber¬ 
tragung der Lepra ein relativ seltenes Ereigniss ist; 
von den vielen Menschen, die mit einem Leprösen, so 
lange er noch nicht isolirt ist, in Berührung kommen, 
erkranken immer nur Einzelne Wenige; die Mehrzahl 
der Ehegatten von Aussätzigen bleiben trotz des engsten 
Zusammenlebens verschont und nur die Minderzahl wird 
inficirt, und obgleich die Zahl der Menschen nicht ge¬ 
ring ist, die, aus gesunden Gegenden ausgewandert, sich 
in exotischen Läudern inficirt haben und dann als Le¬ 
pröse in ihrer Heimath, in Paris, London, Hamburg 
oder Berlin, den Rest ihres Lebeus verbringen, so hat i 
mau doch bis jetzt nicht gehört, dass sie daselbst Ur- ' 
Sache neuer Ansteckuugen geworden wären. 

So schrecklich die Lepra als Krankheit ist, so ist 
doch ihre Contagiosität keine sehr intensive. Das kann 
entweder daran liegen, dass der Leprabacillus sich we¬ 
niger leicht als andere Krankheitserreger von Mensch 
zu Mensch überträgt und nicht so leicht haftet, oder 


I aber es finden sich unter einer grossen Anzahl Men¬ 
schen immer nur Wenige, welche für das Contagium der 
Lepra empfänglich sind. Wie bei jeder anderen Infec- 
tionskraokheit, so wird gewiss auch bei der Lepra die 
individuelle Disposition eine sehr grosse, vielleicht die 
massgebende Rolle für die Art und Intensität der Krank- 
heiisverbreitung spielen, und es ist sogar die Möglich¬ 
keit nicht zu leugnen, dass diese Disposition ähnlich 
wie bei der Tuberkulose erblich übertragbar ist, aber 
etwas Sicheres wissen wir hierüber nicht und die 
Thatsache, dass die Verbreitung der Seuche auf dem 
Wege der Contagion erfolgt, wird hiervon nicht be- 
j rührt. 

Mit Recht sagt Lohk: «So lange wir über die bio- 
; logischen Eigenschaften des Leprabacillus noch völlig im 
I Unklaren sind, so lange wir nichts wissen von den Le- 
[ bensbedingungen, unter welchen derselbe innerhalb oder 
: ausserhalb des menschlichen Körpers leben und wachsen 
kann; so lange wir endlich nichts Genaueres über die 
i individuelle Empfänglichkeit des menschlichen Organis- 
; mus gegenüber dem Leprabacillus wissen, so lange kön¬ 
nen wir auch nichts aussagen Uber die Umstände, welche 
die grössere oder geringere Häufigkeit der Lepra bedin¬ 
gen. Ob hier die grössere oder geringere Disposition 
der Menschen oder die stärkere oder schwächere Wachs- 
, thumsenergie des Bacillus resp. seine grössere oder ge¬ 
ringere Virulenz eine Rolle spielt, wer möchte das zu 
entscheiden wagen. Ich halte mich nicht für berech¬ 
tigt, mit meinen Vermuthungen den Thatsachen voraus¬ 
zueilen». 

Noch auf einen Punkt muss ich die Aufmerksamkeit 
meiner Leser wenden, weil ich denselben für sehr wich¬ 
tig halte. Er betrifft die bisher nur sehr wenig ge- 
1 prüfte Frage, ob alle Formen und Stadien der Lepra 
gleich ansteckend sind, oder ob die verschiedenen Fälle 
in dieser Beziehung Verschiedenheiten darbieten. 

Als ich gemeinsam mit Herrn Lohk die Angabeu 
| seiner Arbeit durchsah, fanden wir in zwei Kirchspielen 
I des von Lohk durchsuchten Gebietes im Ganzen 18 Fälle 
| von Lepra tuberosa, 11 Fälle von Lepra anaestheticaund 2 
i Fälle v« n Lepra mixta mit zuverlässigen und gut v«r- 
i werthbaren anamnestischeu Angaben. Aus diesen ergab 
I sich Folgendes: Unter den 48 tuberösen Erkrankungen 
| finden sich 36 d. h. 7n°/ 0 , welche mit aller Wahrschein- 
I lichkeit Tochtererkrankungen nach sich gezogen und 
somit contagiöse Wirkungen ausgeübt haben. Unter den 
; 13 Fällen vou Lepra anaesthetica und Lepra mixta da- 
| gegen findet sich kein einziger, bei dem auch nur ein 
I Verdacht vorhanden wäre, dass er weitere Erkrankun- 
| gen nach sich gezogen habe. Diese Thatsache ist um so 
beweiskräftiger, als wir zur Zeit der Lohk’schen Unter¬ 
suchungen nichts von der Ungefährlichkeit der Lepra 
anästhetica wussten und dieselbe für ebenso contagiös 
hielten wie die tuberöse Form. 

Die Volkserfahrung auf Oesel freilich hat schon früher 
ihr Urtheil gesprochen, indem die dortigen Bauern die 
Lepra tuberosa zwar für sehr ansteckend ansehen, dagegen 
die Lepra anästhetica für nicht contagiös, ja überhaupt 
nicht für eine Form des Aussatzes sondern für eine 
selbständige Krankheit halten, die mit Lepra nichts zu 
thnu habe. 

So überraschend diese Thatsachen für uns waren, so 
erfreulich war es uns nachträglich constatiren zu können, 
dass schon drei Jahre früher einer der erfahrensten 
Leprafurscher nämlich A r mau e r Hansen in Norwegen 
gemeinsam mit Dr. C. Looft auf einem ganz andern 
Wege zu demselben Resultat gelangt ist. Die ebenge¬ 
nannten Autoren sagen in ihrem Werk: (Die Lepra vom 
klinischen und pathologisch-anatomischen Standpuncte 
von Armauer Hansen und Dr. Carl Looft. 
Cassel, Verl. v. Th. G. Fischer u. Co. 1894) auf pag. 


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161 


41 wörtlich: «Wir finden es wahrscheinlich, dass die 
knotige Form (sc. des Aussatzes) gefährlicher sein muss 
als die maculo anästhetische. Das letzterescheint dadurch 
bestärkt zu werden, dass in Sogn, wo sich 56,G°/o kno¬ 
tige und 43,4°/« maculo-anästhetische Patienten fanden, 
das Zogangsprocent (sc. der Neuerkrankungeu) zwischen 
8 und I0,8°/o schwankt, während dasselbe Procent in 
Soendfiord mit 72,67° knotigen und 27,47« maculo-anästhe- 
iischen Patienten, zwischen 14,4 und 19,5 schwankt. In 
der knotigen Form giebt es ja auch unendlich viel mehr 
Bacillen als in der maculo-anästhetischen und in dieser 
letztem giebt es keine bacillenhaltigen Secretionen wäh¬ 
rend solche in der knotigen Form fast constaut vorhan¬ 
den sind». 

Um etwaigen Missverständnissen vorznbeugeu sei hier 
erwähnt, dass selbstverständlich die inaculo-anäsihelischen 
Fälle ebenso wie die tuberösen durch contagiöse Ueber- 
tragung entstehen, was durch anamnestischo Nachfor¬ 
schungen auch in den meisten Fällen nachgewiesen 
werden kann. 

Ich unterschreibe auch heute die Formulirung welche 
Herr Lohk und ich unserer Ansicht im Jahre 1897 
gegeben haben. 

Die Lepra tuberosa ist eine contagiöse 
Krankheit; die Lepra macul o-anästhetica 
dagegen wird zwar durch den Leprabacil¬ 
lus oder durch das Lepra virus auf de in 
Wege der Contagion hervorgerufen, ist 
aber selbst nicht, oder nur in geringem 
Masse ansleckend. (Lohk. 1. c. pag. 72). 

Diesen Worten fügt Lohk noch folgende Betrach¬ 
tung an, die auch meinen Ansichten vollkommen ent¬ 
spricht: 

Diese Thatsache scheint mir von grosser praktischer 
Wichtigkeit zu sein. Da wir bis jetzt leider kein Mittel 
besitzen, um die Lepra zu heilen, so besteht die einzige 
Möglichkeit der Bekämpfung dieser unheilvollen Seuche 
darin, dass wir die Kranken in Leprosorien isoliren und 
sie dadurch verhindern, ihre Krankheit auf andere Men¬ 
schen zu übertragen. Wenn nun aber die Lepra anästhe- 
tica nicht contagiös ist, so liegt kein Grund vor, die 
von dieser Form des Aussatzes befallenen Kranken in 
Leprosorien einzusperren. Wir können uns vielleicht 
damit begnügen, nur die tuberös Leprösen in Aussatz- 
häuser unterzubringen. Dadurch wird der Kampf gegen 
den Aussatz nicht nur viel billiger werden, sondern 
auch für viele der unglücklichen Kranken seine 
Schrecken verlieren und ein humaneres Aussehen ge¬ 
winnen. 

Es freut mich an dieser Stelle mich auch auf Dr. 
S. V. I in pey in Capstadt berufen zu können, welcher 
im Jahre 1897 auf der Lepra-Conferenz zu Berlin (Mit¬ 
theilungen und Verhandlungen der internat. Lepra-Con¬ 
ferenz zu Berlin. Berlin 1897. Verl. v. Aug. Hirsch¬ 
wald pag. 94) die Ansicht ausgesprochen hat, dass die 
anästhetische Lepra nicht ansteckend sei. 

Hier bin ich an dem Punkt angelangt, wo ich wieder 
zum Erlass der Russischen Regierung zurückkehren 
kann, der den Anfang dieser Mittheilung bildet. 

Wenn dieser Erlass von der Annahme ausgeht, dass 
nicht alle Formen der Lepra gleich ansteckend und 
gleich gefährlich für die Umgebung sind, so muss man 
dem nach unsern bisherigen Erfahrungen nur unbedingt 
beistimmen; es lasst sich sogar sagen, dass die maculo- 
anästhetischen Formen zu den ungefährlichen gehören — 
aber weiter kann man nicht gehen ohne die sichere 
Basis unserer positiven Erfahrung zu verlassen. Mir 
ist öfter die Meinung begegnet, dass auch tuberöse 
Aussätzige, so lange sie keine Geschwüre anderKörper- 
oberfläche tragen und somit ihre Bacillen nicht an die Äus- 
senwelt abzugeben vermögen, gleichfalls als ungefährlich zu j 


betrachten seien. Das ist grundfalsch, denn erstens sprechen 
unsere klinischen oder richtiger gesagt unsere epidemiologi¬ 
schen Erfahrungen durchaus gegen diese Ansicht, und zwei¬ 
tenswissen wirausdendirecten Beobachtungen von Sticker 
und Schaffer, dass die Leprabacillen nicht nur im 
Geschwürseiter, sondern auch in andern Exkreten, wie 
im Nasenschleim und in der Ausathmuogsluft zu Millio¬ 
nen nach aussen befördert werdeD. 

Wenn wir also einerseits mit der Erklärung, dass ein 
Aussätziger an der nicht ansteckenden Form der Krank¬ 
heit leide, sehr vorsichtig werden sein müssen, so giebt 
es andrerseits auch practische Umstände und Verhält¬ 
nisse, die bei der Entscheidung über die legale Behand¬ 
lung eines Leprösen berücksichtigt werden müssen. Die 
Erfahrungen, die in London, Paris, Hamburg und andern 
Orten mit den daselbst sporadisch wohnenden Leprösen 
gemacht worden sind, beweisen, dass die Uebertragung 
der Krankheit auf die Umgebung auch ohne die aller- 
s'rengste Isolirung in Aussatzhäusern verhütet werden 
kann, wenn nur der Kranke über eine genügende Ein¬ 
sicht verfügt, um freiwillig daheim die nothwendigen 
Vorsichtsmassregeln einzuhalten. Allzuviel wird dabei 
nicht verlangt. Nach den in Norwegen gemachten Er¬ 
fahrungen genügen eine abgesonderte Wohnung oder zum 
Wenigsten ein eignes Zimmer, ein eignes Bett, eigne 
Wäsche, die besonders gereinigt werden muss, eigne ge¬ 
sonderte Kleidung und gesondertes Speisegeräthe, Rein¬ 
haltung des Körpers durch häufige Waschungen und wo 
möglich häufige Bäder in einer besondern Badestube. 
Vor allen Dingen aber möglichste gegenseitige Zurück¬ 
haltung im Verkehr, sowohl seitens des Kranken als 
seitens seiner Umgebung zu fordern. 

Alle diese Forderungen setzen einen gewissen Wohl¬ 
stand und einen gewissen Grad von Bildung beim Kran¬ 
ken und seiner Umgebung voraus, und so wird die Frage 
der Behandlung der Leprösen zu einer Frage der 
Cultur des Volkes. Je höher ein Volk in materieller und 
geistiger Beziehung steht, desto eher wird man die Le¬ 
prösen der häuslichen Beaufsichtigung und Pflege über¬ 
lassen können; je unreinlicher, je ärmer und je roher 
ein Volk, desto häufiger wird es nöthig sein, die Aus¬ 
sätzigen, und sei es auch zwangsweise, aus der Mitte 
desselben zu entfernen und in Leprosorien zu interniren, 
um so der Infection breiterer Volksschichten vorzu- 
beugen. 


Referate. 

W i t c z a k (Jastrzemb). Zur Behandlung der Scrophulose. 

! Verf. sieht als integrirenden Bestandteil der Kar ausser 
den üblichen Soolbfidern auch die innere Verabreichung einer 
I schwächeren etwa 1 pCr. Soole an und zwar soll sie nicht 
nur im Lauf des Sommers gebraucht werden, sondern auch 
Im Lauf des Wimers soll mehre Mal eine 4-wöchentliche 
Trinkkur eingeschoben werden. Wegen der sehr günstigen 
Erfolge dieser Knr, unter deren Einfluss selbst skrophulöse 
Gelenkaffectionen, Fisteln n. s. w. ausheilten, glaubt er mit 
Prof. Saltmann, dass die Scrophulose eine besondere 
Krau.kheit sei, die mit der Tnberculose meist nichts zu thnn 
habe (Dieser Gruud ist jedenfalls unzureichend, denn die 
Heilbarkeit der Tuberculose ist doch genngsain dargethan- 
Ancli über die diagnostischen Zweifel wird man meist leicht 
kommen können, wenn man in jedem zweifelhaften Fall, wie 
ich das mehrfach getlian, eine diagnostische Tuberculineinsprit- 
zung macht- Dieses diagnostische Hilfsmittel, das in der Ve- 
terinärmedicin allgemein benutzt wird, findet iu der mensch¬ 
lichen Diagnostik noch viel zu wenig Verwendung. (Ref.). 

Buch. 

Foss, (Görbersdorf, Bremer’sche Anstalt): Beiträge zur 
Sauerstoffbehandlung. 

Verf. weist in einer bedeutungsvollen Arbeit die grosse 
therapeutische Bedeutung nach, welche systematischen Sauer- 
stoffinlialationen zukommt. Durch eine grosse Zahl sehr über¬ 
zengend wirkender sphygmographischer Kurven werden die 
Erfolge sehr anschaulich gemacht- Alle diejeuigen Fälle, in 


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162 


denen Sauerstoffhunger besteht, Ist nach F. die 0 therapie 
angezeigt, mag sie anf mangelnder Bildung oder mangelnder 
Function der Lungen, des Circulationsapparates oder des 
Blutes beruhen, alle Falle also, wo Kurzathmigkeit, schwacher 
beschleunigter Puls, Cyanose besteht. Vor allen Dingen sind 
es die vom Herzen abhängigen Circulationsstörungen, weniger 
Lungeukrankheiten, in welchen diese Therapie vorzügliches 
leistet. Verf. erklärt das durch den in solchen Fftlleu beste¬ 
henden «Saner8toffhunger des Herzens». Die Knrven zeigen 
nicht nur eine constant nach der Einathmung auttretende 
Krftftjgung der Herzthätigkeit, sondern auch eine bleibende 
Kräftigung nach einer O-Kur. Schwache Patienten ertragen 
ferner unter dem Einfluss von 0 viel besser höhere Badetem¬ 
peraturen und wo nach einem heissen Bade bedenkliche Er¬ 
scheinungen von Seiten des Herzens auftreten, werden sie am 
besten durch O-inlialationen gehoben. 

Verf. lässt kurmässig gewöhnlich 3 Ballons täglich einath- 
inen, wo es nöthig erscheint aber auch viel mehr. Irgend 
welchen Schaden hat er davon nie gesehen. 

Die Einathmungen werden vermittels eines in den Mund 
genommenen Mundstückes bewerkstelligt und müssen die Pa¬ 
tienten vor Beginn der eigentlichen Kur sich im Einathmen 
durch das Mundstück üben. Buch. 


Protokolle des XIV. Aerztetages 
der Gesellschaft Llvländlscher Aerzte ln 
Fellin vom 2. bis zum 4. September 1902. 

Zweite Sitzung. 

Montag den 2. Sept. 1902, von 3—7 Uhr Nachmittags. 

(Schluss). 

4) Dr. Sch wartz -Fellin. Bericht über das Asyl Marien' 
hof für Epileptiker und Idioten. 

M. H. im Einvernehmen mit dem H. Präsidenten des livl. 
Aerztetages habe ich mir die Freiheit genommen Sie zu einem 
Ansflnge nach Marienhof aufznfordern um Ihnen das daselbst 
errichtete Asyl für Epileptiker nnd Idioten zu zeigen und 
erlaube mir Ihnen vorher über Entstehung nnd Wirksamkeit 
desselben in Kürze zu berichten. Nachdem auf Anregungans 
den Kreisen der livl. Ritterschaft ein Verein znsammenge- 
treten war, welcher sich die Fürsorge für die so zahlreichen 
nnd bisher fast jeder Verpflegung entbehrenden Idioten und 
Epileptiker zur Aufgabe gestellt hatte, erfolgte im Juni 1893 
die ministerielle Bestätigung des Vereinsstatutes. Die erste 
Aufgabe des Vereins war natürlich die Herbeischaffnng von 
Geldmitteln, welche die Verwirklichung der weiteren Pläne 
des Vereins, die Errichtnng je eines Asyls für den lettischen 
und estnischen Tlieil 1 ivlands ermöglichen sollte. 

Dank der rührigen Thätigkeit des Directoriums, welches das 
Interesse für die Sache in ganz Livland zu wecken verstand 
und in vielen Städten Livlands Zweigvereine in’s Leben ge¬ 
rufen hatte, dank der muujflcenten Subvention von 2000 Rbl. 
jährlich seitens der livl. Ritterschaft, konnte — trotzdem der 
jährliche Mitgliedsbeitrag auf nur 1 Rbl. festgesetzt war — 
bereits im Jahre 1897 an die Erwerbung eines passendeu 
Grundstücks und die Errichtung des ersten Asyls gedacht 
und geschritten werden. 

In Marienhof — 3 Werst von Fell in - bot sich ein passen¬ 
des Landstück mit Baulichkeiten, welche den Zwecken eines 
Asyls fürs erste entsprachen, dasselbe wurde für 20.000 Rbl. 
gekauft und im October 1897 zum Asyl für Epileptiker und 
Idioten eingeweiht und eröffnet. Die ersten Pfleglinge waren 
3 Idiote und ein Epileptiker, die zu Livland gehörig, bisher 
in Tabor bei Mi tan verpflegt worden waren und mit einem 
geübten und erfahrenen Pfleger zusammen aus Tabor hieher 
übergeführt wurden. 

Schon im 1. Jahre zeigte der Zudrang der angemeldeten 
Pfleglinge, dass das Asyl in seiner ursprünglichen liestalt — 
es war ohne jede Erweiterung in dem früheren Herreuhause 
eingerichtet worden durchaus ungenügend war und ein Uin- 
und Ausbau resp. Erweiterung eine nicht abzuweisende Noth* 
Wendigkeit vorstellte. 

Nicht ohne Kampf und Schwierigkeiten konnte diese Frage 
zur Entscheidung gelangen, da dem ursprünglichen Plane 
zufolge, die weiteren Mittel d